Dienstag, 15. Oktober 2013

Qualität, Anspruch und Erfolg

Ich bin im Verlauf zu einer interessanten Theorie gelangt: Qualität und Anspruch haben nur sehr wenig mit dem Erfolg zu tun. Ein Buch wird aus ganz anderen Gründen ein Bestseller:

1. Manche Romane werden ein großer Erfolg wegen des Themas. Ein bestimmtes Thema liegt in der "Luft"- und dem Autor/ der Autorin gelingt es sich bei diesem Thema zu positionieren.
2. Manche Romane erinnern den Leser an ihre Lektüre in der Jugend... Die begeisterten Leser von Internatsgeschichten werden sicherlich ein wenig davon auch bei Harry Potter entdeckt haben.
3. Manche Romane verkaufen sich als eine Wunschvorstellung... Die meisten Menschen können sich bei bestimmten Romanen an ihre eigenen Wunschvorstellungen erinnern... und finden z.B. in Figuren von Harry Potter eine Idee von Bedeutung und Macht, die ja viele sich zumindest gewünscht hätten.
4. Manche Romane erzählen uns von faszinierenden Welten außerhalb unserer Vorstellungskraft...
5. Manche Romane stellen Fragen an die Welt.... in der Vergangenheit, Zukunft oder Gegenwart.
6. Manche Romane erzählen uns von einem besonderen Schicksal, dass einen Anschluss an eigene Erfahrungen bildet.
7. Manche Romane berühren eine Angst oder einen Schrecken in uns....
8. Manche Romane spiegeln unsere Welt in einer anderen... ob in der Vergangenheit, Zukunft oder Gegenwart.
9. Manche Romane wecken unsere Neugier....
... 

Die meisten Leser sind bereit drastische Abstriche bei Qualität und Anspruch hinzunehmen, wenn ein Roman sie durch eine oder mehrere der oberen Punkte packt. Denn dann überlesen wir viele Dinge, die uns bei einem Buch stören würden. Packt uns das Buch aber nicht so, dann steigt unser Anspruch.

Montag, 14. Oktober 2013

Komposition und intuition

Über viele Jahre habe ich mich intensiv mit der Komposition von Texten beschäftigt. Manchmal kann ich nicht einmal genau erklären, was ich da alles gemacht habe.
Irgendwie hat alles damit angefangen, dass ich die Geschichte bei meinen ersten, längeren Texten einfach nicht mehr unter Kontrolle hatte. Ich hatte keine Ahnung vom Aufbau eines Textes (von Kurzgeschichten einmal abgesehen), kein Gefühl für eine Struktur (von Szenen hin zu Kapiteln oder einem Roman), kein Gefühl für den Unterschied zwischen dem Blick als Autor und Leser, kein Gefühl für die Verwendung von bestimmten Worten (von Konjunktionen zu rhetorischen Figuren) und keine Ahnung, wie bestimmte Dinge wirken oder wirken könnten. Und das schlimmste von all dem: wenn ich die verschiedenen Zutaten zusammen gerührt habe, kam da nicht gerade ein leckeres Gericht heraus.
Ich habe im Anschluss knapp 15 Jahre damit verbracht, mich mit allen diesen Elementen zu beschäftigen und jeden längeren Text dadurch zu versauen. Denn ich habe alles immer bis zum Extrem (oft in allen Richtungen) ausprobiert. Nun, Extreme sind halt für das Lernen nahezu ideal geeignet. Nur leider sind sie nur wenig geeignet, um einen Text zu schreiben.
Vielleicht war es die längere Pause. Vielleicht waren es auch die vielen Hundert Überarbeitungen der vielen Hundert Seiten, die ich gemacht habe. Vielleicht auch bestimmte Einsichten. Ich kann es nicht sagen.
Wie die meisten Dinge, die man sich erarbeitet, werden auch viele Einsichten über das Schreiben einfach selbstverständlich. Ohne noch einen Gedanken daran zu verschwenden, greift der Geist und die Hände einfach auf die Erfahrung zurück. Aus Arbeit und Erfahrung wird Intuition.
Manchmal muss man korrigieren, manchmal durch Überarbeitung ausbessern- letztlich entwickelt sich dann nach und nach der individuelle Stil. Die Feinabstimmung würde ich dann als Komposition bezeichnen, sowohl nach dem Text, den Figuren und nach der eigentlichen Szene.

Samstag, 5. Oktober 2013

Scrivener

Eine der großen Geheimnisse des Schreibens ist eine verdammt gute Recherche, denn das Leben findet seinen Weg in einen fiktiven Roman über seine Anleihen an die Wirklichkeit. Nur ist es verdammt schwierig bei einem Erzähltext wirklich den Übersicht über die Recherchen zu behalten und seine Ideen ordentlich zu verpacken. Manches geht dann leider verloren. Manche Idee ist ohne den Zusammenhang ihrer Entdeckung nichts mehr wert. Nun, seit einigen Jahren gibt es ein Softwareprogramm für Autoren: Scrivener.

Irgendwann im Jahr 2006 hat jemand sich an ein Programm gesetzt, dass bei der Erstellung von längeren Texten helfen soll. Die Grundidee ist den eigentlichen Text, Informationen zum Text und Recherche in einem Programm zusammenzuführen. 
Eine der besonderen Anforderungen bei der Erstellung von längeren Texten ist, dass längere Texte eigentlich aus kleinen Elementen bestehen. Und das bei der Erstellung dieser Texte oft genug der Punkt kommt, wo diese Textelemente neu geordnet werden müssen, getauscht oder ersetzt. Genau dies sieht Scrivener vor: die Texte liegen einmal als Langtext, aber auch als geschnipselte Teiltexte vor. Es kann kommentiert werden, Fußnoten können gesetzt werden, und alles kann verschoben und versetzt werden.
Im Prinzip folgt das Programm einem Baukastenprinzip für den Text, dass durch direkte Verlinkung z.B. von Rechercheseiten im Netz, von Notizen und viele mehr zu verbinden ist.

Ich bin beeindruckt.