Sonntag, 28. Juli 2013

SUB stituiert...

Auf meinem Stapel ungelesener Bücher haben sich allerlei Bücher angesammelt, die ich mir wohl nie gekauft oder mir geliehen hätte:
Zwei Krimis/ Thriller aus dem skandinavischen Raum mit dem inzwischen standardisierten Serienkillermüll: Der Killer ist hoch intelligent, es legt Spuren, sein heimliches Ziel ist der gebrochene Ermittler, getötet wird besonders detailliert und besonders grausam...
Ein weiterer Autor/ Autorin hat sich überlegt, dass man aus einem Mythos einen Jugendroman stricken kann: Aus den Geschichten der antiken Götter/ des Vampirs/ die Magier... wird mit Hilfe einer Urgeschichte wie die Konkurrenz der beiden Brüder/ die Dreiecksbeziehung/ die Liebe des Unsterblichen zur Sterblichen eine ziemliche dünne Soße mit Hilfe der Heldengeschichte gekocht. Die junge Hauptfigur muss mindestens die Welt retten, seine Fähigkeiten übersteigen die alle Anderen, es gibt einen Lehrmeister und einen Ratgeber, immer mindestens einen Love-interest. Die Schurken sind besonders schurkisch, die Helden fehlerfrei und die Narren übernärrisch. Nur leider werden die jugendlichen Leser und ihre Probleme nie ernst genommen: die erste Liebe, die Probleme des Heranwachsens.... (Wie sehr vermisst man dann, dass im SUB die Strouds und die JKR fehlen). Das der Zufall dem Helden hilft, nachdem er ihn in Schwierigkeiten geschickt hat... naja.
Die Pseudofeminstinnen, die im Liebesroman entdecken, dass sie viel lieber das Leben ihrer unterdrückten Großmutter leben würden...
...


Für alle diese Bücher habe ich aber eine Empfehlung bekommen....

Donnerstag, 18. Juli 2013

Die Macht der Sprache oder wie Literatur entsteht...

Im Moment, so scheint es, muss ein Autor in Deutschland "sprachmächtig" sein, um zu den Aspiranten für bedeutsame Literatur zu gehören. Dabei wird die "Sprachmächtigkeit" fast zu einer Kategorie, um den Wert eines Schriftsteller zu messen.
Das ist nur leider eine Betrachtungsweise, die dem Autor und dem Werk nicht gerecht wird. Denn die ausgefeilte oder "sprachmächtige" Sprache benötigt immer einen allwissenden Erzähler oder zumindest eine Erzählfigur, die als "sprachmächtiger Erzähler" auftritt. Beides ist aus der Literaturgeschichte der deutschen Sprache weitgehend bekannt. Dies ist bei manchen Romanen sicherlich notwendig für die Geschichte, aber leider bilden diese Erzähler oder Erzählfiguren eine Einheit mit bestimmten Inhalten. Üblicherweise wird eine bestimmte Art Geschichte erzählt, von einem fontanischen Dampfplauderer, der seine eigene Sprachmacht beleuchtet... und kommentiert, statt zu erzählen. Manchmal wird die Geschichte aus Sicht eines Interlektuellen erzählt, was sicherlich seine Reiz hat. Aber leider besteht die Welt nicht nur aus Orten, wo diese Menschen hinkommen. Und oft genug verpassen Interlektuelle die interessanten Geschichten. Es gibt eine breite Auswahl an Klassikern und großer Literatur. die so aufgebaut ist.

In der deutschen Literatur wird im Moment vergessen, dass "Sprachmächtigkeit" oft genug bedeutet, dass der Erzähler sein Handwerk Sprache nicht der Geschichte unterordnet. Das es auch bedeutet, dass bestimmte Geschichte so nicht erzählt werden können. Deshalb wäre es für die Autoren wichtig, sich genau das einmal zu überlegen. Denn "Sprachmächtigkeit" bedeutet eben auch die Sprache als Handwerk zurückzunehmen, wenn es der Geschichte dient. Ob das den Kritikern gefällt- im Moment offensichtlich nicht. Aber was für Geschichten so schon geschrieben wurden.... Es könnte es wert sein.

Samstag, 6. Juli 2013

Pompöse Worte

In der letzten Zeit wird wieder verstärkt in Texten und Rezensionen auf "pompöse Worte" zurück gegriffen. Da wird ein Autor zum "sprachmächtigen" was-auch-immer und mit mehrsilbigen Mode- und Fremdworten wird eine einfach Sache ganz umständlich dargestellt.
Dies machen die Autoren/ Kritiker,  weil die "pompösen Worte" wie "sprachmächtig" die Überbleibsel von einer besonders gelungenen Rezension sind, in der sie wirklich eine Bedeutung hatten. Mit der häufigen Verwendung haben sie sich abgenutzt und wirken formelhaft. Ein schönes Beispiel aus einem anderen Kontext ist "den Geist aufgeben". In der Bibel und der frühen deutschen Sprachgeschichte war das eine geniale, tiefgründige Wendung- und nur der Sohn Gottes konnte das. Heute kann das jeder Toaster.

Das bedeutet nicht, dass diese Formeln schlecht sind. Die meisten Menschen haben zu ihnen einen schnellen Zugang und verstehen sie sofort. Und die abgenutzten Assoziationen können leicht mit dem begleitenden Text ausgeglichen werden.

Genau wie die meisten rhetorischen Figuren  sollen "pompöse Worte" eigentlich einen besonderen Effekt erzielen, indem der Leser für einen Bruchteil einer Sekunde aus seiner üblichen Leseroutine gerissen wird wie z.B. bei Signalworten. Nur leider wirken viele "pompöse Worte" schnell formelhaft.

Typische Signalwörter sind die oft beleumundeten (wie pompös) Klassiker wie: Plötzlich; Auf einmal; In einem Moment; Für einen Moment... Diese signalisieren dem Leser, dass sich nun der langsam mäanderte Lesefluss (und direkt ein pompöses Wort untergebracht, dass so was von in ist) nun dynamisch wird- eine Handlungssequenz wird nun übernehmen. Pompös sind diese Worte eigentlich nicht. Die Ersetzung dieser Worte kann aber recht pompös sein, zumindest wenn man nicht nur die Erzählzeit wechselt, was eine übliche Form der Ersetzung dieser Signalworten ist. "Die Zeit schien still zu stehen", bekommt nur ein kleines Glitzerpünktchenchen, genau wie das bedrohliche "Nichts würde je wieder so sein, wie früher". Drei Glitzersterne in pink bekommt: "Die Schallwelle eines Pistolenschuss durchbrach die Stille", wobei Schallwelle noch langweilig ist. Den Glöckler-Extrapompösstern bekommt: "Die Kakaphonie eines Pistolenschusses..."

Im Gegensatz zu den Signalworten stehen bestimmte Verben, die eigentlich kein Leser mehr bewusst wahrnimmt: Bsp. sagte er, sagte sie. Diese Worte stören niemanden, wenn man nicht jeden Satz wie Thomas Bernhard so verziert.
Pompös werden dann die Ersetzungen, wenn ein Autor sie permanent ersetzt und dabei Schritt für Schritt von murmelte sie, fluchte sie leise bis hin zu kotzte er wütend quer durch den Raum steigert. Wenn dann noch ein pompöser Wort dazukommt: Seine Stimme manäderte (ja, das Wort ist sowas von ihn) durch den Satz... Somit scheinen die Worte pompös zu sein, die ohne direkte Notwendigkeit die Sprachmächtigkeit (und wieder eins) des Autors illuminieren (und noch eins) sollen.

Extravagante Vergleiche wie die blasenwerfende Zitrone in einem Colaglas und überzeichnete rhetorische Figuren sind nur dann pompös, wenn sie in der Wortwahl mindestens drei Spuren überzeichnet sind und die meisten Leser zum Stolpern bringen. Der katatonisch murmelnde Zwerg ist ein Anfang, die Kakophonie der Katastrophe, der Blitzhall der nordischen Götter im Gewitter, der homerische Singsang einer alten Frau beim Einkaufen, die Tanzsinfonie der Ballets Russes, die transzendale Schwere der Currywurst und das Bullshitbingo wie der Rollout des MCP-KANU Projekts in einem dissonaten Marktumfeld sind einfach wunderbar pömpös.

Natürlich darf man pomösieren, den Widerhall der Geschichte (und noch eins) im Geiste einer neuer Zeit antizipieren (und noch eins)- wenn die Geschichte es an einer Stelle verlangt oder wenn eine Figur sich auf diese Weise ausdrückt.
Eine gelungene Variante bringt viel Aufmerksamkeit auf eine besondere Textstelle- und nimmt sie den restlichen Zeilen darum. Das mag gerade zum Verstecken einer wichtigen Neuigkeit interessant sein, als Betonung einer Stelle- nur ist pompös oft difficile (und wieder eines).  Denn eines kann man von den Fachleuten im Marketing lernen: Indem Dinge immer wieder mit englischen Begriffen bezeichnet, wirkt das nur so lange klug, bis die anderen verstehen, was man da sagt.

Somit sollte die sprachgewaltigen (und wieder eins) Autoren nur beim dissolvieren (tata!!) einer wichtigen Szene mit pompösen Worten donquichtieren (Tatata), beim Characterbuildung (hurra) und bei den Patterson-Nuggets. Aber das habe ich ja schon verständlich vorher geschrieben.

Montag, 1. Juli 2013

Ideenschwemme

Ob ein Roman funktioniert, bemerkt man nicht am Anfang oder dem ersten Kapitel. Die eigentliche Bewährungsprobe ist das zweite Kapitel, wenn der Handlungsstrang sich auffächert und wichtige Figuren vorgestellt werden. Hier entscheidet sich, ob der Roman etwas taugt oder nicht.

Bei meinen letzten Romananfängen habe ich das erstes Kapitel geschrieben und bin am zweiten Kapitel gescheitert. Leichtsinnigerweise habe ich dann lieber an anderen Kapiteln und Szenen geschrieben, statt mich intensiv an das Kapitel heranzusetzen. Denn dann hätte ich gemerkt, woran meine Geschichte hapert/ scheitert.

Nun, heute habe ich einen Moment Zeit gehabt, um das zweite Kapitel sorgsam durch zu planen. Im Moment brauche ich noch eine Erklärung für einen Zufall, der Rest der Geschichte passt aber. Nun muss ich sie nur noch schreiben.... das Problem aller Schriftsteller.