Dienstag, 26. Februar 2013

Verkehrung ins Gegenteil

Die Entwicklung eines Schreibstils besteht aus einer unglaublichen Menge an Entscheidungen. Welche der vielen Mitteln um eine Figur zu charakterisieren bevorzuge ich, wie und wann beschreibe ich Figuren, mit welcher Dynamik arbeite ich in meinen Texten, arbeite ich eher narrativ oder szenisch,...

Diese Entscheidungen sind nicht endgültig, zumindest bei mir. Immer wieder komme ich in meinen Texten an einen Punkt, der in meinen ursprünglichen Entscheidungen nicht vorgesehen war. Denn eine der Erfahrungen des Schreibens ist, dass keine Entscheidung wirklich funktioniert, die sich in einem Satz zusammenfassen lässt. Wer z.B. gerne szenisch arbeitet kann nicht darauf verzichten manchmal narrativ zu arbeiten, denn beide Erzählarten haben ihre Vor- und Nachtteile und an manchen Romanstellen wäre es schlicht falsch szenisch zu arbeiten, weil es dem Roman schadet. Oder um es anders zu sagen: Keine Schreibentscheidung darf endgültig sein, da es immer Ausnahmen geben muss.
Natürlich ist es im Idealfall so, dass alle Figuren "dreidimensional" charakterisiert werden sollten, um ihnen über ihre Romanfunktionen hinaus ein Eigenleben zu geben- sie mit "Leben" auszufüllen. In einigen Szenen, z.B. eher aktionlastige Szenen, funktioniert die Dynamik nicht, wenn ich wirklich "dreidimensionale" Figuren verwende. Da gibt es vielleicht eine Einzelheit, oder ein Detail, um die Figur zu füllen, weil für mehr einfach keine Zeit ist.

In diesem Sinne ist es manchmal merkwürdig die eigene Texte zu lesen. Denn manchmal hinterfragt man aus guten Gründen eine Schreibentscheidung und entscheidet sich um, oder hat eine Szene, in der man aus guten Gründen ganz anders schreibt. Gerade lese ich die ersten Kapitel meines Romans, in der ich eben genau das getan habe. Ein seltsamer Moment beim Schreiben.....