Donnerstag, 29. März 2012

Bullemaus

Ein langes Leben beginnt an einem kurzen Tag. Das ist bei allen Menschen so, aber auch bei den meisten Tieren. Meine Bullemaus kam vor 15 Jahren zur Welt, vielleicht aber auch einige Monate oder Jahre früher- denn er ist über den Umweg über ein Tierheim zu uns gekommen. Und Tierheime verlieren gerne einige Jahre, wie viele Menschen.
Die Bullemaus lernte Gänseblümchen zu pflücken (und andere Blumen, sofern diese weiß waren), schlief viel und gerne, am liebsten fest zugedeckt und auf seinem Sessel. Mit Bullemaus konnte man jedes Tier alleine lassen, denn eine sanfte Seele wohnte in der muskulösen Brust, sogar heissgeliebte Halbe-Hähnchen.

Seit einem Sturm im letzten Jahr war das Knie hinüber und tat weh, an Spaziergänge war kaum zu denken. und ein Reißzahn war schon länger inoperabel vereitert und machte eine tägliche Würstchen-Antibiotika-Gabe nötig. Heute Mittag war es dem Herzen und dem Kreislauf zu viel: Der Hund, der im Sommer immer zur Mittagszeit sonnte (und sich dabei gelegentlich den Hintern verbrutzelte und deshalb dort "gesonnenmilcht" wurde), bibberte auf den Kacheln und konnte nicht mehr aufstehen. Vertrauensvoll begleitete er uns zur Tierärztin und durfte Abschied nehmen. Unser Abschied wird noch eine ganze Zeit dauern. Ade, mein Freund, meine Bullemaus, mein großer Schatz, mein Bulleyhund.

Mittwoch, 28. März 2012

Über die Literaturförderung II.. in der "Zeit"

In der Zeit gibt es heute gleich mehrere Artikel, die sich mit dem Thema "Kulturförderung" in Deutschland beschäftigen. Anlass ist das Buch "Der Kulturinfakt. Vom Allem zu viel und überall das Gleiche. Eine Polemik über Kulturpolitik, Kulturstaat,  Kultursubventionen." von Stephan Opitz, Pius Knüsel, Armin Klein und Dieter Haselbach, das wohl ein Pamphlet gegen die bestehende Subventionspraxis für Kultur sein soll, weil in dieser Praxis sehr häufig mittelmäßige Kunst gefördert wird, statt Spitzenleistungen auszuzeichnen.

Interessant ist vor allem der Artikel "Kulturpolitik: Wie und wer rechtfertigt eigentlich Kultursubventionen" von Thomas E. Schmidt. Schmidt geht von einer Prämisse aus: "der Reformunfähigkeit des real existierenden Kulturbetriebs" und der Undurchschaubarkeit der Strukturen und Netzwerke.  Genau an dieser Stelle sieht er auch die Schwäche des obigen Buches. Denn die vier Verfasser des Buchs beschäftigen sich nicht mit dem Strukturproblem, sondern orientieren sich mit ihrem Buch an einem pessimistischen und eigenwilligen Kulturbegriff. Daraus leiten die Verfasser ab, dass der Markt letztlich eine wesentliche Rolle bei der Kulturförderung spielen sollte, als regulierende Instanz für die Kulturförderung. Dabei übersehen die Verfasser, so Schmidt, dass z.B. das Theater eben eine wichtige Funktion (über das Verlangen des Marktes hinaus) hat, bzw. die Kultur insgesamt: es geht darum den Blickwinkel der Menschen auf eine Sache zu verändern und sie einzuladen, darüber nachzudenken und mit anderen zu sprechen. Sie übersehen weiterhin, so Schmidt, dass im freien Markt eben viele Kulturgüter nicht besser werden würden- er nennt es eine "abenteuerliche Hoffnung".
Gerade bei Kunst ist es eben so, dass der Markt letztlich nicht weiß, was er will, bzw. aus künstlerischer Sicht eben etwas anderes möchte, als das in einer Kulturförderung gewollt ist. Denn, wie schon im Beitrag vorher erwähnt, sind moderne Theaterstücke, moderne Inszenierungen (oder Neuinterpretationen von klassischen Stücken) eben vom Publikum nicht so gewünscht wie historisierende Aufführungen und Inszenierungen. Experimentelle Romane würden dann nicht mehr gefördert werden, schwierige Themen eben auch nicht- was nicht im Sinne der Kulturförderung ist. Denn Kulturförderung bedeutet auch Themen und Werke zu fördern, die eben eigentlich nicht vom Publikum gewünscht sind.

Freitag, 23. März 2012

Gratis Buchdownload... "Das Mondgeheimnis von Stefan Fischer" nur heute

Liebe Leute,

ein lieber Freund hat mich gebeten auf eine besondere Aktion von ihm hinzuweisen: Sein "Erstling" ist heute kostenlos bei Amazon als E-Book downzuloaden, auch wenn man keinen Reader hat.

Der Klappentext und viele Rezensionen findet man bei Amazon unter dem Link bzw. über Stefan Fischer: Das Mondgeheimnis/ alt. auch "Die Gestoßenen".

Hier der Klappentext: Alena ist eine bildhübsche Studentin, die sich aufgrund eines traumatischen Kindheitserlebnisses der Liebe und dem Leben verschließt. Sie spinnt als Schutz ein Netz aus Lebenslügen um ihre Seele. Doch als sie den Künstler Ondrej kennenlernt, merkt sie, dass sie mehr vom Leben will. Doch da ist nicht nur ihre emotionslose Beziehung mit Vlado, sondern auch die Sache mit ihrer Mutter - und das Mondgeheimnis.

Hier sind auch noch einige Videorezensionen bei Youtube:
Mr BuchNerd über  "Die Gestoßenen".
The SarahStory über "Die Gestoßenen" und "Das Mondgeheimnis".
MultiKristinchen über "Das Mondgeheimnis".
Das Todesfeechen über "Das Mondgeheimnis".
MeJulyTruly über "Das Mondgeheimnis".

Wer Lust hat den Erstling von Stefan Fischer und den Autor einmal kennenzulernen, sollte unbedingt zuschlagen. Die begeisterten Rezensionen hat er sich hart erarbeitet und verdient... und schaut euch ruhig auch "Die Gestoßenen" mal an, wenn ihr skurrile Fantasy mögt, es lohnt sich.


Donnerstag, 22. März 2012

Aphorismus

Gedanken und Geschichten sind Luftschlösser, wenn wir sie mit unseren Worten gebaut haben, und Luftlöcher, wenn unser Worte sind dann nicht halten.

Dienstag, 20. März 2012

Welche Arten von Beschreibungen gibt es...


Welche Grundarten von Beschreibungen gibt es:

In den meisten Beschreibungen wird im Prinzip ein Bild oder Foto abgebildet. Die Besonderheit bei diesen literarischen Texten ist, dass seit der Biedermeierzeit/ Stifter niemand mehr ein Bild oder ein Foto in jedem Detail beschreibt. Die Autoren erwarten vom Leser, dass er einige wenige Details mit seinem eigenen Wissen und Kenntnissen ausmalt, u.a. weil die Leser natürlich über umfangreiches Wissen verfügen, wie so etwas üblicherweise aussieht und weil der Leser so das Buch und dessen Bilder an seine Vorstellung und Geschmack anpasst, ergänzt und erweitert.
Die genannten Einzelheiten variieren beträchtlich: Die meisten Autoren nennen übliche Elemente oder Details, die den Leser anregen sollen, seine eigenen Vorstellungen und Geschmack einzubringen. Andere Autoren nennen aussergewöhnliche Details, die eine Reihe Assoziationen wecken: bspw. Thomas Mann bei seiner Namenswahl Antonio Kröger (ein ungewöhnlicher Name und ein gewöhnlicher) oder indem er Figuren über ein charakteristisches Detail beschreibt.

Es gibt aber auch vier alternative Verwendungsweisen.

In der einen Verwendungsweise wird in Beschreibungen "moderne Kunst" verwendet: Die Beschreibungen orientieren sich nicht an Fotos, sondern an Emotionen, umgesetzt in "moderner Kunst". Es gibt bestimmte Beschreibungen der Großstadt von R.M. Rilke, in denen Beschreibungen verwendet werden, um eine bestimmte verlorene oder beängstigende Stimmung wie in surrealen Gemälden zu erzielen. Hierbei müssen deutlich mehr Details und (damit auch Adjektive) verwendet werden, um einen Effekt zu erzielen- und die Adjektive müssen oft die Nebenbedeutung tragen, die sich über das Bild "aufladen", bspw. ergänzen zu dem surrealen Bild.
In gewisser Weise ist das bei  z.B. bei Hemingways "Der alte Mann und das Meer" auch so: Seine Bild ist im ersten Augenblick ein Foto: aber das eigentliche Ziel ist nicht die fotografische Qualität der Bilder, sondern die damit einhergehenden Emotionen- und die Widersprüche, die eben nicht den Fischer und die Fischerei betreffen, sondern die Nebenbedeutung des "Alterns" beschreiben. Und oft genug sind sie auch Analogien in einem. Großes Kino, halt.

Die dritte Vorgehensweise bei Beschreibungen ist die "alte Kunst", oft im Umweg über den Topos ("Allgemeinplatz") oder Archetyp. Hier genügen sehr wenig Details oder Adjektive, weil dieser Allgemeinplatz oder der Rembrandt/ Tizian/ Goethe/ ...  eben als bekannt vorausgesetzt werden. Ein Beispiel erspare ich mir, weil die "Hure mit dem goldenen Herzen", der "weise Ratgeber", der "Narr" ebenso wie das Augenklischee oder die Wetter- Emotionsübertragung allgemein bekannt sind.

Der vierte Weg ist die Analogie: Wenn ein Autor voraussetzt, dass der Leser eine Sache nicht kennt und er sie eigentlich umfänglich nach Variante 1 beschreiben müsste, dies aber den Rahmen sprengen würde, greift er auf die Analogie zurück. Da wird die phantastische Welt einer "fremden Erde" mit Wesen besetzt, die ganz anders aussehen als Hasen, aber sich so verhalten. Die gesellschaftlichen Verhältnisse des Mittelalters werden mit einer Tischordnung dargestellt, um es wesentlich zu vereinfachen,... Die "große Variante" ist es einen ganzen Roman als Analogie zu schreiben, siehe Hemingways "Der alte Mann und das Meer".

Die fünfte Variante ist der Verzicht: etwas, was eigentlich zu beschreiben ist, wird nicht beschrieben, sondern nur angerissen, angedeutet und vorweggenommen wird. Dies wird z.B. gerne bei Beschreibungen gemacht, wo keine Beschreibung so "gut" sein kann, wie die Vorstellungskraft des Lesers, bspw. wo die Beschreibung eigentlich keinen Mehrwert bedeutet. Klassisch sind hier Gewaltszenen oder Sexszenen. Eine alternative Verwendung ist die Variante eine zentrale Stelle auszulassen, und diese in Dialogen,... zu schildern.

Diese grundsätzlichen Beschreibungsarten tauchen eigentlich in den meisten Romanen auf, der Unterschied ist nur, wie stark welche Beschreibungarten verwendet werden. Gerade beim "Weltenbau" in Fantasy, HR und SF ist es sehr wichtig, viele Topoi und Analogien zu verwenden, weil man den Leser eben nicht mit seitenlangen Beschreibungen langweilen möchte. Die Beschreibungen im Stil des "modernen Romans" oder der emotional aufgeladenen Beschreibungen wird meisten wenig verwendet- weil sie anspruchsvoll ist und einen besonderen Mehrwert "nur" bei zentralen Stellen bietet- wenn man den Inhalt/Plot/ Handlung in das Zentrum stellt. Bei den "Auslassungen" ist es ähnlich, weil dies als Mittel für weitere Szenen, abseits von Gewalt und Sex, nur selten verwendet wird- und dann als literarisches Stilmittel.

Bei Romanen wie Hemingways "Der alte Mann und das Meer" besteht der Roman aus der eigentlichen Handlung mit einer zeitgenössischen, kritischen Schilderung und aus einer weiteren Ebene, die in Kontrast zu beiden gesetzt ist. Dazu ist es notwendig diese zweite Ebene permanent in alle Szenen einzusetzen, um diesen Effekt zu erzielen. Das mindert die "Lesbarkeit", weil der Leser eben diese zweite Ebene mitverfolgen muss, um das Gesamtkonstrukt "mitzunehmen", er erhält dafür diese zweite Ebene als "Belohnung".
Wenn Heimngway diese permanente, zweite Ebene nicht so ausführlich verwenden würde, wäre sein Roman "nur" ein Roman über einen alten Fischer, der kritisch seine Fischerei und sein Alter betrachtet, und die zweite Ebene andeutet. Aber die zweite Ebene ist für Hemingway zentral, weil er eben keinen Roman über die Fischerei geschrieben hat, sondern einen Roman über das Altern, dass einen Ausblick weit über den alten Fischer und seine Fischerei erlaubt.

Sonntag, 18. März 2012

Über die Literaturförderung... in der NZZ

In der NZZ gibt es heute gleich mehrere Artikel, die sich mit dem Thema "Kulturförderung" in Deutschland beschäftigen. Anlass ist das Buch "Der Kulturinfakt. Vom Allem zu viel und überall das Gleiche. Eine Polemik über Kulturpolitik, Kulturstaat,  Kultursubventionen." von Stephan Opitz, Pius Knüsel, Armin Klein und Dieter Haselbach, das wohl ein Pamphlet gegen die bestehende Subventionspraxis für Kultur sein soll, weil in dieser Praxis sehr häufig mittelmäßige Kunst gefördert wird, statt Spitzenleistungen auszuzeichnen.

In "Der Wirklichkeitstest" von Barbara Villiger Heilig beschäftigt sich die Autorin mit der Frage, wie ein Theaterstück entsteht und wie diese dem "Wirklichkeitstest" ausgesetzt wird. Letztlich mündet der vielfältige Entstehungsprozess (Schauspielschule, Literaturinstitut, Autodidaktik, Geldgeber und Gremien (aus Experten und anderen),... in der Auseinandersetzung mit einem Publikum,  in der Erfahrung, Wissen, Einstellungen und Haltungen zu Stück, Dramatiker, .... unterschiedlich verteilt sind- "Da reibt sich die sogenannte Kunst, nicht selten produktiv, an ihrem komplexen Entstehungsbedingungen", wie Frau Villiger Heilig schreibt. Ich interpretiere diesen Text so, dass letztlich die Förderung erst an einem recht späten Punkt, dem "Wirklichkeitstest", geprüft werden kann, da das Publikum entscheidet. Somit ist jede Förderentscheidung letztlich eine Vorwegnahme und Spekulation über die Publikumsentscheidung. Und das ist letztlich dafür verantwortlich, dass die Subventionsprozesse für ein "Meisterwerk" auch viele mittelmäßige Werke fördern

In "Eine Hors-sol-Tomate" beschäftigt sich Samuel Herzog mit dieser Frage, indem er Pierre Bourdieu zitiert, der den "Kunstbürger" beschreibt, der Kunst "als Medium der sozialen Differenzierung, der Abgrenzung und Ausgrenzung" verwendet. Dies definiert sein Interesse an Kunst. Samuel Herzog leitet daraus ab, dass ein "Kunstbürger" dementsprechend eine bestimmte Kunst wünscht. Das Künstlerprekariat, so Herzog, folgt diesem Wunsch durch Marktgängigkeit, während die Autoren des Buches "Der Kulturinfakt" die große Innovation erwarten- nun, die vier Herren unterschätzen offenbar, dass auch Künstler gerne Geld verdienen statt zu "hungern".
Und jedem, der den "Kunstbürger" anzweifelt, sollte sich einmal an eine Oper stellen, wo die Opernleidenschaft von Generation an Generation weitergegeben wird- nur schaffen es die Opernhäuser  nicht, Menschen anderer Herkünfte zur Oper zu bringen. (Was auch oft genug nicht gewollt ist, siehe "Kunstbürger").


Ihn "Kurz vor dem Stillstand" von Peter Hagmann beschäftigt sich der Autor vor allem Umverteilung und Abbau, die in "Der Kulturinfakt" gefordert werden. Hagmann geht davon aus, dass dies längst als Folge der sinkenden Kulturetats  entschieden ist. Unklar ist aber, so Hagmann, wie der Kunstbürger, siehe Samuel Herzog, darauf reagieren wird, und wie er auf Innovationen reagiert. Wie oft werden "klassische Aufführungen" gefordert, weil der "Kunstbürger" lieber das xte Mal einen Klassiker auf der Bühne sehen möchte, am liebsten mit klassischen Bühnenbild, klassischer Sprachwahl und Dramaturgie und natürlich keine moderne Adaption. Hagmann sieht die Kulturförderung und Subvention eher in ihren Erfolgen und Leuchttürmen und nicht in der vielfach vorgefundenen Mittelmäßigkeit und der "Innovationsfeindlichkeit" vieler "Kunstbürger". Finde ich nicht so überzeugend.


In "Intelligenter streiten!" von Roman Bucheli fordert genau dieses: "Intelligenter streiten!". Das die "Kulturförderung" und Subventionen hinterfragt werden müssen, ist Bucheli klar. Er meint aber, dass Pamphlete wie dieses letztlich eher Plattitüden hervorbringen, als eine kritische Selbstbefragung voranzubringen, und so zu einer Veränderung des Vorgehens wenig beitragen. Denn einfache Lösungen sind meistens eben genau das nicht, Lösungen, sondern eher die argumentatorische Muskelrhetorik des Provokateurs.

Da ich das oben genannte Buch nicht gelesen habe, kann ich über das Buch nicht viel beitragen. Die Kunstförderung in Deutschland ist recht eigenwillig verteilt: Deutschland ist das Land mit den meisten öffentlich finanzierten Orchestern, Opernhäusern, Theatern und Philharmonien. Hier treffen eine ganze Menge recht gut bezahlte Festangestellte in Sachen "Kultur" auf eine kleiner Zahl von freien Künstlern. Die freien Künstler dagegen haben immer weniger Möglichkeiten, siehe bei Schriftstellern die abnehmende Anzahl Lesungen, ihr Einkommen selber zu erwirtschaften- und gerade in der E-Kultur werden die Subventionen dadurch immer mehr- was letztlich aber, siehe die Marktgängigkeit, nicht immer zu den gewünschten Resultaten führt. Gerade weil viele Preise, z.B. bei Schriftstellern, gerne an bekannte Autoren vergeben wird, wird es für viele andere Autoren immer enger- und wieder sind wir bei Marktgängigkeit.
Hilfreich wäre es, wenn man das Einkommen der Autoren erhöht, indem man z.B. wie in Irland, freie Künstler von der Steuer befreit (bis zu einem bestimmten Einkommen). Eine solche Subvention würde Künstlern helfen aus eigenen Arbeit ihren Unterhalt zu bestreiten. Künstler mit Brotberufen könnten für den künstlerischen Teil ebenfalls von der Steuer befreit werden, was deren Zeit für die Kunst erhöhen würde. Lesungs- und Aufführungshonorare könnten von der Mehrwertssteuer befreit werden, was die Verhandlungen über die Honorare erleichtern würde- und so die Honorare und/ oder die Zahl der Lesungen verbessern würde. Wenn der Staat z.B. bei Schullesungen oder Schulaufführungen die Honorare zum Teil übernehmen würde, würden die Autoren/ Künstler unterstützt, Schulen könnten mehr Lesungen und Aufführungen anbieten- und die Schüler so an Literatur heranführen. Die Schulen könnten auch mehr Geld in den Etat für den Besuch von Theatern oder Opernstücken bekommen- und diese verpflichtet werden, Stücke für Schüler und Schülerinnen anzubieten, sowie Schulungen, wie ein Theaterstück gemacht wird.
Eine weitere Möglichkeit wäre es, wie z.B. in Frankreich üblich, den freien Künstlern gezielt Schulungen anzubieten, wie man seine Honorare verhandelt, welche Einkommensmöglichkeiten es gibt, wie man seine Steuererklärungen anfertigt, Rhetorikkurse,.... So würde auch direkt der Künstler gestärkt.
Mit all diesen Maßnahmen würde ein Teil der Subventionen nicht mehr "von oben" verteilt, sondern die Einkommensmöglichkeiten der Künstler verbessert- was die Freiheit der Künstler erhöhen würde. Somit würde weniger über Künstler entschieden und mehr von ihnen entschieden. Und das wäre schon eine gewaltige Verbesserung.

Mittwoch, 14. März 2012

Schreiben, schreiben, schreiben...

Seit einigen Tagen und Wochen schreibe ich wieder und es fehlt mir noch die Leichtigkeit, mit der die Worte sonst fließen und mit der der Roman voran schreitet. Ich muss immer wieder an den Text zurück, weil die Dynamik der einzelnen Elemente noch fehlt und das Handwerkszeug noch nicht immer sitzt. Um mal konkreter zu werden: beim letzten Schreibprozess habe ich bei den Beschreibungen furchtbaren Mist gebaut. Das ist mir seit Jahren nicht mehr in dieser Weise passiert. Also erarbeite ich mir gerade den Schreibprozess, der natürlich bei jedem Buch ein wenig anders ist. Und ich bin gar nicht erfreut.

Montag, 5. März 2012

Was bleibt?

Ich bin irgendwie vor einigen Stunden bei dieser Frage sozusagen einfach hängen geblieben- natürlich im Bezug auf meine Texte und mein Schreiben. Denn die meisten Autoren haben ja irgendwie die Vorstellung, dass etwas von ihren Texten bleiben würde.
Aber sind wir mal ganz ehrlich: die meisten Romane sind nach zwei Jahren nicht mehr erhältlich, wenn der Verlag sie nicht schon vorher aussortiert. Book-on-demand hat da nicht geholfen und die E-Books werden es wohl auch nicht retten. Denn Bücher wollen gefunden werden... nur wer geht heute noch an Orte, wo solche Dinge passieren können. Und wer jetzt Buchhandlung einwirft, der sollte beim Buchladen seines Vertrauens einmal einen Blick auf die wenigen, vorhandenen Bücher werfen, die älter als ein Jahr sind. Von den Klassikern einmal abgesehen, die aber in immer engeren Schränkchen vor sich hin stehen.
Und es gibt kaum einen schlechteren Ort als Amazon, um sich von Büchern inspirieren zu lassen. Denn dort findet man ähnliche Bücher, aber keine alten Bücher, keine ungewöhnlichen Bücher oder Bücher, die man eigentlich nicht kaufen würde. Also helfen nur Bibliotheken, Empfehlungen, Freunde und Fremde, einen Menschen ein neues Buch, eine neue Idee an die Hand zu geben.

Was bleibt? Wie viele Leser erinnern sich wirklich an ein Buch, dass sie einmal gelesen haben?? Die meisten Büchermenschen erinnern sich an besondere Bücher- und leider ist das nicht planbar. Ansonsten verschwindet meistens der Inhalt, der Name des Buches und der Autor mit der Zeit, bis selbst von den guten Büchern nur noch einige Szenen oder warme Erinnerungen an Figuren oder ähnliches vorhanden ist. Ich habe Bücher in meinem Schrank, die ich innerhalb des letzten Jahres gelesen habe, und deren Inhalt nur noch schwach blinzelt.
Also bleibt nur der Autor, der sich an die eigenen Geschichte wirklich erinnert. Reicht das?? Macht das das Autorsein aus- das man eine ganze Menge seiner eigenen Geschichten für andere "umschreibt"? Ich denke ja.

Was bleibt also? Das Autorsein beinhaltet die Fähigkeit durch das reflexive Umgehen mit den eigenen Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen Dingen einen Wert zu geben, sich an all das anzunähern und sich zu distanzieren. Man gibt all dem einen Raum, was die meisten Menschen nicht tun. Daraus kann eine Menge für die Autoren erwachsen, wenn sie sich erwachsen verhalten. Es ist eine Art Selbstverständnis- und das kann genug sein. Für mich zumindest.