Mittwoch, 22. Februar 2012

Eine Figur schreibt sich ein

Ich habe die ersten Kapitel geplottet und wollte mich nun in die Figuren und die Handlung "einschreiben"- für mich besonders wichtig, um das Tempo des Romans zu entwickeln, näher an die Figuren und die Welt heranzutreten und einen ersten Eindruck vom Rhythmus und der Sprache zu bekommen- schließlich will ich es diesmal "ganz" anders als die letzten Male machen.
Nun, ich hatte ja schon darüber geschrieben, dass ich es diesmal mit einer multiperspektivischen Erzählweise versuchen möchte. Nun, ich hatte gerade einen guten Anfang, wie immer mit dem Problem, dass ich gerne aus der Ich-Perspektive schreibe, weil ich mich da den Figuren besonders Nahe fühle. Aber irgendwie kam mir dann eine Idee, die vielleicht noch wesentlich besser das Grundthema meines Romans passt und gleichzeitig Teil des Thema ist. Und nun führe ich eine Erzählfigur ein, die letztlich ein Teil der besonderen Erzählwelt ist. Von einem vermutlich albernen Gag einmal abgesehen.

Sonntag, 19. Februar 2012

Ebook und Reader oder Holzware/Bücher

Ich habe keinen Ebook-Reader, weil für mich die Vorteile noch nicht die Nachteile überwiegen.

Für meine Recherchen an der Uni habe ich immer wieder mit digitalisierten Texten gearbeitet und verschiedene Verarbeitungssysteme getestet, die alle vor dem modernen Ebook-Reader lagen. Die meisten waren im Prinzip nur alternative Darstellungen ohne Zusatzoptionen.
Gerade für Recherchen oder Sachtexte würde ich heute sofort mit einem Reader arbeiten, wenn ich hier Verlinkungen, Hinweise und Kommentare direkt an den Text setzen könnte und dies mit anderen Dateien verbinden könnte. So würde ich mir viel Arbeit sparen und könnte bestimmte Gedankengänge besser verlinken und später nachvollziehen. Klarer Vorteil der Ebooks auf den Readern.

Bei fiktionalen Texten möchte ich von Anfang an die Möglichkeit haben, den Text später in meine Bibliothek einzustellen. Eine Liste bei Amazon ersetzt für mich nicht das sinnliche Gefühl Bücher anzufassen und sie händig zu lesen. Sie ersetzt nicht mein Auswahlverfahren, weil ich eben Bücher nicht bei Amazon auswähle, sondern dort nur die mir schon bekannten suche oder die "Rezensionen" lese. Ich wähle Bücher aus, indem ich sie in die Hand nehme und mir ansehe, sie öffne, ein paar Seiten lese, das Buch weiter in der Hand halte, den Klappentext lese, mich entscheide.
Und ich liebe es ungefähr 60% der Bücher am Ende wegzugeben, weil sie bei mir keine "Heimat" gefunden zu haben- und sie eine zweite/dritte Chance darauf bekommen sollen.
So reichen wir Bücher durch den gesamten Familienkreis, was bei Ebooks eben so nicht funktioniert. Somit würde mir das I-Tunes Phänomen begegnen- ich würde eben nicht ständig mit Büchern konfrontiert, die ich mir eigentlich nie kaufen würde. Mein Horizont würde ziemlich verengt. Und die öffentlichen Bücherschränke halte ich für eine enorme Bereicherung vieler Städte für viele Leser.

Und zum Thema Dauer: Mittelalterliche Pergamente sind heute noch lesbar, weil das Medium unter bestimmten Bedingungen (siehe Lagerung und Behandlung) eine Nutzungsdauer von mehreren Hundert Jahren hat. Mittelalterliche Papiere aus Lumpen haben unter den gleichen Bedingungen eine ähnliche Haltbarkeit. Erst Papiere ab 1870 haben durch die Verwendung von Holz als Grundstoff das "Säureproblem"- das diese Säure diese Bücher nach und nach zerstört.
Wer in den 80er Jahren mit einer Textverarbeitung Texte erstellt hat, hat inzwischen ein großes Problem: Da es keine normierten Dateiformate gibt, sind viele Texte heute nicht mehr fassbar- wie übrigens auch bei vielen alten Photo- und anderen Dateiformaten. Deshalb werden Dokumente heute immer noch auf Microfilmen archiviert, weil man dort nur eine Vergrößerung zur Bearbeitung benötigt.
Wer einen Text zwischen verschiedenen Programmen und verschiedenen Betriebssystemen transferiert, wird sicherlich schon öfter die Erfahrung gemacht haben, dass bestimmte Formatierungen verschwinden, bestimmte Fehler erscheinen. Wer alte Texte, für die heute noch Konvertierungsprogrammen existieren, heute auf moderne Formate überträgt, wird rasch die Erfahrung machen, dass er nach zwei, drei Konvertierungen Fehler multipliziert.
Die Folgen sind relativ klar: Wer bei Amazon in 15 Jahren Bücher öffnen möchte, die er heute gekauft hat, wird bei einigen Büchern sicherlich aktuelle Versionen finden, bei anderen Büchern nicht. Übrigens werden auch die Digitalisierungen von z.B. Google auch ein solches Problem haben- denn auch deren Formate sind möglicherweise nicht zukunftssicher. Ganz davon abgesehen, dass natürlich auch Firmen wie Amazon oder Google vieleicht nicht zukunftssicher sind- und was passiert mit Berechtigungen, wenn es die Firmen nicht mehr gibt?? Denn ich habe die Bücher nicht mehr zu Hause, sondern nur auf dem Reader eine Berechtigung.

Bücher sind zukunftssicher, wenn sie nicht über säurehaltiges Papier verfügen- Ebooks leider noch nicht. Das wird für mich ein zentrales Kriterium sein. Denn ich habe ungefähr 2000 Bücher aus mehreren Jahrhunderten, die für mich ein ausgelagertes Nachgehirn darstellen. Und das ist im Moment einfach unersetzlich und ich würde es für einen Reader nie gefährden.

Mittwoch, 8. Februar 2012

Wege zur Veränderung des eigenen Stils

Das Schreiben von unterhaltsamen und literarischen Texten ist immer eine bewusste und unbewusste Entscheidung zwischen einer Vielzahl von Möglichkeiten. Deshalb ist es an einigen Punkten des Schreibens relativ leicht, an anderen Punkten relativ schwer, seinen Stil wirklich zu verändern.

In der ersten Phase des Lernens geht es darum zu lernen, wie man seine eigenen Vorstellungen und Gedanken in eine Form bringt, die diese Vorstellungen und Gedanken für einen Leser codiert- und die dieser Leser wieder zurück codieren kann, am besten übrigens mit Genuss. Denn die Werkzeuge, die die meisten kommenden Autoren aus Schule und Berufsleben mitbekommen haben, reicht meistens nicht aus, diesen elementaren Schritt erfolgreich bewältigen zu können. Denn hier vermischen sich Schreiberfahrungen mit den Erfahrungen als Leser- und oft wirkt das eigene Erzählen entweder dilettantisch oder zusammen gestückelt.
Jeder Mensch hat seine eigene Wahrnehmung der Welt- und diese an einen Leser zu vermitteln, ist eine Herausforderung: Wie gestalte ich Beschreibungen von Orten und Personen,.was treibt meine Figuren an, wie führe ich meine Figuren, wie gestalte ich Handlung, wie gestalte ich Dialoge.
Eine besondere Bedeutung haben in dieser Phase einerseits Experimente zu den Möglichkeiten, wie man dies machen kann, andererseits auch die Rückmeldungen wohlmeinender (und damit vor allem kritische) Leser und Kollegen, die die Experimente und alle anderen Texte rückmelden, was wie funktioniert und was eben nicht funktioniert. Denn aus diesem Fundus an Möglichkeiten wird man später immer wieder schöpfen- und oft schmerzlich vermissen, wenn man hier nicht genug ausprobiert hat. Und hier können eben viele Dinge sehr schiefgehen- denn der Autor muss lernen, selber seine Texte zu analysieren, mit Kritik umzugehen (berechtigte Kritik anzunehmen, unberechtigte abzuwehren), sehr analytisch zu schreiben und seine Sichtweisen zu klären und zu erweitern, vom vielen neuen Wissen einmal abgesehen.
In dieser Phase ist es noch relativ leicht, seinen eigenen Stil zu verändern, weil man noch keinen Stil hat. Hier werden erst die Entscheidungen getroffen, die später zu einem eigenen Stil auswachsen.

In der zweiten Phase des Lernens geht es darum,  aus einem unheimlich breiten Feld an erprobten Möglichkeiten eine funktionierende Gesamtheit zu entwickeln: Denn wer eine Kurzgeschichte schreiben kann, kann längst noch nicht einen Roman schreiben. Hier müssen viele bittere Entscheidungen getroffen werden, um aus funktionierenden Einzelteilen ein Gesamtwerk zu schaffen. Dazu muss intensiv an Stärken und Schwächen gearbeitet werden, viele wichtige Entscheidungen müssen neu getroffen werden, weil ein Roman andere Erzählweisen benötigt.
In dieser Phase wird unheimlich viel Feintuning betrieben, weil wichtige Grundentscheidungen längst getroffen wurden. Es geht weit weniger um grundlegende Entscheidungen z.B. über das Schreiben von Dialogen, sondern darum, wie sie rhythmisiert werden, wie sie gesetzt werden, was wichtig ist, wie die einzelnen Figuren eine eigene Stimme bekommen, als um den Gesamtbau. Natürlich verändern auch Erfahrungen des Autors noch seine Erzählweise: seine Erfahrungen als Mensch und als Autor seiner Texte werden sich nach und nach in den Texten durchschlagen.
Hier besteht immer die Gefahr, sich zu sehr an schlechten und frühen Entscheidungen festzuhalten und aus frühen Erfolgen die falschen Schlüsse zu ziehen. Oft führen hier Zweifel auch zu schlechten Entscheidungen, indem zu viel Kritik oder schlechte Kritik umgesetzt werden.
In dieser Phase ist es noch relativ leicht, Details am eigenen Stil zu verändern- aber viele grundlegenden Dingen sind längst aus dem analystischen Bereich in den intuitiven Bereich übergegangen. Es ist also schwierig, seinen Stil zu verändern, ohne sehr intensiv in die erste Phase zurück zu gehen.

In der dritten Phase entsteht aus dem funktionierenden Gesamtheit der Erzählung so langsam etwas, was man als persönlichen Stil bezeichnet: Aus den vielen Entscheidungen der ersten beiden Schritte entsteht ein festes Reservoir, mit dem die verschiedenen Romanelemente gefasst werden- und es gibt einige "Ausweichstrategien". Der persönliche Stil macht sich meistens eher an Kleinigkeiten fest: Die Art, wie Figuren charakterisiert werden, die Wahl von rhetorischen Figuren, die geschilderte Atmosphäre und Weltsicht, wie Handlungen aufgebaut sind und wo der Autor vom üblichen abweicht. Je nach Ausprägung des eigenen Stils ist dieser entweder kaum zu erkennen oder ergibt einen eigenen "Sound" des Romans- mit der besonderen Gefahr des Manierismus (etwas eigen zu machen, was oft eher unangenehm auffällt, genau das aber nicht soll).
In dieser Phase ist es besonders schwer, wieder "zurückzugehen", also wichtige Schreibentscheidungen neu zu treffen. Denn die meisten Scheibentscheidungen sind längst nicht mehr bewusst, sondern längst durch Einübung fast "intuitiv" geworden. Also muss man nun decompilieren und das, was "intuitiv" ist, wieder analytisch machen.
In einem solchen Fall geht es darum, den eigenen Blickwinkel auf das Schreiben wieder "zurückzusetzen".
Dazu kann man als Autor seinen Stil wechseln, also die Perspektive, oder aus der Sichtweise eine Figur (=Erzählfigur) schreiben, um den eigenen Text neu zu entdecken. Das hilft bei kleinen Änderungen eigentlich recht gut.
Bei größeren Veränderungen wird man sich immer wieder zurück ins "intuitive" schreiben.
Hier hilft entweder ein sehr intensives Lektorat eines erfahrenen Lektoren oder analytische Methoden: z.B. indem ein Text im neuen Stil vorgeschrieben wird, der dann um 30% gekürzt werden muss// alt. können auch bestimmte Elemente neu bewertet werden, indem Teile gekürzt, andere ausgebaut werden müssen// alt. kann es auch sehr hilfreich sein, Textteile zu markieren (rhetorische Figuren, Weltsicht und stilistische Eigenheiten) und diese auszutauschen- mit dem Versuch nach und nach dies "intuitiv" zu übernehmen.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Eine neue Erfahrung- Plotten

Ich habe in letzter Zeit schon so einiges über das Plotten geschrieben, weil ich mich das erste Mal mit aller Konsequenz mit diesem Thema beschäftige.
Die ersten Erfahrungen waren niederschmetternd und gehören in eine Zeit, in der ich meine ersten Geschichten geschrieben habe. 
Nun, die Erfahrungen im letzten Jahr waren nicht wirklich befriedigend. Mein erster Plot basierte auf dem üblichen Thrillerkonzept und wurde von einer recht simplen Haupthandlung getragen. Leider war ich mich beim Plotten nicht wirklich sicher, wohin ich plotten wollte- und habe viele wichtige Entscheidungen nicht getroffen. Nun, das Ergebnis war dementsprechend: Ich hatte die Figuren nicht greifbar, die Welt auch nicht und mein Antagonist war freundlich formuliert blass.All das hätte ich vielleicht noch ändern können, wenn ich in meine eigene Geschichte hinein gefunden hätte, in meine Figuren und sie zu einem Teil des Schreibprozesses geworden wären.
Aber wie es mit dem Scheitern ist: der Lernerfolg kann enorm sein, wenn man im Scheitern aufmerksam zuhört und nachträglich richtig hinsieht. Verletzter Stolz ist dabei im Weg, eine überzogene Meinung von sich selber übrigens auch. Und ja, Niederlagen sind trotz aller Gründe immer ziemlich beschissen. Und ich scheitere wirklich viel, viel zu oft, irgendwie.

Nun beim zweiten Versuch sieht es ein wenig besser aus. Da ich ziemlichen Wert auf die Hintergründe, die Figuren und kleine Details lege, musste ich mein Konzept etwas weiter vorne beginnen. Also habe ich zuerst einmal eine ganze Menge Gedanken verschriftlicht: Ich habe ein Konzept für den Roman entworfen, indem ich die grundlegenden Fragen über die Hintergründe meines Romans geklärt habe. Da ich aber sehr inspirationsgängig bin, habe ich viel Raum für Interpretationen und nachträgliche Auffüllung gelassen. Ich habe die wichtigen Hauptifuren und Nebenfiguren ausgestaltet und nur einen Platzhalter gelassen: Mein Antagonist muss noch aus den Hauptfiguren gedanklich wachsen und sich als Bild aufdrängen. Da habe ich einige Ideen, bin aber noch nicht weit genug, um mich festzulegen.
Der Umfang des Romans ist ungefähr festgelegt, ich habe eine Vorstellung über den Aufbau der Kapitel und was ich wann im Roman brauche.
Die ersten zweieinhalb Kapitel sind feingetunt- und ich habe eine erste Struktur entworfen, die den Roman tragen kann und wird. Die war im letzten Entwurf zwar angedacht, sie war auch eingearbeitet, aber die Umsetzung war einfach nicht stimmig. Das dürfte sich geändert haben.
Die eigentliche Handlung ist wichtig: für mich persönlich brauche ich jedoch auch noch eine Grundstimmung.Also habe ich im Plot schon einiges an Stimmung gesetzt- und werde in der Niederschrift intensiv daran arbeiten müssen. Mit den Figuren werde ich langsam auch schon warm und einige wichtige Punkte für den Roman sind schon gesetzt: Einführung von Figuren und wichtigen Charakterzügen, Hinweise auf die Stimmung der Stadt und vieles mehr.

Nun muss ich mir überlegen, wie ich aus dem Anfang die Haupthandlung entwickele, und wie ich dabei die Grundstimmung mitnehme. Denn das ist die Aufgabe für die nächsten drei Kapitel.