Donnerstag, 13. Dezember 2012

Das Schreiben und Ich

Manchmal bin ich mit dem Schreiben fertig, aber das Schreiben ist noch nicht fertig mit mir.



Sonntag, 12. August 2012

Ein neuer Weg (ist immer ungegangen)

Die Einträge in meinem Blog sind in den letzten zwei Monaten ausgefallen. Eine neue Stelle ist ein neuer Weg, ein neuer Weg immer ungegangen. Nun, Pfade müssen angelegt werden, bevor man wieder die Zeit findet, seine alte Wege zu gehen, seinen alten Ideen und Vorstellungen folgen zu können.
Deshalb kann ich nur um etwas Geduld bitten. Und werde versprechen, dass ich mit meinen Worten hier zurückkehre.

Samstag, 30. Juni 2012

Der längste Tag oder Schreiben ist Scheiße

Seit Ende April haben wir ein neues Familienmitglied: Tyson. Der Kleine hat seinen Namen übrigens von der Züchterin, die in weiser Voraussicht ahnte, dass dieser Hund mit Vorliebe an Ohren knabbert. Ein wenig unerzogen und ungezogen ist er noch, aber mit einer gutmütigen Art, die uns viel zu viel sofort verzeihen lässt. Nach unendlichen Besuchen bei unserer Tierärztin (, mit der er sich immer noch, trotz vieler Spritzen, wunderbar versteht) und einer harten Eingewöhnungsphase, geht es uns allen gut...
Nun, Tyson war knapp 4 Monate alt, als wir ihn bekommen haben. Und Hundeerziehung braucht Zeit, Menschenerziehung übrigens auch.

Ich habe eine neue Stelle, die ich am Montag antretet...  Und vor einer neuen Stelle muss man seine Dinge erledigen: Also wurde im Badezimmer gekachelt, Müll zur Deponie gebraucht, Schrott verkauft, die Garage aufgeräumt und vieles mehr.  Die Steuererklärungen waren fällig, Unterlagen mussten sortiert werden, allerlei Dinge zu erledigen- nicht nur, um sie zu erledigen. Sondern auch, weil bestimmte Handlungen letztlich auch Gedanken abschlie0en.

Um zu schreiben, brauche ich einen freien Kopf- und irgendwie auch eine innerliche Sortierung. Nun, gerade fängt es an, dass ich mich neu sortiert habe. Und wieder an die Tastatur zurückkehre.

Donnerstag, 19. April 2012

Das zweite Kapitel

Vielleicht habe ich die Schreibratschläge anderer Autoren zu ernst genommen. Denn ich brauche für jeden Anfang, ob nun den eines Romans oder eines Kapitels, eine Einleitung, die mir das Tempo und den Aufbau des Kapitels vorgibt. Dabei geht es um eine richtige Idee, eine Art des Erzählens, ein Rhythmus und vieles mehr.
Nun, das erste Kapitel ist in seiner Form genau richtig, ich bin mächtig zufrieden. Aber ich musste überlegen, wie ich meinen Erzähler das zweite und vielleicht wichtigere Kapitel beginnen lasse. Und den Ton dieses Erzählers muss ich unbedingt noch finden. Denn bisher habe ich zwar gute Worte, eine Perspektive, aber all das ist noch nicht so verinnerlicht, dass ich wirklich weiß, wie er erzählt.
Nun, ich habe seit zwei Tagen (und trotz einiger Störungen) einen Anfang für das zweite Kapitel. Und werde nun sehen, ob diese Romanidee trägt.

Donnerstag, 12. April 2012

Kükenparty

Da erzähle ich etwas von Küken, zeige sie aber nicht. Deshalb hier die Kükenparty aus dem Wintergarten (draußen ist es für die Kleinen noch zu kalt). Theoretisch sind alle Küken zwischen 4- 6 Wochen alt und stammen aus unterschiedlichen Stämmen/ Hühnerrassen, aber alles Zwergzierhühner, und alles sind Mädels.


Hier ist Kiwi (weil er so geht, wie ein berühmter Neuseeländer).















Das ist Yeti.... ohne Kommentar
















Die beiden Kleinen sind...

Puschel (wegen der Federn an den Füssen)

und noch etwas kleiner

Gwynnie (von Zwerg Wynadotte, der kleinsten Hühnerrasse)








Und damit kein Irrtum über die Größenverhältnisse aufkommt: Die beiden Kleinen verstecken sich immer unter den Flügeln von Kiwi.... Gwynnie passt zweimal in Puschel, Puschel zweimal in Yeti und Yeti anderthalbmal in Kiwi.


Und nur damit kein Neid aufkommt.... bei Anfragen poste ich gerne noch ein paar Bilder.

Montag, 9. April 2012

Ostern

Manchmal gehen wir seltsame Wege... Es ist jetzt zwei Wochen her, dass meine geliebte Bullemaus sanft eingeschlafen ist und nun unter einer seiner geliebten Decken ruht, fein zugedeckt, mit vielen Tränen auf dem Muster. Wir denken täglich Dutzende Male an ihn.
Und nun hocken vier (mehr oder minder) kleine Hühnerküken in unserem Wintergarten, eine nicht nur bunte, sondern auch größen- und stammgemischte Gruppe, und tschirpen. Weil wir sind, was wir sind, sind zwei davon natürlich die kleinsten, meist gemoppten, mit ausgedünntem Federkleid auf dem Rücken. Zwei andere sind klein, das eine ist im gleichen Alter wie eines der anderen Küken, aber nur ein Drittel so groß. Und natürlich werden sind sie schon fast handzahm, weil sie ja nicht wirklich weglaufen können und Wärme über alles lieben- und Menschen sind schön warm.
Nur auf meinen Neffen müssen wir nun aufpassen, denn er hat sich insgeheim in eines der Küken verschmust und möchte es gerne mitnehmen und zum Dauerschulterkumpel machen- statt eines Papageien. 
Eine seltsame Art mit dem Verlust umzugehen: neues, tschirpendes Leben. Aber es sind im Winter und Frühjahr auch zwei Hühner verstorben und ein Hühnerhaus mit zwei Hühnern ist kein Stamm. Hühner brauchen Hühner, und wir genießen das Tschirpen, gerade weil unser Bullemaus immer gerne mit Küken geschmust hat. Ihm würde es gefallen, ganz bestimmt.

Donnerstag, 29. März 2012

Bullemaus

Ein langes Leben beginnt an einem kurzen Tag. Das ist bei allen Menschen so, aber auch bei den meisten Tieren. Meine Bullemaus kam vor 15 Jahren zur Welt, vielleicht aber auch einige Monate oder Jahre früher- denn er ist über den Umweg über ein Tierheim zu uns gekommen. Und Tierheime verlieren gerne einige Jahre, wie viele Menschen.
Die Bullemaus lernte Gänseblümchen zu pflücken (und andere Blumen, sofern diese weiß waren), schlief viel und gerne, am liebsten fest zugedeckt und auf seinem Sessel. Mit Bullemaus konnte man jedes Tier alleine lassen, denn eine sanfte Seele wohnte in der muskulösen Brust, sogar heissgeliebte Halbe-Hähnchen.

Seit einem Sturm im letzten Jahr war das Knie hinüber und tat weh, an Spaziergänge war kaum zu denken. und ein Reißzahn war schon länger inoperabel vereitert und machte eine tägliche Würstchen-Antibiotika-Gabe nötig. Heute Mittag war es dem Herzen und dem Kreislauf zu viel: Der Hund, der im Sommer immer zur Mittagszeit sonnte (und sich dabei gelegentlich den Hintern verbrutzelte und deshalb dort "gesonnenmilcht" wurde), bibberte auf den Kacheln und konnte nicht mehr aufstehen. Vertrauensvoll begleitete er uns zur Tierärztin und durfte Abschied nehmen. Unser Abschied wird noch eine ganze Zeit dauern. Ade, mein Freund, meine Bullemaus, mein großer Schatz, mein Bulleyhund.

Mittwoch, 28. März 2012

Über die Literaturförderung II.. in der "Zeit"

In der Zeit gibt es heute gleich mehrere Artikel, die sich mit dem Thema "Kulturförderung" in Deutschland beschäftigen. Anlass ist das Buch "Der Kulturinfakt. Vom Allem zu viel und überall das Gleiche. Eine Polemik über Kulturpolitik, Kulturstaat,  Kultursubventionen." von Stephan Opitz, Pius Knüsel, Armin Klein und Dieter Haselbach, das wohl ein Pamphlet gegen die bestehende Subventionspraxis für Kultur sein soll, weil in dieser Praxis sehr häufig mittelmäßige Kunst gefördert wird, statt Spitzenleistungen auszuzeichnen.

Interessant ist vor allem der Artikel "Kulturpolitik: Wie und wer rechtfertigt eigentlich Kultursubventionen" von Thomas E. Schmidt. Schmidt geht von einer Prämisse aus: "der Reformunfähigkeit des real existierenden Kulturbetriebs" und der Undurchschaubarkeit der Strukturen und Netzwerke.  Genau an dieser Stelle sieht er auch die Schwäche des obigen Buches. Denn die vier Verfasser des Buchs beschäftigen sich nicht mit dem Strukturproblem, sondern orientieren sich mit ihrem Buch an einem pessimistischen und eigenwilligen Kulturbegriff. Daraus leiten die Verfasser ab, dass der Markt letztlich eine wesentliche Rolle bei der Kulturförderung spielen sollte, als regulierende Instanz für die Kulturförderung. Dabei übersehen die Verfasser, so Schmidt, dass z.B. das Theater eben eine wichtige Funktion (über das Verlangen des Marktes hinaus) hat, bzw. die Kultur insgesamt: es geht darum den Blickwinkel der Menschen auf eine Sache zu verändern und sie einzuladen, darüber nachzudenken und mit anderen zu sprechen. Sie übersehen weiterhin, so Schmidt, dass im freien Markt eben viele Kulturgüter nicht besser werden würden- er nennt es eine "abenteuerliche Hoffnung".
Gerade bei Kunst ist es eben so, dass der Markt letztlich nicht weiß, was er will, bzw. aus künstlerischer Sicht eben etwas anderes möchte, als das in einer Kulturförderung gewollt ist. Denn, wie schon im Beitrag vorher erwähnt, sind moderne Theaterstücke, moderne Inszenierungen (oder Neuinterpretationen von klassischen Stücken) eben vom Publikum nicht so gewünscht wie historisierende Aufführungen und Inszenierungen. Experimentelle Romane würden dann nicht mehr gefördert werden, schwierige Themen eben auch nicht- was nicht im Sinne der Kulturförderung ist. Denn Kulturförderung bedeutet auch Themen und Werke zu fördern, die eben eigentlich nicht vom Publikum gewünscht sind.

Freitag, 23. März 2012

Gratis Buchdownload... "Das Mondgeheimnis von Stefan Fischer" nur heute

Liebe Leute,

ein lieber Freund hat mich gebeten auf eine besondere Aktion von ihm hinzuweisen: Sein "Erstling" ist heute kostenlos bei Amazon als E-Book downzuloaden, auch wenn man keinen Reader hat.

Der Klappentext und viele Rezensionen findet man bei Amazon unter dem Link bzw. über Stefan Fischer: Das Mondgeheimnis/ alt. auch "Die Gestoßenen".

Hier der Klappentext: Alena ist eine bildhübsche Studentin, die sich aufgrund eines traumatischen Kindheitserlebnisses der Liebe und dem Leben verschließt. Sie spinnt als Schutz ein Netz aus Lebenslügen um ihre Seele. Doch als sie den Künstler Ondrej kennenlernt, merkt sie, dass sie mehr vom Leben will. Doch da ist nicht nur ihre emotionslose Beziehung mit Vlado, sondern auch die Sache mit ihrer Mutter - und das Mondgeheimnis.

Hier sind auch noch einige Videorezensionen bei Youtube:
Mr BuchNerd über  "Die Gestoßenen".
The SarahStory über "Die Gestoßenen" und "Das Mondgeheimnis".
MultiKristinchen über "Das Mondgeheimnis".
Das Todesfeechen über "Das Mondgeheimnis".
MeJulyTruly über "Das Mondgeheimnis".

Wer Lust hat den Erstling von Stefan Fischer und den Autor einmal kennenzulernen, sollte unbedingt zuschlagen. Die begeisterten Rezensionen hat er sich hart erarbeitet und verdient... und schaut euch ruhig auch "Die Gestoßenen" mal an, wenn ihr skurrile Fantasy mögt, es lohnt sich.


Donnerstag, 22. März 2012

Aphorismus

Gedanken und Geschichten sind Luftschlösser, wenn wir sie mit unseren Worten gebaut haben, und Luftlöcher, wenn unser Worte sind dann nicht halten.

Dienstag, 20. März 2012

Welche Arten von Beschreibungen gibt es...


Welche Grundarten von Beschreibungen gibt es:

In den meisten Beschreibungen wird im Prinzip ein Bild oder Foto abgebildet. Die Besonderheit bei diesen literarischen Texten ist, dass seit der Biedermeierzeit/ Stifter niemand mehr ein Bild oder ein Foto in jedem Detail beschreibt. Die Autoren erwarten vom Leser, dass er einige wenige Details mit seinem eigenen Wissen und Kenntnissen ausmalt, u.a. weil die Leser natürlich über umfangreiches Wissen verfügen, wie so etwas üblicherweise aussieht und weil der Leser so das Buch und dessen Bilder an seine Vorstellung und Geschmack anpasst, ergänzt und erweitert.
Die genannten Einzelheiten variieren beträchtlich: Die meisten Autoren nennen übliche Elemente oder Details, die den Leser anregen sollen, seine eigenen Vorstellungen und Geschmack einzubringen. Andere Autoren nennen aussergewöhnliche Details, die eine Reihe Assoziationen wecken: bspw. Thomas Mann bei seiner Namenswahl Antonio Kröger (ein ungewöhnlicher Name und ein gewöhnlicher) oder indem er Figuren über ein charakteristisches Detail beschreibt.

Es gibt aber auch vier alternative Verwendungsweisen.

In der einen Verwendungsweise wird in Beschreibungen "moderne Kunst" verwendet: Die Beschreibungen orientieren sich nicht an Fotos, sondern an Emotionen, umgesetzt in "moderner Kunst". Es gibt bestimmte Beschreibungen der Großstadt von R.M. Rilke, in denen Beschreibungen verwendet werden, um eine bestimmte verlorene oder beängstigende Stimmung wie in surrealen Gemälden zu erzielen. Hierbei müssen deutlich mehr Details und (damit auch Adjektive) verwendet werden, um einen Effekt zu erzielen- und die Adjektive müssen oft die Nebenbedeutung tragen, die sich über das Bild "aufladen", bspw. ergänzen zu dem surrealen Bild.
In gewisser Weise ist das bei  z.B. bei Hemingways "Der alte Mann und das Meer" auch so: Seine Bild ist im ersten Augenblick ein Foto: aber das eigentliche Ziel ist nicht die fotografische Qualität der Bilder, sondern die damit einhergehenden Emotionen- und die Widersprüche, die eben nicht den Fischer und die Fischerei betreffen, sondern die Nebenbedeutung des "Alterns" beschreiben. Und oft genug sind sie auch Analogien in einem. Großes Kino, halt.

Die dritte Vorgehensweise bei Beschreibungen ist die "alte Kunst", oft im Umweg über den Topos ("Allgemeinplatz") oder Archetyp. Hier genügen sehr wenig Details oder Adjektive, weil dieser Allgemeinplatz oder der Rembrandt/ Tizian/ Goethe/ ...  eben als bekannt vorausgesetzt werden. Ein Beispiel erspare ich mir, weil die "Hure mit dem goldenen Herzen", der "weise Ratgeber", der "Narr" ebenso wie das Augenklischee oder die Wetter- Emotionsübertragung allgemein bekannt sind.

Der vierte Weg ist die Analogie: Wenn ein Autor voraussetzt, dass der Leser eine Sache nicht kennt und er sie eigentlich umfänglich nach Variante 1 beschreiben müsste, dies aber den Rahmen sprengen würde, greift er auf die Analogie zurück. Da wird die phantastische Welt einer "fremden Erde" mit Wesen besetzt, die ganz anders aussehen als Hasen, aber sich so verhalten. Die gesellschaftlichen Verhältnisse des Mittelalters werden mit einer Tischordnung dargestellt, um es wesentlich zu vereinfachen,... Die "große Variante" ist es einen ganzen Roman als Analogie zu schreiben, siehe Hemingways "Der alte Mann und das Meer".

Die fünfte Variante ist der Verzicht: etwas, was eigentlich zu beschreiben ist, wird nicht beschrieben, sondern nur angerissen, angedeutet und vorweggenommen wird. Dies wird z.B. gerne bei Beschreibungen gemacht, wo keine Beschreibung so "gut" sein kann, wie die Vorstellungskraft des Lesers, bspw. wo die Beschreibung eigentlich keinen Mehrwert bedeutet. Klassisch sind hier Gewaltszenen oder Sexszenen. Eine alternative Verwendung ist die Variante eine zentrale Stelle auszulassen, und diese in Dialogen,... zu schildern.

Diese grundsätzlichen Beschreibungsarten tauchen eigentlich in den meisten Romanen auf, der Unterschied ist nur, wie stark welche Beschreibungarten verwendet werden. Gerade beim "Weltenbau" in Fantasy, HR und SF ist es sehr wichtig, viele Topoi und Analogien zu verwenden, weil man den Leser eben nicht mit seitenlangen Beschreibungen langweilen möchte. Die Beschreibungen im Stil des "modernen Romans" oder der emotional aufgeladenen Beschreibungen wird meisten wenig verwendet- weil sie anspruchsvoll ist und einen besonderen Mehrwert "nur" bei zentralen Stellen bietet- wenn man den Inhalt/Plot/ Handlung in das Zentrum stellt. Bei den "Auslassungen" ist es ähnlich, weil dies als Mittel für weitere Szenen, abseits von Gewalt und Sex, nur selten verwendet wird- und dann als literarisches Stilmittel.

Bei Romanen wie Hemingways "Der alte Mann und das Meer" besteht der Roman aus der eigentlichen Handlung mit einer zeitgenössischen, kritischen Schilderung und aus einer weiteren Ebene, die in Kontrast zu beiden gesetzt ist. Dazu ist es notwendig diese zweite Ebene permanent in alle Szenen einzusetzen, um diesen Effekt zu erzielen. Das mindert die "Lesbarkeit", weil der Leser eben diese zweite Ebene mitverfolgen muss, um das Gesamtkonstrukt "mitzunehmen", er erhält dafür diese zweite Ebene als "Belohnung".
Wenn Heimngway diese permanente, zweite Ebene nicht so ausführlich verwenden würde, wäre sein Roman "nur" ein Roman über einen alten Fischer, der kritisch seine Fischerei und sein Alter betrachtet, und die zweite Ebene andeutet. Aber die zweite Ebene ist für Hemingway zentral, weil er eben keinen Roman über die Fischerei geschrieben hat, sondern einen Roman über das Altern, dass einen Ausblick weit über den alten Fischer und seine Fischerei erlaubt.

Sonntag, 18. März 2012

Über die Literaturförderung... in der NZZ

In der NZZ gibt es heute gleich mehrere Artikel, die sich mit dem Thema "Kulturförderung" in Deutschland beschäftigen. Anlass ist das Buch "Der Kulturinfakt. Vom Allem zu viel und überall das Gleiche. Eine Polemik über Kulturpolitik, Kulturstaat,  Kultursubventionen." von Stephan Opitz, Pius Knüsel, Armin Klein und Dieter Haselbach, das wohl ein Pamphlet gegen die bestehende Subventionspraxis für Kultur sein soll, weil in dieser Praxis sehr häufig mittelmäßige Kunst gefördert wird, statt Spitzenleistungen auszuzeichnen.

In "Der Wirklichkeitstest" von Barbara Villiger Heilig beschäftigt sich die Autorin mit der Frage, wie ein Theaterstück entsteht und wie diese dem "Wirklichkeitstest" ausgesetzt wird. Letztlich mündet der vielfältige Entstehungsprozess (Schauspielschule, Literaturinstitut, Autodidaktik, Geldgeber und Gremien (aus Experten und anderen),... in der Auseinandersetzung mit einem Publikum,  in der Erfahrung, Wissen, Einstellungen und Haltungen zu Stück, Dramatiker, .... unterschiedlich verteilt sind- "Da reibt sich die sogenannte Kunst, nicht selten produktiv, an ihrem komplexen Entstehungsbedingungen", wie Frau Villiger Heilig schreibt. Ich interpretiere diesen Text so, dass letztlich die Förderung erst an einem recht späten Punkt, dem "Wirklichkeitstest", geprüft werden kann, da das Publikum entscheidet. Somit ist jede Förderentscheidung letztlich eine Vorwegnahme und Spekulation über die Publikumsentscheidung. Und das ist letztlich dafür verantwortlich, dass die Subventionsprozesse für ein "Meisterwerk" auch viele mittelmäßige Werke fördern

In "Eine Hors-sol-Tomate" beschäftigt sich Samuel Herzog mit dieser Frage, indem er Pierre Bourdieu zitiert, der den "Kunstbürger" beschreibt, der Kunst "als Medium der sozialen Differenzierung, der Abgrenzung und Ausgrenzung" verwendet. Dies definiert sein Interesse an Kunst. Samuel Herzog leitet daraus ab, dass ein "Kunstbürger" dementsprechend eine bestimmte Kunst wünscht. Das Künstlerprekariat, so Herzog, folgt diesem Wunsch durch Marktgängigkeit, während die Autoren des Buches "Der Kulturinfakt" die große Innovation erwarten- nun, die vier Herren unterschätzen offenbar, dass auch Künstler gerne Geld verdienen statt zu "hungern".
Und jedem, der den "Kunstbürger" anzweifelt, sollte sich einmal an eine Oper stellen, wo die Opernleidenschaft von Generation an Generation weitergegeben wird- nur schaffen es die Opernhäuser  nicht, Menschen anderer Herkünfte zur Oper zu bringen. (Was auch oft genug nicht gewollt ist, siehe "Kunstbürger").


Ihn "Kurz vor dem Stillstand" von Peter Hagmann beschäftigt sich der Autor vor allem Umverteilung und Abbau, die in "Der Kulturinfakt" gefordert werden. Hagmann geht davon aus, dass dies längst als Folge der sinkenden Kulturetats  entschieden ist. Unklar ist aber, so Hagmann, wie der Kunstbürger, siehe Samuel Herzog, darauf reagieren wird, und wie er auf Innovationen reagiert. Wie oft werden "klassische Aufführungen" gefordert, weil der "Kunstbürger" lieber das xte Mal einen Klassiker auf der Bühne sehen möchte, am liebsten mit klassischen Bühnenbild, klassischer Sprachwahl und Dramaturgie und natürlich keine moderne Adaption. Hagmann sieht die Kulturförderung und Subvention eher in ihren Erfolgen und Leuchttürmen und nicht in der vielfach vorgefundenen Mittelmäßigkeit und der "Innovationsfeindlichkeit" vieler "Kunstbürger". Finde ich nicht so überzeugend.


In "Intelligenter streiten!" von Roman Bucheli fordert genau dieses: "Intelligenter streiten!". Das die "Kulturförderung" und Subventionen hinterfragt werden müssen, ist Bucheli klar. Er meint aber, dass Pamphlete wie dieses letztlich eher Plattitüden hervorbringen, als eine kritische Selbstbefragung voranzubringen, und so zu einer Veränderung des Vorgehens wenig beitragen. Denn einfache Lösungen sind meistens eben genau das nicht, Lösungen, sondern eher die argumentatorische Muskelrhetorik des Provokateurs.

Da ich das oben genannte Buch nicht gelesen habe, kann ich über das Buch nicht viel beitragen. Die Kunstförderung in Deutschland ist recht eigenwillig verteilt: Deutschland ist das Land mit den meisten öffentlich finanzierten Orchestern, Opernhäusern, Theatern und Philharmonien. Hier treffen eine ganze Menge recht gut bezahlte Festangestellte in Sachen "Kultur" auf eine kleiner Zahl von freien Künstlern. Die freien Künstler dagegen haben immer weniger Möglichkeiten, siehe bei Schriftstellern die abnehmende Anzahl Lesungen, ihr Einkommen selber zu erwirtschaften- und gerade in der E-Kultur werden die Subventionen dadurch immer mehr- was letztlich aber, siehe die Marktgängigkeit, nicht immer zu den gewünschten Resultaten führt. Gerade weil viele Preise, z.B. bei Schriftstellern, gerne an bekannte Autoren vergeben wird, wird es für viele andere Autoren immer enger- und wieder sind wir bei Marktgängigkeit.
Hilfreich wäre es, wenn man das Einkommen der Autoren erhöht, indem man z.B. wie in Irland, freie Künstler von der Steuer befreit (bis zu einem bestimmten Einkommen). Eine solche Subvention würde Künstlern helfen aus eigenen Arbeit ihren Unterhalt zu bestreiten. Künstler mit Brotberufen könnten für den künstlerischen Teil ebenfalls von der Steuer befreit werden, was deren Zeit für die Kunst erhöhen würde. Lesungs- und Aufführungshonorare könnten von der Mehrwertssteuer befreit werden, was die Verhandlungen über die Honorare erleichtern würde- und so die Honorare und/ oder die Zahl der Lesungen verbessern würde. Wenn der Staat z.B. bei Schullesungen oder Schulaufführungen die Honorare zum Teil übernehmen würde, würden die Autoren/ Künstler unterstützt, Schulen könnten mehr Lesungen und Aufführungen anbieten- und die Schüler so an Literatur heranführen. Die Schulen könnten auch mehr Geld in den Etat für den Besuch von Theatern oder Opernstücken bekommen- und diese verpflichtet werden, Stücke für Schüler und Schülerinnen anzubieten, sowie Schulungen, wie ein Theaterstück gemacht wird.
Eine weitere Möglichkeit wäre es, wie z.B. in Frankreich üblich, den freien Künstlern gezielt Schulungen anzubieten, wie man seine Honorare verhandelt, welche Einkommensmöglichkeiten es gibt, wie man seine Steuererklärungen anfertigt, Rhetorikkurse,.... So würde auch direkt der Künstler gestärkt.
Mit all diesen Maßnahmen würde ein Teil der Subventionen nicht mehr "von oben" verteilt, sondern die Einkommensmöglichkeiten der Künstler verbessert- was die Freiheit der Künstler erhöhen würde. Somit würde weniger über Künstler entschieden und mehr von ihnen entschieden. Und das wäre schon eine gewaltige Verbesserung.

Mittwoch, 14. März 2012

Schreiben, schreiben, schreiben...

Seit einigen Tagen und Wochen schreibe ich wieder und es fehlt mir noch die Leichtigkeit, mit der die Worte sonst fließen und mit der der Roman voran schreitet. Ich muss immer wieder an den Text zurück, weil die Dynamik der einzelnen Elemente noch fehlt und das Handwerkszeug noch nicht immer sitzt. Um mal konkreter zu werden: beim letzten Schreibprozess habe ich bei den Beschreibungen furchtbaren Mist gebaut. Das ist mir seit Jahren nicht mehr in dieser Weise passiert. Also erarbeite ich mir gerade den Schreibprozess, der natürlich bei jedem Buch ein wenig anders ist. Und ich bin gar nicht erfreut.

Montag, 5. März 2012

Was bleibt?

Ich bin irgendwie vor einigen Stunden bei dieser Frage sozusagen einfach hängen geblieben- natürlich im Bezug auf meine Texte und mein Schreiben. Denn die meisten Autoren haben ja irgendwie die Vorstellung, dass etwas von ihren Texten bleiben würde.
Aber sind wir mal ganz ehrlich: die meisten Romane sind nach zwei Jahren nicht mehr erhältlich, wenn der Verlag sie nicht schon vorher aussortiert. Book-on-demand hat da nicht geholfen und die E-Books werden es wohl auch nicht retten. Denn Bücher wollen gefunden werden... nur wer geht heute noch an Orte, wo solche Dinge passieren können. Und wer jetzt Buchhandlung einwirft, der sollte beim Buchladen seines Vertrauens einmal einen Blick auf die wenigen, vorhandenen Bücher werfen, die älter als ein Jahr sind. Von den Klassikern einmal abgesehen, die aber in immer engeren Schränkchen vor sich hin stehen.
Und es gibt kaum einen schlechteren Ort als Amazon, um sich von Büchern inspirieren zu lassen. Denn dort findet man ähnliche Bücher, aber keine alten Bücher, keine ungewöhnlichen Bücher oder Bücher, die man eigentlich nicht kaufen würde. Also helfen nur Bibliotheken, Empfehlungen, Freunde und Fremde, einen Menschen ein neues Buch, eine neue Idee an die Hand zu geben.

Was bleibt? Wie viele Leser erinnern sich wirklich an ein Buch, dass sie einmal gelesen haben?? Die meisten Büchermenschen erinnern sich an besondere Bücher- und leider ist das nicht planbar. Ansonsten verschwindet meistens der Inhalt, der Name des Buches und der Autor mit der Zeit, bis selbst von den guten Büchern nur noch einige Szenen oder warme Erinnerungen an Figuren oder ähnliches vorhanden ist. Ich habe Bücher in meinem Schrank, die ich innerhalb des letzten Jahres gelesen habe, und deren Inhalt nur noch schwach blinzelt.
Also bleibt nur der Autor, der sich an die eigenen Geschichte wirklich erinnert. Reicht das?? Macht das das Autorsein aus- das man eine ganze Menge seiner eigenen Geschichten für andere "umschreibt"? Ich denke ja.

Was bleibt also? Das Autorsein beinhaltet die Fähigkeit durch das reflexive Umgehen mit den eigenen Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen Dingen einen Wert zu geben, sich an all das anzunähern und sich zu distanzieren. Man gibt all dem einen Raum, was die meisten Menschen nicht tun. Daraus kann eine Menge für die Autoren erwachsen, wenn sie sich erwachsen verhalten. Es ist eine Art Selbstverständnis- und das kann genug sein. Für mich zumindest.

Mittwoch, 22. Februar 2012

Eine Figur schreibt sich ein

Ich habe die ersten Kapitel geplottet und wollte mich nun in die Figuren und die Handlung "einschreiben"- für mich besonders wichtig, um das Tempo des Romans zu entwickeln, näher an die Figuren und die Welt heranzutreten und einen ersten Eindruck vom Rhythmus und der Sprache zu bekommen- schließlich will ich es diesmal "ganz" anders als die letzten Male machen.
Nun, ich hatte ja schon darüber geschrieben, dass ich es diesmal mit einer multiperspektivischen Erzählweise versuchen möchte. Nun, ich hatte gerade einen guten Anfang, wie immer mit dem Problem, dass ich gerne aus der Ich-Perspektive schreibe, weil ich mich da den Figuren besonders Nahe fühle. Aber irgendwie kam mir dann eine Idee, die vielleicht noch wesentlich besser das Grundthema meines Romans passt und gleichzeitig Teil des Thema ist. Und nun führe ich eine Erzählfigur ein, die letztlich ein Teil der besonderen Erzählwelt ist. Von einem vermutlich albernen Gag einmal abgesehen.

Sonntag, 19. Februar 2012

Ebook und Reader oder Holzware/Bücher

Ich habe keinen Ebook-Reader, weil für mich die Vorteile noch nicht die Nachteile überwiegen.

Für meine Recherchen an der Uni habe ich immer wieder mit digitalisierten Texten gearbeitet und verschiedene Verarbeitungssysteme getestet, die alle vor dem modernen Ebook-Reader lagen. Die meisten waren im Prinzip nur alternative Darstellungen ohne Zusatzoptionen.
Gerade für Recherchen oder Sachtexte würde ich heute sofort mit einem Reader arbeiten, wenn ich hier Verlinkungen, Hinweise und Kommentare direkt an den Text setzen könnte und dies mit anderen Dateien verbinden könnte. So würde ich mir viel Arbeit sparen und könnte bestimmte Gedankengänge besser verlinken und später nachvollziehen. Klarer Vorteil der Ebooks auf den Readern.

Bei fiktionalen Texten möchte ich von Anfang an die Möglichkeit haben, den Text später in meine Bibliothek einzustellen. Eine Liste bei Amazon ersetzt für mich nicht das sinnliche Gefühl Bücher anzufassen und sie händig zu lesen. Sie ersetzt nicht mein Auswahlverfahren, weil ich eben Bücher nicht bei Amazon auswähle, sondern dort nur die mir schon bekannten suche oder die "Rezensionen" lese. Ich wähle Bücher aus, indem ich sie in die Hand nehme und mir ansehe, sie öffne, ein paar Seiten lese, das Buch weiter in der Hand halte, den Klappentext lese, mich entscheide.
Und ich liebe es ungefähr 60% der Bücher am Ende wegzugeben, weil sie bei mir keine "Heimat" gefunden zu haben- und sie eine zweite/dritte Chance darauf bekommen sollen.
So reichen wir Bücher durch den gesamten Familienkreis, was bei Ebooks eben so nicht funktioniert. Somit würde mir das I-Tunes Phänomen begegnen- ich würde eben nicht ständig mit Büchern konfrontiert, die ich mir eigentlich nie kaufen würde. Mein Horizont würde ziemlich verengt. Und die öffentlichen Bücherschränke halte ich für eine enorme Bereicherung vieler Städte für viele Leser.

Und zum Thema Dauer: Mittelalterliche Pergamente sind heute noch lesbar, weil das Medium unter bestimmten Bedingungen (siehe Lagerung und Behandlung) eine Nutzungsdauer von mehreren Hundert Jahren hat. Mittelalterliche Papiere aus Lumpen haben unter den gleichen Bedingungen eine ähnliche Haltbarkeit. Erst Papiere ab 1870 haben durch die Verwendung von Holz als Grundstoff das "Säureproblem"- das diese Säure diese Bücher nach und nach zerstört.
Wer in den 80er Jahren mit einer Textverarbeitung Texte erstellt hat, hat inzwischen ein großes Problem: Da es keine normierten Dateiformate gibt, sind viele Texte heute nicht mehr fassbar- wie übrigens auch bei vielen alten Photo- und anderen Dateiformaten. Deshalb werden Dokumente heute immer noch auf Microfilmen archiviert, weil man dort nur eine Vergrößerung zur Bearbeitung benötigt.
Wer einen Text zwischen verschiedenen Programmen und verschiedenen Betriebssystemen transferiert, wird sicherlich schon öfter die Erfahrung gemacht haben, dass bestimmte Formatierungen verschwinden, bestimmte Fehler erscheinen. Wer alte Texte, für die heute noch Konvertierungsprogrammen existieren, heute auf moderne Formate überträgt, wird rasch die Erfahrung machen, dass er nach zwei, drei Konvertierungen Fehler multipliziert.
Die Folgen sind relativ klar: Wer bei Amazon in 15 Jahren Bücher öffnen möchte, die er heute gekauft hat, wird bei einigen Büchern sicherlich aktuelle Versionen finden, bei anderen Büchern nicht. Übrigens werden auch die Digitalisierungen von z.B. Google auch ein solches Problem haben- denn auch deren Formate sind möglicherweise nicht zukunftssicher. Ganz davon abgesehen, dass natürlich auch Firmen wie Amazon oder Google vieleicht nicht zukunftssicher sind- und was passiert mit Berechtigungen, wenn es die Firmen nicht mehr gibt?? Denn ich habe die Bücher nicht mehr zu Hause, sondern nur auf dem Reader eine Berechtigung.

Bücher sind zukunftssicher, wenn sie nicht über säurehaltiges Papier verfügen- Ebooks leider noch nicht. Das wird für mich ein zentrales Kriterium sein. Denn ich habe ungefähr 2000 Bücher aus mehreren Jahrhunderten, die für mich ein ausgelagertes Nachgehirn darstellen. Und das ist im Moment einfach unersetzlich und ich würde es für einen Reader nie gefährden.

Mittwoch, 8. Februar 2012

Wege zur Veränderung des eigenen Stils

Das Schreiben von unterhaltsamen und literarischen Texten ist immer eine bewusste und unbewusste Entscheidung zwischen einer Vielzahl von Möglichkeiten. Deshalb ist es an einigen Punkten des Schreibens relativ leicht, an anderen Punkten relativ schwer, seinen Stil wirklich zu verändern.

In der ersten Phase des Lernens geht es darum zu lernen, wie man seine eigenen Vorstellungen und Gedanken in eine Form bringt, die diese Vorstellungen und Gedanken für einen Leser codiert- und die dieser Leser wieder zurück codieren kann, am besten übrigens mit Genuss. Denn die Werkzeuge, die die meisten kommenden Autoren aus Schule und Berufsleben mitbekommen haben, reicht meistens nicht aus, diesen elementaren Schritt erfolgreich bewältigen zu können. Denn hier vermischen sich Schreiberfahrungen mit den Erfahrungen als Leser- und oft wirkt das eigene Erzählen entweder dilettantisch oder zusammen gestückelt.
Jeder Mensch hat seine eigene Wahrnehmung der Welt- und diese an einen Leser zu vermitteln, ist eine Herausforderung: Wie gestalte ich Beschreibungen von Orten und Personen,.was treibt meine Figuren an, wie führe ich meine Figuren, wie gestalte ich Handlung, wie gestalte ich Dialoge.
Eine besondere Bedeutung haben in dieser Phase einerseits Experimente zu den Möglichkeiten, wie man dies machen kann, andererseits auch die Rückmeldungen wohlmeinender (und damit vor allem kritische) Leser und Kollegen, die die Experimente und alle anderen Texte rückmelden, was wie funktioniert und was eben nicht funktioniert. Denn aus diesem Fundus an Möglichkeiten wird man später immer wieder schöpfen- und oft schmerzlich vermissen, wenn man hier nicht genug ausprobiert hat. Und hier können eben viele Dinge sehr schiefgehen- denn der Autor muss lernen, selber seine Texte zu analysieren, mit Kritik umzugehen (berechtigte Kritik anzunehmen, unberechtigte abzuwehren), sehr analytisch zu schreiben und seine Sichtweisen zu klären und zu erweitern, vom vielen neuen Wissen einmal abgesehen.
In dieser Phase ist es noch relativ leicht, seinen eigenen Stil zu verändern, weil man noch keinen Stil hat. Hier werden erst die Entscheidungen getroffen, die später zu einem eigenen Stil auswachsen.

In der zweiten Phase des Lernens geht es darum,  aus einem unheimlich breiten Feld an erprobten Möglichkeiten eine funktionierende Gesamtheit zu entwickeln: Denn wer eine Kurzgeschichte schreiben kann, kann längst noch nicht einen Roman schreiben. Hier müssen viele bittere Entscheidungen getroffen werden, um aus funktionierenden Einzelteilen ein Gesamtwerk zu schaffen. Dazu muss intensiv an Stärken und Schwächen gearbeitet werden, viele wichtige Entscheidungen müssen neu getroffen werden, weil ein Roman andere Erzählweisen benötigt.
In dieser Phase wird unheimlich viel Feintuning betrieben, weil wichtige Grundentscheidungen längst getroffen wurden. Es geht weit weniger um grundlegende Entscheidungen z.B. über das Schreiben von Dialogen, sondern darum, wie sie rhythmisiert werden, wie sie gesetzt werden, was wichtig ist, wie die einzelnen Figuren eine eigene Stimme bekommen, als um den Gesamtbau. Natürlich verändern auch Erfahrungen des Autors noch seine Erzählweise: seine Erfahrungen als Mensch und als Autor seiner Texte werden sich nach und nach in den Texten durchschlagen.
Hier besteht immer die Gefahr, sich zu sehr an schlechten und frühen Entscheidungen festzuhalten und aus frühen Erfolgen die falschen Schlüsse zu ziehen. Oft führen hier Zweifel auch zu schlechten Entscheidungen, indem zu viel Kritik oder schlechte Kritik umgesetzt werden.
In dieser Phase ist es noch relativ leicht, Details am eigenen Stil zu verändern- aber viele grundlegenden Dingen sind längst aus dem analystischen Bereich in den intuitiven Bereich übergegangen. Es ist also schwierig, seinen Stil zu verändern, ohne sehr intensiv in die erste Phase zurück zu gehen.

In der dritten Phase entsteht aus dem funktionierenden Gesamtheit der Erzählung so langsam etwas, was man als persönlichen Stil bezeichnet: Aus den vielen Entscheidungen der ersten beiden Schritte entsteht ein festes Reservoir, mit dem die verschiedenen Romanelemente gefasst werden- und es gibt einige "Ausweichstrategien". Der persönliche Stil macht sich meistens eher an Kleinigkeiten fest: Die Art, wie Figuren charakterisiert werden, die Wahl von rhetorischen Figuren, die geschilderte Atmosphäre und Weltsicht, wie Handlungen aufgebaut sind und wo der Autor vom üblichen abweicht. Je nach Ausprägung des eigenen Stils ist dieser entweder kaum zu erkennen oder ergibt einen eigenen "Sound" des Romans- mit der besonderen Gefahr des Manierismus (etwas eigen zu machen, was oft eher unangenehm auffällt, genau das aber nicht soll).
In dieser Phase ist es besonders schwer, wieder "zurückzugehen", also wichtige Schreibentscheidungen neu zu treffen. Denn die meisten Scheibentscheidungen sind längst nicht mehr bewusst, sondern längst durch Einübung fast "intuitiv" geworden. Also muss man nun decompilieren und das, was "intuitiv" ist, wieder analytisch machen.
In einem solchen Fall geht es darum, den eigenen Blickwinkel auf das Schreiben wieder "zurückzusetzen".
Dazu kann man als Autor seinen Stil wechseln, also die Perspektive, oder aus der Sichtweise eine Figur (=Erzählfigur) schreiben, um den eigenen Text neu zu entdecken. Das hilft bei kleinen Änderungen eigentlich recht gut.
Bei größeren Veränderungen wird man sich immer wieder zurück ins "intuitive" schreiben.
Hier hilft entweder ein sehr intensives Lektorat eines erfahrenen Lektoren oder analytische Methoden: z.B. indem ein Text im neuen Stil vorgeschrieben wird, der dann um 30% gekürzt werden muss// alt. können auch bestimmte Elemente neu bewertet werden, indem Teile gekürzt, andere ausgebaut werden müssen// alt. kann es auch sehr hilfreich sein, Textteile zu markieren (rhetorische Figuren, Weltsicht und stilistische Eigenheiten) und diese auszutauschen- mit dem Versuch nach und nach dies "intuitiv" zu übernehmen.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Eine neue Erfahrung- Plotten

Ich habe in letzter Zeit schon so einiges über das Plotten geschrieben, weil ich mich das erste Mal mit aller Konsequenz mit diesem Thema beschäftige.
Die ersten Erfahrungen waren niederschmetternd und gehören in eine Zeit, in der ich meine ersten Geschichten geschrieben habe. 
Nun, die Erfahrungen im letzten Jahr waren nicht wirklich befriedigend. Mein erster Plot basierte auf dem üblichen Thrillerkonzept und wurde von einer recht simplen Haupthandlung getragen. Leider war ich mich beim Plotten nicht wirklich sicher, wohin ich plotten wollte- und habe viele wichtige Entscheidungen nicht getroffen. Nun, das Ergebnis war dementsprechend: Ich hatte die Figuren nicht greifbar, die Welt auch nicht und mein Antagonist war freundlich formuliert blass.All das hätte ich vielleicht noch ändern können, wenn ich in meine eigene Geschichte hinein gefunden hätte, in meine Figuren und sie zu einem Teil des Schreibprozesses geworden wären.
Aber wie es mit dem Scheitern ist: der Lernerfolg kann enorm sein, wenn man im Scheitern aufmerksam zuhört und nachträglich richtig hinsieht. Verletzter Stolz ist dabei im Weg, eine überzogene Meinung von sich selber übrigens auch. Und ja, Niederlagen sind trotz aller Gründe immer ziemlich beschissen. Und ich scheitere wirklich viel, viel zu oft, irgendwie.

Nun beim zweiten Versuch sieht es ein wenig besser aus. Da ich ziemlichen Wert auf die Hintergründe, die Figuren und kleine Details lege, musste ich mein Konzept etwas weiter vorne beginnen. Also habe ich zuerst einmal eine ganze Menge Gedanken verschriftlicht: Ich habe ein Konzept für den Roman entworfen, indem ich die grundlegenden Fragen über die Hintergründe meines Romans geklärt habe. Da ich aber sehr inspirationsgängig bin, habe ich viel Raum für Interpretationen und nachträgliche Auffüllung gelassen. Ich habe die wichtigen Hauptifuren und Nebenfiguren ausgestaltet und nur einen Platzhalter gelassen: Mein Antagonist muss noch aus den Hauptfiguren gedanklich wachsen und sich als Bild aufdrängen. Da habe ich einige Ideen, bin aber noch nicht weit genug, um mich festzulegen.
Der Umfang des Romans ist ungefähr festgelegt, ich habe eine Vorstellung über den Aufbau der Kapitel und was ich wann im Roman brauche.
Die ersten zweieinhalb Kapitel sind feingetunt- und ich habe eine erste Struktur entworfen, die den Roman tragen kann und wird. Die war im letzten Entwurf zwar angedacht, sie war auch eingearbeitet, aber die Umsetzung war einfach nicht stimmig. Das dürfte sich geändert haben.
Die eigentliche Handlung ist wichtig: für mich persönlich brauche ich jedoch auch noch eine Grundstimmung.Also habe ich im Plot schon einiges an Stimmung gesetzt- und werde in der Niederschrift intensiv daran arbeiten müssen. Mit den Figuren werde ich langsam auch schon warm und einige wichtige Punkte für den Roman sind schon gesetzt: Einführung von Figuren und wichtigen Charakterzügen, Hinweise auf die Stimmung der Stadt und vieles mehr.

Nun muss ich mir überlegen, wie ich aus dem Anfang die Haupthandlung entwickele, und wie ich dabei die Grundstimmung mitnehme. Denn das ist die Aufgabe für die nächsten drei Kapitel.


Montag, 16. Januar 2012

Gedankendünger

Bisher habe ich meine Geschichten auf den leeren Seiten einer Geschichte ausgesäht und bin meinem ersten Satz und einigen Ideen gefolgt. Nur leider war es dann bei Langtexten so, dass irgendwann die Figuren eine ganz eigene Geschichte erzählt haben und diese mit einem klassischen Spannungsaufbau/ irgend einem Spannungsaufbau nicht mehr viel zu tun hatte.
Nun, ich hatte in den letzten Monaten wenig Zeit um zu schreiben- wenig Freiheit der Gedanken- aber genug Augenblicke, um eine Geschichte langsam reifen zu lassen... die eigentlich in den Grundzügen schon lange da ist, aber noch ein wenig grün ist.
Witzigerweise überlege ich nicht mehr, was das alles mit mir zu tun hat... was daraus werden könnte. Sondern entwerfe schon mal Hintergründe, Wissenswertes und die Figuren. Und werde morgen plotten, wenn ich die Entscheidung getroffen habe, welche Spannungshandlung am Besten meinen Figuren / den wichtigsten Romanelementen hilft- und die richtigen Dinge herausstellt. Im Prinzip habe ich schon längst eine Vorstellung, wie das funktionieren könnte... nur will ich noch einmal alles neu durchdenken.

Dienstag, 10. Januar 2012

Altenpflege für den Hund

Unser Großer hat inzwischen das (für seine Rasse) biblische Alter von 15 Jahren erreicht, dank 23 Stunden Schlaf täglich von klein auf. Seit er im letzten Jahr, der alte Tollpatsch, beim Pinkeln abgeschmiert ist, ist der Meniskus hin. Ein Reißzahn ist dauerhaft vereitert und er muss täglich seine Penicillintablette bekommen, natürlich schön "verpackt" in eine Wurst. Die angedachten OP`s können leider nicht stattfinden, weil der Hund die Narkose in seinem Alter nicht mehr verträgt. Ein wenig dement ist der Hund auch... er steckt manchmal minutenlang vor der Balkontür und weiß nicht, ob er rausmuss oder nicht (oder ob er schon war). Das hört sich nach Leidenszeit an... denn die früher wacker gehaltenen 17 Stunden ohne zu pinkeln, schafft er auch nicht mehr. Inzwischen muss man auch mal während der Nacht raus... Und auch die Hundehütte riecht ziemlich streng nach Schweißfüssen.

Der Große unter Decken... wie er es mag.


Also gibt es ein wenig Altenpflege: regelmäßige Sitzungen vor dem warmen Ofen oder der Gasheitzung, ein kuscheliges Heidschnuckenfell, regelmäßige Massagen und zwei Bockwürste am Tag für die Tabletten, gelegentliches Spazierengehen, wenn man gut drauf ist...
Aber immer noch wird die Bockwurst gut gekaut, weil es ja mehr Wurst gibt, wenn man die Pille immer wieder ausspuckt. Wenn die Bockwurst etwas später kommt, gibt es ein langes wehleidiges Angestarre. Und wenn der Herr Hund irgendwie will, neigt er zur Beschleunigung (und dem gnadenlosen Überlaufen von allen Gegenständen, die im Weg sind). Und bei Hundemädchen kann man auch noch toben, rumspringen und spielen. Und bei Regen kann man immer noch mal schlafen gehen, zwei extra Stunden, falls es dann nicht mehr regnet.

Es geht ihm also immer noch gut, sagt die Tierärztin, sagen wir. Wie ein fünfjähriger, sagt die Tierärztin (bis auf leichte Gedankenverlorenheit und Meniskus). Nur das Alter ist ganz schön lästig, vor allem beim Schlafen. Schmerzen hat er keine und die Demenz könnte auch nur Sturheit sein- schließlich ist der Hund bei Regen besonders Dement, wenn es ums pinkeln geht.

Sonntag, 8. Januar 2012

Goliath

Als wir Goliath bekamen, war das arme Ding ganz zerrupft und zerhackt, von Enten, einem ziemlich verliebten Hahn und anderen Hühnern; krank war es auch, etwas mit der Lunge. Nun, nachdem unsere Zwerghühner es dann auch bei uns noch vertrimmt haben, dachten wir, dass das große Huhn es wohl nicht schaffen würde.
Den Namen Goliath (alt. Huhnzilla) bekam das Huhn für eine Eigenheit: Wenn es Futter gab, rannte das Huhn immer über quer am Zaun entlang und dabei über alle Zwerghühner drüber. Und wurde dann von einem Zwerghuhn dafür mit Kungfu-tritten verdroschen.

Drei Wochen später war Goliath der Chef im Ring- nicht ganz so schwierig, wenn man fast doppelt so schwer wie alle anderen ist. Seitdem klopfte es an der Scheibe, wenn wir mit dem Futter nicht rechtzeitig nachkamen und "aus Versehen" wurden Blumenpötte abgeräumt. Das Huhn vertrimmte den kleinen Hund und trieb ihn in die Ecke. Es versuchte mit dem großen Hund ins Haus zu kommen, weil Trockenfutter für Hunde offensichtlich noch viel besser als Mais ist. Es guckte und war handzahm, und kam manchmal im Sommer ans Bett, um uns vorsichtig zu wecken... ich sage nur Futter (und Hundefutter).
Das es als Kampfhuhn dafür sorgte, dass sich niemand den Zwerghühner näherte... geschenkt. Das es unser Punky (Federn nach oben "gelockt") immer auf Streifzüge mitnahm und trotz gestutzter Federn fliegen konnte,... Magie. Das es die Eier überall im Garten versteckt hat... Naja.

Nur bekamen wir trotz aller Versuche das Röcheln nicht weg. Gestern Abend ist Goliath verstorben. Natürlich wird Goliath beerdigt.... was sonst. War ja auch nur ein Mensch, Huhn meine ich.