Gerade habe ich bei Petra van Cronenburg folgenden Blogeintrag gefunden: "Für Männer und Frauen: Literatur".
In dem von ihr verlinkten Artikel aus dem Café Babel wird einfach festgehalten, dass die meisten Literaturpreise zum überwiegenden Teil von Männern gewonnen werden. Die Autoren dort meinen, dass dies u.a. darin liegt, dass die meisten Autorinnen von den Verlagen in den Bereich Chick-Lit verschoben oder gedrückt werden, ob sie dort nun hinein gehören, diese Art Texte schreiben wollen oder ob nur die Veröffentlichung über Bilder, Titel und ähnliches dort einsortiert wird.
Petra van Cronenburg ergänzt, dass die Autorinnen eben nicht abgeschoben werden, sondern freiwillig in diesem Bereich veröffentlichen Als besonderes Schmankerl zitiert sie die Selbstentschuldigung von Asta Scheib, die verschiedene Gründe dafür findet, was sie einfach nicht getan hat.
Nun, eine der zentralen Probleme sehe ich persönlich im Umgang mit Konflikten. Denn viele Frauen neigen meiner Erfahrung nach dazu ihre Konflikte möglichst in einem Konsenz auszuräumen, um eine direkte Konfrontation zu vermeiden. Diese Verhalten wird übrigens bis heute Töchtern gerne vermittelt, wenn ich mir die Situation in meinem Wahrnehmungsbereich ansehe.
Männer werden dagegen eher darauf geschult immer ihre eigenen Meinungen zu vertreten, gegen alle Widerstände, um zu lernen sich durchzusetzen. Wobei gerade die Frauendominanz in Erziehungsberufen hier oft ein anderes Konfliktverhalten einbringt.
Bei verschiedenen Diskussionen habe ich immer wieder gehört habe, übrigens überwiegend von Autorinnen (die sich auch eher dazu äußern), dass es keine Schande ist nach Genrevorgaben zu schreiben oder bitte darauf zu verzichten sich, seinen eigenen Stil, das eigene Interesse/ Thema ähnliches zu wichtig zu nehmen, weil das eigentliche Ziel der Leser ist. Das niemand sagen kann, was der Leser ist oder was er will, ist übrigens Teil des Problems. Im Prinzip wird etwas Abstraktes verabsolutiert und ein Teil des eigenen Schreibens ausgeschlossen. Die eigenen Themen haben nichts mit der Betroffenheitsliteratur zu tun. Es geht einfach darum sich mit dem in seinen Texten zu beschäftigen, was den Autor gerade beschäftigt oder interessiert. Meist kommt dann, dass man ja später freier arbeiten könnte, wenn man Erfolg hatte. Ein Trugschluss übrigens: Denn wenn eine Marke etabliert ist, die immer einen bestimmten Inhalt hat, wird es noch schwerer davon abzuweichen. Wenn die Marke schon immer etwas flexibler war, geht das dagegen.
Dieses Konfliktproblem geht aber weit darüber hinaus. Denn wer schon vor dem Lektorat seinen Text auf mögliche Anmerkungen korrigiert, dann vor der Verkaufskonferenz weiter anpasst, der wird auch nicht den Mut haben sich an anderer Stelle durchzusetzen.
Von männlichen Autoren kommt übrigens dann oft, dass diese Autoren ihre eigenen Themen bearbeiten und sich freuen, dass die eigenen Themen so viele Leser finden. Oder das die Genrevorgaben ja gar nicht so streng seien und die Autoren verweisen darauf, dass sie schon von Anfang an Bücher etwas abseits des üblichen veröffentlicht haben. Denn wer von Anfang an mutig ist, wird sicherlich seine Anmerkungen bekommen- aber in einem anderen Umfang. Denn hier wird ein vorhandener Text nur überarbeitet, nicht nach fiktiven Vorgaben gestaltet, die für sich nur wenig sinnvoll sind.
In der Literatur geht es immer um Konflikte. Und Teil des Konflikts ist eben nicht nur der Inhalt, sondern auch die Art des Schreibens, der Stil, die Darstellungsweise, der Aufbau und vieles ähnliche. Das erfordert vor allem Durchsetzungsfähigkeit und Selbstvertrauen. Und je extremer und eigenwilliger ein Text wird, und damit oft preiswürdig, je mehr wird davon gebraucht...
Ich bin mir recht sicher, dass trotz aller gegenseitigen Beteuerungen, dass die Konfliktvermeidung/ Konsenzsuche in den letzten Jahren bei Männern und Frauen zunimmt- u.a. weil gerade die Teamarbeit in den letzten Jahren verabsolutiert wurde. Seltsamerweise passiert dies parallel mit dem Jeder-Kann-Alles-Mantra, die seit zwanzig Jahren irgendwie alles durchdringt. Beides führt zu einer Zunahme von bestimmten Konzepten: Dr. Oetker ist mit seinen Tütensuppen auch in der Literatur angekommen und trotz aller Beteuerungen, Glutamat ist durchaus nicht notwendig. Und die meisten Menschen schätzen auch andere Rezepte, die auf Vorbereitung, Zeit, Variation und Handwerkskunst beruhen.
Gute Literatur entsteht durchaus in einer solchen Situation. Nur leider ist der kleinste gemeinsame Nenner eben nicht die Basis guter Literatur. Teamarbeit ist elementarer Teil guter Literatur, aber eben nicht als Nenner, sondern als Multiplikator.
Und ganz ehrlich: Niemand muss Türen einrennen, die offen sind. Aber wer vor der Tür wartet, sollte auch klingeln.
2 Kommentare:
Kleine Berichtigung: Ich schreibe NICHT, dass Autorinnen in Chick-Lit abgeschoben würden, das behauptet Kris Anderson im Café Babel, die ich nur zitiere.
Ich widerspreche ihr dabei heftig, indem ich behaupte, wer Chick Lit schreibt, macht das freiwillig und aus eigener Entscheidung. Frauen können durchaus auch anders!
Aber Danke fürs verlinken - so habe ich dein Blog wiederentdeckt!
Hallo Petra,
habe ich korrigiert und ich verlinke gerne gute Blogs...
Gruss
Thomas
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