Samstag, 19. März 2011

Selbstdiagnose..

Eine wichtige Zäsur für mein Schreiben war 2001 der Wechsel in ein neues Autorenforum. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich ein wenig autistisch mein Schreiben nach und nach aus den wunderbaren Anfängen entwickelt, war aber letztlich gescheitert. Denn irgendwie hatte ich versucht das Schreiben aus mir und einem Schreibratgeber zu entwickeln, ohne Rücksicht auf mögliche Leser. Nicht das die Texte komplett furchtbar waren, aber wer Fantasy schreibt und keine Plots hinbekommt, hat wirklich ein Problem.
In diesem Jahr habe ich einfach begonnen mich mit den Fragen zu beschäftigen, die mich beschäftigt haben. Nicht mit der recht üblichen Geschichte in einem High-Fantasy-Roman, der im grundsätzlichen konventionell bis hin zur Selbstaufgabe war.
Nun, die neuen Text begannen mit einer entscheidenden Frage: Warum konnte ich nicht mit Hilfe eines Schreibratgebers ein ordentliches Buch schreiben?? Taugen die Ratschläge dort wirklich etwas? Und wie kommen solche Ratschläge zusammen.
In den ersten Texten habe ich viel experimentiert, was ich heute noch mache, und habe nach meinen eigenen Antworten gesucht.
Ich kann heute kaum beschreiben, was ich für mich alles über das Schreiben von Texten herausgefunden habe. Die erste wichtige Feststellung für mich war, dass die meisten Aussagen von Schreibratgebern auf bestimmten Annahmen beruhen, die nicht tragen. Die zweite Feststellung war, dass es aber wundervolle Ratschläge in solchen Büchern gibt, wenn man die richtigen Texte liest. Und die dritte Feststellung war, dass man aus Texten weit mehr lernen kann... wenn du etwas wunderbares findest, analysiere es.
Noch wichtiger: für mich macht die Sprache einen wesentlichen Teil des Lesegenusses aus. Weil die deutsche Sprache in bestimmten Bereichen eben nichts nur der Verweis auf einen Verweis ist, ohne sich wirklich mit dem Thema zu beschäftigen. Und manchmal muss man mit der Sprache sehr genau arbeiten, um bestimmte Dinge auszudrücken.
Eine weitere Feststellung war, dass die ausführliche szenische Gestaltung viel besser ist als die narrative Vorgehensweise, wenn es um Intensität geht. Nun, zwischenzeitlich habe ich selbst das unwichtige so ausgestaltet, und in meiner Ausgestaltung war ich so exzessiv, dass manche Szenen so aufgebläht waren, dass einem der Magen schon beim beilesen zu Platzen drohte.
Nur das mit dem Plot habe ich immer noch nicht hin bekommen, wenn es um den langen Weg geht, den Roman. Meine Stärke war die Darstellung der Szene, die Intensität der Gefühle, die Gewalt der Szene und Sprache, die Sprachlosigkeit, die Atmosphäre. Gleichzeitig habe ich aber auch zwei, drei Texte geschrieben, wo der Plot geklappt hat- wo ich auf das übertrieben szenische verzichtet habe. Teilweise in der Intensität nicht zu ertragen, wenn es länger als 10 Seiten war.

Gerade arbeite ich an einem Plot, der sich zu einem Roman auswachsen soll- von der Idee her eine Urban-Fantasy-Geschichte. Das mich dieses Thema schon länger beschäftigt, ist für mich ein Grund sie zu schreiben. Aber genauso wichtig ist der Versuch einmal eine Geschichte wirklich geplottet zu erzählen.
Deutlich ist hier aber eines: Ich kann mich bei der Sprache zurücknehmen und vieles an Sprache verwenden, was unauffällig oder vereinfacht ist. Aber niemand wird diesen Text mit einem der üblichen Genreromanen aus diesem Bereich verwechseln. Denn nicht nur bei der Sprache, sondern auch bei der Ausgestaltung orientiere ich mich an meinen literarischen Texten. Vielleicht eine der wichtigsten Erkenntnisse: mein Schreiben ist durch die oben genannte Zeit geprägt und es hat sich etwas herausgebildet, hinter das ich nicht mehr zurücktreten werde.

Mir ist durchaus klar, dass ich, wenn ich diesen Roman verkaufen möchte, deshalb in Nöte geraten werde. Denn die Landschaft für solche Romane ist in Deutschland nicht gerade blühend, weil beides zusammen, nicht gerade verkaufsfördernd ist: Zwischen E und U ist bei eigentlichen klassischen Genres, gerade neuen Genres, richtig schwierig. Aber deshalb schreibe ich diesen Roman auch nicht.
Für mich ist dieser Roman ein Experiment, wie es auch die Texte zwischen 2001 und 2005 sind. Denn ich muss das eine lernen, um irgendwann die Texte schreiben zu können, die ich auch schreiben möchte. Denn ich habe da eine Idee, die sich weit von meinen bisherigen Texten unterscheidet: Weiter, breiter, epischer. Nur brauche ich dafür das Plotten. Das andere habe ich schon gelernt, damit es ein E Roman wird.

Sonntag, 13. März 2011

Georg Diez über den Kritiker (Richard Kämmerlings)

In seiner beim Spiegel erscheinenden Kolumne "Der Kritiker: Sie nennen es Literatur" zieht Georg Diez über das Sachbuch "Das kurze Glück der Gegenwart. Deutsche Literatur seit `89" des Germanisten Richard Kämmerlings her. Kurz gefasst wirft Diez Kämmerlings als Kritiker vor, die Deutsche Literatur wie eine "Kleingärtneranlage" zu betreiben. Die Deutsche Literatur als Blume, die von einem eifrigen Kleingärtner auf sein Niveau zurecht geschnitten wird.
Die Argumentation Diez manändert dann durch eine Vielzahl von Vorurteilen über den deutschen Literaturbetrieb: Vom Studium in Mittelhochdeutsch für Schriftsteller, Lektoren und die anderen im Literaturbetrieb, das Stipendienprinzip, Klagenfurt.Interessant wird es, wenn Diez auf die "Great German Novel" zu sprechen kommt, die Kämmerlings von den Deutschen Autoren verlangt. Wer einmal nachlesen möchte, was Kämmerlings damit meint: in Welt Online findet sich hier sein Aufruf für die "Great German Novel". Im Prinzip ist die Idee Kämmerlings richtig: Literatur braucht Bedeutsamkeit. Und ein Roman, der geeignet ist eine Zeit zu erklären und auf verschiedene Weise dessen Inneres zu erfassen, ist große Literatur, auch über die Zeit seiner Entstehung und der Beschreibung hinaus.
Nur braucht man auch Autoren, die das können und wollen!! Und so einen Roman schreiben zu wollen, braucht ein riesenhaftes Ego und Konto.
Richtig gut wird es, wenn Diez dann letztlich Kämmerlings Argumentation angeht:"Hü und Hott"wirft er ihm vor. Denn Kämmerlings fordert das eine, feiert aber das andere, so Diez. Er lehne sich immer nur so weit aus dem Fenster, dass keine Gefahr besteht wirklich zu fallen. Er feiere die Romane, die sich mit der Vergangenheit beschäftigten, fordere aber die Gegenwart in der Literatur. Letztlich fordere er die "Great German Novel", aber er entscheide sich in seinen Besprechungen für etwas anderes.
Aus diesem Punkt endet Diez dort wo er anfängt: Er erklärt Kämmerlings zum "Kleingärtner" der Deutsche Literatur, der sich fragt, warum keine Wildblumen blühen. Eine interessante Frage. Unklar ist mir nur, warum Diez dafür die üblichen Topoi über die Deutsche Literatur anruft. Und mir ist auch unklar, ob Richard Kämmerlings der richtige Adressat für diese Polemik ist.

Mittwoch, 9. März 2011

Gender und Literatur

Gerade habe ich bei Petra van Cronenburg folgenden Blogeintrag gefunden: "Für Männer und Frauen: Literatur".
In dem von ihr verlinkten Artikel aus dem Café Babel wird einfach festgehalten, dass die meisten Literaturpreise zum überwiegenden Teil von Männern gewonnen werden. Die Autoren dort meinen, dass dies u.a. darin liegt, dass die meisten Autorinnen von den Verlagen in den Bereich Chick-Lit verschoben oder gedrückt werden, ob sie dort nun hinein gehören, diese Art Texte schreiben wollen oder ob nur die Veröffentlichung über Bilder, Titel und ähnliches dort einsortiert wird.
Petra van Cronenburg ergänzt, dass die Autorinnen eben nicht abgeschoben werden, sondern freiwillig in diesem Bereich veröffentlichen Als besonderes Schmankerl zitiert sie die Selbstentschuldigung von Asta Scheib, die verschiedene Gründe dafür findet, was sie einfach nicht getan hat.

Nun, eine der zentralen Probleme sehe ich persönlich im Umgang mit Konflikten. Denn viele Frauen neigen meiner Erfahrung nach dazu ihre Konflikte möglichst in einem Konsenz auszuräumen, um eine direkte Konfrontation zu vermeiden. Diese Verhalten wird übrigens bis heute Töchtern gerne vermittelt, wenn ich mir die Situation in meinem Wahrnehmungsbereich ansehe.
Männer werden dagegen eher darauf geschult immer ihre eigenen Meinungen zu vertreten, gegen alle Widerstände, um zu lernen sich durchzusetzen. Wobei gerade die Frauendominanz in Erziehungsberufen hier oft ein anderes Konfliktverhalten einbringt.

Bei verschiedenen Diskussionen habe ich immer wieder gehört habe, übrigens überwiegend von Autorinnen (die sich auch eher dazu äußern), dass es keine Schande ist nach Genrevorgaben zu schreiben oder bitte darauf zu verzichten sich, seinen eigenen Stil, das eigene Interesse/ Thema ähnliches zu wichtig zu nehmen, weil das eigentliche Ziel der Leser ist. Das niemand sagen kann, was der Leser ist oder was er will, ist übrigens Teil des Problems. Im Prinzip wird etwas Abstraktes verabsolutiert und ein Teil des eigenen Schreibens ausgeschlossen. Die eigenen Themen haben nichts mit der Betroffenheitsliteratur zu tun. Es geht einfach darum sich mit dem in seinen Texten zu beschäftigen, was den Autor gerade beschäftigt oder interessiert. Meist kommt dann, dass man ja später freier arbeiten könnte, wenn man Erfolg hatte. Ein Trugschluss übrigens: Denn wenn eine Marke etabliert ist, die immer einen bestimmten Inhalt hat, wird es noch schwerer davon abzuweichen. Wenn die Marke schon immer etwas flexibler war, geht das dagegen.
Dieses Konfliktproblem geht aber weit darüber hinaus. Denn wer schon vor dem Lektorat seinen Text auf mögliche Anmerkungen korrigiert, dann vor der Verkaufskonferenz weiter anpasst, der wird auch nicht den Mut haben sich an anderer Stelle durchzusetzen.

Von männlichen Autoren kommt übrigens dann oft, dass diese Autoren ihre eigenen Themen bearbeiten und sich freuen, dass die eigenen Themen so viele Leser finden. Oder das die Genrevorgaben ja gar nicht so streng seien und die Autoren verweisen darauf, dass sie schon von Anfang an Bücher etwas abseits des üblichen veröffentlicht haben. Denn wer von Anfang an mutig ist, wird sicherlich seine Anmerkungen bekommen- aber in einem anderen Umfang. Denn hier wird ein vorhandener Text nur überarbeitet, nicht nach fiktiven Vorgaben gestaltet, die für sich nur wenig sinnvoll sind.

In der Literatur geht es immer um Konflikte. Und Teil des Konflikts ist eben nicht nur der Inhalt, sondern auch die Art des Schreibens, der Stil, die Darstellungsweise, der Aufbau und vieles ähnliche. Das erfordert vor allem Durchsetzungsfähigkeit und Selbstvertrauen. Und je extremer und eigenwilliger ein Text wird, und damit oft preiswürdig, je mehr wird davon gebraucht...

Ich bin mir recht sicher, dass trotz aller gegenseitigen Beteuerungen, dass die Konfliktvermeidung/ Konsenzsuche in den letzten Jahren bei Männern und Frauen zunimmt- u.a. weil gerade die Teamarbeit in den letzten Jahren verabsolutiert wurde. Seltsamerweise passiert dies parallel mit dem Jeder-Kann-Alles-Mantra, die seit zwanzig Jahren irgendwie alles durchdringt. Beides führt zu einer Zunahme von bestimmten Konzepten: Dr. Oetker ist mit seinen Tütensuppen auch in der Literatur angekommen und trotz aller Beteuerungen, Glutamat ist durchaus nicht notwendig. Und die meisten Menschen schätzen auch andere Rezepte, die auf Vorbereitung, Zeit, Variation und Handwerkskunst beruhen.
Gute Literatur entsteht durchaus in einer solchen Situation. Nur leider ist der kleinste gemeinsame Nenner eben nicht die Basis guter Literatur. Teamarbeit ist elementarer Teil guter Literatur, aber eben nicht als Nenner, sondern als Multiplikator.
Und ganz ehrlich: Niemand muss Türen einrennen, die offen sind. Aber wer vor der Tür wartet, sollte auch klingeln.

Freitag, 4. März 2011

Erste Hindernisse

Das erste Kapitel meines Romans ist abgeschlossen und die auslösende Handlung beginnt. Deutlich merkbar ist die schwierige Umstellung von einem recht ausführlichen Schreibstil zu einem (für meine Verhältnisse) recht reduzierten Schreibstil mit vielen Halbszenen. Immer wieder muss ich wirklich abwägen, welche Elemente als Spiegel taugen und wie ich das genau haben möchte. (Spiegel in dem Sinne, dass die Elemente etwas über Handlung, Figuren, Situation zwischen den Figuren, Atmosphäre,... zeigen). Was bietet einen Mehrwert für den Roman und was ist nur netter Füllstoff. Nun, ich habe die Länge meiner Szenen deutlich reduziert und lasse deutlich mehr weg. Im Moment sind einige der Halbszenen und Szenen sehr gut gelungen, an anderen Stellen wirkt das alles noch etwas abgehakt und über bearbeitet.

Der Einstieg in die auslösende Handlung fällt mir jedoch etwas schwer. Denn so logisch und konsequent das in meiner Planung geklungen hat, ist es beim Schreiben nicht. Denn ich habe alles mögliche geplant, aber offensichtlich einige wichtige Entwicklungsschritte ausgelassen. Nun muss ich vor dem harten Urteil meines Lektorichs eine überzeugende Lösung finden...
Aber irgendwie kollidieren meine bisherigen Versuche ein wenig mit dem recht reduzierten (für meine Verhältnisse) Schreibstil. Denn so habe ich weniger Raum alles klarer zu machen.

Ein anderes Problem sind die für die Atmosphäre meiner Geschichte notwendige Ausschmückungen, die letztlich über die Atmosphäre hinaus eine Bedeutung für die Glaubwürdigkeit der gesamten Romanwelt hat. Da brauche ich immer wieder ein wenig, nicht zu viel, aber es muss letztlich weit von der Realität entfernt und nah dran sein. Ehrlich gesagt ein gigantisches Problemchen.

Nun, ein weiteres Problem war bei der Planung schon klar, aber ich wollte es nicht lösen. Meine Geschichte ist in der gesamten Ideengestaltung recht komplex, während die Handlung im Grundprinzip eine mittelkomplexe Thrillerhandlung ist, von einigen Nebenhandlungen einmal abgesehen, die ihr einen besonderen Dreh geben. Nun bin ich gerade in der Überdenkung einiger der Handlungselemente der Thrillerhandlung.
Denn an zwei Stellen dieses Handlungsstranges habe ich ein bestimmtes Motiv, dass ich seit meiner Planung in fünf- acht anderen Romanen gefunden habe. Es ist sozusagen gerade eines der beliebtesten Motive in diesem Thrillerbereich. Nun stellt sich aber für mich die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist dieses Motiv weiter zu verfolgen.