Freitag, 25. Februar 2011

Verantwortung

Manchmal gibt es einen Zeitpunkt, an dem sich eine Entwicklung manifestiert. Das dieser nicht unbedingt mit dem Anfang einer Entwicklung übereinstimmt, liegt in der Sache begründet: Denn eine Entwicklung beginnt mit einer Einzelentscheidung, die aber erst durch eine Entwicklung wird, wenn immer mehr Menschen beginnen sich an einer solchen Entscheidung mit ihrem Verhalten zu orientieren.

In unserer Gesellschaft erodiert das Bewusstsein Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu haben. Schon lange vor der Finanzkrise begannen immer mehr Menschen sich immer zu entschuldigen, statt Verantwortung zu übernehmen. Der Kölner Bürgermeister, der als Politiker die Verantwortung auch für eine nicht selbst getroffene Entscheidung, den Bau der unterirdischen Straßenbahnlinien, nicht übernehmen wollte, nicht die Verantwortung für die mangelnde Überwachung von öffentlichem Bauträger (KVB) und deren Überwachung durch das Bauamt, nicht für den Einsturz des Stadtarchivs oder für den Tod zweier Menschen dabei.
Sein Argument waren die Fehler der Anderen, die nicht gemachten Meldungen, die nicht vorgenommenen Untersuchungen durch Untergebene. Denn eine juristische Verantwortung gab es für ihn nicht.
In der Finanzkrise war es nicht die Verantwortung der Bankmanager, die diese Krise ausgelöst haben. Denn wenn etwas jeder macht, kann es sich ja nicht um einen Fehler handeln. Auch nicht, wenn man Milliarden Dollar in eine Hypothekenanleihe steckt, die auf dauerhaft steigende Immobilienpreise ausgerichtet war, und die ersten Warnzeichen erkennbar waren. Nur wenige Verantwortliche wurden entlassen. Die meisten zahlen nun einige Finanzhilfen zurück, um zu einer weiterhin nicht geregelten Finanzwelt zurückzukommen, in denen Milliardenbonis gezahlt werden.... Gewinne werden privatisiert, Verluste verstaatlicht.
Oder ein Bürgermeister, der eine Großveranstaltung politisch durchsetzt, auf der viele Menschen sterben- und der sich nun darauf beruft, dass er keine juristische Schuld trägt. Trägt er vermutlich auch nicht, aber wer eine solche Entscheidung durchsetzt, hat eine politische Verantwortung.
Ich könnte Hunderte anderer dieser Ereignisse in den letzten Jahren benennen, wo genauso reagiert wird.

Und doch macht der Fall des Verteidigungsministers mich besonders wütend. Ich habe aber als Student immer wieder die Vorschriften für das wissenschaftliche Arbeiten gelesen und penibel darauf geachtet, nicht dagegen zu verstoßen. Trotzdem halte ich es für möglich, dass ich an einer Stelle vielleicht unwissentlich dagegen verstoßen habe. Das ich einen fremden Gedanken nicht gekennzeichnet habe oder bei einer Formulierung unbewusst auf eine Vorlage zurückgegriffen habe. Zitate habe ich aber immer ausgewiesen.
Wenn man den Umfang und die Menge der ihm vorgeworfenen Zitate mal genau betrachtet, kann auf alle Beteuerungen verzichten, dass dies unabsichtlich geschehen ist. Denn Umfang und Menge der Zitate sprechen für sich, genau wie die aktualisierten Zitate, bei denen die Fußnote vergessen ist. Denn wenn ich eine Stelle in einer Arbeit fände, wo die Jahreszahlen nicht zu meiner Arbeit passen, würde ich alles noch einmal sorgfältig prüfen. Außerdem habe ich immer alle gelesenen Texte im Literaturverzeichnis direkt notiert, da man gerade bei längeren wissenschaftlichen Arbeiten leicht die Übersicht verliert.

Der Verteidigungsminister reagiert, wie es modern geworden ist zu reagieren. Nur zugeben, was andere einem schon bewiesen haben und den Rest abweisen. Übrigens so, dass man Handlungsoptionen behält- im ersten Fall wurde hier so formuliert, dass Gutenberg im nächsten Schritt entweder den Titel zurückgeben kann (ohne das Recht auf eine erneute Arbeit zu verlieren) oder ihn behalten (die Zitate ersetzen nicht die eigenen Gedanken).
Im zweiten Schritt, wenn weitere Vorwürfe kommen unbedingt die eigene Handlungsfreiheit erhalten, indem man vorgreift (man gibt freiwillig den Doktortitel zurück, bevor man ihn aberkennt bekommt). So kann man dann die meisten Vorwürfe erledigen und es sieht zumindest so aus, als wäre man Schuldbewusst. Gleichzeitig spielt man das eigene Vergehen runter und bringt etwas in die Diskussion, was da nicht rein gehört (Der Angriff auf die deutschen Soldaten in Afghanistan). In diesem Fall betont man die eigene Notwendigkeit und behauptet, dass das eigene Vergehen eigentlich gar nicht so wild waren und es doch wichtigeres gäbe.
Perfide an der gesamten Sache ist jedoch, dass gerade dieser Verteidigungsminister eben immer sofort Andere entlassen hat, die einen Fehler oder vermeintlichen Fehler gemacht haben. Und das sein eigener Anspruch "Leiten durch Vorbild" letztlich eben konterkariert wird.
Somit sind wir wieder an dem Punkt, wo man von Anderen etwas fordert, dass man nicht einhält. Durch das erste ist Gutenberg übrigens so beliebt geworden und durch das zweite wird er sich durchmanövrieren.
Gutenberg und seine Verteidiger dividieren den Menschen Gutenberg vom Uniabsolventen, vom Verteidigungsminister und behaupten, dies habe nichts miteinander zu tun. Gleichzeitig instrumentalisierte der Freiherr genau diese Teile immer wieder, um seine Popularität zu steigern. Und ganz ehrlich, so richtig lässt sich das nur begrenzt teilen.

Es ist nicht mehr entscheidend, ob der Verteidigungsminister nun zurücktritt, ein gewisser OB bei der nächsten Wahl nicht mehr antritt, ein anderer noch einmal ein öffentliches Amt bekleidet, oder ob gewisse Verantwortliche von Banken in ihrer Biographie irgendwann einräumen: "War ein Fehler".
Denn der eigentliche Schaden ist längst entstanden: Wie möchte die Politik noch die Menschen in Deutschland auffordern selber die Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen, wenn man Verantwortung nur auf juristische Verantwortung reduziert.

Montag, 14. Februar 2011

"The War" von Ken Burns

Einer der einflussreichsten amerikanischen Dokumenarfilmer der Gegenwart ist Ken Burns. Im Gegensatz zu den meisten Dokumentarfilmern verzichten Ken Burns auf nachgestellte Bilde, sondern verwendet bis auf wenige Ausnahme nur historische Filmaufnahmen, Briefe, Fotografien. Es gibt aber auch keinen einzelnen Narrator, wie das in Deutschland meistens üblich ist, sondern Ken Burns besetzt einzelne Rollen mit Schauspielern. Berüchtigt ist der Ken-Burns-Effekt: Da Ken Burns in seinen Dokumentationen oft Fotografien oder Bilder verwendet, schwenkt Burns oft die Kamera und geht in den Zoom und macht so aus einem Standbild ein bewegtes Bild.

In "The War" berichtet Ken Burns über den Zweiten Weltkrieg aus der Sicht von vier amerikanischen Provinzstädten. Somit bilden die Briefe, Tagebücher, Augenzeugenberichte der Bewohner dieser Städte und deren Angehörigen der Fokus, durch den Burns den Zweiten Weltkrieg betrachtet. In vierzehn Folgen beschäftigt sich Burns mit dem Zweiten Weltkrieg, der für die Amerikaner im Dezember 1941 beginnt.
Bei dieser Dokumentation stehen die Erlebnisse der Soldaten und ihrer Angehörigen aus den vier amerikanischen Provinzstätten im Mittelpunkt der Handlung. Allein das unterscheidet diese Dokumentation stark von den meisten anderen Dokumentationen über den Zweiten Weltkrieg. Denn hier steht die Geschichte der Soldaten im Mittelpunkt, nicht die Geschichte von Generälen, Staaten, Ländern- also das genaue Gegenteil von den Knoppschen Dokumentationen, die sich meistens an Einzelpersonen oder Systemelementen ausrichten.
So entsteht eine Überschau, die in ihrer Breite und Sichtweise nahezu einmalig ist: denn Ken Burns nimmt die Veränderungen in Amerika mit in seine Dokumentation. Ob nun die Internierung der Japaner, die wirtschaftliche Entwicklung durch den Krieg in den Provinzstädten, von schwarzen Soldaten und vielem mehr. In über 700 Minuten kann der Zuschauer eben auch die Angehörigen kennenlernen und den Schmerz und das Leid, dass die Soldaten und ihre Angehörigen erleiden.


Es ist aber nicht die Länge, die Perspektive der vier Provinzstädte, die Hineinnahme der Entwicklungen in Amerika, der Verzicht auf Spielszenen, die diese Dokumentation so einmalig machen. Es ist die Zusammenstellung von all dem, verbunden mit der vielen akribischen Arbeit von Ken Burns und der selbst gesetzten Anspruch, der aus "The War" wohl die beste und sehr beeindruckende Dokumentation über den Zweiten Weltkrieg macht.

Freitag, 11. Februar 2011

Eine Lektion über das Schreiben

In meinem Brotberuf lerne ich gerade den besonderen Wert des genauen Planens kennen. Denn ich bin mit dem ungefähren Planen dort ein wenig auf die Schnauze gefallen, gerade weil es dort so viele Dinge gibt, die ich nicht beeinflussen kann. Denn bei einer ungefähren Planung berechnet man nur einen Teil der Möglichkeit, meist ohne bestimmte anderen Perspektiven einzunehmen.
In einem chaotischen System gibt es einige Hundert von Dinge, die alle den weiteren Verlauf beeinflussen, die aber nur zu einem Teil beeinflussbar sind. In einem gewissen Rahmen sind aber viele dieser Dinge berechenbar und können durch eine geeignete Planung somit das System stabilisieren, wenn dieses System flexibel genug ausgelegt ist. Eine Dinge können weder geplant, noch beeinflusst werden- die meisten können jedoch durch eine Flexibilisierung in der Planung und Gelenkstellen integriert werden. Und den Rest kann niemand irgendwie berechnen oder einbauen, sondern nur darauf reagieren.


Seit einigen Wochen arbeite ich wieder an meinem Roman, bei dem ich eine recht flexible Planung habe, die aber mit einigen Gelenkstellen letztlich ungefähr 60% des Romans umfasst. Offen sind in der Planung jedoch zwei wichtige Punkte, die ich so, am Anfang, noch nicht entscheiden konnte. Denn auch wenn ich vermutlich die Planung an einem gewissen Punkt des Romans noch umstellen muss- es war einfach für mich nicht anders möglich.
Ich habe eine genaue Vorstellung, wie die Romanwelt sein wird und soll. Ich habe eine Idee, wie ich das gestalten werde und wohin es gehen wird. Aber ich habe auf den ersten 10 Seiten Manuskript schon eine wichtige Änderung eingeführt, die letztlich nur wenig Auswirkungen auf den Plot hat. Und ich bin mir ganz sicher, dass noch viele kleine Änderungen rein kommen, aber auch einige, für die ich den Plot leicht anpassen muss. Denn mir fehlt einfach noch die Erfahrung, um diese Dinge alle schon in der Planungsphase berechnen zu können bzw. erahnen zu können.
Aber irgendwie kann ich über eine gewisse Romandistanz nur planen und brauche, je weiter die Planung geht, einfach die Möglichkeit recht flexibel zu sein.

Freitag, 4. Februar 2011

Die Platte hat einen Sprung, die Reifen auch...

Der Winter hat mich in diesem Jahr einen Reifen gekostet, eine lange Schraube einen zweiten, übrigens am gleichen Tag. Ein kleiner Ausblick auf die besondere "Glückssträhne", die mich nun schon seit einigen Monaten freundlich begleitet und mir Bein um Bein stellt... "Stürzen ist nicht schlimm", hat Winston Churchill mal gesagt, "Nur Aufstehen muss man danach wieder." Nun ja, das ist eine der großartigen Lektionen der letzten Jahre. Ich habe wunderbar gelacht, als es an einem Tag zwei Reifen erwischt hat. Denn irgendwie liegt im übertriebenen Drama immer eine absurde, innenliegende Komik, die aber manchmal seine Zeit braucht, um hervorzukommen. Übrigens sind in den Tagen davor drei Elektrogeräte aus dem Dienst geschieden und, nicht zu vergessen, da gab es noch drei, vier andere Katastrophen.
Nun, die Katastrophen und der neue Job erweisen sich seit einigen Monaten als Zeitkiller... Mein Roman muss immer wieder weichen, in die wenigen Stunden, an denen ich nicht arbeite, Katastrophendienst leiste, schlafe oder wichtige Notwendigkeiten erledige. Leider...