Montag, 17. Januar 2011

Moderne Zeiten im Krimi... das Handy und der Computer

Die ARD hat an den letzten drei Sonntagen drei, von unterschiedlichen Regisseuren gedrehte, Filme über den "Yorkshire Ripper" ausgestrahlt, wie immer zu später Abendzeit. Denn um welche andere Uhrzeit sollte man denn auch drei Filme ausstrahlen, bei denen in Mittelpunkt der Erzählung nur Vordergründig die eigentlichen Ermittlungen und der Fall des "Yorkshire Ripper" stehen, und eigentlich mehrere Mordfälle, ein Journalist, mehrere Ermittler, Korruption und Hoffnungslosigkeit.
Ein Film über einen heutigen Kriminalfall würde ganz anders aussehen. Denn die moderne Technik hat die Ermittlungen verändert. Kriminaltechnik und DNA-Tests bilden nur eine von diesen Veränderungen ab. Fast entscheidender ist der Einsatz von Computern, ob nun beim Vergleich von Spuren an Tatorten, noch wichtiger gerade bei komplizierten Fällen durch die Möglichkeit in den Unterlagen nach Stichpunkten zu suchen, in Formularen einzelne Bereiche zu kennzeichnen, Querverweise zu suchen, jederzeit auf alle Berichte und Informationen zu greifen zu können. Nicht zu vergessen auch die Verbindungen unterschiedlicher Behörden, Länder und die enormen Informationen und der Informationsaustausch übers Netz.
Gerade bei komplizierten Fällen ist es so viel leichter den Überblick zu behalten, wichtige Informationen jederzeit wiederfinden zu können und passende Mordfälle bei Ähnlichkeiten zu suchen.
Deshalb mussten sich viele Krimis und Thriller einfach verändern. Nicht immer zu ihrem Vorteil, wenn nun der "Deus-ex-Machina" in der Form von DNA-Tests und Faserspuren daherkommt. Denn viele Autoren vergessen einfach die Atmosphäre und bleiben bei den weichgezeichneten CSI-Bildern. Andere verzichten auf den sinnvollen Einsätze dieser Geräte oder der Möglichkeiten durch diese Geräte einfach, oder konstruieren die Fälle zu den "Übersuperserienkillern".
Schade.

Samstag, 15. Januar 2011

Finden, ohne zu suchen

Ich habe an zwei Stellen meines Lebens ein Geschenk bekommen, dass ich weder erwartet, noch erbeten habe: Das Schreiben. Noch heute bin ich völlig verwundert, wie das Geschenk mich gefunden hat. Und ich bin immer noch über irritiert, wie es sich selber ausgepackt hat. Im ersten Fall hat eine Lehrerin in der Grundschule mir ein paar vorgegebene Zeilen geschenkt, und ich habe in diesen Zeilen erst eine Geschichte und dann eine Welt gefunden. Im zweiten Fall war ich in einem Literaturkurs, und jemand hat mich gebeten eine Geschichte über eine (Selbst-)verwandlung zu schreiben.
In beiden Fällen hatte ich eine Idee, und dann verschwimmt vor meinen Augen die Zeit, nicht die Erinnerung. Und waren Stunden vergangen und ich hatte eine Geschichte vor mir liegen, an deren Entstehung ich mich nur noch in Bildern erinnern kann, nicht an die Arbeit daran. Denn vielleicht das erste Mal in meinem Leben, bin ich hinter etwas verschwunden ist, das größer war als ich.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mich immer wieder mit dem Schreiben, ob nun praktisch, theoretisch, philosophisch und auf Hundert andere Arten beschäftigen muss. Denn irgendwie gibt es etwas an Geschenken, was mich manchmal verrückt macht. Das sie meistens ohne eine besondere Gegenleistung verschenkt werden, aber in ihnen eine gewisse Verpflichtung steckt.

Dienstag, 11. Januar 2011

Ein Plot für alle Fälle....

Ehrlich gesagt war ich unheimlich skeptisch: Plotten. Als "Bauchschreiber" habe ich versucht, mich an meiner Grundidee und den bisherigen Seiten zu halten und daraus einen Roman zu entwickeln. Nun, für meine Kurzgeschichten ist das eine ideale Methode, weil ich die Geschichte letztlich schon kenne, auch wenn ich das noch nicht weiß, wenn ich beginne sie zu schreiben. Und klar, natürlich verändert sich jede Geschichte beim Schreiben, weil ich so viel Raum habe, um neue Ideen einfließen zu lassen.
Bei meinen Romanmanuskripte bin ich auf die gleiche Weise vorgegangen. Ich habe mir eine Idee überlegt, und aus dieser Idee eine Atmosphäre und eine Handlung abgeleitet, ohne zu wissen, wie die Geschichte konkret weitergeht. Natürlich fehlte mir dann eine klare Linie über die Manuskriptlänge. Das wäre durch Überarbeiten sicherlich zu korrigieren. Leider fehlte aber etwas anderes, wesentliches: Die Geschichte kreiste irgendwie um eine kaum erkennbare Handlung herum. Weil ich die einfach vernachlässigt habe, über Atmosphäre und Grundidee.

Ich habe inzwischen meine im Sommer geplottete Geschichte begonnen. Die erste Erfahrung ist, dass der Grundplot sicherlich an einigen Stellen in die Überarbeitung muss- denn schon im ersten Kapitel spielt sich eine Nebenfigur in die Handlung herein, die eine Hauptfigur sinnvoll ergänzt und charakterisiert.
Auch gibt es eine Stelle in meinem Plot, an dem die Geschichte nach 2/3 der Handlung einen Dreh hat, mit dem ich noch nicht zufrieden bin. Da müssen zwei Szenen getauscht werden, damit das mit dem Höhepunkt klappt. Und noch gibt es eine wichtige Frage, die für mich selber nicht geklärt ist.
Das war ehrlich gesagt zu erwarten: Meine Geschichte entwickeln sich und müssen sich entwickeln, weil ich beim Schreiben von längeren Texten immer eine geniale Idee, ein paar gute und unglaublich viele mittlere und schlechte Ideen habe. Und gute und geniale Ideen nicht zu verwenden, wäre fahrlässig.
Deutlich wird aber auch etwas anderes: Die klaren Plotstrukturen helfen mir enorm mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und allerlei unnötigen Zierrat und Nebenschauplätze zu streichen. Bei der ersten Überarbeitung wird aber noch genügend Zierrat zum kürzen übrig bleiben, keine Sorge. Noch wichtiger ist aber, dass die Szenen nun aber einen anderen Drive haben, weil sie immer auf ein Ziel hinführen.
Das habe ich bei meinen "Bauchscheiber"-Manuskripten eben nicht immer hin bekommen. Zudem hilft mir der Drive ein wenig eingespielte Manierismen zu entdecken. Da hat sich so einiges eingeschlichen, was in der Häufung ziemlich störend ist... ich habe es nur nicht mehr gesehen...

Montag, 10. Januar 2011

Kinder- und Jugendbuchfiguren als Marken

Im Börsenblatt findet sich heute der Artikel "Markenfiguren im Buchhandel. Klassiker mit Kultstatus". Wer in den letzten Jahren einmal in einem Spielzeugladen oder Kinderbuchladen war, am Besten mit einem Kind oder einem Jugendlichen, wird ein Lied über das Merchandising mit Kinderbuchfiguren singen können. Alternativ reichen natürlich auch Berichte über besondere Kinobesuche von Harry Potter, Disney, Herr der Ringe oder den Vampirromanzetten von S.Meyer als Nachweis. Denn seit Star Wars ist Merchandising inzwischen ein eigener Berufszweig in der Vermarktung von Filmen, in den Buchbereich ist das alles auch darüber irgendwann eingezogen.
Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach, so der Artikel: Über einen Roman oder einen Film wird eine Identifikationsmöglichkeit des möglichen Kunden mit einer Figur (und deren "Lebenswelt" erzeugt, die dann über die Merchandiseartikel erschlossen werden kann. Wer einmal die Freude eines Fünfundzwanzigjährigen über eine nachziehbare Tigerente gesehen hat, oder einen Dreissigjährigen im Musikalfranchise zu einem Disneyfilm, wird verstehen, wie viel Geld damit gemacht werden kann. Und heute können diese Erlöse aus dem Merchandising durchaus bis 50% der Gesamterlöse bei Kinder- und Jugendbuchverlagen ausmachen.
Mehr im obigen Artikel

Samstag, 8. Januar 2011

Ein Anfang ist gemacht (Umsetzung des Plots)

Nachdem ich nun einige Monate die gesamte Grundgeschichte zu ungefähr 2/3 durchgeplottet habe, war es einfach Zeit (da ich gerade das auch habe, Zeit) in die eigentliche Geschichte einzusteigen. Also habe ich die ersten fünf Seiten runter geschrieben, um einen ersten Dreh in den eigentlichen Plot zu bekommen.

Die erste Erfahrung aus der Umsetzung ist, dass ich die eigentliche Geschichte noch nicht ganz im Griff habe. Denn die Hauptfigur ist nun vorgestellt, zwei wichtige Figuren erwähnt und ein erster Einblick in die Stimmung der Figuren und die Atmosphäre geschafft. Gleichzeitig bleiben die Beschreibungen noch etwas oberflächlich und bei der Grundsituation muss ich noch ein wenig arbeiten, um straff oder relativ straff dem Plot folgen zu können. Insgesamt muss ich wohl noch einiges ordnen, ein wenig kürzen und mir mehr Gedanken machen, wie ich szenischer arbeiten könnte.

Im kreativen Bereich ist es aber wundervoll- da die Handlung klar ist, habe ich deutlich mehr Zeit und Raum, um allerlei spinnerte Ideen einzusetzen und den Rahmen kreativ auszugestalten. Schließlich soll das Schreiben ja auch Spaß machen. Gleichzeitig muss ich mich aber konzentrieren bei all dem klar dem Plot zu folgen und nicht zu ausschweifend zu werden. Wundervolle Ideen zu verwerfen, weil es notwendig ist, macht nicht gerade Spaß.

Sprachlich muss ich mich ein wenig immer korrigieren, um das Sprachniveau der Geschichte anzupassen und das spielerische Element nur eine Randrolle zuzuweisen. Denn sprachliche Spiele machen unglaublich Spaß. Ich neige zudem zu einem verkomplizierenden Satzbau mit einigen manieristisch eingerissenen Konjunktionen, die nun raus müssen. Schließlich geht Klarheit bei dieser Geschichte vor.

Insgesamt aber ein interessanter Anfang

Donnerstag, 6. Januar 2011

Über das N-Wort und Mark Twains "Huckleberry Finn"

In der amerikanischen Literaturgeschichte gibt es eine Literatur vor und nach "Huckleberry Finn". Denn Mark Twain hat die amerikanische Literatur mit diesem Roman nachhaltig verändert. In "Huckleberry Finn" tauchen das erste Mal regionale und subkulturelle Dialekte auf, die es zum ersten wirklichen amerikanischen Roman machen. Eine Art eigene Verfasstheit, getrennt von englischen Vorlagen und europäischen Vorbildern, gleichzeitig aber in einer eigensinnigen Folge, ist Basis dieses großen amerikanischen Romans. Gleichzeitig ist es aber auch ein homerischer Epos, eine eigene, amerikanische Geschichte, ein Road- und/oder Buddymovie und eine großartige Geschichte, der als Jugendbuch einen Wert (abseits der Bedeutung für die Literaturgeschichte) besitzt, der kaum zu bemessen ist. Denn ohne "Huckleberry Finn" ist das heutige Jugendbuch und viele großartige "Erwachsenenbücher" kaum denkbar.... das Kinder und ihre Lebenswelten ernst nimmt, nicht erzieherisch, sondern entdeckend die Welt betrachtet und diese für Kinder und Jugendliche größer, reicher und bunter macht- und gleichzeitig ihre Augen für Ungerechtigkeit, Rassismus, Unterdrückung und vieles mehr öffnet und ein kritisches Abbild einer Gesellschaft abbildet.

Nun, eigentlich ist kein Grund vorstellbar, warum dieser Roman nicht in der Schule besprochen werden sollte- aber genau das geschieht seit einigen Jahren in der USA, wie Wieland Freunds in seinem Artikel in der Welt ausführt: "Debatte um Mark Twains "Huckleberry Finn". Sprachforscher will das "N-Wort" durch "Sklave" ersetzen". Denn Teil der regionalen und subkulturellen Dialekte aus seiner Entstehungszeit in der 1880er Jahren ist das N-Wort (als Euphemismus für "Nigger"), das 219 Mal in dem Roman vorkommt. Auch entspricht die Darstellung von Jim, dem ehemaligen Sklaven, nicht gerade heutigen Standarts. Denn obwohl er seinem "pursuit of happiness"/ Streben nach Glück nachgeht, wirkt Jim ungebildet (wie auch Huck), treu und nur wenig intelligent.
Die Debatte über das "N-Wort" ist seit Jahrzehnten eine wichtige Debatte für das gesellschaftliche Miteinander in Amerika, siehe z.B. die Seite "Abolish The "N" Word". Denn über das Wort "Nigger" zu sprechen, bedeutet auch über die mit diesem Wort verbundene Geschichte in Amerika, über Rassismus, ungleiche Gesellschaft, Apartheit, über Jim-Crow-Gesetze, Ministrals, Kukluxclan und vieles mehr zu sprechen.

Und ganz klar, sicherlich ist es für eine Schule schwierig über dieses Wort im Unterricht zu sprechen, wenn man den Roman liest. Es mag manche Schüler verletzten in einem Roman ein solches Wort zu lesen. Daraus abzuleiten, dass man den Roman nicht mehr in der Schule liest, ist aber ein Kurzschluß. Denn damit verzichtet man auf den literarischen Reichtum über "Huckleberry Finn" zu lesen und über die Diskussion über den Roman auch über das "N-Wort" zu sprechen und über die Darstellung von Jim. Auch das Wort durch "Sklave" zu ersetzen, wird das grundsätzliche Problem nicht lösen. Denn das eigentliche Problem ist nicht die Verwendung des N-Wort bei Mark Twain, sondern die Situation der Afroamerikaner in der Zeit Mark Twains. Und über die sollte gesprochen werden, genau wie über das N-Wort.

Hier übrigens ein Artikel aus der Zeit von David Hugendick "Mark Twain: Bloß nicht das N-Wort", der das ähnlich wie ich sieht und doch auch anders.

Was ich mich frage, ist, was Mark Twain dazu sagen würde: Ich denke, er würde lächeln und etwas sagen wie

"Ein Klassiker ist ein Buch, das die Leute loben, aber nicht lesen" (Following the Equator, Kapitel XXV.)

Mittwoch, 5. Januar 2011

Charakterisierung durch Spiegelung

In den meisten Büchern über das "kreative Schreiben" fehlt eine wichtige Passage, die die Könner von den meisten weniger guten Autoren unterscheidet. Denn wie beim Plot gibt es auch bei der Charakterisierung verschiedene Ebenen.

1. In der ersten Ebene finden sich die Aussagen und Gedanken einer Figur, in denen die Absicht klar und deutlich geäußert wird. Dazu gehören auch die Handlungen, die sich aus den Aussagen und Gedanken direkt ergeben und die ausgedeutete Mimik und Gestik: schaute verdutzt, lächelte nachsichtig.

2. In der zweiten Ebene finden sich dann die Aussagen und Gedanken einer Figur, die noch unklar sind oder missverständlich. Die Dialogzeilen sind dann z.B. indirekt, d.h. die Figur sagt etwas ironisch, in einem Wortspiel, deutet etwas an, wird sarkastisch oder ähnlich. Die Gedanken sind noch ungeordnet, nur eine Tendenz ist erkennbar ohne das sich daraus eine logisch folgende Konsequenz ergibt und die Handlungen folgen nicht einem klar erkennbaren Muster. Dazu gehören auch die zehn Standartgestiken und -mimiken, Geruch und sprachliches (Stottern,...), die aber nicht ausgedeutet sind, sondern minimale Interpretation des Betrachters benötigen: Mit weit aufgerissenen Augen,...

3. In der dritten Ebene finden sich dann die Handlungen, die sich aus Gefühlen ergeben und die Gefühle einer Figur, die eben per Definition nicht logisch sind. (Logische Gefühle eines Autisten sind ausgenommen). Gestik, Mimik, Gerüche und sprachliche Kennzeichen gehören hier rein, wenn sie nicht sofort eindeutig sind.

Das sind die drei Ebenen, die sich in den meisten Büchern finden, ergänzt um ein Mittel, dass wohl auch in die erste Ebene gehört: Die merkwürdigen Wetterphänomene in Texten, die immer die Gefühlslage des Prot. symbolisch spiegeln: Verwirrung/Horror= Nebel; Trauer/ Verzweiflung= Regen; Glück/ Erfolg = Die Wolken verschwinden für klaren Sonnenschein. Ich verzichte nur darauf es zu erwähnen, weil es in der reinen Form eigentlich verboten gehört- und trotzdem oder gerade wegen der leichten "Verständlichkeit" in bestimmten Texten immer wieder auftaucht.
Neben den drei Ebenen, die direkt aus der Figur abgeleitet sind, gibt es jedoch weitere Ebenen.

4. In der vierten Ebene werden die Figuren gespiegelt, was nichts weniger heißt, als dass Situationen, Gefühle oder Stimmungen im Umfeld der Figuren gespiegelt werden. Auf das Wetter sollte man verzichten, zumindest wenn man das so subtil wie eine Eisenbahnschwelle gestaltet, aber das kochende Wasser bei einem Streit ist noch zu ertragen, besser ist der Rasenschnitt des Ehemannes mit Negelschere, während seine Frau sich nach Freiheit sehnt. In diesen Bereich gehören auch die Reaktionen anderer Figuren auf eine Figur hinein, wenn diese eben nicht Eisenschwellenartig geschildert sind, sondern etwas subtil. Oder auch die Untermalung einer Szene mit Musik, die Darstellung von nicht direkt relevantem für die Handlung, das die Figur aus einer anderen Sichtweise beleuchtet.

5. In der fünften Ebene geht es darum, dass der gesamte Hintergrund und die Atmosphäre eines Romans darauf zugeschnitten ist. S. King geht z.B. soweit, dass die gesamte Handlung in eine bestimmte Atmosphäre eingebettet wird, die immer wieder auf die Handlung und auf sich selber zurückweist. Indem er z.B. eine Kleinstadt auswählt, die mit einem bestimmten Figureninventar bestückt (relig. Fanatiker, Redneck, mehrere Außeinseiter, Cheerleader, Sportler an der Schule, ...), dies mit bestimmten typischen Verhaltensweisen ergänzt, manches dann übersteigert, und das alles in bestimmte Farben, in bestimmte Vernachlässigungsgrade und Stereotypen einbettet, und dann im normalen den Wahnsinn sucht, wird alles zum Spiegel der Figuren. Wer das wirklich verstehen möchte, sollte sich mal Kubricks S. King Verfilmung "Shining" ansehen, wo Kubrick King weiter spinnt, indem er all diese Bezüge verwendet und einige ergänzt. Da geht es um die Sprache einer Figur, um deren Ängste (die immer wieder angedeutet werden) und die Bedrohung durch den darin enthaltenen Wahnsinn, die Farben und Ausgestaltung des Hintergrunds, um den Bezug der Figuren untereinander, die langsam stetig steigende Spannung, die sowohl in der Handlung, in den Dialogen, in den Bildern, im Wetter außen (hier auch als Rahmen der Handlung), in der Eskalation, in einer Vorgeschichte immer wieder auftauchen. Alles ist mit allem verbunden- jede Zimmerausstattung, jede Farbe und jede Dialogzeile hat Referenzen im Text, wird auf eine andere Weise zitiert oder wieder aufgegriffen.

Montag, 3. Januar 2011

Die literarischen Zwiegespräche der Gebrüder Mann

In der Zeit findet sich heute ein längeres Essay von Michael Maar "Thomas und Heinrich Mann. Die größte Liebe ihres Lebens, der größte Hass". Darin geht Maar einem Element der Geschichte der Familie Mann nach, die Breloer in seinem "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" immer wieder aufgreift und die einen wichtigen Ankerpunkt seiner Dokumentation bildet.: Die Konkurrenz der beiden Brüder Heinrich und Thomas Mann. Diese zeigt sich in den stets wandelnde Beziehungen beider zueineinander, die Bewunderungen für den anderen, der Neid, der Druck über den anderen obsiegen zu wollen, der Aufstieg beider und der "Sieg" des Jüngeren. Den meisten Lesern wird all das in Grundzügen bekannt sein.
In den literarischen Texten beider begibt sich Maar auf eine Spurensuche und kann verschiedene Bezugs- und Wendepunkte heraus finden, die sowohl die wechselhaften Beziehungen der beiden Brüder zeigen, das Zwiegespräch über Verweise auf Gespräche und literarische Texte, und einen Einblick in die beiden unterschiedlichen Persönlichkeiten. Ich finde das alles spannend wie einen Krimi, aber ich bin sicherlich auch etwas verrückt....