Samstag, 3. Dezember 2011

Die Gedanken kehren zurück...

An einem Romanprojekt arbeitet man dann, wenn die Gedanken in den unterschiedlichsten Momenten einfach erinnern und selektiv alles mögliche finden und erfinden, was zu diesem Projekt passt. Mein Projekt ist, was es ist und es zu bearbeiten, dient nur diesem Projekt- und ich will es "richtig" machen. 
In diesem Sinne versuche ich gerade mein Konzept an meine Ideen anzupassen. Und das bedeutet in diesem Falle einiges anders zu gestalten:
Im eigentlichen Sinne hat mich einer meiner Lieblingsautoren auf diese Idee gebracht. Denn er hat einen Roman geschrieben, weil die "bösen TV-Sender" seine Lieblingssendung einfach eingestellt haben. Was ja gar nicht sein kann. Und hat in diesem Roman vieles von dem verarbeitet, was gerade diese Sendung ausgezeichnet hat und es mit dem verbunden, was er selber an einem Roman schätzt.
Bei meinem Romanprojekt habe ich mich nun entschlossen, mich an einem Buch zu orientieren, dass ich sehr schätze, bzw. aus diesem Buch zwei Dinge zu entleihen. Dabei stehle ich nicht, weil es universale Konzepte des Schreibens sind. Ich versuche sie zu adaptieren, weil ich glaube, dass ich damit mein Projekt enorm bereichern kann.
Und kaum habe ich daraus eine Grundidee adaptiert, ist mir ein Gedanke gekommen, der für mich persönlich eine wichtige Essenz meines Romans darstellt. Und ich habe einen Anfang, der ganz anders ist, als geplant- und ein wichtigen Baustein für meine Roman darstellt... und ganz anders ist, als geplant. Dafür auf eine gewisse Weise stärker und größer, als eigentlich geplant.

Freitag, 25. November 2011

Über den übersinnlichen Krimi

Da ich gerade ein paar dieser Romane gelesen habe...
Wer sich mit dem Schreiben von Büchern beschäftigt, wird man immer wieder auf kluge Sätze stoßen. Einer dieser klugen Sätze ist, dass es im Krimi gar nicht wirklich um den Kriminalfall geht. Es geht in einem Krimi um die Wiederherstellung der Ordnung, nachdem diese durch den Fall aus den Angeln gehoben wurde.
In den Besprechungen von den Vampirromanen wie Stephanie Meyers "Twilight"-Roman und vielen anderen, wird immer wieder, siehe auch die Besprechungen zu der amerikanischen "Zombieserie" "The walking dead", hervorgehoben, dass es nicht um die Wesenheiten geht, die im Fokus der Geschichte zu stehen scheinen. Eigentlich ginge es um die Beziehung zwischen den Menschen, um den Umgang miteinander. Natürlich geht es auch um C.G.Jungs Theorie über den Schatten, um das  Victorianische Zeitalter (und bestimmte Vorstellungen zur Sexualität), um Blut und seine Symbolik, um Monster und vieles mehr. Bei übersinnlichen Krimis ist die Ordnung meist schon durch die Grundsituation gestört- und innerhalb der gestörten Ordnung lauert eine Bedrohung, die die Ordnung auf Dauer stören kann. Diese Bedrohung ist der Mittelpunkt der Geschichte. Die Beziehung der Figuren zueinander und zu sich selber bildet die Bedrohung ab- und dabei spielen interessanterweise die Narben und die Gewalt den Beleg für die Stärke der Gefahr. Dabei scheinen die Figuren im Sinne der Hauptfiguren immer auf eine besondere Weise beschädigt zu sein und letztlich trotzdem gerade deshalb besonders geeignet die Ordnung zu vertreten.
Wer Charlaine Harris gelesen hat, bzw. in die deutlich bessere Serie "True Blood" einmal angesehen hat, kann sich eine Vorstellung machen, wie das gemeint ist. Obwohl die Figuren immer selber Teil der Monster sind, vertreten sie die Ordnung. Meist sind sie selber von den Monstern sowohl fasziniert wie abgestoßen, wobei zwischen dem Kriminalfall und dem Privaten getrennt ist- was leider auch dazu führt, dass viele Figuren sich in Vampire etc. verlieben. Was übrigens im gewissen Rahmen die Vielfältigkeit der Monster betont und sie gleichzeitig verniedlicht.
Aber ich habe keine Zeit alle meine Gedanken durchzudenken, weil ich gleich arbeiten muss...

Freitag, 4. November 2011

Die Suche nach einer Geschichte

Seit knapp neun Jahren arbeite ich an einer für mich ganz wichtigen Frage: Welche Geschichte ist in mir und möchte erzählt werden. Natürlich habe ich viele Antworten auf diese Frage gefunden- manche waren genial, manche gut und eine ganze Menge war auch ein eher nicht oder nein. Überraschenderweise Dabei waren viele Antworten nicht immer leicht zu verstehen.
Inzwischen habe ich eine ganze Menge über meine Geschichten gelernt und viele Fragen gewonnen. Denn Geschichten entstehen bei mir immer aus einer Frage, einem Gedanken und einer Überlegung. Und gerade habe ich eine Idee zu einer alten Geschichte, die ich schon lange erzählen möchte.
Nur suche ich immer noch eine andere Geschichte... ich sammele, sammele und suche, weil ich im Prinzip schon weiß, was ich schreiben will: aber der Schlüssel, eine zentrale Idee, ein Konzept fehlt noch. Und genau das kann ich leider nicht erzwingen. Das muss von selber kommen.

Eine moderne Erzählweise

Gerade habe ich mal wieder auf dem Weg zur Arbeit viel Zeit, um meine Lieblingsbücher wieder einmal neu zu entdecken. Und gerade bei den Büchern, die einem besonders am Herzen liegen, kann man so einiges über sich als Autor lernen.
Bei IVa Ibbotsen gibt es eine Menge über die Erzählstimme zu lernen, die bei ihr immer einen bestimmten Beiklang verwendet und obwohl scheinbar objektiv, immer wieder Dinge sehr kritisch und mit englischer Ironie betrachtet- wenn auch nicht bei den positiven Hauptfiguren. Bei Rebekka Gable kann man eine Menge über bestimmte Plotelemente lernen, die eigentlich immer funktionieren, wenn man es zulässt- ich verweise hier mal wieder auf den Masterplot von Ken Follett: Zwei Verwandte steigen auf, der eine auf rechtschaffendem Weg (mit vielen Hindernissen aus der eigenen Familie), der andere mit viel Hilfe, Intrigen und Glück, beide verlieben sich in die gleiche Frau, der Antagonist bekommt sie, in einer Leidenszeit muss sich der eine bewähren, während der andere schneller aufsteigt und ihm immer neue Steine in den Weg legt,...
Und seit einigen Jahren (und dem Sender HBO) gibt es auch das multiperspektivische Erzählen (o.k., Brad Easton Ellis kommt wohl vorher), indem manche Geschehnisse aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt werden und so der Leser sich wirklich ein eigenes Bild machen kann/ bzw, das Bild des Leser so hinterfragt wird.
Nun, gerade bei vielen Neuentdeckungen der letzten Jahre habe ich immer wieder dieses Erzählen gefunden, dass die Charaktere eines Romans jeweils eine eigene Dimension ihrer Geschichte gibt, eine Möglichkeit sich selber darzustellen und die Chance, jeden Charakter selber zu erleben- und kann eigentlich nicht anders, als von meiner Ich-Perspektive zu wechseln. Denn wechselnde Ich-Perspektiven sind doch recht anstrengend und ich möchte noch eine Erzählfigur unterbringen.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Recherche

Für mein kleines Romanexperiment aus dem letzten Jahr recherchiere ich gerade ein wenig. Denn es gibt da einen Ort, unweit von meinem Heimatort, an dem sich viele Geschichtslinien kreuzen. Im frühen Mittelalter lag dieser Ort außerhalb der eigentlichen Stadtmauern Kölns und war ein Leprahaus (mit einer ganz eigenen Geschichte als Leprahausversteck einer Diebesbande "Die großen Siechenbande"), dort gab es einen Richtplatz (ein Rondell auf dem Rabenstein (einem anderen Namen für Melaten) indem auch einige Hexen hingerichtet wurden. 1767 entstand dann ein Zucht- und Arbeitshaus und im Rahmen der napoleonischen Besetzung Kölns der Melatenfriedhof, an dem viele berühmte Kölner und Nichtkölner ihr Grab gefunden haben: von der "Königin der Roma", über die Farinas (Kölnisch Wasser), Politikern, Malern, Schriftstellern (wie Konsalik, Irmgard Keun und Jon Sveinsson) bis hin zu den großen Sammlern und vielen anderen Kölner Prominenten.
Eine ganze Menge Stoff für einen Roman wie den meinen, an einem Ort, der über eine ganz eigene Schönheit verfügt:
"Transi Non Sine Votis Mox Noster"- Geh nicht vorbei ohne fromme Gebete zu sprechen, Du, der bald einer der Unsrigen sein wird.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Das Haus der Gedanken

Jeder Mensch, und das sind wir Autoren auch, braucht ein bestimmtes Umfeld, um kreativ arbeiten zu können. Was bei vielen Vertretern der Zunft zu den schröcklichsten Ritualen führt, um die eigene Kreativität anzuregen- bei mir immer wieder zu anderen Ritualen. Denn Aberglaube gehört zum Zaubern nun einmal dazu.
Nach knapp einem halben Jahr habe ich nun das erste Mal wieder mein Arbeitszimmer... und ich habe meine gesamten Bücher, und einen Raum für mich selbst- siehe V. Woolfs Ausführungen dazu. Denn ich brauche eine besonderen Ort, an dem die Ablenkungen keinen Raum haben. An dem es eine ganze Menge Inspiration gibt und an dem ich alle Dinge ansammeln kann, die ich für meine Rituale brauche. Wichtig ist es auch die lange Liste der Dinge, die unbedingt zu erledigen sind, sich langsam abbaut. Denn inzwischen ist die Sanierung des Hauses recht ordentlich fortgeschritten und es ist wieder Zeit für anderes da.

Ich werde mich also bemühen den Blog wieder regelmäßig mit den Gedanken zu füllen, die ich nun wieder Zeit habe zu denken. Und werde wieder beim Schreiben reflektieren und im Haus meiner Gedanken spiegeln, Aber wichtig ist vor allem das Schreiben...

Freitag, 9. September 2011

In den letzten Jahren gibt es eine zunehmende Zahl von Schreibseminaren und Ratgebern über das "Creative Writing". 
Irgendwie bin ich in den letzten Jahren bei Schreibseminaren (und anderen Dingen aus dem Bereich "Creative Writing" sehr skeptisch geworden und habe bei einem Gespräch mit einer lieben Kollegin viele Zweifel über das Grundkonzept von "Creative Writing" entwickelt.

Eine der Grundannahme von "Creative Writing" ist die Behauptung, dass es eine bestimmte Zahl von Regeln gibt, die einen guten Text ausmachen. Wenn man sich an diese Regeln halten würde, würde der Text besser werden.
Letztlich gibt es weit mehr als die im Text genannten "Regeln", die einen Text besser machen- nur macht keine dieser Regeln aus einem schlechten Text einen guten Text.
Neben den Regeln gibt es eine unheimliche Menge an guten Ratschlägen, die helfen allerlei Dinge in einem Text neu zu überdenken: Dreidimensionale Figuren, Archetypen,... Dabei widersprechen sich viele Ratschläge und/ oder es gibt bestimmte Voraussetzungen, wann sie funktionieren und wann nicht- und sie funktionieren nicht immer.
Und es gibt eine ganze Reihe von Ratschlägen, die weit weniger gut sind und/ oder überbewertet: die meisten Leser interessieren sich nicht für Inquitformeln und ob jemand spricht, grunzt,... ist ihnen völlig egal. Lektoren und andere bemerken sie aber sofort- weil sie darauf trainiert sind.
Andere Ratschläge treffen gut auf einige Autoren zu und auf andere nicht: siehe das Plotten oder die präzise Exposeeplanung, bzw. die ausführliche Szenenplanung oder ähnliches.

Bei den Seminaren gibt es generell gute und schlechte Seminare. Und wie beim meisten "Unterricht" dieser Art hängt vieles von den Seminarleitern ab. Und da ist es ein wenig wie bei den oben genannten Ratschlägen und Regeln. Der Seminarleiter und die Seminarbesucher müssen zusammenpassen, und natürlich auch die Seminarbesuche. Das klappt nur leider oft nicht, wie ich aus eigener Erfahrung einwerfen möchte.
Dabei unterscheiden sich gute und schlechte Seminare oft dadurch, wie sie mit den Regeln und Vorschlägen umgehen. Dabei kann es sein, dass sehr "dogmatische" Seminare für Anfänger geeigneter sind und "offenere" Seminare für Fortgeschrittene. Aber auch das hängt sehr von den Ratsuchenden ab.
Und manche Autoren sind generell eher ungeeignet für Seminare, weil sie dadurch entweder verunsichert werden (und sich versuchen immer an einem Seminarleiter/ Mentor oder ähnliches zu orientieren. Andere sind zu speziell für Seminare und lassen sich von Mehrheitsmeinungen verunsichern.

Deshalb habe ich inzwischen Bedenken. Denn bestimmte Dinge kann man bei Seminaren und aus den Büchern nicht lernen- das muss aus den Autoren selber kommen, sich entwickeln. Und manchmal gibt es da auch Dinge, die niemand beibringen kann und vielleicht sogar Dinge, die niemand lernen kann. Da bin ich mir noch unsicher.

Also skeptisch sein und mutig.

Mittwoch, 31. August 2011

Manchmal passen unsere Pläne nicht zu unserem Leben

Eine der schönsten Dinge des Lebens ist es Pläne über die Zukunft zu machen: Denn in unseren Träumen sind wir alle Riesen. Vielleicht scheitern deshalb so viele Pläne und Träume, wenn unsere kleinen Händen sie gar nicht halten können. Vielleicht auch, weil wir in unseren Träumen nie mit einer Wirklichkeit zu tun haben (müssen), in der es Hindernisse gibt. Oft genug zerspringen sie einfach an anderen Dingen, ganz nebenbei.

Im Moment ist ein Traum zersprungen, erst ein kleiner Riss, dann ein Knacken, und irgendwann konnte nichts mehr den Traum halten. Nun muss ein neuer Traum her.
Und vielleicht muss es ein Traum sein, indem ich schreibe. Weil ich das eigentlich in allen meinen Träumen tue.

Montag, 18. Juli 2011

Selbstdefinition

In den letzten Monaten habe ich mir viele Fragen gestellt, die nicht immer schmeichelhaft für mich waren. Welche Bedeutung hat das Schreiben für mein Leben und auch für mein Berufsleben? Was möchte und was kann ich mit dem Schreiben erreichen? Welche Texte will und werde ich schreiben? Warum finde ich gerade keine Zeit zu schreiben.

Eine wichtige Erfahrung als Schriftsteller (oder wie man sich auch immer bezeichnen möchte) ist, dass man sich nur so bezeichnen kann, wenn man schreibt. Verhinderte Schriftsteller sind keine Schriftsteller. Schreiben braucht Zeit und Muße... bei mir zumindest.
Was ich erreichen kann, kann ich einerseits wunderbar beurteilen, gleichzeitig aber auch nicht. Weshalb ich schon seit Monaten bei einer sehr wichtigen Frage für mich nicht weiterkomme. Und irgendwie bräuchte ich dazu Zeit und ein wenig Geld, um eine Antwort wirklich beim Schreiben finden zu können. Nun, man sucht immer das, was man nicht hat...
Wenn sich das alles ein wenig kryptisch anhört, für mich ist es ein Krypttext, den ich letztlich noch nicht wirklich entschlüsseln kann. Ein wenig Mut fehlt mir, ein wenig Konsequenz und Zeit halt...

Montag, 4. Juli 2011

Eine weitere Zwischenmeldung

Der Umzug ist immer noch in vollem Gange. Das Wohnzimmer und das improvisierte Arbeitszimmer sind fertig, aber überall stehen noch Kisten und Möbel im Weg rum. Schließlich ist so ein Umzug letztlich etwas archaisches und auf eine befremdende Art schwer verstörend. Denn alle Dinge in unserem Leben und unserem Kopf müssen nun einen anderen Ort finden. Nun, in meinem Alter dauert das halt einen Moment.
Seit zwei Tagen habe ich auch nun Internet... natürlich nicht über den deutschlandbekannten Anbieter mit dieser komischen Modefarbe, der gerade dafür Werbung macht, dass seine Mitarbeiter auch in anderen Bereichen gefördert werden. Denn dieser Anbieter hat es in 9 Wochen nur geschafft mich langsam und systematisch zur Verzweiflung zu bringen. Auf die gleichen Fragen gibt es jedes Mal eine andere Antwort, Versprechen und Zusagen werden manchmal eingehalten und auf Wut und Ärger reagiert man sehr professionell- nur auf den Rest halt nicht. Ein Ratschlag an alle: Man kann ein Behördenschild abschrauben, aber eine Behörde bekommt man einfach nicht so leicht aus den Köpfen hinaus.
Ansonsten arbeite ich intensiv in meinem Brotjob und komme eigentlich neben Kleinigkeiten am Umzug zu gar nichts. Denn dieser Job ist ein Zeitfresser....
Und dann ist da der Behördenkram, ein kleiner Yorkshireterrier, der sich beim Fallen auf die Zunge beisst, bevor er sich Streit mit einem riesenhaften Köter sucht, ein Autokauf, eine Urlaubsplanung (endlich Ferien....) und die leise klopfende Hoffnung, dass irgendwann das Schreiben wieder seine Zeit hat, haben muss.

Sonntag, 22. Mai 2011

Umzug und so weiter

Zwischenstand:
Bei einer Renovierung entdeckt man hinter jeder neuen Wand eine neue Welt. Es beginnt mit einer Kleinigkeit, aber die Kleinigkeiten werden immer größer und teurer. Und irgendwann hat man eine veritable Sanierung.
Und klar, wenn man schon viel Glück bei der Renovierung hat, kommt dann auch noch Pech dazu. Ein Auto ist klar für die Presse, bei seinem "Ersatz" anderen fällt endgültig die Batterie aus (und muss ersetzt werden) und das dritte Auto meldet auch einen elektronischen Fehler. Dazu musste ein riesiger Vorrat an neuen Werkzeugen angeschafft werden, weil man schließlich eine Lammfellrolle braucht (und nun ein Lammfell an der weißen Decke hat), einen Winkelaufsatz für den neuen Akkuschrauber ...
Und da ist noch der Zeitfaktor, wenn sowieso keine Zeit ist. Wenn alles schnell gehen muss, und um 3.30 Uhr immer noch Tapeten geklebt werden. Deshalb wird es wohl noch bis Anfang Juni hier eher ruhig zugehen...

Samstag, 7. Mai 2011

Chaostage

Wer seinen Gedanken Buchstaben verleiht, lebt sein Leben zweimal, in gewisser Weise. Gerade bin ich aber vom Schreiben amputiert, weil mir einfach die Zeit fehlt. Neben der Arbeit habe ich einen Umzug, eine Sanierung (des neuen "Hauses"), einen alten Hund, der sich das Kreuzband gerissen hat und (still leidet) ein Auto mit Rostproblemen. Oder anders gesagt: Seitdem hat sich auch mein Fitnesstraining verbessert: Hund in den Garten tragen und ein Haus sanieren.

Deshalb nicht wundern, wenn es im Blog eher beschaulich zugeht. Schließlich muss der Hund unbedingt beschmust, getragen und geliebthabtwerden, und ein wenig Arbeit gibt es auch noch.

Samstag, 2. April 2011

Was ist dran an den Archetypen und der Heldenreise

Bei der klassischen Heldenreise, dem sogenannten Mythos oder Monomythos, gibt es eine ganze Reihe von Stationen, die der Held auf seiner Reise erlebt. Je nach Variante beginnt das mit der besonderen Geburt, der besonderen Not, der Weigerung des Helden sich auf die Reise zu machen, dem Aufbruch, Prüfungen,... Im Prinzip orientiert sich die Heldenreise an den historischen Sagen des Altertums und soll, so z.B. die Psychoanalyse, eine bestimmte kollektive Erfahrung vermitteln.
Wenn man sich heutige Romane ansieht, dann arbeiten viele Autoren immer noch mit der Heldenreise, weil das eine Romankonstruktion ist, die jeder Leser kennt. Teil der Heldenreise sind aber auch bestimmte Figuren, die sogenannten Archetypen, auf die der Held bei seiner Heldenreise trifft. Das ist der Mentor, der Schwellenhüter (erster Gegner, an dem der Held wächst), Herold, Schatten (das übertragene negative des Helden), der unberechenbare Gestaltwandler, der Trickser (als Teil der Entspannung). Bei anderen Autoren werden die Begriffe nicht so psychoanalytisch bezeichnet: als Held, Antagonist, Helfer des Antagonisten, die Geliebte, die gutherzige Hure, die dunkle Verführerin, der Mentor, der Begleiter des Helden, der Schelm, der gutwillige Tor, der Verführte, der Verräter,...
Dabei bezeichnet diese Bezeichnungen die Grundfunktion der Figur für die Geschichte. Wie diese Archetypen ausgestaltet werden, ob Stereotyp oder dreidimensional, ist nicht festgelegt. Die Figuren werden nach ihrer Funktion besetzt

Das ist einerseits ein Vorteil: die Figuren erklären sich für die Leser selber und müssen deshalb nicht besonders ausgestaltet werden. Die Geschichte ist ebenfalls klar und berechenbar, was sich für viele Genregeschichten anbietet.
Und der Autor hat trotzdem die Möglichkeit die Figuren und Geschichte sehr variiert auszugestalten, denn eine besondere Geburt oder eine dunkle Verführerin kann sehr viel bedeuten.

Der Nachteil ist, dass die Geschichte letztlich immer die gleiche ist, wenn auch in Variation. Die Figuren sind letztlich nur Elemente in der Geschichte und werden meistens nicht über die Funktion in der Geschichte hinaus ausgestaltet. Denn die Figuren erklären sich selber und müssen nicht erklärt werden. Deshalb werden oft Stereotypen verwendet. Letztlich hat man oft das Gefühl diese Geschichte schon einmal gelesen zu haben, weil eben wenig variiert wird.

Deshalb halte ich die Archetypen und die "Heldenreise" nur für begrenzt tauglich. Nur wenn mit beidem über das übliche hinaus gespielt und ordentlich verfremdet oder übertragen wird, kann daraus eine mitreißende Geschichte erzählt werden. Das bedeutet, dass z.B. die Figuren besonders gut ausgestaltet werden, ungewöhnliche Figuren als Archetypus besetzt werden,  mit deren Rollen gespielt wird oder die Heldenreise für diese Art Geschichten eigentlich selten oder gar nicht verwendet wird, bzw. man sie dort nicht erwartet. Manchmal reicht es aber auch, dass die Heldenreise eben unter einer reichen Geschichte fast verschwindet, die in ihrer Vielschichtigkeit überzeugt, so dass man gar nicht bemerkt, dass es eine Heldenreise ist.

Samstag, 19. März 2011

Selbstdiagnose..

Eine wichtige Zäsur für mein Schreiben war 2001 der Wechsel in ein neues Autorenforum. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich ein wenig autistisch mein Schreiben nach und nach aus den wunderbaren Anfängen entwickelt, war aber letztlich gescheitert. Denn irgendwie hatte ich versucht das Schreiben aus mir und einem Schreibratgeber zu entwickeln, ohne Rücksicht auf mögliche Leser. Nicht das die Texte komplett furchtbar waren, aber wer Fantasy schreibt und keine Plots hinbekommt, hat wirklich ein Problem.
In diesem Jahr habe ich einfach begonnen mich mit den Fragen zu beschäftigen, die mich beschäftigt haben. Nicht mit der recht üblichen Geschichte in einem High-Fantasy-Roman, der im grundsätzlichen konventionell bis hin zur Selbstaufgabe war.
Nun, die neuen Text begannen mit einer entscheidenden Frage: Warum konnte ich nicht mit Hilfe eines Schreibratgebers ein ordentliches Buch schreiben?? Taugen die Ratschläge dort wirklich etwas? Und wie kommen solche Ratschläge zusammen.
In den ersten Texten habe ich viel experimentiert, was ich heute noch mache, und habe nach meinen eigenen Antworten gesucht.
Ich kann heute kaum beschreiben, was ich für mich alles über das Schreiben von Texten herausgefunden habe. Die erste wichtige Feststellung für mich war, dass die meisten Aussagen von Schreibratgebern auf bestimmten Annahmen beruhen, die nicht tragen. Die zweite Feststellung war, dass es aber wundervolle Ratschläge in solchen Büchern gibt, wenn man die richtigen Texte liest. Und die dritte Feststellung war, dass man aus Texten weit mehr lernen kann... wenn du etwas wunderbares findest, analysiere es.
Noch wichtiger: für mich macht die Sprache einen wesentlichen Teil des Lesegenusses aus. Weil die deutsche Sprache in bestimmten Bereichen eben nichts nur der Verweis auf einen Verweis ist, ohne sich wirklich mit dem Thema zu beschäftigen. Und manchmal muss man mit der Sprache sehr genau arbeiten, um bestimmte Dinge auszudrücken.
Eine weitere Feststellung war, dass die ausführliche szenische Gestaltung viel besser ist als die narrative Vorgehensweise, wenn es um Intensität geht. Nun, zwischenzeitlich habe ich selbst das unwichtige so ausgestaltet, und in meiner Ausgestaltung war ich so exzessiv, dass manche Szenen so aufgebläht waren, dass einem der Magen schon beim beilesen zu Platzen drohte.
Nur das mit dem Plot habe ich immer noch nicht hin bekommen, wenn es um den langen Weg geht, den Roman. Meine Stärke war die Darstellung der Szene, die Intensität der Gefühle, die Gewalt der Szene und Sprache, die Sprachlosigkeit, die Atmosphäre. Gleichzeitig habe ich aber auch zwei, drei Texte geschrieben, wo der Plot geklappt hat- wo ich auf das übertrieben szenische verzichtet habe. Teilweise in der Intensität nicht zu ertragen, wenn es länger als 10 Seiten war.

Gerade arbeite ich an einem Plot, der sich zu einem Roman auswachsen soll- von der Idee her eine Urban-Fantasy-Geschichte. Das mich dieses Thema schon länger beschäftigt, ist für mich ein Grund sie zu schreiben. Aber genauso wichtig ist der Versuch einmal eine Geschichte wirklich geplottet zu erzählen.
Deutlich ist hier aber eines: Ich kann mich bei der Sprache zurücknehmen und vieles an Sprache verwenden, was unauffällig oder vereinfacht ist. Aber niemand wird diesen Text mit einem der üblichen Genreromanen aus diesem Bereich verwechseln. Denn nicht nur bei der Sprache, sondern auch bei der Ausgestaltung orientiere ich mich an meinen literarischen Texten. Vielleicht eine der wichtigsten Erkenntnisse: mein Schreiben ist durch die oben genannte Zeit geprägt und es hat sich etwas herausgebildet, hinter das ich nicht mehr zurücktreten werde.

Mir ist durchaus klar, dass ich, wenn ich diesen Roman verkaufen möchte, deshalb in Nöte geraten werde. Denn die Landschaft für solche Romane ist in Deutschland nicht gerade blühend, weil beides zusammen, nicht gerade verkaufsfördernd ist: Zwischen E und U ist bei eigentlichen klassischen Genres, gerade neuen Genres, richtig schwierig. Aber deshalb schreibe ich diesen Roman auch nicht.
Für mich ist dieser Roman ein Experiment, wie es auch die Texte zwischen 2001 und 2005 sind. Denn ich muss das eine lernen, um irgendwann die Texte schreiben zu können, die ich auch schreiben möchte. Denn ich habe da eine Idee, die sich weit von meinen bisherigen Texten unterscheidet: Weiter, breiter, epischer. Nur brauche ich dafür das Plotten. Das andere habe ich schon gelernt, damit es ein E Roman wird.

Sonntag, 13. März 2011

Georg Diez über den Kritiker (Richard Kämmerlings)

In seiner beim Spiegel erscheinenden Kolumne "Der Kritiker: Sie nennen es Literatur" zieht Georg Diez über das Sachbuch "Das kurze Glück der Gegenwart. Deutsche Literatur seit `89" des Germanisten Richard Kämmerlings her. Kurz gefasst wirft Diez Kämmerlings als Kritiker vor, die Deutsche Literatur wie eine "Kleingärtneranlage" zu betreiben. Die Deutsche Literatur als Blume, die von einem eifrigen Kleingärtner auf sein Niveau zurecht geschnitten wird.
Die Argumentation Diez manändert dann durch eine Vielzahl von Vorurteilen über den deutschen Literaturbetrieb: Vom Studium in Mittelhochdeutsch für Schriftsteller, Lektoren und die anderen im Literaturbetrieb, das Stipendienprinzip, Klagenfurt.Interessant wird es, wenn Diez auf die "Great German Novel" zu sprechen kommt, die Kämmerlings von den Deutschen Autoren verlangt. Wer einmal nachlesen möchte, was Kämmerlings damit meint: in Welt Online findet sich hier sein Aufruf für die "Great German Novel". Im Prinzip ist die Idee Kämmerlings richtig: Literatur braucht Bedeutsamkeit. Und ein Roman, der geeignet ist eine Zeit zu erklären und auf verschiedene Weise dessen Inneres zu erfassen, ist große Literatur, auch über die Zeit seiner Entstehung und der Beschreibung hinaus.
Nur braucht man auch Autoren, die das können und wollen!! Und so einen Roman schreiben zu wollen, braucht ein riesenhaftes Ego und Konto.
Richtig gut wird es, wenn Diez dann letztlich Kämmerlings Argumentation angeht:"Hü und Hott"wirft er ihm vor. Denn Kämmerlings fordert das eine, feiert aber das andere, so Diez. Er lehne sich immer nur so weit aus dem Fenster, dass keine Gefahr besteht wirklich zu fallen. Er feiere die Romane, die sich mit der Vergangenheit beschäftigten, fordere aber die Gegenwart in der Literatur. Letztlich fordere er die "Great German Novel", aber er entscheide sich in seinen Besprechungen für etwas anderes.
Aus diesem Punkt endet Diez dort wo er anfängt: Er erklärt Kämmerlings zum "Kleingärtner" der Deutsche Literatur, der sich fragt, warum keine Wildblumen blühen. Eine interessante Frage. Unklar ist mir nur, warum Diez dafür die üblichen Topoi über die Deutsche Literatur anruft. Und mir ist auch unklar, ob Richard Kämmerlings der richtige Adressat für diese Polemik ist.

Mittwoch, 9. März 2011

Gender und Literatur

Gerade habe ich bei Petra van Cronenburg folgenden Blogeintrag gefunden: "Für Männer und Frauen: Literatur".
In dem von ihr verlinkten Artikel aus dem Café Babel wird einfach festgehalten, dass die meisten Literaturpreise zum überwiegenden Teil von Männern gewonnen werden. Die Autoren dort meinen, dass dies u.a. darin liegt, dass die meisten Autorinnen von den Verlagen in den Bereich Chick-Lit verschoben oder gedrückt werden, ob sie dort nun hinein gehören, diese Art Texte schreiben wollen oder ob nur die Veröffentlichung über Bilder, Titel und ähnliches dort einsortiert wird.
Petra van Cronenburg ergänzt, dass die Autorinnen eben nicht abgeschoben werden, sondern freiwillig in diesem Bereich veröffentlichen Als besonderes Schmankerl zitiert sie die Selbstentschuldigung von Asta Scheib, die verschiedene Gründe dafür findet, was sie einfach nicht getan hat.

Nun, eine der zentralen Probleme sehe ich persönlich im Umgang mit Konflikten. Denn viele Frauen neigen meiner Erfahrung nach dazu ihre Konflikte möglichst in einem Konsenz auszuräumen, um eine direkte Konfrontation zu vermeiden. Diese Verhalten wird übrigens bis heute Töchtern gerne vermittelt, wenn ich mir die Situation in meinem Wahrnehmungsbereich ansehe.
Männer werden dagegen eher darauf geschult immer ihre eigenen Meinungen zu vertreten, gegen alle Widerstände, um zu lernen sich durchzusetzen. Wobei gerade die Frauendominanz in Erziehungsberufen hier oft ein anderes Konfliktverhalten einbringt.

Bei verschiedenen Diskussionen habe ich immer wieder gehört habe, übrigens überwiegend von Autorinnen (die sich auch eher dazu äußern), dass es keine Schande ist nach Genrevorgaben zu schreiben oder bitte darauf zu verzichten sich, seinen eigenen Stil, das eigene Interesse/ Thema ähnliches zu wichtig zu nehmen, weil das eigentliche Ziel der Leser ist. Das niemand sagen kann, was der Leser ist oder was er will, ist übrigens Teil des Problems. Im Prinzip wird etwas Abstraktes verabsolutiert und ein Teil des eigenen Schreibens ausgeschlossen. Die eigenen Themen haben nichts mit der Betroffenheitsliteratur zu tun. Es geht einfach darum sich mit dem in seinen Texten zu beschäftigen, was den Autor gerade beschäftigt oder interessiert. Meist kommt dann, dass man ja später freier arbeiten könnte, wenn man Erfolg hatte. Ein Trugschluss übrigens: Denn wenn eine Marke etabliert ist, die immer einen bestimmten Inhalt hat, wird es noch schwerer davon abzuweichen. Wenn die Marke schon immer etwas flexibler war, geht das dagegen.
Dieses Konfliktproblem geht aber weit darüber hinaus. Denn wer schon vor dem Lektorat seinen Text auf mögliche Anmerkungen korrigiert, dann vor der Verkaufskonferenz weiter anpasst, der wird auch nicht den Mut haben sich an anderer Stelle durchzusetzen.

Von männlichen Autoren kommt übrigens dann oft, dass diese Autoren ihre eigenen Themen bearbeiten und sich freuen, dass die eigenen Themen so viele Leser finden. Oder das die Genrevorgaben ja gar nicht so streng seien und die Autoren verweisen darauf, dass sie schon von Anfang an Bücher etwas abseits des üblichen veröffentlicht haben. Denn wer von Anfang an mutig ist, wird sicherlich seine Anmerkungen bekommen- aber in einem anderen Umfang. Denn hier wird ein vorhandener Text nur überarbeitet, nicht nach fiktiven Vorgaben gestaltet, die für sich nur wenig sinnvoll sind.

In der Literatur geht es immer um Konflikte. Und Teil des Konflikts ist eben nicht nur der Inhalt, sondern auch die Art des Schreibens, der Stil, die Darstellungsweise, der Aufbau und vieles ähnliche. Das erfordert vor allem Durchsetzungsfähigkeit und Selbstvertrauen. Und je extremer und eigenwilliger ein Text wird, und damit oft preiswürdig, je mehr wird davon gebraucht...

Ich bin mir recht sicher, dass trotz aller gegenseitigen Beteuerungen, dass die Konfliktvermeidung/ Konsenzsuche in den letzten Jahren bei Männern und Frauen zunimmt- u.a. weil gerade die Teamarbeit in den letzten Jahren verabsolutiert wurde. Seltsamerweise passiert dies parallel mit dem Jeder-Kann-Alles-Mantra, die seit zwanzig Jahren irgendwie alles durchdringt. Beides führt zu einer Zunahme von bestimmten Konzepten: Dr. Oetker ist mit seinen Tütensuppen auch in der Literatur angekommen und trotz aller Beteuerungen, Glutamat ist durchaus nicht notwendig. Und die meisten Menschen schätzen auch andere Rezepte, die auf Vorbereitung, Zeit, Variation und Handwerkskunst beruhen.
Gute Literatur entsteht durchaus in einer solchen Situation. Nur leider ist der kleinste gemeinsame Nenner eben nicht die Basis guter Literatur. Teamarbeit ist elementarer Teil guter Literatur, aber eben nicht als Nenner, sondern als Multiplikator.
Und ganz ehrlich: Niemand muss Türen einrennen, die offen sind. Aber wer vor der Tür wartet, sollte auch klingeln.

Freitag, 4. März 2011

Erste Hindernisse

Das erste Kapitel meines Romans ist abgeschlossen und die auslösende Handlung beginnt. Deutlich merkbar ist die schwierige Umstellung von einem recht ausführlichen Schreibstil zu einem (für meine Verhältnisse) recht reduzierten Schreibstil mit vielen Halbszenen. Immer wieder muss ich wirklich abwägen, welche Elemente als Spiegel taugen und wie ich das genau haben möchte. (Spiegel in dem Sinne, dass die Elemente etwas über Handlung, Figuren, Situation zwischen den Figuren, Atmosphäre,... zeigen). Was bietet einen Mehrwert für den Roman und was ist nur netter Füllstoff. Nun, ich habe die Länge meiner Szenen deutlich reduziert und lasse deutlich mehr weg. Im Moment sind einige der Halbszenen und Szenen sehr gut gelungen, an anderen Stellen wirkt das alles noch etwas abgehakt und über bearbeitet.

Der Einstieg in die auslösende Handlung fällt mir jedoch etwas schwer. Denn so logisch und konsequent das in meiner Planung geklungen hat, ist es beim Schreiben nicht. Denn ich habe alles mögliche geplant, aber offensichtlich einige wichtige Entwicklungsschritte ausgelassen. Nun muss ich vor dem harten Urteil meines Lektorichs eine überzeugende Lösung finden...
Aber irgendwie kollidieren meine bisherigen Versuche ein wenig mit dem recht reduzierten (für meine Verhältnisse) Schreibstil. Denn so habe ich weniger Raum alles klarer zu machen.

Ein anderes Problem sind die für die Atmosphäre meiner Geschichte notwendige Ausschmückungen, die letztlich über die Atmosphäre hinaus eine Bedeutung für die Glaubwürdigkeit der gesamten Romanwelt hat. Da brauche ich immer wieder ein wenig, nicht zu viel, aber es muss letztlich weit von der Realität entfernt und nah dran sein. Ehrlich gesagt ein gigantisches Problemchen.

Nun, ein weiteres Problem war bei der Planung schon klar, aber ich wollte es nicht lösen. Meine Geschichte ist in der gesamten Ideengestaltung recht komplex, während die Handlung im Grundprinzip eine mittelkomplexe Thrillerhandlung ist, von einigen Nebenhandlungen einmal abgesehen, die ihr einen besonderen Dreh geben. Nun bin ich gerade in der Überdenkung einiger der Handlungselemente der Thrillerhandlung.
Denn an zwei Stellen dieses Handlungsstranges habe ich ein bestimmtes Motiv, dass ich seit meiner Planung in fünf- acht anderen Romanen gefunden habe. Es ist sozusagen gerade eines der beliebtesten Motive in diesem Thrillerbereich. Nun stellt sich aber für mich die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist dieses Motiv weiter zu verfolgen.

Freitag, 25. Februar 2011

Verantwortung

Manchmal gibt es einen Zeitpunkt, an dem sich eine Entwicklung manifestiert. Das dieser nicht unbedingt mit dem Anfang einer Entwicklung übereinstimmt, liegt in der Sache begründet: Denn eine Entwicklung beginnt mit einer Einzelentscheidung, die aber erst durch eine Entwicklung wird, wenn immer mehr Menschen beginnen sich an einer solchen Entscheidung mit ihrem Verhalten zu orientieren.

In unserer Gesellschaft erodiert das Bewusstsein Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu haben. Schon lange vor der Finanzkrise begannen immer mehr Menschen sich immer zu entschuldigen, statt Verantwortung zu übernehmen. Der Kölner Bürgermeister, der als Politiker die Verantwortung auch für eine nicht selbst getroffene Entscheidung, den Bau der unterirdischen Straßenbahnlinien, nicht übernehmen wollte, nicht die Verantwortung für die mangelnde Überwachung von öffentlichem Bauträger (KVB) und deren Überwachung durch das Bauamt, nicht für den Einsturz des Stadtarchivs oder für den Tod zweier Menschen dabei.
Sein Argument waren die Fehler der Anderen, die nicht gemachten Meldungen, die nicht vorgenommenen Untersuchungen durch Untergebene. Denn eine juristische Verantwortung gab es für ihn nicht.
In der Finanzkrise war es nicht die Verantwortung der Bankmanager, die diese Krise ausgelöst haben. Denn wenn etwas jeder macht, kann es sich ja nicht um einen Fehler handeln. Auch nicht, wenn man Milliarden Dollar in eine Hypothekenanleihe steckt, die auf dauerhaft steigende Immobilienpreise ausgerichtet war, und die ersten Warnzeichen erkennbar waren. Nur wenige Verantwortliche wurden entlassen. Die meisten zahlen nun einige Finanzhilfen zurück, um zu einer weiterhin nicht geregelten Finanzwelt zurückzukommen, in denen Milliardenbonis gezahlt werden.... Gewinne werden privatisiert, Verluste verstaatlicht.
Oder ein Bürgermeister, der eine Großveranstaltung politisch durchsetzt, auf der viele Menschen sterben- und der sich nun darauf beruft, dass er keine juristische Schuld trägt. Trägt er vermutlich auch nicht, aber wer eine solche Entscheidung durchsetzt, hat eine politische Verantwortung.
Ich könnte Hunderte anderer dieser Ereignisse in den letzten Jahren benennen, wo genauso reagiert wird.

Und doch macht der Fall des Verteidigungsministers mich besonders wütend. Ich habe aber als Student immer wieder die Vorschriften für das wissenschaftliche Arbeiten gelesen und penibel darauf geachtet, nicht dagegen zu verstoßen. Trotzdem halte ich es für möglich, dass ich an einer Stelle vielleicht unwissentlich dagegen verstoßen habe. Das ich einen fremden Gedanken nicht gekennzeichnet habe oder bei einer Formulierung unbewusst auf eine Vorlage zurückgegriffen habe. Zitate habe ich aber immer ausgewiesen.
Wenn man den Umfang und die Menge der ihm vorgeworfenen Zitate mal genau betrachtet, kann auf alle Beteuerungen verzichten, dass dies unabsichtlich geschehen ist. Denn Umfang und Menge der Zitate sprechen für sich, genau wie die aktualisierten Zitate, bei denen die Fußnote vergessen ist. Denn wenn ich eine Stelle in einer Arbeit fände, wo die Jahreszahlen nicht zu meiner Arbeit passen, würde ich alles noch einmal sorgfältig prüfen. Außerdem habe ich immer alle gelesenen Texte im Literaturverzeichnis direkt notiert, da man gerade bei längeren wissenschaftlichen Arbeiten leicht die Übersicht verliert.

Der Verteidigungsminister reagiert, wie es modern geworden ist zu reagieren. Nur zugeben, was andere einem schon bewiesen haben und den Rest abweisen. Übrigens so, dass man Handlungsoptionen behält- im ersten Fall wurde hier so formuliert, dass Gutenberg im nächsten Schritt entweder den Titel zurückgeben kann (ohne das Recht auf eine erneute Arbeit zu verlieren) oder ihn behalten (die Zitate ersetzen nicht die eigenen Gedanken).
Im zweiten Schritt, wenn weitere Vorwürfe kommen unbedingt die eigene Handlungsfreiheit erhalten, indem man vorgreift (man gibt freiwillig den Doktortitel zurück, bevor man ihn aberkennt bekommt). So kann man dann die meisten Vorwürfe erledigen und es sieht zumindest so aus, als wäre man Schuldbewusst. Gleichzeitig spielt man das eigene Vergehen runter und bringt etwas in die Diskussion, was da nicht rein gehört (Der Angriff auf die deutschen Soldaten in Afghanistan). In diesem Fall betont man die eigene Notwendigkeit und behauptet, dass das eigene Vergehen eigentlich gar nicht so wild waren und es doch wichtigeres gäbe.
Perfide an der gesamten Sache ist jedoch, dass gerade dieser Verteidigungsminister eben immer sofort Andere entlassen hat, die einen Fehler oder vermeintlichen Fehler gemacht haben. Und das sein eigener Anspruch "Leiten durch Vorbild" letztlich eben konterkariert wird.
Somit sind wir wieder an dem Punkt, wo man von Anderen etwas fordert, dass man nicht einhält. Durch das erste ist Gutenberg übrigens so beliebt geworden und durch das zweite wird er sich durchmanövrieren.
Gutenberg und seine Verteidiger dividieren den Menschen Gutenberg vom Uniabsolventen, vom Verteidigungsminister und behaupten, dies habe nichts miteinander zu tun. Gleichzeitig instrumentalisierte der Freiherr genau diese Teile immer wieder, um seine Popularität zu steigern. Und ganz ehrlich, so richtig lässt sich das nur begrenzt teilen.

Es ist nicht mehr entscheidend, ob der Verteidigungsminister nun zurücktritt, ein gewisser OB bei der nächsten Wahl nicht mehr antritt, ein anderer noch einmal ein öffentliches Amt bekleidet, oder ob gewisse Verantwortliche von Banken in ihrer Biographie irgendwann einräumen: "War ein Fehler".
Denn der eigentliche Schaden ist längst entstanden: Wie möchte die Politik noch die Menschen in Deutschland auffordern selber die Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen, wenn man Verantwortung nur auf juristische Verantwortung reduziert.

Montag, 14. Februar 2011

"The War" von Ken Burns

Einer der einflussreichsten amerikanischen Dokumenarfilmer der Gegenwart ist Ken Burns. Im Gegensatz zu den meisten Dokumentarfilmern verzichten Ken Burns auf nachgestellte Bilde, sondern verwendet bis auf wenige Ausnahme nur historische Filmaufnahmen, Briefe, Fotografien. Es gibt aber auch keinen einzelnen Narrator, wie das in Deutschland meistens üblich ist, sondern Ken Burns besetzt einzelne Rollen mit Schauspielern. Berüchtigt ist der Ken-Burns-Effekt: Da Ken Burns in seinen Dokumentationen oft Fotografien oder Bilder verwendet, schwenkt Burns oft die Kamera und geht in den Zoom und macht so aus einem Standbild ein bewegtes Bild.

In "The War" berichtet Ken Burns über den Zweiten Weltkrieg aus der Sicht von vier amerikanischen Provinzstädten. Somit bilden die Briefe, Tagebücher, Augenzeugenberichte der Bewohner dieser Städte und deren Angehörigen der Fokus, durch den Burns den Zweiten Weltkrieg betrachtet. In vierzehn Folgen beschäftigt sich Burns mit dem Zweiten Weltkrieg, der für die Amerikaner im Dezember 1941 beginnt.
Bei dieser Dokumentation stehen die Erlebnisse der Soldaten und ihrer Angehörigen aus den vier amerikanischen Provinzstätten im Mittelpunkt der Handlung. Allein das unterscheidet diese Dokumentation stark von den meisten anderen Dokumentationen über den Zweiten Weltkrieg. Denn hier steht die Geschichte der Soldaten im Mittelpunkt, nicht die Geschichte von Generälen, Staaten, Ländern- also das genaue Gegenteil von den Knoppschen Dokumentationen, die sich meistens an Einzelpersonen oder Systemelementen ausrichten.
So entsteht eine Überschau, die in ihrer Breite und Sichtweise nahezu einmalig ist: denn Ken Burns nimmt die Veränderungen in Amerika mit in seine Dokumentation. Ob nun die Internierung der Japaner, die wirtschaftliche Entwicklung durch den Krieg in den Provinzstädten, von schwarzen Soldaten und vielem mehr. In über 700 Minuten kann der Zuschauer eben auch die Angehörigen kennenlernen und den Schmerz und das Leid, dass die Soldaten und ihre Angehörigen erleiden.


Es ist aber nicht die Länge, die Perspektive der vier Provinzstädte, die Hineinnahme der Entwicklungen in Amerika, der Verzicht auf Spielszenen, die diese Dokumentation so einmalig machen. Es ist die Zusammenstellung von all dem, verbunden mit der vielen akribischen Arbeit von Ken Burns und der selbst gesetzten Anspruch, der aus "The War" wohl die beste und sehr beeindruckende Dokumentation über den Zweiten Weltkrieg macht.

Freitag, 11. Februar 2011

Eine Lektion über das Schreiben

In meinem Brotberuf lerne ich gerade den besonderen Wert des genauen Planens kennen. Denn ich bin mit dem ungefähren Planen dort ein wenig auf die Schnauze gefallen, gerade weil es dort so viele Dinge gibt, die ich nicht beeinflussen kann. Denn bei einer ungefähren Planung berechnet man nur einen Teil der Möglichkeit, meist ohne bestimmte anderen Perspektiven einzunehmen.
In einem chaotischen System gibt es einige Hundert von Dinge, die alle den weiteren Verlauf beeinflussen, die aber nur zu einem Teil beeinflussbar sind. In einem gewissen Rahmen sind aber viele dieser Dinge berechenbar und können durch eine geeignete Planung somit das System stabilisieren, wenn dieses System flexibel genug ausgelegt ist. Eine Dinge können weder geplant, noch beeinflusst werden- die meisten können jedoch durch eine Flexibilisierung in der Planung und Gelenkstellen integriert werden. Und den Rest kann niemand irgendwie berechnen oder einbauen, sondern nur darauf reagieren.


Seit einigen Wochen arbeite ich wieder an meinem Roman, bei dem ich eine recht flexible Planung habe, die aber mit einigen Gelenkstellen letztlich ungefähr 60% des Romans umfasst. Offen sind in der Planung jedoch zwei wichtige Punkte, die ich so, am Anfang, noch nicht entscheiden konnte. Denn auch wenn ich vermutlich die Planung an einem gewissen Punkt des Romans noch umstellen muss- es war einfach für mich nicht anders möglich.
Ich habe eine genaue Vorstellung, wie die Romanwelt sein wird und soll. Ich habe eine Idee, wie ich das gestalten werde und wohin es gehen wird. Aber ich habe auf den ersten 10 Seiten Manuskript schon eine wichtige Änderung eingeführt, die letztlich nur wenig Auswirkungen auf den Plot hat. Und ich bin mir ganz sicher, dass noch viele kleine Änderungen rein kommen, aber auch einige, für die ich den Plot leicht anpassen muss. Denn mir fehlt einfach noch die Erfahrung, um diese Dinge alle schon in der Planungsphase berechnen zu können bzw. erahnen zu können.
Aber irgendwie kann ich über eine gewisse Romandistanz nur planen und brauche, je weiter die Planung geht, einfach die Möglichkeit recht flexibel zu sein.

Freitag, 4. Februar 2011

Die Platte hat einen Sprung, die Reifen auch...

Der Winter hat mich in diesem Jahr einen Reifen gekostet, eine lange Schraube einen zweiten, übrigens am gleichen Tag. Ein kleiner Ausblick auf die besondere "Glückssträhne", die mich nun schon seit einigen Monaten freundlich begleitet und mir Bein um Bein stellt... "Stürzen ist nicht schlimm", hat Winston Churchill mal gesagt, "Nur Aufstehen muss man danach wieder." Nun ja, das ist eine der großartigen Lektionen der letzten Jahre. Ich habe wunderbar gelacht, als es an einem Tag zwei Reifen erwischt hat. Denn irgendwie liegt im übertriebenen Drama immer eine absurde, innenliegende Komik, die aber manchmal seine Zeit braucht, um hervorzukommen. Übrigens sind in den Tagen davor drei Elektrogeräte aus dem Dienst geschieden und, nicht zu vergessen, da gab es noch drei, vier andere Katastrophen.
Nun, die Katastrophen und der neue Job erweisen sich seit einigen Monaten als Zeitkiller... Mein Roman muss immer wieder weichen, in die wenigen Stunden, an denen ich nicht arbeite, Katastrophendienst leiste, schlafe oder wichtige Notwendigkeiten erledige. Leider...

Montag, 17. Januar 2011

Moderne Zeiten im Krimi... das Handy und der Computer

Die ARD hat an den letzten drei Sonntagen drei, von unterschiedlichen Regisseuren gedrehte, Filme über den "Yorkshire Ripper" ausgestrahlt, wie immer zu später Abendzeit. Denn um welche andere Uhrzeit sollte man denn auch drei Filme ausstrahlen, bei denen in Mittelpunkt der Erzählung nur Vordergründig die eigentlichen Ermittlungen und der Fall des "Yorkshire Ripper" stehen, und eigentlich mehrere Mordfälle, ein Journalist, mehrere Ermittler, Korruption und Hoffnungslosigkeit.
Ein Film über einen heutigen Kriminalfall würde ganz anders aussehen. Denn die moderne Technik hat die Ermittlungen verändert. Kriminaltechnik und DNA-Tests bilden nur eine von diesen Veränderungen ab. Fast entscheidender ist der Einsatz von Computern, ob nun beim Vergleich von Spuren an Tatorten, noch wichtiger gerade bei komplizierten Fällen durch die Möglichkeit in den Unterlagen nach Stichpunkten zu suchen, in Formularen einzelne Bereiche zu kennzeichnen, Querverweise zu suchen, jederzeit auf alle Berichte und Informationen zu greifen zu können. Nicht zu vergessen auch die Verbindungen unterschiedlicher Behörden, Länder und die enormen Informationen und der Informationsaustausch übers Netz.
Gerade bei komplizierten Fällen ist es so viel leichter den Überblick zu behalten, wichtige Informationen jederzeit wiederfinden zu können und passende Mordfälle bei Ähnlichkeiten zu suchen.
Deshalb mussten sich viele Krimis und Thriller einfach verändern. Nicht immer zu ihrem Vorteil, wenn nun der "Deus-ex-Machina" in der Form von DNA-Tests und Faserspuren daherkommt. Denn viele Autoren vergessen einfach die Atmosphäre und bleiben bei den weichgezeichneten CSI-Bildern. Andere verzichten auf den sinnvollen Einsätze dieser Geräte oder der Möglichkeiten durch diese Geräte einfach, oder konstruieren die Fälle zu den "Übersuperserienkillern".
Schade.

Samstag, 15. Januar 2011

Finden, ohne zu suchen

Ich habe an zwei Stellen meines Lebens ein Geschenk bekommen, dass ich weder erwartet, noch erbeten habe: Das Schreiben. Noch heute bin ich völlig verwundert, wie das Geschenk mich gefunden hat. Und ich bin immer noch über irritiert, wie es sich selber ausgepackt hat. Im ersten Fall hat eine Lehrerin in der Grundschule mir ein paar vorgegebene Zeilen geschenkt, und ich habe in diesen Zeilen erst eine Geschichte und dann eine Welt gefunden. Im zweiten Fall war ich in einem Literaturkurs, und jemand hat mich gebeten eine Geschichte über eine (Selbst-)verwandlung zu schreiben.
In beiden Fällen hatte ich eine Idee, und dann verschwimmt vor meinen Augen die Zeit, nicht die Erinnerung. Und waren Stunden vergangen und ich hatte eine Geschichte vor mir liegen, an deren Entstehung ich mich nur noch in Bildern erinnern kann, nicht an die Arbeit daran. Denn vielleicht das erste Mal in meinem Leben, bin ich hinter etwas verschwunden ist, das größer war als ich.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mich immer wieder mit dem Schreiben, ob nun praktisch, theoretisch, philosophisch und auf Hundert andere Arten beschäftigen muss. Denn irgendwie gibt es etwas an Geschenken, was mich manchmal verrückt macht. Das sie meistens ohne eine besondere Gegenleistung verschenkt werden, aber in ihnen eine gewisse Verpflichtung steckt.

Dienstag, 11. Januar 2011

Ein Plot für alle Fälle....

Ehrlich gesagt war ich unheimlich skeptisch: Plotten. Als "Bauchschreiber" habe ich versucht, mich an meiner Grundidee und den bisherigen Seiten zu halten und daraus einen Roman zu entwickeln. Nun, für meine Kurzgeschichten ist das eine ideale Methode, weil ich die Geschichte letztlich schon kenne, auch wenn ich das noch nicht weiß, wenn ich beginne sie zu schreiben. Und klar, natürlich verändert sich jede Geschichte beim Schreiben, weil ich so viel Raum habe, um neue Ideen einfließen zu lassen.
Bei meinen Romanmanuskripte bin ich auf die gleiche Weise vorgegangen. Ich habe mir eine Idee überlegt, und aus dieser Idee eine Atmosphäre und eine Handlung abgeleitet, ohne zu wissen, wie die Geschichte konkret weitergeht. Natürlich fehlte mir dann eine klare Linie über die Manuskriptlänge. Das wäre durch Überarbeiten sicherlich zu korrigieren. Leider fehlte aber etwas anderes, wesentliches: Die Geschichte kreiste irgendwie um eine kaum erkennbare Handlung herum. Weil ich die einfach vernachlässigt habe, über Atmosphäre und Grundidee.

Ich habe inzwischen meine im Sommer geplottete Geschichte begonnen. Die erste Erfahrung ist, dass der Grundplot sicherlich an einigen Stellen in die Überarbeitung muss- denn schon im ersten Kapitel spielt sich eine Nebenfigur in die Handlung herein, die eine Hauptfigur sinnvoll ergänzt und charakterisiert.
Auch gibt es eine Stelle in meinem Plot, an dem die Geschichte nach 2/3 der Handlung einen Dreh hat, mit dem ich noch nicht zufrieden bin. Da müssen zwei Szenen getauscht werden, damit das mit dem Höhepunkt klappt. Und noch gibt es eine wichtige Frage, die für mich selber nicht geklärt ist.
Das war ehrlich gesagt zu erwarten: Meine Geschichte entwickeln sich und müssen sich entwickeln, weil ich beim Schreiben von längeren Texten immer eine geniale Idee, ein paar gute und unglaublich viele mittlere und schlechte Ideen habe. Und gute und geniale Ideen nicht zu verwenden, wäre fahrlässig.
Deutlich wird aber auch etwas anderes: Die klaren Plotstrukturen helfen mir enorm mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und allerlei unnötigen Zierrat und Nebenschauplätze zu streichen. Bei der ersten Überarbeitung wird aber noch genügend Zierrat zum kürzen übrig bleiben, keine Sorge. Noch wichtiger ist aber, dass die Szenen nun aber einen anderen Drive haben, weil sie immer auf ein Ziel hinführen.
Das habe ich bei meinen "Bauchscheiber"-Manuskripten eben nicht immer hin bekommen. Zudem hilft mir der Drive ein wenig eingespielte Manierismen zu entdecken. Da hat sich so einiges eingeschlichen, was in der Häufung ziemlich störend ist... ich habe es nur nicht mehr gesehen...

Montag, 10. Januar 2011

Kinder- und Jugendbuchfiguren als Marken

Im Börsenblatt findet sich heute der Artikel "Markenfiguren im Buchhandel. Klassiker mit Kultstatus". Wer in den letzten Jahren einmal in einem Spielzeugladen oder Kinderbuchladen war, am Besten mit einem Kind oder einem Jugendlichen, wird ein Lied über das Merchandising mit Kinderbuchfiguren singen können. Alternativ reichen natürlich auch Berichte über besondere Kinobesuche von Harry Potter, Disney, Herr der Ringe oder den Vampirromanzetten von S.Meyer als Nachweis. Denn seit Star Wars ist Merchandising inzwischen ein eigener Berufszweig in der Vermarktung von Filmen, in den Buchbereich ist das alles auch darüber irgendwann eingezogen.
Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach, so der Artikel: Über einen Roman oder einen Film wird eine Identifikationsmöglichkeit des möglichen Kunden mit einer Figur (und deren "Lebenswelt" erzeugt, die dann über die Merchandiseartikel erschlossen werden kann. Wer einmal die Freude eines Fünfundzwanzigjährigen über eine nachziehbare Tigerente gesehen hat, oder einen Dreissigjährigen im Musikalfranchise zu einem Disneyfilm, wird verstehen, wie viel Geld damit gemacht werden kann. Und heute können diese Erlöse aus dem Merchandising durchaus bis 50% der Gesamterlöse bei Kinder- und Jugendbuchverlagen ausmachen.
Mehr im obigen Artikel

Samstag, 8. Januar 2011

Ein Anfang ist gemacht (Umsetzung des Plots)

Nachdem ich nun einige Monate die gesamte Grundgeschichte zu ungefähr 2/3 durchgeplottet habe, war es einfach Zeit (da ich gerade das auch habe, Zeit) in die eigentliche Geschichte einzusteigen. Also habe ich die ersten fünf Seiten runter geschrieben, um einen ersten Dreh in den eigentlichen Plot zu bekommen.

Die erste Erfahrung aus der Umsetzung ist, dass ich die eigentliche Geschichte noch nicht ganz im Griff habe. Denn die Hauptfigur ist nun vorgestellt, zwei wichtige Figuren erwähnt und ein erster Einblick in die Stimmung der Figuren und die Atmosphäre geschafft. Gleichzeitig bleiben die Beschreibungen noch etwas oberflächlich und bei der Grundsituation muss ich noch ein wenig arbeiten, um straff oder relativ straff dem Plot folgen zu können. Insgesamt muss ich wohl noch einiges ordnen, ein wenig kürzen und mir mehr Gedanken machen, wie ich szenischer arbeiten könnte.

Im kreativen Bereich ist es aber wundervoll- da die Handlung klar ist, habe ich deutlich mehr Zeit und Raum, um allerlei spinnerte Ideen einzusetzen und den Rahmen kreativ auszugestalten. Schließlich soll das Schreiben ja auch Spaß machen. Gleichzeitig muss ich mich aber konzentrieren bei all dem klar dem Plot zu folgen und nicht zu ausschweifend zu werden. Wundervolle Ideen zu verwerfen, weil es notwendig ist, macht nicht gerade Spaß.

Sprachlich muss ich mich ein wenig immer korrigieren, um das Sprachniveau der Geschichte anzupassen und das spielerische Element nur eine Randrolle zuzuweisen. Denn sprachliche Spiele machen unglaublich Spaß. Ich neige zudem zu einem verkomplizierenden Satzbau mit einigen manieristisch eingerissenen Konjunktionen, die nun raus müssen. Schließlich geht Klarheit bei dieser Geschichte vor.

Insgesamt aber ein interessanter Anfang

Donnerstag, 6. Januar 2011

Über das N-Wort und Mark Twains "Huckleberry Finn"

In der amerikanischen Literaturgeschichte gibt es eine Literatur vor und nach "Huckleberry Finn". Denn Mark Twain hat die amerikanische Literatur mit diesem Roman nachhaltig verändert. In "Huckleberry Finn" tauchen das erste Mal regionale und subkulturelle Dialekte auf, die es zum ersten wirklichen amerikanischen Roman machen. Eine Art eigene Verfasstheit, getrennt von englischen Vorlagen und europäischen Vorbildern, gleichzeitig aber in einer eigensinnigen Folge, ist Basis dieses großen amerikanischen Romans. Gleichzeitig ist es aber auch ein homerischer Epos, eine eigene, amerikanische Geschichte, ein Road- und/oder Buddymovie und eine großartige Geschichte, der als Jugendbuch einen Wert (abseits der Bedeutung für die Literaturgeschichte) besitzt, der kaum zu bemessen ist. Denn ohne "Huckleberry Finn" ist das heutige Jugendbuch und viele großartige "Erwachsenenbücher" kaum denkbar.... das Kinder und ihre Lebenswelten ernst nimmt, nicht erzieherisch, sondern entdeckend die Welt betrachtet und diese für Kinder und Jugendliche größer, reicher und bunter macht- und gleichzeitig ihre Augen für Ungerechtigkeit, Rassismus, Unterdrückung und vieles mehr öffnet und ein kritisches Abbild einer Gesellschaft abbildet.

Nun, eigentlich ist kein Grund vorstellbar, warum dieser Roman nicht in der Schule besprochen werden sollte- aber genau das geschieht seit einigen Jahren in der USA, wie Wieland Freunds in seinem Artikel in der Welt ausführt: "Debatte um Mark Twains "Huckleberry Finn". Sprachforscher will das "N-Wort" durch "Sklave" ersetzen". Denn Teil der regionalen und subkulturellen Dialekte aus seiner Entstehungszeit in der 1880er Jahren ist das N-Wort (als Euphemismus für "Nigger"), das 219 Mal in dem Roman vorkommt. Auch entspricht die Darstellung von Jim, dem ehemaligen Sklaven, nicht gerade heutigen Standarts. Denn obwohl er seinem "pursuit of happiness"/ Streben nach Glück nachgeht, wirkt Jim ungebildet (wie auch Huck), treu und nur wenig intelligent.
Die Debatte über das "N-Wort" ist seit Jahrzehnten eine wichtige Debatte für das gesellschaftliche Miteinander in Amerika, siehe z.B. die Seite "Abolish The "N" Word". Denn über das Wort "Nigger" zu sprechen, bedeutet auch über die mit diesem Wort verbundene Geschichte in Amerika, über Rassismus, ungleiche Gesellschaft, Apartheit, über Jim-Crow-Gesetze, Ministrals, Kukluxclan und vieles mehr zu sprechen.

Und ganz klar, sicherlich ist es für eine Schule schwierig über dieses Wort im Unterricht zu sprechen, wenn man den Roman liest. Es mag manche Schüler verletzten in einem Roman ein solches Wort zu lesen. Daraus abzuleiten, dass man den Roman nicht mehr in der Schule liest, ist aber ein Kurzschluß. Denn damit verzichtet man auf den literarischen Reichtum über "Huckleberry Finn" zu lesen und über die Diskussion über den Roman auch über das "N-Wort" zu sprechen und über die Darstellung von Jim. Auch das Wort durch "Sklave" zu ersetzen, wird das grundsätzliche Problem nicht lösen. Denn das eigentliche Problem ist nicht die Verwendung des N-Wort bei Mark Twain, sondern die Situation der Afroamerikaner in der Zeit Mark Twains. Und über die sollte gesprochen werden, genau wie über das N-Wort.

Hier übrigens ein Artikel aus der Zeit von David Hugendick "Mark Twain: Bloß nicht das N-Wort", der das ähnlich wie ich sieht und doch auch anders.

Was ich mich frage, ist, was Mark Twain dazu sagen würde: Ich denke, er würde lächeln und etwas sagen wie

"Ein Klassiker ist ein Buch, das die Leute loben, aber nicht lesen" (Following the Equator, Kapitel XXV.)

Mittwoch, 5. Januar 2011

Charakterisierung durch Spiegelung

In den meisten Büchern über das "kreative Schreiben" fehlt eine wichtige Passage, die die Könner von den meisten weniger guten Autoren unterscheidet. Denn wie beim Plot gibt es auch bei der Charakterisierung verschiedene Ebenen.

1. In der ersten Ebene finden sich die Aussagen und Gedanken einer Figur, in denen die Absicht klar und deutlich geäußert wird. Dazu gehören auch die Handlungen, die sich aus den Aussagen und Gedanken direkt ergeben und die ausgedeutete Mimik und Gestik: schaute verdutzt, lächelte nachsichtig.

2. In der zweiten Ebene finden sich dann die Aussagen und Gedanken einer Figur, die noch unklar sind oder missverständlich. Die Dialogzeilen sind dann z.B. indirekt, d.h. die Figur sagt etwas ironisch, in einem Wortspiel, deutet etwas an, wird sarkastisch oder ähnlich. Die Gedanken sind noch ungeordnet, nur eine Tendenz ist erkennbar ohne das sich daraus eine logisch folgende Konsequenz ergibt und die Handlungen folgen nicht einem klar erkennbaren Muster. Dazu gehören auch die zehn Standartgestiken und -mimiken, Geruch und sprachliches (Stottern,...), die aber nicht ausgedeutet sind, sondern minimale Interpretation des Betrachters benötigen: Mit weit aufgerissenen Augen,...

3. In der dritten Ebene finden sich dann die Handlungen, die sich aus Gefühlen ergeben und die Gefühle einer Figur, die eben per Definition nicht logisch sind. (Logische Gefühle eines Autisten sind ausgenommen). Gestik, Mimik, Gerüche und sprachliche Kennzeichen gehören hier rein, wenn sie nicht sofort eindeutig sind.

Das sind die drei Ebenen, die sich in den meisten Büchern finden, ergänzt um ein Mittel, dass wohl auch in die erste Ebene gehört: Die merkwürdigen Wetterphänomene in Texten, die immer die Gefühlslage des Prot. symbolisch spiegeln: Verwirrung/Horror= Nebel; Trauer/ Verzweiflung= Regen; Glück/ Erfolg = Die Wolken verschwinden für klaren Sonnenschein. Ich verzichte nur darauf es zu erwähnen, weil es in der reinen Form eigentlich verboten gehört- und trotzdem oder gerade wegen der leichten "Verständlichkeit" in bestimmten Texten immer wieder auftaucht.
Neben den drei Ebenen, die direkt aus der Figur abgeleitet sind, gibt es jedoch weitere Ebenen.

4. In der vierten Ebene werden die Figuren gespiegelt, was nichts weniger heißt, als dass Situationen, Gefühle oder Stimmungen im Umfeld der Figuren gespiegelt werden. Auf das Wetter sollte man verzichten, zumindest wenn man das so subtil wie eine Eisenbahnschwelle gestaltet, aber das kochende Wasser bei einem Streit ist noch zu ertragen, besser ist der Rasenschnitt des Ehemannes mit Negelschere, während seine Frau sich nach Freiheit sehnt. In diesen Bereich gehören auch die Reaktionen anderer Figuren auf eine Figur hinein, wenn diese eben nicht Eisenschwellenartig geschildert sind, sondern etwas subtil. Oder auch die Untermalung einer Szene mit Musik, die Darstellung von nicht direkt relevantem für die Handlung, das die Figur aus einer anderen Sichtweise beleuchtet.

5. In der fünften Ebene geht es darum, dass der gesamte Hintergrund und die Atmosphäre eines Romans darauf zugeschnitten ist. S. King geht z.B. soweit, dass die gesamte Handlung in eine bestimmte Atmosphäre eingebettet wird, die immer wieder auf die Handlung und auf sich selber zurückweist. Indem er z.B. eine Kleinstadt auswählt, die mit einem bestimmten Figureninventar bestückt (relig. Fanatiker, Redneck, mehrere Außeinseiter, Cheerleader, Sportler an der Schule, ...), dies mit bestimmten typischen Verhaltensweisen ergänzt, manches dann übersteigert, und das alles in bestimmte Farben, in bestimmte Vernachlässigungsgrade und Stereotypen einbettet, und dann im normalen den Wahnsinn sucht, wird alles zum Spiegel der Figuren. Wer das wirklich verstehen möchte, sollte sich mal Kubricks S. King Verfilmung "Shining" ansehen, wo Kubrick King weiter spinnt, indem er all diese Bezüge verwendet und einige ergänzt. Da geht es um die Sprache einer Figur, um deren Ängste (die immer wieder angedeutet werden) und die Bedrohung durch den darin enthaltenen Wahnsinn, die Farben und Ausgestaltung des Hintergrunds, um den Bezug der Figuren untereinander, die langsam stetig steigende Spannung, die sowohl in der Handlung, in den Dialogen, in den Bildern, im Wetter außen (hier auch als Rahmen der Handlung), in der Eskalation, in einer Vorgeschichte immer wieder auftauchen. Alles ist mit allem verbunden- jede Zimmerausstattung, jede Farbe und jede Dialogzeile hat Referenzen im Text, wird auf eine andere Weise zitiert oder wieder aufgegriffen.

Montag, 3. Januar 2011

Die literarischen Zwiegespräche der Gebrüder Mann

In der Zeit findet sich heute ein längeres Essay von Michael Maar "Thomas und Heinrich Mann. Die größte Liebe ihres Lebens, der größte Hass". Darin geht Maar einem Element der Geschichte der Familie Mann nach, die Breloer in seinem "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" immer wieder aufgreift und die einen wichtigen Ankerpunkt seiner Dokumentation bildet.: Die Konkurrenz der beiden Brüder Heinrich und Thomas Mann. Diese zeigt sich in den stets wandelnde Beziehungen beider zueineinander, die Bewunderungen für den anderen, der Neid, der Druck über den anderen obsiegen zu wollen, der Aufstieg beider und der "Sieg" des Jüngeren. Den meisten Lesern wird all das in Grundzügen bekannt sein.
In den literarischen Texten beider begibt sich Maar auf eine Spurensuche und kann verschiedene Bezugs- und Wendepunkte heraus finden, die sowohl die wechselhaften Beziehungen der beiden Brüder zeigen, das Zwiegespräch über Verweise auf Gespräche und literarische Texte, und einen Einblick in die beiden unterschiedlichen Persönlichkeiten. Ich finde das alles spannend wie einen Krimi, aber ich bin sicherlich auch etwas verrückt....