Donnerstag, 30. Dezember 2010

Im Rückblick ist der Winter immer weiß...

Immer am Ende eines Jahres kann man Bilanz ziehen, kurz vor der Steuererklärung, um sich an das Gute und Schlechte des letzten Jahres zu erinnern. Man muss aber nicht. Denn eine Bilanz zu ziehen ist eine ziemlich buchhalterische Ansicht der Welt... aber gleichzeitig auch eine schöne Art sich noch einmal zu erinnern.
Als Schriftsteller ist es wichtig sich zu erinnern. Denn Schriftsteller sind die Chronisten ihres Lebens und ihrer Zeit, wenn auch in einer sehr subjektiven, eigenwilligen Form. Sie versuchen das Eigene in Worte zu fassen, um in dem Eigenen das Allgemeine zu finden. Ihr Arbeitsmittel ist die Sprache, das Raunen der Worte, die sich stetig wandelnde Bedeutung der Sprache, die neuen und alten Worte. Vielleicht muss deshalb eine Bilanz eines Schriftstellers vor allem aus Worten bestehen, die sich mit der Niederschrift verändern.

Als das Jahr begann, war es nicht nur der Schnee in den Gärten, die es mit aus dem vorherigen Jahr brachte. Allerlei Dinge waren für mich offen geblieben, in meinen Gefühlen, aber auch in den Plänen für das Jahr.
Mein Studium hatte ich schon Monate vorher abgeschlossen, mir einen Nebenjob gesucht, in Erwartung und Befürchtung des Berufseinstiegs, der sich immer weiter heraus zögerte, eine weitere Warteschleife. Mein Großvater war im Oktober 2008 gestorben, und für mich, mehr als nur der Mann, sondern auch eine ganz eigene Welt untergegangen, deren Überrest mein Großvater in den letzten Jahren geworden war. In seinen Akten, Unterlagen, Photos habe ich so viele Dinge gefunden, die meiner Welt so fern waren. Und die doch notwenig waren, um ihn zu verstehen. Und auch persönlich hatte sich vieles in den letzten Monaten des Studiums verändert. Deshalb war dieses Jahr irgendwie mit Hoffnungen und Befürchtungen so beladen, wie die Dächer im Februar im Schnee.
Irgendwie hat das Jahr beides erfüllt. In den ersten Monaten schien alles erstarrt, auf eine wenig schmeichelhafte Weise für mich. Nach und nach hat sich dann das Gefühl durchgesetzt, dass das Studium zu Ende ist und eine neue Zeit anfängt, eine neue Chance. Gerade das Gefühl einer Chance war eine große Veränderung. Nach und nach bin ich dann ein wenig aus meinem bisherigen Ich heraus gewachsen. Eine recht befremdliche Erfahrung, um ehrlich zu sein.

Nur welche Bedeutung hat das alles für das Schreiben. Das war mir in dieser Zeit nicht wirklich klar. Denn wenn der Autor sich verändert, muss das Schreiben dies auch. Nur gibt es da eine kleine Gemeinheit. Was der Verstand weiß, braucht immer noch eine Zeit, damit es sich in der Arbeit umsetzt.
Also habe ich eine recht lange Zeit weiter an einem Romanprojekt gearbeitet, indem die Dinge der vorherigen Jahre irgendwie auftauchten, aber meine Veränderung noch nicht. Nicht unbedingt ein Kompliment für den Schriftsteller in mir. Und wie es bei den letzten Projekten schon war, irgendwie muss ich mehr planen.
Mitte des Jahres schien es dann so, als würde mein Leben (wieder einmal) eine weitere Warteschleife drehen. Dann, recht plötzlich, wurde die Warteschleife abgesagt und vieles kam viel schneller als erwartet. Keine Zeit zu schreiben, sondern zu staunen und mit voller Kraft zu arbeiten.
Naja, gerade als es etwas ruhiger wurde, dann ein harter Schlag, persönlich, privat und kaum begreifbar. Wie es immer ist, wenn etwas passiert, was weder erwartet, noch befürchtet wurde. Nach drei Monaten habe ich es immer noch nicht wirklich begriffen. Etwas ist in diesem Leben dadurch verloren gegangen, was unwiderbringlich nicht mehr wieder kommen wird. Und neben diesem viele weitere privaten Probleme, viele Krankheiten im Familienkreis.
Nun, der Enkelhund meiner Eltern ist seit Monaten krank und wird nur gesunden, wenn er einen Schneidezahl selber verliert. Nur der sitzt genauso fest, wie so manche Erinnerung in unserem Verstand. Nun, er hat durch den harten Schlag Gesellschaft bekommen: Wir sind stolze Besitzer zweier Zwerghühner, einem Seidenhuhn und einem Schneeball, sowie einem Yorkshireterrier. Der übrigens eine Nebenbeschäftigung in der Altenpflege aufgenommen hat.
Vielleicht ist es aus den vielen unterschiedlichen Gründen so, dass viele Erfolgserlebnisse und der wunderbare Ausklang dieses Jahres noch nicht wirklich zu mir durchgedrungen sind. Naja, Vielleicht schon durchgedrungen sind, aber irgendwie noch von den vielen, anderen Dingen überlagert werden. Aber das wird sich ein wenig ändern.

Vielleicht habe ich auch einfach noch nicht die Zeit gefunden, all das durch meine eigene Worte zu erfassen, wie ein Schriftsteller das nun einmal tut. Indem er verändert, verwandelt und spiegelt, umstellt und in andere Geschichten verwandelt. Nun, die Arbeit wird im nächsten Jahr nicht weniger. Aber vielleicht finde ich ein wenig Zeit, um all das ein wenig in meine Geschichten zu verwandeln.

Samstag, 4. Dezember 2010

Manchmal braucht es die richtige Stimmung

Vor einigen Tagen habe ich einen Anfang mit meinem Roman gemacht. Und auch wenn ich seitdem kaum dazu gekommen bin, weiß ich genau, dass ich den Ton für den Roman gefunden habe. Denn in diesem Anfang steckt wie in meinen Anfängen ein bestimmtes Versprechen für all das Kommende.
Das dazu ein besonderer Tag und eine besondere Stimmung notwendig ist, dürfte bei einem Menschen wie mir klar sein. Denn ich habe seit Wochen für genau diese Stimmung gesucht und sie bei einem alten Musikklassiker gefunden. In mitten von Menschen, die alle irritiert waren, dass ich mit dem Schreiben begonnen habe. Aber an solche Seltsamkeiten muss man sich wohl bei mir gewöhnen.

Abwesenheit

In einem neuen Job gibt es immer eine ganze Menge zu lernen, Da gibt es die Theorie, die mir durch das Studium bekannt ist, die andere Theorie, die irgendwie nicht im Studium dran kam, es gibt die Gerüchte, die sich oft genug als das herausstellen, was sie sind, Gerüchte, und es gibt die Praxis. Und da man neu ist, braucht man viel, viel länger für alles, als die erfahrenen Kollegen,
Eine gewisse Frustrationstoleranz ist übrigens wie beim Schreiben einfach notwendig. Denn auch wenn die Lage an meinem Arbeitsplatz bei weitem nicht so schlecht ist, wie immer behauptet, gibt es da das enorme Problem, dass man zwar weiß, wie es richtig sein müsste- aber eine große Menge an Dingen funktioniert einfach mangels Erfahrung noch nicht. Dazu kommen viele Überraschungen: Wie genau richte ich meine Arbeit auf meine "Kunden" aus, wie gestalte ich meine Arbeit mit den vielen Möglichkeiten, wie reagiere ich auf bestimmte Probleme.
Das alles frisst natürlich an den eigenen Kräften... und enorm an der Zeit. Manche Berge sind viel höher, als erhofft. Manchmal ist man nur noch erledigt. Aber eines ist schon klar: Es ist der richtige Job für mich. Nur ist noch nicht klar, ob ich der richtige Mann für den Job bin.