Montag, 30. August 2010

Die Legende vom Leser

Autoren, Verlagen, Agenten und die vielen anderen Beteiligten am Literaturbetrieb haben alle ihre Vorstellung, wie ein Roman aussehen (und sich lesen lassen) muss, damit er seine Leser findet. Und irgendwie haben alle diese Personen auch eine Vorstellung, welche Vorlieben eine bestimmte Lesegruppe haben muss- für die dann schnell ein Roman zusammen gestrickt wird.

Historische Romane brauchen eine weibliche Hauptfigur und eine Liebesgeschichte....
Literarische Romane in die einzigen Romane, die kein Happy End haben dürfen, die anderen müssen ein Happy End haben.
Der Serienkiller in einem Thriller muss immer ein Spiel mit der Polizei treiben und es muss zu einer körperlichen Auseinandersetzung/ Bedrohung für den Ermittler kommen.
Bei einer Liebesgeschichte müssen immer Scheinhindernisse der Liebe im Weg stehen, die sich aber irgendfast fast selbständig im Nichts auflösen- und emanzipierte Frauen träumen von ihrer Entemanzipierung.
Ein All-Ager ist ein Roman, der sich an die Gedankenwelt von Teenagern und an ihren Problemen orientiert, aber als Beiwerk für die erwachsenen Leser Verweise enthält, eine komplexere Struktur und eine Metaebene.

Das alles ist nicht wirklich falsch: Richtig ist es aber nicht. Denn auch wenn das eine Erfahrung mit erfolgreichen Romanen aus den letzten Jahren ist, ist es halt nur eine Erfahrung. Was die Leser möchten, wissen die meisten Leser noch nicht einmal. Denn die Vorstellung, dass jemand ich nach den obigen Kriterien ein Buch aussucht, ist genauso aussagekräftig wie die meisten Blurbs. (* Exkurs :Ein Blurb ist der freundliche Satz, den ein netter Autorenkollege au Bitten der Agenten für eine Präsentation auf dem Buchdeckel raushaut: Eine Fantasywelt, die sich mit der von J.R.R. Tolkien messen kann).
Deshalb sollte man als Autor diesen Sätzen ungefähr so viel Achtung zugestehen, wie man ihnen zugestehen möchte. Eine Momentaufnahme hat ihren Wert, aber wenig Aussagewert.

Es ist bis heute in der Buchbranche nicht gelungen Bestseller nach einem bestimmten Rezept nachzukochen, wenn nicht gerade ein "Prominenter" seinen Ruhm Nebenerwerbstechnisch im Buchbereich nachkocht, von Bohlen bis Madonna, oder Ken Follet sich selber kopiert. Denn Marketing allein macht keinen Erfolgsroman und die Thaliatische funktionieren am Besten, wenn die Leser über Graswurzelmarketing einen Roman sowieso schon entdeckt haben.
Deshalb kann man übrigens auch nicht für den "Leser" oder die "Leser" schreiben- denn was die wirklich wollen, suchen die sich und nur wenig ist planbar (von einigen handwerklichen Grundbedingungen einmal abgesehen). Man kann immer nur überlegen, was andere gute Romane ausmacht, für den Autoren als Leser, und was man immer mal gerne gelesen hätte. Und daraus etwas kochen, was möglicherweise anderen auch schmeckt.

Mittwoch, 25. August 2010

Gute Füße brauchen keine Strümpf

Wieder einmal muss das Schreiben ein wenig warten, da ich meine bisherige Tätigkeit aufgegeben habe und in ein besonderes "Dienstverhältnis" getreten bin- passend zu meinem Studium. Nun lerne ich mal wieder vieles Neues und werde bald vielleicht darüber berichten. Dann aber auf einer anderen "Plattform".

Montag, 23. August 2010

Schwellenreiz... "Die Klasse" von L. Cantet

Anscheinend ist die Programmplanung im Fernsehen inzwischen eine so feste Institution, dass es gar keine Möglichkeit mehr gibt, davon abzuweichen. Die öffentlichö-rechtlichen Sender versenden also besondere Filme im Nachtprogramm, weil sie keinen anderen Ort mehr finden.
Gestern Abend kurz nach 23.35 wurde in einer Reihe zum französischen Film "Die Klasse" Laurent Cantet versendet, ein französischer Kinofilm, der auf dem autobiographischen Buch "Entre les murs" von Francois Bégaudereau beruht. Das dieser Film 2009 die Goldene Palme gewonnen hat und der französische Beitrag zum "Besten Film" bei der Oscarverleihung war, konnte nicht verhindern, dass er wie einige andere Filme so versendet wird: Nächsten Sonntag teilt dieses Schicksal die Comicverfilmung "Persepolis", die auf künstlerischer Weise die Machtergreifung der Ayatollahs im Iran thematisiert und ebenfalls verschiedene Preise erhalten hat.
In "Die Klasse" (Entre les murs ist wesentlich präziser) geht es um die Geschehnisse in den Mauern einer Schule, die im 20. Arrondissement in Paris steht. Die offensichtlich desillusionierten Lehrer aus der französischen Mittelschicht treffen dort auf eine zu großen Teilen aus Migranten und den Kindern von Migranten bestehende Schulklasse. Im Zentrum des Films steht der Versuch der Lehrer mit Disziplinarstrafen eine Disziplin aufrecht zu erhalten, die ihre eigentliche Bedeutung längst verloren hat, weil im Vordergrund nie der Unterricht, sondern nur die Disziplin bei diesen Strafen steht. Denn die Schüler sind zum Teil nie in dem Frankreich angekommen, das diese Form der schulischen Disziplin ersonnen hat, und fühlen sich diesem Frankreich fern.
Das die Schüler in Frankreich nicht angekommen sind, liegt aber nicht an den Schülern selber: Die Schule und der Unterricht richten sich an weiße, französische Schüler aus der Mittelschicht und die Schüler leben im 20. Arrondissement, dass nur wenig Ähnlichkeit mit der Vorstadtmittelstandswelt der Lehrer hat. Die Bus- und Metrolinien zwischen diesen beiden Bereichen funktionieren in Frankreich (und nicht nur dort) zwar, aber für die Schüler ist es nicht nur finanziell schwer diese Strecke zu überwinden. Die Vorurteile der Lehrer und deren immer wieder aufkeimende passive Aggressivität steht einer durchaus ebenbürtigen passiven Aggressivität der Schüler und derer Eltern gegenüber, die ihre eigenen Vorurteile pflegen.
In "Die Klasse" gelingt es nur beim Fußballspiel diese Grenze zu überwinden, ansonsten scheitert das System Schule im Prinzip für beide Seiten. Eine Schülerin bekennt am Ende im ganzen Jahr nichts gelernt zu haben, eine andere Schüler überwindet die Vorurteile des Lehrers, indem sie Platons "Der Staat" liest, obwohl er seinen Schülern kaum einfachen Lesestoff zutraut. Und der engagierte Lehrer zwischen den desillusionierten Lehrern scheitert an seinen Wünschen und Vorstellungen, weil er seine Vorurteile nicht überwinden kann... und immer wieder aggressiv wird, wenn er eigentlich zuhören müsste.
Letztlich geht es in "Die Klasse" um das Scheitern der Schule, die auf einem Scheitern aller Beteiligter beruht, von Staat, Lehrern, Eltern und Schülern. Nicht gerade leichte Kost. Der Film ist an seinen besten Stellen ein Zeugnis für dieses Scheitern, indem er recht schonungslos das Versagen zeigt und wenig Hoffnung lässt. Das unterscheidet ihn übrigens von den vergleichbaren Hollywoodproduktionen mit ähnlichem Thema, in denen letztlich immer eine Lehrerin (zumindest in den letzten Jahren) das Licht der Bildung in die Köpfe ihrer Schüler trägt. Denn in "Die Klasse" steht nicht ein perfekter Lehrer im Mittelpunkt, sondern ein sehr menschlicher Lehrer.
An manchen Stellen ist es bemerkenswert, wie sehr man als Zuschauer das Scheitern des Systems erkennt und bestimmte Gründe erleben kann, die aber offensichtlich weder in der Schule noch bei anderen Verantwortlichen bekannt sind. Auch das spricht für den Film, genau wie die Beobachtung der unterschiedlichen Lehrerpersönlichkeiten.
Wer sich in Deutschland fragt, warum das deutsche Schulsystem gerade bei Migranten oder den Kindern von Migranten versagt, bekommt hier mehr als nur einen Anhaltspunkt. Auch wenn es nicht gerade angenehm anzusehen ist.

Mittwoch, 18. August 2010

Gedankensplitter über das Phantastische (und das Allegorische)

Eines der größten Irrtümer über Stephanie Meyers "Biss zum ..."-Triologie ist die Behauptung, es ginge um Werwölfe und Vampire. Denn Vampire und Werwölfe dienen in diesen Romanen nur dazu bestimmte Gefühle der Figuren und der Gesellschaft aufzunehmen und über die phantastischen Figuren zu spiegeln. Im Prinzip betritt ein junges Mädchen, Bella, aus dem Raum der Kindheit hinaus in die Pubertät. Sie trifft dort auf einen Mann (und später einen Zweiten), einen triebhemmenden und triebgehemmten Vampir, der ihr die Ewigkeit (der Liebe und der jugendlichen Körper) verspricht. Der Vampir ist wie Bella ein Außenseiter, jenseits der allgemeinen Ordnungsregeln der Schule, und ist eine Art Marlon Brando Rebell. Der später hinzukommende Werwolf ist der Schulschwarm, der Sportler, der für das ewig animalische steht, jedoch auf die meyersche klinisch saubere Variante.
Tief in diesem Konstrukt versteckt zeichnet Stephanie Meyer eine "Schul"- Gesellschaft, in der die Mädchen bis zur Hochzeit jungfräulich und ewig sechzehnjährig sein sollen (und im weiteren Romanverlauf auch darüber hinaus als Mütter), schuldbeladen über die eigene Sexualität, triebgehemmt und gleichzeitig schwer sexualisiert.
Letztlich beruht der Erfolg von S. Meyers Triologie (noch Trilogie mit Ergänzungsband) auf einer Coming-of-age Geschichte, in der bestimmte Standarttypen klassischer Schulgeschichten durch die Verwandlung in phantastische Figuren einerseits eine zusätzliche allegorische Qualität erhalten und bestimmte Muster der klassischen Coming-of-age Geschichten hinterfragt werden- wenn mal aus der Hinterfragung bestimmter Lebensbilder (ewig jung), mal als naive Zustimmung oder aus der Sicht der verweigerten Auslebung der Sexualität.

Auch bei Harry Potter findet sich als Grundelement der Handlung die Figur eines Kindes, Harry, der als ungeliebtes Ziehkind bei Verwandten lebt und dort seine eigene Besonderheit entdeckt. Letztlich eine Empfindung, die viele Menschen in ihrer Identitätsfindung machen, auch wenn sie weder Ziehkind, noch bei Verwandten leben. Denn dieses Gefühl nirgends zu zugehören gehört zu dem Prozeß des Erwachsenwerdens (bzw. der Entwicklung der eigenen Identität). Dies wird ergänzt durch das Motiv des Besonderen, des Auserwählten- was eine besondere Verlockung enthält: Es gibt einen Grund, warum das alles geschehen ist und die eigene Identitätsfindung wird mehr als nur erfolreich enden.
In diesen Raum gehört auch der Konflikt zwischen "reinblütigen" und "misch-/ muggelblütigen" Zauberkundigen, das ebenfalls eine weitere Plotebene öffnet- über die Bedeutung von Herkunft als Einstellungsmerkmal für etwas besonderes und die Qualität der eigenen Leistung: Diese Frage wird gleich auf mehreren Ebenen von Rowling bearbeitet, mit Valdemort und Harry Potter als Auserwählten und ihre Ähnlichkeit, mit Hermine und Hagrid als "Mischblütige", über Draco M. und seine Freunde und Harry und Freunde, über die vier Schulbereiche und vieles mehr.

Diese Untersuchung ließe sich problemlos auf viele weitere phantastische Texte ausweiten, in denen bestimmte phantastische Elemente eben nicht nur phantastisch, sondern auch allegorisch sind. Gerade die Mischung beider Elemente bietet eben an manchen Stellen einen Mehrwert- weil das phantastische eben bestimmte Grundmuster verbildlicht, allegorisiert und dabei mehr als nur das Grundmuster mit nimmt, sondern dies um den Bedeutungsinhalt des Phantastischen ergänzt.
Das gilt natürlich nicht generell für alle diese Texte, wie an einigen meiner Anmerkungen zu S. Meyers Trilogie (mit Ergänzungsband) deutlich wird. Denn diese zusätzlichen Inhalte müssen nicht nur in den Text hinein genommen werden, sondern dann mit "Leben" (im Sinne von Plot) ausgestattet werden.

Das Problem der Fantasyromane im klassischen Sinne, also High Fantasy, wird ebenfalls an dem Problem deutlich: Denn die Neuerschaffung einer Welt und deren komplexe Ausgestaltung (inkl. Anlehnung an reale Welten) kann durchaus interessant sein- sie ist aber in den meisten Fällen nur ein blasses Spiegelbild der wirklichen Welt und es fehlt das allegorische Element, weil dies meistens in der reinen Fantasywelt eben nicht allegorisch ist. Zudem leidet die High Fantasy darunter, dass letztlich gerade das Weltenumfassende und oft Überkonturierte (weiß-schwarz) letztlich zu der Wirklichkeit der Leser nicht mehr oder nur schlecht passt.
In der Urbanfantasy geht es um eine verstädterte Umgebung, die einen zerrissenen Ausschnitt der Wirklichkeit darstellt, in der es kein schwarz oder weiß gibt, in der richtig und falsch schwer oder nicht zu erkennen sind. Weshalb diese Geschichten besser funktionieren- wobei hier das allegorische seine eigene Wirkungsfläche erhält, wenn es gut gemacht ist, und über das fantastische viel Spielfläche vorhanden ist.
In der Phantastik geht es immer um das Allegorische, denn es gibt nur einen Riss in der Wirklichkeit, durch die das phantastische in diese abgebildete Wirklichkeit dringt- gerade hier ist das allegorische von Anfang an als eigene Ebene vorgesehen und Teil des Romangeschehens. Deshalb funktioniert hier das Allegorische leichter als in den anderen Texten- während gleichzeitig die Möglichkeiten kleiner sind.

Freitag, 13. August 2010

In Romanen heißt die Umleitung bei Stau Zufall

Gestern Abend habe ich mich intensiv mit den ersten 10 Seiten Romanplanung beschäftigt, die ich insgesamt grandios finde... und wer glaubt, Selbstlob stinkt... ich gehe gleich in die Badewanne. Denn grandios beschreibt nicht die eigentliche Planung, sondern das ich diesmal überhaupt so weit gekommen bin und so viele Ideen hatte.
Mir ist übrigens ein großer Dickens aufgefallen: also ein Zufall, der die eigentliche Romanplanung völlig aus dem Ruder und dem Gleichgewicht bringt. Der eigentlich recht gradlinige Plot (mit kleinen Ausflügen der Nebenfiguren) biegt sozusagen an einer Stelle einfach ab und irgendwie erscheint es mir als Leser zu früh zu sein und zu zufällig.
Also muss ich ab einer gewissen Stelle die Planung wieder umarbeiten, bevor ich dann weiterarbeiten kann.
Denn ein Zufall ist ein ziemlich unzuverlässiger Helfer in einem Roman.  Denn wenn nicht die Fähigkeiten einer Figur die Lösung bringen, sondern ein Zufall, oder wenn die eigentlichen Schwierigkeiten sich durch einen Zufall auflösen, dann entwertet der Zufall entweder die Fähigkeiten der Figur oder die Schwierigkeiten.
In meinem Fall ist das noch nicht der Fall, aber es könnte im weiteren Romanverlauf drohen... und das kann und werde es nicht zulassen.

Nur muss ich nun den Plot wieder etwas umgestalten, damit es nicht der Zufall ist, der zu diesem Ort führt (der für meinen Roman sehr wichtig ist), sondern die konkrete Arbeit meiner Hauptfiguren. Das wird nicht ganz einfach, aber auch nicht sonderlich schwierig- weil ich nur durch den Zufall etwas vorgezogen habe, was sowieso geplant war. Nur habe ich durch das Nachvorneziehen notwendige Elemente nicht vor diesem Ereignisse gebracht, sondern im Nachhinein. Oder anders gesagt: Plotten ist ganz schön anstrengend

Montag, 9. August 2010

Gedanken über Antagonisten

In Hollywood gibt es sieben klassische Varianten, um einen Antagonisten zu entwerfen:
1. Der Schatten: In Bram Stokcrs "Dracula" ist Dracula letztlich das düstere Spiegelbild von J. Harker. Während Harker in der Rolle seiner Zeit als Gentleman gefangen ist, einem Rollenbild aus einer demokratischen Gesellschaft mit aristokratischen Einschlägen, stammt Dracula aus einer tyrannischen Alleinherrschaft, für den nicht einmal Gott noch als moralische Instanz geblieben ist- und der deshalb seine Triebe ungehindert ausleben kann. Seine Triebe sind letztlich Verdrehungen der sexuellen Vorstellungen von J. Harker, bzw, deren Übersteigerung: Die Verführung der geliebten Frau, ihre Unterwerfung unter seine Begierden und die Umgestaltung der angebeteten Frau zum sexuell aggressiven Vamp.
2. Der Spiegel: In vielen Werken sind die Helden und Antagonisten letztlich in ihrem Werdegang ähnlich oder gleich, nur dass der Antagonist im Gegensatz zum Helden aus einer Erfahrung an einem bestimmten Punkt von diesem Weg abweicht. Im Prinzip ist der Antagonist eine gefallene Heldenfigur. Dabei handelt es sich meistens um eine moralische Entscheidung- Luke Skywalker und Anakin/ Darth Vader haben sich beide für einen bestimmten Lebensweg als Jedi entschieden. Darth Vader wechselt die Seiten, als er erkennt, dass er die seinen nicht schützen kann, vor allem seine geliebte Frau- und man ihm vermittelt, dass die andere Seite ihm das ermöglichen könnte. Luke Skywalker verzichtet darauf sich oder die seinen zu schützen, um nicht auf die dunkle Seite zu wechseln. Er bleibt bei seinem ursprünglichen Weg.
3. Der Superschurke: Der Superschurke ist ein Antagonist, der in seinem Bereich überragend ist: Er ist brillanter Mutant, brillanter Wissenschaftler oder Supergehirn, der schon lange ausserhalb von Recht, Ordnung, Moral lebt- Letztlich trifft er auf einen Helden, der an ihm wachsen muss, um ihn zu überwinden. Viele Gemeinsamkeiten gibt es mit dem Helden aber nicht.
4. Mylady de Winter: Dieser Antagonist ist immer eine Person aus dem Umfeld des Helden, die eine enge Beziehung zu dem Umfeld des Helden bzw. zum Helden selber hat und hat immer das gegenteilige Geschlecht zum Helden und wäre ein möglicher Love-interest.  Sie kennt den Helden und arbeitet mit den Mitteln ihres Geschlcchts im Sinne von archetypischen Verhalten, was einem Geschlecht zugesprochen wird. Als Frau ist sie intrigant und hinterlistig, aufreizend, verführerisch und gleichzeitig schön und begehrenswert. Als Mann ist sie sexuell aggressiv und dominant, ist stark, höflich, begehrenswert und spielt mit diesen Attributen und den Wünschen der Heldin.
5. Der bekannte Unbekannte: Dieser Antagonist ist letztlich eine Person, die alle Menschen kennen- ob nun der Clown bei "Es", ein Kind im "Omen", ein Tramper beim "Hitcher"- sie füllt die Erwartungen des Lesers für diese Rolle aus, aber es ist immer spürbar, dass in dieser Figur alles mögliche angesiedelt ist, was man immer bei einer solchen Figur an Angstvorstellungen gebündelt hat: Sie ist der Clown mit den scharfen Zähnen, bei dem das Bedrohliche der Clownverkleidung ins Abgründige rutscht und wird zur wahren Verkörperung des "Clowns" und Massenmörders John Wayne Gacy- immer auf der Jagd nach Kindern.
6. Der Schurke: Der Antagonist gehört einer Organisation an, die für bestimmte Haltungen, für bestimmte Verbrechen oder ähnliches bekannt ist- ob nun Mitglied es KKK, ein deutscher Nazi, ein arabischer Terrorist, ein Mitglied der RAF oder IRA... allein durch die Zugehörigkeit zu dieser Organisation ist seine Wesenheit als Schurke bestimmt.
7. Das Abstrakte: In manchen Romanen gibt es gar keinen wirklichen Antagonisten, weil diese Rolle von etwas Abstraktem gefüllt wird. In "Der alte Mann und das Meer" ist das Alter der Antagonist der Geschichte, der sich der alte Mann stellen muss. im Prozess von Kafka ist es die Behörde bzw. die Justiz die für einen normalen Menschen gar nicht mehr greifbar oder begreifbar ist.

Samstag, 7. August 2010

Rapunzel und der böse Plot

Nach den Kommentaren von lieben Kollegen über das Plotten, hatte ich den Vorgang selber für eine Wissenschaft gehalten, wenn auch keine sehr exakte. Denn irgendwie gibt es eine Grundlinie, von der viele Plotter überzeugt sind, dass sie das Skelett eines guten Genreromans ist. Die Ausgestaltung des Skeletts entscheidet über die Qualität der Grundbasis, während eine ganze Reihe von Freiheiten über die Qualität des Textes entscheidet. Abgesehen von der Grundlinie des Standartplots gibt es nichts exaktes, was den Text zu diesem Genre zuordnen würde- und jede Qualität des Textes beruht darauf von dem ursprünglichen Plot abzuweichen oder nicht vorgesehene Teile hineinzunehmen, wenn auch in einem nicht zu großen Maße..Oder anders gesagt: Einen Genreroman zu plotten bedeutet sich für das eine zu entscheiden, um dann konsequent davon wieder abzuweichen. Ich finde das ziemlich verwirrend.
Dazu kommt, dass ich irgendwie nicht der Autor für die Kurzstrecke bin: Deshalb habe ich eine kurze Grundplanung vorgenommen, bevor ich jetzt die wichtigsten Szenen vorplotte, die das Handlungsgerüst bilden und diese um wichtige weitere Elemente ergänze. Leider hatte ich am Anfang des Plottens noch nicht einmal einen Antagonisten oder eine genaue Vorstellung, wie ich bestimmte Plotelemente ausfüllen wollte. Dies rächt sich gerade. Also muss ich nun auf Basis des Grobkonzepts immer wieder Elemente neu gestalten, umgestalten oder streichen, die sich aus der stetigen Entwicklung des Plots ergeben. Natürlich ergibt sich aus meinem Vorgehen auch, dass ich aus den vielen Hunderten von guten und wenigen guten Ideen so langsam etwas entsteht, wo ich mich auf das ausschreiben freue. Aber die Szenen nicht ausschreiben zu können, gerade, ist ziemlich hart: Ich bin ein Diabetiker im Süßigkeitenladen.
Und noch eines finde ich am plotten sehr verstörend: Irgendwie fühle ich mich ein wenig von den Figuren abgeschnitten, weil ich nicht die Figuren entwickele, von der Charakterentwicklung durch Handlung einmal abgesehen, sondern die Handlung. Und ich muss deshalb manchmal auch die Szenen ausschreiben, zumindest als Kurzfassungen, um überhaupt die Nähe zu gewinnen, um eine Ahnung zu bekommen, welche Handlungen zu meinen Figuren passen. Gleichzeitig darf ich nicht zu viel schreiben, damit ich überhaupt den Plot fertigbekomme, was auch irgendwie ironisch ist, weil ich sonst das Problem habe nicht viel genug zu schreiben (zumindest in der Menge).


Ich bin verwirrt, stehe als Diabetker im Süßigkeitenladen und darf nicht zu viel schreiben, was ansonsten mein Problem ist. Was kann man da noch sagen: Ironie ist ein weiches Kissen, und ich kann im Moment nur verwirrt drauf schlafen.

Über das Glück (und anderen Unsinn)

Wenn man über Wochen auf einen bestimmten Brief gewartet hat, der nicht gekommen ist, und dann einen anderen Brief erwartet, aber vom gleichen Absender der erste Brief kommt, dann gibt es den einen, unmöglichen Moment des gefühlten Glücks... der einen für das sehr lange Warten auf eine seltsame Weise entschädigt. Auf einmal ist es nicht mehr etwas, was man sich erarbeitet hat, nichts, was man meint zu verdienen, sondern reines, pures Glück. Irgendwie pocht es in den Ohren, etwas zerbricht in Einem, etwas anderes beginnt zu Wachsen und für einen kurzen Moment war es das alles wert.
Natürlich ist das alles Unsinn. Es war nicht Glück, der einen auf den Weg gebracht hat, es hat nur ein wenig am Ende geholfen. Aber das Gefühl ist es wert gefeiert zu werden- wie der Inhalt des Briefes übrigens. Die Zukunft strahlt wieder ein wenig heller...

Wer das all kyrptisch findet... der hat verstanden, um was es geht: Beamtendeutsch

Dienstag, 3. August 2010

Über die Büchermacher des Blumenbarverlags

In der Zeit gibt es heute den Artikel "Literaturstudium: Die Büchermacher" über die Büchermacher des Blumenbarverlags. Der Verlag ist aus einem literarischen Salon im Haus des Verlagsgründers hervor gegangen und gehört zu den Independentverlagen, mit einem Spezialisierung auf deutsche und internationale Gegenwartsliteratur, bei der Literatur mit crossmedialen Ansprüchen und gesellschaftspolitischem Anspruch verlegt wird.
Besonders schön an diesem Interview ist die Haltung einer spanischen Autorin, die sich über das Privileg freut ein Buch machen zu dürfen, neben anderen Unternehmungen im künstlerischen Bereich, auch wenn die durchschnittliche Auflage des Verlags bei "nur" 3.000 Exemplaren liegt. Aber der Blumenbarverlag ist sowieso ein kleiner Schatz der deutschen Verlagsszene, weil er für eine andere Haltung zur Literatur steht, als die meisten (größeren) Verlage.

Eine Storyline ist ziemlich glischtig, oder??

Ich habe jetzt ungefähr ein Drittel des Plots ausentwickelt und die Elemente eingesetzt, die nicht alleine dem Thrillerplot zuzuschreiben sind. Denn ein Thrillerplot alleine ist ungefähr so spannend wie Systemgastronomie. Denn auch wenn man gerne mal dort isst, schmeckt es doch immer gleich, egal zu welcher Jahreszeit, in welchem Land und Gewürze sind immer Mangelware. Denn je besser etwas gewürzt ist, desto schwieriger ist es das zu kopieren und die Menschen mögen offensichtlich laffe Gerichte ohne richtige Würze.
Also muss man ordentlich Würze rein tun, wenn man es gerne etwas kräftiger und einzigartiger haben möchte: Ein wenig Humor, eine Prise Tragik, den einen oder anderen Moment Normalität im Sturm. Oder anders gesagt: In einem Roman muss es immer ein Gleichgewicht zwischen unterschiedlichen Gemütszuständen geben, nicht im Sinne von gleicher Menge oder Stärke, sondern das Tragik ohne Humor oft Melodramatisch wirkt, das Stolz ohne Minderwertigkeitsgefühlen, Hass ohne Gleichgültigkeit und Liebe letztlich einen Roman aus der Bahn werfen kann. Das gleich gilt auch für Langsamkeit und Schnelligkeit des Textes, mit Aktion und Ruhepassagen. Jeder Roman muss hier sein Gleichgewicht finden, nicht indem alles gleich eingesetzt wird, sondern das eine durch das andere betont und somit stärker wird.
Besonders deutlich wird dies im Thriller, wenn die Normalität oder Anschein von Normalität nicht im Roman vorkommt. Denn die Wirkung der Tat lässt sich nur an den Veränderungen zeigen, die die Menschen um das Opfer betrifft und die Gesellschaft, die um die Figuren gruppiert ist. Die Rückkehr zur scheinbaren Normalität am Ende gehört ebenso dazu, genau wie die Veränderungen des Ermittlers durch die Tat, die eben nicht vollständig rückgängig zu machen sind, und das Gefühl, dass viele Dinge, die man als fest immer wahrgenommen hat, genau das nicht sind. In einem Thriller geht es immer darum, dass unter der scheinbar festen Oberfläche unseres Lebens nicht allzu viel fest ist, sondern immer wieder Dinge aufbrechen und die Normalität stören.