Donnerstag, 27. Mai 2010

Sprache benötigt Präzision (mal wieder Adjektive und Adverben)

Die Verwendung von vielen Adjektiven wird von einschlägigen Schreibratgebern und vielen Autoren immer wieder als Kardinalfehler betrachtet, was sicherlich in den meisten Fällen gut begründet ist. Letztlich fehlt aber in der Ablehnung von vielen Adjektiven immer eine konkrete Begründung- von dem Verweis auf Längen, auf Überfrachtung einmal abgesehen.
Die erste Feststellung zu den Adjektiven ist aber, dass die meisten Adjektive eben keinen Mehrwert bilden, weil sie allgemein oder redensartlich gehalten sind: Weißer Schnee bildet keinen Mehrwert zu Schnee. Somit sollte man diese Adjektive weitgehend aus seinen Texten vermeiden.
Die zweite Feststellung ist, dass Adjektive einen Text ausgestalten und ergänzen: Dafür brauchen Adjektive aber einen Wirkungsraum, der sich in Sätzen messen lässt. Der kahle Mann trat mutig in den kleinen Raum. Hier heben sich die Adjektive (und das Adverb) letztlich auf, der Satz ist nicht mehr grazil, sondern ziemlich schwer beladen. Hier wäre es günstiger entweder zu Substantivieren oder Teile herauszunehmen: Der Kahlköpfige trat mutig in den Raum. Nun stelle sich nur die Frage, ob man das so oder bildlicher haben möchte- denn das trat mutig kann man durch eine kurze Beschreibung aufbildlichen Der Kahlköpfige trat ohne zu verharrten in den Raum/ trat hocherhoben in den Raum; spiegeln xy sah den Kahlköpfigen strotzend vor Selbstbewusstein, mit genauerem Verb: stolzierte in den Raum,...
Die dritte Feststellung zu den Adjektiven ist, dass sie meist sprachliche Präzision vortäuschen, aber sie letztlich nicht erfüllen, gerade bei Beschreibungen: Aus dem dunklen Wohnzimmer flackerte das diffuse Licht eines Video 8 Films in die Küche, und eine verzerrte Stimme rief aus dem Off zu den Personen auf der Leinwand.
Das das Wohnzimmer dunkel ist, wird im zweiten Satzteil erklärt, somit ist das dunkel völlig überflüssig. Die anderen beiden Adjektive diffus und verzerrt sind jedoch stark, weil sie die Atmosphäre der Szene erschaffen und können beibehalten werden, weil sie sich ergänzen. Wenn die beiden Adjektive aber unterschiedliche Dinge beschreiben würden, ohne Bezug zueinenander, wäre es für den Wirkungsraum wichtig sie nicht in einem Satz zu verarbeiten (von besnders langen Sätzen einmal abgesehen).
Ein anderes Beispiel wären die Adverben, die oft eben sprachliche Präzision vortäuschen: Sagte leise ist ungenauer als flüsterte, ging mutig ungenauer als marschierte/ stolzierte (wenn diese passen), ging schnell als eilte usw. Gerade hier können Adjektive ersetzt werden, die durch eine günstigere Verbwahl leicht zu ersetzen sind.

Dienstag, 25. Mai 2010

Sibylle Lewitscharoff über die Literaturkritik

In der Welt hat Sibylle Lewitscharoff einen Text über die Literaturkritik geschrieben: "Warum sind die Kritiken so schlaff"" indem sie der Frage nachgeht, warum die Aufgabe der Kritik aus ihrer Sicht geschrieben und über die Frage, warum diese ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommt.
Nun, das zentrale Moment fehlt jedoch in ihrer Aussage: Denn die enge Verbindung vieler Kritikern z.B. mit der Gruppe 47 oder als Teil davon hat den Kritiken nicht geschadet, eher im Gegenteil. Denn gerade die Gemeinsamkeit beider Seiten hat letztlich zu dem eigentlichen Höhepunkt der Gruppe 47 beigetragen. Gerade die direkte Rückmeldung, die Gespräche über aktuelle Literatur und wie Literatur aussieht und was sie dazu macht, war eben ein grundlegendes Element für die Entwicklung der betreffenden Autoren.
Das größte Problem heute ist also nicht die Nähe der Kritiker zu den Autoren, eine Beißhemmung oder die fehlende Scharfzüngigkeit. Die größten Problem der Literaturkritik sind andere: Die Literaturkritik hat die selbst gesetzte Aufgabe Literatur zu bewerten, literarische Entwicklungen zu vermitteln und Autoren vorzustellen und zu begleiten. An den Universitäten werden aber weitgehend nur die Entwicklungen des Feuilltons nachvollzogen, während im Feuillton für die selbst gesetzte Aufgabe die finanziellen und zeitlichen Ressourcen fehlen.
Schlimmer als das ist aber etwas anderes: Literaturkritik ist immer eine Sozialisation. Literaturkritiker müssen mit den Schriftstellern und Entwicklungen ihrer Zeit wachsen, aber irgendwann wachsen die meisten Schriftsteller und Autoren nicht mehr weiter und ihre Haltungen und Meinungen verfestigen sich. Nur bei wenigen bleibt diese Offenheit für Neues, für Entwicklungen und andere Entscheidungen.
Zudem fehlen im Moment die "Leuchttürme", die Schriftsteller und Kritiker, die letztlich gemeinsam Entwicklungen bestimmten und aneinander wachsen. Aber das ist schwieriger zu ändern, als die finanzielle und zeitliche Ausstattung der Kritiker und das will schon etwas heißen.

Freitag, 21. Mai 2010

Handwerk und Wirkung

Immer wieder höre und lese ich von Künstlern, dass sie sich selber ein wenig als "Hochstapler" betrachten, wenn sie ihr eigenes Werk mit dem von bekannten Kollegen vergleichen. Das hat etwas mit Selbstbewusstsein zu tun und mit der Vorstellung, dass nur die eigenen Werke letztlich wie Bühnenbilder an manchen Stellen nur mit Spucke, Klebeband und Hoffnung zusammen gebastelt sind, während sie von vorne ganz anders aussehen.

Als Leser füllen wir bei fremden Autoren deren Bühnenbilder mit unserer Vorstellung zu einer eigenen, fiktionalen Wirklichkeit auf- als Autor erkennen wir unsere Unzulänglichkeiten in unserem Handwerk, und glauben, dass jeder Leser das entlarven wird. Wird er aber nicht oder normalerweise nicht, weil nur die wenigsten Leser das Bühnenbild hinterfragen oder hinterfragen wollen. Und ganz ehrlich: Alle Autoren haben diese Stellen, wo ihre fiktionale Wirklichkeit recht dünn gestaltet ist und andere Stellen, wo sie so weit und so groß sind, wie Bühnenbilder es nie sein könnten.
Sich deshalb als Hochstapler zu fühlen, verkennt, dass Autoren letztlich eben immer auch Handwerker sind und ein Roman eben aus Handwerk besteht, dass mit einigen Prozent Talent und Vorstellungskraft ergänzt wird. Deshalb ist das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit immer eine Erfahrung aus dem eigenen Schreibprozess und kann durch das aufmerksame Lesen anderer Werke durchschaut werden. Denn dort sieht es genauso aus, wenn man einmal aufmerksam reinliest.
Das entbindet nicht davon, dass man sich als Hochstapler sieht. Denn Selbstbewusstsein entsteht durch die eigene Haltung und nicht durch das Betrachten von anderen. Aber es hilft ungemein sich einmal etwas anzusehen, was man als ungeheuer magisch betrachtet und das magische als Handwerk zu "entlarven".
Denn wer sich die Werbung für industriell hergestellte Pizza einmal ansieht und das mit den wirklichen Bildern vergleicht, der kennt den Unterschied zwischen a.) und b.). Wer einmal in einer echten Pizzaria in der Küche war, erkennt das es da auch einen Unterschied zwischen der Werbung des Industrieprodukts und der Wirklichkeit gibt. Und wer dann noch mal genauer hinsieht, weiß, dass Illusionen immer nur der Konsument hat...- und der Hersteller der Industriepizzen, der Pizzariabetreiber und der Werber genau wissen, was sie machen und wie sie es machen. Hilft ungemein die eigene Arbeit einzuschätzen und zwischen ästhetischen Vorstellungen und Realität zu trennen. Nicht jeder Schriftsteller muss beim Schreiben leiden, Armut ist keine sinnvolle Voraussetzung für einen Autor, Ideen müssen erarbeitet werden, Schreiben bedeutet konsequentes arbeiten und weiterentwickeln,...
Wir müssen nur unsere eigenen Bilder mal in Frage stellen.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Ich kann den Strand schon riechen (Mist, die Blume ist in die Badewanne gefallen)

Für einen Rheinländer habe ich eine ziemlich besondere Beziehung zum Meer. Mindestens einmal im Jahr muss ich dorthin, als würden sich die salzigen Algen um meine Träume schlingen und mich tief in das Unterwasserbewusste hineinziehen, bis ich mich nach dem ozeanischen sehne, ob nun dem Meer oder dem Gefühl. Gerade bin ich mal wieder im Krisenkarussel und schleudere mehr oder minder gekonnt durch den Tag, erledige hier was, dort was, und habe den Geruch nach Meer in der Nase. Insgeheim werde ich aber Donnerstag morgen mein Strandtuch einpacken, die Badehose aus lassen und in die Sauna fahren. Denn wenn der Boden rutschig ist, sollte man Badelatschen anziehen, so ein kleiner Tipp von einem Wasserverrückten, vor allem wenn man gerade nicht zum Mer kann. Und das naheliegende Schwimmbad hört sich nur nach einem griechischen Kuhmilchfetakäseersatz an, ist aber schon ziemlich grandios.
Denn wo kann man sonst vor einer Buddahstatue meditieren, sich dann mit ätherischen Ölen aus Katalanien und der Provence verträumen, und am Ende unter einen Olivenbaum legen (und furchtbar frieren).

Sonntag, 16. Mai 2010

Chaostage (oder wie plotte ich)

Chaostage sind in meinem Leben die unendlich vielen Tage, wo aus der Vielfalt der Ereignisse ein Chaos entsteht, dass in seiner Lebendigkeit eigentlich nur in dieser Form wahrzunehmen ist. Wenn irgendwie Hunderte von Dingen geschehen und man eben manchmal einfach durch die Luft gewirbelt wird, ohne zu wissen, wo man in einer Stunde sein wird.
Für mich sind Chaostage immer sehr anstrengend, mir liegen gut geplante Tage besser, aber aus kreativer Sicht sind sie für mich wahnsinnig wichtig. Denn im Prinzip ist Schreiben für mich auch immer ein Chaos, dass ja in sich auch immer eine Ordnung trägt. Nur muss man halt die Ordnung im Chaos finden und aus dem Chaos gestalten. Aber konkreter:

Für mich ist Schreiben, sowohl im wissenschaftlichen als auch literarischen Bereich immer eine Entdeckungsreise und enthält eine grundlegende Fragestellung- und keine Antwort. Schreiben ist der Versucht mich dieser Fragestellung zu nähern und zwar beim Schreiben. Mein Verstand arbeitet sehr assoziativ und fast immer in Zusammenhängen: deshalb fällt mir das plotten während des Schreibens leichter- weil sich häufig die Themen- und Figurenentwicklung gerade aus den vorherigen Entscheidungen ergibt.

Das bedeutet bei mir, dass ich an manchen Stellen mehrere Varianten einer Szene/ einer Passage schreibe, bis ich die richtige habe und manchmal auch nachträglich überarbeiten muss. Das Ergebnis ist aber bei mir im Vergleich zu vorher geplotteten Ideen wesentlich besser. Aber es ist halt mein Ergebnis.
Denn eine ausführliche Planung führt bei mir auch zum Desinteresse an der Geschichte: Nicht weil mich die Geschichte nicht mehr interessiert, sondern weil ich bei der Ausgestaltung der Geschichte das Gefühl der Entdeckungsreise verliere- da ich mir ja vorher überlegt habe, wohin ich meine Geschichte führen möchte.
Das hat nichts mit der Fragestellung oder dem Text zu tun, sondern mit meiner Herangehensweise an den Text. Im Prinzip ist der Unterschied, dass bei euch der Schreibprozess die Umsetzung der Planung, was nicht bedeutet, dass das nicht in beiden Phasen kreativ sein kann. Aber ich schätze gerade das prozesshafte des Schreibprozesses, indem ich ohne vorher festgelegte Entscheidungen (von vorher im Text festgelegten Elementen und der Grundidee abgesehen) alles völlig frei ausgestalten kann, um mich meiner Frage zu nähern.
Deutlich wird mir das in der Figurenarbeit: Wenn ich einen Text (wie ich durchaus versucht habe) durch plane, ob nun detailliert oder weniger detailliert, habe ich letztlich die meisten Entscheidungen einer Figur festgelegt- und kann diese nur in einem bestimmten Rahmen variieren oder ändern ohne die Planung aufzugeben. Die Frage, mit der ich mich einem Text nähere, ist beantwortet.
Ich wähle Figuren jedoch in der Grundsituation am Anfang des Romans aus, und lasse diese Figur sich während des Textes sich entwickeln, natürlich nicht völlig frei (weil ich dann nie einen Text beenden würde), aber in einem weit über den in einer Planung vorgesehenen Rahmen, im Rahmen meiner Frage. Für mich ist die Entwicklung der Figuren (zu dieser Frage) zentraler Teil meines Romans und ich begleite meine Figuren, ich versuche sie nicht in einer Planung zu halten, sondern passe die folgenden Textteile an- sofern das meinen Roman trägt und die grundlegende Idee weiterführt.
Diese Dynamik ist für mich im Schreibprozess unerlässlich, weil sie Grundelement des Prozesses ist. Deshalb schreibe ich keine Geschichte, bei denen mir diese Dynamik durch eine Planung vorgegeben ist, egal wie gut diese Geschichten sind. Weil ich mich über eine Frage dem Text nähere und zum Schreiben immer wieder diese Frage brauche. 

Donnerstag, 13. Mai 2010

Zoobesuch mit Leihkind

Um als Erwachsener Mensch in den Zoo zu fahren, braucht man entweder einen Grund oder ein Leihkind. Die übrigens den enormen Vorteil haben, dass man sie müde gespielt und mit voller Windel zurückgeben kann, bevor man nach Hause fährt. Eigene Kinder wären da schwieriger. Aber was wäre denn ein guter Grund, um als Erwachsener in den Zoo zu gehen: Die Spinne oben bei der Terrarien, die (oder eine Vorgängerin), die damals schon ihr Eigenleben außerhalb eines Terrariums fröhnte und so für manchen (Kinder-)Schreck verantwortlich war. Oder die Erdmännchen (Und Erfrauchen), die sich dicht am kalten Tag unter der Lampe zusammenkauerten und mitleidig zum frierenden Wachposten hinübersahen. Vielleicht sogar die Gorillas und Bonobos, die den Menschen eine ungefähre Vorstellung geben, warum die Menschen einen evolutionären Vorteil ihnen gegenüber hatten- denn diese Wesen sind zu sanft, um alle anderen zu verdrängen (meistens jedenfalls), bei den Gorillas zudem noch zu lange mit Futtersuche beschäftigt und bei den Bonobos durch Sex einfach zu ausgeglichen. Klar ist diese Momentaufnahme unwissenschaftlich, sondern Eindrucksgebunden.
Wie auch immer, ein Zoo ist inspirierend: Wer einmal eine Gruppe von zwei- dreijährigen Kindern auf sich zugewankt sieht, wird nie wieder George Romero ernst nehmen können. Wer das Interesse eines Kindes für die Blätter auf dem Boden annimmt, wird die Welt ganz anders sehen- und die große Geste eines kleinen Mannes verstehen, der die Erwachsenen umahmen wollte, alle Erwachsenen, weil die alle irgendwie groß sind und nach Mama aussehen, wobei, vielleicht auch nach Papa. Und das ein Feuerwehrauto einfach das Beste ist und alle Wesen, die nach Katze aussehen, auch wenn sie Waschbären sind, Lilly wie die Nachbarkatze heißen. Übrigens sind Bären bis auf die kleinen Maskenträger Fellträger, die sich nicht ins Diesige trauen, die sanftmütigen Javariesen in Orange ordentlich marleyzottelich und Pinguine in Kinderbüchern viel interessanter als in Echt.
Die Welt ist so viel größer, wenn man kleiner ist und sich über sie noch wundern kann. Das ist doch ein Grund sich ein Kind zu leihen, um in den Zoo (oder irgendwo anders hin) zu gehen.

Montag, 10. Mai 2010

Eskalation

Manchmal führt man als Autor einen Konflikt auf einen Höhepunkt, um dann festzustellen, dass die Aussicht ein wenig beängstigend ist. Denn eines dürfte den meisten Menschen klar sein: Solange wir mit unseren Tastaturen auf sicherem Anstieg uns hocharbeiten, ist das alles sehr einfach. Denn schließlich leben wir alle auf diesem sanften Anstieg, der uns den Weg über den Berg verstellt und manchmal rutschen wir auch ab. Die Vorstellung das wir immer an einem Sicherungsseil hängen, ob nun über Versicherungen, Fernhalten von bestimmten Dingen und vieles mehr gibt uns das Gefühl, dass der Anstieg viel sicherer ist. als er wirklich ist. Das ist einfach beruhigend, weil Ignoranz eben da sehr hilfreich sein kann, genau wie die Imagination der Sicherheit.
Nun ist es aber das Wesen eines Romans manchmal eben aufzudecken, das wir Menschen jederzeit fallen können und das es beim Aufstieg und Abstieg schroffe Felshänge gibt, Fallhöhen und das die Sicherungen uns meistens eben nicht halten, sondern nur den Fall ein wenig auspolstern. Das wissen die meisten Menschen.
Aber das wir gerade auf der Spitze eines Berges gerade am tiefsten Fallen können, wissen die meisten Menschen nicht. Triumph und Niederlage sind genauso Brüder wie Schlaf und Tod. Denn gerade eine große Leistung ist immer auch ein Punkt in unserem Leben, den wir nur selten wieder erreichen können. An dieser Leistung werden wir danach immer wieder scheitern, weil wir eben nicht wie einige Bergsteiger alle 8000er besteigen können.
Ich habe meine Figur mit großen Fallhöhen den Berg hoch geschickt und weiß, dass nun der Fall kommen wird. Aber irgendwie habe ich seit drei Wochen Angst vor dem Fall, weil es eben ein großer Fall ist- und bei meiner Hauptfigur ein Fall durch Eskalation.
Um Figuren zu schaffen, die wirklich wirken (ohne es letztendlich zu sein), greifen wir immer auf unsere Erfahrungswelt zurück, ohne uns auf unsere eigenen Erfahrungen zu begrenzen, sondern diese als Basis auch für Übertragungen zu verwenden. An manchen Momenten im Schreiben kommt man sehr dicht an die eigenen Grenzen, die ja bei jedem Autor an einer anderen Stelle liegen. Ich muss für mein Romanprojekt wieder einmal über diese Grenzen hinausgehen, um meiner Figur zu folgen und werde dabei Dinge sehen, mir vorstellen, schreiben, ausgestalten, die mir gar nicht gefallen. Die mich belasten und etwas über mein persönliches, manchmal dunkles Menschenbild sagen. Deshalb bin ich seit drei Wochen diesen Szenen ausgewichen und habe sie durch den Zufall glattgebügelt.
Nur hilft das weder mir, noch meinem Roman, im Gegenteil. Eine Figur oder den Autor zu schonen führt zu einem Roman, der verlogen ist, weil man sich für die eigenen Annahmen und Geschichte blind stellt. Ich habe meine Figur gewählt und werde letztendlich mit ihr in ihren Fall hinabsteigen müssen- oder die Geschichte aufgeben.
Nur das letzte kann und werde ich nicht. Weil das für mich etwas mit Respektlosigkeit vor meiner Figur zu tun hätte.
Deshalb versuche ich nun durchzuatmen, mir die Notwendigkeit immer wieder zu versichern, und werde die Szene so eskalieren, wie sie es benötigt, nicht mehr und nicht weniger. Der Fall beginnt.

Samstag, 8. Mai 2010

Leistungsschutzrechte für die Holzmedien

Heute kann man bei iRight.info die Gesetzesvorlagen als pdf von Presseverlagen und den Journalistengewerkschaften für ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage einsehen, die iRight zugespielt worden ist. Das Lesen lohnt sich auch für Schriftsteller, denn für E-Books wird wohl irgendwann auch ein solches Schutzrecht folgen oder zumindest angedacht werden. Denn wer soll sonst die Verlage sonst vor der elektronischen Vervielfältigung schützen??

Freitag, 7. Mai 2010

Vierzehn Tage

Manchmal passiert etwas, wodurch man den Boden unter den Füßen verliert. Und dann kann es schon mal einen Moment dauern, bis man wieder fest mit dem Boden verwurzelt ist.
Ich habe über viele Jahre Pen&Paper Rollenspiele mit einer Gruppe Freunde gespielt und das genauso interessiert wie engagiert. Von diesen Erfahrungen zehre ich noch heute als Schriftsteller. Nun, ich war auf der Rollenspielconvention in Köln, einfach um mal wieder als Heinrich VIII. ein Metchen kennenlernen zu können, mit Freundin übrigens, und habe dort fatalerweise die Computerspielausgabe des Pen&Paper Rollenspiels gefunden. Fast 10 Tage lang war ich eigentlich neben dem aufs Mindestmaß reduzierten Leben nur noch am Computer.... bis ich irgendwann festgestellt habe, dass mein Leben eigentlich anders funktioniert. Das ich inzwischen lieber schreibe, als an einem Computerrollenspiel die notwendigen Schritte abzuhaken. Auch wenn es eine sehr gelungene Adaption der Pen&Paper-Ausgabe war.
Nun. ich wollte dann Dienstag wieder mit dem Schreiben anfangen und habe das Spiel deinstalliert. Nur habe ich dann wieder den Boden unter den Füßen verloren und mir den Fuß so verknackst, geprellt oder verstaucht, dass ich bis gestern keinen Meter mehr ohne Schmerzen laufen konnte. Mein lieber Neffe hat mich deshalb fürchterlich ausgelacht, weil ich mir dieses Jahr den anderen Fuß ja schon gebänderrisst hatte.


Nun bin ich aber wieder da, ganz ohne Rollenspiel. Und habe eine wichtige Lektion gelernt: Wenn man den Boden unter den Füßen verliert, sollte man danach ganz vorsichtig auftreten, erst einmal.