Sonntag, 28. Februar 2010

Warum das Feuilleton so selten über Unterhaltungsliteratur berichtet...

die Aufgabe des Feuilleton (und einiger Büchersendungen) ist es nicht Bücher zu besprechen, sondern, siehe z.B. Wikipedia, über kulturelle Ereignisse, Entwicklungen und Neuheiten zu berichten. Im Rahmen dieser "Berichterstattung" werden Texte besprochen, die eine ähnliche Zielsetzung wie das Feuilleton verfolgen: Also mit einer literarischen (statt wissenschaftlich oder journalistischen) Herangehensweise sich mit Fragen der Kultur, der Gesellschaft, von Gruppen oder Einzelpersonen im Rahmen von Gegenwart oder Vergangenheit, von sozialen, kulturellen oder politischen Situationen, von Fehlentwicklungen, von allgemeinen Lebensfragen und mehr beschäftigen.
Natürlich gibt es auch viele Unterhaltungsromane, die sich damit beschäftigen- die Herangehensweise, der sprachliche und wahrnehmungsgestützte Zugang, die Intensität der Betrachtung unterscheiden sich aber. Bücher aus dem Raum Unterhaltung werden deshalb durchaus auch im Feuilleton besprochen, aber halt nicht als reine Buchkritik, sondern genau im gleichen Rahmen wie die "Anspruchstexte", wenn sie dies trage, oder als eigene, kulturelle Phänomene wie "Harry Potter" oder die "Twilight"/ "Bis(s) zum Morgengrauen". 
In den meisten Zeitungen (je nach Zielsetzung) gibt es über diese Kulturbetrachtung im Feuilleton aber auch klassische Buchbesprechungen, die aber meist in anderen Teilen positioniert werden, z.B. im Bereich Kultur. Und im Fernsehen werden unendlich oft Unterhaltungsbücher beworben, besprochen oder empfohlen.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, warum im Feuilleton keine Unterhaltungsbücher besprochen werden. Sondern warum einfach nicht die ureigenste Zielsetzung des Feuilletons und der Büchersendungen, die Bildung der Leser über die Teilhabe an kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen Entwicklungen einer Gesellschaft zu bilden, um sie zu mündigen Bürgern zu machen, keinen eigenständigen Wert mehr darstellen soll.
Feuilleton und anspruchsvolle Büchersendung sind Nischenprogramm. Sie sind aus verkaufstechnischer Sicht kaum wirklich interessant, von wenigen Ausnahmen wie Grass und Walser einmal abgesehen.
Es gibt in Deutschland überall Werbung für Unterhaltungsliteratur, Buchbesprechungen, Gespräche über Unterhaltungsliteratur, Lesungen, Fernsehpräsenz, .... . Warum auch noch im Feuilleton? Schließlich fordern ja auch "Anspruchsliteraten" keine Buchbesprechung in der Art des Feuilletons in der Bild, in der Fernsehwoche, der TV-Zeitschrift oder zwei Meter Aufsteller für die Biographie von Grass mit seinem neuen Werk. Das würde dort nicht funktionieren, weil Zielgruppe, der Rahmen der Präsentation und vieles mehr nicht passen würden.
Bei der Süddeutschen und anderen Zeitungen gibt es aber zu den Buchmessen und immer wieder während des Jahres Magazine, Buchbesprechungen im Feuilleton oder im Kulturteil, wo durchaus Unterhaltungsliteratur besprochen wird. Aber ebenfalls für die Zielgruppe, im richtigen Rahmen... und klar ist das nicht so viel. Umgekehrt ist es ähnlich: Walser ist nicht wegen seines Romans in der Bild, sondern wegen Skandalen und Streitigkeiten, weil er eine Person des öffentlichen Lebens ist. Und was von seinen Büchern oder von anderen Anspruchstexten dort besprochen wird, hat mit Skandal zu tun, Sex oder mit anderen Themen außerhalb der Literatur.

Das könnte eine Verteidigung des Feuilletons sein. Es ist aber keine Bestandsaufnahme, die etwas anders ausfallen würde. Denn irgendwie haben sich die Feuilletons auch ein wenig von der Gegenwart abgekoppelt und sind durch Renditeerwartungen und Zeilenhonorare eindeutig ausgeblutet. Aus einem Chronisten und Debattenträger Feuilleton ist heute ein Debattennachverfolger geworden, der das Internet nur als Risiko, und nicht als möglichen Kulturträger und Chance wahrnimmt. Scahde...

Donnerstag, 25. Februar 2010

Jonathan Lethem in Literaturen über das Plagiat (Debatte über das Plagiat)

Im Juni 2007 hat Literaturen eine eine gekürzte Übersetzungen von Jonathan Lethem Artikel aus Harper`s Magazin "The ectasy of influence: A plagiarism" veröffentlicht "Autoren aller Länder: plaggiert euch". In diesem Artikel geht es um die Frage des Urheberrechts, um Zitate und Übernahmen in der Literatur, um Collagen und Diebstahl- und das alles in der wunderbaren Sprache Lethems, der das alles aus seiner Sicht beschreibt, hinterfragt und unglaublich viele Fragen stellt (und einige sogar vorläufig beantwortet). (Danke an den Perlentaucher für den Hinweis unter sonstige Medien auf Lethems Artikel).

Ein Hund, ein Unfall und die Bänder laufen nicht mehr mit

Ein harter Winter bricht nicht unsere Erderwärmungs-Erwartungen, sondern auch so manche Arme, Beine, Knochen. Ein maligner Winter reisst nicht nur die Gedanken in Fetzen, sondern auch die ungeschützten Hände und Knie, geworfen, von der Wucht der eigenen Bewegungen in einer tiefgefrorenen Welt. Schützen kann man sich vor vielem, vor allem jedoch nicht: Sicherheit ist trügerisch, wie die gefrorenen Schmelzbäche in der Nacht. Aber es gibt Verpflichtungen, es gibt Verantwortung, alles Kategorien, die genau wie Moral ein wenig totalitär sind, weil sie weder Wind, noch Wetter, noch Zustand oder Geschmack berücksichtigen.
Ein alter Hund muss seine Nase in den Schnee und nicht nur darein stecken, weil seine Welt aus Gerüchen besteht, den eigenen, den fremden, aus gelbem Schnee und braunen Haufen. Jemand muss den Hund begleiten, weil ein Hund sich in einer technologisierten Welt immer noch auf seine alten Sinne verlässt, die Autos in der Fahrt nicht erkennen, Eigentum, Vorschriften zur Hundehaltung oder Kotabsatzplätzen. Und weil ein Paar manchmal gemeinsaem einsam sein will, gehen zwei mit. In einem harten Winter muss es immer Schnee sein, der den eigenen Fall beschleunigt, oder Alkohol und eine rote Ampel. Deshalb sieht man nicht mehr, was man noch sehen sollte.
Ein abgesenkter Bordstein, und man fällt über die eigene Vorsicht und wird hin gerissen.
Die Bänder sind genauso durch, wie der Spaziergang.
Nun will der Hund nicht mehr ohne ihn gehen und bleibt vor der Haustür sitzen, wenn sie ihn in seine Welt begleiten will. Komischer Hund, der an Plastikorthesen schnüffelt und vor Klotüren weint. Komischer Mensch auf zwei Beinen und zwei Krücken, mit zerschnittenen Socken und gedemütigtem Gang. Komisches Paar, alle beide, auch mit der Frau.
Moral der Geschichte: Verstellte Sinnlichkeit bei Mensch und Hund. Bänder reissen, Verbindungen manchmal auch. Aber nicht immer.

Sonntag, 21. Februar 2010

Debatte: Literatur und Copyright

Eine Debatte beginnen immer an einem bestimmten Punkt, an dem eine bestimmte Sichtweise in Frage gestellt wird. In den letzten Jahren wurde immer wieder Gerichtsprozesse berichtet, in denen ein Autor mit einem erfolgreichen Roman verklagt wurde, weil er entweder Ideen (Dan Brown: "Sakrileg"/ "Da Vinci Code" wegen der Übertragung des Grals auf auf eine Blutlinie),  Textzeilen (Helene Hegemann "Axolotl Roadkill) oder ganze Handlungsstränge (Eric Emmanuel Schmitt: "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran"/ "Oskar und die Dame in Rosa"; Jens Lindner: "Döner for one") übernommen haben soll, oder bei seinen Recherchen umfangreich auf Material ohne Nennung und/oder Zustimmung des Urhebers (Frank Schätzing: "Der Schwarm" oder über die eigentlichen Fakten hinaus bis hin zu eigenschöpflichen Elementen zugegriffen haben soll (Andrea Maria Schenkel: "Tannöd"). Nur Jens Lindners Roman musste wegen eines weitgehenden Plagiats zurückgezogen werden, in allen anderen Fällen einigte man sich aussergerichtlich oder ein Gericht sprach den betroffenen Autoren das Recht zu.
Immer im Raum stand aber der Vorwurf eines Plagiats...

Aber was ist ein Plagiat überhaupt?? Als ehemaliger Student der Germanist wendet man sich natürlich an den Fachmann: Gero von Wilpert "Sachwörterbuch der Literatur"
"Plagiat: (franz. zu lateinisch plagium= Menschenraub): Diebstahl geistigen, bes. literarischen Eigentums durch unbewusste oder unerlaubte Wiedergabe von Werken, Teilen daraus, Motiven und Gedanken eines anderen ohne Nennung des Urhebers (...)".
Etwas weiter findet sich aber eine zentrale Aussage Wilperts zum Plagiat, wenn er darauf verweist. dass ein Plagiat ist, wenn jemand mit "fremdem Geistesgut Ansehen verschafft", während es kein Plagiat sei, wenn "Anleihen vei anderen in ein fest geschlossenes Weltbild übernommen werden, Anregungen eigenständig verarbeitet und eingeordnet werden und diese zum Teik der Vergessenheit entrissen werden und wieder wertvoll gemacht werden.

Wenn man Gero von Wilpert wörtlich nimmt, dann ist es eine Selbstverständlichkeit Quellenangaben zu machen, gleichzeitig entsteht das Plagiat nicht durch den Diebstahl alleine, sondern erst, wenn diese plagierten Stellen eben nicht eigenständig verarbeitet und eingeordnet werden. Hier ist ein zentraler Unterschied zu der Vorstellung erkennbar, die in vielen der Gerichtsprozessen steckt.
Ein Plagiat ist immer nur eine Art "Nachbau" eines Textes- und genau das wird als Diebstahl definiert. Das Zitat selber ist zweifelsfrei in den Augen Wilperts erlaubt, wenn es eben kein Nachbau, sondern eine Interpretation ist.

Wenn man Wilpert einmal interpretiert, dann kommt man zu Picasso: "Gute Künstler kopieren, große Künstler stehlen", zumindest wenn man dann noch ergänzt: schlechte Künstler plagieren.
Denn für ein Plagiat ist nicht entscheidend, ob Texteelemente oder Textzeilen wörtlich übernommen werden, sondern wie diese Stellen in einem Werk angeordnet, verwendet und eingeordnet werden. Ein Plagiat ist es dann, wenn die Texte eben einfach übernommen werden, ohne ihnen eine aus dem Werk übertragene Interpretation, Einordnung oder Deutung hinzuzufügen. Wenn also eine eigene Schöpfungshöhe des Autoren bei der Verwendung der Zitate fehlt.
Übrigens hat die Schöpfungshöhe des ursprünglichen Werkes auch eine Bedeutung für die Einordnung des "Zitierens". Wer für einen Roman ein Sachbuch übernimmt, der sollte selbstverständlich darauf verweisen. Aber die Schöpfungshöhe eines Sachbuchs ist anders zu bewerten, als die eines Romans- und jeder Roman hat eine eigene Schöpfungshöhe.
Die Autorin von Tannöd hat vieles aus einem Sachbuch übernommen, aber ihr Roman ist eben nicht nur eine Analyse eines Mordfalls, sondern ein Roman mit vielen weiteren Motiven. Somit sind die Übernahmen eben kein Plagiat. Die Idee den Gralsmythos als eine Blutlinie von Jesus Christus und Maria Magdalene zu betrachten, mag ihre wissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Vorbilder haben, die Idee ist aber generell nicht schützenswert. Wer wie Eric Emmanuel Schmitt einen Roman ausplündert, um aus diesem Roman seine eigenen Geschichten zu entwickeln und dabei Personen, Handlungsketten und Dialogfetzen übernimmt, gerät an die Grenze, weil die Schöpfungshöhe des ursprünglichen Textes hier in Teilen mitübernommen wird- und die Interpretation und Einordnung eher gering ist. Bei Jens Lindner ist es ganz klar: Wer abschreibt, statt zu interpretieren, plagiert.

Wenn man also über ein Plagiat spricht, dann geht es um mehr als nur Zitate und Übernahmen. Aber das geht leider im Moment noch unter.

Montag, 15. Februar 2010

Axolotl Roadkill, mal anders

Eigentlich wollte ich über diesen Roman und seine Autorin vorerst nichts mehr posten, im Sinne von schreiben.
Deshalb hier nur zwei wunderbare Videos mit "Leseproben":



Wer einen Roman schreiben möchte, sollte wissen, dass...

Heute findet sich in der Zeit ein Artikel aus dem gedruckten Tagesspiegel "Clubkultur und Romane. Die Sprache der Nacht. Helene Hegemann, Airen, Rainald Goetz und das flüchtige des Pop: Warum sich Literatur und Clubkultur nicht vertragen." Einfach interessant zu lesen!

So langsam entsteht eine Debatte, hoffentlich ( anläßlich Hegemanns "Axolotl Roadkill")

In der FAZ am Sonntag steht ein lesenswerter Artikel von Volker Weidermann "Plagiatsfall Helene Hegemann. Es wäre jetzt Zeit für einen Neuanfang." , der sich mit einem interessanten Phänomen beschäftigt: Wie literarischer Hype in Häme, in Hass und persönlicher Ablehnung umschlagen können, bis das eigentliche Buch völlig verschwindet.
Denn die Diskussion über die übernommenen Textpassagen des Bloggers Airen haben offensichtlich den Blick der Kritiker und vieler Leser für die eigentliche Leistung des Romans verstellt, die eben nicht alleine von diesen Stellen abhängt: Ich zitiere noch einmal "Plagiatsdebatte "Axolotl"" von Andreas Kilb: "Denn in der Literatur geht es nicht um das Leben, das in die Bücher fließt. Sondern um das, was aus ihnen herausströmt".
Die Art und Weise, wie nun vermutet, unterstellt, missdeutet wird, finde ich (und glücklicherweise nicht nur ich) manchmal sehr beschämend. Genau wie ich die Vorgehensweise der Autorin in Urheberrechtsfragen übrigens für falsch halte, wenn ich dies auch anders bewerte, als viele Blogger und Journalisten.

Da sich inzwischen der ätzende Spott und die erdrückende Häme langsam abklingen, habe ich die Hoffnung, dass die eigentlich interessante Debatte dahinter wirklich geführt werden wird. Denn die eigentlich wichtigen Fragen sind nicht die inzwischen geregelten und bekannten Plagiatsvorwürfe, sondern andere.
1. Warum besteht in der deutschen Literaturkritik immer noch die Annahme, dass der Inhalt eines Romans mit dem Erleben des Autors/ der Autorin identisch ist? Dies wird z.B. bei Volker Weidermann und vielen anderen deutlich, wenn diese immer wieder derartig auf die Biographie der Autorin zurückgreifen, bzw. über biographische Details argumentieren. Andere Journalisten und Kommentatoren arbeiten sogar mit Unterstellungen über die Biographie der Autorin.
2. Warum wird die Diskussion über Literatur und Plagiat/ bzw. Übernahme von Textpassagen immer mit der Idee eines Leistungsschutzrecht für Zeitungen verwoben- denn beides gehört nicht unter einen Deckel.
3. Warum wird Hegemanns Roman derart auf seine sexualisierte Darstellung reduziert?
4. Warum muss Helene Hegemann bei jeder Textpassage wissen, ob sie die geschrieben hat? (Wobei unterstellt wird, dass sie, wenn sie es nicht weiß, sie auch nicht geschrieben hat). Wenn man mir kurze Passagen aus einzelnen Texten vorlesen würde, könnte ich bei einem Großteil der Ausschnitte diese ebenfalls nicht einordnen. Bei manchen wüsste ich nicht mal mehr, dass ich sie geschrieben habe.

5. Warum darf man diesen Fall nicht mit anderen Plagiatsfällen der Geschichte vergleichen?? Wenn ich für einen Text recherchiere suche ich mir auch bestimmte Formulierungen heraus, die ich besonders passend und beschreibend finde- wenn sie keine große Schöpfungshöhe haben. Als Beispiel: "Das geht gar nicht." oder andere Sätze aus dem normalen Sprachgebrauch, die minimal abgewandelt sind. Ich würde auch durchaus besondere Neologoismen verwenden, wenn diese besonders treffend sind- dann aber wenn möglich und bekannt auf die Herkunft verweisen.
Und Hegemann hat zwar Sätze von Airen übernommen, diese ergänzen jedoch nur ihren Text, erweitern die Darstellung und ersetzen sie nicht wie bei anderen Plagiaten. Somit gibt es eine eigene und wichtige Schöpfungshöhe bei ihren Texten, die sie eben mit bekannten Plagiaten der Literaturgeschichte durchaus vergleichbar macht.
6. Wann kommt denn endlich eine Urheberrechtsdiskussion, die bestimmte Neunutzungen des Internetzeitalters ermöglicht und regelt: Denn bestimmte Techniken sind einfach im Urheberrecht nicht vorgesehen und beschädigen nicht die Urheberschaft oder ziehen aus der Nutzung einen Vorteil- sondern sind weitgehend eigenständige künstlerische Bearbeitungen. Hier könnte einfach Regelungen beiden Seiten rechtliche Absicherung uns Möglichkeiten bieten. Andere Techniken berauben Urheber und hier würden klarere Regelungen die Sache "durchsichtiger" für alle Seiten machen- und die juristische Aufarbeitung durch die Urheber verständlicher.
7. Was mich an dieser Diskussion immer wieder geärgert hat: Warum wird Airen immer wieder nur als Blogger bezeichnet und dann sein Buch erwähnt, bzw. inzwischen oft verkürzt vom Blogger Airen berichtet? (Ist das auch eine Form der Abwertung? Ja?)
8. Wo bleibt eine Erklärung von Ullstein hinter seiner Autorin zu stehen und das einmal ganz klar zu begründen, genau wie die Begründung der Buchmesse, warum trotz Plagiatsverdacht an der Nominierung festgehalten wird?


P.S.: Ich habe die vorherigen Postings zu dem "Fall Hegemann" in Teilen überarbeitet, kenntlich gemacht durch Durchstreichung oder Anmerkung mit Datum. Die Gründe sind offensichtlich: An einer Stelle habe ich Helene Hegemann vorgeworfen lieber mit fremden Stimmen zu sprechen, was sachlich falsch ist. Ich bitte dies zu entschuldigen. Bei der Buchmesse klang der letzte (gelöschte Absatz) falsch und traf nicht, was ich eigentlich sagen wollte. Ich habe deshalb etwas ausgeführt und präzisiert.

Freitag, 12. Februar 2010

Den richtigen Ton... eine Geschichte und ihr Metronom

Jeder Autor hat seine Absönderchen, also seine ganz eigene Herangehensweise an eine Geschichte, seine kleinen Süchte und Laster beim Schreiben. Von meiner Fixierung auf den ersten Satz habe ich ja schon ausführlich geschrieben. Ich kann halt einfach keine Geschichte schreiben, wenn mir dieser Satz fehlt, der so viel über eine Geschichte aussagt und den Ton angibt. In meinem Blogeintrag "Feenkotze" habe ich über mein Problem mit meinem abgelegten Roman "Zwischenleben" erzählt, dessen Hauptfigur mit ihrem Ton und Sprachrhythmus mir jeden anderen Roman schwer macht- so stark hat sich beides in meine Schreiben hineingestohlen. Im Prinzip wurde sie so zu meiner Hauptfigur in weit mehr als nur einer Geschichte. Besonders problemtisch waren die Relativsätze, die relativen Einschränkungen und die Vorliebe dieser Figur in ihren Erzählungen Dinge wirklich bis ins letzte auszuwalzen- was sie sicherlich mit ihrem Autor gemeint hatte. Sich zu Distanzieren, am besten durch eine andere Erzählperspektive, schien mir der gangbarste Weg.
Nun, irgendwie komme ich nicht von meiner Ich-Perspektive los, auch wenn ich in diesem Text mehr als nur eine davon haben werde. Denn in der Er/Sie Perspektive fehlt mir einerseits die Nähe, die aber durchaus handwerklich machbar wäre, aber vor allem andererseits der besondere Ton, eine Art rhythmischen Erzählens mit einer bestimmten Dynamik.
Also stand ich vor dem Dilemma, mit der Hauptfigur Laura aus dem Romanfragment "Zwischenleben" auf dem Buckel, und habe mit der Ich-Perspektive einer männlichen Figur experimentiert. Und ich hatte einen unglaublich guten ersten Satz... Aber zwei Figuren waren ziemlich sperrig, als ich sie als Kartenabreißer für meinen Roman gewinnen wollte. Denn beide werden eine Rolle in meinem Roman spielen, beide werden als Perspektiven vorkommen, aber beiden zog es so stark am Eingang ein wenig.
Und dann habe ich es ein wenig gedreht, auf meine eigentliche Hauptfigur, und dann war die Geschichte da. Sofort. Und der Raum, die Beteiligten, ein Aufbau.

Seltsam wunderschön.

Donnerstag, 11. Februar 2010

"Axalotl Roadkill" für den Bücherpreis der Leipziger Messe nominiert...

Heute um 15.42 meldete der Kölner Stadtanzeiger, dass Helene Hegemann mit ihrem Roman "Axolotl Roadkill" für den Bücherpreis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde. Die eigentliche Nominierung Helene Hegemanns fand  bereits in einer Sitzung der Preisjury am 28.01 statt, also bevor die Plagiatsvorwürfe öffentlich wurden. In den Begründungen für diese Entscheidung, siehe die Seite der Leipziger Buchmesse und einem Interview der Jurypräsidentin Verena Auffermann mit dem Deutschlandradio, findet sich die eine oder andere "Überraschung".
Verena Auffermann verwendet die Bezeichnung "Treppensprünge", um einerseits das "überzeitliche" von Hegemann Romans zu bezeichnen und auch den Übersprung von Bloggerkultur, einem "Paradigmenwechsel", indem aus "Chaos Sprache wurde". Das Auffermann erwähnt, in Hegemanns Roman würden "viele notwendige Themen behandelt. Dazu zähle auch das Urheberrecht in den Zeiten des total globalisierten Netzes." Diese Begründung fand ich dann doch sehr mutig. Gleichzeitig verweist sie natürlich auf künstlerische Parallelen zu "Bonjour tristesse" von Francoise Sagan und das ein solcher Roman nur "alle 10 bis 10 Jahre angespült wird".
Auffermann gibt an, dass sie nach den Plagiatsvorwürfen mit Ullstein gesprochen hat. Nachdem Ullstein versichert habe, eine neue Auflage von "Axolotl Roadkill" herauszubringen, indem die übernommenen Stellen kenntlich gemacht und eine Zustimmung der eigentlichen Urheber eingeholt wurde, wäre die Nominierung des Romans weiterhin so gewollt. Dieses setzt die Reaktion des Ullsteinverlags, den Roman nicht zurückzuziehen, sondern die Zustimmung der eigentlichen Urheber nachträglich einzuholen, in ein ganz neues Licht.


Insgesamt kann man zu diesem Vorgang nur noch eines sagen: "Bonjour Tristesse" für den Kulturbetrieb, insbesondere für den Buchpreis der Leipziger Messe.
Als Namenspatron für den Literaturpreis schlage ich übrigens den "Hauptmann von Köpenick" vor, da der gesamte Vorgang etwas "unsagbar komisch und unsagbar lächerliches hat"- siehe den Kommentar der Berliner Volkszeitung im Wikipediaartikel zu den Vorgängen um den Hauptmann von Köpenick. Das ist übrigens kein Werturteil über den Roman von Helene Hegemann, sondern über die Reaktion der Buchmesse.

(Ergänzung am 15.02) Denn in einer derart geführten Diskussion hätte die Buchmesse auf diese Nominierung verzichten müssen, um Autorin und Buch zu schützen. So werden neue Vorwürfe, Anwürfe, Anklagen, Hassreden, Unterstellungen auf die Autorin niedergehen. Und ich persönlich finde es auch wenig günstig gerade bei einem Plagiatsverdacht ein Buch für einen Preis zu nominieren, wenn bisher noch nicht der Umfang des Plagiats bekannt ist. Und eines hätte sich die Buchmesse unbedingt bei einer Nominierung leisten müssen: Eine anständige Begründung, die über die wenigen bekannten Kommentare hinausgeht.

Update Helene Hegemann "Die Stimme, aus der andere sprechen"

In Andrea Dieners Blog "Reisenotizen aus der Realität" findet sich der Hinweis auf ein weiteres vermutliches Plagiat  von Helene Hegemann, das ebenfalls veröffentlicht wurde. Für die Literaturausgabe des Vice hat sie einen Text eingereicht "Die Spiegelung meines Gesichts in der Erschaffung der Welt". Im Verlauf der Diskussion über "Axolotl Roadkill" haben die Verantwortlichen des Vice noch einmal hineingelesen und kommentieren das so "Hegefeuer der Eitelkeit", weil Hegemann Teile eines Kurzfilm von Benjamin Teske als "Inspiration" für ihren Text verwendet hat- der Kurzfilm basiert auf einer Kurzgeschichte von Martin Pages Kurzgeschichte "Un peu de tendress", wie heute auch in der Welt berichtet wird: "Sie kopiert Teile unseres Films".

Immerhin, wie bei "Hegefeuer der Eitelkeit festgestellt wird, hat die Autorin die Verantwortlichen bei Vice gebeten eine Widmung an Benjamin Teske vor die Geschichte zu setzen, was aber bei Vice untergegangen ist.

Offensichtlich stimmen die Aussagen der Autorin über ihre Meinung zum Urheberrecht wirklich so und sind keine Verteidigungshaltung. Offensichtlich spricht Helene Hegemann lieber mit fremder Stimmen, als mit ihrer eigenen, zumindest wenn diese besser klingen und Ideen haben.  (Korrektur meines Eintrags wegen besserer Einsicht am 15.02) wenn diese ihre eigene Stimme verstärken.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Ergänzung zu: "Urheberrecht Roadkill"

Offensichtlich gibt es eine tiefe Verbindung bei Helene Hegemann und ihrem Roman zwischen starkem Aufstieg und der Häme beim tiefen Fall. Denn anders kann ich mir einige Reaktionen in den Zeitungen nicht erklären.

Das Helene Hegemann ein Medienphänomen ist, liegt sicherlich in ihrer Herkunft begründet wie auch in ihren Erfolgen mit einem Theaterstück im Alter von 15 Jahren, das als Hörspiel für den Deutschlandfunk adaptiert wurde, und dem Schreiben eines Jungenddramas, welches in diesem Jahr in die Kinos kam, beides übrigens ebenfalls sehr positiv besprochen. Das das Interesse an ihrem ersten Roman dementsprechend etwas höher war als bei anderen Debütanten, dürfte sich eben auch daraus ergeben. Letztlich beruht der Hype übrigens auch auf einem entscheidenden Theoriefehler der Kritiker, die die Figuren des Romans immer eng mit dem Umfeld der Autorin verwechselt haben und ihn als eine Art Schlüsselroman oder Roman der Nuller Jahre missverstanden haben.

Die Häme beruht übrigens auf dem vorgehenden Hype und verwechselt die Einstellung der Autorin zum Urheberrecht mit dem generellen Schaffensprozess. Denn auch wenn sie Motive, kurze Passagen oder eine handvoll Formulierungen "geklaut hat", kann sie nichts für den Hype. Sie hat einen Roman geschrieben, indem es "copy und paste" Stellen gibt, der aber trotzdem in sich geschlossen ist und ein literarisches Kunstwerk. Die literarische Qualität der Textproben ist sicherlich für eine siebzehnjährige schon bemerkenswert- wenn man die literarischen Vorbilder von coming-of-age Geschichten dieser Art hinzuzieht. Genau das geht leider mit der Häme gerade verloren, genau wie die jetzigen Kritiken diese Autorin und ihr Werk verreißen wollen, statt sie zu besprechen. Übrigens ebenfalls eine Wiederholung des Hype, wo es immer wieder mehr um die Autorin, als um das Werk ging.

Sicherlich kann man die Haltung der Autorin zum Urheberrecht und copy und paste angreifen, aber doch bitte im gebotenen Rahmen. Die Autorin hat einige Medienerfahrung, ist aber trotzdem erst siebzehn. Niemand muss "Axolotl Roadkill" lesen, der das nicht möchte. Aber bitte auch in solchen Fällen sachlich bleiben, sowohl zur Autorin als auch zum Text. Denn genau das fehlt in der gesamten Diskussion und Kritik bisher.
Und auch der Verlag Ullstein macht in der Sache gerade kein gutes Bild. Zwar möchte er die nötigen Rechte für den Abdruck von Hegemann einholen, aber eigentlich müssten sie sich deutlich stärker vor sie stellen, trotz aller Probleme.
Und bitte eines nicht vergessen: Das Vorgehen Hegemanns ist nichts neues in der Literatur, so berühmte Menschen wie Thomas Mann mit dem Zauberberg, Vladimir Nabokovs mit seiner "Lolita" griffen auf bestehende Werke zurück, die sie aber künstlerisch transformierten ohne die Quelle zu nennen. Andere haben auch wörtliche Zitate übernommen. Copy&Paste ist somit kein neues Verfahren, und die Verwendung der Gedanken und Ideen anderer, siehe die Idee der Intertextualität und des Diskurses bei Michel Foucault, sind Bestandteil jeder germanistischer Ausbildung.

Hier übrigens aus der FAZ ein fairer und meine Anmerkung Link dazu: "Plagiatsdebatte "Axolotl"" von Andreas Kilb, der das mit Hype und Häme, und der nun sich völlig wandelnden Kritik zu "Axolotl Roadkill" betrachtet und etwas zu Hegemanns "Copy&Paste" sagt: Zentral ist dort ein wunderbarer Satz zum Unterschied zwischen Airens Werk und Hegemanns Roman, siehe die Leseprobe Airens Blog bei Wordpress; Bücher.de eine Leseprobe von Hegemann): "Denn in der Literatur geht es nicht um das Leben, das in die Bücher fließt. Sondern um das, was aus ihnen herausströmt".  Genau das geht in der Diskussion gerade unter.

Sonntag, 7. Februar 2010

Hegemanns "Urheberrecht roadkill"

Manchmal erscheint ein Buch mit so vielen grandiosen Kritiken, dass es kaum wahr sein kann. Helene Hegemann hat mit "Axolotl Roadkill" genau das geschafft, siehe den Perlentaucher, eine der "treffensten Beschreibungen der Nuller Jahre" (Perlentaucher fasst die Kritik der NZZ zusammen) oder "Hype fähig jenseits der Sex, Drogen und Gewaltphantasien" (frei nach der TAZ). Aber schon im Kommentar der Zeit tauchte der Hinweis auf den Blog "Die Gefühlskonserve" auf, in der es einen Blogeintrag dazu gibt: "Axolotl Roadkill: Alles nur geklaut", indem Hegemann die Übernahme ganzer Passagen aus Airens Blog und dessen Buch "Strobo" übernommen hat.
Heute gibt es im "Buchmarkt" eine Erklärung der Autorin und des Verlages Ullstein dazu: . Hegemann erklärt dort "Das sind Formulierungen und Weltanschauungen und auch einfach bestimmte Floskeln, die mich prägen und weiterbringen in dem, was ich äußern und vermitteln will, und da beraube ich total schonungslos meine Freunde, Filmemacher, andere Autoren und auch mich selbst." Später verweist sie auf die Ablösung des "Urheberrechtsexzess durch das Recht zu Kopieren und Transformieren" und das sie das mit dem Urheberrecht und Legitimität so nicht überdacht hat. Immerhin entschuldigt sie sich dafür Airen und andere nicht genannt zu haben, deren Sätze und Gedanken sie kopiert und transformiert hat (siehe als Leseprobe Airens Blog bei Wordpress, geordnet nach Datum; hier bei Bücher.de eine Leseprobe von Hegemann). Ullstein dagegen ist die Sache nur peinlich und sie werden Geld in die Hand nehmen, um irgendwie die Erlaubnis der Urheber einzuholen.
Insgesamt wird dies nicht Hegemanns Leistung schmälern einen offensichtlich guten Roman geschrieben zu haben. Denn trotz Altersbonus hat sie einen so guten Roman geschrieben, dass es kaum wahr sein kann.
Die Vorgehensweise ist zumindest in die Diskussion über das Urheberrecht einzubeziehen. Denn sie hat offensichtlich an einigen Stellen kompiliert, ohne zu Fragen oder die Personen, wenn jemand anderes bessere Worte oder Beschreibungen gefunden hat,und ich spreche nicht von kleinen Formulierungen. Und auch offensichtlich hält sie diese Vorgehensweise für eine logische Konsequenz.
Na Prost Mahlzeit bei den mexikanischen Schwanzlurchen und dem Urheberrecht.

Samstag, 6. Februar 2010

Literarischer Vatermord

Am 02.02 hat Florian Illies in der Zeit den Artikel "Künstlergenerationen. Vatermord." veröffentlicht. Eine künstlerische Entwicklung, so Illies, bedeutet immer eine Befreiung von den eigenen Vorbildern durch einen "Vater-" oder "Tyrannenmord". Gerade durch die Öffentlichkeit des Mordes haben beide Seiten die Möglichkeit Argumente auszutauschen, abzuwägen und ihre eigenen Entscheidungen zu überdenken oder zu bestärken.

Auf die Literatur bezogen gab es in Deutschland immer wieder einen "Vatermord", ob nun der gezielte Ausschluss von vor dem Krieg erfolgreicher Autoren durch die Gruppe 47, den Vorwurf der "Beschreibungsimpotenz" 1966 von Peter Handke an die Autoren der Gruppe 47 gerichtet und viele mehr. Zu Recht verweist Illies darauf, dass die jungen Künstler, gerade die Schriftsteller, weitgehend auf den "Vatermord" verzichten.
Illies nennt die 68er als einer der Haupthindernisse für den "literarischen Vatermord", weil die Radikalisierung der 68er, die Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse nur ein kleiner Zeitausschnitt sind. Dem folgte bis heute sowohl eine Demokratisierung, eine Veränderung gesellschaftlicher Wahrnehmung und Zustände bis hin zum "Everything goes", während alte Positionen konservativ adaptiert wurden, so wie viele 68er konservativ geworden sind. Und, was oft vergessen wird, die 68er sind sehr stark ein Mittelschichtphänomen, dass seine größte Wirkung genau dort ausübte und zu einer Verengung des Wahrnehmungskreises wurde.
Nun, wie kann man gegen die 68er rebellieren, wenn deren Positionen von einer politisch alternativen, linken Seite zu einer rechten, konservativen Seite changieren und in Werte und Normen keine festen Größen mehr existieren- was nicht heißt, dass es keine Werte und Normen mehr gibt.
Zudem sind die momentanen Verhältnisse nicht gerade einfach für Autoren, die sich für einen "literarischen Vatermord" entschieden haben. Denn in Literaturkreisen hat man es sich bequem um die Mittelschicht gemühtlich gemacht, siehe z.B. Iris Radischs Bemerkung zu Clemens Meyer Text beim Bachmannpreis 2006: "Unterschicht-Kasperletheaters". Die jungen Autoren finden kaum Raum im Feuillton, siehe Jörg Sundermeier in Jungle-World mit dem Artikel "Warum es dicke Bücher heute schwer haben", ein paar literarische 24-Ender wie Günter Grass, Martin Walser und andere beherrschen die wenigen Feuillton und Nachrichtenzeit und literarische Literaturdiskussionen finden in der Öffentlichkeit nicht mehr statt. Und irgendwie fehlen oft die Typen bei den jüngeren Schriftstellern, für die ein "Vatermord" eine Befreiung wäre... es wird lieber der große Wenderoman Nummer x produziert, der zu erwarten ist, zumindest nach Sichtweise des Feuilltons. Aber natürlich gibt es "Vatermörder" und Theoretiker: siehe Florian Havemann, hier eine Kritik im Abendblatt, oder die Kommentare zu Dietmar Dath oder aus der Titanic über Juli Zeh: "Die Allerunausstehlichste. Ein unerledigter Fall in gebotener Kürze.".
Es bleibt zu hoffen, dass die jungen Autoren da nicht der Mut verlässt selber einmal die Klinge tanzen zu lassen.

Montag, 1. Februar 2010

Ein Durchgang im Bergischen....

Hunde sind auch nur Menschen, manchmal. Zweimal hat Bully versucht sich dem Spaziergang durch Flucht ins Warme zu entziehen. Vielleicht aus modischen Gründen, weil das blaue Hundecape dieses blöde Katzenauge auf der Seite hatte. Mit Sicherheit aber wegen der 10 Zentimeter Neuschnee und den bis zu vierzig Zentimeter hohen Schneewehen, die unser Hundeschatz nur durch hoppelnde Hasenbewegungen durchquert hat.
Und ja, der Hund sieht nicht glücklich aus... (das eine Ohr nach hinten, das unglückliche "Lächeln"...)

Von Zwischenlebenblog

Auf jeden Fall war die Stimmung winterlich. Wildgänse flogen über uns hinweg, entweder deutlich zu spät für den Süden oder mit bescheidenem Timing für die Rückkehr, überall standen die Autos und rutschten, während wir Iglos und andere nordische Behausungen in und um den Wald entdeckten.
Wobei, im Winter gibt es viele Dinge nur zu sehen, wenn man wirklich hinsieht:
Hier ein Suchbild mit mindestens elf Wachgänsen am Forellenteich.

Von Zwischenlebenblog

Die Arbeit im Bergischen Land ruht ein wenig... Die Müllabfuhr verzichtet darauf Müll abzuholen und rutscht lieber die Berge hinab, Trekker stellen die überregionale Milchversorgung sicher, indem sie die Milchlaster aus den Gräben holen, die vorwitzig die Milch direkt von der Weide holen wollten, und in den Schulen (und nicht nur dort) gibt es Dachlawinen (sogar mit meinem Lieblingsneffen als Teil einer solchen- glücklicherweise wenig passiert).

Von Zwischenlebenblog

Aber nicht nur die Arbeit ruht. Irgendwie bedeckt der Schnee nicht nur alle Vorgärten und alle Ecken, sondern hat sich schon in die Herzen der Menschen gefroren. Freudig begrüßt man sich beim Schneeschippen und Autos anschieben, jeden Tag, als würde sich all das immer wieder wiederholen, was es auch tut, grimmige Fußgänger mit Hunden springen über die mehr oder minder geräumten Gehwege und Schneewehen und an den Fallspuren im Schnee kann man die wahre Winterfreunde erkennen.
Alles ruht halt, aber nicht nur die stolpernden Menschen, sondern auch Tannen neigen sich zum Winterschlaf über den gefrorenen Wassergraben.

Von Zwischenlebenblog

Dafür freut sich der einheimische Supermarkt über viele neue Kunden. Vor allem über solche, die auf dem geräumten Parkplatz ihr Auto parken wollen, damit sie nach dem Winterdienst nicht mehr einen halben Meter Schnee aus der Einfahrt weg schippen müssen. Aber auch über die anderen, die mit Meisenknödeln bewaffnet versuchen an den hungrigen Amseln vorbei in ihre Häuser zu kommen, wo die einheimischen Spinnen Dankegedichte in ihre Netze weben.
Nur die Kinder freut der viele Schnee, ich sage nur Iglos und neue Rodelpisten auf Bergstraßen. Es gibt vieles neues zu entdecken und Dinge zu machen, die ihren besonderen Reiz nur im Winter haben.

Von Zwischenlebenblog

Wie könnte man einem solchen Wetter widerstehen, wo die Ölvorräte zur Neige gehen und das Streusalz längst aufgebraucht ist. Gar nicht, weil gerade das nächste Sturmtief über das Bergische Land zieht und weitere zwanzig Zentimeter bringen soll. Und der nächste, der mir sagt, dass man im Bergischen keine Winterreifen mehr braucht, soll das mal den Kindern erklären, die auf dem Innenleben der Reifen die Berge runter rodeln...