Montag, 26. Oktober 2009

Wenn man etwas besonders gut machen möchte

Wenn ich gerade einen Moment Zeit habe, versuche ich mein Romanprojekt weiterzuentwickeln.Ich habe inzwischen die Figuren zusammen und die Grundideen mit allerlei Nebenhandlungen entwickelt, zumindest so weit ich so etwas mache. Im Prinzip könnte ich anfangen meine Geschichte zu schreiben....
Wenn da nicht mein Wunsch wäre alles perfekt zu machen. Und da gibt es zwei wunderbare Autoren, die ihrer Geschichte eine besondere Würze verliehen haben, indem sie den üblichen Hintergrund eben nicht verwendet haben. Sie haben sich entschieden einen anderen Hintergrund zu wählen, der ihren Geschichten ein besonderes Flair verliehen hat- eine Vairante der "Alternative History". Also eine Welt, die sich von unserer darin unterscheidet, dass andere Entscheidungen getroffen wurden, Entwicklungen anders ausgegangen sind.
Nun, ich habe also mal ein paar Szenarien durchgedacht, habe mir alte Photos und Stadtpläne rausgesucht, habe allerlei interessante Ideen geplottet.... und natürlich eine ganz Reihe von sehr interessanten Nebenplots gefunden. Die allesamt irgendwie toll waren. Nur haben sie letztlich sehr wenig mit meiner Geschichte zu tun. Die ist von dieser Situation unabhängig.
Und genau das ist es: Wenn etwas nicht notwendigerweise zu einer Geschichte gehört, muss es einen erheblichen Mehrwert haben. Nun muss ich noch klären, ob das wirklich so ist und einige Monate Recherche wert.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Wochenendblog

Man hat immer nur die Zeit für eine Sache, die man sich nimmt. Da ich gerade eine Tätigkeit bis Ende des Jahres angenommen habe, die eine ganze Weile von meinem Wohnort entfernt liegt, komme ich gerade zu Nichts. Das beginnt mit den Körben von Wäsche, die ich gerade durch die Waschmaschine jage, geht weiter mit meinen gesamten Intenetaktivitäten und auch meinem Schreiben.
Aber ich gewöhne mich so langsam dran. Es gjbt also Hoffnung

Sonntag, 18. Oktober 2009

Das Gefühl nicht zu sagen zu haben kommt meistens daher, dass man seine Gedanken nicht ausspricht

Manchmal muss man Dinge aussprechen oder ausschreiben, weil nur Dinge, denen man einen Namen geben kann, wirklich "begreifbar" sind.
Im Moment leide ich darunter, dass ich mit meinen Gedanken zwischen zwei Welten reise, die scheinbar sorgfältig getrennt nebeneinander liegen, ohne sich zu berühren, zumindest erscheint es so. Aber eigentlich liegen sie nicht nebeneinander. Meine Sicht ist von meinen eigenen Gedanken verstellt, ich bin von meinen Meinungen und Haltungen "geblendet". Denn Unterhaltungsliteratur und Literatur unterscheiden sich heute weit weniger voneinander, als man es in den Uniseminaren (und sonstwo) gelernt hat.
Literatur ist nur dann gut, wenn es ihr gelingt uns für einen Moment eben aus unserem eigenen Leben zu reißen und dann einen Blick auf dieses Leben zurückwirft. Sie ist dann gelungen, wenn wir am Ende jedes Textes etwas über uns gelernt haben- über unsere Wünsche und Träume, unsere Wirklichkeit, unsere Umgebung, über Menschen, über das Scheitern und vieles mehr. Sie ist dann groß, wenn sie die Dinge nicht gleich macht, sondern die Unterschiede verdeutlicht, ohne das Trennende überzubetonen und die Widersprüche auszulöschen. Sie ist dann klug, wenn sie uns herausfordert über das um-uns-liegende hinauszugehen, und dann weise, wenn sie uns etwas über uns und andere lehrt. Weise ist sie auch, wenn der Autor mit uns unsere Welt neu entdeckt, unseren Blick weitet, unsere Gedanken von Vorurteilen und Blindheiten befreit, ohne zu moralisieren oder zu ideologisieren... wenn wir also die Freiheit als Leser haben unsere eigenen Schlüsse zu ziehen. Und spannend ist sie, wenn es ihr gelingt uns wirklich in eine andere Welt zu führen.... und uns einläd, an der Hand nimmt, mal an der Nase, mal anderswo, farbenfroh ist, vielfältig, weise, klug, groß, und uns dann mal hetzt, mal mit uns einherschreitet, und dabei eine Geschichte erzählt, bei der wir gerne dabei wären (aus der sicheren Distanz des Lesens).Ein gutes Buch zu schreiben ist deshalb nicht einfach.
Aber Unterhaltungsliteratur kann eben richtig gut sein, weise, klug und spannend. Und Literatur ist oft keines von all dem. Wenn man einfach aufhört sich selber in Schubladen zu legen, die ziemlich oft wie Särge aussehen, wird man mehr entdecken. Denn alles, was nicht betrachtet wird, sondern direkt eingeordnet, verliert seine Lebendigkeit. Man wird blind, wenn man nicht hinsieht. Und deshalb sollte man seine Schubladen oft einfach mal auseinanderschrauben und Platz für freie Blicke und Gedanken machen.

Ich bin gerade dabei... und hoffe auf das Beste

Der Abgesang auf das Buch

Heute habe ich (bei Petra van Cronenburg) einen Verweis auf den interessanten Essay "Von der Zukunft des Buches" von Michael Krüger, Schriftsteller und Geschäftsführer des Hanser-Verlags, entdeckt, das auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung "abgedruckt" ist. In diesem Essay geht es um die enorme Vorstellungskraft, die Druckerpressen auf die einzelnen Seiten drucken konnten.... konnten, weil Michael Krüger auch auf die Zukunft des Buches eingeht, die, nach den gesammelten Zitaten in seinem Essay, wohl im Netz mit seinen unklaren Abrechnungsmöglichkeiten liegen. Es geht aber auch um den Pegasus der Buchherstellung, das "gute Buch" und die Vorstellung einiger Menschen, die Qualität von Büchern sei nur an den Abrechnungsverfahren der Verkäufe zu erkennen. Spannend und witzig...
Apropo Qualität und Verkäufe. Ein wenig über den aktuellen Buchmarkt in dem Artikel "An der Kette" von Birk Meinhardt aus der Süddeutschen Zeitung, indem es um den Geschäftsführer von Talia geht, um größere und kleinere Buchverlage, Querfinanzierung und Bestseller machen, um Literatur und Bücher als Geschäft. Sehr lesenswert, nicht nur im Zusammenhang mit dem Essay von Michael Krüger

Der Umgang mit der Presse

Heute findet sich im immer wieder lesenswerter Blog von Petra van Cronenburg ein ein paar Gedanken "Haarschnitt, Herrenslip, Hilfe!" über den Umgang mit der Presse. Wie immer spannend, witzig und vor allem interessant, um selber mal über das Presse-Ich nachzudenken.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Die Bilder in uns, zweiter Teil

Ich habe heute immer wieder über meinen gestrigen Blogeintrag nachgedacht, weil er mir ziemlich unvollständig vorkam. Denn die Hässlichkeit und die Blindheit für die Leistungen einer Epoche sind eben nur ein Problem bei den Bildern, die wir uns von einer Zeit machen. Ein viel stärkeres Problem sind z.B. die Dinge, die zu einem Bild einer Epoche beitragen, ohne das das uns wirklich bewusst ist.

Die Märchen (nicht nur der Gebrüder Grimm) haben ihren Teil zu diesen Bildern beigetragen, indem die Menschen Märchen mit ihrer Stimmung mit dem Mittelalter verwechselt haben. Dieses Mittelalterbild ist schwarz-weiß, Hexen sind jung und haben rote Haare, oder sie sind alt und haben Warzen.
Die noch erhaltenen Gebäude des Mittelalters, die Kirchen und Kathedralen, die Fachwerkhäuser und Bürgerhäuser stehen für ein anderes Bild des Mittelalters, genau wie die Gemälde, die Kunst und die Waffen. Sie stehen für die Leistungen des Mittelalters und vermitteln uns ganz andere Bilder. Wer einmal im Kölner Dom vor den Fenstern stand, und sich vorstellte, dass die eigene Welt aus einfachen Häusern mit niedrigen Decken und kleinen Fenstern (nur selten mit Glas) bestand, kann sich wirklih einen Eindruck der besonderen Wirkung von einer Kathedrale machen. Ein anderes Beispiel ist die Kunst, die ja immer eine Form der Interpretation enthält und somit auch ein ganz eigenes Bild vermittelt.
Dazu kommen "populäre Mythen", wie z.B. die in der Romantik entstandenen Mythen über die Hexenverfolgung. Denn die Hexenverfolgung hat es natürlich gegeben, nur hatte das z.B. mit der Haarfarben der als Hexen angeklagten Frauen nicht viel zu tun. Auch waren die msisten verfolgten Frauen nicht jung, sondern wohlhabende Witwen. Andere Mythen sind das schmutzige Mittelalter, also dass sich im Mittelalter die Menschen nicht gewaschen haben, das sittenstrenge Mittelalter, Prüderie und lustfeindliches Leben, das Grücht "primae nocte", die Behauptung Adlige hätten in einigen Ländern das Recht auf die erste Nacht mit einer Braut eingefordert, und vieles mehr.
Nun, vor den großen Pestepedemien gab es überall Badehäuser, in denen gebadet, getrunken, gefeiert und gehurt wurde, gemeinsam, statt nach Geschlechtern getrennt. Die Wasserangst kam mit den Epedemien und dauerte vom Barock bis zur französisischen Revolution. Und das Mittelalter war auch nicht lustfeindlich, ich verweise auf die vielen Gänge von Mönchs- zu Nonnenklöstern, auf die Badehäuser und unendlich viel mehr. Und primae nocte gab es nicht, es ist ein Schauermärchen, dass nach dem Mittelalter diesem angehängt wurde.
....

Die Bilder in uns

Gerade diskutiere ich im Montsegur Autorenforum über verschiedene Themen in meinem Spezialbereich, dem Mittelalter: Es geht um den Umgang mit Tieren und die Kindheit im Mittelalter.
Nun, die Meinungen gehen weit auseinander, je nachdem welche Historiker man gelesen hat, welche Bücher und welche Quellen. Denn je nachdem mit welcher Frage und mit welchem Hintergrund man an ein Thema herangeht, hat das Auswirkungen auf das Bild, das man sich auf eine Frage bildet, zusätzlich zu den Historikern und deren Bildern. Und dann kommt noch etwas hinzu, der Zusammenhang. Denn die Dinge stehen immer in Verbindung mit anderen Dingen, mit Menschen, mit der Geistes- und Kulturgeschichte, mit Entwicklungen, Entscheidungen, Geschichte und vielem mehr.
Im Lexikon des Mittelalters kann man nachlesen, dass über 50% der Kinder das 14. Lebensjahr nicht erreicht haben. In einem Gesamtbild des Mittelalters entsteht aus dieser Information ein kleiner Bildinhalt, vielleicht von einigen Milimetern. Interessant wird dies erst durch eine Verbindung zur Familie und dem Familienleben, zum Umgang mit Tod und Krankheit, mit Verlust und Trauer. Wenn man hierzu Informationen über Kindheit und Lebensumstände hinzunimmt, dann entsteht ein größerer Bildinhalt.
Das bedeutet übrigens nicht, dass mein Bild der historischen Situation näher ist als das Bild der anderen. Denn interessanterweise gibt es zwar viele falsche Bilder. Aber ein richtiges Bild gibt es nicht. Jedes Bild ist eine Annäherung von einem bestimmten Standpunkt, ist eine Interpretation und eine Auslese. Die Wirklichkeit kann man damit nicht erfassen, sondern sich nur dieser Wirklichkeit annähern (und auch wieder entfernen).
Das einzige, was ich wirklich bei diesen Annäherungen nicht verstehe, ist die Blindheit für die Leistungen und der fehlende Mut für die Hässlichkeit. Denn jedes Zeitalter ist voller Leistungen und Hässlichkeit. Und viele Autoren vermeiden die Hässlichkeit, um ihre Leser nicht zu erschrecken. Denn Hässlichkeit ist immer eine Zumutung, ist eine Herausforderung und die ist offensichtlich nur selten erwünscht.

Montag, 5. Oktober 2009

Was man nicht mehr sagen oder schreiben darf....

Gerade wird im Feuillton über die Äußerungen von Tilo Sarrazin in einem Interview mit Lettre International diskutiert, siehe z.B. die Welt, wo letztlich nicht Inhalt, sondern Form der Aussagen diskutiert werden. Denn die Aussagen von Thilo Sarrazin beziehen sich auf die konkrete Situation in Berlin. Nun, Thilo Sarrazin spricht Dinge klar an, die vielen Politikern und Menschen bekannt sind- nur würden die sich nie so klar zu diesen Problemen äußern, sondern die Aussagen vielfältig relativieren, um den Medien keinen "Sprengstoff" mit dem Bezug auf bestimmte Ethnien zu liefern. Gleichzeitig steckt in den Äußerungen auch einige Vereinfachungen drin, Verkürzungen, die zumindest im Detail eine Zumutung darstellen, wenn man sich die Aussagen Sarrazins einmal kritisch ansieht..

Parallel wird die Entscheidung des Droste-Verlages bekannt gegeben, der sich mit einer Autorin einig wurde ein Buch über Ehrenmorde nicht mehr herauszubringen, siehe die Begründung im Spiegel und Teile der Stellungnahme des Verlages in BuchMarkt.de, und dann doch über diese einvernehmliche Einigung in die Öffentlichkeit zu gehen.
Hier geht es darum, was eine Figur in einem Roman sagen darf, wenn es einen Bezug zum Koran gibt- weil der Verlag eine Gefährdung des Personals annimmt, weil ähnliches beim Karikaturenstreit geschehen ist.

Letztlich gibt es eine entscheidende Frage in beiden Diskussionen:
Dürfen Probleme mit einer Einwanderungsgruppe klar dieser Gruppe zugeordnet und thematisiert werden? Darf man auch in diesem Bereich polemisch überspitzen oder deutlich Dinge beim Namen nennen? Darf man sogar den Islam durch eine Figur angreifen lassen?
Irgendwie ist die p.c. (political correctness) in den letzten Jahren erst eine Mode geworden, dann ein Zwang. Und spätestens durch den Karikaturenstreit (frühstens seit der Fatwa zu den" satanischen Versen") scheinen Journalisten, Autoren und andere ihre Texte erst auf mögliche Gefährdungspotentiale durch Islamisten quer lesen zu lassen, um einer Gefährung aus dem Weg zu gehen. Das ist für mich als Person verständlich, wie es für mich als Demokraten gefährlich erscheint. Denn wenn unsere Politiker Dinge nicht mehr beim Namen nennen können, werden es andere tun. Und dann wird es gefährlich.Und wenn ich als Autor jede Äußerung über den Islam von Islamwissenschaftlern gegenlesen muss, um Gefährdungen auszuschließen, wird der Islam in Deutschtland nicht mehr in seinen Richtungen und gesellschaftlichen Auswirkungen kritisch begleitet, was ebenfalls an den Rändern gefährlich ist-

Ziemlich bedenklich, das alles.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Im Magazin der Süddeutschen... etwas über "Büchertrends"

Wer schon immer einen Tipp haben wollte, was er vor einem Jahr hätte beginnen sollen zu schreiben, um damit zielgenau einen bestimmten Trend mitzunehmen: Hier im Magazin der Süddeutschen der Artikel "Maschenware. Sieben literarische Trends zum Wegzappen", in der die sieben Trends mit Titel, Standartsatz und vielem mehr vorgestellt werden.

Wie nah darf das Thema und die Figuren sein?

In den meisten Schreibratgebern taucht der (scheinbar) gute Ratschlag auf, über Dinge zu schreiben, die man selber kennt. Denn nach einer einfachen Logik kennt man diese Dinge so gut, dass man relativ einfach über sie schreiben kann, ohne lange Zeit für Recherchen aufzuwenden, von einzelnen Details einmal abgesehen.

Nun, die meisten Mediziner z.B. kennen sich sicherlich in ihrem Fachgebiet aus. Wie aber die Medizin aus Sicht einer Krankenschwester oder einem Patienten aussieht, ist den meisten Medizinern nicht klar. Deshalb kann das eigene Fachwissen den Blick blind für andere Facetten des eigenen Fachbereichs machen. Und vor allem verleitet Fachwissen dazu auf Nachforschungen zu verzichen, weil man ja immer an die Macht des eigenen Wissens glaubt, die meisten Menschen zumindest. Und gerade die Blindstellen des eigenen Wissens sind interessant, die Dinge, die irgendwie gerade erst bei einer Recherche als Widersprüchlich erscheinen. Deshalb ist es oft hilfreich sich für ein Thema zu interessieren und langsam über verschiedene Quellen in dieses Thema einzusteigen. Denn erst durch die untereschiedlichen Blickwinkel entsteht letzlich ein Bild, dass nicht durch einen einzelnen Standpunkt bestimmt wird. Und ja, klar, wer in seinem Fachgebiet sicher und selbstsicher genug ist, um es aus anderen Standorten zu betrachten, die eigenen Meinungen und Haltungen immer wueder zu hinterfragen, der kann auch differenziert darüber schreiben. Einfach ist das aber nicht, auch wenn das gerne behauptet wird.

In solchen Schreibratgebern taucht auch immer wieder der Vorschlag auf, Distanz zu den eigenen Figuren zu halten- meistens in der Form vorgetragen, auf die Ich-Perspektive zu verzichten oder die Figuren nicht zu eng an das eigene Leben anzulehnen. Wenn man sich die Geschichten von vielen Schreibanfängern ansieht, stimmt das in einigen Fällen: verkappte Selbstporträts und distanzlos geschriebene Geschichten, die ihren Protagonisten alle Steine aus dem Weg räumen, indem sie die Konflikte vermeiden. Gerade am Anfang ist es also zweifellos richtig, Distanz zu den Figuren aufzubauen.
Später ist es aber eine ganz schwierige Frage: Denn Distanz oder Nähe zu den Figuren sind gestalterische Mittel, die unterschiedliche Ebenen einer Geschichte in den Mittelpunkt führen. Eine Geschichte kann somit nur durch eine unterschiedliche Akzentsetzung in diesem Bereich eine ganz andere Wirkung bekommen.
Nähe kann dem Leser eine Figur sehr nahe zu bringen und ihm so die Identifikation mit dieser einzigartigen Figur erleichtern. Diese Sicht über eine Figur kann dem Leser eine klare Perspektive auf eine Geschichte bieten, indem der Leser die Geschichte durch eine Figur erlebt. Und es ist leichter sich über die Figuren in eine Geschichte einzuleben, wenn man als Autor stark über die Figuren arbeitet.
Nachteilig ist, dass der Autor durch die besondere Nähe manchmal verleitet wird Konflikte kleiner zu machen oder Figuren zu schonen, gegen das dramatische Konstrukt der Geschichte. Nachteilig ist auch, dass durch die Innenperspektive der Leser viel über die Gedankenwelt der Figur(en) weiß, dass es schwierig wird den Leser zu überraschen und dass alles personifiziert wird. Zudem führt die Nähe zu einer Verzerrung, weil die Nähe eben auch verführerisch sein kann. Und eine Geschichte ist durch die Figurenzentrierung eben zentriert und weniger offen.

Distanz stellt die Handlung, nicht die Figuren in den Mittelpunkt. Durch die Distanz können viele Menschen sich leichter einfühlen, weil sie viel in die Figur hineinlegen können- weil diese Figuren eben nicht so weit ausgestaltet sind. In einer solchen Geschichte kann der Leser durch ganz unterschiedliche Zugänge einsteigen, weil von Beginn an eine Vielzahl von Zugängen in einer solchen Geschichte angelegt sind. Die Figuren gehen aber Lesern und Autoren nicht so nahe, wodurch der Autor einfacher sie in Konflikte schicken kann.
Nachteilig ist, dass die Figuren in solchen Geschichte eben oft schwächer ausgearbeitet sind und den Lesern weniger nahe gehen, sie sind eher Identifikationsbilder als einzigartige Figuren.

Oder anders gesagt: Alles hat seine Vor- und Nachteile. Jeder Autor muss für sich und jede Geschichte einzeln versuchen die unterschiedlichen Nähe und Distanz zu wählen, die für ihn und die Geschichte am besten passt. Wichtig ist halt immer etwas über sich zu wissen, weil man dann auch etwas über sich als Autor lernt- das funktioniert übrigens auch umgekehrt.