Dienstag, 29. September 2009

Warum wir sind, was wir sind...

Wenn ich mich mit anderen Menschen über das Schreiben unterhalte, dann wird immer wieder die Frage gestellt, ob Schreiben etwas mit Exibitionismus zu tun hat. Denn schließlich läd man fremde Menschen ein tief in die eigene Gedanken- und Vorstellungswelt einzutauchen, bis hin zu den eigenen Ängsten und Gefühlen, wenn auch in abgewandelter Form. Das ist alles richtig und es ist falsch.
Denn Schreiben ist viel mehr ein Prozess, der den Schriftsteller tief zu sich selber führt. Denn wer seine eigene Gedanken- und Vorstellungswelt für fiktive Geschichten in Bilder umsetzen möchte, wird eines zu erst feststellen. Unsere Gedankenwelt besteht aus Widersprüchen und Beobachtungen, Haltungen, Meinungen und Vorurteilen und ist durchsetzt mit unendlich vielen Blindstellen- also Dingen, die wir weder Beschreiben, noch benennen können, weil wir uns nie mit ihnen auseinandergesetzt haben. Diese Blindstellen müssen durch Recherchen und Beobachtungen aufgefüllt werden, damit wir sie benennen können und eine Sprache für sie finden. Denn die Welt ist ein unerforschter Ort für uns einzelne Menschen, weil wir einfach viele Dinge nicht sehen und hören wollen- mit Ausnahme der Kunst. Denn im Raum der Kunst gibt es eine besondere Gelegenheit: Dort an Orte zu gehen, Dinge zu sehen und zu entdecken, die wir sonst nicht erfahren, in einem geschützten Raum, ohne selber dorthin gehen zu müssen.
Nun, Schriftsteller müssen oft genug an diese Orte gehen und eigene Erfahrungen machen, um diesen Raum der Kunst zu schaffen. Aber das reicht nicht aus. Diese Dinge müssen durch die Gedanken- und Vorstellungskraft erst noch neu erschaffen werden, wieder erschaffen, zu fiktiven (und dennoch echt erscheinenden) Möglichkeiten werden. Dabei ist das Schreiben ein Weg, kein Ziel, ein Weg zu sich. Natürlich ist es auch eine Einladung an andere mitzukommen und diesen Spuren zu folgen- aber es ist halt ein Weg und kein Vehikel.
Denn das ist es nur, wenn der Schriftsteller nur genug Gedanken- und Vorstellungswelt hat, um die schwarz-weiß Kopie eines anderen Schriftstellers ein wenig auszukolorieren. Dann sind Texte nur Texte und keine Wege, Schreiben ist kein Weg zu irgendetwas, sondern nur ein Wegweiser, der zu berühmten Vorgängern hinweist.

Montag, 21. September 2009

Ein Absturz

Anscheinend habe ich bei jedem meiner Romanprojekte einen dieser Momente: Wenn anscheinend alles gut
oder zumindest in Ordnung zu sein scheint, schreibe ich mich in einen Abgrund. Und dieser Abgrund hat fast immer was mit dem Haupthandlung zu tun, denn die restlichen Dinge sind alle richtig durchgeplottet. O.k., vielleicht ist der Anfang noch nicht optiomal, aber da ich gerade nichts optimales zur Hand habe, kann ich auch nicht noch Wochen warten.
Ich habe auch raus, was genau fehlt: Ich habe eine ganze Menge Plots für die Figuren, einzelne Handlungsstränge, aber irgendwie fehlt eine Klammer, um all das zu verbinden- von der Verbindung über die Figuren (und anderes) einmal abgesehen. Etwas, was aus den vielen gelungenen Elementen letztlich ein Ganzes macht. Und natürlich muss ich erst in einen Abgrund fallen, um genau das zu erkennen. Mist.

Donnerstag, 17. September 2009

Eine neue Idee zum Urheberrecht (DPP/CRM)

Ich habe in den letzten Monaten immer wieder etwas über die "Krise des Urheberrechts" geschrieben, jedoch ohne eine Alternative nennen zu können. Deshalb verweise ich jetzt und hier auf "ars technica", wo Nate Anderson über eine Studie über DRM (digital rights management) und CRM (consumers rights management)/ DPP (digital personal property) geschrieben hat.
Die Idee des DRM basiert darauf, dass durch einen Kopierschutz der User nur die vom Urheber oder Verleger erlaubten Dinge mit dem erworbenen Produkt machen kann. Wenn der Urheber oder Verleger nun eine Kopie verbietet bzw. dem User nur den Zugang zu einem Produkt erlaubt (ohne im das Produkt selber zugänglich zu machen), hat der User keine legale Möglichkeit das zum umgehen. Er kann also nicht wie bei einem Buch dieses einfach verleihen, er kann vielleicht nicht einmal eine Sicherheitskopie machen oder verliert irgendwann den Zugang zum Produkt, wenn es den Anbieter nicht mehr gibt. Das ist für den Kunden äußerst umständlich, weil er praktisch in seiner Nutzung stark eingeschränkt wird.
Die bisher genannte Alternative ist open source, also die Erlaubnis ein Produkt zu benutzen, weiterzugeben und eventuelle sogar zu bearbeiten, sofern der Urheber genannt wird und dieses neue Produkt oder das alte nicht kommerziel verwendet wird. Bei Kunst würde also der Urheber anders bezahlt werden müssen, siehe die Idee einer Kulturflatrate, Stipendien oder Spenden.
Die in diesem Artikel genannte Idee ist der CRM (consumer rights management)/ DPP (digital personal property). Im Prinzip geht es darum einen digitalen Inhalt durch Technologie mit ähnlichen Verwendungsbedingungen wie z.B. einem Buch zu versehen.
Das funktioniert, indem die Inhalte mit einem verschlüsselten File, dem eigentlichen Inhalt, und einem Zugangsschlüssel (playkey) verkauft werden. Der Inhalt kann frei an Freunde und andere weitergegeben werden, die diesen nutzen können, sofern sie über einen Link zum Zugangsschlüssel verfügen.
Der Zugangsschlüssel kann nicht kopiert, sondern nur verschoben werden. Wenn der Besitzer das E-Book z.B. verkaufen oder verschenken möchte, dann kann er das. Gleichzeitig kann jeder, der auf den Zugangsschlüssel zurückgreifen kann, diesen auch zu sich verschieben und damit das Zugangsrecht "klauen". So soll sicher gestellt werden, dass der Käufer seine Inhalte und Zugangsschlüssel nur an "vertrauenswürdige" Personen übergibt. Denn wenn man etwas zurückbekommen möchte, verleiht man sein Eigentum nur an solche Personen.
Im Prinzip würde man also das physische Besitzrecht digitalisieren und dem Besitzer z.B. eines digitalen Films alle Rechte geben, die er auch hätte. wenn er eine physische DVD hätte. Er kann jedem den Zugang erlauben, er kann den Film verkaufen oder verschenken. Nur verliert er seine Zugangsmöglichkeit, wenn jemand andere sie ihm abnimmt. Somit muss er auf sein digitales Eigentum aufpassen, wie auf seine DVD`s.

Im Prinzip eine Idee, die, wenn sie funktioniert, im Prinzip den Usern mehr Rechte einräumt als das DRM und ihnen gleichzeitig eine Verantwortung für ihr Eigentum überträgt. Also im Prinzip eine wundervolle Idee

Mittwoch, 16. September 2009

Keine Verbindung, nirgends

Ein Komiker nimmt die absurde Wirklichkeit, in der die Komik letztendlich aus den Widersprüchen und Brüchen der Menschen entsteht. Ein Comedian übersteigert die Wirklichkeit und die Rollenschematas, um einen Lacher zu bekommen. Als Kunde einer großen deutschen Telefongesellschaft wird man erst zum Comedian, später dann zum Komiker, wenn man deren Wirklichkeit erlebt.
In einer digitalen Welt ist man offline nicht mehr wirklich vorhanden. Denn eine ganze Menge Sachen passiert inzwischen online und der Verlust des Zugangs führt zu seltsamen Ereignissen. Das beginnt mit dem Versuch sein Handy am Automaten zu laden und seine Bankdinge wieder auf normale Weise zu erledigen. Es geht weiter mit einer enormen Menge Zeit, die man auf einmal hat, weil man eben nicht mal das eine oder andere schnell im Netz erledigen kann. Zum Beispiel ein wenig lesen, auf Papier.
Und es führt einen Menschen zurück zu den Telefonhotlines, in denen man alles per Sprache machen kann, wenn die Maschine einen versteht. Nur, und das obwohl es inzwischen wunderbare Programme gibt, klappt das nicht mehr so richtig, weil der Mensch eben nicht durch Tastendrücke und Spracheingaben richtig zu ersetzen ist. Bei meiner Telefongesellschaft muss man bei einer Störung seine Nummer angeben, muss sein Problem der Maschine schildern... und wartet dann trotzdem 15 Minuten in der Leitung, weil die Menschen weg rationalisiert wurden. Die vielen Versprechungen: Wir haben schon einen Platz bei unserem Mitarbeiter reserviert endet dann in "Alle Leitungen sind belegt" und "rufen sie später noch einmal an".
Wenn man einen Menschen dann doch erwischt, dann wird allerlei geprüft. Bei uns war wieder mal ein Splinter hinüber und aus irgendeinem Grund ging es dann trotzdem nicht, vermutlich der Router. Der wird nur nicht mehr getauscht, vorher telefoniert man mit einem Techniker... und Warteschleife, dann kann der erste nicht helfen, Warteschleife, der zweite auch nickt wirklich, Warteschleife und der Mac-Techniker kennt sich nicht mit Mac aus und ist eigentlich gar kein Mactechniker.
Ich habe also insgesamt acht, neun Mal in der Warteschleife gehangen, darunter 5 Mal mit anschließendem Rauswurf nach 15 Minuten, war im dazugehörigen Ladenlokal, habe insgesamt vier Tage gebraucht und meine Nerven strapaziert. Am Ende wollte der Telefonanbieter dann eine Bewertung des Gesprächs und zwar mit Computerstimme ohne die Möglichkeit noch wirklich persönliche Angaben zu machen.
Immerhin ist eine Telefonstimme aus dem Computer nicht beleidigt, wenn man sie beleidigt. Und irgendwie geht auch alles wieder.
Im Internet wäre das viel einfacher gegangen.... und auch, wenn die Telefongesellschaft noch wirklich mit Fachleuten statt Computerstimmen arbeiten würde. Und irgendwie bin ich kurz davor eine Kurzgeschichte über den Tod tzu schreiben, der von einer Computerstimme ersetzt wurde und netten Hinweisen, mit welchen Tastendrücke man sich umbringen soll und kann.

Dienstag, 8. September 2009

Über das Urheberrecht- eine kleine Geschichte in der TAZ

Heute steht in der TAZ eine kleine Geschichte des Urheberrechts, siehe hier, in der etwas über die Idee des geistigen Eigentums und seine Geschichte bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Im Prinzip fehlen aber einige entscheidende Teile, wobei ich mich eher auf Ideen, als auf entscheidende Prozesse beziehe.
Das die Urheberschaft einer Idee einen Anspruch auf diese Idee beinhaltet, ist eine logische Konsequenz des Kapitalismus und der Disverifizierung der Wissenschaft. Denn nur wenn die Kosten einer Entwicklung oder einer Idee durch deren Vermarktung wieder herein gespielt werden kann, werden Unternehmen und Einzelpersonen eine Idee trotz der Investitionen und Vorkosten einspielen. Somit dient das Urheberrecht vor allem der Weiterentwicklung und somit der Gemeinschaft.

Das ist übrigens eine der entscheidenden Argumente der Menschen, die nun das Urheberrecht entweder abschaffen oder verändern wollen. Das Urheberrecht dient nur der Gemeinschaft, solange es der Weiterentwicklung von Ideen dient. Wenn es nun, so die Argumentation, dem entgegensteht, muss das Urheberrecht verändert oder abgeschafft werden.
Natürlich gibt es einige Fälle, in denen das Urheberrecht wirklich bestimmten künstlerischen Entwicklungen im Wege steht. Denn Kunst hat sich immer bei Vorbildern bedient und hat mehr als nur Inspiration mitgenommen, siehe das Zitatrecht, das aber bei der Musik sehr strikt angewendet wird. Im Bereich Film gibt es inzwischen auch so einige Projekte, die sehr interessant letztlich eigene Zugänge zu bestehenden Werken finden.
Gleichzeitig ist die Position der Urheber durch die wirtschaftlichen Entwicklungen nicht wirklich besser geworden, um höflich zu bleiben, und nun bietet das Internet die Möglichkeit digitale Originale von den Werken kostenlos zu erhalten. Juristen sind nun nicht dazu da, die Gemeinschaft oder große Teile davon zu kriminalisieren, gerade wenn die legalen Möglichkeiten nicht vorhanden sind. Also muss etwas gefunden werden...

Aber die Veränderung des Urheberrechts ist wieder eine andere Sache, für die ich bisher keine überzeugenden Lösungen gehört habe. Denn wenn Amazon statt Kopien von Büchern nur den Zugang zu Büchern vermarktet, auf die der User kein dauerhaftes Recht hat, siehe die Kopieraktion von Orwell, dann entstehen neue, andere Probleme. Oder wenn Verlage nun ein Leistungsschutzrecht erhalten, siehe die Initiativen der Zeitungsverlage, dann wird ein System betoniert, dass keine Lösung für das Internet gefunden hat.
Also muss eine Lösung gefunden werden, die einerseits den Usern einen leichten Zugang ermöglicht und ein leichtes bezahlen, und den Urhebern ein gerechter Anteil und die Möglichkeit kreativ mit der Arbeit anderer umzugehen, solange eine eigener, kreativer Anteil dazugebracht wird.

Sonntag, 6. September 2009

Bertelsmann kündigt an bei den Autorenvorschüssen bei Random House kürzer zu treten

Wahrnehmung ist eine selektive Angelegenheit. Deshalb habe ich sicherlich einiges anderes überlesen und anderes stärker wahrgenommen. Nach Presseberichten, siehe das Handelsblatt und Spiegelonline, sollen die Bertelsmänner eine Vorgabe an Random House gegeben haben, bei den Vorschüssen für Autoren als Teil eines gemeinschaftlichen Sparplans "kürzer zu treten". Somit ist die "Krise" auch bei den deutschen Autoren angekommen. Wenn Random House weniger Geld für die Autoren in die Hand nimmt, wird das irgend jemand fehlen und das werden die Autoren sein. Denn wenn Random House vorgeht, werden wohl andere Verlage folgen. Und dann wird es bitter.

Dienstag, 1. September 2009

Sich interessieren, recherchieren, verstehen und begreifen

Wenn ich über meine Lieblingsbücher schreibe, dann geht es immer wieder um die vier obigen Begriffe. Denn wenn ich ein Buch lese, dann möchte ich, dass der Autor über das hinsehen hinausgeht, hineingeht in seine Figuren, seine Geschichte, in die Handlungen und Erfahrungen, in das worum es in den Texten geht und mein Wissen und meine Erfahrung bereichert.
Ein historischer Roman soll eben nicht nur eine Geschichte erzählen, die in einer beliebigen Zeit spielt, sondern eine Geschichte, in der ich mich an Meinungen und Haltungen dieser Zeit annähere und gleichzeitig über Meinungen und Haltungen meiner Zeit nachdenke. Das funktioniert aber nur, wenn der Autor sich für sein Thema interessiert und eben nicht nur Personen der Gegenwart in eine historisierende Kulisse versetzt. Aber mit dem Interesse fängt es nur an. Eine Geschichte muss recherchiert werden und der Autor muss sich dem Thema über die Recherche so annähern, dass er sich eine Meinung bildet, die er wiederrum zur Diskussion stellt. Erst dann kann er das Thema begreifen, seine Besonderheiten verstehen, die Hintergründe und Vordergründe, und kann Figuren in sein Thema versetzen, die von diesem Thema betroffen sind und damit umgehen. Dieses sich interessieren geht übrigens weiter: Ein Autor muss sich nicht mit seinen Figuren identifizieren, er muss sich aber für seine Figuren interessieren, vielleicht sogar faszinieren, damit er versucht sie und ihre Handlungen zu verstehen, oder sich ihnen anzunähern. Max Frisch hat das einmal "die Fragen an die Geschichte" genannt, die letztlich für ihn als Autor entscheidend sind.
Daraus entsteht aber auch eine ganz interessante Konsequenz, die vielen Schreibratgebern, Ratschlägen und Autorenforen zumindest in Teilen widerspricht: Denn dort wird Autoren immer geraten sich am Markt, an Trends und bestimmten generellen Ratschlägen bei der Themenwahl zu orientieren, weil das einfacher wäre, als sich mit seinen eigenen Themen durchzusetzen, die möglicherweise schwierig am Markt unterzubringen wären. Nun, die meisten Autoren interessieren sich für eine ganze Bandbreite an Themen, Hintergründen und Figuren, so dass sie relativ flexibel arbeiten können und dabei auch ein wenig nach dem Markt schauen.
Aber viele alle Autoren haben ein besonderes Thema, eine besondere Figur, die irgendwie noch faszinierender als alle anderen ist. Und oft genug muss eine solche Geschichte erzählt werden, damit der Autor sich frei machen kann für andere Geschichten. Und manche Autoren erzählen auch ihr Leben lang immer die gleiche Geschichte.... aber das ist eine ganz eigene Geschichte. Andere Autoren interessiert gar nichts.
Aber das sind ja nur meine Gedanken...