Freitag, 29. Mai 2009

Denkanstoss

Wer einen Schnupfen hat, sollte nicht ins Bad gehen. Ich zumindest nicht. Denn ich stand vor dem Spiegel um meine Schnupfennase zu begutachten und drehte mich gerade um, um zurück in meine Küche/Flur zu gehen, als ich niesen musste. Kräftig niesen. Klar habe ich mich dann zusammengekrümmt, wie das beim Niesen ist. Und habe meinen Kopf gegen den Türrahmen geschlagen. Das Ergebnis ist eine Beule und ein Denkanstoss.

Die Wirklichkeit ist manchmal nicht wirklich glaubwürdig, manchmal erscheinen uns die Fiktion viel realer. Weshalb es zu dem etwas seltsamen Missverständnis kommt, dass manche Menschen die Wirklichkeit in einem Maß in die Fiktion übertragen wollen, dass die Fiktion zur besseren Wirklichkeit wird.
Manche Autoren geben allen ihren Figuren bis ins Detail ausgearbeitete psychologische Profile, in denen z.B. der Bösewicht schon als kleines Kind Tiere gequält hat und dann in acht Schritten zum Schurken wird. Andere lassen wirkliche Straßen in einer deutschen Stadt im Detail nachentstehen, dass man Google View vor sich hat. Und andere gestalten eine historische Welt aus einer Fülle von wissenschaftlichen Arbeiten in einer Akurresse, die jedes Detail ausleuchtet und zu immer absurderen Rechercheproblemen führt: Wie lange wurden die Seeigel in der römischen Küche gekocht und könnte man sie auch braten??
Solange das alles die Fiktion nicht stört, ist das in Ordnung und eine wunderbare Sache, die einem Roman eine besondere Lebendigkeit verleihen kann. Nur habe ich viel zu viele Roman gelesen, wo der Autor systematisch den Schurken schon als Kind Tiere quälen lässt, um das noch interessant zu finden. Und viele Autoren verwenden Informationen und nicht Zusammenhänge. Es ist z.B. nicht wirklich wichtig, wie Seeigel zubereitet werden- wie ein repräsentatives Essen in Rom funktioniert ist interessant, wirklich grandios ist es aber als Hintergrund, wenn die Bedeutung von Essen beim politischen Geschäft klar wird... und viel Atmosphäre rüberkommt.
Deshalb sollte man als Autor nie vergessen: Romane sind immer ein Spiel: was wäre wenn....
In einer Fiktion ist aber Glaubwürdigkeit nicht Feinheiten oder Genauigkeit. sondern eine Mischung aus Atmosphäre, aus dem Zusammenspiel der Figuren, Faszination, Stil und die Geschichte. Die meisten Leser ignorieren historische, psychologische oder andere Fehler oder Auslassungen, wenn die Fiktion stimmt. Sie ignorieren häufig auch viele Feinheiten. Nur wenn die Fiktion nicht funktioniert, so kommt es mir vor, dann muss der Rest wenigstens stimmen. Was einer der vielen Widersprüche beim Schreiben zu sein scheint. Aber irgendwie ist es halt so.

Dienstag, 26. Mai 2009

Heute in Literaturen

Das man "Literaturen" lesen sollte, dürften inzwischen die meisten deutschen Leser und Autoren wissen- zumindest die aus der Zielgruppe dieser wunderbaren Zeitschrift.
Heute gibt es neben einem interessanten Artikel über "Der Leser. Eine Beiseite. Ein Vielfraß, leichter als Luft" von Peter Licht auch den Artikel "Töchter für immer" von Barbara Vinken, die sich mit der englisch-deutschen Produktion von Romanen über Sex beschäftigt, von Charlotte Roche, Rebecca Martin (aus dem Stern), Mary Roach (Interview in der FR) , Maria Sveland (Artikel aus der Welt)bis Tracey Emin, sowie über Tracey Emin etwas aus Spiegel Online.
Dabei stellt sie die Frage, wie emanzipatorisch diese Romane sein sollen und ob sie diesen Anspruch auch einfüllen- und wie die Darstellung von Sex überhaupt emanzipatorisch sein kann, bzw. ob sie nicht eher "Viktorianisch" ist. Insgesamt ziemlich spannend, finde ich...

Montag, 25. Mai 2009

Plotten, nein Danke?

Seit 2001 habe ich keine Geschichte mehr geplottet, es sei denn, man zählt meine Dreisatzplots für meine Kurzgeschichten und Romane. Und nun muss ich das erste Mal seitdem wieder plotten. Ganz ehrlich: Ein riesiger Spaß. Denn meine Pause-durch-das-Studium-Texte sind aus zwei grundsätzlichen Ideen zu einer gemeinsamen Idee verschmolzen, die ein recht kompliziertes Handlungsschema benötigt- und gerade daraus etwas besonderes, nie dagewesenen bekommt.
O.k., das ist ein wenig gelogen, weil man natürlich das Rad unendlich oft wieder neu erfinden kann, Man kann es aber versuchen. Und ich möchte ein paar Ideen miteinandern verbinden, die meine Geschichte irgendwie sehr zu einer meiner Geschichten macht... Ein bunter Mix aus etwas klassischem Genre, zwei recht unterschiedliche Protagonisten, viel Humor und viel Tragik, verbunden mit einer Dorfgeschichte. Ein bunter Strauß von allerlei, ordentlich angerührt und deshalb vielleicht genauso unverkäuflich wie Eisblumen in Norwegen.
Aber es macht einen riesen Spaß diese Geschichte durchzuplotten, allerlei wilde Ideen zu sammeln und zu verbinden. Nur bleibt noch eine Frage übrig: Werde ich diese Geschichte überhaupt schreiben wollen, wenn ich sie geplottet habe?? Da bin ich mir noch nicht so sicher. Und es ist eine Genregeschichte, wunderbare Unterhaltung mit ein wenig eingeschleustem Mehr, was sicherlich die Verkaufsmöglichkeiten noch deutlich verschlechtert. Immerhin ist der Genrebereich gerade voll im Trend, so dass meine Geschichte irgendwie mit durchrutschen könnte.

Sonntag, 24. Mai 2009

Seltsamkeiten

Eine der faszinierenden Veränderungen in der Geschichte Roms beginnt in der Zeit zwischen dem 3. Jh. und dem 2 Jh. Nach dem Ende des 2. Punischen Krieges entstehen die ersten römischen Provinzen und aus Bürgerheeren werden nach und nach Armeen einer anderen Zeit. Es ist eine Zeit der Blüte der sogenannten Villenwirtschaft (die mit Sklaven bewirtschaften werden), des überregionalen Handels und das Ausbluten des römischen Kleinbauern auf den Schlachtfeldern und somit auch auf seinen kleinen Ländereien. Die römische Republik konnte die Veränderungen nicht mehr in die bestehende Verfassung aufnehmen und geriet dadurch in eine Krise.
Die Stärke der römischen Republik, die Einzelinteressen einerseits zu verfolgen, gleichzeitig aber auch dem Gemeinschaftsinteresse unterzuordnen, gerät in Schieflage. Denn während die Aristokraten im erheblichen Maße von den Veränderungen profitieren, werden die Kleinbürger, die Kleinbauern und die römischen Bundesgenossen nur zusätzlich belastet, ohne zu profitieren. Eine Gesellschaft gerät in eine Krise, wenn eine Seite von allen Vergünstigungen ausgeschlossen werden, während eine andere Seite sich immer ungehinderter bereichert. Zusätzlich beginnt in dieser Zeit der wirtschaftliche Aufstieg der Ritter, die sich nach und nach zu einem eigenen Stand in der römischen Gesellschaft entwickeln und dabei in Auseinandersetzung mit dem Senat geraten.
Und noch eine entscheidende Entwicklung wird die römische Republik verändern. Die bisherigen Bürgerheere werden nach und nach immer stärker "entbürgert" und sind in Bezahlung und der Versorgung nach dem Dienst von ihren Befehlshabern abhängig- so daß hier eine machtvolle Klientel für die Befehlshaber entsteht.

Die Entwicklung gerät außer Kontrolle, als in der Zeit um 133 v. Chr. Reformprojekte vom Senat blockiert werden und die Reformer (die Grachen) sich radikalisieren, weil sie auf die Unterstützung der Plebs angewiesen sind, die weitere Zugeständnisse fordern. Daraus entwickelt sich eine Zweispaltung der römischen Gesellschaft, die letztlich in logischer Konseqenz zum Ende der römischen Republik führt.
Denn in einem Streit zwischen zwei Parteien steigt die Bedeutung des Einzelnen, der selber diesen Streit schürt, um von den Auseinandersetzungen für sich zu profitieren.
Als Cäsar den Rubikon überquert, so geschieht dies, weil die Kräfte des Imperiums letztlich im Streit zerrieben wurden und Cäsar über seine Verbündete an Macht und Einfluss, über die Kriege an Geld und Soldatenklientel gewonnen hat. Er kann eine römische Republik herausfordern, die sich längst bedingungslos von einem Sulla oder einem Pompeius abhängig gemacht hat.

Deutlich wird eine solche Entwicklung auch am Ende der römischen Republik, als der Staat zu wenig Geld einnahm, um die Legionen (weitgehend aus Germanen) zu unterhalten, und ihnen Land überschrieb, wodurch die Einnahmen weiter sanken. In dieser Zeit gibt es viele Kaiser, die meistens als politische Puppe für jemand anderes stehen, und die auf die Hilfe von den Legionen und ihren meist ausländischen Heerführern angewiesen sind. Jede Einigung zum Wohle des zerbrechenden Imperiums scheitert, weil die Einzelinteresse jede längerfristige Kooperation unmöglich machen. Somit ist es auch gerade das Zerbrechen des Imperiums unter den ständigen Angriffen der Goten, Vandalen und Hunnen, dass einzelne Politiker begünstigt, weil sie sich mit den äußeren Feinden gegen die inneren Feind verbünden, bis die Selbstheilungskraft des Römischen Imperiums nicht mehr ausreicht, um das Reich zu erhalten oder möglicherweise wieder herzustellen.
Solange es einen Kaiser gibt, solange wird Rom weiterbestehen, war eine Redensart in Rom. Die von Vandalen ausgeraubten Küsten, die von den ständigen Kriegen geplünderten Restprovinzien (wie der kleine Rest von Gallien), eine Krise zwischen den römischen und germanischen Soldaten, die fehlenden Geldmittel für die Legionen und die Hunnen bearbeiten Rom solange, bis jedem klar ist, dass die Kaiser keine Bedeutung und keine Macht mehr haben... und das das römische Reich längst aufgehört hat zu existieren. Der Körper lebt vielleicht noch, aber der Kopf ist nicht mehr da.

Warum ich das alles kurz aufzähle: Ich habe da eine Romanidee... (die ich irgendwann angehen möchte...)

Schriftstellertreffen in Frechen... (und Gedankenkinder)

Vielleicht sollte es nicht so sein, aber mein Schreiben hat sich im letzten Jahr verändert. Offensichtlich hat der Stillstand in meinem Studium (und damit auch in anderen Bereichen) direkte Auswirkungen auf mein Schreiben gehabt und nun habe ich diese Phase verlassen. Das ist mir klar geworden, als wir uns am Samstag auf dem Balkon eines Hauses ein wenig Texte vorgelesen haben, darunter auch zwei Auszüge aus meinem Roman, und über die Texte diskutiert haben. Seitdem bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich wirklich an meinen Roman zurückkehren kann. Denn offensichtlich gibt es einiges an diesem Roman, das ich heute nicht mehr so schreiben würde... bzw. vielleicht auch nicht mehr schreiben würde. Denn bestimmte Elemente am Konzept des Romans erscheinen mir heute zwar wundervoll, aber zeitig an ein anderes Leben gebunden.
Seitdem spüre ich überall etwas anderes, spüre andere Gedanken, Überlegungen, die ich einfach mal ausprobieren muss. Weil das vielleicht einfach zusammengehört, das Schreiben und das Leben.

Donnerstag, 21. Mai 2009

Ein wenig erholt

Morgen bereits beginnt die nächste und (mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit) letzte Lernphase meines Studiums. Es geht um die Geschichte der römischen Republik, um die Sozialgeschichte Griechenlands in der Zeit Aristophanes und frühmittelalterliche Landwirtschaft. Ein seltsames Gefühl nach so vielen Jahren Studium, wenn das Ende so nahe zu sein scheint (und es natürlich auch ist). Denn die bisherigen Ergebnisse sind recht vielversprechend...
Das eigentlich überraschende ist, dass ich mich inzwischen auf die Zeit danach freuen kann. Denn irgendwie war das Ende des Studiums und die unklare Zukunft danach immer ziemlich beängstigend, zumindest für mich.
Genau wie diese Abschlussprüfung, die nach Aussagen meiner Dozenten und Professoren praktisch eine Wiederholung des gesamten Studiums sein sollte.
Inzwischen freue ich mich auf das danach: Schließlich werde ich nach dem Prüfungstag in Urlaub fahren, das erste Mal seit Jahren, mit meiner Freundin zusammenziehen, und mir dann einen Job suchen.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Qualifizierter Studienabbruch

Im Rahmen des Bologna-Prozesses (einer Einigung europäischer Bildungsminster) 1999 wurden allerlei Bedingungen vereinbart, um bis 2010 ein einheitliches europäisches Hochschulrecht einzuführen und vergleichbare Studienabschlüsse zu schaffen: die Bachelor- und Masterstudiengänge.
Seitdem werden die Studenten dieser Studiengänge in Modulen unterrichtet, meist eine Verbindung von einer Vorlesung und einem oder mehr Seminare zu einem ähnlichen Thema, zu denen dann Prüfungen absolviert werden müssen. Die Belohnung sind dann die European Credit Transfer Points, die an allen Universitäten relativ zur Note vergeben werden. Wer eine bestimmte Anzahl der Punkte erworben hat, meist 180 oder 210 in 6 Semestern bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit (bis auf den sechs Wochen Urlaub) von 25-30 Stunden, der erwirbt dann den Bachelor. Auf die Promotion wird dieses Verfahren nicht angewendet, siehe hier einen kritischen Artikel aus der Zeit dazu, weil man das "humboldtsche Bildungsideal" retten möchte.

Die Folgen sind vielfältig: "Macht Bologna dumm?" aus der Zeit, weil die neuen Bachelorstudenten keine Zeit mehr für Unileben, Nebenjobs oder freiwillige Aktivitäten haben, "Bologna-Prozess. Studenten im Punktefieber" aus der Zeit über die Frage, ob das Studium internationaler geworden ist (Nein!) und was so schief läuft, hier etwas aus der Zeit dazu, dass es von den Professoren abhängt, ob dann Auslandspunkte (s.o.) überhaupt anerkannt werden, was ja eigentlich Ziel der Reform war.

Wenn man als Student eines alten Studienganges sich das alles mal ansieht, dann kann man allerlei feststellen.
Pro:
1.) Die gesamte Organisation des Studiums ist durch Bologna wesentlich einfacher geworden, weil man als Student nicht mehr alles selber verwalten muss. (Der alte Studienabschluss besteht zu 50% aus Bürokratie, um die Unterschriften zu erhalten, Listen, ausgefüllten Scheine und Formulare gestempelt und eingeordnet zu bekommen, bzw. um wirklich aus Prüfungsordnungen zu erkennen, was notwendig ist). Das ist eine erhebliche Entlastung.
2.) Die neuen Studiengänge erfordern deutlich mehr Klausuren als die alten Studiengänge und eine vergleichbare Anzahl von Hausarbeiten- weswegen die Arbeitsbelastung deutlich angestiegen ist, die Rückmeldungen aber deutlich ansteigen und das Studium klar strukturiert ist.
3.) Die gesamten Studienleistungen bis zur Prüfung haben bei den alten Studiengänge praktisch keine Auswirkungen auf die Endnote- alles hängt von der Abschlußarbeit und den Prüfungen ab. Das hat sich durch das Punktesystem geändert.
4.) Man wird beim Bachelor systematisch durch das Studium geführt, während es vorher ziemlich chaotisch war, Seminare verlost wurden, Anmeldungen bei Professoren zu einem bestimmten Zeitpunkt und ähnliches erfolgte.
5.) Theoretisch können die Universitäten selber die Studenten auswählen, als wie im alten System über ZVS und Einschreibungen nicht eingreifen zu können.
6.) Theoretisch sollte man im Bachelorstudium problemlos in Deutschland wechseln und ausländische Credits anerkennen lassen können, was nun leider oft von Professoren und Verhandlungen der Unis untereinander abhängt.
7.) Durch die Module sind die Studiengänge schneller, weil der Student eben keine Wahlmöglichkeiten mehr hat.
8.) Viele Studiengänge wurden überarbeitet, um z.B. wie im Lehramt mehr Praxis und weniger Theorie in das Studium zu bringen. Bestimmte nicht schulrelevante Bereiche in Deutsch wie Mittelhochdeutsch und Althochdeutsch werden nur noch in Übersetzung bearbeitet, der Bereich Pädagogik und Didaktik wird praxisorientiert als Master angehängt.
9.) Die Studiengänge sind längst von den Arbeitgebern angenommen wurden und sind gefragt.

Contra:
1. In den neuen Studiengängen wird man in bestimmte Modulen eingeteilt und kann sich somit weder Thema (aus dem Bereich) noch den Professor aussuchen, bzw. eigene Interessen bei der Auswahl berücksichtigen.
2.) Mehr Klausuren und diese sind dazu entscheidend für den späteren Abschluss.
3.) Bachelorstudenten müssen eine bestimmte Note erreichen, damit sie das Recht bekommen den Master zu machen. Sonst werden sie mit dem Bachelorabschluss "verabschiedet".
4.) Durch den engen Zeitrahmen und das Modulsystem ist es schwierig geworden in andere Bereiche einmal hineinzusehen und freiwillige Seminare zu machen, nach den eigenen Interessen.
5.) Die Studiengänge sind recht uneinheitlich: Einige haben das gesamte Material der alten Magister- oder Diplomstudiengänge auf sechs Semester runter gebrochen, andere haben deutlich ausgekürzt und eine bessere Zwischenprüfung als Bachelor geschaffen, wieder andere haben das Studium endlich aktuellen Bedingungen angepasst.
6.) Die Arbeitsbelastung der Studenten wurde stark erhöht, indem alles auf sechs Semester Bachelor eingedampft wurde. Die Studenten können so oft nicht mehr so viel arbeiten, bzw. überhaupt arbeiten, sie erhalten aber weiterhin nur Bafög unter den alten Bedingungen und die Alternative Studienkredite ist teuer. Der KfW Kredit kann auf bis zu 9,1 % steigen, und liegt jetzt bei 4,4 %, zwischenzeitlich aber auch mal deutlich höher, Anpassung alle sechs Monate nach 6-Monate Euribor plus x %, anscheinend 3%. Zudem muss man einen solchen Kredit erst einmal bekommen. Und ganz ehrlich: Natürlich gibt es auch Stipendien, aber die sind in Deutschland noch ziemlich spärlich gesäht.
7.) Theoretisch soll der Bachelor eine Vorbereitung für das Arbeitsleben sein- aber die meisten Studiengänge sind nicht stärker praxisorientiert als ihre Vorgänger.
8.) International hochangesehene Studienabschlüsse wie die Diplomstudiengänge an technischen Universitäten wurden einfach mit gekippt und die Bachelor sind sicherlich nicht gleichwertig und die Master eben auch oft nicht.

Insgesamt ist vieles anderes geworden, manches besser. Gleichzeitig ist ein wenig des humboldtschen Bildungsideal verloren gegangen (Verschulung) und die Idee des internationalen Studiums bzw. der Auslandssemester. Intern nennen viele den Bachelor einen qualifizierten Studienabbruch, weil er irgendwie nichts richtiges ist und nichts ganzes. Und am schlimmsten: Aussuchen ob man denn Master noch machen möchte, dass kann man nur, wenn man genug Punkte hat.

Montag, 18. Mai 2009

Eine kleine Pause fürs Studium

Mein Studium geht langsam zu Ende....
Heute durfte ich mich um 17.30 Uhr an der Uni einfinden, um in einer 75 minütigen mündlichen Prüfung mich den vier Teilbereichen in Deutsch zu stellen: Sprachwissenschaft in einer historischen und gegenwärtigen Betrachtung, Nachkriegs- und Künstlerromane und natürlich noch ein klein wenig Didaktik.
Insgesamt habe ich das ganze Studium über gezittert, als klar war, dass ich in Mittelhochdeutsch und Sprachwissenschaft in die Prüfungen muss. Gut, Mittelhochdeutsch habe ich dadurch umgangen, dass ich mit meinen Scheinen als Ausnahmeerscheinung und spezieller Sonderfall irgendwie drum herum gekommen bin.
Dafür wartete heute 40 Minuten Sprachwissenschaft auf mich.... Und ganz ehrlich, dass liegt mir eigentlich nicht.

Ich habe soviel gelernt und wenig geschlafen, dass ich heute um 17.00 Uhr in die Prüfung getaumelt bin und gar keine Prüfungsangst mehr aufbringen konnte. Witzigerweise ist Sprachwissenschaft dann nahezu perfekt gelaufen und ich habe bei den Künstlerromanen eine kleine Schwächeperiode eingelegt, wo normalerweise meine große Stärke liegt, um dann in der Didaktik wieder richtig gut zu werden.
Nun, nach der Verkündigung des Urteils war ich sogar zu müde, um mich zu freuen. Denn vor einem Jahr hätte ich mir ein Bestanden kaum vorstellen können, heute morgen habe ich heimlich mit einer guten Drei kalkuliert, als Traumziel. Und dann habe ich meine beste Uniprüfung in Deutsch überhaupt hingelegt...
Wenn ich die Note morgen oder übermorgen wirklich verstehe, werde ich feiern. Jetzt wartet nur das Bett auf mich und die Kissen knistern schon.

Dienstag, 12. Mai 2009

"Daten deutscher Dichtung" von Elisabeth und Herbert Frenzel erscheint nicht mehr

Die meisten Germanistikstudenten an Deutschen Universitäten geraten im Verlauf ihres Studiums immer wieder an die drei Standartwerke von Elisabeth und Herbert Frenzel: "Daten deutscher Dichtung", "Stoffe der Weltliteratur", "Motive der Weltliteratur". Und ganz ehrlich gesagt: Gerade die beiden letzten Werke sind bis heute eine grundlegende Quelle für Motive und Stoffe, die sich durch die Literatur ziehen.
Aber nur wenige Germanisten haben 2003 die Aufregung, siehe die NZZ-online, um das "Internationale Germanistenlexikon 1800-1950" mitbekommen, wo über die Biographien vieler Germanisten in der Nazizeit einiges erschien, was vorher nicht allen bekannt war. Dort erschien die Information, dass Elisabeth Frenzel ihre Dissertation 1940 über "Die Gestalt des Juden auf der neueren deutschen Bühne" geschrieben hat und ihr Mann Herbert im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda in verschiedenen Stellungen tätig war, hierzu ein Artikel der Taz "Langsam eingehen und dauern".
Angesichts dieser Informationen war es eine germanistische und journalistische Aufgabe, die Werke des Ehepaars Frenzel genau darauf zu überprüfen. Dies ist offenbar geschehen und führt zu der heutigen Meldung in der FAZ: "Daten deutscher Dichtung. Umstrittenes Lexikon wird nicht mehr verlegt."
Interessant ist aber die Begründung, die von 1953 bis zum 11.Mai 2009 nicht aufgefallen ist, siehe den wunderbaren Artikel "Ein grotesker Kanon. Ein Standartwerk mit Lücken" von Volker Weidermann in der FAZ, in dem neben der gesamten Hintergründe des Ehepaars Frenzel auch ein paar Informationen zum Lexikon eines offenbart:
Nirgendswo in "Daten deutscher Dichtung" wird über die Vergangenheit der Verfasser ein Wort verloren. Und das Lexikon offenbart fundamentale Schwächen gerade bei Autoren in der Zeit zwischen 1933-1945. Die berühmten Exilautoren wie Berthold Brecht, Anna Seghers, Stefan Zweig oder Thomas Mann fehlen nicht, dafür aber Kurt Tucholsky, Klaus Mann, Irmgard Keun, Armin T. Wegner, Joachim Ringelnatz, Gustav Meyrink, Maria Leitner und viele andere.
Dafür findet man dann umfangreich Schriftsteller wie E.G. Kolbenheyer und Ina Seidel, die beide 1944 auf der "Gottbegnadeten-Liste" der Nationalsozialisten auftauchen, und wegen ihrer literarischen und ideologischen Verehrung der Nationalsozialisten und mangelnder literarischer Qualität für einen Kanon sicherlich ungeeignet sind.
Noch perfider ist jedoch, dass sich im Text immer wieder Passagen aus der Dissertation Frenzels finden, wo die antisemitistischen Teile gestrichen wurde, so Weidermann, gleichzeitig könne der Leser über die Dissertation die Passagen "ergänzen"- siehe Lessings Nathan.

Montag, 11. Mai 2009

Die Langsamkeit der Gedanken...

Scheinbar ziellos verstreichen die Tage und von den Gedanken bleibt nur noch ein leichtes Ziehen übrig, weil die Prüfungen über meinem Kopf gewittern und die Luft schwer zu atmen machen. Die Ringe unter meinen Augen sind schwarz wie die Lettern auf den Monographien. Meine Beine müde von den abgerannten Theorien und den durstigen Gedanken anderer. Das Schreiben ist verschwunden... als sei es nie dagewesen. Nur ein Raunen ist noch da und die Erinnerung. Aber was für ein Raunen

Freitag, 8. Mai 2009

Didaktik des literarischen Schreibens (Teil 5)

Wenn von Talent im Rahmen des literarischen Schreibens gesprochen wird, dann handelt es sich eigentlich um eine ganze Reihe von Fähigkeiten und Fertigkeiten, die in einem gewissen Rahmen erlernt wurden bzw. auch erlernbar sind. Für eine Didaktik des Schreibens sind diese kurz anzureißen, um später darauf zurückzukommen.

1. Das Sprachtalent
Die Sprache besteht nicht nur aus der Grammatik und dem Wortinhalt, sondern auch aus Klang, Zusammenhängen, Satzbau, Wortschatz und den rhetorischen Figuren. Sprache kann sehr präzise sein und ungenau, kann einfach oder kompliziert strukturiert sein, phantasiearm und phantasiereich.
Ein Autor muss sich mit all diesem beschäftigen, um dann die Sprache für seinen Text zu gestalten und nutzbar zu machen, sowie über dies hinaus mit Sprache eine eigene Ebene des Textes zu gestalten.
Hilfreich dabei sind die (aktive und passive) Kenntnisse unterschiedlicher Textarten (literarisches Schreiben, unterhaltsames Schreiben, journalistisches und wissenschaftliches Schreiben) und die Beschäftigung mit einer recht breiten Auswahl an unterschiedlichen Texten aus unterschiedlichen Bereichen.

2. Beobachtungsgabe
Die Fähigkeit das besondere, einprägsame, kennzeichnende einer Person, eines Ortes (und vielem mehr wie geschichtlichen Ereignisse, Theorien/Ideologien und ihre Praxis, eines Gefühls,...) zu erkennen, die Zusammenhänge mit anderen Personen, Orten, .... zu verstehen und darstellen zu können.

3. Wille
Die meisten Menschen sind in der Lage einen Text zu schreiben. Aber eine Kurzgeschichte und ein Roman haben eigene Gesetzlichkeiten, die man als Handwerk zusammenfassen kann. Dieses zu erlernen und immer weiter daran zu arbeiten, erfordert viel Willen, denn Widerstände und Probleme, Scheitern und persönliche Niederlagen sind Teil des Schreibprozesses.

4. Zusammenhänge
Eine Geschichte hat einen Plot, als eine klare rote Linie. Zumindest meistens. Darüber hinaus wirken sich aber die Figuren mit ihren Eigenschaften, die Handlungen und vieles weitere immer wieder in einem Roman aus, oder sollten es zumindest. Dementsprechend ist es besonders wichtig zu erkennen, wie bestimmte Dinge zusammenhängen, welche Folgen Dinge haben und wie sich verschiedene Dinge zu einer Folge vermischen.
Ein Autor kann dies nutzen, indem er in seinem Text Ereignisse und Figuren verknüpft, verschachtelt, aufeinander aufbauen lässt und so über die lineare Struktur des Plotes Verbindungen schafft.
Dieses Talent wird auch bei der Beobachtungsgabe besonders wirksam.

5. Erzählen
Viele Menschen glauben eine Geschichte richtig erzählen zu können, aber ehrlich gesagt: Nur wenige Menschen können eine Geschichte so erzählen, dass man ihnen zuhören muss. Deshalb gehören hier Kenntnisse über Dramaturgie und Dialoggestaltung (direkt und indirekt) hinein, sowie eine Vorstellung wie die eigenen (und fremde) Texte auf Leser oder Zuhörer wirken und warum das so ist.

6. Empathie
Wie sehr kann man sich in andere Menschen, in andere Sichtweisen und Lebensumstände versetzen und dies produktiv für die Gestaltung der Figuren und Situationen im Roman nutzen, um den Figuren und Situationen "Glaubwürdigkeit im fiktiven Raum" zu verleihen. Dabei gehört zur Empathie auch die Fähigkeit die Fehler seiner Figuren aufzuzeigen, ohne sie bloßzustellen.

7. Selbsterkenntnis
Das ist die Fähigkeit die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen, und diese darüber in anderen Menschen erkennen zu können. Für einen Autor ist das besonders wichtig, wenn er seine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse verwendet (eigene Erlebnisse im Sinne von selbst erlebt, gehört, miterfahren, gelesen,...) um Geschichten zu erzählen, die er nicht erlebt hat, aber wo er sich wirklich vorstellen kann, was das für ihn bedeuten würde. Es geht darum sich dem Unangenehmen zu stellen, sich nicht immer zu ernst zu nehmen und auch die eigenen Grenzen zu erkennen und an sie mit dem Schreiben heranzugehen.

8. Textanalyse
Ein Autor muss in der Lage sein einen Text zu analysieren, um zu erkennen, wie der Text aufgebaut ist, und wie der Text "funktioniert". Er kann daraus für das eigene Schreiben wichtige Erkenntnisse ziehen, eigene Schwächen und Stärken erkennen, sowie seine eigene Fertigkeiten überprüfen. Besonders gut ist es, wenn ein Autor das auch bei den eigenen Texten kann, um Schwachstellen und Stärken herauszufinden.

9. Mut und Zweifel
Der Zweifel ist notwendig, damit man sich nie in seinem eigenen Schreiben zu sicher fühlt. Denn dann hört man auch sich weiterzuentwickeln. Und der Mut ist notwendig, um sich der Kritik anderer auszusetzen, sie auszuhalten.

10. Das Experiment
Eine der Grundlagen des literarischen Schreibens ist das experimentelle Schreiben. Viele Autoren greifen bei ihren Geschichten und Texten auf die Erfahrungen der Schriftsteller(innen) vor sich zurück, ohne diese Erkenntnisse zu hinterfragen oder eigene Erfahrungen dazubringen zu können. Somit wird vieles tradiert, was besser in Frage gestellt werden sollte, weil gerade das "In-Frage-stellen" eine zentrale Kategorie des literarischen Schreibens nicht nur in Bezug auf Ideologien ist.
Wer Verschiedenes durch ein Experiment selber hinterfragt, der kann selber herausfinden, was wie wirkt, warum das so ist, was die Probleme sind und welche Möglichkeiten diese Variante hat und welche Probleme.
So bereichert jedes Experiment, gerade die nicht gelungenen, die eigene Erfahrungswelt als Schriftsteller und bietet Möglichkeiten, auf die man später zurückgreifen kann. Denn viele literarische Traditionen haben zwar eine Begründung, aber nicht alles trägt in jedem Falle und immer, und bei manchen handelt es sich um Geschmack, der aber anders bezeichnet wurde.

11. Recherche und Allgemeinbildung

Eine der zentralen Sätze meines Universitätsstudium war, dass man nicht alles wissen muss. Man muss abers wissen, wo man die notwendigen, wissenschaftlich abgesicherten Informationen finden kann.
Gerade um eine fiktive Welt zu gestalten, ist es wichtig viel aus der "subjektiven Wirklichkeit" recherchieren zu können, um die Fiktion auf oder an der Realität entlang entwerfen zu können.
Dabei dient Allgemeinbildung als Hilfe zur Rercherche, als Basis einer grundsätzlichen Überprüfung und als breiter Raum, auf dem man seine fiktionale Welt gestalten kann. Allgemeinbildung ist dabei Bildung, die sich nicht auf abrufbare Fakten (ohne Zusammenhänge) bezieht, sondern grundsätzliche Schlüsselprobleme (Gesellschaftsformen, Herrschaftsformen, Freiheit und Unfreiheit, Menschenrechte, Umweltschutz, Wirtschaft,....) und deren Zusammenhänge mit anderen Schlüsselproblemen kennt und bewerten kann, sowie deren Bezüge zur Gegenwart und Zukunft, sowie die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten, um diese Schlüsselprobleme zu bewältigen. Zu den Kenntnissen und Fertigkeiten gehören sowohl Grundlagen kreativen Arbeitens und Geschmack, Kritikfähigkeit (für eigenes und fremdes), Kenntnisse über Textarten, vernetztes Denken, Argumentationsfähigkeit und vieles mehr.

12. Vorstellungskraft
Vorstellungskraft ist die Fähigkeit sich anhand einer eigenen Wissensbasis Unbekanntes vorstellen zu können, das von dem Bekannten in einem oder mehreren Bereichen abweicht, bzw. eigene Gedankengänge plausibel (nach bestimmten Kriterien) weiterzuführen und logische Konsequenzen aus dem Bekannten auf Unbekanntes übertragen zu können. Dabei kann die Vorstellungskraft sich auch über allerlei Beschränkungen hinwegsetzen und neue Plausibilitäten setzen oder Bekanntes einfach weiterführen.

13. Fragen
Eine der wichtigsten Erkenntnisse von Bildung ist das Wissen, dass man, je mehr man weiß, erkennt, dass man eigentlich immer noch sehr wenig weiß. Bildung entsteht aus Fragen an die Welt, und Fragen an die Welt führen zu weiterer Bildung, auch wenn es auf viele Fragen eben keine Antworten gibt- woraus dann z.B. bei vielen literarischen Schriftstellern an die Welt entstehen: Was wäre wenn....

14. Kreativität
Kreativität ist die Gabe etwas Bekanntes in etwas Unbekanntes zu verwandeln, Dinge aus neuen Sichtweisen zu betrachten, Dinge zu hinterfragen und fragen zu stellen, und all das auf einer künstlerischen Ebene zu gestalten und umzusetzen.

15. Humor
Um das eigene Scheitern wirklich ertragen zu können, ist Humor eine der Grundvoraussetzungen des Schreibens. Zudem ist es hilfreich sich selber nicht immer so ernst zu nehmen, sondern auch mal über sich und seine Arbeit zu lachen, weil Humor das Leben erträglicher macht- und vielen Texten eine besondere Würze verleiht. Humor ist übrigens genau wie das Groteske ein wichtiges Stilmittel postmoderner Literatur, weil eine chaotische Welt manchmal nur noch über den Humor vermittelbar wird.
Außerdem gibt es nichts unerträglicheres, als ein Schriftsteller, der sich in allen Bereichen so wichtig nimmt, weil seine Texte eben zuerst oberwichtig, statt interessant sind.

So, das wars erst einmal..

Donnerstag, 7. Mai 2009

Falsches Präsens

Bereits am 30.04 ist in der Zeit die Literaturglosse von Ulrich Greiner "Falsches Präsens. Warum unterwerfen sich so viele Autoren dem Diktat der Gegenwart?" erschienen. Es geht um die Frage, warum viele moderne Autoren versuchen mit der ersten Person Präsens den Anschein von Unmittelbarkeit zu erwecken. Das, so Greiner, sei doch eigentlich die Aufgabe von Journalisten, während es die Aufgabe der Autoren ist zu zeigen, dass das Vergangene nicht vergeht und auf eine andere Weise gegenwärtig ist.

Dienstag, 5. Mai 2009

Didaktik des literarischen Schreibens (Teil 4)

In einer Didaktik des Schreibens dürfen aber auch bestimmte Beobachtungen nicht fehlen, die meistens nur in einem Nebensatz erwähnt werden, die unausgesprochen bleiben oder nur unzureichend behandelt werden.

1. Die meisten Schriftsteller brauchen ungefähr 15 Jahre, bis sie ihren ersten Roman veröffentlichen. Das liegt daran, dass Fragen im Zentrum des Romans stehen, und diese Fragen über die verschiedenen literarischen Mittel zu diskutieren sind. Das bedeutet einerseits viel Erfahrung, wie man solche Fragen literarisch-handwerklich ausgestalten kann und auch viel Erfahrung über das Leben, die Menschen und Gefühle- denn die eigenen Erfahrungen sind der Spiegel, in denen man die Fiktionen spiegeln kann, um diese Erfahrungen übertragen zu können. In der Hirnforschung wird immer wieder auf eine Zeitdauer von 10.000 Stunden Arbeit verwiesen, die ein Mensch braucht um ein Handwerk wirklich zu beherrschen.

2. Auch gute theoretische Kenntnisse über das Schreiben, ob nun Literaturwissenschaftler, Schriftsteller aus dem Bereich Unterhaltung oder Lektoren, bedeutet nicht, dass man literarisch schreiben kann. Das liegt nicht nur am Unterschied zwischen Theorie und Praxis, sondern besonders zentral daran, dass Schreiben eine Kunst und ein Handwerk ist, dass neben der Theorie eben unglaublich viele Eigengesetzlichkeiten hat.

3. Literarisches Schreiben ist in über 95% der Fälle letztlich konventionell in dem Sinne, dass die meisten literarischen Texte sich in Schulen mit einem/ mehreren Vorbildern klar einsortieren lassen und nur wenig zum Diskurs beitragen.

4. In einem literarischen Text gibt es keinen Raum für Ideologien, Weltanschauung, Religion als Leitbilder für den Text, sondern nur als Diskussionsraum für solche Vorstellungen, oder die Beurteilung von Dingen durch den Geschmack. Hier übrigens ein wunderschöner Link aus der Welt zu diesem Thema: "Anmerkungen zu Haffner" ; von Jacques Schuster, in dem Schuster Aussagen des berühmten Historikers und Publizisten Sebastian Haffner über den Unterschied zwischen Geschmack und Weltanschauung wunderbar zusammenfasst.Denn eine Weltanschauung ist etwas absolutes, eine scheinbar absolute Wahrheit, die verhindert, dass man sich eine eigene Meinung bilden muss. Statt dessen gibt sie selber die Meinungen vor, und weil sie absolut ist, ergibt sich ein Vorrecht der Weltanschauung für dessen Jünger, so dass hierdurch Schlechtes auf Grund der Weltanschauung als dessen Preis akzeptiert werden muss- und wird. Geschmack ist eine relative Wahrheit, und dadurch erstens angreifbar, aber gleichzeitig veränderbar, und zweitens ist Geschmack immer etwas zu rechtfertigendes, demokratisches.
Ein moderner Roman kann also keine Weltanschauung beinhalten, weil er sonst kein moderner Roman wäre. Milan Kundera schreibt in seiner Essaysammlung "Die Kunst des Romans", dass der moderne Roman eine Fortsetzung der Geburt des Romans bei Cervantes sei, wo Gott den Platz als Weltenlenker räumt und Son Quichote aus seinem Haus tritt und die alte Ritterwelt nicht mehr erkennt. Die göttliche Wahrheit zerfällt in Hunderte relative Wahrheiten und der Roman ist der Spiegel dieser relativen Wahrheiten. (Nochmals verweise ich auf den wundervollen Essay "The democrazy of Don Quichote) von Jonathan Rée )

5. Wenn man sich eine Auswahl erfolgreicher Schriftsteller ansieht, über die Jahrzehnte, dann wird man bei den meisten Schriftstellern einen "Leitsinn" finden, zumeist das Auge. Die Texte dieser Autoren verwenden diese Wahrnehmung besonders stark, gerade auch bei rhetorischen Figuren, die von den Autoren entworfen werden. Meist gibt es dann einen oder zwei "Nebensinne", während andere Sinne nur in Einzelmomenten erscheinen.

6. Ob nun durch das eigene Außenseitertum, durch eine veränderte Wahrnehmung oder Verschiebung der Wahrnehmungsfilter, durch Krankheit oder Leid, viele literarische Schriftsteller scheinen die Welt anders zu sehen, als die meisten andere Menschen. Dabei liegen die Wahrnehmungsfilter von Autoren oft verschoben, einerseits zu selektiver Wahrnehmung anhand bestimmter Fragen, nehmen mehr Sinneseindrücke als andere Menschen oder nehmen Sinneseindrücke anders wahr.

7. Im Gegensatz zu vielen anderen Textformen sind literarische Texte immer assoziativ und verweisend, neben einer immer vorhandenen logischen Struktur gibt es die beiden anderen Strukturebenen, die eine ähnliche und wichtige Bedeutung haben. Assoziativ bedeutet, dass die logische Struktur für eine assoziative (über Bilder oder andere Sinneseindrücke) verbundene Folge unterbrochen oder ergänzt wird, und verweisend bedeutet, dass ein literaturwissenschaftlicher/philosophischer oder anderer Diskurs ein eigenen Raum im Text hat.

8. Literarisches Schreiben braucht immer ein erhöhtes Maß an Reflektion- d.h. das nicht einzelne Ereignisse im Mittelpunkt stehen, oder Zusammenhänge, sondern die Reflektion und Inbezugsetzung dieser Dinge. Deshalb dauert es auch immer wieder sehr lange, bis sich Schriftsteller mit einem Thema beschäftigen, weil sie erst selber Abstand zu einem Ereignis finden müssen und das Wissen um die Zusammenhänge und die Reflektion darüber viel Zeit braucht.

9. Die meisten Schriftsteller haben ein oder mehrere Themen, die sie über eine lange Zeit begleiten, die sogenannten Leitthemen. Die Beschäftigung beginnt meist im Raum des persönlichen und wird als Frage in die Schriftstellerei übertragen/übernommen.

10. Das Scheitern ist zentrales Moment des Schreibens und des Schreibenslernens.

11. Literarisches Schreiben ist immer zeitgebunden, weil die Zeit (Haltungen, Einstellungen und mehr) eine Referenz für die Fragestellung bildet- gleichzeitig ist sie dann überzeitlich, wenn sie zentrale Fragen, die Menschen immer wieder beschäftigen, auf eine Weise behandelt, an die Menschen immer wieder neu über die Zeit (eigene Lebenszeit und über Jahrhunderte) anknüpfen können.

12. Literarisches Schreiben ist immer ein Diskurs über handwerkliche Mittel, über Perspektive, über rhetorische Figuren und vieles mehr, weil die Auswahl immer schon Teil der Fragestellung und den Angeboten zur Deutung ist. Das bedeutet nicht, dass explizit die handwerklichen Mittel im Text hinterfragt werden müssen wie in experimentellen Romanen der 70er und 80er Jahre, sondern dass z.B. in einer ungeordneten Welt ein auktorialer Erzähler erklärungsbedürftig ist.

13. Literarisches Schreiben ist unter bestimmten Voraussetzungen lernbar, weil sonst eine Didaktik des literarischen Schreibens sinnlos wäre. Das bedeutet nicht, dass alles erlernbar ist, aber es bedeutet, dass es möglich ist die eigenen Defizite zu beseitigen und die eigenen Stärken auszubauen.

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Montag, 4. Mai 2009

Didaktik des literarischen Schreibens (Teil 3)

Eine wichtige Frage beantworten diese ersten Überlegungen jedoch nicht, wie "wird ein Schriftsteller", denn die bisherigen Lernmethoden beziehen sich auf den "literarischen-Schriftsteller-in-der-Weiterentwicklung". In den meisten Biographien und Interviews von Schriftstellern erscheint fast immer ein Topos: Die ersten Geschichten schrieb er schon mit xy Jahren. In Einzelfällen könnte es sich wirklich um einen inhaltslosen Allgemeinplatz handeln, einen Teil eines Schriftstellermythos. Die Masse der Fälle über einen sehr langen Zeitraum lässt aber die Vermutung zu, dass die meisten literarischen Schriftsteller schon Schriftsteller waren, bevor sie literarische Texte geschrieben haben, und das sie Leser waren, bevor sie Schriftsteller wurden.
Somit hat eine Didaktik des literarischen Schreibens dies zu beachten und die daraus erwachsenden Fragestellung aufzunehmen. Warum werden Menschen Leser, warum werden manche Leser Schriftsteller und wie wird aus einem Schriftsteller ein literarischer Schriftsteller? Denn vielleicht liegt in dieser Entwicklung eines der Geheimnisse des literarischen Schreibens. Und welche Bedeutung spielt das Schreiben lernen aus der Schule, die Aufsätze, die ersten Texte, die Dikate und vieles mehr?

Wenn man sich die verschiedenen Bildungsstudien ansieht, dann lassen sich daraus einige Sachverhalte für diese Arbeit herauslösen:
Lesen und Schreiben sind tradierte Kulturinhalte, die in einer schriftlichen Kultur (wie unserer) den Zugang zu Bildung ermöglichen. Somit bilden Lesen und Schreiben einen der Zivilisationskerne unserer Kultur und haben entscheidenen Einfluss auf Bildungschancen- und somit sicherlich auch auf die Berufsmöglichkeiten und -wahl. Dabei scheinen "bildungsnahe" Schichten, im Sinne von höherem Schulabschluß der Eltern, den Zugang für die Kinder zu erleichtern, während "bildungsferne" Schichten (im Sinne A. Huxley) ihren Kindern weniger bei dem eigenen Bildungsweg helfen können, direkt und indirekt. Konkret bedeutet das, dass aus statistischen Erhebungen einige generelle Tendenzen abzuleiten sind: Der Zugang der Eltern zu Lesen und Schreiben und deren "Anwendung" auf ihre Kinder kann es den Kindern einfacher oder schwerer machen.
Kinder bekommen einen emotionalen Zugang zum Lesen, wenn sie damit das abendlichen Vorlesen ihrer Eltern vor dem Einschlafen verbinden. Sie werden von ihren Eltern in die Kultur der Bücher eingeführt und lernen schon etwas über Bücher, bevor sie selber lesen können.
Eltern, die ihren Kindern Bücher vorlesen, haben meist einen Bibliotheksausweis und/ oder einen Bücherstapel. Somit hat das Kind einen Zugang zu immer neuen Büchern- und lernen weitere Kulturtechniken des Buches: Was interessiert mich, was finde ich interessant, was mag ich, wie wähle ich Bücher aus, wie finde ich in Buchhandlungen/ Bibliotheken Bücher. Und genau das letzte ist nicht zu unterschätzen, denn sich zu entscheiden benötigt Kriterien- und diese Kriterien zu entwickeln, gehört zur persönlichen Entwicklung als Leser und später, in anderer Form zur Entwicklung als Schriftsteller.
Gleichzeitig ist Lesen auch eine Schulung des passiven Wortschatzes und des Satzbaus. Wer liest, lernt über die Bücher viele Wörter kennen, die er aus dem Zusammenhang erschließt und zu seinem aktiven Wortschatz ergänzt. Andere Worte ergänzen den passiven Wortschatz, als Leser ist man in der Lage viel mehr aus Texten zu verstehen. Und da viele Bücher über unterschiedlichen und auch unterschiedlich komplexen Satzbau verfügen, lernt man etwas über Syntax, über den Bau von Sätzen, über Arten von Sätzen.
Gerade weil dies alles so ist, ist eine frühe Heranführung von Kindern ans Lesen so wichtig. Denn ein geübter Leser hat es später viel leichter andere Dinge aus Büchern zu lernen.

Zudem bildet das Schreiben auch eine andere Brücke für Schriftsteller: Künstlerischer Ausdruck und Phantasie wächst durch die eigene Vorstellungskraft- und Romane eröffnen ihren Lesern unendliche Weiten, andere Vorstellungen und Meinungen, andere Wahrnehmungen und einen Zugang zu den Gefühlen anderer, zu verschiedenen Gefühlen, zu Ereignissen und vielem mehr.
Wie bei allen anderen Künsten gibt es bei Schriftstellern ein Handwerk, das für die Umsetzung der Kunst wichtig ist: das Schreiben. Es ermöglicht die Umsetzung der eigenen Phantasie, so daß man sich und diese Phantasie anderen mitteilen kann. Und wie bei allen anderen Künsten fängt es nicht mit dem Erlernen des Handwerks an, sondern mit dem Versuch aus dem schon vorhandenen Wissen über Bücher und Texte eigene Texte zu gestalten. Deshalb finden die meisten Schriftsteller ihr Schreiben recht früh, weil das Schreiben sie in die Lage versetzt sich und ihre Phantasien anderen mitzuteilen.
Dabei spielt der Zufall eine Rolle, wilde Phantasien und die wunderbaren Vorbilder aus der umfangreichen Bibliothek der Kinder. Aber auch persönliche Erfahrungen, Ereignisse und Krisen, die über den künstlerischen Prozeß bearbeitet oder verarbeitet werden, und die oft genug einfach einmal ausgesprochen werden müssen.

Nicht jeder, der als Kind schreibt, wird Schriftsteller. Und auch der kindliche Zugang zum Lesen und Schreiben ist keine Zwangsvoraussetzung. Wenn man sich aber die deutsche Literatur der letzten 50 Jahre ansieht, dann ist es kein Zufall, dass viele Schriftsteller aus "bildungsnahen" Schichten kommen und oft einfachere Wege zum Schreiben gefunden haben als Schriftsteller, die auf anderem Weg zum Schreiben gekommen sind. Ein wichtiger Faktor für das literarische Schreiben wird aber hier gelegt: Die Entwicklung des persönlichen Geschmacks.

Natürlich wird noch etwas anderes hier veranlagt: Gerade für Kinder ist die Welt ein wunderbarer, fremder Ort, der wunderbar zu betrachten ist und den sie über ihre Neugier erschließen müssen. Wenn ein Kind seine Fragen stellt und es Antworten erhält, weiter fragen kann, dann entdeckt es, dass Neugier zu Verständnis führen kann und wie wichtig solche Fragen sind, um die Welt (zumindest ein wenig) zu verstehen- auch wenn man nie alles begreifen kann. Wenn ein Kind keine Antwort auf seine Fragen erhält und sich der Welt nicht annähern kann, dann wird es seine Fragen an die Welt nicht finden und seine Neugier verkümmern.
Wenn ich in meiner Definition im ersten Teil festgestellt habe, dass die Fragen an die Welt zentral für literarische Schriftsteller sind, dann wird klar, wie wichtig diese Zeit für Schriftsteller im allgemeinen und im besonderen für literarische Schriftsteller ist.

Und ja, natürlich gibt es viele weitere Dinge in der Kinderheit, die wichtig sind: Ich glaube, dass viele Schriftsteller in ihrer Kindheit Erfahrungen und Krisen erlitten haben, die sie für sich alleine nicht ertragen konnten, und die über die Kunst ihren Ausdruck finden mussten und konnten... In einer Arte-Reportage wurde vor einiger Zeit betont, dass viele amerikanische Schriftsteller durch ihre Herkunft, ihre Religion, durch Erfahrungen, durch Erlebnisse und anderes ihr eigenes Land durch die Sichtweise eines Außenstehenden sehen- was den Blick für vieles schärft, was man als Insider gar nicht bemerkt oder beachtet.

Und sicherlich habe ich noch vieles unterschlagen, was wichtig gewesen wäre. Für eine Didaktik des Schreibens dürften aber bereits diese kurzen Ausführungen einige interessante Ideen zur Entwicklung des Schreibens bieten und Möglichkeiten für das Lehren und Lernen eröffnen, auch wenn man vielleicht nicht ganz in ein typisches Rasta passt.

Sonntag, 3. Mai 2009

Die Didaktik des literarischen Schreibens (Teil 2)

Einführung

Wer eine Didaktik des Schreibens aufstellen möchte, ist gut beraten, sich mit den klassischen Formen des "Schreiben-Lernens" auseinanderzusetzen.

Eine der gewöhnlichsten Arten das Schreiben zu lernen, das Lernen an Vorbildern, praktizierte Ernest Hemingway auf sehr ungewöhnliche Art. Er las die Werke seiner großen Vorbilder, studierte sie, sezierte sie und kochte sie auf, um die Essenz ihrer Handwerkskunst aus ihnen herauszulösen. Dann begann er sie sich durch das experimentieren und weiterentwickeln zu eigen zu machen, mit dem erklärten Ziel seine großen Vorbilder in ihren Stärken zu übertreffen. Das Besondere an Ernest Hemingway ist, dass er das Schreiben als ständigen Kampf mit sich selber und seinen Vorbildern verstand, bei dem nur ein ständiges Übertreffen des letzten Textes, des nächsten Vorbilds sein Leben als Schriftsteller erträglich machte: "Besser als Tschechow".
Die experimentelle Studium fremder Texte ist zweifelos eine der wichtigen Methoden des Schreiben-lernens.

Das Mentorat beruht auf dem Lehrer- Schüler Prinzip. Angeleitet von einem Lehrer möchte der Schüler nach und nach in das Wissen und Handwerk des Schreibens eingeführt werden.
Das sah bei Stefan George so aus: Er sammelte um sich einen großen Kreis von Bewundern, den "George-Kreis". Um die Literatur und die Ideologien/Vorstellungen/ Haltungen von George gruppierten sich in kultischer Verehrung seine (nur männlichen) "Schüler" und versuchten über sein Mentorat näher an seine Weisheit zu gelangen, seine Kunst und Vorstellungen zu adaptieren und nachzuahmen.
Witzigerweise scheinen heute noch viele Schriftsteller ein wenig einen Stefan George zu suchen, der ihnen die Irrungen und Wirrungen, die Schwierigkeiten und das Scheitern abnimmt- auch wenn sie dafür einen hohen (materiellen und immateriellen) Preis zahlen müssten.

Eine weitere Variante sind die Schreib- und Schriftstellergruppen, die über enge Kontakte und Lesungen versuchen gemeinsam zu lernen. Die "Gruppe 47" mit ihren vielen berühmten Schriftstellern (Alfred Andersch, Heinrich Böll, Günter Grass) und Kritikern versammelte sich nach Einladung von Hans Werner Richter (und später den Gruppenmitgliedern) halbjährig, um dann unveröffentlichte Manuskripte zu lesen und darüber zu diskutieren. Die Gruppe 47 betrachtete sich als maßgeblich für die Nachkriegsliteratur und grenzte sich strikt von den Autoren der inneren und äußeren Emigration ab und folgte somit dem Prinzip der Abgrenzung. Gleichzeitig war es gerade die Verbindung von Schriftstellern und Kritikern, die einerseits wunderbare Literatur hervorbrachte, und jede Menge Öffentlichkeit für die Gruppenteilnehmer.

Und es gibt seit einigen Jahren zwei Universitätsstudiengänge. In Leipzig gibt es das Deutsche Literaturinstitut Leipzig (siehe auch Wikipedia dazu), das DLL, an dem man (auch ohne Hochschulreife) nach dem früheren Diplom inzwischen den Bachelor of Arts und bald auch den Master of Arts im Bereich Schreiben machen kann.Das DLL setzt seit 1995 die Tradition des 1955 gegründeten Instituts fort (hierzu die Zeit vom 18.11.2004), dass seit 1958 zur Hochschule Leipzig gehörte und ab 1959 als Johannes-R.-Becher Institut formierte. In den Bereichen Prosa, Lyrik und Dramatik wurden dort Autoren der DDR weitergebildet und konnten über das Institut viele Kontakte in die Literaturwelt schaffen. Seit der Neugründung 1995 hat das DLL sein Zentrum auf die Ausbildung junger Schriftsteller gelegt. In einem Diplomstudiengang wurden die jungen Autoren systematisch in Prosa, Lyrik und Dramatik geschult und über literaturwissenschaftliche Seminare, sowie "Arbeitsgruppen" sowohl theoretisch und praktisch ausgebildet.

Der Schriftsteller Hans-Josef Ortheil hat vor einigen Jahren an der Uni Hildesheim einen Studiengang für kreatives Schreiben eingerichtet, wo er immer noch als Professor arbeitet. Wie auch am DLL muss hier eine künstlerische Zulassung erreicht werden, indem dementsprechende Arbeitsproben eingereicht werden muss, wobei ein Abitur oder ein vergleichbarer Abschluss Pflicht ist. Im Zentrum dieses Studiengangs steht neben dem literarischen Schreiben lernen auch Kulturjournalismus und die Vermittlung von Kultur, siehe z.B. den aktuellen Lehrplan .

Dann gibt es noch die Künstlerpaare wie George Sand und Frédéric Chopin, oder auch Künstlergemeinschaften wie Vincent van Gogh und Paul Gaugin, die beiden Brüder Mann und viele andere, die miteinander lebten, kämpften, sich anspornten, ermutigten, beleidigten und irgendwie manchmal bei der Kunst halfen. Und es gibt die Texte über das Schreiben, in denen Schriftsteller reflektierend über das Schreiben schreiben, die Texte aus der Literaturwissenschaft und die verschiedenen Werke über das "Kreative Writing".

Wenn man sich die Literaturgeschichte ansieht, dann haben alle diese unterschiedlichen Wege, meist in Kombination, Schriftstellern zum Erfolg verholfen. Für eine Didaktik ist die Frage, warum welche Wege welchen Schriftstellern geholfen haben, was ihnen dabei geholfen hat, wie es ihnen geholfen hat, warum und wann? Denn das Ziel einer Didaktik muss es sein aus allen diesen Wegen das Beste aus allen diesen Wegen herauszulösen und das zu ergänzen, was andere gehindert hat ihre Ziele als Schriftsteller zu erreichen.