Montag, 30. März 2009

Der Kölner OB Schramma tritt nicht mehr an...

Offensichtlich treten Politiker heute nur noch zurück, wenn die eigene Partei schon öffentlich nach einem Nachfolger sucht.
Fritz Schramma ist aber gar nicht zurückgetreten, sondern er verzichtet (siehe den Kölner Stadtanzeiger) nur darauf bei der Kommunalwahl erneut anzutreten, nachdem die Kölner CDU sich schon mal nach einem Nachfolger umgesehen haben. Nach dem Tod seines Vorgängers Harry Blum und durch die Besonderheit des kommunalen Wahlrechts stand er neun Jahre an der Spitze der Kölner Verwaltung. Besondere Verdienste hat
er sich dabei nicht erworben, siehe die recht zwiespältige Würdigung "Oberbürgermeister aus Zufall" aus dem Kölner Stadtanzeiger. Denn Fritz Schramma war eigentlich bei allen Veranstaltungen immer anwesend, aber präsent war er immer nur sehr wenig als Führungskraft. Denn wie sonst wäre die recht desolate Situation der Kölner CDU, die Fortsetzung des Posten/ Pöstchenspiels der Politiker in Köln und die Fortsetzung des Kölschen Klüngels zu erklären.
Noch deutlicher wurde die Führungsschwäche des Noch-Obs aber im Zusammenhang mit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs. Die helfende Hand Schrammas für die Opfer war immer zu bemerken und spürbar, die ordnende Hand Schrammas bei den Baumaßnahmen und in der eigenen Verwaltung scheint aber gefehlt zu haben. Zudem: Wenn ein OB sich für die Entscheidungen des Stadtrats und den Baumaßnahmen unter seiner Ägide nicht verantwortlich fühlt, wer sollte es denn sonst tun??
In diesem Sinne wäre es logisch und konsequent, dass Fritz Schramma zurückgetreten wäre. Die Begründung, dass ansonsten der Einsturz des Kölner Stadtarchivs in den Wahlkampf gezogen worden wäre, ist allerdings eine Unverschämheit. Denn ein Versagen dieser Größe von Stadt und Verwaltung, KVB und Baufirmen muss zu Konsequenzen führen und darf Thema in der Lokalpolitik sein. Denn die Verantwortung des OB`s gilt den Bürgern seiner Stadt- und die Kommunalwahl ist der Ort, wo ein Politiker (sich unter anderem) rechtfertigen muss.Wer als Oberbürgermeister so argumentiert und agiert, hat kein Verständnis für seinen eigenen Job und für die Legitimation von demokratischen Institutionen.

Viel Glück im Privatleben, Fritz Schramma. Das mit dem Oberbürgermeister war wohl eher nix.

Sonntag, 29. März 2009

Frühlingsimpressionen

Von Blogger Pictures

Kurz vor dem Sonnenuntergang: Zwielicht. Ein "magischer" Moment beginnt, irgendwo zwischen Tag und Nacht. Alles ist verwandelt, sogar die Triebwerkspuren am Himmel.

Von Blogger Pictures

Zwielicht... der kurze Moment, bevor die letzten Sonnenstrahlen fallen.

Von Blogger Pictures

Ein paar Stunden später... Frühlingsnacht, erinnert mich an Sherlock Holmes, irgendwie.

Samstag, 28. März 2009

Nebenprojekt

Für anspruchsvolle Literatur reicht gerade die Zeit und die Energie nicht aus. Weshalb ich gerade mal hier und mal dort ein paar Zeilen schreibe und wieder mal ein wenig Neues ausprobiere. Denn ich bin bei meinen nicht so anspruchsvollen Nebenprojekten bisher immer daran gescheitert, dass ich die Anforderungen aus dem anderen Bereich mit hinein genommen habe, was ehrlich gesagt nie hätte funktionieren können.
Deshalb habe ich gerade angefangen mal wieder die Perspektive zu wechseln, raus aus der Ich-Perspektive, hinein in einen personalen Er/Sie- Erzähler. Weil ich so gezwungen bin aus meiner normalen Erzählhaltung herauszugehen und neue Dinge auszuprobieren. Denn ich versuche gerade auch ein wenig die Dichte zu reduzieren und mich ein wenig breiter aufzustellen, auch wenn es dann mal ein wenig wie das übliche ist. Aber vielleicht ist gerade das wichtig.

Mittwoch, 25. März 2009

Die kleine Zeit, die bleibt

Gerade ist meine Welt ein wenig in Unordnung, weil ich kaum Zeit finde zu schreiben. Denn die mündlichen Prüfungen nähern sich immer weiter und ich muss Unterlagen kopieren, sortieren und natürlich auch bearbeiten. Und da muss ich die wenige restliche Zeit ordentlich einteilen.
Gleichzeitig muss ich aber schreiben, weil ich das für meine Gesundheit und mein Wohlbefinden brauche, und irgendwie meine Gedankenkinder ihre Zeit und meine Zeit brauchen. Ich werde sehen... und sicherlich ab Juli ordentlich schreiben.

Montag, 23. März 2009

Irrtümer sind das bröcklige Fundament der Größe

Eigentlich ist es mir fast schon peinlich, dass ich immer wieder berichten muss, dass ich mich (mal wieder) geirrt habe. Immerhin kann ich stolz behaupten besonders lange und energisch an meinen Irrtümern trotz besseren Wissens festgehalten haben- was die Sache eigentlich nur noch schlimmer macht. Aber so ist es halt, und ganz ehrlich, viele dieser Irrtümer sind besonders produktiv für mein Schreiben.
In den letzten anderthalb Jahren hatte ich große Probleme ein Thema für eine Kurzgeschichte zu finden, weil ich fest überzeugt war, dass ich mich hauptsächlich mit den großen Themen Schmerz, Liebe und Tod beschäftige. Nur ist das leider falsch. Eigentlich schreibe ich über die kleinen Eigentümlichkeiten von Menschen, die besonders in solchen Situationen deutlich werden, über die Widersprüche und Widersprüchlichkeiten von Mensdchen, ihre Eigenheiten und ihr Entscheidungen. Und dabei ist Tragik und Komik mein Thema. Eine Erklärung, warum in den letzten Monaten so wenig produktives im Bereich Kurzgeschichten herausgekommen ist.
Ich bin auch seit Jahren davon überzeugt, dass ich ständig die Tiefe in meinen Texten erhöhen muss und stilistisch immer weiter "ausformen"- bis ich gemerkt habe, dass ich stilistisch weit weniger Probleme habe, als ich immer angenommen habe. Die Probleme finden sich woanders- und da muss ich ran. Denn im Prinzip bin ich in meinen Geschichten oft etwas klein, also auf eine Situation reduziert, die ich ausarbeite, während ich vermutlich ein wenig mehr Raum drumherum, mehr Situation aus anderen Bereichen hinzunehmen muss, "breiter" werden.
Leicht bitter macht mich eine Erkenntnis zu meinen Nebenprojekten: Ich habe ein Rätsel gefunden, was ich nun endlich lösen kann. Ich habe bisher bei meinen Seltsamkeiten immer eines vergessen: Den Leser in die Situation einzuführen und nach und nach bestimmte Dinge erleben zu lassen, die ein zentrales, phantastisches Moment erklären. Habe ich ein wenig verpasst, ehrlich gesagt.
Und noch ein Irrtum: Vermutlich sind die meisten amerikanischen und skandinavischen Texte gar nicht langweilig. Denn ich höre zu den Texten, die ich langweilig finde, meistens, dass sie in einem flüssigen Stil geschrieben sind, die den Leser zum weiterlesen einladen. Anscheinend gibt es hier ein Problem zwischen meiner Wahrnehmung und der aller anderen. Ich finde sie langweilig, weil sie letztlich immer gleich geschrieben sind, viel Carver, ein wenig abgenutzte rhetorische Figuren, dazu narrative Aufzählungen und Übergänge, ein bisschen leichte Weltkritik und ein wenig Standartsex. Irgendwie ist alles immer so, wie man es erwartet, und manche Sätze kann ich einfach so weitersprechen. Aber die anderen sehe es nicht so. Ich muss also überlegen.
Und weil ich gerade bei Irrtümern bin: Ich muss ein wenig mehr an meinen Handlungen arbeiten, da vielleicht manchmal mehr konstruieren, damit die Handlung in Wallung kommt.

Samstag, 21. März 2009

Die Sprachwissenschaft und die Metaphern

Heute ist in der SZ ein Interview "Fast die Hose geplatzt" von Johan Schloemann mit dem Linguisten Hans-Jörg Schmid über die Metaphern: Wann wir sie verstehen, warum originelle Metaphern so selten sind und warum es in vielen Kulturen ähnliche Metaphern gibt. Natürlich geht es auch um mehr.

Donnerstag, 19. März 2009

Männergespräche...

In der letzten Zeit werde ich bei meinen Gedankenausgängen immer öfter wieder von meinen Gedankenkindern begleitet. Nur ist noch jemand dazugekommen. Hier ein aktuelles Bild des älteren Herren, mit 98 Hundejahren.
Von Blogger Pictures

Er bellt nicht, sondern meckert wie eine Ziege. Er schläft ungefähr 18 Stunden am Tag, manchmal 20, und besteht nur aus Blase: Nach einem Nachtspaziergang muss er erst um 16.00 Uhr wieder raus. Am liebsten schläft er, wenn er komplett von einer Decke zugedeckt ist. Und als Spezial: gelegentlich machen wir ein Männergespräch und kuscheln, natürlich wie es sich bei einem geglaubten Nochrüden gehört, wenn keine Frauen in unmittelbarer Nähe sind. Denn mit Frauen kann man das nicht richtig, meint er zumindest und flüchtet dann sofort.
Und klar, er versteht auch etwas von Kultur, wie man es von einem Schriftstellerhaustier erwarten kann. Nur wenn meine Texte besonders gut sind, oder er etwas von mir will, hält er das eine Ohr genauso hoch. Er akzeptiert, dass ich schreiben muss, nur läuft er mir dann manchmal nach und seufzt mit.
Und die Zeitung wird auch eifrig gelesen, immer mit dem Kulturteil als erstes zwischen den Zähnen. Aber, hey, so geht es vielen Zeitungslesern öfters mal.

Mittwoch, 18. März 2009

Wie immer in Köln: Das Archiv ist alleine zusammengefallen

Die Lokalpolitik in Köln ist seit vielen Jahren ein ziemlich undurchsichtiges Geflecht von Politik, Posten und Pöstchen, Klüngel und seltsamen Ausschreibungen (wie bei den Messehallen und den Gebäuden für RTL gegen EU-Vorschriften- der Gewinn an den Oppenheim-Esch-Immobilienfond, das Risiko an die Kölner Stadtsparkasse).

Was aber ziemlich durchsichtig ist: Wenn irgendetwas herauskommt oder etwas schief geht, dann ist niemand dran Schuld. Schließlich bedeutet Schuld auch immer Verantwortung, und die wird in der Kölner Politik immer gerne weitergegeben. Im Fall des Stadtarchivs gibt es die Planung und Überwachung der Bauarbeiten durch die Ämter der Stadt Köln, durch die KVB, durch die Gesamtverantwortlichen bei Bilfinger-Berger und deren Subunternehmer. Und natürlich gehört dazu auch der Beschluß des Rates der Stadt Köln die Arbeiten durchzuführen.
Nun stellt sich heraus, dass offensichtlich bei den Bauarbeiten auf ein preiswerteres Verfahren zurückgegriffen wurde, dass Grundwasserbrunnen notwendig machte, die enorme Mengen Wasser aus einem Sandboden herauspumpen mussten. Dies allein, das dürfte allen Menschen klar sein, die mal Sandburgen gebaut haben, beinhaltet ein gewisses Risiko. Das mit zunehmender Pumpleistung die Gefahr größer wird, ist auch klar. Denn Sandböden können durch die feineren Bestandteile im Boden eine gewisse Menge Wasser speichern. Jedes Abpumpen von Wasser aus diesen Schichten führt dazu, dass die feineren Bestandteile mitabepumpt werden und somit die Speicherfähigkeit und Stabilität des Sandbodens reduziert wird. Es fliesst mehr Wasser nach, das nicht mehr gespeichert werden kann und weiter die feinen Bestandteile ausspült, so dass der Boden in Bewegung kommt. Somit dürfte auch klar sein, dass gerade bei diesem Verfahren erhöhter Bedarf an Überwachung beständen hätte.
Wenn nun zusätzliche Brunnen installiert wurden und die abgepumpte Menge Wasser deutlich erhöht wurde, hätten eigentlich bei allen Beteiligten die Alarmglocken schrillen müssen, bei den Bauunternehmern und allen überwachenden Personen von KVB und Stadt. Zudem stellt sich die Frage, ob diese Situation gemeldet wurde, an wen, wann und was passiert ist, bzw. wer die Situation nicht gemeldet hat und ob das dann nicht hätte auffallen müssen. Und ja, das hätte auffallen müssen und wahrscheinlich wurde es auch gemeldet...

Nun, gerade ist mal wieder keiner Schuld. Niemand hat etwas gewusst. Bei einer Baumaßnahme in der Größenordnung mitten durch eine auf Sandböden errichteten Großtstadt, (wenn man das von Köln behaupten kann, das mit der Großstadt), wäre es wohl wichtig, wenn es irgend jemand geben würde, der einmal Verantwortung übernehmen könnte. Denn der Schaden ist gewaltig und trifft die Stadt an einer besonders empfindlichen Stelle- ihrer Vergangenheit, die immer auch die Gegenwart ist. Nun stellt sich aber eine entscheidende Frage: Wenn ein Oberbürgermeister, die KVB und Bilfinger-Berger nicht verantwortlich ist, dann frage ich mich, warum sind sie nicht verantwortlich? Wer war dann verantwortlich: Das Land NRW, der Bund, Tibet oder Barbie?
Und ehrlich gesagt: Wenn niemand bei der Stadt bereit ist Verantwortung zu übernehmen und ein Kulturdezenent der Stadt Köln erst nach über einer Woche bei den Überresten des Archivs erscheint, dann sollte die gesamte Führung der Stadt zurücktreten. Denn Volksvertreter werden dafür gewählt die Bevölkerung zu vertreten und in ihrem Namen Verantwortung zu übernehmen. Die Verantwortlichen in den betreffenden Überwachungsbehörden dürfen übrigens Folgen, wenn sie dafür zuständig waren. Denn selbst wenn keine direkte Schuld zu finden ist, bedeutet Verantwortung eben auch die eigenen Aufgaben für die Bevölkerung zu erfüllen und deren Sicherheit (so weit das geht) sicherzustellen.
Wenn die KVB das Bauverfahren bekannt war, und sie nicht überwacht haben oder nicht richtig überwacht haben, bzw. es gewusst haben, sollten hier ebenfalls die Folgen gezogen werden und Rücktritte folgen. Und Bilfinger-Berger: da sollte man sich auch mal überlegen, wer für was Verantwortung hat.
Denn in einer Demokratie kann man falsche Entscheidungen treffen, das tun wir alle. Aber für diese Entscheidungen ist man verantwortlich, ob man nun fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt hat. Und dafür muss man die Konsequenzen tragen.

Montag, 16. März 2009

Das Nachtstudio zum Thema "Bestseller-Boom"

Gestern Abend gab es im Nachtstudio eine Diskussion von Volker Panzer mit John von Düffel, Julia Franck, Hanns-Josef Ortheil und Moritz Rinke über die Entstehung von Romanen, die Arbeit daran und die Findung von Themen. Das war gerade spannend, weil Düffel und Rinke immer wieder Dramen für die Bühne verfassen und so einen veränderten Blick auf das Romanschreiben haben. Ortheil arbeitet ja nicht nur als Schriftsteller, sondern unterrichtet auch als Leiter des Studiengangs kreatives Schreiben an der Uni Hildesheim. Und Franck hat gerade durch die Verbindung von Lebensgeschichte und Roman, nicht im Sinne der Autobiographie, sondern dem autobiographischen Zugang zu Themen einiges beigetragen.
Das dies interessant ist, dürfte bei den Beteiligten bereits klar sein. Wer Lust hat sich das ganze einmal anzusehen, der sollte im obigen Link des Nachtstudio auf die Mediathek klicke- dann startet der Livestream und jeder kann sich einen eigenen Eindruck machen.

Sonntag, 15. März 2009

Neugier und der Amoklauf

Die Presse hat die Aufgabe die Menschen mit wichtigen Nachrichten zu informieren und diese Informationen aufzubereiten. Im Moment scheinen einige Medien eher die Aufgabe zu verfolgen, die Selbstdarstellung einer Politiker (und deren etwas abstruse Vorstellungen) zu publizieren, Kinder und Jugendliche zu verfolgen (um emotionale Stellungsnahmen verkaufen zu können) und allerlei ungeprüfte Informationen herauszugeben, vom Recycling bestimmter "Lösungsideen" wie "Killerspiele", "Verschärfung von Waffengesetzen" und ähnliches einmal abgesehen.
Zuerst einmal die Feststellung: Es gibt keine Killerspiele. Computerspiele sind genau wie Bücher Fiktion und verfügen wie die meisten Fiktionen über klare Regeln. Schon Kinder können recht früh zwischen Fiktion und Wirklichkeit entscheiden und die enthemmende Funktion von Tom&Jerry ist eher gering zu erachten- von Ausnahmefällen einmal abgesehen. Somit werden die Spieler nicht durch solche Spiele für Gewalttaten enthemmt, es sei denn, der Benutzer überträgt seine vorhandenen Gewaltphantasien auf sie- dann sind sie aber nur ein Mittel, und keine Ursache. Da es Amokläufe und Schießereien an Schulen schon vor Killerspielen gab, dürfte recht klar sein, dass ihre Bedeutung im Einzelfall zwar nicht gering ist, aber eine generelle Enthemmung bei vielen Millionen Spieler praktisch gleich null ist. Und diese Spiele sind austauschbar- andere Gewalttäter haben mit Zwillen und Messern Tiere gequält.
Dann eine weitere Feststellung: Amokläufer und Täter bei Schulschießereien verwenden üblicherweise die Waffen, auf die sie zugriff haben- und dabei spielen Schußwaffen eine wichtige Rolle, weil sie die Allmachtsphantasien der Täter unterstützen. Eine Messerattacke ist wesentlich risikoreicher für den Täter, als ein Angriff mit Schußwaffen. Deshalb erscheint es sinnvoll den Erwerb und die Lagerung von Schußwaffen stark zu reglementieren. Aber das ist längst geschehen- und nun stellt sich die Frage, ob eine weitere Reglementierung solche Angriffe verhindert. Die Antwort ist nein. Denn die Jugendlichen, die keinen direkten Zugang zu solchen Waffen haben, werden entweder von den Taten abstand nehmen, damit drohen oder versuchen sich Zugang zu verschaffen. Das ist in Deutschland zwar schwierig, aber nicht unmöglich- und keine Verschärfung wird das je ändern können.

Was aber von den Medien unterschlagen wird: Bei den meisten Schulschießereien beginnen die Täter sich mit einem Suizid zu beschäftigen, weil sie nicht glauben, dass sie eine bestimmte Situation noch länger ertragen können oder eine Demütigung für sie nicht weiter hinnehmbar erscheint. Dabei entsteht gerade bei dieser Tätergruppe aus dem Gefühl der Ohnmacht ein enormes Aggressionspotential. Letztlich ist aber in diesem Moment noch unklar, auf wen oder was sich dieses Potential richtet- das mag dazu führen, dass man sich der Situation stellt und die eigene Ohnmacht überwindet, dass die Frustration zu einer Depression oder einem Suizid führt, oder das die Person ihre Aggression auf andere Menschen richtet.
Bei den Jugendlichen, die dann ein Schießerei an der Schule planen, gibt es eine ganze Reihe Faktoren, die dieses auslösen. Einen wichtigen Faktor unterschlägt die Presse gerne:
Vorbilder spielen eine erhebliche Rolle. Dabei bedient sich die Presse unheimlich gern, angeblich um den Menschen die Psyche der Täter zu vermitteln, bestimmter ikonographischer Bilder der Attentäter. Die stilisierten Allmachtsphantasien der Vorbilder werden gesendet und gezeigt, genau wie die umfangreichen Bilder von Unverständnis und Leid der Opfer, von der Suche nach Motiven der Täter. Und genau das macht es so interessant für diese Personen: Ihre Allmachtsphantasien werden durch die umfangreiche Selbstdarstellung der Täter, der Frage nach ihren Motiven, dem gezeigten Leid bedient. Und deshalb entscheiden sich die Täter letztlich zu einer solchen Tat.

Was aber bei der gesamten Diskussion untergeht: Die meisten dieser Täter stammen aus der Mittelschicht, sie sind eher gebildet, auch wenn sie in der Schule kaum noch mitkommen. Sie werden von ihren Eltern meistens deshalb stark unter Druck gesetzt, damit sie den Status der Familie halten können. Sie sind meistens in ihrer Schule eher still und fallen dadurch (eher nicht) auf, dass die wenig Freunde haben und sich von Gruppenaktivitäten fernhalten. Zudem sind viele eher schüchtern und haben Probleme mit dem anderen Geschlecht, bzw. mit ihrer Sexualität. Viele werden dann auch in der Schule gemobbt.
Was diese Jugendlichen nicht gelernt haben, ist mit Frustrationen umzugehen, mit Streß. Sie können ihre Gefühle nicht äußern und sie nicht über kreative Prozesse oder körperliche Aktivität rauslassen. Und sie können sich nicht wirklich in andere Menschen hineindenken.
Letztlich handelt es sich um ein Versagen der Eltern, der Lehrer und der Schulplanung: Weil eine der wichtigsten Dinge die Vermittlung von Gefühlen und den Umgang damit ist, was sich so einfach Empathie nennt. Also andere Menschen und ihre Gefühltheit zu erkennen und zu beachten und auch die eigenen Gefühle zu kennen und zu benennen. Es geht um die Erfahrung und den Umgang mit Frustration, und wie man mit den eigenen Gefühlen umgeht, und wie man bestimmte Gefühle loslassen kann: Kunst und Sport.
Genauso wichtig ist es den Schülern im Elternhaus und in der Schule auch Erfolge zu vermitteln, den Glauben an die eigene Leistungsfähigkeit und wie es sich anfühlt, wenn etwas gelingt, dass man selber begonnen und entwickelt hat, im Idealfall mit anderen zusammen- und so zusätzlich Gemeinschaftsgefühl zu schaffen.

Leider ist das natürlich nicht so spektakulär wie "Killerspiele" und "Verschärfung der Waffengesetze" und bei weitem nicht so leicht umzusetzen. Denn das Eltern und Lehrer sich abstimmen und gemeinsam bei Schwierigkeiten beraten, die Schule sich an sozialen Zielen statt der so hochgepriesenen "Berufsvorbereitung" orientiert, das die Eltern dabei in die Verpflichtung genommen wird, dass unser Schulsystem sich endlich wieder stärker an den Schülern, als am Lernstoff ausrichtet und das genug Geld für intensive Arbeit von Lehrern und Schülern bereitsteht, geeignete Lehrer.... All das kostet viel mehr Zeit und Geld als alberne Schlagwörter.

Freitag, 13. März 2009

Der fünfte Streich

Im Juli letzten Jahres habe ich mit den Vorbereitungen für die Klausuren angefangen, und die Zeit ist in der Rückschau ziemlich kurz geworden, wie das immer mit Zeit in der Rückschau ist. Denn in der Situation nehmen wir die Zeit noch ganz anders war. Heute konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass die Klausuren wirklich vorbei sind und ich bei jeder einzelnen anwesend war. Das diese lange Lernzeit irgendwie vorbei ist und nun die Vorbereitung für die mündlichen Prüfungen beginnt. Aber so ist das nun einmal, irgendwie ist man immer wieder überrascht, was man kann, wenn man es versucht.

Montag, 9. März 2009

Die innere Stimme

Beim Schreiben ist man als Schriftsteller im alleine mit den Worten und der inneren Stimme. Ich habe schon öfter über den Prozess geschrieben, der für mich wie eine Art Pilgerreise ist, bei dem man einzig von seiner innere Stimme begleitet wird. Diese innere Stimme ist die Summe aller unser Vorzüge und all unserer Fehler als Mensch und Schriftsteller.

a.) In ihrer Funktion als Erzählstimme sind in ihr unsere Kenntnisse des Handwerks enthalten: unsere Erfahrungen mit eigenen und fremden Texten, unsere Vorliebe und Abneigungen im Bereich Handwerk, die Fähigkeit Dinge auf unterschiedliche Art darzustellen, unser Wortschatz, und all das, was man so allgemeinhin als Talent bezeichnet: Unsere Wahrnehmung (inkl. deren Filter), unsere Fähigkeit einen Text und mittels stilistischer Mittel unterschiedliche Textelemente, Stilhöhen und -ebenen zu gestalten.

b.) In ihrer Funktion als Mensch sind ihn ihr unsere Erfahrungen (Wissen, Beobachtung, Gefühle) enthalten, sowohl die eigenen, als auch die Erfahrungen enthalten, die uns berichtet, zugetragen oder anders an uns gekommen sind. Die Figuren, die wir erschaffen, entstehen aus diesem, werden mit Gefühlen, mit Charakterzügen und Eigenheiten aus diesen Erfahrungen entworfen. Lebendig werden sie erst, wenn wir ihnen erlauben zu eigenständigen Wesen zu werden, indem wir ihnen erlauben über unsere Anlagen hinaus zu wachsen und eine Eigenständigkeit über ihren reinen Nutzen in einem Text zu gewinnen.

c.) In ihrer Funktion als Lektor/ Kritiker ist sie das Zusammenspiel unseres Mutes, unserer Kritik- und Urteilsfähigkeit und unseres Selbstvertrauen. Unser Selbstvertrauen ist letztlich die Basis um sich überhaupt dem Pilgerweg auszusetzen, dem Schreiben, sich selber als Mensch mit seiner Autorenstimme- denn gerade in der Stille benötigt man das Vertrauen auf sich selber. Die Kritik- und Urteilsfähigkeit lässt uns zwischen guten und schlechten Text(teilen), sowie guten und schlechten Ratschlägen, unterscheiden, die eigenen Fähigkeiten ein- und abzuschätzen und gibt uns die Möglichkeit nach dem Scheitern und dem Gelingen jeweils etwas aus beidem zu lernen, besonders aus dem Scheitern. Dabei braucht die Kritik- und Urteilsfähigkeit das Selbstvertrauen, denn erst wenn man sich und seinen Texten vertraut, kann man fremde Urteile annehmen und eigene Treffen. Denn sonst vertraut man nicht der eigenen Stimme, und hört zu sehr anderen zu, was die über die eigenen Texte sagen und macht sich von ihnen abhängig.
Der Mut hilft uns etwas zu riskieren wie einen Roman zu schreiben, obwohl so viele andere das auch machen. Er gibt uns das Selbstvertrauen eigene Entscheidungen zu treffen und damit unserem Urteil zu vertrauen, und erlaubt uns sich über auch gute Ratschläge hinwegzusetzen, wenn wir das für richtig halten. Dabei ist es aber wichtig, dass die Kritik- und Urteilsfähigkeit dazu kommen, damit man nicht vor lauter Mut sich über gute Ratschläge hinweggeht und schlechte Entscheidungen trifft.

d.) in einer etwas weiteren Auslegung gibt es noch einen Faktor der inneren Stimme, den ich immer wieder vergessen habe: Die Vorstellungskraft. Wir können nur das schreiben, was wir uns vorstellen können, wobei wir dann die Erzählstimme brauchen, um unsere Vorstellungskraft in einen möglichst guten Text zu verwandeln. Dabei speist sich die innere Stimme aus der Vorstellungskraft, weil sie die vielen Einzelheiten erst verbindet, die bisher aufgezählt wurden.

Über die Literaturpreise

In dem Radiofeature "Zweifelhafter Ruhm. Über die Vergabe von Literaturpreisen" des WDR 5 ging es heute um Literatur, Autoren und um den Mut. Michael Krüger, Thomas Bernhard und einige andere wurden über Literaturpreise befragt, bei Thomas Bernhard natürlich post mortem über seine Texte in "Meine Preise", und natürlich kam die Sprache auf Daniel Kehlmanns Kritik in der FAZ am Deutschen Buchpreis.

In diesem Radiofeature wurde zuerst einmal etwas herausgestellt, was man sich als Autor oft selber nicht klar macht. Wenn man heute als Kunstförderer auftreten möchte, dann gibt es kaum etwas preiswerteres als einen Literaturpreis zu stiften. Für einen Artikel in der Lokalzeitung (und vielleicht überregional) und eine Reihe Fotos zahlt man dann zwischen 300 und 5000 Euronen (für den Literaturpreis). Nun, Kunstförderung ist sonst deutlich teurer, Werbung auch und ein interessiertes Publikum bekommt man sogar noch dazu, ganz kostenlos. Nun in diesem Radiofeature wurde dann noch die Begründung für die Preisverleihung einer ganzen Reihe dieser Literaturpreise vorgetragen. Ich habe nicht gewusst, ob ich weinen sollte oder herzlich lachen: prägnante Beschreibungen wie aus dem Leben, gekonnte Vermischung eigenen und fremden Erlebens, in einem ausgezeichneten Stil geschrieben... Irgendwie hatte man das bei Literatur erwartet, sogar ganz ohne Preis. Was aber wiederrum deutlich macht, wie groß häufig das Interesse der Verausgaber der Literaturpreise an den Autoren und ihren Werken ist.
Das zudem, wie Michael Krüger und noch wundervoller, Thomas Bernhard, dargestellt haben, die Jurys nun nicht immer aus wirklichen Kennern bestehen kommt dazu, bei einer von Thomas Bernhards Preisverleihung wurde der Preis an Herrn xy und Frau Bernhard verliehen. Wie in dem Feature ausgeführt wurde, vermutlich einer der Gründe, warum gerne schon prominente Schriftsteller ausgezeichnet werden- außerdem wirkt die PR dann besser. Zudem sorgt dieser Mechanismus dafür, dass immer wieder Schriftsteller ausgezeichnet werden, die eben nicht außergewöhnlich und schwierig sind, sondern eher ziemlich mittelmäßig.

Samstag, 7. März 2009

Ein paar Gedanken zur Literatur...

Heute gab es in der Welt einen längeren Artikel über "DDR-Literatur - Pro und Contra" von Uwe Wittstock und Tilman Krause, indem die Frage gestellt wurde, was von der DDR-Literatur wirklich bleiben würde. Denn viele Texte sind fast ausschließlich in ihrer Zeitlichkeit als DDR-Literatur verfangen, sie sind kodiert in der gewünschten Sprachgestaltung, sie sind verdinglicht in ihrem Bezug auf die DDR selber und sie weisen kaum über die DDR hinaus. Andere Texte sind zwar zeitlich verortbar, sie sind in Gestaltung und Inhalte eben in der DDR entstanden, aber sie weisen weit darüber hinaus- sie haben etwas, was den Lesern erlaubt immer wieder in ihnen etwas zu finden, unabhängig von der Herkunft der Leser und ihrem Bezug zur DDR.
Interessanterweise wird in diesem Artikel darauf verwiesen, dass die meisten Texte der BRD-Literatur ebenfalls über diese Qualität nicht verfügen. Als Kriterium verwenden die beiden Autoren des Textes dann die Qualität des Mutes in dem Sinne, dass Autoren eben nicht das zu schreiben, was von ihnen vom Staat und Publikum erwartet wird.

Nimmt man einmal diese grundsätzliche Theorie so hin, dann ist die Antwort Mut sicherlich eine interessante Zuschreibung. aber letztlich keine hinreichende. Denn Mut ist ein viel zu abstrakter und sinnleerer Begriff, der in diesem Fall nur sehr wenig aussagt. Denn Mut allein macht keine guten Texte und sicherlich auch keine Texte, die über ihre Zeitlichkeit hinaus etwas aussagen.
Uwe Tellkamp hat in seinem Roman "Der Turm" einen Roman über ein bürgerliches Milieu in der DDR geschrieben, zwischen Anpassung und Abgrenzung, gefangen in einer babylonischen Sprachverwirrung der Protagonisten in der DDR und der DDR selber zwischen Bürgerlichkeit und Sozialismus und zwischen Ideen und Ideologie. Geschildert wird dies im bürgerlichen und sozialen Realismus, in realistischen und märchenhaft-surrealen Episoden.
Verweist Tellkamps Buch nun über die Zeitlichkeit seiner Entstehung und über die geschilderte Zeit hinaus?? Nein, denn Tellkamp begeht einen Kardinalfehler: Er orientiert sich in der Wahl seiner Mittel an klassischen Vorbildern, orientiert sich an einem Milieu, dass letztlich in seinem Schwanken schon die Antwort auf die Fragen enthält, die der Roman eigentlich stellt. Im Prinzip versetzt er nur ein Milieu in eine andere Umgebung. Er spiegelt eine Welt in den Augen der anderen, was nicht bedeuten soll, dass dieses Milieu dort nicht vorhanden ist.

Wenn man nun einen wirklichen Roman über die DDR schreiben wollte, der sich von diesen Fesseln löst, was wäre dann notwendig?? Wenn man sich die Nachkriegsliteratur ansieht, dann gibt es dort drei wichtige Entwicklungsschritte.

1.) In der sogenannten Trümmerliteratur steht die Schilderung von bestimmten Erfahrungen im Vordergrund, die über die individuelle Erfahrung hinausreichen. Eine wirkliche Verarbeitung findet nicht statt, sondern im Prinzip eine Bestandsaufnahme der Situation, eine Darstellung der eigenen Lage und der Gefühle, sowie ein grundlegender Pessimismus über die Situation, ihre Entstehung und auf zukünftige Entwicklung. Die stilistischen Mittel müssen sich diesem Ziel unterordnen. So wird hier ein personaler Erzähler verwendet, weil ein auktorialer Erzähler den Inhalt der Texte zerstören würde, die eben die Existenz einer solchen Instanz eigentlich ausschließen. Und auch die anderen Mittel sollen den Inhalt in den Mittelpunkt stellen, die Aussage, und werden nicht mehr wie z.B. bei Benn als eigenständiger Wert der Texte begriffen.

2.) In der zweiten Phase, bei der Nachkriegsliteratur nach einigen Jahren, verändert sich die Herangehensweise, indem die Autoren sich über verschiedene Mittel von dem eigenen Erleben distanzieren. Die Perspektive bleibt personal, aber sie wird oft multipersonal und verbindet unterschiedliche Handlungsstränge. Dabei steht die Verarbeitung der ursprünglichen Ereignisse im Mittelpunkt, wobei das eigene Erleben oft nur der Anlass bildet, um sich "breit" mit dem Thema zu beschäftigen. Oft werden in diesen Texten dann bestimmte Elemente dargestellt, die auch bei der Trümmerliteratur vorgekommen sind, sie werden aber mit anderen Mitteln und auf anderen Ebenen gezeigt. Alfred Andersch verzichtet in "Sansibar oder der letzte Grund" z.B. darauf die Nazis mit Namen auftauchen zu lassen, sie erscheinen nur als die "Anderen", aber sie sind in den Farben, in der Überwachung und der stetigen Bedrohung ständig präsent ohne wirklich anwesend zu sein, was sie eben in der Trümmerliteratur noch waren.

3.) Die gefühlsmäßige Bindung an die Ereignisse muss für die nächste Phase etwas verblassen und das Groteske oder Absurde des Ereignis deutlich werden. Wenn ein Kind beschließt mit dem Wachsen aufzuhören und seinen Protest herauszutrommeln, dann verdeutlicht er das Absurde der Situation und auch das Groteske. Dabei entsteht in der Groteske und im Absurden wieder eine Art Einheit der Betrachtung, die Zersplitterung und Auflösung der Einperspektivigkeit hört auf. Im Absurden mag die Perspektive keinen Sinn ergeben, oder der gesamte Roman mag keine erkennbare Logik oder Folge haben, aber meistens gibt es nur eine Perspektive.
Eine Variante dieser Form ist übrigens dann übrigens die Allegorie, die Übertragung ins Surreale. Und selber absurd in der Wahl, die Bearbeitung des Themas, als hätte es die ersten beiden Schritte nie gegeben und als

Rückkehr zu den Formen vor 1.), also ein klassischer Roman, als habe es weder das Ereignis, noch die Folgen gegeben, bzw. als wären das nur ein Hintergrund.

Wenn man dies nun auf die DDR-Literatur anwendet, sind die meisten Texte eben in der ersten Phasen hängen geblieben, weil die Texte letztlich stark an den sozialistischen Realismus gebunden sind. Die Texte, die sich davon in Teilen befreien konnten, sind durch Zensur und sozialistischen Realismus meistens so codiert, dass sie letztlich eben nur für die in dieser Phase sind, die das codieren konnten. Und irgendwie sind die Texte der dritten Phase ausgefallen, von ganz wenigen Ausnahmen bei der Variante einmal abgesehen, die letztlich an der DDR vorbeigelaufen sind oder diese weitgehend ignorieren.
Deshalb ist Tellkamps Roman letztlich auch nicht der große Wenderoman. Er ist zu sehr die Rückkehr zu Thomas Mann und alten Formen, wenn er nicht die Formen der BRD- und DDR-Literatur zitiert und versucht alles mögliche zu sein, nur halt kein 100% Tellkamp und nichts Modernes.

Freitag, 6. März 2009

Zwischenstation am Gipfel...

Vor zwei Tagen hatte ich eine mittelschwere Klausurphasendepression. Mein Verstand war mit so vielen Informationen überschwemmt, dass ich einfach keine neuen mehr verarbeiten konnte, und ständig irgendwelche nutzlosen Informationen auftauchten. Ich fühlte mich ein wenig hilflos, war völlig übermüdet und war schwer durch den verschimmelten, dreckigen und Asbestbelasteten Hörsaal in Allergieprobleme belastet- Nun, ich habe dann einfach eine Runde geschlafen und weitergelernt. Denn eine Lektion habe ich in den letzten Jahren gelernt: Angst ist Stillstand. Und Stillstand funktioniert nicht, weil nichts stehenbleibt, und die Angst somit wächst und einen hindert selber weiterzugehen.
Deshalb ist es auch so wichtig die kleinen Erfolge zu feiern: Heute habe ich die vierte von fünf Klausuren geschrieben, und da nach der letzten Klausur dann noch drei mündliche Prüfungen folgen, habe ich heute Bergfest. Die Strecke bis zum Abschluß ist also noch mal kleiner geworden, und hey, noch eine Woche und eine Klausur, dann folgt die nächste Lernphase. Und als kleines Geschenk: Vermutlich habe ich die letzte Prüfung Ende Mai und kann somit in Ruhe im Juni in Urlaub fahren. Aber das ist noch endgültig zu klären.

Mittwoch, 4. März 2009

Unterschied zwischen romantischen und ergreifenden Momenten

Grundlage der Romantik ist es in eine Situation etwas hineinzulegen, was in der Situation so nicht oder nur teilweise vorhanden ist- bzw. alles wegzudenken, was nicht zur eigenen Wunschvorstellung/ Sehnsucht passt.
So wird z.B. in die Betrachtung des Sonnenuntergangs die Schönheit des Augenblicks wahrgenommen, während alles andere weggeblendet wird- und die Betrachtung des Sonnenuntergangs folgt bestimmten Topoi und Allgemeinplätzen, was als schön betrachtet wird. Wie wenig Romantik und Sehnsucht miteinander zu tun haben, wird übrigens deutlich, wenn bei vielen Hochzeiten solche Momente künstlich in Reihe und Masse fabriziert werden sollen: Romantische Brautkleider (die sich meist an verdrehten Prinzessinnendarstellungen anlehnen), romantische Fotos im Klostergarten (in klaren Posen), der geplante Heiratsantrag (mal öffentlich, mal an besonderen Orten), die Wahl der Blumen, die verkitschten Liebeserklärungen vor allen (die meist für Hunderte Personen passen und wenig indiviudell sind), ...
Und genau das ist Romantik: Wenn die "Sehnsucht" sich nicht auf die Person neben einem richtet, sondern bestimmte allgemeinen Wunschvorstellungen an Ort und Ereignis sich von der realen Situation lösen und zu Allgemeinplätzen von Sehnsucht werden.

Deshalb unterscheidet sich romantische Situationen auch von ergreifenden Momenten, weil das eine sich auf allgemeine Sehnsüchte bezieht, die nicht an Personen gebunden ist, und das andere auf die Situation zwischen zwei sehr realen Menschen.
Mal ein Beispiel: Eine Liebeserklärung, die sich auf Allgemeinplätze richtet finde ich völlig belanglos. Eine Liebeserklärung, die sich auf ein gemeinsames Erlebnis wie eine Krise bezieht, auf besondere Eigenschaften des anderen Menschen und vor allem auf seine Eigenheiten, seine Besonderheiten und auch auf seine Fehler, dann finde ich das ergreifend- und das kann auf einem Klo stattfinden, in schmutzigen Kanälen oder sonst wo. Ergreifend bedeutet, dass ich mit einem anderen Menschen eine Erfahrung mache, die mich über alle Maßen berührt und damit mein Leben, meine Haltung zum anderen langfristig verändert. Und dazu gehört eben nicht die Perfektion, sondern die Besonderheiten voller Eigenheiten und Fehler.

Dementsprechend halte ich nur sehr wenig von romantischen Situationen, weil die für mich bedeutungslos sind und mich beim Lesen oft sehr verärgern, weil sie eben nur Allgemeinplätze mit dekorativer Kulisse sind, die keinen Mehrwert für den Text bieten. Sie haben halt nichts mit den Personen zu tun.
Berühren kann man mich, wenn zwei Personen über die Fehler und Eigenheiten des anderen sich entdecken, entdecken, dass sie das beides zusammenbringt und etwas besonderes daraus entstanden ist, trotz Makel, Probleme und Krisen.

Kölner Stadtarchiv

Die Stadt Köln ist gerade dabei zu erfahren, was passiert, wenn eine Stadt ihr eigenes Gedächtnis, ihr Archiv verliert bzw. in großen Teilen verliert. Ob nun der gerade eingelagerte Nachlass von Heinrich Böll, ob verschiedene Teile des Nachlasses von Konrad Adenauer, ob die vielen Urkunden und Schreinskarten des Mittelalters, die Karten und Fotos und die Regalkilometer Archivalien, siehe den Artikel in der Zeit.
Glück gab es dennoch im großen Maße: Der Karnevalszug führt über diese Straße und jeder kann sich vorstellen, was dann hätte passieren können. Vielen lieben Dank an die Bauarbeiten und Personen im Umfeld, die für die Räumung des Stadtarchivs und der naheliegenden Schule gesorgt haben- denn dort hörten die Lehrer und Schüler nur ein Grollen, und wurden dann gewarnt- diese Schule ist übrigens einsturzgefährdet.
Wenn 20% des Archivs gerettet werden könnten, wäre das schon ein Glück für die Stadt, siehe die Hoffnung auf die Archivalien aus dem noch zugänglichen Kellergeschoß.

Wenn nun über den unterirdischen Bau gesprochen wird, dann ist die Ironie, dass dieser Bau immer wieder durch archäologische Funde verzögert wurde- und nun vermutlich für eine archäologische Katastrophe zuständig ist- denn die Verluste sind immens, und Beton wird diese Archivalien, die dort in das Erdloch gestürzt sind nicht vor der Zeit bewahren.
Wirklich schlimm ist, dass seit Jahren über einen Neubau oder eine Verlagerung des Archivs gesprochen wurde, dass 1971 für eine Zeit von dreissig Jahren errichtet wurde, und seit Jahren immer weitere Bestände aus Platzmangel auslagern musste. Geld war nur nicht da, siehe z.B. den Bau der KVB und andere Projekte wie das Stadion des FC, die Messehallen und ähnliches.
Dazu kommt, dass ein guter Teil der Bestände nur als uralte Mikrofische noch vorliegt und auf eine Digitalisierung oder andere Sicherung nur in kleinsten Maße zurückgegriffen wurde. So werden viele Unterlagen wohl nur noch in Erinnerung vorliegen, als Zusammenfassung oder kurze Zusammenfassungen, während andere Bestände, besonders die Nachlässe, endgültig verloren sind. Das ist im eigentlichen Sinne ein Skandal, weil die Technik doch zumindest den Schaden hätte begrenzen können, wenn schon nicht verhindern.
Insgesamt kann man zusammenfassen, dass hier vermutlich in einer Mischung aus Unglück, Unfähigkeit, Nachlässigkeit und Geldmangel der Schaden unermeßlich sein wird. Köln verliert sein historisches Gedächtnis oder wird enorme Lücken zurückbehalten. Selbst wenn die 400 Mio. von den Versicherungen kommen sollten, der Schaden ist angerichtet und kann nur reduziert werden, und das nur in einem kleinen Maße.
Der Kölner OB spricht vom Fehler des U-Bahnbaus, vergisst aber wohl, dass es eben nicht nur der Bau war, der an der Katastrophe Schuld ist, sondern auch Geldmangel und Desinteresse der Stadtverantwortlichen am Stadtarchiv, von Fehlern beim U-Bahnbau und bei der Statik einmal abgesehen.
Verantwortung wird wohl nur derjenige wieder übernehmen, der sich nicht mehr rausreden kann. Kölner Stadtpolitik ist sehr berechenbar. An Rücktritten und Verantwortungsübernahme wird es aber wieder mal Mangeln.

Dienstag, 3. März 2009

Das Kölner Stadtarchiv ist eingestürzt

Manche Katastrophen sind einfach unvorstellbar. Heute um 14.00 Uhr ist das Kölner Stadtarchiv eingestürzt und hat mindestens zwei umliegende Gebäude schwer beschädigt. Vermutlich durch Erdarbeiten im Rahmen der Nord-Süd-Bahn sind dort Hohlräume entstanden, die wohl ursächlich für Setzrisse im vorherigen Jahr und in den letzten zwei Wochen, einer Absenkung gestern und den heutigen Einsturz sind. Die Gedanken sind natürlich bei den Menschen, die sich zu diesem Zeitpunkt dort aufgehalten haben. Bauarbeiter der KVB konnten wohl noch kurzfristig fünfzehn Personen im Archiv warnen, die noch das Gebäude verlassen konnten. Zwei Menschen werden noch vermisst.
Aber meine Gedanken sind auch bei der Sammlung des Kölner Stadtarchivs, die in ihrer Dimension und Größe zu den wichtigsten in ganz Deutschland gehören und das größte Archiv nördlich der Alpen ist. Denn neben den über 65.000 Urkunden aus der Zeit von 922- bis heute gibt es unglaublich viele Karten, Plakate, über 500.000 Fotos von wichtigen Ereignissen in Köln, und viele, viele Regalkilometer Unterlagen zur Kölner Stadtgeschichte. Ganz zu schweigen von den über 900 Nachlässen wie von Heinrich Böll und Jacques Offenbach. Hier ein kurzer WDR-Bericht über das Stadtarchiv und den Einsturz.
Nur eine Frage bleibt: Gestern soll sich das gesamte Gebäude abgesenkt haben, warum wurde das Archiv nicht geräumt??

Sonntag, 1. März 2009

Frühlingsbeginn

Von Blogger Pictures
Den Frühling habe ich immerhin bemerkt, der sich langsam anschleicht- auch wenn ich den Februar verpasst habe. Hier das Bild, das mich daran erinnert, dass das Leben gerade anfängt sich vom Winter zu erholen.