Freitag, 27. Februar 2009

Drei sind geschafft und ich habe den Februar vergessen

Wenn man seit Sommer letzten Jahres konsequent durchlernt, dann geht einem ein wenig der Alltag verloren.
Am Anfang war nur klar, dass es fünf Klausuren geben würde, irgendwann auf einem entfernten Planeten Februar und März. Und da beginnt man mit den Vorbereitungen, die dann immer wieder durch bürokratische Großhindernisse wie Prüfungsanmeldungen unterbrochen werden, von diversen Winter- und Herbstviren und dem Versuch ein geregeltes Alltagsleben aufrecht zu halten. Aber Zeit kann man nicht festhalten, denn sie verliert sich in dem Moment, wenn wir sie ergreifen.

Als die Termine dann Anfang Februar aushingen, schwarz getonerte Lettern auf weißem Papier, war diese Zeit schon wieder vorbei. Natürlich lagen die Termine nicht so günstig, wie sie hätten liegen können. Viel schlimmer war es aber noch ein wenig mehr Alltag aufgeben zu müssen, noch weniger Zeit zu haben, um sich vom Unileben zu erholen.
Irgendwie habe ich dabei den Februar verloren. Denn ich habe bei der Kalkulation immer mit etwas mehr als 28 Tagen einkalkuliert.Und so muss das Schreiben noch ein wenig länger warten, die Momente der Ruhe und Muße, um irgendwie den Streß abzubauen, der Alltag und das Leben irgendwie auch.

Aber drei Klausuren sind geschafft, die wichtigsten Vorarbeiten für die nächsten Klausuren auch. Nur der Februar, den hatte ich halt nicht auf der Reihe...

Donnerstag, 26. Februar 2009

Philip José Farmer ist tot

Heute habe ich durch Zufall entdeckt, dass Philip José Farmer am 25.Februar 2009 im Alter von 91 Jahren verstorben ist, eine Bestätigung gibt es auf seiner offiziellen Homepage, inklusive einer Liste mit den ersten Reaktionen.
Farmer hat mit seinem Riverworld-Romanen und den Romanen zur Welt der Tausend Ebenen "World of Tiers" meine Jungend nicht nur versüsst, er hat sie auch mit einer unglaublichen Flut von Bildern und Gedanken aufgeladen. Als ich endlich nach langer Suche den ersten Band von "World of Tiers" als Taschenbuch wiedergefunden habe, musste ich sehr lange daran denken, dass ich in vielen Fantasy und Science Fiktion Romanen Farmer gesucht habe, aber ihn nie gefunden habe. Ich will mich nicht beklagen, weil ich dabei Heinleinen gefunden habe, Arthur C. Clarke und Phillip K. Dick und viele weitere.
Aber eine so hypnotische Welt habe ich dann erst bei den Chroniken von Thomas Convenant von Stephan R. Donaldson wiedergefunden, und es war definitiv nicht das gleiche. Denn auch Donaldson ist sicherlich nicht Farmer, sondern nur Farmer ist Farmer, mit seiner manchen seltsamen Vorliebe für besondere Sexdarstellungen, eine Welt voller literarischer und mythischer Wesen, und eine wunderbare Sprache.
Ich werde ihn in meinen Büchern suchen, weil es dort fast immer noch Orte und Ebenen gibt, wo er sich verstecken könnte- auch wenn er sicherlich nicht mehr da ist. Aber er könnte es sein und damit ist es die Reise wert. Denn es geht nicht darum ihn wiederzuentdecken, sondern nur um die Suche an sich.

Dienstag, 24. Februar 2009

Grundsätzliches zum Spannungsaufbau... eine Ideensammlung

Die erste Feststellung ist recht einfach: Spannung entsteht aus der Erwartungshaltung der Leser. Diese Erwartungshaltung kann sich auf Figuren (und ihre Entwicklung), auf Gespräche/ Konflikte zwischen Figuren, auf Ereignisse, Entwicklungen oder Wendungen beziehen. Dabei gibt es kurzfristige Spannung, die sich auf die nächsten Szenen und Kapitel bezieht, langfristige Spannungen, die sich auf den Umfang mehrer Kapitel oder den gesamten Roman beziehen.,
Das Geheimnis der Spannung ist es nicht die Erwartungshaltung des Lesers zu erfüllen, sondern mit dieser Erwartungshaltung zu spielen. Wenn der Leser erwartet, dass eine Figur eben nur aus einem Charakterzug besteht, dann bedeutet das diese Figur mit vielen Charakterzügen aufzufüllen, die diesen Charakterzug ergänzen und auch widersprechen. Wenn der Leser erwartet, dass die Figur nun eine bestimmte Entscheidung trifft, dann ist es eben auch Teil der Spannung die Figur glaubwürdig eine andere Entscheidung treffen zu lassen oder diese Entscheidung treffen zu lassen, die dann aber andere Konsequenzen hat, als Leser und Figur erwartet haben. Und natürlich gibt es Ausnahmen: Genreromane folgen einer klaren, vorgegebenen Struktur. Nur innerhalb dieser Struktur können die Autoren kreativ arbeiten, wobei sie am Ende zu der vorgegebenen Struktur wieder zurückkehren müssen. Dementsprechend ist es eine Bedingung für einen Genreroman letztlich die Erwartung der Leser in den Roman derartig einzubeziehen, dass man sie über einige kreative Umwege letztlich voll erfüllt.

Spannungsaufbau in einem Nicht-Genreroman bedeutet deshalb erst einmal sich klar zu machen, welche Arten von Spannung man verwenden möchte, ob diese eher kurzfristig, mittelfristig oder langfristig ist, wie diese Spannungen sich ergänzen (oder eben in ungünstigen Fällen blockieren), wann es angebracht ist die Spannung anzuziehen oder sie abzubremsen und vieles mehr.

Es bedeutet auch, dass Spannung eben immer daraus entsteht, dass man sie ankündigt, dass man sie vorbereitet und dann kurz vor dem eigentlich spannenden Ereignis das Tempo aus der Geschichte nimmt. Eine Leiche zu finden ist an sich nicht spannend- spannend ist wenn der Leser weiß, dass die Figur eine Leiche finden wird. Das bedeutet das man das Ereignis ankündigen kann, indem der Leser weiß, dass die Figur eine Leiche finden wird, oder Signale verwendet, die ankündigen, dass gleich etwas spannendes passiert.
Klassische Symbole wären z.B. der Nebel, eine dunkle Gasse oder ein dunkler Wald, ein Gegenstand der auf eine bestimmte Person verweist, Blutspuren oder etwas ähnliches. Nun, wie immer bei klassischen Symbolen sind diese abgenutzt und wirken oft konstruiert oder überdeutlich. Deshalb kann man auch eine bestimmte Atmosphäre aufbauen, wenn dann z.B. eine Figur in einen Raum kommen lässt, der verändert aussieht, dann entdecken, dass dort die aufgeschlagene Tageszeitung liegt, der Mann ist nach Hause gekommen. Die Figur freut sich, ruft nach ihm, niemand antwortet... So entsteht auch eine Spannung, wenn die Figur dann ihren Mann sucht, aber er sich einfach nicht meldet. Der Leser weiß dann, dass etwas nicht stimmt. Hierzu ein bißchen was eingestreut, und die Spannung ist da.
Wenn die Spannung da ist, dann verschenkt man sie, wenn man die Spannung sofort auflöst und die Leiche ins Bild holt. Deshalb bremst man genau an dieser Stelle das Tempo aus. Die Figur macht irgendetwas anderes, telephoniert vielleicht, es klingelt an der Tür. Es ist sogar möglich statt einer kurzen Pause die Spannung in ein späteres Kapitel mitzunehmen und wirklich die Figur den Ort verlassen zu lassen- dann braucht die Figur eine gute Begründung, und man muss gelegentlich an die Spannung erinnern, die noch auf die Figur wartet "Mein Mann ist nicht rein zufällig hier?". Natürlich kann man die Spannung auch weiterdrehen, wenn nun die Leiche fortgeschafft wird oder etwas anderes passiert, was die Figur und die Leiche eben nicht zusammenbringt.
Wenn die Leiche aber in einer Szene wieder auftaucht, dann erfüllt man die Erwartungshaltung des Lesers. Das ist auch in Ordnung, sofern man dabei eben nicht nur die Leiche auftauchen lässt, sondern eine neue Spannung startet "Wer ist der Mörder", "Warum wurde der Mann ermordet",... Außerdem kann man hier trotzdem die Erwartung nur teilweise erfüllen, indem die Figur die Leiche findet, aber der Leser die Situation anders erwartet, die Reaktion der Figur, die Reaktion auf den Fund und vieles mehr.

Bei langfristigen Spannungen gibt es mehrere Szenen oder Kapitel, die letztlich in der Kombination die Erwartungshaltung des Lesers entwickeln. Aus einem Einsatzkonflikt wird nach und nach den Konflikt zwischen komplexen Figuren oder einer Figur und einer anderen Sache gestaltet, wobei es letztlich meistens mehrere Phasen für den Konflikt gibt:
Meistens wird in der ersten Szene der Konflikt (Figur gegen den Staat) eingeführt, in weiteren Phasen verdeutlicht und verbreitert (Earum ist das so? Woran liegt es?), gezeigt wie die Figur zuerst an dem Konflikt scheitert (Die Figur wehrt sich gegen den Staat und scheitert (z.B. wegen fehlender Konsequenz)), wie der Druck erhöht wird und dann letztlich der Punkt kommt, wo die Figur sich wirklich gegen den Staat wehrt.
Dann ist der Konflikt aufgebaut und zu seinem Wendepunkt gebracht. Natürlich müssen diese Szenen nicht nacheinander folgen, man kann sie umgruppieren, in anderer Reihenfolge folgen lassen oder einige auslassen und später darauf zurückkommen.
Im zweiten Teil führt man den Konflikt dann weiter. Man zeigt die ersten Erfolge der Figur gegen den Staat, wie die Figur Selbstbewußtsein in ihrem Kampf entwickelt, andere davon angesteckt werden, die Figur ein wenig Hybris bekommt, eine kleine Niederlage einsteckt und dadurch verbissener wird, und dann führt man das zu einem Höhepunkt. Vielleicht macht man es auch andersherum: Die Figur scheitert erneut, diesmal größer, noch einmal, nochmals größer und in seiner Verzweiflung holt er zu einem großen Schlag gegen den Staat aus, der ebenfalls scheitert und gibt an seinem Höhepunkt auf.
Wie auch bei den kurzfristigen Spannungen kann man hier auch auf Symbole zurückgreifen, auf Andeutungen, Vorausdeutungen, auf verlangsamte Szenen und die Spannung immer greifbarer machen und so den Höhepunkt verdichten und verstärken. Interessant bei dieser eben erwähnten Geschichte wäre es, wenn der Leser letztendlich eben nicht diesen Konflikt erwartet, die Hybris nicht bzw. nicht das Scheitern. Wenn die Entwicklung und die Fähigkeiten der Figur, ihre Reaktion glaubwürdig sind und gleichzeitig überraschen, wenn es die eine oder andere Wendung noch gibt.
Denn während die Figur im Hauptplot scheitert oder ihren Triumph hat, kann in einem Nebenplot genau das Gegenteil passieren, in einem weiteren Nebenplot gerade dies umgedreht werden. Auch wenn die Figur gegen den Staat triumphiert, verliert die Figur eigentlich das, was sie wirklich wollte, ihre Familie und Freunde. Oder die Figur scheitert, aber es gelingt ihr die eigene Familie wieder zusammenzubekommen.
Dann sind Hauptplot und Nebenplot so miteinander verbunden, dass sich die Spannungen ergänzen oder unterstützten, indem sie eben dem Hauptplot zusätzliche Klänge und Richtungen geben. Gerade hier werden die Erwartungen des Lesers verändert, und vielleicht erkennt er in der Figur, dass ihr Triumpf gerade eine Niederlage, oder ihre Niederlage ein Triumpf ist.
Hier wächst ein Roman über die Erwartungen der Leser hinaus und kann das Versprechen einlösen mehr zu sein, als der Leser erwartet. Das unterscheidet übrigens dann diese Genreromane von guten Romanen- denn er übertrifft die Erwartungen, indem er die Haltung des Lesers verändert, hinterfragt und letztlich eine Erwartung erfüllt, die der Leser am Anfang des Romans, in der Mitte und teilweise kurz vor Ende gar nicht hatte. In großen Romanen gelingt es manchen Autoren sogar all diese Erwartungen miteinander zu einem gemeinsamen Ende zu bringen, was der Leser dann wieder überrascht, weil er sich erst dann wieder an all die veränderten Erwartungen erinnert.

Sonntag, 22. Februar 2009

Gedankenflucht...

In den letzten Tagen bereite ich naturgemäß Stoff für die nächste Uniklausur vor und beschäftige mich mit der Geschichte des Deutschen Ordens in der Region Mergentheim. Ein sicherlich spannendes Thema, da es mit der Geschichte von Königen und Kaisern, mit Luther, der Geschichte von Herrschaften und Territorien, mit Verwaltung und Handelswegen verbunden ist, mit Rechten und Geschichten des Mittelalters und der Neuzeit.
Aber irgendwie ist man irgendwann so voller dieser Lernbrocken, Daten und unnützer (zumindest für ein normales Leben) Informationen, dass man gar keine Gedanken mehr für sich hat.

Ich flüchte dann in Gedanken und beschäftige mich mit allerlei Ideen und Konstrukten, die mit dem Schreiben zu tun haben. An meinen Roman denke ich aber gerade nicht, weil das wirklich frustrierend wäre, wenn man seine Ideen nicht umsetzten kann. Also habe ich in Gedanken begonnen eine Jugendbuchserie zu entwerfen, die in einer mit phantastischen Elementen ausgestalteten Welt stattfindet, und die ich ziemlich dicht an einigen zentralen Problemen aus der Jugendzeit orientieren würde- erste Liebe z.B., die beste Freundin, "Das sind gar nicht meine Eltern". Konzept wäre diese Gefühle über die phantastischen Elemente, wie genau wird natürlich nicht verraten, zu verbildlichen und diese Gefühle ernst zu behandeln, natürlich in einem phantastischen Plot. Wenn ich nun noch in Gedanken meine Schreibe ein wenig ausreduziere, könnte man das in Angriff nehmen, irgendwann, wenn Zeit ist und der erste Roman fertig. Aber in der Vorstellung ist das schon mal eine tolle Idee.
Und ich habe immerhin das Gefühl, dass ich doch noch ein wenig Mensch und Autor bin, neben einer Lernmaschine für die Uni.

Freitag, 20. Februar 2009

Schattenkinder

In den letzten Monaten habe ich immer wieder Romane gelesen, die sich im Schatten anderer Romane ihren Platz gesucht haben. Damit meine ich die Romane, die letztlich in ihrer Gedankenwelt letztlich weitgehend auf die bereits entstandenen Welten anderer zurückgreifen und diese mehr oder weniger gelungen zitieren- also eine Art Schatten des ursprünglichen Romans.
Diese Unsitte habe ich übrigens bei Simon Beckett gefunden, der mit seinen Krimis gerade recht weit oben in der Bestsellerliste steht. Offensichtlich durch bestimmte Drehbuchmodelle inspiriert, hat er seinen ersten Roman (psychopathischer Massenmörder tötet in einem Dorf) für das zweite Buch selber geschattet und dann noch unglaubwürdig gesteigert: Aus dem Dorf wird eine Insel, der Kontakt zur Außenwelt reisst ab, die Hauptfigur wird nicht nur bedroht, sondern körperlich angegriffen- alles wieder in einer Atmosphäre, in der die Inselbewohner sich gegen die Ermittler kehren, wie in Teil eins. Nur ist alles weniger interessant, weniger glaubwürdig und vor allem bei sich selber abgekupfert.
Dieses Verfahren findet sich übrigens auch in großem Umfang bei anderen Unterhaltungsromanen: Die Autorin einer vierteiligen Jugendbuchsaga über Vampire schafft es im Band zwei die Liebesgeschichte aus dem ersten Teil zu kopieren, nur die Figur "Vampir" wird durch "Werwolf" ausgetauscht. Im vierten Band verliert dann die Autorin den Mut zu einem innovativen Ende und löst alles in Wohlgefallen auf und verzichtet sogar auf den Höhepunkt ihrer Geschichte, indem alles schnell runtergebreit wird. Die Autorin verschattet sich die Romane bis hin zum Ende.
Das viele Unterhaltungsromane so gestrickt sind, verstehe ich. Denn Innovation wird da oft nicht verlangt, gerade wenn ein Verlag ein Buch zu "xys" Roman haben möchte. Aber manchmal ist es einfach unerträglich.

Aber das ich literarische Romane gelesen habe, die den kompletten Sprachduktus eines anderen literarischen Romans übernommen haben, fand ich dann eher schwierig. Und nein, Namen nenne ich nicht. Es gibt da aber gewisse Romane aus Skandinavien, in denen man Sätze vertauschen kann, Abschnitte oder Kapitel und letztlich aus drei Romanen einen konstruieren, und niemanden würde es auffallen.
Ein anderes Beispiel waren zwei Biographien, die sich letztlich ständig aufeinander bezogen, obwohl die biographierten Personen nichts miteinander zu tun hatten und die Texte über 15 Jahre auseinanderlagen.
Die Verfasser haben einfach auf Basis sicherlich interessanter Recherchen solange Zuflucht in Redewendungen, Küchenpsychologie und Standartaussagen gesucht, bis die Figuren sich letztlich fast nur an den Orten, Zeit, Personennamen wirklich unterschieden haben. Denn tragische Ereignissen führten angeblich bei beiden zu den gleichen Ergebnissen, widersprechende Aussagen wurden glattgebügelt und relativert, historische Aussagen nur eingesetzt, wenn sie passten, Personen zu klischeeisierte Nebenfiguren verkürzt. Oder anders formuliert: Eine Art standardisierte Heldenreise als Biographie, die letztlich zwei unterschiedliche Menschen so lange angegleicht hat, bis keine Biographie mehr übrig war. Seltsam.

Mittwoch, 18. Februar 2009

Klausuren sind ja so anstrengend, wenn man Allergiker ist

Heute habe ich die zweite Klausur für die Uni geschrieben, alles lief wunderbar, (o.k. ich habe nicht so gut geschlafen), und ich könnte hier unglaublich glücklich sitzen. Nur die Klausuren machen mich fertig und erschöpfen mich völlig, was aber nicht an den Klausuren liegt.
Es liegt an der langfristigen Finanzplanungen des Landes Nordrheinwestfalen. Die Gebäude der Uni Bonn sind zum Teil marode und Schimmel und Asbest blühen allerortens- vor allem dort, wo man die letzten Lehramtsstudenten des auslaufenden Studiengangs an der Uni Bonn, das Prüfungsamt für diese und die Pädagogik in die Diaspora geschickt hat. Ich kam knallrot im Gesicht, mit Flecken überall, und rauhen angeschwollenen Händen nach 5 Stunden Unigebäude nach Hause. Und es ist nur zum Teil Schuld der Schimmel. Viel schlimmer, wie ich heute bemerkt habe, ist für mich die preiswerte Handwaschlotion, die es nun allerortens gibt. Denn zu normalen Allergieproblemen kommt hier etwas hinzu, was mich wirklich krank macht. Waschlotion mit guten Parfümstoffen. Oder anders gesagt: Nach fünf Stunden Schlaf, mehrfachen Lagen von Händewaschen geht es mir ein wenig besser. Das das nun das schwerste Problem mit dieser Uniklausur war, freut mich. Ich werde mir meine eigene Seife mitbringen und alles wird ein wenig besser.

Und sobald die Pädagogen und Lehrämtler aus Bonn weg sind, wird dann auch dort renoviert, sie haben schon in anderen Bereichen angefangen. Und vielleicht gibt es ja Geld aus dem Konjunkturpaket. Schließlich überlegt man einen neuen Magisterstudiengang für das Lehramt an der Uni Bonn einzuführen, weil das Land NRW und Deutschland insgesamt zu wenig Lehrer ausbildet.
Ich empfehle zuerst die Waschlotion auszutauschen und dann diesen Magisterstudiengang nicht wieder in den schlimmsten Gebäuden einzurichten. Wenn die Lehrer schon krank von der Schule kommen, ist der Schule auch nicht geholfen.

Montag, 16. Februar 2009

Angst vor... was denn?

Heute morgen, Punkt 8.35 Uhr, habe ich mit der ersten Klausur meiner Uni-Abschlussprüfung begonnen. Nach den vielen Jahren Unileben eine recht unspektakuläre Erfahrung, weil ich schon öfter mit 40 anderen Menschen in einem Raum gesessen habe, um eine Klausur zu schreiben. Und auch die Lernphase war irgendwie schwierig und anstrengend, aber irgendwie warte ich noch auf den Hammer. Wieder eine Erfahrung, die beweist, dass man weitaus mehr Ängste vor Dingen entwickeln kann, die eigentlich recht unspektakulär sind, als wenn man mit der Angst wartet, bis man in der eigentlichen Situation ist und die Angst ich meistens erledigt.
Bei Romanen ist das übrigens ähnlich: Die Arbeit an einem Roman ist gerade am Anfang, wenn man zu sehr an die möglichen und potentiellen Schwierigkeiten denkt, unheimlich angsteinflössend. Denn natürlich ahnt man voraus, wie schwierig es wird die vielen Handlungsstränge zu entwerfen und dann zu verknüpfen, glaubwürdig die Figuren und ihre Veränderungen darzustellen, die richtigen Mittel für den Roman zu wählen, viele Monate Zeit zu investieren und irgendwie ein harmonisches Ganzen daraus zu entwerfen. Und natürlich ist das schwierig. Und es wird auch während des Verlaufs immer wieder schwierig, weil immer neue Schwierigkeiten auftauchen, und man etwas lernen muss, damit man weiter kommen kann.
Das kann einem richtig Angst machen, ehrlich gesagt, und hey, ich habe meinen Anteil davon abbekommen.
Wenn man als Romanscheiterer (die ersten beiden Versuche) und als Kurzgeschichtenautor sich an einen Roman setzt, dann fühlt man sich oft ein wenig überfordert und schreckt auch ein wenig vor der Herausforderung zurück.
Aber eine Lektion habe ich beim Schreiben gelernt: Gerade wenn man Dinge fürchtet, sollte man sie als Schriftsteller angehen. Denn gerade diese Herausforderung und das gelegentlich Scheitern führt dazu, dass man als Schriftsteller sich weiterentwickelt und nach und nach die Zahl der Herausforderungen abnehmen. Sicherheit entsteht, wenn man sich Herausforderungen stellt- und man lernt dazu.

Freitag, 13. Februar 2009

Recherche...

An der Uni lernt man eine Menge Dinge, darunter eine Eigenschaft, die für das Schriftstellerleben besonders wichtig ist. Sich in einer Bibliothek zurecht zu finden, das gelingt den meisten. Die wichtigste Lektion an der Uni ist die richtigen Bücher als Ausgangspunkt für eine Recherche zu kennen. Nach und nach lernt man immer mehr Standardwerke kund Lexikas ennen, immer mehr gute Ergänzungen zu diesen Werken.
Und ausgehend von den Standwerken und Lexikas lernt man die Monographien kennen, die populären Sachbücher, die Aufsatzbände, die Ausstellungbände, die Festschriften und die diversen Zeitschriften. Man lernt die Qualität von Texten im Vergleich einzuschätzen, abzuschätzen wie argumentiert wird und auf wen sich welche Aussagen beziehen, was gesichert ist (Standardwerke) und was nicht.
Was man auch lernt, ist selber nach und nach aus den Thesen und Argumenten unterschiedlicher Texte eine eigene Meinung zu entwickeln und zu begründen.
O.k. in so manchen Standardwerken findet man heute noch Hinweise auf ihre Entstehungszeit, z.B. bei einigen historischen Standardwerken auf die Nazizeit, bei anderen auf andere Haltungen, Vorstellungen und Ideen, was auch zu dieser Erfahrung dazugehört: (Fast) jeder Text gehört in seine Zeit und ist durch diese geprägt, in seiner Betrachtung von den Dingen und vielem mehr.

All das ist übrigens ein wunderbarer Fundus für Vorstellungen und (Wieder-) Entdeckungen, für Meinungen und Haltungen, für Wissen und Theorien- die man alle für das Schreiben nutzbar machen kann. Denn es sammelt sich unglaublich viel Wissen und Unfug, Ideen und vieles mehr.

Danke, Uni

Die Macht der Literatur... und der CIA

Manche Geschichten zu einem Roman sind eigentlich wieder einen Roman wert. Eine Geschichte ist die Veröffentlichung von "Doktor Schiwago" von Boris Pasternak. Pasternak konnte nur für den Nobelpreis nominiert werden, wenn sein Werk auf Russisch erscheinen konnte- das war nur nicht in Russland möglich, weil das Werk angeblich "konterrevolutionär" und einen "pathologischen Individualismus" zum Thema hatte- und damit hatten die Zensoren aus Stalins Sicht auch recht. So finanzierte und organisierte der CIA die Veröffentlichung, siehe hier in der FAZ, und Paternak erhielt den Nobelpreis, den er nicht annehmen durfte und wurde aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen.
Nun, das der CIA große Literatur gefördert hat, um dem kalten Kriegern in der UDSSR zu schaden, halte ich für eine wunderbare Ironie... wenn man gleichzeitig in die USA zu diesem Zeitpunkt schaut.

Die Veröffentlichungsgeschichte von "Archipel Gulag" von Alexander Solschenizyn ist auch so eine Geschichte. Der Roman wurde im Auslang publiziert, nachdem der KGB eine Kopie des Romans entdeckt hatte, und dann über das Samisdatsystem in der Sowjetunion weitergegeben, indem Einzelpersonen unter persönlichem Risiko selber Kopien anfertigten und das Buch weiterreichten. Solschenizyn wurde danach ausgewiesen und hat mitbekommen, wie sein Buch die Sichtweise über Stalin im Westen geändert hat, vor allem unter den linken Intellektuellen, die in Stalin trotz der Chrurschtschow-Rede von 1956 einen Helden sahen.

Und es gibt noch so viele Geschichte: Franz Kafka, der seinen Freund Max Brod seine Werke alle zu vernichten, was Brod nicht tat. Wobei hier sicherlich hinzukommt, dass es auch eine andere Aussage Kafkas dazu gab, die Brod die Entscheidung übertrug die Romane zu vernichten oder zu erhalten.

Und mir fallen noch so viele ein... nur habe ich zu wenig Zeit sie alle hier aufzuschreiben...

Mittwoch, 11. Februar 2009

In Gedanken woanders

Eine der lustigsten Widersprüche beim Schreiben ist für mich, dass ich mich zuerst stark konzentrieren muss, um dann irgendwie im Schreiben in einen Gedankenstrom einzutauchen, und mich von den Worten meiner Geschichte davontragen zu lassen- auch wenn ich natürlich immer mal wieder aufschrecke, kurz überlege, bevor ich dann zurückgleite. Und klar, an manchen Tagen gelingt das mit dem Fluss nicht so wirklich, wenn es gerade für ein kreatives Rinnsal oder Tröpfchen reicht.
Nur reicht es in den letzten Tagen nicht für ein wenig Kreativität oder Konzentration, weil ich ab nächster Woche mit der Klausurphase für meinen Uniabschluss beginne und das Lernen mich ziemlich ermüdet. Was soll man machen??

Montag, 9. Februar 2009

Die Nachfolger von "Lesen!"

Natürlich wird es das Lesen weitergeben, wenn es die fast gleichnamige Sendung "Lesen!" nicht mehr gibt. Denn heute hat das ZDF, siehe hier die Süddeutsche Zeitung, endlich die Nachfolger von Elke Heidenreich bekannt gegeben. Die Moderatorin und Schriftstellerin Amelie Fried wird zusammen mit dem Literaturkritiker und Bachmannpreis-Juror Ijoma Mangold die Sendung übernehmen.
Amelie Fried moderiert bereits seit 1984 im Fernsehen und hat nebenbei einige recht erfolgreiche Romane geschrieben, neben einen Kinderbüchern mit Co-Autor, einigen Unterhaltungsromanen und die Geschichte ihrer Familie "Schuhhaus Pallas. Wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte."
Ijoma Mangold hat nach seiner Zeit bei der Berliner Zeitung seit 2001 für die Süddeutsche Zeitung Literaturkritiken verfasst und wechselt im April als Stellvertreter des Feullitonschefs zur Zeit, hier übrigens eine kleine Übersicht zu seinen Texten.
Insgesamt scheint mir das übrigens eine interessante Lösung zu sein, indem man verschiedene Zugänge zu Texten nebeneinander stellt und so dem Leser möglichst viel interessante Zugänge und Unterhaltung bietet. Ob das letztlich reicht, kann wohl niemand sagen, denn die Erwartungen an die Heidenreichnachfolge sind gespalten. Einige erwarten die Eierlegendewollmilchsau der Literaturvermittung, andere erwarten genau gar nichts und gehen davon aus, dass diese Moderatoren nur bis zur Beerdigung der Sendung in einigen Monaten die Sendung übernehmen.

Sonntag, 8. Februar 2009

Zugänge zum Schreiben

Seit zwei Tagen versuche ich meine Gedanken in Worte zu fassen, aber es scheinen immer die falschen Worte zu sein. Denn das Problem der Begriffe, von "Bauchschreiber" zu "Kopf- oder Exposéeschreiber", ist zweifellos da, weil beide Begriffe einen falschen Eindruck vermitteln- denn niemand schreibt mit den Gedärmen, und wie Petra ausführt, alleine mit dem Kopf oder anhand eines Exposées schreibt auch niemand.

Die Sprache ist mit unserer Wahrnehmung verbunden, mit der Umsetzung von verschiedenen Reizen, mit der Abstraktionsfähigkeit, mit der vermutlich in der linken Hirnhälfte angesiedelten musischen Wahrnehmung, Bestimmte Areale lassen sich in unserem Gehirn nachweisen, vor allem in der linken Gehirnhälfte, die anscheinend seit der Geburt eine Funktion für den Spracherwerb übernehmen, darunter auch sehr wichtig gerade die musische Wahrnehmung und ein intuitives Verständnis für die Grammatik, das schon Chomsky zu der Annahme des kompetenten Sprechers gebracht hat. Dabei ist es gerade die Komplexität unseres Gehirn und die Komplexität des Zusammenspieles verschiedener Gehirnbereiche und der beiden Gehirnhälften, die eine wirkliche Erforschung der Sprachentstehung so schwierig machen. Deshalb müssen die Sprachforscher den Weg über die Untersuchung von Linkshändern gehen, weil sich das Motorikzentrum immer auf der anderen Gehirnseite befindet und so andere neuronale Verbindungen und Belegungen entstehen, über Störungen im Sprachvermögen und über Verletzung einzelner Gehirnbereiche, sowie über moderne Untersuchungstechniken,
Es gibt aber keine Gehirnbereiche, die weitgehend für die Schrift zuständig sind. Wobei anscheinend der Temporallappen und einige sensorische Gehirnbereiche besonders wichtig erscheinen. Unser Schreiben ist offensichtlich mit der Sprache vernetzt, gleichzeitig sind die Unterschiede relativ groß, weil eine verschriftliche Sprache eine komplexere Grammatik und eine größere Auswahl an Worten benötigt, sowie noch umfangreichere Kapazitäten im Bereich der Abstraktion und der rhetorischen Figuren braucht.

Wenn man sich diese komplexen Zusammenhänge in unserem Gehirn klar macht, sowohl bei der Sprache, als auch der Schrift, dann dürfte es viele Gemeinsamkeiten bei Schriftstellern geben, und viele Unterschiede. Denn natürlich ist die Basis des Schreibens die Sprache und die Wahrnehmung, und die ist in weiten Teilen ähnlich, wobei Unterschiede in der Sprachbildung und in den Wahrnehmungsfiltern liegen. Dazu kommt die musische Wahrnehmung, die sich deutlich bei einzelnen Menschen unterscheidet, von einer leichten Musizität bis hin zu Synästhesie, denen von vielen Forschern für die Entstehung der sprechenden Bildern wie Metaphern und Vergleiche zugeschrieben wird. Und auch die Folge von Gedanken, also ob wir unsere Gedanken eher logisch (a+b=c) verschriftlichen, oder ob wir eher assoziativ arbeiten (also (a,f,g,e,...).
Eine Besonderheit sind dann die inneunswohnenden Geschichten wie Märchen, die in Übersetzung weltweit verständlich sind, weil sie gewisse Grundschemata des (mündlichen) Erzählens beinhalten, die kulturübergreifend wirken, indem sie sich oft auf kollektive Mythen und damit auf unser Unterbewusstsein beziehen. Moderne Schriftstellerei bezieht sich immer noch auf Märchen, hat aber die recht einfachen Grundstrukturen immer weiter verfeinert, in unterschiedliche Richtungen entwickelt, ergänzt, hinzugefügt, ersetzt, so daß diese Strukturen kaum noch zu erkennen sind. Gerade postmoderne Romane sind nicht über die Kenntnis der Grundstrukturen zugänglich, während viele Unterhaltungstexte darüber noch zugänglich oder in Teilen zugänglich sind. Deshalb brauchen komplexe Romane auch kundige Leser, die sich ihnen über ihre Lektüre von einfachen Romanen, ältere Romane, Klassiker und leicht experimentelle Romane annähern.
Und es gibt noch einen wichtigeren Unterschied: Es gibt Romane, die sich stärker an eine sensorisch Wahrnehmen anschließen und die anderen vernachlässigen. Es gibt Romane, die sehr musisch arbeiten, über Sprache, Sprachklang und Rhythmus, sowie Musik und rhetorische Figuren (Vokal- und Konsonantenklang, Metaphern). Andere Texten arbeiten weit stärker mit Bildern, mit Gerüchen, ... Dabei ergeben manche Romane z.Bsp. bei musischen Autoren und nicht so musischen Lesern, bzw. umgekehrt, recht unterschiedliche Ergebnisse.

Ich habe gerade nur einige Vorgänge aufgezählt, die meines Erachtens beim Schreiben besonders wichtig sind- und sicherlich unendlich viele weitere ausgelassen. Aber schon hier wird klar, dass Schriftsteller an ihr Schreiben über recht unterschiedliche Wege gelangen, sie haben unterschiedliche Zugänge.
Der Begriff "Bauchschreiber" bezieht sich auf einen eher intuitiven Zugang zur eigenen Sprache, zur eigenen Wahrnehmung und der sprachlichen Verarbeitung der eigenen Geschichten. Letztlich sagt das Begriff, siehe die obigen Kategorien, aber nicht sehr viel über den Zugang aus, außer das vieles (und nicht alles) unbewusst oder (assoziativ oder logisch) aus der Situation heraus entschieden wird. Letztlich kann man vielleicht hier eher eine Neigung zu stärker assoziativen Gedankengängen feststellen, was letztlich aber eine minimale Tendenz nachstellt.
Der Begriff "Kopf- oder Exposéeschreiber" bezeichnet einen analytischen Zugang zum Schreiben, sagt aber ebenfalls nicht viel über den Zugang zum Schreiben aus, von der Tatsache abgesehen, dass hier erst geplant, und dann geschrieben wird- wobei beim eigentliche Schreiben eben auch viel intuitives und situatives hinzukommt, sowie assoziatives. Eine Neigung zu eher logischen Strukturen ist sicherlich hier festzuhalten,
Interessanter, zumindest aus meiner Sicht, wäre somit zu untersuchen, welchen Einfluß bestimmte Zugänge haben, die weit mehr über die betreffenden Autoren aussagen, als Ei oder Huhn oder Huhn oder Ei, bzw. eher eine leichte Tendenz zu assoziativen oder eher logischen Strukturen.
Eine Trennung nach den Wahrnehmungsfiltern und der Darstellung von Sinneswahrnehmungen im Text erscheint da deutlich interessanter. Denn über die bevorzugt im Text verwendete Sinneswahrnehmung, durch die Wahrnehmungsfilter gegangen, sagt schon einiges mehr über einen Autor aus. Denn ein z.B. eher musisches Schreiben lässt sich in vielen Bereichen eines Textes wiederfinden, bei der Wahl der Sprache, dem Sprachklang und -rhythmus, den musischen Metaphern, und meiner Meinung nach oft auch in gewissen Stukturen der Geschichte, weil der musische Zugang einen direkten Weg, assoziativen Zugang in unser Gehirn hat, neben dem üblichen über die Sprache. Ein eher bildlicher Zugang lässt sich ebenfalls in vielen Bereichen wiederfinden, zum Beispiel bei rhetorischen Figuren und Vergleichen, die sich an den Bildern orientieren, in einer Kreisen des Textes um Orte, um Beschreibungen und mehr, meist eher logisch. Ein eher ölfaktorischer oder sinnlicher Zugang hat ebenfalls Spuren im Text, ohne das jetzt einzelnd aufzählen zu wollen.
Wobei die Wahrnehmungsfilter für die unterschiedliche Ausgestaltung der Texte entscheidend sind, also was man wahrnimmt und wie das ausgestaltet wird.

Nur leider lassen sich diese Zugänge eben nur theoretisch trennen. Ein Text mit einem dominanten Zugang ist eben ein schlechter Text, der sich nur an eine Minderheit der Leser richtet. Denn erst in der Kombination mehrerer Zugänge gewinnt ein Text wirklich Gestalt und gibt vielen Lesern einen möglichen Zugang. Zudem haben die meisten Autoren eben mehrere Zugänge zum Schreiben, in denen einer nur tendenziell stärker ist als die anderen, aber sicherlich nicht dominiert. Somit beruht die akademische Trennung auf einer Analyse und einer Bewertung der unterschiedlichen Zugänge. In ihrer Begrifflichkeit bleibt sie aber sicherlich interessanter, als "Bauch-" und "Exposéeschreiber".

Oder anders formuliert: Ich habe einen eher musischen Zugang zum Schreiben, der sich überall in meinen Texten wiederfindet, wobei ich seltsame Wahrnehmungsfilter habe. Das bedingt bei mir einen eher assoziativen Aufbau, der immer wieder auch analytisch hinterfragt wird- und meine Arbeitsweise. Die Beschreibung intuitiv passt also nicht genau, und "Bauchschreiber" wohl auch eher nicht.
Letztlich ist diese Begrifflichkeit nur in Stücken besser, oder??

Donnerstag, 5. Februar 2009

Warum ich es liebe Bau(ch)schreiber zu sein

An einem guten Tag gibt es eigentlich keinen besseren Ort als die Universität: vielleicht ist es der Staub des gesammelten Wissens, vielleicht auch der Boden, über den schon so viele kluge Gedanken gelaufen sind, oder auch die Menschen, die sich diesem Hort des Wissens zusammenkommen, um dieses Wissen zu teilen und zu vermehren. Ich weiß es nicht sicher. Ich gehe aber nach meinen Unierfahrungen fest davon aus, dass es die Menschen sind. Denn sonst würden Bücher auch klug machen, die man nur im Schrank verwahrt... und wir wären fast alle klüger.

Heute habe ich in einem Uniseminar über postmoderne Philosophie gesprochen und ihre Genese aus der modernen und postmodernen Kunst, über Welsch, Adorno und Habermas, über die Ästhetik in der Postmoderne, die Kunst im Hegelschen Sinne, über die Nitzsche, Marx, über die Enttäuschung in Frankreich nach der Entdeckung von "Archipel Gulag".
Das alles hört sich interessant an, und das war es auch. Aber viel interessanter waren die Zusammenhänge zwischen all diesem, und die Ideen zur postmodernen Kunst. Das ein Bild z.B. nicht Kunst sein kann, wenn man sofort einen Zugang zu ihm findet- und das es neben einem Zuschauer eben auch eine Denkprozess, seine Erinnerung und Vorstellungskraft, seine Assoziationen braucht, die kulturellen Codes, die Topoi und Metaphern (und ihre Entwicklung), um eben ein postmodernes Kunstwerk zu werden.

Nach zwei Stunden hat mein Gehirn so viel Sauerstoff verbrannt, und so viele kleine blitzenden Informationen über die Nervenenden geschickt, Neuronen überall, und auf einmal habe ich an meinen Roman denken müssen. Was sicherlich zu Recht darauf hindeutet, dass ich wohl ein besserer Schriftsteller als Student bin.
Denn auf einmal habe ich etwas über den postmodernen Roman verstanden, indem ich etwas über meinen Roman verstanden habe.
Zuerst einmal habe ich mich gefragt, ob mein Roman postmodern ist. Aber diese Frage war eigentlich gar nicht so interessant. Viel interessanter war eigentlich, was ich erzähle und was die Geschichte hinter meiner Geschichte ist- also was eigentlich nie ausgesprochen wird, und doch eine entscheidende Leitlinie meiner Geschichte ist. Und da habe ich etwas verstanden.
Ich erzähle die Geschichte einer Schriftstellerin, deren Leben durch ein traumatisches Ereignis aus der Bahn geraten ist und in eine Art Warteschleife, in ein Zwischenleben, gelaufen ist. Und in einem Augenblick katapultiert sie sich aus dem Zwischenleben, dieser Warteschleife hinaus, und das verdrängte, traumatische Ereignis und die Vergangenheit kehrt zurück, die auch sehr schwierig war (deshalb die Gefahr: Melodramatik). Die Lösung für das Problem Melodramatik ist eine seltsame, bluomoeske Lösung, ehrlich gesagt: Ich öffne ein Tor in der Wirklichkeit für eine phantastischen Nebenhandlung, die letztlich fast ein allegorischer Moment ist, der gelegentlich auftaucht. Und ich führe den Leser nicht an den einen Ort, den er erwartet, sondern an ganz viele unterschiedliche Orte, wozu der eine Ort auch gehört, aber wichtiger sind andere Orte.
Dabei ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich eine coming-of-age Geschichte erzähle. Und in diesem Moment war klar, dass eine Nebenhandlung des ersten Romanteils weit wichtiger ist, als ich eigentlich für den Roman erwartet habe. Denn diese Nebenhandlung wird letztlich die Lösung werden, die Lösung wird also aus einer anderen Situation kommen, als ich (und wohl alle bisherigen Leser) erwartet haben.
Somit weiß ich nun, nach einigen Jahren Arbeit, was ich für eine Geschichte erzähle. Ein seltsamer Moment.

Ich liebe es Bauchschreiber zu sein, habe ich das schon erwähnt. Ich finde in meiner Geschichte immer wieder Ideen und Konzepte, die ich hineingeschrieben habe, ohne ihre Tragweite zu erahnen. Und dann, wenn ich an einer Stelle mit meinen Ideen für die Geschichte nicht weiterkomme, dann melden sie sich, und aus ihnen entwickele ich meine Geschichte weiter, in die gleiche Richtung, wenn auch anders. Und die Geschichte wird größer. O.k., manchmal brauche ich auch Lösungen, die nicht aus dem Roman kommen.
Aber ganz ehrlich: wie könnte ich all das für ein Exposée vorausahnen?? Dazu fehlt mir die Vorstellungskraft und auch der Wille. Denn wenn ich alles vorher wüsste, warum sollte ich es dann aufschreiben??

Mittwoch, 4. Februar 2009

Musik vs. Songsmith

Da Kreativität eine schwierige Sache ist, hat sich Microsoft vor einigen Wochen etwas neues ausgedacht, siehe Spiegel online"Verhunzte Popklassiker", vermutlich um die Applesoftware Garageband (mit dem man Musikinstrumente spielen lernen kann oder das komponieren üben), bzw. den vielen Musikspielen wie Guitar-Hero und Singstat etwas entgegenzusetzen: "Songsmith".
Der User sollte in ein Mikrophon singen und sich dabei für eine Musikrichtung entscheiden. Das Programm würde dann automatisch eine passende Melodie zu diesem Song einspielen. In dieser Werbung wird recht deutlich, wie Microsoft das gemeint hat: Wobei die Werbung bemerkenswert dämlich ist.



Nun, das Programm Songsmith inkl. der besonders misslungenen Werbung hat aber dazu geführt, dass viele User begonnen haben alternative Versionen von Songklassikern einzuspielen, indem der Orginalgesang der Pop-, Rock-, Punk- und Hiphopveteranen mit der lustigen Musikuntermalung von Songsmith ergänzt wurde.
Hier übrigens eine Übersicht bei Youtube über die vielen wunderbaren, neuen Versionen durch dieses Programm, Spiegel online hat im obigen Link auch ein paar wunderbare Versionen gefunden.

So wird "Stairway to Heaven" zu einem etwas befremdlichen Fahrstuhlsong für das Loveboot:


"White Wedding" von Billy Idol wird zu einer Musikuntermalung für "Dick und Doof":


Und besonders schön misslungen: Lil Wayne "A Milli" mit einer Elton-John-Klavierbegleitung...


Und für einen lieben Freund mit knackendem Mikrophone: Cannibal Corpse a la Soundsmith, was durch das Knacken sogar noch besonders schön wird:


Insgesamt zeigt diese kleine Auswahl wohl schon, dass Kreativität durchaus mit einem Programm beflügelt werden kann. Nur geht das dann nicht unbedingt in eine besonders schöne Richtung. Aber vielleicht bringt Microsoft ja ein Programm raus, dass in einem solchen Verfahren Geschichten für den Autor weitererzählt. Ich bin gespannt.

Vielen Dank für die traurigen Lacher, Microsoft.

Dienstag, 3. Februar 2009

Benedikt der XVI. und die "Entzauberung der Welt"

Als Oberhaupt der katholischen Kirche ist es die Aufgabe des Papstes den Zusammenhalt der katholischen Kirche sicherzustellen. Dies hat Papst Benedikt der XVI. gemacht, indem er die Exkommunikation von den durch den Erzbischof Marcel Lefebvre geweihten Bischöfe der Piusbruderschaft aufgehoben hat. Bei der Piusbruderschaft handelt es sich um katholischer Traditionalisten, die die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnen und weiterhin die lateinische Messe lesen, sowie für die Bekehrung der Juden beten wollten. Den Vorwurf der schismatische Abspaltung, die als Begründung der Exkommunikation gedient hat, hat der Papst mit einer kanonischen (auf Kirchenrecht) beruhenden Aufhebung der Exkommunikation wieder zurückgenommen.
In einem Interview im Januar 2009 leugnete einer dieser Bischöfe, Richard Williamson, dass Juden in den Gaskammern umgekommen sind. Ähnliche Aussagen Williamson sind aber schon seit 1989 bekannt, so dass dem Vatikan die Haltungen und Einstellungen Williamsons bekannt sein müssten.
Diesen Aussagen folgte eine weltweite Erregung, die von der Kritik an Williamson und seinen Aussagen, langsam immer stärker zu Angriffen auf Benedikt den XVI. umschwenkte, weil dieser einen Holocaustleugner in die katholische Kirche wieder aufgenommen hat.

Nun: Jeder Mensch, auch ein Holocaustleugner, hat das Recht bei Buße in Gnade wieder in seine Kirche aufgenommen zu werden. Die Exkommunikation schließt einen Menschen von den Sakramenten und dem geistlichen Beistand aus. Diese höchste Kirchenstrafe wird ausgesprochen, wenn ein Mitglied der katholischen Kirche gegen kanonisches Recht verstößt. Das hat Williamson durch seine Bischofsweihe getan.
Die Leugnung des Holocaust wird im kanonischen Recht nicht mit Exkommunikation bestraft. Somit kann der Papst Williamson deswegen gar nicht wieder exkommunizieren.
Im weltlichen Recht ist die Leugnung des Holocaust in nur wenigen Ländern ein Straftatbestand. In den meisten Ländern ist es nur der Beweis für eine antisemitische Grundhaltung und eine ideologisch bedingte Blindheit für die Wahrheit. Das der Vater des eigenen Lehrmeister, Erzbischof Marcel Lefebvre, im KZ Sonnenburg ums Leben gekommen ist, ist nur eine Fußnote in dieser Geschichte.
Somit kann Papst Benedikt XVI. Williamson nicht exkommunizieren , sondern nur klarstellen, dass die Aussagen Williamsons nicht von der katholischen Kirche geteilt werden, was er bereits getan hat.

Deshalb ist die Kritik an Benedikt, den XVI. letztlich eine Infragestellung der Funktion des Papstes, weil für die Entscheidung Benedikts die kirchlichen und kirchenrechtlichen Gründen übersehen werden. Somit richten sich alle Angriffe gegen die weltliche Funktion des Papstes, und greifen gleichzeitig seine sakrale Funktion an. Was übrig bleibt ist wie schon bei Gregor VII. und Heinrich IV. und Canossa eine "Entzauberung der Welt", wie Max Weber es formuliert hat.
Der Papst wird nicht mehr als sakrales Oberhaupt der Kirche wahrgenommen, sondern als moralische Instanz und politisches Oberhaupt eines (kleinen) Landes. Oder anders gesagt: Wenn selbst der Papst säkularisiert wird, von katholischen Bischöfen und Lehrern, von Politikern, Journalisten, und sie die sakrale Funktion des Papstes gar nicht mehr sehen, dann ist wirklich nur noch wenig von der katholischen Kirche übrig.

Montag, 2. Februar 2009

"Erfinder" von Playmobil gestorben

Wie Spiegel-online gerade gemeldet hat, ist Hans Beck, "der Erfinder von Playmobil", nach langer Krankheit verstorben. Hans Beck war von 1958 bis 1998 bei der Firma Geobra Brandstätter angestellt und hatte 1971 auf Anregung des Firmenbesitzers die Idee so etwas wie Zinnfiguren zu entwicken, die bewegliche Arme und Beine haben, gleichzeitig aber durch allerlei Kleinteile frei ausstattbar sind, was sicherlich genial. 1974 wurden auf der Spielemesse die ersten Figuren vorgestellt, Indiander, Bauarbeiter und Ritter.
Das besondere an Playmobil war immer, dass wie bei Zinnfiguren Playmobil letztlich nur die eigene Fantasy händisch angeregt hat, sich eigene Geschichte um die Figuren auszudenken und sich mit diesen Geschichten zu beschäftigen. Dabei war es gerade die Flexibilität mit vielen Einzelteilen die Figuren immer anders und neu zu gestalten, mit Hilfe von Orginalteilen und Holzhäusern, von Bauklötzen eine ganze Welt anzuzeichnen, die für mich persönlich Playmobil zu einem meiner Lieblingsspielzeuge gemacht haben,

Und da das Land gerade wieder mal in einer "sogenannten Krise" ist, etwas ermutigendes: Durch die Ölkrise waren die Preise für Plastik so gestiegen, dass die bisherige Produktion der Firma (Hula-Hoop-Reifen, Deckenverkleidung und Plastikmöbel) kaum noch zu verkaufen war. So wagte die Firma erst 1974 die Figuren der Öffentlichkeit vorzustellen.
Frauen gab es übrigens erst seit 1976, Kinder und Babies ab Anfang der 80er Jahre. Und nein, das von mir so ersehnte Piratenschiff und das Fort konnte ich mir (bzw. konnten und wollten sich meine Eltern nie leisten). So musste ich sie selber basteln, entwerfen und vor allem vorstellen.

Vielen Dank, Herr Beck

Sonntag, 1. Februar 2009

Das E-Book als Chance??

In den letzten Monaten, spätestens seit den ersten speziell auf die Lektüre von E-Books konstruierten Lesegeräten wie dem Kindle, hat die Diskussion um die E-Books erst richtig begonnen, zumindest auf Verlagsebene. Denn das Verlagsmodell scheint in dem neuen Medium des Internetin seiner bisherigen Form erheblich gefährdet zu sein.
Das wird sehr deutlich, wenn Michael Justus, der kaufmännische Geschäftsführer des S.Fischer Verlags, im Interview bei Buchmarkt.de sagt, dass er die E-Books zum gleichen Preis wie gedruckte Bücher verkaufen möchte, und als Begründung das bisherige Geschäftsmodell anführt, besonders in dem Punkt, dass jedes E-Book eben ein nicht verkauftes gedrucktes Buch ist.
Noch deutlicher wird dies in einem Artikel von Hanns-Josef Ortheil bei der Zeit "E-Books, Blogs und Chats". , Ortheil berichtet über die Diskussionen anlässlich der "Vierten Deutschen Lektorenkonferenz" auf dem Gelände der Uni Hildesheim (und im Umfeld des dortigen Studiengangs "Kreatives Schreiben"), indem es um die Möglichkeiten der Branche durch die neuen Medien geht. Deutlich wird an diesem Interview, dass sich die Branche schon längst verändert hat und damit auch einige ihrer Geschäftsmodelle. Autoren schreiben nicht nur die Bücher, die beginnen sich selber intensiver in die Vermarktung einzubringen, bis hin zum Modell Paulo Coehlo. Der hat sein letztes Buch als E-Books umsonst zum Download angeboten, parallel zur normalen Veröffentlichung. Und ist über diese Vermarktung und seinen Blog direkt in Kontakt mit vielen seiner Lesern getreten. Auch andere Autoren in den USA beginnen selber immer stärker die Vermarktung und den Leserkontakt zu übernehmen. Sozusagen ein neues Modell Autor, wie es letztlich auch ein neues oder zumindest verändertes Modell des Verlages geben muss.
Bloß welches??? Und funktioniert das auch, wenn man noch am Anfang der Karriere steht??