Samstag, 31. Januar 2009

Ein Interview mit Philip Roth im Magazin der Süddeutschen

Gerade erst ist ein Interview von Lars Reichardt mit Philip Roth online gegangen: "Wenn ich schreibe, lebe ich", natürlich mal wieder im Magazin der Süddeutschen Zeitung. Philip Roth muss man sicherlich nicht vorstellen, und das er ungern Interviews gibt, wird auch recht schnell bei diesem Interview klar. Wie viel dieser Mann aber zu sagen hat, wird aber auch sehr deutlich... mein Tipp, einfach mal in die Bücher reinlesen.

Freitag, 30. Januar 2009

Romane auf Rezept oder der mythische Mentor

Das Romanschreiben kann manchmal eine Wüste sein, wenn die eigene Kreativität scheinbar vertrocknet nieder liegt und man versucht auf den langen, sandigen Wegen etwas zu erkennen, aber nur Sandhügel nach Sandhügel folgt, und sich darunter Skorpione, Schlangen und Mistkäfer verbergen. Das sind die Momente, wo man gerne einen Ariadnefaden hätte, um aus dem Labyrinth der eigenen Gedanken herauszukommen, oder eine Karte "Geh aus der Wüste in die Oase, ziehe nicht über den Weg, sondern begib sich direkt dahin".

Weil Schriftsteller so sind, wie sie sind, ist es eben nicht die schöne Ariadne, die uns weiterbringt, und nicht eine Monopolykarte. Denn Schriftsteller sind kompliziert, meistens zumindest. Und so suchen Schriftsteller eigentlich den weisen Eremiten, die weise Eremitin, eine Art Thomas von Aquin, der in der Lage ist mit den Büchern (nicht den Tieren) zu sprechen, eine(n) Mentor(in), eine(n) Tutor(in). Ein wenig verrückt darf es übrigens sein, solange er/sie den Schriftsteller an seiner Hand durch die Buchseiten geleitet.
Und wenn diese(r) Mentor(in), die Verkörperung der hilfreichen Hand, eine Art väterlich/mütterliche Figur, einfach nicht zu finden ist, suchen wir nach der Monopolykarte, den Leitfaden, am besten in 10, 20 und 100 Punkten, wie man einen erfolgreichen Roman schreibt. Einfache Regeln, wie ein Rezept, einfach zu folgen, die uns einen Weg durch die Wüste zeigt, jeder Schritt, jede Gabelung, jede Gefahr vorausahnt und uns den richtigen Ratschlag gibt.
Nun, die meisten der hilfesuchenden Autoren finden keinen dieser Geister, dieser Mentoren, die vor allem als Mythos in unseren Köpfen herumstromern, weil sie so selten sind. Mit etwas Glück finden wir einen Lektor oder Agenten, der in seltenen Fällen so etwas ähnliches werden kann, wenn wir als Autoren selber die Suche nach einem Mythos aufgegeben haben und erwachsen geworden sind als Schriftsteller. Das ähnliche ist übrigens ein freundlicher Begleiter, jemand, der einen guten Rat gibt, wie man in der Wüste Wasser finden kann und das die Heuschrecken Plage und Geschenk sind.
Nun, das ist einer der Gründe, warum sich so viele Schriftsteller auf die Suche nach dem schriftstellerischen Eldorado machen, der Stadt voller Gold, unendliche Reichtümer, wenn man nur einer einfachen Karte mit einem X folgt. Und diese Karten werden verkauft, in Bücher über das kreative Schreiben, in Schreibschulen oder Literaturinstituten, an der VHS und bei allerlei Seminaren. Aber ganz ehrlich, wie viele Autoren haben ihr Talent an einem Ort gefunden, an dem jemand anderes vor langer Zeit oder vor einer Minute einfach mal ein X auf ein altes Stück Papier/Pergament gemacht hat.

Wenn man mitten in der Wüste steht, und die Sonne gerade unbarmherzig auf dem eigenen Haupt die Haare ausbleicht, dann sind es immer die einfachen Wege, von denen man träumt. Der deus-ex-machina, die kleine Götterkurbel des griechischen Theaters, an der die Lösung in Gestalt eines Gottes einfliegt. Nur verdorren die meisten Autoren, wenn sie nur warten, einfach warten, statt sich zu überlegen, wie man seinen Weg aus der Wüste finden kann.

Bei diesen Überlegungen gibt es aber so etwas wie eine Lösung, nur kommt sie weder eingekurbelt, ist weder ein Mentor noch eine Schatzkarte mit einem X. Sie ist weder einfach, noch reicht es einer Karte oder einem Rezept zu folgen, sie ist eine Herausforderung an den Schriftsteller: die Textanalyse. Und damit meine ich nicht die literaturwissenschaftliche Textanalyse, nicht die schriftstellerische, sondern die Textanalyse, die beides und mehr beinhaltet.

PeterD. hat einmal gesagt, nur was ich ausdrücken kann, kann ich auch denken.

Im Prinzip werden die Texte der Kollegen bei der Textanalyse zu den Mentoren, weil man dem Spuren der Kollegen folgt, ihren Schritten nachgeht, in ihrer Wüste, um dann ihr Ziel zu erreichen. Und man folgt nicht nur einem Kollegen, sondern Dutzenden, Hunderten, und lernt dabei, dass jeder Autor seinen eigenen Wegen folgt, wenn auch manche sehr lange den Fußstapfen eines Vorbilds gefolgt ist. Das jeder Autor sich anders orientiert hat, an anderen Orten gerastet, auf seiner Weise Wasser gefunden hat, das mancher Autor nachts geruht, andere nachts gewandert sind, manche Schlangen gegessen oder Fremde in der Wüste getroffen haben.
All das kann ich mit den Fachbegriffen der Literaturwissenschaft erfassen, mit Begriffen aus dem Lektorat, aber genauso auch mit der Wortwahl von Schriftstellern: Im einen Fall spreche ich vom stakkatohaften Ton des elliptischen Satzbaus, Satzbau zu lang und umständlich, das dritte Mal von verkürzten Hauptsätzen oder das es eben schnell gehen muss in diesen Sätzen.
Aber ich muss eine Sprache für diese Erkenntnisse finden, weil ich nur über Dinge sprechen kann, denken kann, sie finden, wenn ich ihnen irgendwelche Namen gebe. Und je mehr Namen ich finde, gebe, je mehr ich den Kollegen in ihren Fußstapfen folge, desto mehr lerne ich über das Schreiben.
Was so allgemein hin als Talent oder Gabe bezeichnet wird, besteht oft aus der Fähigkeit einen fremden Text zu lesen und gleichzeitig intuitiv in großen Teilen sein Webmuster zu erkennen, zu vergleichen und daraus zu lernen. Nur haben die meisten Autoren nicht dieses Talent oder diese Gabe, zumindest nicht in diesem Maße. Sie fangen mit kurzen Worten und kurzen Erkenntnissen an, vielleicht auch schon einigen großen Worten und Kenntnisse. Aber es gibt sehr viel noch neu zu entdecken und zu lernen. Deshalb lernen viele Autoren ihr Leben lang, um immer besser zu werden. Manche talentierte oder begabte Autoren lernen nicht, weil sie am Anfang zu viel können- und bleiben bei ihrer Begabung stehen.

Aber selbst wenn ein Autor nun jeden Weg aus der Wüste weiß, weil er unendlich viel von seinen Vorgängern gelernt hat und in ihren Fußstapfen in Gedanken schon gegangen ist, dann bedeutet das nicht, dass er diesen Weg auch finden kann, denn die Sonne und die Hitze ist immer noch da, die Angst, die Schlangen und Skorpione. Wissen ist nicht Können, wie so oft und schön gesagt wird.
Denn die Fußstapfen der anderen ersetzten nicht die eigenen Schritte, das Wissen wie andere entschieden haben nicht die Entscheidung, und die Hingabe und der Mut der Vorgänger nicht die eigene Hingabe und den eigenen Mut. Deshalb gibt es unendlich viele gute Textanalytiker, die nicht schreiben können. Denn das Schreiben besteht eben auch aus Talent, vor allem aber aus Mut und Arbeit.
Das Talent ist hier die Fähigkeit die eigenen Erkenntnisse in einen Text transportieren zu können und sie sich dabei zu eigen zu machen- indem etwas Gestohlenes zum Teil des eigenen Handwerks wird. So wachsen die Fähigkeiten mit der eigenen Erkenntnis. Aber dieses Talent ist eben nie vollkommen vorhanden, sondern sehr unterschiedlich verteilt. Die meisten Autoren müssen über die Arbeit lernen, wie sie ihre Erkenntnis in die Praxis umsetzen. Und das bedeutet Experimente, Scheitern, das langsame Wachsen und viele Rückschläge.

Wer also nicht auf den mythischen Mentor wartet oder einem anderen das totsichere Rezept für einen Bestseller mit vierzehn Punkten abkauft, wird viele Jahre brauchen, um ein wirklich guter Autor zu werden. Er wird diesen Weg auch weitgehend alleine gehen müssen, auch wenn er in der Textanalyse großen Autoren folgt, und auf dem Weg vielleicht viele andere Autoren trifft. Aber letztlich sind es gerade die Wege die wir in Gedanken mit uns alleine verbringen, die Wege, die einen voranbringen.
Denn der eigene Stil, das mythisch-eremetische Einhorn des Schreibens, kann man nur alleine finden, wenn man seinen eigenen Weg geht und die Wege der vorherigen verlässt.

Aber warum funktionieren eigentlich die blöden Rezepte nicht, wenn man schon keinen Mentor finden kann???
Weil ein Rezept immer ein Ersatz für eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten ist. Wenn ich bei einem Gericht genau sage, die Zutaten in dieser Reihenfolge, Kochdauer, dann muss der Koch nicht mehr wissen, wie die Zutaten miteinander reagieren, wann Kräuter reinmüssen, wie die Kräuter den Geschmack verändern, warum ich mehlige Kartoffeln verwende, statt festkochenden. Und vor allem muss der Koch nicht wissen, wie das Gericht werden würde, wenn ich Stechrüben statt Karotten verwende und was er ändern müsste. Oder wie Cardamon sich auf das Gericht auswirken würde, oder ob Schokolade zu Steak passt. Und warum frische Dinge anders schmecken als getrocknete, wie Fleisch abgehangen wird, warum manche Schweinerassen anders schmecken als andere.
Rezepte vereinfachen einen Vorgang ganz erheblich, und gleichen an. Aus einer Auswahl von Hunderten von Möglichkeiten wird alles auf einige wenige eingekocht. Das bedeutet nicht, dass diese Gerichte nicht schmackhaft sein können- auch wenn es meistens auf Miracoli reduziert ist. Es bedeutet aber, dass ich in allen Restaurant der Welt, die dieser Idee folgen, immer nur die gleichen Gerichte essen kann, die immer gleich schmecken. Das nennt sich Systemgastronomie, und die Restaurants heißen MacDonalds, Burgerking, und ähnlich. Das ist angenehm, meistens in Ordnung.
Aber gleichzeitig gibt es Restaurant, die mich herausfordern meine Sinne zu gebrauchen, die mich an den Experimenten des Kochs beteiligen, die mich einladen über das Bekannte hinauszugehen. Das kann aber nur geschehen, wenn der Koch sein Handwerk lernt, statt in der Systemgastronie angelernt oder angeschult zu werden. Man muss nicht Molekularküche probieren, vielleicht auch nicht alles mögen: Aber warum sollte man auf den Reichtum der Möglichkeiten verzichten, um immer nur das gleiche zu essen?? Deshalb taugen Rezepte nur etwas, wenn man sein Leben lang selber Miracoli sein möchte.

In diesem Sinne: ran an die Arbeit.

Donnerstag, 29. Januar 2009

Warum schreiben manchmal auch warten ist...

Heute morgen, ca. 1.30 Uhr habe ich endlich das erste neue, bzw. das vierzehnte Kapitel abgeschlossen. Nun, acht Seiten sind für knapp anderthalb Wochen nicht gerade spektakulär, aber viel wichtiger als die acht Seiten sind die Ideen, die sich an diese Seiten anschließen.
Denn, wie gesagt, der erste Teil des Romans ist abgeschlossen, und ich brauche nur einige Seiten für die Reise meiner Heldin zurück, in ihre Vergangenheit. Und da habe ich eine Lösung gefunden, wie ich bereits erwähnt habe, die viel stärker ist, dazu auch mehrere Ebenen hat, und die schlüssig klar macht, dass sie gehen möchte und muss. Doch da wartete ein weiteres Problem, das ich bisher nicht überzeugend lösen konnte- wie viel Zeit gebe ich meinen Figuren für diese Reise und gestalte ich einen narrativen Übergang.
Nun, gestern Abend war auf einmal klar, wie ich diesen Übergang gestalte, weitgehend narrativ übrigens, also nicht wie den größten Teil meines Romans szenisch. Das übrigens, weil ich nun endlich weiß, warum ich immer wieder alle narrativen Passagen vorher aus dem Roman rausgeworfen habe. Ganz einfach, weil es dafür einen ganz wichtigen formal-inhaltlichen Punkt gab. Der Roman folgt meiner Hauptfigur in der Erzählweise, was mir vorher zwar klar war, nicht aber in welchen Rahmen das geschieht.
Nun, ich habe noch keinen einzigen Satz des nächsten Kapitels geschrieben, damit wollte ich bis heute Abend warten, weil man Erfolge feiern muss, gerade wenn man lange auf sie gewartet hat. Und ich habe jetzt Wochenlang genau über das Problem melodramatisch und den Übergang nachgedacht, und in Gedanken Dutzende, wenn nicht Hunderte von Möglichkeiten durchgespielt. Was einerseits sehr produktiv war, um das Problem jetzt anzugehen, andererseits aber auch in deutlich kürzer Zeit hätte geschehen können.
Denn ich brauche für Lösungen Zeit, besonders für schwierige Lösungen. Nur sollte ich immer mal wieder an den Text rangehen und eine dieser Lösungen versuchen- denn die besten Ideen habe ich meistens am Anfang.

Montag, 26. Januar 2009

"Verlegern in die Fresse!"

Heute hat die Autorin Jagoda Marinic für die TAZ den Artikel "Verlegern in die Fresse!" geschrieben, indem es über die seltsame Rolle vieler Verleger geht, die Autoren "machen" (und nicht die Autoren sich selber) und sich selber in eine Vaterrolle gegen die infantilen Schriftsteller bringen. Es geht um die Folgen dieser Vorstellung, über die Annahme dieser Rolle durch viele Schriftsteller, und warum das alles ein Problem ist. Unbedingt reinlesen.

Ausufernde "Feuchtgebiete"

Wenn der Roman über die enthaltsame Liebe eines Vampirs zu einer Schülerin, geschrieben von einer Mormonin, ganz weit oben in der Bestsellerliste steht, dann ist das nicht besonders auffällig. Es gibt seit Bram Stoker Geschichten über Blut und Vampire, wenn es eigentlich ums coming-of-age, über den Schatten (als Archetyp) und verborgene und heimliche Sexualität ging. Das alles hat Anne Rice mit ihrer Chronik über die Vampire modernisiert und in der Gedankenwelt an die 80er und 90er Jahre angespasst. Zu all dem passte die Fixierung von Anne Rice auf Blut und Unsterblichkeit, über den Preis der Unsterblichkeit, das Leiden der Unsterblichen und den Verlust an die Bindung an die eigene Zeit.
Das besondere an Stefanie Meyers Romanen ist eher das Umfeld, in dem sie erscheinen. Die Welt der Unterhaltungsliteratur ist bevölkert mit allerlei Toten und Untoten, mit Vampiren, Werwölfen, Geistern, Elfen, Schamanen und Dämonen. Nur stehen nicht mehr diese Wesen im Mittelpunkt der Handlung, oder zumindest nicht wie früher. Denn inzwischen sind es junge Frauen, die sich mit diesen Wesen auseinandersetzen, entweder als Gegner, oder als Teil einer solchen Gemeinschaft. Und Teil dieser Auseinandersetzung ist die Erfahrung ihrer Sexualität, bzw. in vielen Romanen sogar der Mittelpunkt: Die eigene Sexualität als Zugangspunkt zu dieser Welt, als Form des coming-of-age.
Während bei Anne Rice gelungeren Werken und vielen ihrer Vorgänger und Vorgängerinnen die Geschichten immer sehr viel über diese Welt aussagten, über die Zeit ihres Entstehens, über die Last der Unsterblichkeit und die Sehnsucht nach der Welt aus einer Auseinseiterposition, ist irgendwie fast nur noch das Abenteuer übrig geblieben und als Teil davon die Sexualität.

Wenn eine ehemalige Viva-Moderatorin über die Folgen einer Analfisur und Analsex einen Bestseller schreibt, über Körperflüssigkeiten, Intimbehaarung und Körperhygiene, dann gibt es offensichtlich einen Markt für Romane über Sexualität und deren explizite Darstellung. In diesen Rahmen passen dann auch die vielen Bücher, die offensichtlich durch französische Vorgänger inspiriert, nun das Thema Sex und coming-of-age auf ähnliche Weise verbinden. Ob nun die berühmten Hurengeschichten, die inzwischen überall bei den Verlagen erscheinen, Bücher über Sex, Werwölfe und Vampire, und die Schilderung junger Frauen über ihr eigenes sexuelles Erwachen, siehe hierzu den Artikel in der SZ "Sex als literarisches Erfolgsrezept. Das Sexleben ist ein Ponyhof".
Wobei der Artikel letztlich zu einem recht interessanten Ergebnis kommt: Geschriebene Darstellungen von Sex wirken oft wegen der Formulierungen unfreiwillig lustig, statt lüstern, sind in ihren Wiederholungen oft komisch und insgesamt weit weniger anrüchig, als sie erscheinen. Denn geschriebener Sex ist einfach unspannend. Das drumherum ist weit spannender, das vorher und nachher, und vor allem, was das mit den Menschen macht. Und vor allem fehlt die Geschichte drumherum, coming-of-age ist eben mehr als nur eine Sexgeschichte.

Sonntag, 25. Januar 2009

Philosophische Gedankenspiele

Moderne Literatur nähert sich der Welt häufig über eine Idee, eine Vorstellung oder einer Frage. Und gerade das macht moderne Literatur manchmal schwierig zu verstehen, weil der Leser die Frage erkennen muss, um der Antwort folgen zu wollen- mal von den vielen anderen Gründen abgesehen, die Literatur schwierig machen können. Und wenn hier kulturtheoretische oder philosophisch/ ideologische Konzepte hinzukommen, muss man wissen, was gemeint ist, um es zu verstehen.
Juli Zeh hat z.B. in "Spieltrieb" die Spieltheorie verwendet, die als Idee die Protagonisten ihres Romans erscheint und umgesetzt wird, was natürlich zu allerlei Gedanken zur Spieltheorie und ihre Anwendbarkeit führt- sowie zu einem breiten Umfeld von Interaktion und rechtsphilosophischen Fragen. In anderen Romanen folgen die Autoren verschiedenen Ideen aus dem Umwelt der Wissenschaft, Meinungen, Theorien und Haltungen, die sowohl die Frage, als auch die Antwort bestimmten oder festlegen können.
Dies führt dazu, dass die Romane einerseits sehr aktuelle kulturelle und wissenschaftliche Fragen behandeln, die sich selber mit Deutung, Erklärung oder Fragen an die Welt beschäftigen, und dadurch Bahnen entstehen, wie diese Fragen behandelt werden können. Das mag nun offen unter Nennung der Idee oder des Ideenhintergrunds samt Ideengestalter geschehen, oder indirekt, wenn vielleicht eine Idee zitiert oder kurz angerissen wird, bzw. nur mal auf die Idee verwiesen wird.
Besonders interessant ist es übrigens manchmal eine solche Idee als Allegorie zu behandeln, ein was-wäre-wenn, als kleinen Verweis für Eingeweihte auf eine Idee, einen Hintergrund so begreifbarer zu machen oder sich über einen zusätzlichen Weg anzunähern.
Nur eines ist fast unmöglich oder zumindest sehr schwierig: Eine solche Idee aus dem kulturhistorischen Hintergrund zu verwenden, als einzigen Zugang, oder Hauptzugang, weil dann der gesamte Roman an die Kenntnis dieser Idee gebunden ist. Statt einem mehr entsteht ein musst-du-wissen, und der Roman kann so mißglücken, wenn die Bezüge nicht klar genug sind oder man selber eine Theorie zu sehr vereinfacht für den Roman, bzw. selber etwas mißversteht. Interessant ist das trotzdem allemal.

Samstag, 24. Januar 2009

Schreiben

Von Blogger Pictures


Genau so ist es mir gestern mit dem Schreiben gegangen: Falsche Belichtung, die Gedanken waren zu wenig klar, und irgendwie stimmte insgesamt auch etwas nicht.

Donnerstag, 22. Januar 2009

Diät der Gedanken

Manchmal hat man gerade erst etwas gesagt oder bei einem Blog geschrieben, was dann schon seine Gültigkeit verloren hat. Ganz einfach, weil man in seinen Gedanken so lange etwas überlegt und über die Folgen nachdenkt, bis man anfängt es zu tun- und sich dabei die meisten Sorgen einfach auflösen und die Folgen ihre Bedeutung verlieren. Eine nicht gerade angenehme Feststellung für einen Studenten, der sein Gehirn jeden Tag mit einem enormen Wust an Ideen, Theorien, Wissen und Zusammenhängen und Folgen und Folgesfolgen verwirrt, und versucht daraus die Grundbasis eines erweiterten Grundwissens zu schaffen. Manchmal ist es genau diese Arbeitsweise, die mir das Leben etwas schwer macht.
Deshalb habe ich heute mittag und eben das getan, was der Autor tun würde. Ich habe die Gedanken beiseite gelegt, die gerade nicht wichtig sind. Und habe die Antwort im Spiel gesucht, und das ist Schreiben eben auch, neben einer Pilgerreise. Und ganz ehrlich: Schreiben hat manchmal eben auch keine Konsequenzen, wenn es nicht funktioniert, wie alle Spiele, die nur eine Simulation der Wirklichkeit sind. Nur wenn es funktioniert, dann folgt das eine dem anderen, und aus all dem ergibt sich dann eine Geschichte.
Nun, "Diät der Gedanken" habe ich als Überschrift gewählt, weil ich seit zwei Jahren versuche bestimmte Gedanken nicht mehr zuzulassen, die ich oben beschrieben habe. Weil es eben nicht produktiv ist über ein Problem zu lange nachzudenken, wenn es vor allem die Angst vor etwas unbekannten ist, die einen festhält. Manche nennen das Schreibblockade, aber das ist es nicht. Es ist die Angst vor dem eigenen Mut die Probleme in Angriff zu nehmen, einzelnd, nacheinander, bis sich das nächste Problem stellt. Statt dessen werden alle Probleme herbeizitiert, die noch entstehen könnten und irgendwann bekommen sie die Stimme "Du kannst nicht"; "Du wirst nicht/ nie"; "Das wird sowieso nicht funktionieren"... Eine Schreibblockade bekomme ich übrigens trotzdem, wenn ich es versuche und dann scheitere, weil mir die Idee fehlt, wie ich das Problem lösen kann- ein konkretes Problem. Aber dafür habe ich meine Wege, auch wenn sie manchmal lange brauchen. Es sind aber halt konkrete Probleme.
Erst wenn man sich an der "Diät der Gedanken" versucht, kann man übrigens wirklich hinhören, seinen Figuren und Geschichten zuhören. Denn die eigene Erzählstimme wächst nur, die Summe der eigenen Erfahrungen, wenn man ihr wirklich zuhört, ihr vertraut, sie hegt und pflegt. Weshalb ich aufrichtig meinem Wunsch widerstanden habe Kollegen zu bitten meine Geschichte Test zu lesen.
Heute habe ich mich an meinen Text gesetzt, und zwei kurze Szenen geschrieben, die letztlich den Inhalt des gesamten Kapitels bestimmen werden, und aus einer Wust von etwas wilden Ideen mit einer schon im Roman vorhandenen Idee verbunden haben. In diesem Augenblick wusste ich, dass ich eine neue Gestaltungsmöglichkeit für meinen ganzen Roman gefunden habe, die ich bisher so noch nie bei einem Kollegen gesehen habe. Was nicht bedeutet, dass niemand das vcrwendet hat, das bestimmt nicht. Aber vermutlich hat es niemand genau so verwendet. Diese Idee hat mich restlos überzeugt, und wird, zumindest glaube ich das, eine weitere Ebene in den Roman reinbringen, die dringend notwendig war. Und ich hatte zumindest einige Stunden heute ein unheimlich gutes Gefühl. Denn indem ich ein kleines Problem gelöst habe, habe ich vermutlich zehn weitere mitgelöst.
Zu meiner "Stimme" noch eines: Bei einem längeren Spaziergang habe ich das xte Mal über die Anmerkung eines Lesers und einer Hörerin zu meinen Kurzgeschichten nachgedacht, die ich vor einiger Zeit bekommen habe. Und die ich, ehrlich gesagt, damals nicht so nachvollziehen konnte. Heute kann ich das. Heute habe ich herausgefunden, welche Lektüren bei meiner Autorenstimme im Roman Pate gestanden haben- und es ist eine recht illustre Gesellschaft, wenn auch wohl nicht die übliche. Ein wenig säuselndes von Ingeborg Bachmann, ein wenig Gottfried Benn in einigen Handwerkselementen, Wolfgang Borchert sowieso, Mirjam Pressler für die Art einige Dinge überspitzt zu formulieren (danke auch an Halinka), Ingeborg Bachmann und Sylvia Plath sowieso noch an vielen Stellen, und überraschenderweise Toni Morrison und John Steinbeck.
Das hat die Rückmeldung erklärt, die sich besonders auf einige Elemente von Borchert bezogen hat, und auf meinen Tonfall beim Vortrag von einigen Auszügen.
Ich habe übrigens noch etwas gemerkt: Das Abenteuer "Vika", das andere Romanprojekt, das in Richtung übersinnliche Unterhaltungsliteratur geht, hat diese Stimme noch einmal geändert. Vieles ist etwas kürzer geworden, präziser, und ich habe auch einige unnötige Verdeutlichungen herausgenommen, sowie etwas, was ich an meinem Schreiben bedenklich finde. Die Leidenschaft sehr explizit an einigen Stellen bis hin zum Melodramatischen zu sein. Eine gute Entscheidung, dieses Romanprojekt zwischenzeitlich einzuschieben und es dann vorerst wieder fallen zu lassen.
Und weil ich gerade dabei bin. Einige meiner Leser kennen ja meine Vorliebe für Anfangssätze oder prägnante Sätze im Text. Ich habe heute zwei Sätze formuliert, die auf meiner Kritikrichterskala zum diesem Thema eine gute neun sind. Und ich konnte es gar nicht glauben, dass sie einfach da waren, als ich sie brauchte, und sie letztendlich ein wenig den vorherigen Text kontern.

Ich liebe das Schreiben, habe ich das in der letzten Zeit schon mal erwähnt.

Mitten im Zwischenleben

Gestern Abend habe ich es geschafft: Die ersten 120 Seiten meines Romans sind fertig- und wie immer habe ich hier ein bisschen überarbeitet, dort ein wenig gekürzt, habe einige Linien zusammengeführt, einige Stellen (aus Gründen der Melodramatik) gestrichen bzw. gekürzt. Und natürlich habe ich wieder am Klang und Satzbau gearbeitet, und vorsichtig meine Figuren herausgearbeitet.
Somit sind die alten Fragen erst einmal abgearbeitet- und ich habe wieder mehr Raum für die vielen Ideen, die aus dem bisherigen Verlauf erwachsen sind. Und wo ich nun weiterschreiben könnte, habe ich das gleiche Problem wie meine Hauptfigur, zumindest ein wenig. Denn diese Situation verunsichert mich ein wenig, obwohl ich seit langer Zeit an meiner "Stimme" gearbeitet habe. Aber wie viele anderen Autoren, würde ich mir gerade jemand wünschen, der meinen Text liest und mir sagt, was ich zu tun habe oder nicht. Dem muss ich gerade widerstehen. Denn die eigene "Stimme" ist eine sehr schwierige Sache, die schnell verstummt, wenn man sich zu sehr auf die Stimmen von außen verlässt.
Und noch etwas kommt dazu: Ich muss mich gleich nur an den Text heransetzen, eine Idee ausprobieren, und dann werden die Zweifel abnehmen- oder erst einmal zunehmen, bis ich eine Idee finde, die passt. Nur das ist halt eine Sache des Mutes.

Mittwoch, 21. Januar 2009

Phantastische Wesen. Begleiter im Geiste

Heute ist in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel "Phantastische Wesen. Begleiter im Geiste", der über das Phänomen des "unsichtbaren Gefährten" bei Kindern und Erwachsenen berichtet. Erdachte Personen oder Wesen werden in der Vorstellung dieser Menschen so real, dass sie zu engen Begleiter der betreffenden Personen werden. Das sie kein Zeichen eines kranken Geistes sind, wie früher behauptet wurden, dürften die meisten Menschen inzwischen wissen. Sie sind Zeichen einer lebendigen Vorstellungskraft, die helfen den betreffenden Kindern und Erwachsenen ihren Platz in der Welt zu finden.

Nun, als Schriftsteller kann ich das nur bestätigen, wenn ich mir die vielen erdachten Personen ansehe, mit denen ich täglich kommuniziere. Denn die Welt um mich herum, meine Welt ist voll von diesen Figuren. Nur leider gibt es viele davon, die mich bitten ihre Geschichte zu erzählen. Das bedeutet in meinem Fall übrigens auch nicht, dass mein Verstand inzwischen Fett angesetzt hat, sondern dass ich Schriftsteller bin. Wobei über die lebendige Vorstellungskraft könnte man sicherlich aber streiten.
Hat es damit zu tun, dass ich meinen Platz in der Welt finden möchte. Diese Frage kann ich klar mit einem Ja beantworten, denn für mich ist Schreiben immer ein Herangehen und sich Entfernen von der Welt, der Versuch Fragen zu stellen, an die Welt, Zusammenhänge und Personen. So habe ich mich der Welt genähert und meinen Platz gefunden, auf der Strafbank Künstler, ein wenig abseitig von der Welt. Denn Abstand ist Distanz, ist die Möglichkeit hinzusehen, ohne von der Welt verschlungen zu werden.

Reproduktionsvergütungen bei der VG Wort oder wie ein Gesetz anders interpretiert werden muss

Heute gibt es bei iRights.info einen kleinen Artikel "Eine Stärkung zum Schaden der Autoren" über den Streit bei der VG Wort über die Änderungen des Urheberrechts 2002 im „Gesetz zur Stärkung der vertraglichen Stellung von Urhebern und ausübenden Künstlern“ und deren spätere Änderung 2008.

Nach dem Gesetzestext §63a sollten die Reproduktionsabgaben nur noch an die eigentlichen Urheber, die Autoren ausgeschüttet werden und alle Abtretungen von diesen Rechten an Verlage (meist 70% Autoren zu 30% Verlage) innerhalb von Verträgen ungültig werden, weil nur Voraus-Abtretungen an die Verwertungsgesellschaften (VG Wort) gültig sind. Die Umsetzung bei der VG Wort wurde daraufhin von den Verlegern blockiert, die auch eine intensive Lobbyarbeit betrieben, um eine Änderung des betreffenden Paragraphen zu erreichen.
Am 01.01.2008 wurde der Paragraf §63 a wieder so geändert, dass nun die Verlage weiterhin an den Reproduktionsabgaben beteiligt werden- und zwar in einem Gummiparagraphen, der durchaus auch eine 100% Übertragung der Recht an die Verlage ermöglicht.

Eine ausführliche Übersicht über die Vorgänge findet man unter dem iRight-Artikel verlinkt, aber hier auch noch mal ein Verweis auf das PDF: Ilja Baun "Geliebte Apfelbäume".

Dienstag, 20. Januar 2009

Das Eis geht...

Erst vor einigen Tagen habe ich ja ein paar Photos von meinen Spaziergängen gezeigt, die ich besonders faszinierend fand. Nun, heute habe ich wieder ein paar Photos mitgebracht, die mich auf eine seltsame Art berührt haben.

Von Blogger Pictures


Ein wenig hat mich das an meinen Roman erinnert: Unsere Spuren versichern uns, dass der Boden unseren Füßen fest ist. Aber manchmal scheint es nur fest zu sein.

Von Blogger Pictures


Hier kann man sehr schön sehen, dass der See nicht überall gleich tief gefroren ist. An einigen Stellen bricht er auf, und die Risse gehen dann adernförmig weiter, bis auch hier das Eis aufbricht.

Von Blogger Pictures


Wer glaubt, dass Sport nicht stupide sein kann: Unsere Eisläufer haben runde Flächen gestaltet, um dort ihre Kreise zu ziehen, wo das Eis sicher ist, aber schrecklich langweilig. Vielleicht ist das aber auch ein Wesenszug von Sport: Die ständige Wiederholung von bestimmten Abläufen, die einübbar sind.

Von Blogger Pictures


Hier ist der geheime Brutplatz der Fische, direkt an einer kleinen Insel, die ein kleines Geheimnis hat. Dort befand sich einmal eine Motte, eine mittelalterliche Befestigungsanlage aus Holz, meist in Form eines Turmes, in der ein Ministerale (ehemalige Unfreie, die später in den Ritterstand aufstiegen) für seinen Herrn das Land verwaltete. Davon kann man heute nicht mehr viel erkennen, aber ist das nicht immer so, bei den wirklich guten Geheimnissen.

Montag, 19. Januar 2009

Die unvorsichtige Tierärztin und der Kampfhund

Aus Gründen der Verschwiegenheit kann ich diese Nachricht nur ohne Namen melden und bitte auch alle Leser auf Namensnennungen oder Hinweise auf die handelnden Personen zu verzichten, sollten sie sie kennen. Und ja, die Geschichte hat sich so zugetragen und genau so!!

Ein älterer, etwas verschlafener Kampfhund mit reichlich Amerikan Bulldog in seinen Adern, vermutlich mit etwas Staffordshire Bulldog dazu, hatte am letzten Wochenende einen Unfall. Beim Stutz vom Autorücksitz brach die Wolfskralle weit oben durch und fast ab. Der Hund humpelte schwer an seinem Verband, nicht wegen der Wunde, und zwar immer an einer Pfote mehr als nötig. Da der Hund sich mit Verband kaum noch an die Öffentlichkeit traute, und nach 20 Stunden normalen Schlaf noch zwei Stunden Sonderschlaf einstreute, wurde er zur erfahrenen Tierärtzin gebracht.
Nun, bei einem so alten Hund ist eine Narkose gefährlich, und der mutige Kampfhund zitterte in der Tierarztpraxis so, dass die Tierärztin wohl eher eine Akkupunktur als eine lokale Betäubung hätte setzen können. Und so wurde ohne Narkose mit einer Zange dem bösen Krallenbruch zu Leibe gerührt, um der Kralle den Rest zu geben. Ein Ruck, und die Tierärztin blutete stärker als der Hund.
Warum?? Nicht weil der Kampfhund gebissen oder geschnappt hätte. Nein. Die Tierärztin hatte nur ihre Nase genau über dem nicht sehr kleinen Haupt des Kampfhundes geparkt, der bei dieser Prozedur leidend aufheulte und kräftig den Kopf vor Schmerz nach oben warf. Knacks. Nun, die erfahrene Tierärztin war nach der dieser kleinen Operation genauso leidend wie der Kampfhund. Sie hatte Nasenbluten, er immerhin den größten Teil seine Wolfskralle eingebüßt hatte, seine Würde aber nicht.

Und die Moral von der Geschichte: Bulldoggen haben einen sturen Kopf und einen harten Schädel. Tierärzte sollten das wissen.

Romane wachsen, manchmal

Seit fast vier Jahren arbeite ich nun an meinem Romanprojekt "Zwischenleben" und habe dabei allerlei Erfolge und Misserfolge erlebt, bin gescheitert, habe Krisen erlebt und bin ich an ihnen gewachsen, zumindest hoffe ich das. Das Ergebnis sind ca. 120 Manuskriptseiten, die ich gerade das x-te Mal durchsehe und dabei deutlich spüre, wie ich und das Projekt aneinander gewachsen, verwachsen und gereift sind. Nun, das Zugeständnis an mein vielfaches produktives Scheitern sind die gerade 120 Manuskriptseiten, die von der gesamten Arbeitsleistung von über 400 Seiten in vier Jahren übrig geblieben sind. Dazu kommen umfangreiche Kürzungen, die immer wieder die vorhandenen Seiten reduziert haben, was letztlich noch einmal 100 Seiten ausmacht. Gleichzeitig ist es aber auch ein Ausdruck meines Formwillens- denn es wäre leicht gewesen Dutzende dieser Seiten zu erhalten, wenn ich meinen Anspruch an mich selber und den Roman reduziert hätte. Aber das alles werden die meisten Blogleser schon wissen...
Einige Blogleser werden auch wissen, dass ich von Anfang an davon ausgegangen bin, dass es eine ganze Zeit dauern würde diesen Roman zu schreiben. Denn von Anfang an war dieses Projekt anspruchsvoll konstruiert und ich wusste, dass ich als Autor noch nicht so weit war, diesen Text schnell zu vollenden.
Einige Blogleser wissen sogar, dass ich diesen Roman vor allem als Experiment oder "Gesellenstück" gesehen habe, auch während der Arbeit, und immer wieder allerlei Dinge versucht habe, gestaltet, entwickelt und dann natürlich auch oft genug wieder gelöscht.

Besonders interessant finde ich, dass ich heute noch die Dutzenden Zwischenversionen meines Romans ansehen kann, und die Veränderung beobachten, die meines Romans und seines Autoren.
Und ehrlich gesagt kann ich da sehen, welche Wege und Umwege wir beide genommen haben, kann die Probleme erkennen und die Lösungsversuche (die gescheiterten und gelungenen) und wie sich nach und nach bestimmte Ideen und Einflüsse im Roman breit gemacht haben... Einfach wahnsinnig spannend- und auch anstrengend. Denn die Versuche vor 2007 sind allesamt viel zu lang- wie gesagt, da wurden in den letzten Bearbeitungen seitdem über 60% gekürzt.
Spannend...

Nun, eigentlich wollte ich diese Nachricht mit einer guten Meldung abschließen, aber ich kann es noch nicht. Denn die Zeit für den Roman muss ich mir aus dem Leben schneiden (, da ich soviel zu lernen habe), und das kostet mich viel Leben, Kraft und vieles mehr. Ich kann aber sagen, dass ich seit einigen Wochen wieder fast täglich an meinem Roman arbeite, und Schritt für Schritt mache. Die Ideen ergänzen sich, die Plotlinien werden klarer, ich schneidere und gärtnere ein wenig, und so langsam habe ich wieder die Basis um weiterzuschreiben.
Denn das war wieder einmal der Grund für eine längere Pause: Der erste Teil des Romans war klar und weitgehend fertig- von Gärtnerarbeiten und einem zentralen Problem einmal abgesehen. Nur der zweite Teil des Romans musste noch langsam reifen- indem ich Ideen sammele, Konzepte entwickele, langsam Ideen ausbrüte und mir klar werde, was und wie Möglichkeiten entstehen. Denn das ist eine der Dinge, die passieren, wenn man sich noch nicht über einen Roman im vollen klar ist: Der Roman entwickelt aus dem Vorhandenen ein Eigenleben, und man trägt Ideen hinzu, prüft und verwirft sie, gestaltet neues- und lässt sich aus dem Vollen inspirieren, aus Romanen, Dokumentationen, Filmen. Und irgendwann hat man eine Idee, die bleibt und bei jeder Überlegung ein wenig überzeugender wird. Die man dadurch gewinnt, indem man Zeit hat zum hegen und pflegen.

Nur stellt sich eine entscheidende Frage: Warum ich eigentlich immer den langen Weg gehen muss, wenn es doch so gemühtliche Abkürzungen gibt? Warum ich alle Irrtümer ausschöpfen muss? Warum ich mich immer an den Großen messen muss und mir die ganz großen Herausforderungen setzen? Und warum ich einen Roman schreiben möchte, der möglichst perfekt ist?? Warum traue ich keinen Authoritäten?
Darauf habe ich inzwischen eine Antwort gefunden: Weil das meine etwas seltsame, eigenwillige Weise ist mich dem Schreiben zu nähern. Wer meine Texte mag, der schätzt damit auch meinen seltsamen Zugang und Weg zum Schreiben- weil sie mein Schreiben geprägt haben und meine Texte ohne diesen Zugang nicht vorstellbar sind.

Samstag, 17. Januar 2009

Arte: "T.C.Boyle" und "Romane made in New York"

Immer, wenn in den letzten Wochen über Qualitätsfernsehen gesprochen wurde, wurde meistens auf Arte verwiesen. Wer wissen möchte warum, sollte unbedingt bei Arte+7 reinsehen, um sich dort einige Reportagen anzuschauen.

Heute kam eine wunderbare Dokumentation über T.C.Boyle, die einfach mehr als sehenswert ist. Im Gespräch mit T.C. Boyle und vielen seiner Freunde, im Gespräch über den Lebensweg und die Romane, kann man sich wirklich einen Eindruck von Boyle machen, der nie das Geheimnis hinter dem Autor verrät, aber unendlich viel anderes, inspierendes. Über die schwierige und glückliche Kindheit des Autors mit seinen alkoholkranken Eltern, die Brüche in seinem Leben, seine Heroin- und Schreibsucht, seine Wege zu Schreiben und sich vom Leben zu erholen. Wer die Sendung im Fernsehen verpasst hat, kann entweder auf die Wiederholungen warten, am 24.01.09 um 6.45 Uhr, am 26.01.09 um 9.55 Uhr, oder auf Arte+7 sich eine Woche lang bei freier Zeiteinteilung im Netz.
Bereits gestern wurden sechs junge amerikanische Autoren zu der Gegenwart der amerikanischen Literatur, darunter Jay McInerney, Jonathan Franzen, Jonathan Safran Foer, Marisha Pessl, Nicole Krauss, Rick Moody. Es ging aber auch um den 11.9.2001 aber auch über ihr Schreiben, die Inspiration, den Umgang mit dem Schreiben und wie das alles mit New York zu tun hat. Wer die Sendung im Fernsehen verpasst hat, kann entweder auf die Wiederholungen warten, am 22.01.09 um 5.00 Uhr, am 25.01.09 um 13.00 Uhr oder am 26.01.09 um 10.40 Uhr, oder auf Arte+7 sich eine Woche lang bei freier Zeiteinteilung im Netz, aber nur eine Woche von Freitag an.

Freitag, 16. Januar 2009

Clemens Meyer bloggt...

Über Clemens Meyer habe ich ja schon ein paar Mal geschrieben, siehe vor allem hier und hier über die Diskussion im Perlentaucher. Inzwischen hat er begonnen für die FAZ zu bloggen und das auf seine eigene, besondere Art: besonders interessant in "Harry Potter, Hemingway und der Aufruf zur Gewalt". Einfach mal reinlesen und verstehen, warum dieser Autor auf viele Arten so aus den momentanen, deutschen Autoren so heraussticht.

Donnerstag, 15. Januar 2009

Pressefreiheit und der Mord am Journalisten Lasantha Wickrematunge

In den letzten Jahren hat es in vielen Teilen der Welt Morde an investigativen und kritischen Journalisten gegeben, meist in Ländern, wo die Machthaber im Konzert der Stimmen nur ihre eigene Propaganda hören wollten: Denn Korruption und Vetternwirtschaft gedeihen am besten dort, wo niemand über sie berichtet. Kriege bleiben nur gerecht und sauber, wo die Journalisten "eingebettet" werden in die Propaganda oder nicht hingelangen. Und wenn die Gerechtigkeit nur für einen Teil des Volkes gilt, es Unterdrückung gibt, Gewalt, Folter und Morde, dann ist es die Heimlichkeit, die die Täter schützt und die Opfer all dem ausliefert.

Martin Niemöller hat in verschiedenen Variationen etwas sehr wichtiges gesagt, siehe hier.

„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie die Sozialisten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialist.
Als sie die Juden einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

In diesem Zusammenhang verweise ich auf den Mord an Lasantha Wickramatunge, Chefredakteur des "The Sunday Leader" in Sri Lanka, der am 15. Januar in der FAZ vermeldet wurde. Dieser Artikel gibt auch einen Einblick in die Situation in Sri Lanka unter der Herrschaft Mahinda Rajapaksa, die letztlich in enger Verbindung zum Mord an diesem Journalisten steht.
Nun, in Sri Lanka wurden in den letzten Jahren viele kritische Journalisten ermordet und auch auf Lasantha Wickramatunge wurde mehrere Mordanschläge verübt. Somit wusste Wickrematunge, welcher Gefahr er sich aussetzte, wenn er kritisch über die Regierung unter seinem persönlichen Freund Mahinda Rajapaksa berichtete. Deshalb hat er auch eine Art Testament und Anklage geschrieben, in der er seinen Tod vorausahnt: "Als sie mich holten" bzw. ungekürzt "And Then They Came For Me". Lasantha Wickramatunge beschreibt hier warum er trotz der Gefahr geblieben ist und warum- und verweist dabei auf das obige Zitat von Martin Niemöller.
Es stimmt nachdenklich in dieser Zeit immer noch solche Zeilen lesen zu müssen.

Mittwoch, 14. Januar 2009

Exportfunktion und Statistik

Exportfunktion:
Endlich (vielleicht habe ich es aber nur nicht gemerkt) gibt es bei Blogger eine Exportfunktion: Das bedeutet, dass ich zuerst einmal meinen gesamten Blog in einigen Minuten sichern kann (inkl. aller Kommentar), es bedeutet auch, dass ich nie wieder einen Blog Artikel für Artikel und Kommentar für Kommentar übertragen muss, damit sich die Inhalte nicht irgendwann verflüchtigen.
Und ganz ehrlich: Noch einmal hätte ich dreihundertsiebenundzwanzig Postings und über Hundert Kommentare auch nicht einzelnd auf einen neuen Blog herübergerettet- wobei ich eines gestehen muss: Ich bin bei Blogger sehr zufrieden und habe nicht vor zu wechseln

Aber noch ein paar Zahlen:
Klicks: 25.500 insgesamt
Besucher: 17.665 insgesamt
davon seit 07/2008 1.800 unterschiedliche Besucher (vorher konnte ich das leider nicht einsehen)
Beiträge: 486
Ist inzwischen eine ganze Menge geworden, oder??

Dienstag, 13. Januar 2009

Auch ein Rettungspaket für Bücher??

Nachdem die Türen des Bundestags in den letzten Wochen von Bettlern (Banken, Automobilindustrie,...) praktisch belagert werden und der "Sozialismus" inkl. staatlichem Dirigismus (siehe Commerz und Deutsche Bank) wieder zurück ist, fordere ich nun auch endlich die Verstaatlichung der Bücherindustrie oder zumindest ein Rettungspaket.
Denn ganz ehrlich: In der Kulturbranche wäre es auch verdammt wichtig schlechte Bücher in einen "Bad Publisher" auszulagern, die diese dann preisgünstig (für die Verlage) matrikulieren könnte- und endlich wäre auch das Geld da, um wieder mehr Bücher zu machen. Gute Bücher.
Und endlich könnte der Staat dann dirigistische einige Parlamentsmitglieder bestellen, gut im Parteibuch, die denn entscheiden, was künftig zu veröffentlichen ist und wozu der Staat dann Verkaufsgarantien gibt. Denn so könnte endlich dieser seltsame marktwirtschaftliche Faktor ausgeschaltet werden. Die CDU könnte Werte in die Literatur schaffen, die SPD "Arbeiterliteratur", die FDP Steuerratgeber und die Grünen allerlei Umwelttexte. Endlich könnte die Politik sich wieder an die Kunden, äh Wähler, heranarbeiten, indem sie ihnen die Welt erklärt, aus ihrer Sicht natürlich.
Und welche Möglichkeiten sonst alle noch entstehen würden: Statt Telefonbüchern könnte man bei der Post auch noch schlechte Bücher stapelweise verschenken und so die Zahl der Kunden erhöhen. Eine Abwrackprämie für alte Bücher von 2,50€ würde die Neuverkäufe erhöhen und endlich auch die Schul- und öffentlichen Bibliotheken mit neuen Büchern versorgen. Eine EU-Norm oder ISO-Norm könnte endlich dafür sorgen, dass die Leser nicht mehr so von Büchern überrascht werden, Eine gemeinsame Liebesszene auf Seite 31, vorgeschriebene Masterplots und handwerkliche Vorschriften würden das Problem beheben- Lesen wäre dann nur noch Unterhaltung und nicht mehr Anstrengung.
Rasch könnten unliebsame Bücher verschwinden und man könnte wie der Polnische Staat gezielt bestimmte Bücher für die Schule vorschreiben und empfehlen und andere verdammen. Auch eine Möglichkeit wäre es politisch gewünschte Bücher aus der Preisbindung herauszunehmen und finanziell zu fördern: Damit die Leute dann am Preis die guten Bücher erkennen können, vielleicht noch am Label "Der Finanzminster/ Die Bildungsministerin empfiehlt".
Und das Beste kommt noch: Man könnte auch Geld dabei sparen, wenn man die Preise hinaufsetzt, aber die Normverträge wegen der Krise ändert- also Senkung der prozentualen Beteiligung. Die armen Verlage und Buchhandlungen (vor allem die Ketten) würden stabil durch die Krise kommen. Und Autoren gibt es ja genug.
Dazu noch Abschaffung der KSK und andere Subventionen: Das Geld muss ja irgendwo her kommen.

Was ich nicht verstehe, ist, dass die Verlage immer noch warten. Denn wenn die Krise nicht da wäre, müssten man sie glatt dafür erfinden, oder??

Montag, 12. Januar 2009

Der eigene Text... so fremd und doch so bekannt

Vielleicht ist es eines der Geheimnisse eines besonders guten Textes, dass in immer neuen Gängen der Autor sich durch seinen Text arbeitet, und dabei nach und nach seinen Text wie einen Buchsbaum beschneidet, ordnet und durchorganisiert. Vielleicht ist es aber auch nur ein Zeichen dafür, dass der Autor seinen eigenen Text nicht wirklich im Griff hat und er den Wildwuchs nachträglich beschneiden muss. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich auf jeden Fall an das erste glauben muss, damit ich nicht irgendwann vor meinem eigenen Wildwuchs kapituliere.
Deshalb arbeite ich gerade wieder einmal meinen Text durch, kürze hier, verlängere da, arbeite am Satzbau (und habe dabei festgestellt, dass ich meinen eigenen Text in einem besonderen Singsang vortrage). Dabei merke ich übrigens immer wieder, wie sehr ich meinen eigenen Text mag- und wie sehr der Text sich nun meinen Idealvorstellungen annähert. Nur kommt das dicke Ende noch: Die schwierigen Kapitel liegen noch vor mir, vor allem meine Rückblenden, die vermutlich überdramatisch oder melodramatisch in ihrer geballten Kraft wirken. Ich überlege also, ob ich kürzen soll, das dramatische auf anderem Wege reduzieren oder ausgleichen, oder wie ich das Konzept anders gestalten kann. Ideen habe ich einige, nur brauche ich den Text, um es zu prüfen.
Aber eines wird mir immer klarer: Ich muss diesen Roman. schreiben, und zwar so, dass er vielleicht wirklich ein wenig überdramatisch wirkt, wenn auch nicht so, wie er jetzt ist. Aber dieser Roman drängt aus mir heraus, und wird ein wenig mein Fluch.

Sonntag, 11. Januar 2009

Museumsbesuch

Seit ungefähr 10 Jahren versuche ich schon in ein bestimmtes Museum zu kommen und immer ist mir etwas dazwischen gekommen. Heute habe ich es endlich geschafft. Hier übrigens das Beweisfoto.

Natürlich stammt das Foto aus dem Neandertal Museum, wo man einen wunderbaren (und modern gestalteten) Einblick in das Leben und die Zeit der Neandertaler nehmen kann. O.k., als geborener Kölner Verweise ich gerne auf die Vorfahren der Düsseldorfer, die dort in den Höhlen aus Kalkstein gelebt, gejagt und geliebt haben. Hier übrigens der Mann noch einmal aus einer anderen Perspektive.


Das eigentliche Besondere dieser Ausstellung ist der Verweis auf die Funde von 1856 und damit eine nahezu zeitliche Parallelität zur Veröffentlichung von Charles Darwins Evolutionstheorie. Der Finder, J.C. Fuhlrott meinte eine Vorform des heutigen Menschen entdeckt zu haben, der berühmte Pathologe R. Virchow meinte, es würde sich um krankhaft deformierte Menschen der Gegenwart handeln.
Letztlich handelt es sich ja beim Neandertaler um eine zeitlich neben dem homo sapiens sapiens existierende Nebenform des Menschen, der in vielen Hinsichten besser an das eiszeitliche Klima angepasst war und kulturschaffend (entgegen vieler Vorurteile bis vor einigen Jahrzehnten). Der Neandertaler ist ausgestorben, wobei bis heute nicht klar ist, warum und weshalb. Viele Theorien ranken sich darum, ob der Neandertaler ausgerottet wurde oder in die homo sapiens aufgegangen ist. Und ehrlich: Dieses Museum ist sicherlich eine Reise wehrt, auch wenn viele Ausstellungsgegenstände geliehen oder nachgebaut sind. Und ein schönes Museum für Kinder.

Eine Sonderausstellung gibt es auch: Phänomenale Welten von Phänomenta, wo der Besucher mit allerlei Gegenständen eingeladen wird verschiedene naturwissenschaftliche und technische Phänomene betrachtet, angefasst und ausprobiert werden können. Witzig, spannend und überraschend. Leider in Erkrath nur noch bis zum 18.01, aber an anderen Orten kann man sich weiter versuchen, siehe die Website.

Samstag, 10. Januar 2009

Hauswirtschaftsschule

Meine Großmutter war in vielerlei Hinsicht eine sehr eigenwillige Frau, die ihr Leben immer mutig gelebt und mit einem Summen verschönert hat. Nur das mit der Küche und dem Haushalt, das war nicht so ihre Stärke, so dass sie dankend auf die Anwesenheit aller Küchenfremder verzichtet hat.
Nun, heute gibt es im Fernsehen eine Bräuteschule, früher nannte man das eine Hauswirtschaftsschule, und über deren komische Sitten kann man manchmal nur schmunzeln. Heute, z.B. rief mich meine Mutter an, weil der beschneite Teppich für sie und meinen Vater zu schwer geworden war und sie meine und die Hilfe meiner Freunden brauchte.
Meine Mutter hatte, wie sie es gelernt hat, einen guten Perserteppice zusammengerollt, und auf dem frischen Schnee ausgebreitet. Prima zum ausklopfen, und der Schnee hübscht die Farben auf. Nur werden die Teppiche durch die Feuchtigkeit ein wenig schwer und naja, die Nachbarn schauen dann auch immer etwas seltsam. Selbst der liebe italienische Nachbar, der auch so seine eigenen Sitten pflegt mit den Gardinen, und mein Vater.
So haben wir den ersten Teppich entschneiht, eingerollt und drinnen ausgebreitet- und ehrlich gesagt: die Farben war beeindruckend und die Feuchtigkeit und Schwere des Teppichs auch. also haben wir den frischen Teppich und zwei weitere größere und kleinere Teppiche schneegeklopft, aufgehellt und entdeckten einige ziemlich befremdete Gesichter entdeckt, beim Klopfen, Rollen und entschneihen.
Und das schönste: wir haben ein wenig über meine eine Oma (und ihren Tabakanbau; ihren Kinderschmuggel aus der DDR; ihren Sinn für Stand - und die dringende Notwendigkeit für meinen Großvater Jäger zu werden, damit er mehr als ein Mal die Woche Fleisch bekommt) gesprochen. Und meine andere (Stief-)Oma wurde auch Thema, mit ihrem Hang ihre Wertsachen in uralten, angeschimmelten Zahnputzbechern, in Büchern und alten Plastikdosen und ihrem wunderbaren Schokopudding (deren Geheimnis war, dass er immer ein wenig angebrannt war). Wir haben über meinen Vater geschmunzelt, der sich in die Küche begeben hat, um zu spülen (und nicht Teppiche im Schnee zu klopfen) und etwas entgeistert über die Idee und deren Verursacher, die Hauswirtschaftsschule, war.

Gelernt ist gelernt, und manches sieht viel seltsamer aus, als es wirklich ist. Zusammen entsteht aber aus seltsamen auch oft etwas besonders schönes oder witziges.

Freitag, 9. Januar 2009

Wer den Wind sät

Religiöse Bewegungen folgen genau wie die meisten anderen Bewegungen bestimmten Zyklen. Vielleicht ist das der Grund, warum die Evangelikalen und evangelikale Bewegungen alle Jahre wieder ihren Kampf gegen Darwins Evolutionstheorie aufnehmen. Denn diese Theorie steht wie kaum eine andere für den Zweifel an der wörtlichen Interpretation der Bibel, indem sie auf Basis verschiedener wissenschaftlicher Erkenntnisse eine andere Herkunft des Menschen und der Tiere untersucht, folgert und begründet.

In "Wer den Wind sät" aus dem Jahr 1960 geht es um einen Lehrer, der 1925 in Tennessee wegen des Lehrens der Evolutionstheorie angeklagt wird. Diese Geschichte basiert weitgehend auf dem wirklichen Fall von John T. Scopes, dem sogenannten "Affenprozeß/ Scopes-Prozess".
Die Oscarpreisträger Spencer Tracy und Frederic March treffen hier auf den unterschiedlichen Seiten aufeinander, Spencer Tracy als Verteidiger des Lehrers, Frederic March als Politiker, Ankläger und Kreationist, begleitet von Gene Kelly als Reporter.
Vordergründig geht es in "Wer den Wind sät" um die Auseinandersetzung zwischen der wörtlichen Auslegung der Bibel/ dem Kreationismus und der Evolutionstheorie des Charles Darwin, und wie diese Auseinandersetzung die Bewohner einer kleinen Stadt in Tennessee auf diesen Angriff auf altvordere religiöse Traditionen reagieren und wie Glaube und wissenschaftliche Theorien scheinbar konkurrieren. Es geht auch um die Menschen, und das es eben nicht schwarz und weiß gibt, sondern das jeder Mensch Gutes und Böses in sich hat. Es geht um den Fantasismus, der, unter einem scheinbar gerechten Gewand, sich anschickt andere Meinungen zu unterdrücken, um der behaupteten absoluten Wahrheit und der absoluten Gerechtigkeit wegen. Im Prinzip ein etwas verspätetest Statement über die fanatische Kommunistenhatz der McCarthy-Ära, die von der ursprünglichen (und wohl teilweise berechtigten Angst) vor Kommunisten im Staatsdienst sich zu einer Menschenhatz ausweitetet, in der immer mehr Menschen und auch immer mehr Unschuldige angeklagt, öffentlicht entwürdigt und verurteilt wurden. Ganz gezielt übrigens auch Film-, Fernsehleute, Schauspieler und Künstler, um die "Gefahr" der politischen Einflussnahme aus dieser Ecke zu bannen.
Vor allem ist dieser Film aber ein mitreißendes Manifest für die Freiheit des Denkens und gegen alle, die diese Freiheit des Denkens bedrohen.

Donnerstag, 8. Januar 2009

Das Guantanamo Experiment

Vor einigen Tagen fand ich eher zufällig auf n-tv "Das Guantanamo- Experiment" und blieb an dieser Sendung hängen. Das war nicht freiwillig oder gewollt, sondern einfach eine Folge der starken Suggestionskraft dieses Experiments, in der sieben Freiwillige sich 48 Stunden den gleichen Bedingungen wie die Gefangenen der Guantanamo Bay Naval Base des US Militärs unterziehen. (Teile kann man übrigens bei Youtube ansehen.)

Immer wieder mit Verweis auf die Entscheidungen von Donald Rumsfelds als US-Verteidigungsminister im Bezug auf "Was ist Folter und was nicht?" wurde die Freiwilligen "behandelt". Dabei wurden die verschiedensten Techniken der US- Verhörspezialisten und Militärs vorgestellt, gezeigt und praktiziert. Die gezeigten Methoden entstammen entweder den Unterlagen des US-Militärs (bzw. den Anweisungen Donald Rumsfeld), Untersuchungen des FBI über das Gefangenenlagers und Berichten von NGO (Nicht Regierungsorganisationen) wie Amnesty International. Erschreckenderweise wurden diese Methoden dann in die Richtlinien der Genfer Konvention eingeordnet und erklärt, was und warum etwas als Folter bezeichnet wird.
Bereits nach wenigen Stunden konnte man direkte Auswirkungen der Verhörmethoden bzw. der Foltermethoden auf die geistige Verfassung der Gefangenen erkennen, den körperlichen und physischen Stress, die ungeheuren Belastungen und deren direkte Auswirkungen. Als Zuschauer war eine der Folgen dieser Dokumentation, dass man sich beschämt fühlte- gerade weil eines in dieser Dokumentation klar wurde. Das das Folterverbot in der Geschichte der Strafverfolgung aus einem besonderen Grund aufgestellt wurde: Einen Menschen auf eine solche Art zu entwürdigen, zu quälen und seiner Freiheit (nicht nur der körperlichen) zu berauben, ihn an Leib und Seele zu schädigen und dann zu brechen- das verändert Folterer und Opfer für immer und ist nicht mehr rückgängig zu machen. Und der Wert der Aussagen unter Folter ist meistens gering- und hängt immer vom Wissen der Folterer ab. Letztlich bestätigt Folter immer nur die Meinung der Folterer, weil die meisten Aussagen eben nicht nachprüfbar sind. Zudem werden die meisten Menschen unter Folter alles mögliche gesteht, nur um nicht mehr gefoltert zu werden.
Jeder Mensch, der einmal strukturelle Gewalt erlebt hat, also Gewalt, die nicht einer konkreten Person, sondern die von Institutionen, von größeren Menschengruppen, der kann ein wenig erahnen, wie es ist gefoltert zu werden. Aber es ist nur eine kleine Ahnung, die nicht wirklich begreifbar macht, was Folter wirklich ist. Denn Folter ist nicht die Gewalt gegen den Körper- es ist die Gewissheit die Selbstbestimmung über den Körper und das Leben verloren zu haben; es ist die Gewissheit anderen Menschen bedingungslos ausgeliefert zu sein.
Ein demokratischer Staat entsteht aus dem Willen seiner Bürger und ist deren Schutz verpflichtet- aber nicht um jeden Preis. Denn die grundsätzliche Idee eines demokratischen Staates ist, dass jeder Mensch Rechte und Pflichten hat, die er nicht verwirken kann- die Menschenrechte. Und das der Staat diese Rechte nicht beschneiden darf und deren Schutz verpflichtet ist.
Wer immer die Menschenwürde in einem demokratischen Staat untergräbt, der untergräbt diesen Staat damit in seinen Fundamenten. Denn nur ein autokratischer Staat entscheidet, dass bestimmte Menschen kein Recht auf Menschenwürde haben- um diese Menschen dann von allen Rechten auszuschließen, sie aus der Gemeinschaft herauszudrängen, wo sie dann schutzlos diesem Staat und seiner Willkür unterworfen sind.
Wenn ein demokratischer Staat dies tut, in diesem Fall bei Ausländern, dann teilt er die Welt in zwei Rechtssysteme auf: Die eigene Bevölkerung hat ihre Menschenrechte- zumindest bis sie sich verdächtig machen-, die anderen nur unter bestimmten Bedingungen, die dieser demokratische Staat festlegt. Eine solche Positionierung funktioniert nur dann, wenn man sich im Recht der absoluten Wahrheit glaubt- und alle anderen damit per Definition schon Verdächtige sind. Und in diesem Klima, in einem Klima der Verdächtigungen, entsteht dann ein Grundsamen, der letztlich diesen Staat bedroht: Das die Menschen, die bedingungslos die Menschen mit der Wahrheit folgen, letztlich die einzigen sind, die nicht verdächtig sind- alle anderen sind verdächtig. Wie kann da ein demokratischer Staat funktionieren, wenn man nur denen vertraut, die genauso sind wie man selber?
Er kann es nicht. Denn in einem demokratischen Staat ist es gerade die Pluralität der Meinungen, die Diskussionen und Auseinandersetzungen (in klar definierten Rahmen), die Vielfalt der Möglichkeiten und die Wahl als Zeichen der Beteiligung an diesem Staat und an seinen Entscheidungen, die diesen Staat ausmachen.

Wenn Barack Obama über die geteilte amerikanischen Gesellschaft gesprochen hat, so ist einer der Gründe (neben vielen anderen Gründen) auch, dass Donald Rumsfeld und andere dieses Land gespalten haben, mit dem Patriots Act, mit Guantanamo und vielen weiteren politischen, militärischen und ethischen Entscheidungen. Und jede Aufhebung dieser Teilung kann nur erfolgen, wenn man sich ansieht, was trennt, und dies aufarbeitet- und dazu gehört Guantanamo und andere US-Verhöreinrichtungen. Deshalb ist es wichtig Guantanamo möglichst schnell zu schließen und den Gefangenen ihre Menschenrechte wiederzugeben. Es wäre aber auch sehr wichtig, alle Beteiligten dieses Systems über eine längere Zeit zu betreuen und die Verantwortlichen in diese Verantwortung zu nehmen. Weil in einem demokratischen Staat Fehler passieren können und die Stärke eines demokratischen Staates darin besteht, die eigenen Fehler zu erkennen (manchmal zumindest) und dies durch die Justiz und die Gesellschaft untersuchen und bewerten zu lassen.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Winterwege ... einige Impressionen

Wenn man sich gerade in Deutschland auf einen Spaziergang macht, hat der pulvrige Schnee die Orte ein wenig verwandelt und gibt einen anderen Blick frei, einen neuen Blick.
Der Himmel ist frei und offen, und hinter dem Weiß verbirgt sich ein Grau und ein Grün (ja wirklich), wenn man in manchen Augenblicken hinschaut. Aber am erstaunlichsten ist eigentlich, wie der dicke, weiße Schnee die Bilder verändert. Wobei, dieser Schnee betont an einigen Stellen ganz seltsame Dinge. Denn hier sind es die Bäume, die den Himmel verdunkeln, die es ein wenig düster machen.
Übrigens wie im wirklichen Leben: Wohin unser Blick nicht fällt, oder nur kurz fällt, scheint alles grau zu sein und dunkel.

Hier z.B. scheint die Sonne quer, und beleuchtet die etwas kröselig gewachsenen Bäume recht eigenwillig- der Weg wirkt anheimelnd. Das Bild ist übrigens fast zeitgleich zum ersten entstanden.
Zuversicht, und eine Ahnung, was einen an der Ecke erwartet wird, scheint hier sichtbar zu sein. Übrigens eine Täuschung, denn der Weg danach wird dunkel, siehe das Bild oben.

Hier, an diesem kleinen Bächlein kann man erahnen, wie es auf den Seen und Teichen aussieht, über denen die Polizeihelikopter kreisen. Wenn das fließende Gewässer schon langsam zufriert, sind die Seen mit dichtem Eis und Schnee bedeckt, zumindest an einigen Stellen. Weshalb auch die Polizeihelikopter kreisen. Denn Seen und Gewässer sind eben nicht immer gleich dicht mit Eis bedeckt... eine Erfahrung, die inzwischen viele Menschen gemacht haben.
Sogar ich habe mich heldenhaft einer Dame zur Verfügung gestellt, die eingebrochen ist. Mit dem Fuß an einer Stelle knapp einen halben Meter vom sicheren Ufer entfernt. Ich habe mit einem freundlichen Ehepaar als Helfer den Fuß herausgezogen, die Dame samt Hunden sicher zu einer Parkbank geleitet und alle weiteren Notrettungsmaßnahmen eingeleitet.
Gleichzeitig ein wunderbares Bild, dass zeigt, dass manchmal die Verwandlung erst dann großartig wird, wenn man Zeit hat- nur hat man die meistens leider nicht.
Hier das berühmte "Mediterana", ein ehemaliges öffentliches Schwimmbad, dass ein Investor gekauft hat und wohl zu einer der schönsten Saunalandschaften der Welt ausgebaut hat. Inzwischen ist das "Mediterana" ohne öffentliche Zuschüsse profitabel. Gestaltet ist es im mediteranen Stil (kreativer Namenswahl, nicht wahr?) mit viel marokkanischen, tunesischen, arabischen und spanischen Elementen im Bau, alten marokkanischen Türen, einer Salzkristallsauna (mit echten himalaya Salzkristallen aus dem pakistanischen "Himalaya"), Berberzelten, Tonziegelsaunen, einem catalanischen Kräuterbad, einem Hamam und vielem mehr. Die Preise sind übrigens wirklich eher für einen Freizeitpark, als für eine Sauna.
Wunderschön der Kontrast der Farben zur Winterlandschaft- mediteranes Disneybaden, sozusagen, nur mit weniger Übertreibungen.
Mich erinnert es aus der Ferne, vor allem mit den vielen Düften aus dem "Mediterana" nach Kräutern, nach Kräuteraufgüssen und Salz, immer ein wenig an ein seltsames Königreich für sich selber, gerade weil es so gebaut ist, dass man nicht hineinsehen kann.

Aber auch das ist der Winter 2008/2009: Eine Zeit sich an die schweren Zeiten und schweren Winter zu erinnern. Denn schließlich kündigt sich ja nach der Klimakatastrophe, dem Krieg gegen den Terror auch eine schwere Weltwirtschaftskrise an, verbunden mit einem bösen Bären, der gerade auf dem Gasschlauch aus Russland sitzt. Wer übrigens an die Krise glaubt, sieht sie inzwischen überall: Die Nachrichten sind voll von teils absurden, teils tragischen Meldungen über die Krise wie den Tod des Unternehmers Merckle, dem die Banken die Hoheit über sein Unternehmen und damit anscheinend auch den Lebenswillen abgenommen haben.
Absurde Meldungen sind der Verkaufsrückgang von Hybridautos in der Krise, weil ja auf einmal Benzin wieder billig ist, dass einige Unternehmen gerade ihre Führung austauschen wie sonst Fußballvereine ihre Trainer. Ich warte darauf, dass die Meldung kommt, dass selbst die Markenfälscher Probleme bekommen die Guccitaschen zu verkaufen, weil die nicht mehr envogue sind. Naja, man kann ja mal hoffen.
Dafür wird es wohl viele Unternehmen erwischen, die altvertraut sind... die Angst vor der Krise und deren Folge, eine schwere Kreditklemme: Woolworth, eine Firma mit veraltetem Verkaufskonzept, ist in England endgültig pleite. Und auch Rosenthal, das dem englischen Porzellanhersteller Wedgewood gehört, ist über den Besitzer von Wedgewood, einem irischen Kristallglashersteller, nun von der Pleite bedroht.
Die Einkaufsstraßen werden bald nicht mehr die gleichen sein, und gleichzeitig doch. Ob Köln, Berlin, Hamburg, in allen großen Einkaufsstraßen die gleichen Geschäfte... vielen Dank an die Globalisierung und die Kunden.
Aber ob die Krise wirklich kommt: Ich denke mal, wenn alle Länder weiter so Geld in die Luft blasen, damit sie nicht kommt, kommt sie auch nicht. Nur die Kassen sind dann leer, und eine Staatskrise kommt. Das ist ja viel besser.... Sparen wird überbewertet, oder Mist, war das nicht der Grund für die Krise (oder deren Behauptung)...

Dienstag, 6. Januar 2009

Hektik und Streß

Durch meinen Uniprüfungen bin ich gerade mächtig am rotieren, weil ich leider einige Zeit durch Krankheit verloren habe und mir dann noch so einiges anderes dazwischenkam. Also musste ich eine Pause machen, die ich mir eigentlich nur leisten kann, wenn ich nacharbeite.
Und genau das ist Sonntag und gestern geschehen. Ich habe den ganzen Tag (bis spät abends) versucht die Arbeit nachzuholen und ein wenig der liegengebliebenen Dinge nachzulernen, aber das ist eine ordentliche Arbeit. Dann leidet ein wenig mein anderes Schreiben, dass sowieso schon unter den Prüfungen leidet- was wiederrum ein wenig das Lernen blockiert. Ich drehe mich im Kreis, irgendwie.

Samstag, 3. Januar 2009

Humboldts Erben...

Heute ist in der FAZ ein Artikel von Jürgen Kaube "Bildung: Bestanden? Aber wir haben doch gar nichts gelernt". Interessantweise ist der Artikel in der Bildungsdebatte in Zeitungen und in der Öffentlichkeit eine Seltenheit, weil hier über den Humboldtschen Bildungsbegriff einige Fragen aus der aktuellen Bildungsdebatte in Frage gestellt werden und die dauernden Reformen (und die dahinterstehenden Bildungstheorien) in Frage gestellt werden. Und das ist eine enorme Bereicherung. Denn irgendwie scheint in den Unis und Schulen dieses Bildungsideal von Wilhelm von Humboldt verloren gegangen.

Kurze Erklärung:
Wilhelm von Humboldt hat in seinen maßgeblichen Werken über die Bildung immer eines besonders herausgestellt: Bildung erfolgt immer über die Besonderheiten eines Faches, sowohl inhaltlich, auch in den formalen Techniken. In der Mathematik ist es sinnvoll in die Tiefen einzutauchen, um das Besonderheit des Faches (z.B. auf Basis weniger Axiome entsteht ein ich sich logisches System) zu erkennen und anwendbar zu machen. Somit ergibt es durchaus Sinn Wahrscheinlichkeitsberechnungen in der Schule durchzunehmen, weil man über die Wahrscheinlichkeitsberechnung viel über Wahrscheinlichkeit, über Mathematik, über Möglichkeiten und logische Systeme lernen kann. Gleichzeitig ist es wichtig systematisch und logisch dem Aufbau und Inhalten der Mathematik im Unterricht zu folgen, und langsam auf Basis guter Fundamente immer abstrakter und schwieriger zu werden.
Damit stellt Humboldt auch klar: Ein Bildungskatalog kann sich somit nicht an der Notwendigkeit einer Berufsausbildung orientieren. Denn Bildung ist die Ausbildung und Reifung eines Menschen und der Vervollkommnung seiner Fähigkeiten. Dabei ist Bildung in einem demokratischen System immer auch der Versuch jemand zu einem mündigen Bürger zu erziehen. Bildung ist eben nicht eine abhakbare Reihe von Fähigkeiten, die auf einem Evaluierungsbogen abgehakt werden können, und die einen Menschen dann gebildet machen. Denn nicht die Inhalte und nicht die formalen Techniken sind wichtig, sondern die Weiterentwicklung des Menschen dadurch.
Deshalb macht auch eine Schule, die nur auf einen Beruf ausbildet, gescheitert- weil nie klar ist, welche Fähigkeiten in diesem Beruf in 10 Jahren erforderlich sind, welche Fähigkeiten und Inhalte dem Menschen helfen Dinge zu erkennen und eine eigene Haltung zu entwickeln, und ob es wirklich nur Mathe, Physik und Chemie sind, die einen guten Ingenieur ausmachen.

David Foster Wallace

Über den Tod dieses eigenwilligen Autors habe ich schon geschrieben, siehe hier, über Universitäten und Marihuana und David Foster Wallace auch (Wallace Problem waren übrigens die Universitäten).
Heute hat die Welt online aber endlich die berühmte Rede von David F. Wallace abgedruckt: "In den Schützengräben des Erwachsenenseins", die berühmte "Kenyon"-Rede, die er in Gambier, Ohio vor den Studenten des Kenyon- College hielt.
Einfach lesen und genießen...

Donnerstag, 1. Januar 2009

Art Spiegelman: "Maus - die Geschichte eines Überlebenden"

Als ich das erste Mal die DDR besucht habe, wurde an der Grenze meine kleine Sammlung "Micky Maus" als kapitalistische Propaganda beschlagnahmt. Das die DDR solche Angst vor bestimmten Comics hatte, habe ich damals nicht verstanden- denn ich war jung, und habe einfach nicht gewusst, welche Macht Bilder und Worte gegen Ideologien und Weltvorstellungen richten konnte. Wenn man sich Art Spiegelmans Graphic Novel "Maus - die Geschichte eines Überlebenden" ansieht, dann kann ich heute sehr gut verstehen, welche Kraft von einem Graphic Novel/Comic; Roman ausgehen kann- denn im eigentlichen Sinne bedient sich Art Spiegelmanns sowohl verschiedener Handwerkstechniken des Comics, als auch einigen literarischen/ postmodernen Techniken des Romans.

"Maus - die Geschichte eines Überlebenden" erzählt die Geschichte von Art Spiegelman und seinem Vater Wladek als eine Rahmenhandlung, in der es um das Verhältnis von Vater und Sohn geht (sowie um die Lebenssituation der beiden) und in der Art Spiegelman seinen Vater bittet ihm seine Lebensgeschichte aus der Zeit des Holocaust zu erzählen. In einer Binnenhandlung werden dann die Erzählungen des Vaters von Art Spiegelman in Zeichnungen und Texte umgesetzt und an zwei Stellen die Texterstellung selber problematisiert. Dabei sind beide Ebenen eng miteinander verbunden, einerseits über die Mutter, die 1968 Selbstmord begangen hat und die im Leben des Vaters in beiden Zeiten und im Verhältnis zum Sohn eine Rolle gespielt hat, und über viele Photos, über Schmuck und den Verhaltensweisen des Vaters, der immer noch spart und versucht auf alles vorbereitet zu sein. Diese Verhaltensweisen des Vaters, die eng mit seinen Erfahrungen aus dieser Zeit zusammenhängen, werden beim alten Wladek Spiegelman reflektiert und manchmal in Frage gestellt, als z.B. die Vorurteile Wladek Spiegelmans gegen Schwarze deutlich werden.
Gleichzeitig erzählt Spiegelman die Geschichte seines Vaters, indem er ihn erst seine Frau kennenlernen lässt (und vorher eine Geliebte), die Geschichte vor dem Angriff der Deutschen auf Polen, seinen Vater als polnischen Soldaten und dann die Geschichte der Verfolgung, der Versuche aus dem Land zu gelangen, der Beginn der Lager, die Deportationen und dann wie die Eltern getrennt nach Auschwitz kommen.

Handwerklich zititert Spiegelman einerseits auf die rassistische Propaganda der Nazis zurück, indem er die Juden als Mäuse darstellt, ein Verweis auf die Ungezieferbezeichnungen der Nazis, und ihnen das Gesicht nimmt, indem er alle Juden das gleiche Gesicht gibt. Die unterschiedlichen Figuren sind nur an ihrer Kleidung zu erkennen und an dem was sie sagen.
Aber nicht nur den Juden wird ein Einheitsgesicht und ein Tier zugeordnet: Die Deutschen sind Katzen, die Franzosen Frösche, die Amerikaner Hunde, die Polen Schweine, die Schweden als Elche, die Roma/Sinti als Nachtfalter, die Engländer als Fische und die Russen Bären. Diese Darstellung der Polen hat dort für viele Probleme mit dem Roman gesorgt, obwohl Spiegelman mehrfach betont hat, dass diese Darstellung sich an großen Comicfiguren wie Miss Piggy anlehnt und darauf verweist, dass viele Polen sehr positiv dargestellt werden. Was er wohl unterschlägt, ist das er auch hier die Propaganda der Nazis zitiert, wie er das im Text für die Franzosen einmal klärt, indem er seiner fanzösisch Frau erklärt, warum Franzosen keine Kaninchen werden, sondern Frösche. (Kinder eines polnischen Judens mit einer Deutschen haben übrigens ein Mausgesicht mit Streifen, und wenn Wladek Spiegelmann sich verkleidet, dann setzt er eine Maske auf- entweder eine Schweine- oder eine andere Maske).

Insgesamt handelt es sich bei Art Spiegelmans Graphic Novel "Maus - Die Geschichte eines Überlebenden" um ein Porträt des Vaters und eine Familiengeschichte in Zeiten des Holocaust. Wie gelungen diese Graphic Novel ist, zeigt nicht nur die Verleihung des Pulitzer Preises, wenn auch in einer etwas seltsamen Kategorie, sondern das Unbehagen, wenn man sich langsam in diese Geschichte einliest, und dann nicht mehr von ihr lassen kann, während sich immer wieder eigene Fragen an die Geschichte anschließen, mal beantwortet werden, mal offen bleiben, wenn nach und nach immer mehr Haltungen, Positionen, Schicksale auftauchen und letztlich ein volles Panorama über diese Zeit auftaucht, und über Art Spiegelman und seinen Vater.
"Maus - Die Geschichte eines Überlebenden" ist aus vielen Gründen eine der gelungensten Werke über den Holocaust, und ich kann es immer wieder nur empfehlen. Zudem wird in dieser Graphic Novel, einem illustrierten Buch nach Definition, klar, welche Möglichkeiten dies bietet und das viel zu lange Comics und Graphic Novels der Kunstcharakter abgesprochen wurden.