Donnerstag, 24. Dezember 2009

Der Enkelhund

Weihnachtsgrüße sind auf Ihre Art immer ein wenig befremdlich, mit Lichterketten, seltsamen Mützen und dieser Vortäuschung von diesem "Weihnachts-Zimt-Glühwein-familiäre Seligkeit-Gefühl", dass ja angeblich zu Weihnachten gehört.
Von Zwischenlebenblog

Nun, das hier abgebildete Photomodell musste mit Fleischwurst bestochen werden, damit nicht alle Bilder so aussahen. Denn das Photomodell hatte eigentlich wenig Lust so "medizinisch-fotografisch untersucht" zu werden.

Von Zwischenlebenblog

Irgendwie sagt dieses Photo unheimlich viel über Weihnachten aus. Gezwungener Frohsinn, Bestechung, damit das Bild stimmt. Armer Hund. Aber die Fleischwurst und die viele Aufmerksamkeit, der Familienkrach und das Beisammensein, die Gedanken an die Gegangenen dieses und der letzten Jahre, das Gefühl "wir-halten-zusammen", vielleicht ist es nicht dieses Weihnachtsgefühl. Aber es ist ehrlicher und besser- wenn auch nicht so ungetrübt.

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Verlage und die Krise

Heute findet sich im Börsenblatt ein Ausblick auf "Konditionen 2010: Hinter dem Horizont". Es geht um die Rabattschlacht zwischen den Verlagen und den Buchhandelsriesen Amazon, Thalia und Weltbild, um den Niedergang der Midlist, die unbekannten Autoren, die Kleinbuchhändler nun bekannt machen sollen, und die Retter der Backlist: Amazon.
Für die Autoren findet man natürlich im Börsenblatt wenig. Nicht verwunderlich, ehrlich gesagt. Welcher Bauer befragt schon die Kuh, wenn er die Milch verkaufen will....

Montag, 14. Dezember 2009

Geistig uneingezogen

Seit meinem Umzug im Juli habe ich ein Arbeitszimmer. Das ist immer noch ein wenig unaufgeräumt, weil gerade ein großer Schwung Bücher hinzugekommen ist. Gleichzeitig fehlt noch ein wenig das Chaos, das dort eigentlich herrschen müsste, wenn ich dort arbeite. Aufgeschlagene Bücher, ungeordnete Zettellandschaften, Bilder an den Wänden, eine kleine Wand mit allerlei Informationen, etc. Denn irgendwie bin ich geistig dort noch nicht eingezogen.
Ich habe mein kleines Nebenprojekt, an dem ich gerade sporadisch arbeite. Was nichts anderes heißt, als dass mal eine Spore kommt, und die dünne Textbasis und die guten Ideen ergänzt. Denn es ist halt nur ein Nebenprojekt, weil ich es anders nicht schreiben kann.
Ich habe den Plan noch einige Kurzgeschichten in diesem Jahr zu schreiben, wenn ich genug Raum in meinen Gedanken habe. Und ich suche gerade nach dem Thema für ein Hauptprojekt, eine Figur, weil ich genau weiß, dass es und sie dort draußen auf mich warten.
Ich bin mir nicht ganz sicher, warum es so ist, aber ich kann die Geschichte noch nicht greifen, obwohl sie immer um mich herum ist. Weil aus dem Chaos noch eine Ordnung werden muss, um eine Figur und ein Thema herum, bevor sich weitere Themen um die Figur und die weiteren Figuren finden.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Die Didaktik des literarischen Schreibens (8.Teil)

Literarische Texte unterscheiden sich von nicht literarischen Texten nicht mehr durch einfache Kriterien wie Trivialität oder ähnliches. Sie unterscheiden sich von anderen Texten, indem sie nicht auf einfache Lösungen zurückgreifen, sondern selber komplexe Themen als Fragestellung aufnehmen und diese über den Verlauf des Textes auf unterschiedliche Weise angehen. Nicht literarische Texte sind in der Erstellung komplexe Probleme, an sich sind sie jedoch eben nicht komplex, weil sie immer wieder unterschiedliche Fragestellungen entweder eindeutig beantworten oder Probleme in ihrer Komplexität reduzieren, um sie dann lösen zu können.

Somit ergibt sich aus dem kurzen, theoretischen Überblick, dass sowohl die Texterstellung und der literarische Texte komplexe Probleme sind und dementsprechend in einer Didaktik behandelt werden müssen. Komplexe Probleme bestehen nun selbst wieder aus unterschiedlichen Problemen, die durchaus selber wieder mehr oder minder komplex sein können. Diese Probleme sind ebenfalls (zumindest zum Teil) Teil des Untersuchungsgegenstandes. Deshalb ist es notwendig verschiedene Ebenen innerhalb der Probleme aufzustellen, die in ihrer Komplexität unterschiedliche gestaltet sind, gleichsam aber untereinander einwirken.

1. Ebene: Literarisches Schreiben und die Fragestellung im literarischen Text
2. Ebene: Mensch, Autor, Hauptfigur(en)/ komplexe Themen,
3. Ebene: ....., "Bauchschreiber"/Planer (Zugang des Autors); Handwerk des Autors; sensorischer Zugang des Autors...
4. Ebene....

Ziel dieser Didaktik ist es einen Teil der Wechselwirkungen offenzulegen, Verbindungen und Trennungen sichtbar zu machen und den Autoren Konzepte und Mittel an die Hand zu geben, um ihr Schreiben besser verstehen zu können- bzw. über die Konzepte und Mittel zu einem Erkenntnisgewinn und Entwicklungspotential zu gelangen.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Die Didaktik des literarischen Schreibens (7. Teil)

Theoretische Einleitung:


Die Idee dieser Didaktik ist es nicht konkrete Schritte für das Schreiben literarischer Texte zu entwerfen, sondern das Schreiben literarischer Prozesse in seiner Prozesshaftigkeit zu verstehen und die komplexe Vorgehensweise bei der Erstellung literarischer Texte zu be- und auszuleuchten. Dabei ist die grundlegende Prämisse, dass literarische Texte komplexe Probleme sind. Komplexe Probleme bestehen aus einer ganzen Reihe von Entwicklungen, von Entscheidungen, von Auswahlmöglichkeiten, von Wegen und Zielen, von Ideen, Ansätzen und sind situativ, persönlich, sujektiv, objektiv und prozesshaft. Deshalb können komplexe Probleme auch nicht mit normalen Lösungsstrategien bewältigt werden- während gleichzeitig die Sehnsucht nach einfachen Lösungen, 10 goldenen Regeln, Mentoren und ähnlichem steigt.

Im nächsten Schritt folgt die Erkenntnis, dass ein komplexes Problem über eine Didaktik zu erfassen, immer nur eine Annäherung sein kann und das diese Annäherung letztlich immer das Scheitern an der eigenen Aufgabenstellung beinhält. Das bedeutet nicht, dass es sinnlos ist sich so dem Schreiben anzunähern. Es bedeutet nur, dass es letztlich in der Didaktik wie auch in den komplexen Problem des literarischen Schreibens keine Lösungen geben wird.... sondern nur eine Hilfestellung für Autoren, sich mit ihrem komplexen Problem zu beschäftigen.

Wenn nun das literarische Schreiben das komplexe Problem ist, so wird auch das literarische Schreiben der Ausgangspunkt aller Ansätze sein müssen und es wird sehr viele möglichen hineinspielende Faktoren, Personen, Situationen, Gefühle, Fähigkeiten, Talente und Entscheidungen geben. Dies zu untersuchen wird Aufgabe dieser Didaktik sein.

Sonntag, 29. November 2009

Fleisch wird zum Wort (über Franz Kafka)

Der schweizer Germanist Peter von Matt schreibt heute in der NZZ einen Artikel über Franz Kafka  "Die Vollkommenheit des Unfertigen". Wie die meisten Schriftsteller geht es heute viel zu oft um die Frage, was Kafka nun war und welche Hinweise man in seinen Texten dazu finden kann, und nicht um die fast hermetischen Texte Kafkas. Wie sich von Matt dieser Frage nähert, über die Wortwerdung des Fleisches als Leitmotiv von Kafkas Schreiben, ist auf jeden Fall lesenswert.

Mittwoch, 25. November 2009

Keine Entschädigung im Fall Esra

Nachdem der Roman "Esra" von Maxim Biller durch ein Urteil des Bundesverfassungsgericht verboten wurde, siehe das Label "Meinungsfreiheit" mit mehreren Artikel, ging es vor dem OLG (Oberlandesgericht München) und dem BGH (Bundesgerichtshof) um eine mögliche Entschädigung für die Klägerine.
Nachdem der Hauptklägerin im ersten Zivilprozess ein Schadensersatz für die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte in Höhe von 50.000€ zugestanden wurde, während die Mutter der Klägerin kein Geld bekommen sollte, ging der Verlag Kiepenheuer&Witsch und Maxim Biller in Revision vors OLG München. Mit dem Urteil vom 10. Juli 2008 hatte das OLG München in der Revision entschieden, dass auch der Hauptklägerin kein Schadensersatz in finanzieller Form zusteht, obwohl ihre Persönlichkeitsrecht schwer verletzt worden sind, siehe ein Artikel aus dem Spiegel.online dazu: ]"Maxim Biller muss doch kein Schmerzensgeld zahlen".Heute kam der Fall vor das BGH und das Urteil des OLG München wurde letztendlich bestätigt, siehe Uwe Wittocks Kommentar in der Welt "Kein Geld für Esra" und Ina Hartwig in der Times Mager der FR "Endlich".
Der Eingriff in die Pressefreiheit durch ein Verbot des Romans scheint nach der Güterabwägung des OLG München und des BGH so groß, dass ein weiterer Schadensersatz nicht angemessen erscheint. Eine gute Nachricht für die Kunstfreiheit.
Letztlich wird durch dieses Urteil es weiterhin möglich sein sogenannte Schlüsselromane zu schreiben, die, sofern sie entweder künstlerisch hochwertig genug sind und die handelnden Personen genug verfremdet sind, durchaus nicht alle per se durch Gerichtsurteile und sogar möglichen Schadensersatz bedroht sind.

Samstag, 21. November 2009

"Die Quellcodes der Literatur"

Heute bespricht der deutsche Autor Stephan Wackwitz in der TAZ "Die Quellcodes der Literatur" Mark McGurls Studie "The Program Era", in derMark McGurl sich grundlegend mit der Literatur der Nachkriegszeit in den USA beschäftigt.
Während noch Mitte des letzten Jahrhunderts, siehe Hugh Kenner "The Pound Era", wichtige Grundlinien der amerikanischen Literatur auf Esra Pound zurückgeführt werden konnten, sieht, so Wackwitz, McGurl die kreativen Schreibkurse letztlich als programmatische Sektion der amerikanischen Gegenwartsliteratur, die er in drei große Gruppen zusammenfasst: "Modernismus der unteren Mittelklasse" wie Carver, "Technologischer Modernismus" wie bei Pynchnon und "Pluralismus der Hochkultur" bei allen Texten, die sich mit Figuren außerhalb der üblichen Erfahrung des Lesers beschäftigten. Dabei ist besonders wichtig, so Wackwitz im Bezug auf McGurl, dass die meisten bedeutenden US-Autoren irgendwann selber "Creative-Writing" Kurse gegeben haben und in den Werkgesprächen und Diskussionen letztlich prägende Entscheidungen entstanden sind. Somit wird das Individuum in der literarischen Diskussion durch die Gruppe ersetzt, was zur Vielfalt einerseits und einem breiten Austausch geführt hat, so McGurl und Wackwitz. Dabei entsteht in den "Creative-Writing" Kursen ein soziologischer Moment, in dem die Vermeidung der Selbstentblößung durch Scheitern, Distinktion und gesellschaftlicher Aufstieg letztlich die Wahl der Mittel der Schriftsteller aufzeigen.

 
Ich möchte gar nicht mehr verraten, sondern gleich etwas zur deutschen Literatur schreiben, ein paar wilde Gedanken, die sich nur zum Teil mit Wackwitz interessanten Ideen dazu decken.

Montag, 16. November 2009

Die eigene Stimme und die Textstimme... ein paar Gedanken

Ich habe in meinem Blog schon öfter über die eigene Stimme geschrieben. Die eigene Stimme ist das Ergebnis einer ganzen Reihe von Entscheidungen eines Autors, die es dem Leser ermöglicht Texet eines Autors nur an seiner Art etwas zu erzählen oder zu beschreiben wieder zu erkennen. Das bedeutet nicht, dass ein Autor immer die gleichen Entscheidungen beim Schreiben treffen soll oder muss. Es bedeutet nur, dass einige dieser Elemente immer wieder bei bestimmten Autoren wiederkehren.
Gleichzeitig macht eine starke eigene Stimme es schwierig die eigenen Texte zu verkaufen, weil sie eben ein "Alleinstellungsmerkmal" ist. Der Text muss also den Lektor überzeugen, dass dieser Autor eben Bücher verkaufen wird, weil der Leser sich nach dieser Stimme zurücksehnt. Wer nur Texte verkauft, weil ein Blurp ihn an die Seite des berühmten Autoren oder des Romans "xy" setzt, macht sich mit eigener Stimme den Weg schwer, vor allem, wenn es eine sehr einprägsame Stimme ist.

Neben der eigenen Stimme hat auch jeder Text und jede Figur eine eigene Stimme in einem Text oder sollte das zumindest. Das bedeutet, dass jeder Text eine bestimmte Art verlangt, wie er erzählt werden will. (Und ja,. die Personifizerung des Textes ist kein Fehler). Denn manche Texte brauchen Langsamkeit, andere leben von der Beschleunigung, manchmal muss man erklären, manchmal auch nicht. Und ja, manche Text leben von der langsam aufgebauten Atmosphäre, und andere Texte brauchen nur Konturen.
Aus all dem entsteht dann der besondere Ton eines Textes, ein besonderer Rhythmus und die eigene Gedankenwelt, die ihre eigene Sprache braucht.

Freitag, 6. November 2009

Das innere Korsett

Schreiben besteht wie die meisten Tätigkeiten, die man regelmäßig ausübt, aus eingeübten Standards, Neuem und einer breiten Mischung aus beiden. Denn die meisten Autoren können aus der Lameng eine kurze Szene schreiben, wenn man ihnen eine Handvoll Grundinformationen gibt. Und genau diese Übung in der Mischung mit Erfahrung macht einen Autor aus. Denn man kann das Schreiben nicht mit jeder Stelle neu erfinden, mit jeder Szene, mit jedem Augenblick das Handwerk neu bedenken, wenn man irgendwann einmal eine ganze Geschichte schreiben möchte.
Am Anfang ist das Schwierige erst einmal alle Möglichkeiten kennen zu lernen und sich die eigene Vorstellungskraft verschriftlichen zu können. Nach und nach wird nach den Möglichkeiten dann die Rhetorik geübt, der Satzbau, die Möglichkeiten des Handwerks, bevor man sich immer weiter der eigenen Vorstellungskraft nähert. Und dann irgendwann wird die eigene Vorstellungswelt erweitert und hoffentlich nach neuen, ganz eigenen Möglichkeiten gesucht, wie man seine eigene Vorstellungswelt beschreiben kann. Das ist genauso notwendig, wenn man nicht gerade auf seinen Bücher einen Klappentext wie "Schreibt wie xy" haben mächte, wie auch wichtig, um eben seinen eigenen Stil aus der Vielzahl der Möglichkeiten zu gestalten und eine breite Variationsbreite anbieten zu können.
Nur ist eben auch immer eine Auswahl, eine Entscheidung. Und die führt zu anderen Schwierigkeiten. Denn ästhetische Entscheidungen sind immer nur durch den guten Geschmack begründbar, und somit immer subjektiv. Dazu kommt, dass neben der Subjektivität auch immer noch das Korsett dazukommt. Wenn man einen eigenen Stil entwickelt hat, dann hat man einen Maßstab für den Textkörper entwickelt: der eigene Stil als Schreibkorsett, indem man seine eigene Geschichte errichtet.
Das ist hilfreich, wenn man gerade schreibt, störend, weil man sich immer an sich selber messen muss, schwierig, wenn man an sich selber scheitert oder zu hohe Maßstäbe ansetzt, und katastrophal, wenn man in der Schreibblockade ist. Denn eine Schreibblockade ist immer die Angst vor dem eigenen Versagen, die Stimme in sich, die einem die eigenen Unzulänglichkeiten aufbereitet und schonungslos aufdeckt, während man die eigenen Leistungen übersieht. Wer in einer solchen Lage versucht eine Geschichte in ein Korsett zu setzen, wird sofort spüren, wo es zu eng ist, wo zu weit, wo Taille und Brust raussehen und das vielleicht drei Beine unter dem Korsett hinderlich sind. Dann wird es Zeit das Korsett abzulegen, die Schminke aus dem Gesicht zu nehmen, alle Ratschläge fallen zu lassen, den Schweinehund Gassi zu schicken und einfach die Wahrheit über den Text dort zu suchen wo er ist. Nicht in der Angst, dem Versagen, der Vergangenheit, sondern in dem Stückchen Text, dass man in einer Woche beurteilen kann, wenn man sich aus all dem herausgeschrieben hat.

Montag, 26. Oktober 2009

Wenn man etwas besonders gut machen möchte

Wenn ich gerade einen Moment Zeit habe, versuche ich mein Romanprojekt weiterzuentwickeln.Ich habe inzwischen die Figuren zusammen und die Grundideen mit allerlei Nebenhandlungen entwickelt, zumindest so weit ich so etwas mache. Im Prinzip könnte ich anfangen meine Geschichte zu schreiben....
Wenn da nicht mein Wunsch wäre alles perfekt zu machen. Und da gibt es zwei wunderbare Autoren, die ihrer Geschichte eine besondere Würze verliehen haben, indem sie den üblichen Hintergrund eben nicht verwendet haben. Sie haben sich entschieden einen anderen Hintergrund zu wählen, der ihren Geschichten ein besonderes Flair verliehen hat- eine Vairante der "Alternative History". Also eine Welt, die sich von unserer darin unterscheidet, dass andere Entscheidungen getroffen wurden, Entwicklungen anders ausgegangen sind.
Nun, ich habe also mal ein paar Szenarien durchgedacht, habe mir alte Photos und Stadtpläne rausgesucht, habe allerlei interessante Ideen geplottet.... und natürlich eine ganz Reihe von sehr interessanten Nebenplots gefunden. Die allesamt irgendwie toll waren. Nur haben sie letztlich sehr wenig mit meiner Geschichte zu tun. Die ist von dieser Situation unabhängig.
Und genau das ist es: Wenn etwas nicht notwendigerweise zu einer Geschichte gehört, muss es einen erheblichen Mehrwert haben. Nun muss ich noch klären, ob das wirklich so ist und einige Monate Recherche wert.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Wochenendblog

Man hat immer nur die Zeit für eine Sache, die man sich nimmt. Da ich gerade eine Tätigkeit bis Ende des Jahres angenommen habe, die eine ganze Weile von meinem Wohnort entfernt liegt, komme ich gerade zu Nichts. Das beginnt mit den Körben von Wäsche, die ich gerade durch die Waschmaschine jage, geht weiter mit meinen gesamten Intenetaktivitäten und auch meinem Schreiben.
Aber ich gewöhne mich so langsam dran. Es gjbt also Hoffnung

Sonntag, 18. Oktober 2009

Das Gefühl nicht zu sagen zu haben kommt meistens daher, dass man seine Gedanken nicht ausspricht

Manchmal muss man Dinge aussprechen oder ausschreiben, weil nur Dinge, denen man einen Namen geben kann, wirklich "begreifbar" sind.
Im Moment leide ich darunter, dass ich mit meinen Gedanken zwischen zwei Welten reise, die scheinbar sorgfältig getrennt nebeneinander liegen, ohne sich zu berühren, zumindest erscheint es so. Aber eigentlich liegen sie nicht nebeneinander. Meine Sicht ist von meinen eigenen Gedanken verstellt, ich bin von meinen Meinungen und Haltungen "geblendet". Denn Unterhaltungsliteratur und Literatur unterscheiden sich heute weit weniger voneinander, als man es in den Uniseminaren (und sonstwo) gelernt hat.
Literatur ist nur dann gut, wenn es ihr gelingt uns für einen Moment eben aus unserem eigenen Leben zu reißen und dann einen Blick auf dieses Leben zurückwirft. Sie ist dann gelungen, wenn wir am Ende jedes Textes etwas über uns gelernt haben- über unsere Wünsche und Träume, unsere Wirklichkeit, unsere Umgebung, über Menschen, über das Scheitern und vieles mehr. Sie ist dann groß, wenn sie die Dinge nicht gleich macht, sondern die Unterschiede verdeutlicht, ohne das Trennende überzubetonen und die Widersprüche auszulöschen. Sie ist dann klug, wenn sie uns herausfordert über das um-uns-liegende hinauszugehen, und dann weise, wenn sie uns etwas über uns und andere lehrt. Weise ist sie auch, wenn der Autor mit uns unsere Welt neu entdeckt, unseren Blick weitet, unsere Gedanken von Vorurteilen und Blindheiten befreit, ohne zu moralisieren oder zu ideologisieren... wenn wir also die Freiheit als Leser haben unsere eigenen Schlüsse zu ziehen. Und spannend ist sie, wenn es ihr gelingt uns wirklich in eine andere Welt zu führen.... und uns einläd, an der Hand nimmt, mal an der Nase, mal anderswo, farbenfroh ist, vielfältig, weise, klug, groß, und uns dann mal hetzt, mal mit uns einherschreitet, und dabei eine Geschichte erzählt, bei der wir gerne dabei wären (aus der sicheren Distanz des Lesens).Ein gutes Buch zu schreiben ist deshalb nicht einfach.
Aber Unterhaltungsliteratur kann eben richtig gut sein, weise, klug und spannend. Und Literatur ist oft keines von all dem. Wenn man einfach aufhört sich selber in Schubladen zu legen, die ziemlich oft wie Särge aussehen, wird man mehr entdecken. Denn alles, was nicht betrachtet wird, sondern direkt eingeordnet, verliert seine Lebendigkeit. Man wird blind, wenn man nicht hinsieht. Und deshalb sollte man seine Schubladen oft einfach mal auseinanderschrauben und Platz für freie Blicke und Gedanken machen.

Ich bin gerade dabei... und hoffe auf das Beste

Der Abgesang auf das Buch

Heute habe ich (bei Petra van Cronenburg) einen Verweis auf den interessanten Essay "Von der Zukunft des Buches" von Michael Krüger, Schriftsteller und Geschäftsführer des Hanser-Verlags, entdeckt, das auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung "abgedruckt" ist. In diesem Essay geht es um die enorme Vorstellungskraft, die Druckerpressen auf die einzelnen Seiten drucken konnten.... konnten, weil Michael Krüger auch auf die Zukunft des Buches eingeht, die, nach den gesammelten Zitaten in seinem Essay, wohl im Netz mit seinen unklaren Abrechnungsmöglichkeiten liegen. Es geht aber auch um den Pegasus der Buchherstellung, das "gute Buch" und die Vorstellung einiger Menschen, die Qualität von Büchern sei nur an den Abrechnungsverfahren der Verkäufe zu erkennen. Spannend und witzig...
Apropo Qualität und Verkäufe. Ein wenig über den aktuellen Buchmarkt in dem Artikel "An der Kette" von Birk Meinhardt aus der Süddeutschen Zeitung, indem es um den Geschäftsführer von Talia geht, um größere und kleinere Buchverlage, Querfinanzierung und Bestseller machen, um Literatur und Bücher als Geschäft. Sehr lesenswert, nicht nur im Zusammenhang mit dem Essay von Michael Krüger

Der Umgang mit der Presse

Heute findet sich im immer wieder lesenswerter Blog von Petra van Cronenburg ein ein paar Gedanken "Haarschnitt, Herrenslip, Hilfe!" über den Umgang mit der Presse. Wie immer spannend, witzig und vor allem interessant, um selber mal über das Presse-Ich nachzudenken.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Die Bilder in uns, zweiter Teil

Ich habe heute immer wieder über meinen gestrigen Blogeintrag nachgedacht, weil er mir ziemlich unvollständig vorkam. Denn die Hässlichkeit und die Blindheit für die Leistungen einer Epoche sind eben nur ein Problem bei den Bildern, die wir uns von einer Zeit machen. Ein viel stärkeres Problem sind z.B. die Dinge, die zu einem Bild einer Epoche beitragen, ohne das das uns wirklich bewusst ist.

Die Märchen (nicht nur der Gebrüder Grimm) haben ihren Teil zu diesen Bildern beigetragen, indem die Menschen Märchen mit ihrer Stimmung mit dem Mittelalter verwechselt haben. Dieses Mittelalterbild ist schwarz-weiß, Hexen sind jung und haben rote Haare, oder sie sind alt und haben Warzen.
Die noch erhaltenen Gebäude des Mittelalters, die Kirchen und Kathedralen, die Fachwerkhäuser und Bürgerhäuser stehen für ein anderes Bild des Mittelalters, genau wie die Gemälde, die Kunst und die Waffen. Sie stehen für die Leistungen des Mittelalters und vermitteln uns ganz andere Bilder. Wer einmal im Kölner Dom vor den Fenstern stand, und sich vorstellte, dass die eigene Welt aus einfachen Häusern mit niedrigen Decken und kleinen Fenstern (nur selten mit Glas) bestand, kann sich wirklih einen Eindruck der besonderen Wirkung von einer Kathedrale machen. Ein anderes Beispiel ist die Kunst, die ja immer eine Form der Interpretation enthält und somit auch ein ganz eigenes Bild vermittelt.
Dazu kommen "populäre Mythen", wie z.B. die in der Romantik entstandenen Mythen über die Hexenverfolgung. Denn die Hexenverfolgung hat es natürlich gegeben, nur hatte das z.B. mit der Haarfarben der als Hexen angeklagten Frauen nicht viel zu tun. Auch waren die msisten verfolgten Frauen nicht jung, sondern wohlhabende Witwen. Andere Mythen sind das schmutzige Mittelalter, also dass sich im Mittelalter die Menschen nicht gewaschen haben, das sittenstrenge Mittelalter, Prüderie und lustfeindliches Leben, das Grücht "primae nocte", die Behauptung Adlige hätten in einigen Ländern das Recht auf die erste Nacht mit einer Braut eingefordert, und vieles mehr.
Nun, vor den großen Pestepedemien gab es überall Badehäuser, in denen gebadet, getrunken, gefeiert und gehurt wurde, gemeinsam, statt nach Geschlechtern getrennt. Die Wasserangst kam mit den Epedemien und dauerte vom Barock bis zur französisischen Revolution. Und das Mittelalter war auch nicht lustfeindlich, ich verweise auf die vielen Gänge von Mönchs- zu Nonnenklöstern, auf die Badehäuser und unendlich viel mehr. Und primae nocte gab es nicht, es ist ein Schauermärchen, dass nach dem Mittelalter diesem angehängt wurde.
....

Die Bilder in uns

Gerade diskutiere ich im Montsegur Autorenforum über verschiedene Themen in meinem Spezialbereich, dem Mittelalter: Es geht um den Umgang mit Tieren und die Kindheit im Mittelalter.
Nun, die Meinungen gehen weit auseinander, je nachdem welche Historiker man gelesen hat, welche Bücher und welche Quellen. Denn je nachdem mit welcher Frage und mit welchem Hintergrund man an ein Thema herangeht, hat das Auswirkungen auf das Bild, das man sich auf eine Frage bildet, zusätzlich zu den Historikern und deren Bildern. Und dann kommt noch etwas hinzu, der Zusammenhang. Denn die Dinge stehen immer in Verbindung mit anderen Dingen, mit Menschen, mit der Geistes- und Kulturgeschichte, mit Entwicklungen, Entscheidungen, Geschichte und vielem mehr.
Im Lexikon des Mittelalters kann man nachlesen, dass über 50% der Kinder das 14. Lebensjahr nicht erreicht haben. In einem Gesamtbild des Mittelalters entsteht aus dieser Information ein kleiner Bildinhalt, vielleicht von einigen Milimetern. Interessant wird dies erst durch eine Verbindung zur Familie und dem Familienleben, zum Umgang mit Tod und Krankheit, mit Verlust und Trauer. Wenn man hierzu Informationen über Kindheit und Lebensumstände hinzunimmt, dann entsteht ein größerer Bildinhalt.
Das bedeutet übrigens nicht, dass mein Bild der historischen Situation näher ist als das Bild der anderen. Denn interessanterweise gibt es zwar viele falsche Bilder. Aber ein richtiges Bild gibt es nicht. Jedes Bild ist eine Annäherung von einem bestimmten Standpunkt, ist eine Interpretation und eine Auslese. Die Wirklichkeit kann man damit nicht erfassen, sondern sich nur dieser Wirklichkeit annähern (und auch wieder entfernen).
Das einzige, was ich wirklich bei diesen Annäherungen nicht verstehe, ist die Blindheit für die Leistungen und der fehlende Mut für die Hässlichkeit. Denn jedes Zeitalter ist voller Leistungen und Hässlichkeit. Und viele Autoren vermeiden die Hässlichkeit, um ihre Leser nicht zu erschrecken. Denn Hässlichkeit ist immer eine Zumutung, ist eine Herausforderung und die ist offensichtlich nur selten erwünscht.

Montag, 5. Oktober 2009

Was man nicht mehr sagen oder schreiben darf....

Gerade wird im Feuillton über die Äußerungen von Tilo Sarrazin in einem Interview mit Lettre International diskutiert, siehe z.B. die Welt, wo letztlich nicht Inhalt, sondern Form der Aussagen diskutiert werden. Denn die Aussagen von Thilo Sarrazin beziehen sich auf die konkrete Situation in Berlin. Nun, Thilo Sarrazin spricht Dinge klar an, die vielen Politikern und Menschen bekannt sind- nur würden die sich nie so klar zu diesen Problemen äußern, sondern die Aussagen vielfältig relativieren, um den Medien keinen "Sprengstoff" mit dem Bezug auf bestimmte Ethnien zu liefern. Gleichzeitig steckt in den Äußerungen auch einige Vereinfachungen drin, Verkürzungen, die zumindest im Detail eine Zumutung darstellen, wenn man sich die Aussagen Sarrazins einmal kritisch ansieht..

Parallel wird die Entscheidung des Droste-Verlages bekannt gegeben, der sich mit einer Autorin einig wurde ein Buch über Ehrenmorde nicht mehr herauszubringen, siehe die Begründung im Spiegel und Teile der Stellungnahme des Verlages in BuchMarkt.de, und dann doch über diese einvernehmliche Einigung in die Öffentlichkeit zu gehen.
Hier geht es darum, was eine Figur in einem Roman sagen darf, wenn es einen Bezug zum Koran gibt- weil der Verlag eine Gefährdung des Personals annimmt, weil ähnliches beim Karikaturenstreit geschehen ist.

Letztlich gibt es eine entscheidende Frage in beiden Diskussionen:
Dürfen Probleme mit einer Einwanderungsgruppe klar dieser Gruppe zugeordnet und thematisiert werden? Darf man auch in diesem Bereich polemisch überspitzen oder deutlich Dinge beim Namen nennen? Darf man sogar den Islam durch eine Figur angreifen lassen?
Irgendwie ist die p.c. (political correctness) in den letzten Jahren erst eine Mode geworden, dann ein Zwang. Und spätestens durch den Karikaturenstreit (frühstens seit der Fatwa zu den" satanischen Versen") scheinen Journalisten, Autoren und andere ihre Texte erst auf mögliche Gefährdungspotentiale durch Islamisten quer lesen zu lassen, um einer Gefährung aus dem Weg zu gehen. Das ist für mich als Person verständlich, wie es für mich als Demokraten gefährlich erscheint. Denn wenn unsere Politiker Dinge nicht mehr beim Namen nennen können, werden es andere tun. Und dann wird es gefährlich.Und wenn ich als Autor jede Äußerung über den Islam von Islamwissenschaftlern gegenlesen muss, um Gefährdungen auszuschließen, wird der Islam in Deutschtland nicht mehr in seinen Richtungen und gesellschaftlichen Auswirkungen kritisch begleitet, was ebenfalls an den Rändern gefährlich ist-

Ziemlich bedenklich, das alles.

Sonntag, 4. Oktober 2009

Im Magazin der Süddeutschen... etwas über "Büchertrends"

Wer schon immer einen Tipp haben wollte, was er vor einem Jahr hätte beginnen sollen zu schreiben, um damit zielgenau einen bestimmten Trend mitzunehmen: Hier im Magazin der Süddeutschen der Artikel "Maschenware. Sieben literarische Trends zum Wegzappen", in der die sieben Trends mit Titel, Standartsatz und vielem mehr vorgestellt werden.

Wie nah darf das Thema und die Figuren sein?

In den meisten Schreibratgebern taucht der (scheinbar) gute Ratschlag auf, über Dinge zu schreiben, die man selber kennt. Denn nach einer einfachen Logik kennt man diese Dinge so gut, dass man relativ einfach über sie schreiben kann, ohne lange Zeit für Recherchen aufzuwenden, von einzelnen Details einmal abgesehen.

Nun, die meisten Mediziner z.B. kennen sich sicherlich in ihrem Fachgebiet aus. Wie aber die Medizin aus Sicht einer Krankenschwester oder einem Patienten aussieht, ist den meisten Medizinern nicht klar. Deshalb kann das eigene Fachwissen den Blick blind für andere Facetten des eigenen Fachbereichs machen. Und vor allem verleitet Fachwissen dazu auf Nachforschungen zu verzichen, weil man ja immer an die Macht des eigenen Wissens glaubt, die meisten Menschen zumindest. Und gerade die Blindstellen des eigenen Wissens sind interessant, die Dinge, die irgendwie gerade erst bei einer Recherche als Widersprüchlich erscheinen. Deshalb ist es oft hilfreich sich für ein Thema zu interessieren und langsam über verschiedene Quellen in dieses Thema einzusteigen. Denn erst durch die untereschiedlichen Blickwinkel entsteht letzlich ein Bild, dass nicht durch einen einzelnen Standpunkt bestimmt wird. Und ja, klar, wer in seinem Fachgebiet sicher und selbstsicher genug ist, um es aus anderen Standorten zu betrachten, die eigenen Meinungen und Haltungen immer wueder zu hinterfragen, der kann auch differenziert darüber schreiben. Einfach ist das aber nicht, auch wenn das gerne behauptet wird.

In solchen Schreibratgebern taucht auch immer wieder der Vorschlag auf, Distanz zu den eigenen Figuren zu halten- meistens in der Form vorgetragen, auf die Ich-Perspektive zu verzichten oder die Figuren nicht zu eng an das eigene Leben anzulehnen. Wenn man sich die Geschichten von vielen Schreibanfängern ansieht, stimmt das in einigen Fällen: verkappte Selbstporträts und distanzlos geschriebene Geschichten, die ihren Protagonisten alle Steine aus dem Weg räumen, indem sie die Konflikte vermeiden. Gerade am Anfang ist es also zweifellos richtig, Distanz zu den Figuren aufzubauen.
Später ist es aber eine ganz schwierige Frage: Denn Distanz oder Nähe zu den Figuren sind gestalterische Mittel, die unterschiedliche Ebenen einer Geschichte in den Mittelpunkt führen. Eine Geschichte kann somit nur durch eine unterschiedliche Akzentsetzung in diesem Bereich eine ganz andere Wirkung bekommen.
Nähe kann dem Leser eine Figur sehr nahe zu bringen und ihm so die Identifikation mit dieser einzigartigen Figur erleichtern. Diese Sicht über eine Figur kann dem Leser eine klare Perspektive auf eine Geschichte bieten, indem der Leser die Geschichte durch eine Figur erlebt. Und es ist leichter sich über die Figuren in eine Geschichte einzuleben, wenn man als Autor stark über die Figuren arbeitet.
Nachteilig ist, dass der Autor durch die besondere Nähe manchmal verleitet wird Konflikte kleiner zu machen oder Figuren zu schonen, gegen das dramatische Konstrukt der Geschichte. Nachteilig ist auch, dass durch die Innenperspektive der Leser viel über die Gedankenwelt der Figur(en) weiß, dass es schwierig wird den Leser zu überraschen und dass alles personifiziert wird. Zudem führt die Nähe zu einer Verzerrung, weil die Nähe eben auch verführerisch sein kann. Und eine Geschichte ist durch die Figurenzentrierung eben zentriert und weniger offen.

Distanz stellt die Handlung, nicht die Figuren in den Mittelpunkt. Durch die Distanz können viele Menschen sich leichter einfühlen, weil sie viel in die Figur hineinlegen können- weil diese Figuren eben nicht so weit ausgestaltet sind. In einer solchen Geschichte kann der Leser durch ganz unterschiedliche Zugänge einsteigen, weil von Beginn an eine Vielzahl von Zugängen in einer solchen Geschichte angelegt sind. Die Figuren gehen aber Lesern und Autoren nicht so nahe, wodurch der Autor einfacher sie in Konflikte schicken kann.
Nachteilig ist, dass die Figuren in solchen Geschichte eben oft schwächer ausgearbeitet sind und den Lesern weniger nahe gehen, sie sind eher Identifikationsbilder als einzigartige Figuren.

Oder anders gesagt: Alles hat seine Vor- und Nachteile. Jeder Autor muss für sich und jede Geschichte einzeln versuchen die unterschiedlichen Nähe und Distanz zu wählen, die für ihn und die Geschichte am besten passt. Wichtig ist halt immer etwas über sich zu wissen, weil man dann auch etwas über sich als Autor lernt- das funktioniert übrigens auch umgekehrt.

Dienstag, 29. September 2009

Warum wir sind, was wir sind...

Wenn ich mich mit anderen Menschen über das Schreiben unterhalte, dann wird immer wieder die Frage gestellt, ob Schreiben etwas mit Exibitionismus zu tun hat. Denn schließlich läd man fremde Menschen ein tief in die eigene Gedanken- und Vorstellungswelt einzutauchen, bis hin zu den eigenen Ängsten und Gefühlen, wenn auch in abgewandelter Form. Das ist alles richtig und es ist falsch.
Denn Schreiben ist viel mehr ein Prozess, der den Schriftsteller tief zu sich selber führt. Denn wer seine eigene Gedanken- und Vorstellungswelt für fiktive Geschichten in Bilder umsetzen möchte, wird eines zu erst feststellen. Unsere Gedankenwelt besteht aus Widersprüchen und Beobachtungen, Haltungen, Meinungen und Vorurteilen und ist durchsetzt mit unendlich vielen Blindstellen- also Dingen, die wir weder Beschreiben, noch benennen können, weil wir uns nie mit ihnen auseinandergesetzt haben. Diese Blindstellen müssen durch Recherchen und Beobachtungen aufgefüllt werden, damit wir sie benennen können und eine Sprache für sie finden. Denn die Welt ist ein unerforschter Ort für uns einzelne Menschen, weil wir einfach viele Dinge nicht sehen und hören wollen- mit Ausnahme der Kunst. Denn im Raum der Kunst gibt es eine besondere Gelegenheit: Dort an Orte zu gehen, Dinge zu sehen und zu entdecken, die wir sonst nicht erfahren, in einem geschützten Raum, ohne selber dorthin gehen zu müssen.
Nun, Schriftsteller müssen oft genug an diese Orte gehen und eigene Erfahrungen machen, um diesen Raum der Kunst zu schaffen. Aber das reicht nicht aus. Diese Dinge müssen durch die Gedanken- und Vorstellungskraft erst noch neu erschaffen werden, wieder erschaffen, zu fiktiven (und dennoch echt erscheinenden) Möglichkeiten werden. Dabei ist das Schreiben ein Weg, kein Ziel, ein Weg zu sich. Natürlich ist es auch eine Einladung an andere mitzukommen und diesen Spuren zu folgen- aber es ist halt ein Weg und kein Vehikel.
Denn das ist es nur, wenn der Schriftsteller nur genug Gedanken- und Vorstellungswelt hat, um die schwarz-weiß Kopie eines anderen Schriftstellers ein wenig auszukolorieren. Dann sind Texte nur Texte und keine Wege, Schreiben ist kein Weg zu irgendetwas, sondern nur ein Wegweiser, der zu berühmten Vorgängern hinweist.

Montag, 21. September 2009

Ein Absturz

Anscheinend habe ich bei jedem meiner Romanprojekte einen dieser Momente: Wenn anscheinend alles gut
oder zumindest in Ordnung zu sein scheint, schreibe ich mich in einen Abgrund. Und dieser Abgrund hat fast immer was mit dem Haupthandlung zu tun, denn die restlichen Dinge sind alle richtig durchgeplottet. O.k., vielleicht ist der Anfang noch nicht optiomal, aber da ich gerade nichts optimales zur Hand habe, kann ich auch nicht noch Wochen warten.
Ich habe auch raus, was genau fehlt: Ich habe eine ganze Menge Plots für die Figuren, einzelne Handlungsstränge, aber irgendwie fehlt eine Klammer, um all das zu verbinden- von der Verbindung über die Figuren (und anderes) einmal abgesehen. Etwas, was aus den vielen gelungenen Elementen letztlich ein Ganzes macht. Und natürlich muss ich erst in einen Abgrund fallen, um genau das zu erkennen. Mist.

Donnerstag, 17. September 2009

Eine neue Idee zum Urheberrecht (DPP/CRM)

Ich habe in den letzten Monaten immer wieder etwas über die "Krise des Urheberrechts" geschrieben, jedoch ohne eine Alternative nennen zu können. Deshalb verweise ich jetzt und hier auf "ars technica", wo Nate Anderson über eine Studie über DRM (digital rights management) und CRM (consumers rights management)/ DPP (digital personal property) geschrieben hat.
Die Idee des DRM basiert darauf, dass durch einen Kopierschutz der User nur die vom Urheber oder Verleger erlaubten Dinge mit dem erworbenen Produkt machen kann. Wenn der Urheber oder Verleger nun eine Kopie verbietet bzw. dem User nur den Zugang zu einem Produkt erlaubt (ohne im das Produkt selber zugänglich zu machen), hat der User keine legale Möglichkeit das zum umgehen. Er kann also nicht wie bei einem Buch dieses einfach verleihen, er kann vielleicht nicht einmal eine Sicherheitskopie machen oder verliert irgendwann den Zugang zum Produkt, wenn es den Anbieter nicht mehr gibt. Das ist für den Kunden äußerst umständlich, weil er praktisch in seiner Nutzung stark eingeschränkt wird.
Die bisher genannte Alternative ist open source, also die Erlaubnis ein Produkt zu benutzen, weiterzugeben und eventuelle sogar zu bearbeiten, sofern der Urheber genannt wird und dieses neue Produkt oder das alte nicht kommerziel verwendet wird. Bei Kunst würde also der Urheber anders bezahlt werden müssen, siehe die Idee einer Kulturflatrate, Stipendien oder Spenden.
Die in diesem Artikel genannte Idee ist der CRM (consumer rights management)/ DPP (digital personal property). Im Prinzip geht es darum einen digitalen Inhalt durch Technologie mit ähnlichen Verwendungsbedingungen wie z.B. einem Buch zu versehen.
Das funktioniert, indem die Inhalte mit einem verschlüsselten File, dem eigentlichen Inhalt, und einem Zugangsschlüssel (playkey) verkauft werden. Der Inhalt kann frei an Freunde und andere weitergegeben werden, die diesen nutzen können, sofern sie über einen Link zum Zugangsschlüssel verfügen.
Der Zugangsschlüssel kann nicht kopiert, sondern nur verschoben werden. Wenn der Besitzer das E-Book z.B. verkaufen oder verschenken möchte, dann kann er das. Gleichzeitig kann jeder, der auf den Zugangsschlüssel zurückgreifen kann, diesen auch zu sich verschieben und damit das Zugangsrecht "klauen". So soll sicher gestellt werden, dass der Käufer seine Inhalte und Zugangsschlüssel nur an "vertrauenswürdige" Personen übergibt. Denn wenn man etwas zurückbekommen möchte, verleiht man sein Eigentum nur an solche Personen.
Im Prinzip würde man also das physische Besitzrecht digitalisieren und dem Besitzer z.B. eines digitalen Films alle Rechte geben, die er auch hätte. wenn er eine physische DVD hätte. Er kann jedem den Zugang erlauben, er kann den Film verkaufen oder verschenken. Nur verliert er seine Zugangsmöglichkeit, wenn jemand andere sie ihm abnimmt. Somit muss er auf sein digitales Eigentum aufpassen, wie auf seine DVD`s.

Im Prinzip eine Idee, die, wenn sie funktioniert, im Prinzip den Usern mehr Rechte einräumt als das DRM und ihnen gleichzeitig eine Verantwortung für ihr Eigentum überträgt. Also im Prinzip eine wundervolle Idee

Mittwoch, 16. September 2009

Keine Verbindung, nirgends

Ein Komiker nimmt die absurde Wirklichkeit, in der die Komik letztendlich aus den Widersprüchen und Brüchen der Menschen entsteht. Ein Comedian übersteigert die Wirklichkeit und die Rollenschematas, um einen Lacher zu bekommen. Als Kunde einer großen deutschen Telefongesellschaft wird man erst zum Comedian, später dann zum Komiker, wenn man deren Wirklichkeit erlebt.
In einer digitalen Welt ist man offline nicht mehr wirklich vorhanden. Denn eine ganze Menge Sachen passiert inzwischen online und der Verlust des Zugangs führt zu seltsamen Ereignissen. Das beginnt mit dem Versuch sein Handy am Automaten zu laden und seine Bankdinge wieder auf normale Weise zu erledigen. Es geht weiter mit einer enormen Menge Zeit, die man auf einmal hat, weil man eben nicht mal das eine oder andere schnell im Netz erledigen kann. Zum Beispiel ein wenig lesen, auf Papier.
Und es führt einen Menschen zurück zu den Telefonhotlines, in denen man alles per Sprache machen kann, wenn die Maschine einen versteht. Nur, und das obwohl es inzwischen wunderbare Programme gibt, klappt das nicht mehr so richtig, weil der Mensch eben nicht durch Tastendrücke und Spracheingaben richtig zu ersetzen ist. Bei meiner Telefongesellschaft muss man bei einer Störung seine Nummer angeben, muss sein Problem der Maschine schildern... und wartet dann trotzdem 15 Minuten in der Leitung, weil die Menschen weg rationalisiert wurden. Die vielen Versprechungen: Wir haben schon einen Platz bei unserem Mitarbeiter reserviert endet dann in "Alle Leitungen sind belegt" und "rufen sie später noch einmal an".
Wenn man einen Menschen dann doch erwischt, dann wird allerlei geprüft. Bei uns war wieder mal ein Splinter hinüber und aus irgendeinem Grund ging es dann trotzdem nicht, vermutlich der Router. Der wird nur nicht mehr getauscht, vorher telefoniert man mit einem Techniker... und Warteschleife, dann kann der erste nicht helfen, Warteschleife, der zweite auch nickt wirklich, Warteschleife und der Mac-Techniker kennt sich nicht mit Mac aus und ist eigentlich gar kein Mactechniker.
Ich habe also insgesamt acht, neun Mal in der Warteschleife gehangen, darunter 5 Mal mit anschließendem Rauswurf nach 15 Minuten, war im dazugehörigen Ladenlokal, habe insgesamt vier Tage gebraucht und meine Nerven strapaziert. Am Ende wollte der Telefonanbieter dann eine Bewertung des Gesprächs und zwar mit Computerstimme ohne die Möglichkeit noch wirklich persönliche Angaben zu machen.
Immerhin ist eine Telefonstimme aus dem Computer nicht beleidigt, wenn man sie beleidigt. Und irgendwie geht auch alles wieder.
Im Internet wäre das viel einfacher gegangen.... und auch, wenn die Telefongesellschaft noch wirklich mit Fachleuten statt Computerstimmen arbeiten würde. Und irgendwie bin ich kurz davor eine Kurzgeschichte über den Tod tzu schreiben, der von einer Computerstimme ersetzt wurde und netten Hinweisen, mit welchen Tastendrücke man sich umbringen soll und kann.

Dienstag, 8. September 2009

Über das Urheberrecht- eine kleine Geschichte in der TAZ

Heute steht in der TAZ eine kleine Geschichte des Urheberrechts, siehe hier, in der etwas über die Idee des geistigen Eigentums und seine Geschichte bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Im Prinzip fehlen aber einige entscheidende Teile, wobei ich mich eher auf Ideen, als auf entscheidende Prozesse beziehe.
Das die Urheberschaft einer Idee einen Anspruch auf diese Idee beinhaltet, ist eine logische Konsequenz des Kapitalismus und der Disverifizierung der Wissenschaft. Denn nur wenn die Kosten einer Entwicklung oder einer Idee durch deren Vermarktung wieder herein gespielt werden kann, werden Unternehmen und Einzelpersonen eine Idee trotz der Investitionen und Vorkosten einspielen. Somit dient das Urheberrecht vor allem der Weiterentwicklung und somit der Gemeinschaft.

Das ist übrigens eine der entscheidenden Argumente der Menschen, die nun das Urheberrecht entweder abschaffen oder verändern wollen. Das Urheberrecht dient nur der Gemeinschaft, solange es der Weiterentwicklung von Ideen dient. Wenn es nun, so die Argumentation, dem entgegensteht, muss das Urheberrecht verändert oder abgeschafft werden.
Natürlich gibt es einige Fälle, in denen das Urheberrecht wirklich bestimmten künstlerischen Entwicklungen im Wege steht. Denn Kunst hat sich immer bei Vorbildern bedient und hat mehr als nur Inspiration mitgenommen, siehe das Zitatrecht, das aber bei der Musik sehr strikt angewendet wird. Im Bereich Film gibt es inzwischen auch so einige Projekte, die sehr interessant letztlich eigene Zugänge zu bestehenden Werken finden.
Gleichzeitig ist die Position der Urheber durch die wirtschaftlichen Entwicklungen nicht wirklich besser geworden, um höflich zu bleiben, und nun bietet das Internet die Möglichkeit digitale Originale von den Werken kostenlos zu erhalten. Juristen sind nun nicht dazu da, die Gemeinschaft oder große Teile davon zu kriminalisieren, gerade wenn die legalen Möglichkeiten nicht vorhanden sind. Also muss etwas gefunden werden...

Aber die Veränderung des Urheberrechts ist wieder eine andere Sache, für die ich bisher keine überzeugenden Lösungen gehört habe. Denn wenn Amazon statt Kopien von Büchern nur den Zugang zu Büchern vermarktet, auf die der User kein dauerhaftes Recht hat, siehe die Kopieraktion von Orwell, dann entstehen neue, andere Probleme. Oder wenn Verlage nun ein Leistungsschutzrecht erhalten, siehe die Initiativen der Zeitungsverlage, dann wird ein System betoniert, dass keine Lösung für das Internet gefunden hat.
Also muss eine Lösung gefunden werden, die einerseits den Usern einen leichten Zugang ermöglicht und ein leichtes bezahlen, und den Urhebern ein gerechter Anteil und die Möglichkeit kreativ mit der Arbeit anderer umzugehen, solange eine eigener, kreativer Anteil dazugebracht wird.

Sonntag, 6. September 2009

Bertelsmann kündigt an bei den Autorenvorschüssen bei Random House kürzer zu treten

Wahrnehmung ist eine selektive Angelegenheit. Deshalb habe ich sicherlich einiges anderes überlesen und anderes stärker wahrgenommen. Nach Presseberichten, siehe das Handelsblatt und Spiegelonline, sollen die Bertelsmänner eine Vorgabe an Random House gegeben haben, bei den Vorschüssen für Autoren als Teil eines gemeinschaftlichen Sparplans "kürzer zu treten". Somit ist die "Krise" auch bei den deutschen Autoren angekommen. Wenn Random House weniger Geld für die Autoren in die Hand nimmt, wird das irgend jemand fehlen und das werden die Autoren sein. Denn wenn Random House vorgeht, werden wohl andere Verlage folgen. Und dann wird es bitter.

Dienstag, 1. September 2009

Sich interessieren, recherchieren, verstehen und begreifen

Wenn ich über meine Lieblingsbücher schreibe, dann geht es immer wieder um die vier obigen Begriffe. Denn wenn ich ein Buch lese, dann möchte ich, dass der Autor über das hinsehen hinausgeht, hineingeht in seine Figuren, seine Geschichte, in die Handlungen und Erfahrungen, in das worum es in den Texten geht und mein Wissen und meine Erfahrung bereichert.
Ein historischer Roman soll eben nicht nur eine Geschichte erzählen, die in einer beliebigen Zeit spielt, sondern eine Geschichte, in der ich mich an Meinungen und Haltungen dieser Zeit annähere und gleichzeitig über Meinungen und Haltungen meiner Zeit nachdenke. Das funktioniert aber nur, wenn der Autor sich für sein Thema interessiert und eben nicht nur Personen der Gegenwart in eine historisierende Kulisse versetzt. Aber mit dem Interesse fängt es nur an. Eine Geschichte muss recherchiert werden und der Autor muss sich dem Thema über die Recherche so annähern, dass er sich eine Meinung bildet, die er wiederrum zur Diskussion stellt. Erst dann kann er das Thema begreifen, seine Besonderheiten verstehen, die Hintergründe und Vordergründe, und kann Figuren in sein Thema versetzen, die von diesem Thema betroffen sind und damit umgehen. Dieses sich interessieren geht übrigens weiter: Ein Autor muss sich nicht mit seinen Figuren identifizieren, er muss sich aber für seine Figuren interessieren, vielleicht sogar faszinieren, damit er versucht sie und ihre Handlungen zu verstehen, oder sich ihnen anzunähern. Max Frisch hat das einmal "die Fragen an die Geschichte" genannt, die letztlich für ihn als Autor entscheidend sind.
Daraus entsteht aber auch eine ganz interessante Konsequenz, die vielen Schreibratgebern, Ratschlägen und Autorenforen zumindest in Teilen widerspricht: Denn dort wird Autoren immer geraten sich am Markt, an Trends und bestimmten generellen Ratschlägen bei der Themenwahl zu orientieren, weil das einfacher wäre, als sich mit seinen eigenen Themen durchzusetzen, die möglicherweise schwierig am Markt unterzubringen wären. Nun, die meisten Autoren interessieren sich für eine ganze Bandbreite an Themen, Hintergründen und Figuren, so dass sie relativ flexibel arbeiten können und dabei auch ein wenig nach dem Markt schauen.
Aber viele alle Autoren haben ein besonderes Thema, eine besondere Figur, die irgendwie noch faszinierender als alle anderen ist. Und oft genug muss eine solche Geschichte erzählt werden, damit der Autor sich frei machen kann für andere Geschichten. Und manche Autoren erzählen auch ihr Leben lang immer die gleiche Geschichte.... aber das ist eine ganz eigene Geschichte. Andere Autoren interessiert gar nichts.
Aber das sind ja nur meine Gedanken...

Montag, 31. August 2009

Seltsame Entscheidungen

Manche Menschen haben eine etwas eigenwillige Phantasie. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum manche der manchen beginnen in ihren Gedanken eigene Geschichten zu finden, die diesen Gedankengängen folgen. Und einige der manchen manchen beginnen dann diese Geschichten aufzuschreiben.
Gerade habe ich meine Phantasie in Gang geworfen und die ersten Seiten an meinem Text geschrieben: Und meine Gedankengänge laufen wieder auf seltsamen Wegen. Das beginnt schon mit bestimmten Details, die eigentlich in allen meinen Texten auftauchen und für ziemlich viel Atmosphäre sorgen und viel Verwirrung. Denn im eigentlichen Sinne haben sie nur wenig mit der Geschichte zu tun, runden sie aber gleichzeitig ab.
Das beginnt mit der besonderen Farbe von Jogginganzügen, die sich immer mal wieder in einer Szene in anderen Bedeutungen spiegelt. Oder in einem Hund, der einen Realitätsbezug hineinbringt, oder in einem Trimmdich-Pfad, der eine wichtige Rolle in meiner Geschichte spielt.
Eine andere Sache sind natürlich die handlungsbezogenen Details, die ich gerade wieder reichlich sammele. Also Kleinigkeiten, die einerseits interessant für die Handlung sind, ohne direkt dazu zu gehören, und andererseits eben den "Realitätsbezug" innerhalb der Fiktion darstellen. Und da wird die Welt also ein wenig für das Einfallstor des Phantastischen geöffnet.
Und natürlich entwickele ich gerade eine Geschichte, die aus zwei Haupt- und mehreren Nebenperspektiven erzählt wird, die alle ihre besonderen Eigenheiten haben sollen, ihre Geschichte, ihre Weise die Dinge zu sehen. Und die unbedingt ihre eigene Stimme brauchen und vieles mehr. Und ja, eine eigene Geschichte kriegen die auch alle.
Oder anders gesagt: Was für ein Spaß

Sonntag, 30. August 2009

Ein Raum für Sich-Selbst-Sein

Ein Arbeitszimmer muss in einem kleinen Haushalt jeden Tag wieder neu erobert werden. Weshalb ich auch Unmengen von Schränken, Büchern, Literaturzeitschriften, Tinnef und Unterlagen auf den wenigen Quadratmetern verteilt habe- schließlich soll es auf eine seltsame Art gemütlich sein.
Aber in den letzten Tagen und Wochen habe ich Zement und Gips angerührt und verarbeitet, diverse Löcher gebohrt und Dinge festgemacht, Schränke aufgebaut, Fliesen geschnitten, geklebt und verfugt, tapeziert und gemalt, einen Umzug gemacht und Hundert anderer Tätigkeiten ausgeübt. Und irgendwie wartet noch ein BD auf kleine Restarbeiten und eine Küche.
Deshalb habe ich mein Arbeitszimmer irgendwie noch nicht wirklich erobert. Es ist noch nicht ein Zimmer eines Schriftstellers, in dem er schreibt. Denn noch stehen meine Bilder im Keller und Wohnzimmer, meine "Hall-of-Fame" und "Hall-of-Shame" sind noch nicht angebracht, genau wie ein paar andere Gedingsel. Aber vor allem habe ich halt nur die ersten Worte hier geschrieben, ein wenig Blog und Internet.
Schriftsteller fällt es schwerer als anderen Menschen zu schreiben. Aber Schriftsteller ist man nur, wenn man Schrift stellt, wenn man schreibt, Worte und Welten formt, Sprache verwandelt und dabei eine Geschichte erzählt. Zudem behaupten viele Menschen auch zu Recht, dass ein Schriftsteller einen Arbeitsnachweis wie Veröffentlichungen oder Stipendien braucht.
Es ist also auch im Arbeitszimmer viel zu tun...

Mittwoch, 26. August 2009

Das Einrenken der Schreibblockade

Weil ich der bin, der ich bin, habe ich mich in den letzten Tagen immer wieder sinnlos mit allerlei anderem Kram von der Arbeit abgelenkt. Denn auch wenn ich meinen inneren Schweinehund weitgehend gezähmt habe, manchmal kommt er dann doch wieder aus seinem Gatter frei und blockiert mein Arbeitszimmer, zumindest wenn es um Arbeit geht. Er liegt dann faul vor dem Zimmer, gähnt und schnauft, irgendwie wie mein Lieblingshund. Mein Schweinehund sieht mich dann an und will unbedingt bespielt werden, mit allem außer Arbeit. Bully weicht ab 21.00 Uhr nicht mehr von meiner Seite, weil er weiß, dass wir gleich spazieren gehen werden. Und dann weint, wenn ich aufs Klos gehe, in mein Büro oder sonst wo hin. Obwohl ich immer erst gegen 23.00 Uhr die Leine schwinge, den Leckerlibeutel umschnalle und mit ihm ausgehe. Mit der Zeit hält er es halt wie der Schweinehund, ich soll mein Leben halt nach Bullizeit einrichten. Und beide zusammen habe ich mich an der Arbeit hindern lassen. Der Wille ist schon schwierig
Also war ich heute beim Arzt. Denn wenn der eigene Wille nicht ausreicht, braucht man manchmal Hilfe. Also habe ich im Wartezimmer auf die ärztliche Untersuchung gewartet und gearbeitet. Natürlich unter seltsamen Blicken, denn wenn jemand beim Arzt arbeitet, dann grinsen sich die meisten Menschen einen. Das ich am Ende gegangen bin, von meiner Schreibblockade geheilt, ist sicherlich auch etwas seltsam. Denn normalerweise hilft ein Arzt nicht bei Willensschwäche. Aber ich war auch nicht beim Arzt. Ich habe nur gewartet- kein Internet, kein Fernseher, keine Bücher und auch sonst keine Ablehnung. Das war meine Medizin.

Sonntag, 23. August 2009

Peter von Matt über das Romanende

Der Schweizer Germanist Peter von Matt hat in "Mein Stil" in der NZZ den Artikel "Der sicher gestandene Abgang" über die letzten Zeilen und Seiten des Romans veröffentlicht. Das Ende des Romans, der "Abgang", kann, so Peter von Matt, den Blickwinkel auf den gesamten Text verändern, je nachdem ob der Abschlusssalto gestanden, gewackelt oder gestürzt wird. Denn natürlich bleiben die letzten Seiten eines Textes besonders in unserer Erinnerung,. wenn sich die Fäden und Knoten einer Geschichte auflösen und wir dann unser Urteil über den Text fällen. Anschaulich mit ein paar interessanten Beispielen.

Muss Kunst subversiv sein?

In der Zeit gibt es gerade eine Artikelserie über die Subversivität in der Kunst: "Zukunft der Kunst. Was ist heute noch subversiv" und "Zukunft der Literatur. Der Kaiser ist nackt". Dabei formuliert die Zeit so manches über die subversive Literatur in den 70er Jahrrn in der DDR oder in dem anderen Artikel über den Versuch junger Künstler um jeden Preis subversiv zu sein. Subversivität als Leitidee der Kunst ist sicherlich eine Überlegung wert, aber nur eine kurze.
In einer Gesellschaft, in der es eine vorgeschriebene Richtung gibt, ist jede Abweichung davon subversiv. Beim sozialistischen Realismus musste sich Subversivität darin äußern im Prinzip diesen sozialistischen Realismus zu folgen, um überhaupt veröffentlicht zu werden, und gleichzeitig für die Zielgruppe der Subversion möglichst klar Kritik zu äußern, wobei viel Kritik kodiert geäußert wurde. Da es ein Idealbild eines solchen Romans gab, war alles abweichende subversiv und je stärker die Abweichung war, desto subversiver war der Text.
In der Bonner Republik gab es ebenfalls gesellschaftliche Hauptströme, Haltungen, Normen und Theorien, von denen abzuweichen Subversivität bedeutete. Das beginnt bei der kritischen Darstellung der sogenannten "vornehmen Gesellschaft", die Hinterfragung persönlicher Entscheidungen und Handlungsweisen im Nationalsozialismus, in der Darstellung von Sexualität im breiten Spektrum jenseits der Missionarstellung zwishcen Mann und Frau, die Hinterfragung von Politik und vieles weitere. In dieser Republik war es oft eine an linken Ideologien angelegte Darstellung, die als Subversiv betrachtet wurde, wenn sie bestehende gesellschaftliche Dinge kritisierte. Dazu kam ergänzend der Versuch die eigene Sichtweise oder Herangehensweise an die Kunst zu verändern, diese permanent zu hinterfragen oder eben neue Wege, Materialien und neue Einflüsse in die Kunst hineinzubringen.
Seit den 80er Jahren ist es schwieriger geworden subversive Kunst zu machen, weil er kaum noch Werte, Normen, Theorien und gesellschaftliche Haltungen gibt, die einen Alleinstellungsanspruch bzw. Richtigkeitsanspruch vertreten oder bei denen eine Abweichung subversiv wirkt. Denn die Sexualität in allen möglichen und unmöglichen Varianten wurde Thema, Vielfalt wurde nicht mehr als subversiv wahrgenommen und eine gewisse Beliebigkeit in allen Bereichen wurde üblich. Subversivität und Provokation brauchen ein Tabu, brauchen Schweigen und einen breiten gesellschaftlichen Konsens, was "normal" ist und was nicht.
In der Berliner Republik glaubt eigentlich nur noch die CDU an eine Leitkultur, während der Rest der Republik eigentlich Kultur nur noch als Variation sich ergänzender und unterscheidender Nischen betrachtet, die bis zur Beliebigkeit vielfältig sein können. Und wie es der Kultur ergangen ist, geht es auch der Kunst. Alles ist Kunst, wie diverse Künstler es prognostiziert haben, wenn ein Künstler es so betrachtet. Was aber auch bedeutet, nichts ist Kunst, wenn jeder sich als Künstler betrachtet. Subversiv ist eigentlich alles oder nichts, weil die Subversivität sich nicht mehr an einem "Mainstream" ausrichten kann, sondern nur subversiv gegen eine Nische sein kann oder gegen eine Zahl von Nischen oder die letzten Tabus.

Wenn es also um die Zukunft der Kunst geht, welchen Sinn ergibt sich dann noch aus Subversivität??? Im Prinzip kaum einen. Denn die Idee der Subversivität ist es einen neuen Blickwinkel auf eine Sache zu öffnen- indem man den eigenen Standpunkt verändert oder hinterfragt. Genau das funktioniert heute immer noch, es muss nur nicht immer der Blick aus einem verfemten Standpunkt sein. Vielleicht wäre es da sinnvoller, wenn man andere Dinge ansieht oder wenn man intensiver hinsieht. Aber das ist nur meine Meinung. Subversiv ist das übrigens nicht. Aber vielleicht interessant.

Donnerstag, 20. August 2009

Kalter Hund

Mein Hund mag das Wasser ungefähr so gerne wie medizinische Untersuchungen. Sobald auch nur Wasser in der Nähe ist, beginnt Herr Hund sich langsam von den bösen Menschen abzusetzen, die gelegentlich auf die Idee kommen den Herren zu waschen. Und natürlich ist Regen auch irgendwie Wasser. Da bemüht sich der Hund dann die überdachte Terrasse nicht beim Pinkeln zu verlassen, solange der Kollege Mensch nicht gerade darauf aufpasst.
Seit gestern geht es dem Herrn Hund aber nicht so sonderlich, weil das Wetter zu warm ist, selbst wenn man eine Leidenschaft fürs Sonnenbaden hat. Deshalb liegt der Herr Hund nun unter einem feuchten Geschirrtuch und bewegt sich beim Aufstehen sehr vorsichtig, damit das feuchte Tuch auch ja nicht herunterrutscht. Denn irgendwie ist es Bully so warm, dass da das Wasser irgendwie weniger schlimm erscheint. Aber er wäre nicht er selber, wenn er nicht vorhin rasch in den kalten Regen gelaufen wäre und danach auf die Terrasse gepinkelt hätte. Alte Gewohnheiten soll man ja nicht ändern.

Buchstabensuppe mit zwei C

Meine bisherigen Romanmanuskripte wurden von der Hauptperson (als personaler Erzähler) in der Ich-Perspektive erzählt, wobei der Inhalt immer aus einer Haupt- und mehreren Nebengeschichten bestand. Das hat bisher aus verschiedenen Gründen nicht sonderlich funktioniert. Eine zentrale Schwierigkeit war, dass ich allzu viele Probleme in meiner Hauptperson gebündelt habe, weil ich eben nur eine Perspektive hatte. Die Idee dahinter hatte sehr viel mit meiner Unsicherheit als Schriftsteller zu tun: Ich wollte es möglichst dramatisch machen, damit die Geschichte auch wirklich funktioniert. Nur funktioniert das leider nicht.
Dazu kommt ein entscheidendes Missverständnis: Ich dachte eine Perspektive wäre nur eine Perspektive, also eine Sichtweise auf die Geschichte. Eine Perspektive ist aber immer auch eine mögliche Deutung bzw. beinhaltet eine mögliche Deutung.
Wenn viele moderne Romane verschiedene Perspektiven verwenden, dann umgehen sie beide Probleme. Die Schwierigkeiten in einer Geschichte werden auf eine Reihe von Personen verteilt und es werden eine ganze Reihe von Deutungen vorgestellt, die somit viel Raum für eine eigene Deutung lassen.

Nun habe ich für mein neues Manuskript zwei Hauptfiguren, die als Perspektiventräger auftreten werden und jeweils eine eigene und gemeinsame Geschichte haben, sowie weitere mögliche Perspektiventräger. Dadurch kann ich zwei Geschichten erzählen, die ineinander übergehen und verschiedene Perspektiven auf einzelne Ereignisse werfen. Das ist alles wunderbar und richtig.
Es ergibt sich daraus aber ein neues Problem: Wie gestalte ich die unterschiedlichen Perspektiven und wie wechsele ich. Und vor allem: kriege ich das hin eine Geschichte aus zwei unterschiedlichen Ich-Perspektiven zu schreiben.

Montag, 17. August 2009

Aller Anfang wiegt schwer

Über meine ungewöhnliche Art mit einem Anfang umzugehen, habe ich ja öfter schon mal geschrieben. Denn schließlich brauche ich für meine Anfänge meistens einige Wochen, während die Arbeit an den einzelnen Kapiteln gar nicht so lange dauert.
Gerade überarbeite ich mein zweites Manuskript "Vika", für das ich endlich den grundlegenden Plot und die Figuren gefunden habe- eingebettet in eine interessante Dramaturgie. Zumindest hoffe ich das. Denn ich habe aus einem einfachen dramaturgischen Konzept ein mehrperspektivische Geschichte gemacht, in der mehrere Handlungen parallel ablaufen und die Figuren deutlich stärker ins Zentrum rücken. Insgesamt steht wie immer einiges fest, das meiste ist offen. Und ich habe richtig Lust zu schreiben.
Aber das ist bei mir ja öfter so.

P.S.: Noch eine Woche, dann erscheint David Foster Wallace "Infinte Jest" auf Deutsch bei Kiepenheuer-Witsch.... Ich bin gespannt

Freitag, 14. August 2009

Sonnenuntergang Schottland

Von Zwischenlebenblog


Ach ja... unretuschiert...

Zurück an den Schreibtisch

In den letzten Monaten gab es immer neue Dinge, die wichtiger waren als das Schreiben. Eine Klausur, eine mündliche Prüfung, ein Urlaub, ein Umzug, eine Renovierung. Aber nun ist das Arbeitszimmer fast fertig und ich habe wieder mit der Arbeit an meinen Texten begonnen.Und irgendwie ist es so, als wäre ich gar nicht weg gewesen. Das Schreiben ist immer noch da, es hat auf mich gewartet. Und meine Texte sind in dieser Zeit in Gedanken gewachsen, während ich dachte, dass sie sich wie eine Illusion in ihnen auflösen würden.
Sogar die Sprache ist noch da, der Rhythmus und der Zauber. Selten war es so schön wieder Heim zu kommen. Mehr morgen, heute nur ein Verweis auf das Bild oben: Mein Schottland. Warum ich mir ein wenig Zauber wieder zurück in mein Schreiben geholt habe... übrigens, Schottisch Borders, ungefähr 30 Kilometer südlich von Loch Ness.

Eine Reise ins David-Foster-Wallace-Land

Heute findet sich in Spiegel online ein Artikel "Wer schreiben will, muss leben" von Klaus Brinkbäumer, der sich auf die Reise zu David Foster Wallace gemacht hat, zu seinen vielen Freunden und Verehrern, aber auch zu seiner Familie und mit ihnen über Wallace, seine Depressionen und Schreiben, seine Schwierigkeiten und Texte, ihren Einfluss auf ihn und ihre Charakterisierung durch ihn in seinen Texten und Essays gesprochen hat. Es ist aber auch eine Reise zu einem der begabtesten und schwierigsten Autoren seiner Zeit, der zwischen Depressionen und seinen Medikamenten und seinem Schreiben ein wenig zerrieben wurde, da er die Medikamente absetzen musste, weil er nicht mehr schreiben konnte, was sicherlich unter anderem zu seinen Selbstmordversuchen geführt hat.

Vorherige Blogartikel und Links zu David Foster Wallace: zu seinem Tod, über den Wallace Übersetzer Ulrich Blumenbach und seine Schwierigkeiten bei der Übersetzung des Textes, den Link zu Wallace Rede "In den Schützengräben des Erwachsenseins" auf Welt online, mein Thread zu Spekulationen über Marijuana und Unijobs mit dem Link zum Ursprungsartikel von Julian Gough im Prospect.

Mittwoch, 12. August 2009

Das angekündigte Ende des Ammann Verlags

Wie bereits gestern vermeldet wurde, siehe z.B. hier bei der Berliner Zeitung, wird der Züricher Ammann Verlag nach 29 Jahren die Feder strecken und Mitte nächsten Jahres sein letztes Programm vorlegen. Die beiden Verleger, Egon Ammann und Marie-Luise Flammersfeld, geben bei der FAZ letztlich an, dass das Interesse an der Literatur nachgelassen hat, "jünger geworden ist" und sie ihren Verlag nicht als Imprint eines großen Hauses weiterführen lassen wollen.
Der Verlust in der deutschsprachigen Literaturlandschaft ist enorm, Ammann hat mit einem kleinen Programm von knapp über 20 Titeln immer wieder besondere Autoren wie Julia Franck und andere entdeckt, bedeutende Texte übersetzt und sich z.B. eine Dostojewski Neuübersetzung geleistet, die vermutlich nicht selber finanziell tragfähig war.

Dienstag, 11. August 2009

Das Büro steht...

Gerade sind die letzten Bücher und Aktenordner in den vielen neuen Schränken verschwunden, sorgsam nach bestimmten Prinzipien sortiert, der Apple steht an seinem Platz, alles funktioniert (von der externen Festplatte einmal abgesehen) und irgendwie ist der erste Stress erst einmal vorbei. Denn endlich habe ich wieder ein Büro (bzw. diesmal eines ohne angeschlossenes Schlafzimmer.
Morgen werden dann schnell die Bewerbungen geschrieben und dann geht es los.

Montag, 10. August 2009

So viele Bücher und so wenig Zeit

Heute habe ich endlich begonnen mein Arbeitszimmer einzuräumen und die endlosen, neuen Regale meiner Schrankwand mit Büchern vollzustellen. Und es sind eine ganze Reihe von Büchern, von meinen alten Schätzen, über die deutsche und internationale Weltliteratur bis hin zu allerlei anderen Büchern, von Fach- und Sachbüchern bis zu trivialen, dubiosen und okkulten. Wie immer habe ich allerlei Schätze dabei gefunden, von deren Besitz ich keine Ahnung hatte- schließlich hatte ich die letzten Bücher direkt in den Kisten gelassen und meine alte Schrankwand gleich doppelt mit Büchern bestellt. Ich habe allerlei zu lesen, ehrlich gesagt, und was für Bücher. Hemingway, Böll, Doris Lessing und viele andere warten darauf wiederentdeckt zu werden.
Morgen werde ich aber zuerst meinen Schreibtisch noch ausstatten, meinen Apple und den Monitor anschließen und einige Bewerbung schreiben. Vielleicht komme ich auch dazu ein wenig anders zu schreiben, richtig, an meinen Texten

Freitag, 7. August 2009

Bulitschka

Obwohl mein Hund gerade vor der Wohnungstür sitzt und mich vorwurfsvoll ansieht, mit runtergezogener Unterlippe mit kleinen Hasenzähnen, ich sage nur Nachtspaziergang, muss ich doch noch etwas über meinen beleidigten Bulitschka erzählen. Denn neuerdings wird er schwer bei seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Sonnenbaden in der Mittagssonne, durch medizinische Untersuchungen (pfuibäh) gestört- er wird in die Wohnung gezwungen und mit Sonnenmilch "behandelt". Und die ist erstens kühl, zweitens wird der Bauch danach nicht mehr so schön warm (und rostrot). Und überhaupt... medizinische Untersuchungen. Er sitzt dann immer eine Zeitlang mit dem Hintern in meine Richtung im Zimmer, um mir sousagen die gecremte Rückseite zu zeigen.
Denn Sonnenbaden darf der Herr durchaus, weil das seinen Gelenken gut tut, bei vierzehn Jahren geballtes Hundeleben. Nur das exzessive Sonnenbaden mit drei Stunden hat die Tierärztin wohl nicht voraus gesehen.
So ist Bullitschka gut gecremt und sehr beleidigt und kann nur mühsam mit Leberwurst und Schlecksen wieder gnädig gestimmt werden. Aber da der Nachtspaziergang auszufallen scheint, weil es dafür schon fast zu spät ist, folgt die Steigerung. Nicht nur die restgecremte Rückseite, sondern auch noch der Blick nach hinten, lautes Seufzen und leises Meckern (wie eine Ziege) und weil ich immer noch vor dem Computer sitze, dann läuft er zur Tür, sitzt dort, geht in die Küche, dann setzt er sich neben mich und dann der Höhepunkt neben dem starren Blick. Liebesbezeugungen: Anrülpsen und mit dem Schwanz wedeln.
Da das auch nicht geklappt hat, denn ich schreibe ja immer noch, dann Rache. Schnarchen, furzen und in das Kissen grummeln. Irgendwie sehr menschlich, mein Hund, bis auf das Rülpsen.

Dienstag, 4. August 2009

Montag Abend, ein schwedisches Möbelkaufhaus... und das Lächeln war weg

Ein großartiges Lächeln, ein paar Köttbullas und eine riesige gelbe Einkaufstasche voller Allerlei, meistens praktisch (und praktisch überflüssig), das ist das Erlebnisversprechen eines großen schwedischen Möbelhaus. Montag Abend, nach vielen Stunden Arbeit war das Lachen irgendwie in den langen Schlangen verborgen... an der Essensausgabe wurden Augen gerollt, Regaleinkäufer wurden fast von Staplern beiseitegeräumt und gebrüllt und irgendwie waren die Kassen wie immer voll. Und diese furchtbaren Kinder: Drei Cappuchinos wurden wegen Wespen verschüttet, Tränen an en Sandkastenspieleset und leere Trampolinspringbereiche: Hektik. Nicht gerade das Einkaufserlebniswunder, das versprochen wurde.
Dafür 300 Kilogramm Schrankarchitektur, intelligent verpackt, schwer und ehrlich gesagt: Nach drei Wochen Renovierungsarbeiten pfiffen meine Ohren das Pipi Langstrumpflied....

Freitag, 31. Juli 2009

Körperliche Erschöpfung

Wenn man seit einigen Wochen täglich sehr viele Stunden körperlich arbeitet, mit den sorgsam gepflegten Studenten- und Schriftstellerhänden, dann werden nicht nur die Handflächen etwas rau, die Arme etwas breiter und die Haare etwas mit Staub und Farbe grauer. Irgendwie kann man dann auch auf eine besondere Art komatös schlafen und sich in seine Figuren träumen.
Denn das Arbeitszimmer ist immer noch nicht fertig, der Inhalt verteilt sich auf Keller und Wohnzimmer, das Mobiliar ist eingelagert, noch in Kartons, wird aufgearbeitet oder muss noch gekauft werden, die Wände sind noch zu tapezieren, der Teppich muss dringend ausgeklopft werden (nie, nie eine Wand rausreißen, bevor man den Teppich herausnimmt) und und und. Und so sind meine Gedanken auch noch ein wenig unaufgeräumt.
Der Hund versucht sich heimlich mit ins Schlafzimmer zu schleichen, weil ihm das mit den Kisten und den vielen Geräuschen wohl unheimlich ist- schließlich ist man mit 14 Jahren schon an allerlei Umzüge gewohnt, und auch mit den Spaziergängen ist es im Moment weniger geworden. Denn irgendwie fehlt Kraft...
Meine neuen Tapeten liegen nun im Arbeitszimmer, drei Wände dürfen heute tapeziert werden, mein Schreibtisch muss neu lackiert werden, und ich plane den Teppich mal so richtig einzuseifen und auszusaugen.
Und irgendwie werde ich dabei an meine Texte denken... und an allerlei Bewerbungen in den nächsten drei Wochen. Denn das klappt nur mit den Unterlagen. Und die sind irgendwie in den Kisten ein wenig verschollen.

Dienstag, 28. Juli 2009

Bearbeitungsfenster

Seit es das Arbeitsamt nicht mehr gibt und die gleiche Sache nun "Agentur für Arbeit" heißt, hat sich alles geändert und ist doch irgendwie gleich geblieben. Während die Beamten früher einfach keine Gespräche entgegennahmen und eine Telefonistin lange Zettel ausgefüllt hat, gibt es heute ein zentrales Callcenter, indem die Nachrichten entgegen genommen werden. Früher hat es bis zu zwei Tage gedauert, bis sich dann der Beamte gemeldet hat. Heute gibt es ein Bearbeitungsfenster von zwei Tagen- übrigens auch bei E-Mails, die ebenfalls vom zentralen Callcenter bearbeitet werden. Als ich vor dreizehn Jahren ein Formular benötigte, bekam ich vom Mitarbeiter eines, indem er schon ein Kreuzchen gemacht hatte. Nur leider das falsche, so dass ich alles wegen dieses Kreuzchens noch einmal ausfüllen sollte. Heute ist das anders. Heute ist der zuständige Mitarbeiter nur dann zuständig, wenn man die richtige Nummer hat. Sonst ist niemand zuständig und die Formulare, das ist immer noch das gleiche. Warum ich das alles schreibe: Einen Ort Arbeitsamt oder "Agentur für Arbeit" zu nennen, indem Arbeitslosigkeit zum größten Teil verwaltet wird, ist eine wunderbare Form von Euphemismus. Vor allem ist der Euphemismus großartig, wenn die Angestellten dort ebenfalls ihre Arbeitszeit so verwalten wie die Arbeit.
Aber das wichtigste ist etwas anderes: Solange es Beamte gibt, wird es immer ein wenig gleich bleiben, in allen Behörden dieser Art. Und auch unangenehme Konstanten sind konstanten, während sich alles ändert. Und nur dort sind E-Mails genauso langsam wie die normale Post. Und die Scheiben der "Agentur für Arbeit" bestehen aus Bearbeitungsfenstern.

Nachtrag: Natürlich hat sich einiges an der Situation geändert: Das zentrale Kundencenter der "Agentur für Arbeit" wird anscheinend nicht über den Urlaub von Mitarbeitern vor Ort informiert--- und wenn das Bearbeitungsfenster zu ist, dann muss man etwas ganz neues tun. Warten. Nachfragen bei der Agentur vor Ort finden nicht statt, warum denn auch. Dazu gibt es Bearbeitungsfenster, s.o.
Aaaber mit drei aaa: Vor Ort gab es dann zwar kurze Diskussionen, wer möglicherweise zuständig ist. Dann ging es aber ganz anders als erwartet. Zuerst wurde kompetent die Situation klar gestellt, die dadurch entstandenen Probleme bewertet und eine für alle Seite gelungene Lösung vorgeschlagen: Innerhalb von einem Tag würde der Mitarbeiter mehrere Gespräche führen, Dinge klären und uns seine "Lösung" unterbreiten. Vielleicht hat sich doch einiges geändert und nur das mit den Call-centern funktioniert noch nicht richtig.

Sonntag, 26. Juli 2009

Eine ganze Menge Veränderungen

Zwei Tage nach meinem Uniabschluss bin ich in Urlaub gefahren, nach Schottland natürlich. O.k., auf den Hebriden und den Orkneyinseln waren wir auch, und irgendwie sind beide Inseln für mich ein wenig anders. Danach haben meine Freundin und Ich begonnen meine Wohnung Stück für Stück leerzuräumen, in der ich die letzten fünfzehn Jahre gewohnt habe. Eine Menge Erinnerungsarbeit, während wir parallel die Wohnung meiner Freundin renoviert haben. Denn unglaublich viele Erinnerungen werden mit den Jahren an Gegenstände und Orte gebunden und müsse für einen Umzug herausgelöst und wieder mobil werden.
Zudem weiß ich nun wie ein Badezimmer entkernt wird bis hin zu den Grundmauern und wie man dann Schritt für Schritt ein solches Zimmer wieder entstehen lässt. Nun, ein Handwerker bin ich dabei nicht geworden, sondern habe mir ständig den Kopf angeschlagen und die einfachen Arbeiten übernommen. Aber ich habe schon vieles gelernt. Vorgestern habe ich die alte Wohnung abgegeben und wohne nun in einer fortgeschrittenen Baustelle...
Nun, da auch mein Arbeitszimmer noch eine Baustelle ist, konnte ich bisher nicht meine Gedanken neu am Computer ordnen, bzw. nicht einmal neben den Renovierungsarbeiten schreiben, weil irgendwie alles noch mit Sachen vollgestellt ist und kaum Raum für irgendetwas bleibt.
Aber ein paar Gedanken führen schon wieder in die Texte.... nur die Zeit, die Zeit.

Freitag, 17. Juli 2009

Ideen der anderen - Krieg um das Copyright

Am 30.06 ist in der Zeit der Artikel "Ideen der anderen - Krieg um das Copyright" in der Zeit erschienen, in dem es um den Satz von Mark Getty aus dem Jahr 2000 geht:"Intellektuelles Eigentum ist das Öl des 21. Jh." Mark Getty hat 1995 die Bildagentur "Getty Images" gegründet, die über die zweitgrößte Sammlung von Bildern, Illustrationen und Filmaufnahmen verfügt und diese gegen Gebühr ihren Kunden zur Verfügung stellt. Damit steht er auf der Seite einer ganzen Industrie, die mit den Ideen anderer Geld verdient. Auf der anderen Seite stehen die Internetnutzer, die sich aus dem Netz kostenlos die Dinge herunterladen, die die Rechteverwalter für ihre Aktionäre, die Angestellten und auch die Künstler verwalten und zwar in dieser Reihenfolge.
Der Verweis auf das Öl und das 20. Jh. macht letztlich schon die Interessenlage und Grundidee der Verwertungsindustrie klar, siehe Daniel Yergins Pulitzerpreis gekröntes Buch "Der Preis. Die Jagd nach Öl und Macht." Über den exklusiven Zugang zum "Rohstoff" wird eine Verwertungskette entwickelt, die gezielt einen Maximum an Profit bei überschaubaren Kosten immer wieder neu generiert und wo die Kosten über eine möglichst effektive Kontrolle über Produktion, Wissen und allerlei anderen Wegen klein gehalten werden. Dieses Modell hängt vom exklusiven Zugang und einem Nachfragemarkt ab. Das Problem Getty und der Verwertungsindustrie ist, dass der exklusive Zugang durch die Digitalisierung und Komprimierung nicht mehr vorhanden ist und der Markt z.B, der Musikindustrie somit eingebrochen ist und andere Märkte drohen einzubrechen.
Die "Internetpiraten" haben Zugang zu den "Rohstoffen" und können die Orginale nahezu unbegrenzt dublizieren. Da die Verwertungsindustrie ihnen anfänglich kein Bezahlmodell mit den gleichen Möglichkeiten angeboten haben, wurde aus einer Einzelbewegung eine Massenbewegung, die durch Gemeinschaftsmodelle wie Wikipedie, durch open-source und andere Vorstellungen auch eine ideologische Grundbasis bekommen und durch bestimmte neue technische Möglichkeiten auch neue Kunstformen entwickelt hat. In ihren Augen geht es beim Urheberrecht nicht um die Künstler, sondern um die Verwerter- und die sind in ihrer Vorstellung im Internetzeitalter überflüssig. In ihrer Argumentation ist kein Raum für die Künstler, weil sie davon ausgehen, dass diese schon jetzt schlecht bezahlt sind und auch ohne Urheberrecht irgendwie überleben werden, vielleicht mit Stipendien oder ähnlichem.

Die Künstler selber stehen irgendwo zwischen beiden Seiten, denn irgendwie geht es in der Diskussion eben um die Verwertungsmodelle, nicht um die Künstler selber. Sie werden letztlich nur unter den Entscheidungen leiden, weil die Verwerter weniger Geld einnehmen werden und die neuen Modelle der anderen Seite zum Verdient diese Verluste bei weitem nicht decken werden. Irgendwann wird ein Modell gefunden werden, das letztlich einen Ausgleich zwischen Verwertern und "Internetpiraten" herstellen wird, nur die Künstler werden wie immer am Ende die Entscheidung mitgeteilt bekommen, wie auch beim Google-settlement, wenn es nicht gelingt sich als Künstler mit eigenen Vorstellungen in die Diskussion einzubringen, ob nun über Einzelpersonen oder Künstlervertreter.
Im Moment scheinen die großen Künstlervertretungen wie die PEN, der Verband deutscher Schriftsteller und andere leider selber keine Antworten oder Ideen zu haben.

Denkzettel

Ich glaube nur Schriftstellern fällt der Himmel auf den Kopf, wenn sie nicht schreiben. Vor ein paar Wochen habe ich mein gutes Geschirr gespült und beim abtrocknen die elementare Physik und die Erdanziehung vergessen. Wodurch ich nun nur noch Geschirr für zwei Personen und drei Tage habe. Vor einer Woche habe ich bei lieben Freunden einen Kaffee getrunken, bevor es begann. Erst einen Bratpfannendeckel, dann eine Schüssel, und ich musste zwei, drei Schritte mit ziemlich weichen Knien machen. Und nicht einmal der Cappuchino hat wirklich geholfen.
Gestern hat meine Freundin dann meinen Bestand an Geschirr deutlich vor dem spülen reduziert, bevor ich im Gegenzug meine Elektronikabteilung aus dem oberen Regal mit dem Kopf davor bewahrt habe, auf den Boden zu prallen. Nun habe ich zwei Hörner, ungleichmäßig über meinen dicken Schädel verteilt, einen blauen Fleck in der Nähe vom Cappuchinotrinken, kaum noch Geschirr, und das Gefühl unbedingt wieder schreiben zu müssen. Denn dann passiert mir so etwas nicht, und mein Kopf schmerzt vom Denken, und nicht vom Dinge darauf fallen lassen.

Mittwoch, 15. Juli 2009

Leipziger Textmanufaktur- Literarisches Schreiben in zwei Tagen

Heute ist in der Zeit der Artikel "Literarisches Leben. Erst hinsehen, dann schreiben" von Martin Brinkmann erschienen, in dem es um die Leipziger Textmanufaktur geht. Dort bietet der Schriftsteller André Hille mit einem ziemlich reichen Bestand an Seminarleitern wie Feridun Zaimoglu, Wladimir Kaminer und vielen anderen deutschen Schriftstellern und Lektoren eine Vielzahl von Kursen an, siehe hier das Programm fürs 2. Halbjahr 2009.

Dienstag, 14. Juli 2009

Plotten, die x-te

Vielleicht habe ich beim Plotten bisher immer einen entscheidenden Fehler gemacht: Ich habe eine Geschichte um eine unfertige Figur entwickelt und mit jedem Entwicklung der Figur ist mir die Geschichte verloren gegangen.
Deshalb versuche ich es gerade mit dem Plotten noch einmal: Diesmal habe ich mir die Figuren über einige Seiten und Ideen schon erschrieben und mich über eine längere Phase mit diesen Figuren und dem Hintergrund beschäftigt. Um drei Protagonisten und ihre Handlungen (sowie einer Haupthandlung) habe ich eine breite Palette von Nebenhandlungen und Nebenfiguren gruppiert, die letztlich die Hauptperspektive und Hauptgeschichte unterbrechen, weiterführen, ergänzen oder konterkarieren sollen, nur muss ich noch drei, vier Figuren weiter ausarbeiten und die Handlungen langsam aufbauen und spannungstechnisch abgleichen.
Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob das so funktionieren wird und ich diesmal etwas schneller schreiben kann. Aber es ist einen Versuch wert- und Spaß macht es auch.

Montag, 13. Juli 2009

Lange Zeit der Dürre

Nach fünfzehn Jahren ziehe ich gerade aus meiner Wohnung aus... und das nimmt mich schon ein wenig mit, nicht nur wegen dem Umzug und gerade akuten Renovierungen. Denn ich bin schon ziemlich ortsgebunden, ehrlich gesagt, und habe mich in meinem kleinen Teil der Welt ziemlich eingelebt- die Menschen, die Geschäfte und vieles mehr. Irgendwie habe ich mich auch in mein Leben als Student einordnet. Und nun ziehe ich aus diesem Leben aus, mit dem Studienabschluss und meinem Umzug.
Ich habe die Entscheidung schon vor vielen Monaten getroffen und auch wenn ich gerade etwas wehmütig bin, freue ich mich auch auf das Neue, das danach. Nur das mit dem Schreiben ist immer noch schwierig. Denn meine Wohnung ist schon weitgehend leer geräumt, die neue "Wohnung" muss noch zu Ende renoviert und aufgeräumt werden und es gibt jede Menge Papierkram.
Da ist das mit dem Schreiben irgendwie wieder mal nach hinten gerutscht, leider. Und gerade tauchen die nächsten Aufgaben auf, die mir wieder die Zeit für das Schreiben stehlen werden. Das Leben und das Schreiben passt halt nicht immer zusammen.

Mittwoch, 8. Juli 2009

Didaktik des literarischen Schreibens (Teil 6)

Wir alle werden in eine Kultur der Bücher hineingeboren, hinerzogen zu den Büchern und werden Teil dieser Bücherkultur. Aber während die meisten Menschen in ihrem Leben auf dem Wissen und den Werken der großen Autoren und Schriftsteller vor ihnen ruhen, ist es die Aufgabe von Schriftstellern dieses Wissen aufzunehmen, es zu erweitern und es zu vermitteln, immer wieder neu anders, in jedem neuen Werk. Diesen Vorgang hat Michel Foucault als Diskurstheorie bezeichnet.
In einer Didaktik des literarischen Schreibens muss es also immer darum gehen, einen Schriftsteller aus einem passiven Mitglied einer Bücherkultur zu einem aktiven, mitgestaltenden Teil dieser Kultur zu entwickeln- und ihn dabei in literarische Traditionen, in Vorbilder, Vorstellungen und Theorien einzuführen, im ein Bewusstsein für literarische Entwicklungen und literarisches Handwerk zu vermitteln, das eben eng mit all diesem verbunden ist, und ihm Wege aufzuzeigen selber Teil der Schriftkultur zu werden.
Dabei geht es nicht darum kanonische Texte festzulegen, weil die Diskurse eben nicht auf solche Texte beschränkt ist, und es geht nicht darum eine Art Lehrplan festzulegen, weil jeder Schriftsteller eben durch die eigene Wahl der Lektüre über seinen literarischen Weg entscheidet. Das bedeutet aber nicht, dass die Lektüre willkürlich ist, denn es gibt gelungene und misslungene Texte, aus denen besonders viel zu lernen ist, und Meisterwerke, die für das Lernen nicht so geeignet sind.
Dabei ist es wichtig Grundlagen und Begrifflichkeiten zu vermitteln, um einen eigenen Zugang zu diesen Werken zu finden und diese für sich begreifen zu können- ob nun mit literaturwissenschaftlichen oder nicht literaturwissenschaftlichen Begrifflichkeiten ist nicht entscheidend. Es ist nicht einmal entscheidend, ob der Zugang eher analytisch oder intuitiv ist. Wichtig ist aus einem Text die entscheidenden Verweise auf Diskurse und das Handwerk herauslösen und einordnen zu können. Denn nur was man benennen kann, mit der Sprache begreifen, versteht man. Die Aneignung von Kategorien und Begrifflichkeiten kann bei der richtigen (Selbst-)Anleitungen zu einer Selbstentdeckung beim Schreiben führen, über das Experiment und das Scheitern, über die Aneignung durch Eigengestaltung und Entwicklung, durch das geistige und schriftliche Nachvollziehen von den Leistungen und Ideen (und Theorien) der Vorgänger. Somit geht es nicht um das Lesen, sondern um das Verstehen- und es ist nicht die Menge oder Qualität der Bücher wichtig, sondern was aus diesen Bücher gelernt wird.
Eine Didaktik des literarischen Schreibens hat nicht die Aufgabe dies für einen Schriftsteller zu leisten, sondern ihm dabei zu unterstützen dies alles für sich zu entdecken.

Sonntag, 5. Juli 2009

"Kalix. Werwölfin aus London" von Martin Millar

Martin Millar erzählt in seinem Roman die Geschichte der Werwölfin Kalix MacRinnalch, die in London Unterschlupf bei zwei Moonglow und Daniel findet, weil ihre Brüder sie wegen eines Angriffs auf den Vater verfolgen, Werwolfjäger hinter ihr her sind und ihr Liebster Gareth verbannt- ein "Lonely Werewolf Girl", die zudem ein bisschen Anpassungsschwierigkeiten hat und ein wenig Laudanum süchtig ist.
Und wie immer bei Martin Millar gibt es noch viele weitere Geschichten und Perspektiven: ob es nun um Kalixs Schwester Thrix, eine Modedesignerin und ihre Datingprobleme geht, um die Hyasatas Malveria (ein Feuergeist), die von Mode bessessen ist und im Modekampf mit anderen Hyastaköniginnen und Herzögen, um deren etwas aus der Art geschlagene Adoptivtochter, die beiden Menschen, die Kalix aufnehmen, den Kampf im MacRinnalchclan um die Vorherrschaft des Clans, um zwei Werwolfmusikerinnen im Drogenrausch und unendlich viel mehr. Wie immer sind die Ebenen der Geschichte wild durchgemischt, ein wenig Humor, ein wenig über Musikerleben und seltsame Wohngemeinschaften, dazu noch unendlich viel über schottische Geschichte in einer gewerwolften Abwandlung, etwas über Mißverständnisse und wirkliches Leben.
Das hört sich alles nach einem ungewöhnlichen Roman über Werwölfe aus, in einer Zeit, wo unendlich viele Romane zu dem Thema veröffentlicht werden. Das ist es auch, aber hat mit dem engen Genre nur bedingt etwas zu tun. Denn wie auch bei "Die Elfen von New York" ist es eine Geschichte über das Leben, über Schwierigkeiten, Selbstfindung, Coming-of-age, um Punkmusik, Modefanatismus, über Rivalität zwischen Geschwistern, Liebe, Familie, um kleine Flüche und über schottische Geschichte- nebenbei natürlich auch um Werwölfe, Feen und allerlei seltsames. Seine Romane als "Kultroman" zu bezeichnen, deutet übrigens an, dass es wirklich schwer ist seine Romane einzuordnen. Oder anders formuliert: Popliteratur ohne die ständige Selbstbeobachtung, sondern als Sittenbild einer ganzen recht seltsamen Gruppe von Menschen, die alle auf unterschiedliche Weise ihren Platz im Leben finden müssen.
Insgesamt ist es eine herrlich skurriler Roman, wunderbar anders, und wenn auch nicht vielleicht "Die Elfen von New York" als mein persönlicher Lieblingsroman, sicherlich ein wunderbarer Roman

Samstag, 4. Juli 2009

Zurück aus Schottland

Nach zwei wunderbaren Wochen in Schottland habe ich heute wieder deutschen Boden erreicht und freue mich auf ein gemütliches Bett und dann darauf, euch von den zwei Wochen (nur eine Stunde Regen insgesamt) Urlaub, vielen interessanten Begegnungen und mehr zu erzählen.
Natürlich warten meine Texte und Ideen auf mich, schon ziemlich lange, ehrlich gesagt, und ich freue mich wahnsinnig einige neue Ideen, einige Eindrücke wieder in Texte zu fassen. Und ja, ein paar andere Dinge warten da auch noch auf mich...

Donnerstag, 18. Juni 2009

Blogpause

Hallo zusammen,

in den nächsten zwei Wochen werde ich mir eine wunderbare Auszeit vom Internet und meinem Blog nehmen, und meine Gedanken ein wenig kreisen lassen. Dann, versprochen, melde ich mir hier zurück.

Lieben Gruss

Thomas

Dienstag, 16. Juni 2009

Beethovens letzte Nacht--- Ein Kapitel hat eigentlich immer ein Ende, es dauert nur manchmal eine Zeit

Meine Zeit als Student der Uni Bonn ist eigentlich schon im Mai zu Ende gegangen, als die Uni mich wegen ausstehender Zahlung von Semestergebühren schon einmal voreilig brieflich verabschiedet hat. Mein letztes Seminar liegt sogar noch ein wenig länger zurück, im Februar, der letzte Schein noch ein wenig länger...

Mein Studium ist aber heute, um 9.55 Uhr zu Ende gegangen, und zwar auf die eigentümliche Weise, wie es angefangen hat- mit einem kleinen Knall. Genau das war das erste Gefühl an der Uni Bonn, weit in der Ferne, alles ein wenig ungeordnet, und dann wusste ich auf einmal, hier bin ich richtig, in dem alten Gebäuden, mit alten Büchern, Möbeln, Computern, die ebenfalls alt sind.
Heute war es der Augenblick nach der letzten mündlichen Prüfung, als ich draußen vorm Prüfungsraum auf das Ergebnis wartete und wusste, noch ungefähr zehn Minuten, bis ich auch endlich alle Klausurergebnisse und Endnote mitgeteilt bekommen würde. Die Prüfung war ziemlich gut gelaufen übrigens, die mündlichen Prüfungen waren (wie immer) schon im Studium eine Bank. Und dann der Knall: irgendwie regnete etwas Asbest und Schimmel aus dem Dach, und das erste Mal im Lerntran wusste ich: jetzt ist es vorbei, endgültig vorbei.
Der innere Schweinehund hing immer noch abgehängt (und halb bewusstlos) in den Seilen und japste, sein Freund die Stimme Nein versuchte ihm immer noch zu erklären, warum er mich gerade bei dieser Sache nie, nie, nie einholen werden könnte und eine griechische Göttin, die Prokrastination, schwebte über all dem und teilte dem Schweinehund mit, dass er eigentlich genau das wollte, hier liegen und ein wenig entspannen. Und das es viel zu anstrengend war mir nachzulaufen, wenn ich doch irgendwann wieder vorbeikommen würde, weil alle Wege nach Athen führen, zumindest alle mit Eulen drauf.

Das Studium ist zu Ende, ich bin es auch: und das Ergebnis ist mehr als nur in Ordnung, wie gesagt, die mündlichen Prüfungen haben die eher mittelmäßigen Klausuren und die noch etwas mittelmäßigere Abschlußarbeit mächtig aufgehübscht. Und nun werde ich schlafen und ein wenig Schlaf nachholen.

Samstag, 13. Juni 2009

Kommentare, Prüfung und Urlaub

Ich habe gerade die Kommentarfunktion abgestellt, da ich gerade wegen der Prüfung am Dienstag keine Zeit habe regelmäßig überhaupt in meinen Blog hineinzusehen, geschweige denn, wie an den wenigen Einträgen diesen Monat deutlich wird, zu bloggen.
Deshalb bitte ich um ein wenig Geduld für meine Prüfung, und meinen dann folgenden Urlaub, bevor ich dann hastig und mit viel Energie (hoffentlich) an die Arbeit hier und an meinen Texten zurückkehre. Und ja, die "Didaktik des literarischen Schreibens" habe ich nicht vergessen.

Dienstag, 9. Juni 2009

Mitten im Prüfungsstreß

Die letzte Prüfung ist nur noch einige Tage entfernt und so langsam geht die Kraft zu Ende. Schließlich dauert diese Prüfungsphase schon seit vorletztem Jahr September an und ich habe in dieser Zeit nur wenig Zeit für irgendetwas gehabt- von einigen kurzen Pausen einmal abgesehen.
Wie immer in meinem Unileben ist/ war alles anders in der Prüfung, als mir im Studium immer gesagt wurde. Offensichtlich wussten die meisten Professoren nicht, wie eine Prüfung abläuft, oder eine Abschreckung war beabsichtigt. Ich habe unheimlich viel gelernt, übrigens mehr über mich, als über die geprüften Themen- zumindest nach dem momentanen Gefühl. Denn bald habe ich es endlich geschafft...

Mittwoch, 3. Juni 2009

Ein Fenster in die Vergangenheit

Manchmal hat man im Leben die Chance in einem Spiegel die eigene Vergangenheit zu sehen. Man sieht sich selber, als man noch weniger Falten und graue Haare hatte, an einem der Scheidepunkte des eigenen Lebens, oder was man zumindest einmal für Scheidepunkte gehalten hat. Damals war man mutiger und hoffnungsvoller, meistens zumindest, weil man vieles noch nicht gewusst oder verstanden hat.

Vielleicht ist ist es gerade deshalb so spannend sich noch einmal anzusehen, wie es war, als ich noch nicht geschrieben habe. Ich hatte gerade die elfte Klasse abgeschlossen und erinnerte mich nur ganz dunkel an einige Geschichte, die ich früher irgendwann einmal geschrieben habe. Dafür war ich gerade in meiner Ingeborg Bachmann/ Sylvia Plath Phase, nebenbei in einem ausgeprägten Fantasyrausch und hatte gerade den ersten PC bei meinen Eltern gekapert.
Ich war auf der Suche nach etwas wie Zukunft, weil ich noch keine Ahnung hatte, was ich mit meinem Leben anfangen wollte. Denn was soll man mit einem Leben anfangen, wenn man nicht weiß, was man kann. Und irgendwie waren die bisher aufgefallenen Talente bisher weniger zukunftsweisend.
Dann kam dieser komische Kurs, für den ich mich einschreiben sollte, weil die Alternative ein Theaterstück war: Kreatives Schreiben. Und mit der ersten Geschichte war irgendwie alles klar... zumindest im Bereich Schreiben und Zukunft.

Im Moment stecke ich ziemlich in der Gegenwart fest, dem Studium, dass eigentlich schon anfängt wieder zur Vergangenheit zu werden, weil es nur noch 12 Tage andauern wird(, es sei denn, es gibt große Überraschungen). Das letzte halbe Jahr, eigentlich fast die letzten neun Monate waren keine Gedanken mehr für das Schreiben übrig, von allerlei Ideensammlungen einmal abgesehen. Denn einerseits wusste ich, dass sich bei mir das literarische Schreiben und das analytische Schreiben gegenseitig blockieren, was sicherlich nicht sonderlich förderlich für den Abschluss gewesen wäre, und andererseits musste ich die wenige Zeit neben dem Lernen auch irgendwie für mein restliches Leben nutzen. Profane Dinge werden ziemlich anstrengend, wenn man sich die wenige, übrig gebliebene Zeit dafür einteilen muss.

Das eigentlich überraschende ist, dass mir das Schreiben zwar sehr fehlt, aber mein Studium seit Jahren nicht mehr so gut gelaufen ist. Offensichtlich sollten assoziative Schriftsteller ihr Studium anders einteilen....
Und klar, für Moment überlegt man sich schon, wie viel einfacher das Leben ist, wenn man nicht schreibt. Denn eine Berufung ist immer auch ein Ruf, und da wird man manchmal an unpassenden Stellen gerufen.
Das Leben könnte viel einfacher sein...
Ein wenig neidisch sieht man zu den Menschen in seiner Umgebung, die nur ihren Job erledigen, nach Hause fahren und dann Ruhe haben. Man überlegt, ob es wirklich so eine kluge Entscheidung gewesen ist, sein Leben nach einem Ruf auszurichten. Vor allem, weil es einfach so gut läuft ohne das Schreiben. Deshalb überlegt man dann alles mögliche. Bis man dann feststellt, dass man ich ist. Und was für man gilt, gilt für mich nur sehr bedingt.
Denn sobald die letzte Prüfungsphase durch ist, die Müdigkeit ein wenig durch Schlaf besänftigt, werde ich wieder schreiben- und es wird das Schönste der Welt sein, zumindest fast. Weil es das ist, was ich will und kann. Und weil ich unbedingt diesen einen und noch ein paar andere Romane zu schreiben habe...

Montag, 1. Juni 2009

Unauthorisierte Fortsetzung von "Der Fänger im Roggen"

Jerome David Salinger hat nur einen Roman "Der Fänger im Roggen" 1951 und bis 1965 einige Kurzgeschichte geschrieben, bevor er sich nach New Hampshire zurückgezogen hat und verstummte. Über seinen Roman ist eine unheimliche Menge geschrieben wurden, nur wurde nicht wirklich viel gesagt. Denn was könnte man über einen Roman schon sagen, der sich insgesamt 25 Millionen Mal verkauft hat und den heute jedes Jahr eine Viertelmillionen Leser neu und wieder für sich entdecken. Für manche ist "Der Fänger im Roggen" ein Buch über ihre Generation und Zeit, über Hoffnungen und Befürchtungen, für andere eine Gesellschaftskritik, ein Buch über das "coming of age" (Das Erwachsenwerden) und wieder für andere einfach "der große amerikanische Roman". Der große amerikanische Schriftsteller übrigens, der sich von der Welt und dem Schreiben zurückgezogen hat, wurde selber zu einem literarischen Mythos: Figuren wie William Forrester in "Forrester - gefunden" und Terende Mann in "Feld der Träume" griffen dies auf.

Der amerikanische Autor J.D. California hat nun sein Romandebut geschrieben, die "60 Years Later. Coming Through The Rye" heißt, und in der ein gewisser Herr C. aus dem Altersheim entkommt und mit 76 Jahren durch die Straßen von New York streift, siehe hier im Spiegel und BuchMarkt.de (mit Infos zur Rechtslage in Deutschland). Der Guardian verweist darauf, dass der Autor J.D.Salinger selber zur Figur in der Fortsetzung seines eigenes Romans macht, die er weder authorisiert noch geschrieben hat. Wobei natürlich am Text zu prüfen ist, wie weit J.D. California einen eigenständigen Text geschrieben hat, oder auf "Der Fänger im Roggen" verweist, siehe BuchMarkt.de und den Telegraph. Eine Stellungsnahme zur Vorgehensweise findet sich im Guardian hier, sowie inzwischen in den meisten der Links ein Hinweis auf die Literaturagentur Salingers, die eine Klage prüft.
Somit hat J.D. California sich entschlossen einen der berühmtesten Helden der Literaturgeschichte als Herr C. zu entführen und in einem Bewußtseinsstrom, angelehnt an "Der Fänger im Roggen", seine eigene Fortsetzung zu Salingers Roman zu schreiben. Das mag je nach Eigenständigkeit der Leistung durchaus legitim sein, auch wenn die Ähnlichkeiten es auf den ersten Blick juristisch schwierig erscheinen lassen.
Das er Salinger selber sowohl als Figur erscheinen lässt, als ihm auch den Roman widmet, halte ich persönlich für eine bewusste Unverschämtheit zum Romanverkauf. Denn Salinger hat eine Fortsetzung seines Romans immer abgelehnt und sich als Person und Schriftsteller aus der Welt weitgehend zurückgezogen.
Offensichtlich geht es dem Debutautor um reichlich Öffentlichkeit und das auf Kosten eines Klassikers und J.D. Salingers.

Nur eines verstehe ich nicht: Warum musste J.D. California ausgerechnet einen Roman fortsetzen, der seinen Leser die Zukunft offenlässt, für seine eigenen Vorstellungen und Gedanken- und all das mit seinen Ideen und Vorstellungen verbasteln. Das ärgert mich weit mehr als der krampfhafte Versuch über Kritik, Zeitungsberichte und juristische Auseinandersetzung möglichst viel Aufmerksamkeit für einen Degbutroman zu bekommen.
Immerhin: die Leser werden hoffentlich diesen Roman so weit ausweichen, wie sie sollten....