Mittwoch, 31. Dezember 2008

Das gleiche Prozedere wie jedes Jahr (Dezember 2008)

Heute morgen habe ich vor einem gepflegten Saunagang meiner liebsten Sylvestertradition gefrönt und "Dinner for one" (siehe mein Blogartikel aus dem letzten Jahr) in aller Ruhe angesehen. Slapstick ist eine Kunst, die sich in der Wiederholung nur dann verliert, wenn die Kunst nicht einerseits makellos ist- im Sinne davon, dass der Zuschauer eigentlich weiß, was kommt, aber gleichzeitig noch so viel mehr sieht, dass er vorher schon lachen muss- und wenn das Timing nicht stimmt.

Nun, dieses Jahr war für mich weit weniger gelungen, als "Dinner for one", aber das war auch nicht wirklich überraschend. Denn ich habe in diesem Jahr unendlich viel gearbeitet, zumindest für die Verhältnisse der letzten Jahre, und unglaublich viel dabei gelernt, einerseits an Stoff, an Schreibhandwerk und über mich. Und ich bin vielfach groß und ausdauernd gescheitert.
Meine Unikarriere, und das ist eine der positiven Nachrichten, neigt sich langsam dem Ende zu. Ich habe in diesem Jahr meine Abschlußarbeit geschrieben und abgeschlossen, wenn auch leider nicht so gut, wie erhofft. Denn ich hatte mich lange nicht für ein Thema entscheiden können und habe dann das falsche Thema genommen- und auch bei der Bearbeitung viele Punkte verschenkt. Zwei weitere Arbeiten sind dagegen besser gelaufen, und ich habe endlich mein Schulpraktikum absolviert. Und seit Ende Oktober habe ich mich endlich für die schriftlichen und mündlichen Prüfungen angemeldet, und lerne seitdem meistens recht eifrig (von kleinen Pausen wegen Krankheit einmal abgesehen).
Bei meiner Schriftstellerei habe ich für mich einige wichtige Durchbrüche: Ich habe mir endlich eingestanden, dass ich nicht anders kann, als zu schreiben, und das ich mein Leben danach ausrichten werde. Nicht ohne große Bedenken und einen Brotberuf, aber voller Inbrunst (ein Wort, das ich schon länger in meinem Blog verwenden wollte). Gleichzeitig habe ich einiges über das Schreiben gelernt, einerseits, dass ich in Streßphasen immer wieder Probleme mit dem Schreiben kriegen werde, andererseits, dass ich in der Lage bin wesentlich mehr zu leisten, als ich gedacht habe. Mein Chaos beim Schreiben ist schwierig, aber beherrschbar, wenn ich mir das nächste Mal mehr Gedanken über meine Texte machen.
Nur ergibt sich aus der Unisache und dem Schreiben inzwischen ein Problem: Diese beiden Richtungen zu schreiben, wissenschaftliches Schreiben und kreatives Schreiben, führen bei mir immer wieder zu Problemen- weil ich beides ganz anders strukturiere. Hier hilft der Blog übrigens.

Der Blog ist genau das geworden, was ich mir vorgestellt habe- eine Art halböffentlicher Notizublock und Gedankensammler, mit insgesamt über 310 Einträgen in diesem Jahr. Irgendwie der einzige Ort, neben meinen langen Spaziergängen, wo sich wissenschaftliches und kreatives Schreiben mischen, woraus ganz interessante Gedankenexperimente entstanden sind, und damit gute Ideen für die Arbeit.
Ich möchte es inzwischen nicht missen.

Insgesamt kein schlechtes Jahr, obwohl es auch erhebliche Rückschläge gab: Die Abschlußarbeit ist nicht so gut geworden, wie erwünscht, ich hatte eine enorme Pause im Mai, der Roman ist bis in den Sommer stetig gewachsen, und seit September in der Krise (der zweite Roman seit November), ich habe weniger geschafft als erhofft- und irgendwie wollte ich an einigen Wettbewerben und Ausschreibungen in diesem Jahr teilnehmen, was nicht geklappt hat. Im Juni musste ich meinen hochgeschätzten Nebenjob aufgeben, was mich nicht nur finanziell sehr getroffen hat. Aber eine Sache habe ich dort wieder schätzen gelernt- man sollte nie für jemanden arbeiten, für den man nicht arbeiten möchte. Diese Freiheit muss man bezahlen, aber sie ist es auch wert bezahlt zu werden.
Und noch eines habe ich genossen: Viele gute und schlechte Bücher zu lesen, mich mit Kollegen auszutauschen (einen lieben Gruss an euch alle), und zu schreiben (wenn es gerade ging). Denn irgendwie ist das das wichtigste Ergebnis des Jahres: Mein Leben und das Schreiben gehören zusammen. Und das ist eine ganze Menge.

Dienstag, 30. Dezember 2008

"Die Fetten Jahre sind vorbei"- etwas Zukunftsmusik über die Verlagsbranche

Petra von Cronenburg hat in ihrem Blog sehr ausführlich über die Krise der Verlagsbranche geschrieben, die im eigentlichen Sinne eine Krise des Geschäftsmodell ist.

Seit ungefähr zehn Jahren hat sich der Buchvertrieb in Deutschland massiv verändert: Während früher die freien Buchhandlungen den Markt dominierten, gibt es inzwischen neben einem großen Internetkaufhaus (7- 10% Marktanteil) auch zwei große Filialisten wie Thalia und Weltbild/Hugendubel, die inzwischen die meisten Großstädte mit ihren Buchvermarktungshallen dominieren. Sie dominieren aber natürlich nicht nur die Großstädte, sondern inzwischen auch die Verlage- denn z.B. Thalia bestellt seine Bücher nur noch zentral, am liebsten bei Großverlagen, und ordert auch bestimmte Bücher- und bekommt 50% (den maximalen) Rabatt. Eine richtige Buchhandlung ist Thalia aber nicht, weil die Stapeltische, die Werbung im Thaliamagazin, der "besondere Tip" allesamt Dienstleistungen sind, die von Verlagen käuflich zu erwerben sind. Die Verlage selber befinden sich schon länger in einem Konzentrierungsprozeß. Random House als größtes Verlagshaus hat alleine über 40 "Unterverlage" wie Random House, Luchterhand, Heyne, Blanvalet, Btb, Page & Turner und Manesse in seinem Programm. Als Teil des Medienkonzerns Bertelsmann hat Random House in den letzten Jahren sein Programm immer stärker an Renditeerwartungen des Mutterkonzerns oriertiert, an Bestsellern und an Markt- und Renditestrategien.

Nun, wenn zwei große Konzerne aufeinandertreffen, dann entsteht meistens ordentlich Reibungshitze, wenn man das freundlich formulieren möchte. Manchmal entsteht sogar so viel Reibunghitze, dass manche Menschen das für eine warme Atmosphäre halten. Denn Random House kann wie die meisten anderen Verlage nicht darauf verzichten, dass seine Romane über die großen Filialisten vertrieben werden. Die großen Filialisten können zwar nicht auf einen Verlag wie Random House verzichten, sie können aber in ihren Filialen den Verkauf der Romane zurückfahren, indem sie weniger Exemplare ausstellen, weniger einkaufen und keine Werbung mehr machen. Somit muss Random House deutliche Rabatte geben, genau wie bei Amazon, und seine Rendite ist wesentlich kleiner, als bei einer kleinen Buchhandlung- was wiederrum die Konzentration auf einige Filialisten beschleunigt.

Seit ungefähr anderthalb Jahren hat sich die Situation zwischen den großen Filialisten und den Verlagen deutlich zugespitzt. Denn die großen Filialisten verdienen am meisten Geld, wenn sie sich mit ihren Buchvermarktungshallen auf die großen Verlage beschränken und die mittleren und kleineren Verlage auslisten/ bzw. dort nichts mehr bestellen, es sei denn es gibt eine besondere Nachfrage. Denn die meisten Kunden kommen in eine Buchhandlung oder eine Buchvermarkungshalle, ohne genau zu wissen, was sie suchen. Und was nicht zu finden ist, wird dann auch nicht gekauft.
Gleichzeitig haben die großen Verlage nun den finanziellen Druck an die Autoren weitergegeben- Petra schreibt in ihrem Blog von der Wartestellung, in der viele Autoren sich befinden, weil die Verlage weder zu- noch absagen. Andere Kollegen berichteten auch bei Großverlagen über buy-out Angebote (Es wird nur eine einmalige Summe gezahlt, danach erhält der Autor keine weiteren Zahlungen), über sinkende Vorauszahlungen oder das die durchschnittliche Verweildauer von Romane in Verlagsprogramme auf drei Monate abgesunken ist (inkl. von Auslistungen nach einem Jahr), weniger Werbung.
Zudem droht den Verlagen inzwischen das Damoklesschwert der E-Bücher, also der elektronischen Ausgaben von Büchern für bestimmte Lesegeräte wie den Kindle und andere. Und wie die Musikbranche fürchten viele Verlage nicht zu unrecht, dass diese E-Bücher letztlich auch im großen Umfang getauscht und geklaut werden, bzw. das bei der Vermarktung bestimmter Lesegeräte eine Art Monopol einzelner Anbieter entsteht.
Ebenfalls bedrohlich sind die Verhandlungen mit den Übersetzern über eine Umsatzbeteiligung für übersetzte Literatur, auch wenn die bishigen Honorare sehr niedrig sind (ca. 13€ die Seite) und die mögliche Folge, wenn die meisten Autoren bemerken, dass ein normaler Übersetzer mehr Geld für einen Roman bekommt als der Verfasser.

Nun ist aber zu der bisherigen Situation auch noch eine weltweite Wirtschaftskrise dazugekommen: Und eine der wichtigen Frage ist, ob diese Wirtschaftskrise genau wie die letzten Krisen die Buchbranche unberührt lassen wird. Dabei wird immer darauf verwiesen, dass "Eskapismus" immer funktionieren wird.
Aber ich bin mir da gar nicht so sicher: Die Boombranchen im Bereich Medien in den letzten Jahren waren vor allem das Internet und Computerspiele- und die halte ich im Moment für recht krisenresistent. Denn moderne Computerspiele funktionieren inzwischen sehr vielfältig- und neben den einfachen Spielen gibt es auch Spiele, die letztlich über ein ähnliches komplexes Handlungsmuster und einen -aufbau funktionieren, wie es gute Romane tun. Und das Internet bietet alles mögliche, gegen eine Flatrate, auf die man sowieso nicht verzichten kann. Das Fernsehen ist zwar nicht anspruchsvoll, aber es gibt (bis auf die GEZ und Kabelgebühren) kostenlose Dauerbeschallung mit Exkapismus und manchmal sogar Anspruch.

In der Buchbranche ist dagegen einiges passiert, was aus einem früheren Leitmedium ein Randmedium für viele Liebhaber gemacht hat. Wenn heute über Bücher gesprochen wird, in der Öffentlichkeit, dann geht es um Skandalbücher oder um Bestseller- und die Qualität dieser Bücher steht dabei nicht im Vordergrund.
Das liegt nicht nur am geänderten Medienverhalten oder dem Siegeszug des Bestsellers seit den 70er Jahren. Es liegt auch an der Relevanz von Büchern und den fehlenden Autoren, und an der fehlenden Vermittlung von bestimmten Autoren und Büchern. Im Prinzip gibt es z.B. in den deutschen Feuilltons (als Medium der Literaturvermittlung) sehr viel über die Autoren der Gruppe 47 bis hin zu deren späteren Autoren wie Grass und Walser, dann deutlich weniger über die Literatur der sogeannten Flakhelfer wie Uwe Timm, ein wenig mehr über Peter Handke, aber dann gibt es keine wirkliche Folge bei der Berichterstattung von Autoren- wenn man vielleicht von Juli Zeh und Daniel Kehlmann, sowie von gelegentlichen Meldungen von Benjamin von Stuckrad-Barre als Journalist einmal absieht. Ingo Schulze, Julia Franck tauchen mal auf, dann auf Jahre ab, Uwe Tellkmap wird es ähnlich gehen (und ist es schon so gegangen), Benjamin Lebert ist dafür ein gutes Beispiel,...
Aber es ist halt auch Relevanz und die fehlenden Autoren- und damit meine ich nicht, dass Schriftsteller zwingend einen Wenderoman schreiben müssten. Relevanz bedeutet im eigentlichen Sinne immer auch das Gespür für aktuelle Stimmungen, für wichtige Fragen und die Wahl der richtigen Mittel. Patrick Süskind hat vor vielen Jahren einen solchen Roman geschrieben- nur hat er es leider dabei belassen.
Oder um es auf den Punkt zu bringen: Die Gruppe 47 hatte einige Leuchttürme, besondere Romane, um die sich eine eigene Richtung entwickelt hat, um die sich dann andere Autoren und Kritiker formiert haben. Das ist den Autoren danach in dieser Weise nie gelungen- auch wenn es richtig gute Romane gibt, aber das ganz besondere fehlte meistens- zumindest in der deutschen Literatur. Übrigens auch oft der Mut, mal einen eigenen, recht eigenwilligen Weg zu gehen- auch wenn es das auch gegeben hat. Meistens aber als Solitäre wie bei Christian Kracht.

Vielleicht ist das eine der Chancen in dieser Krise: Eben nicht wie Tellkamp einen Roman zu schreiben, der einer Romantradition aus dem Anfang/ Mitte des letzten Jahrhunderts folgt, sondern sich aus den unendlichen Möglichkeiten des Schreibens einmal neu zu entscheiden, etwas mehr zu wagen oder zu riskieren. Und vielleicht endlich aus dem Schatten von Günter Grass zu treten und eigene Positionen zu vertreten- und selbstbewusst in der Krise das machen, was Krisen zu einer Chance macht: Jeder Krise ist eine Chance, wenn man sie so wahrnimmt.

Montag, 29. Dezember 2008

Es sind die Täler, die schwierig sind...

In den letzten Jahren habe ich als Schriftsteller eine Sache gelernt: Das Schreiben ist ein ziemlich langer Weg voller Täler und Berge- und die Perspektive täuscht. Denn was so alles auf den ersten Blick als Berg durchgeht, ist manchmal nur eine Aufschichtung von ein paar Steinchen und so manches Tal ist steinig und lang, und stetig in seiner Steigung bis hin zu einem Berg. Und die übrig gebliebenen Berge werden während des Schreibens kleiner, von so manchem mächtigen Gebirgsketten einmal abgesehen, die sich oft hinter Hügeln verbergen.
Aber ehrlich gesagt sind es gerade diese Überraschungen, die ich am Schreiben liebe: Das die meisten Dinge eigentlich ganz anders sind, als sie erscheinen, und das man manchmal selber der ist, der die Berge verkleinert, auf Seite schafft.
Aber das eigentlich schwierige sind nicht die wirklichen Berge, und auch nicht die eingebildeten. Denn ehrlich gesagt sind Berge relativ klar, sind absehbar und die Schwierigkeiten bekannt. Und die meisten Berge werden immer kleiner, wenn man den Aufstieg einmal begonnen hat. Meine große Schwierigkeit sind die Täler, die so heimelig erscheinen, ruhig, wo in Ruhe Wasser fließt- ich scheine dort gerne zu verharren und zu warten, ob sich die Berge einfach auflösen.

Sonntag, 28. Dezember 2008

Wieder einmal: Kreativitätsprogramme

Heute ist in der FAZ Job ein Artikel von Ursula Kals über "Trainingsprogramme: Königswege zur Kreativität", in dem einige ganz interessante Methoden zur Kreativität vorgestellt werden. Das es sich bei dem Artikel eigentlich um eine Buchbesprechung handelt, wird aber nie deutlich. Das nennt sich wohl PR. Interessant sind einige Ideen aber trotzdem.

Samstag, 27. Dezember 2008

"Raus, weg in die Freiheit" ein Interview mit Fritz W. Raddatz

Heute ist in der Welt ein Interview mit Fritz W. Raddatz erschienen "Raus, weg in die Freiheit!", in der Raddatz über die nach seiner Flucht aus der DDR beginnende Cheflektorenkarriere in Westdeutschland berichtet, erst bei Kindler, dann bei Heinrich M. Ledig-Rowohlt, bevor er auch nur ein wenig über den Spiegel und seine Zeit bei der Zeit berichtet. Das Interview ist spannend und interessant, nur ist es leider viel zu kurz.

Die Evangelikalen und die Meinungsfreiheit: Die Angst vor einer Schülerzeitung

Schon als ich ein kleiner Junge war, konnte man gelegentlich ältere Herren mit wunderlichen Zeitungen an der Straße stehen sehen, manchmal in großen Städten auch einige Mormonen. Aber schon einige Jahre später tauchten dann überall die Jesusfreaks auf, die neben freundlichen Unterhaltungen auch jede Menge christliche Botschaften verbreiteten und ständig neue Botschafter suchten, ob nun auf Konzerten, auf christlichen Festivals und eigentlich überall. In den letzten zehn Jahren kamen dann immer mehr "evangelikale Gruppen" in Deutschland auf, die ebenfalls gezielt Jugendliche und junge Erwachsene ansprachen, über rockige Messen, über Festivals, Bücher, CD`s und was sonst noch für junge Menschen in Krisen interessant ist. Schließlich ist das für die großen christlichen Kirchen sich langsam erkaltende Deutschland ein fruchtbares Zielgebiet für eine Mission. Denn genau das ist Ziel und Aufgabe dieser Organisationen.

Offenbar gibt es nun aber einen Wandel in der Vorgehensweise: Während bisher die Mission eher leise und heimlich ablief, und verschiedentlich Versuche gemacht wurden von einzelnen evangelikalen Organisationen oder Einzelpersonen aus dem weiteren Umkreis das "Homeschooling" durchzusetzen, den Evolutionsunterricht zu verweigern (bzw. Intelligent Design (einer Variante des Kreationismus) in die Schule zu bringen, bzw. auf eine christliche Leitkultur zu pochen (bzw. auch die Kirchensteuer für evangelikale Gruppen zu ermöglichen), eigene Schulen zu gestalten, ändert sich nun das Vorgehen.
Über eine Dachorganisation, die "Deutsche Evangelische Allianz", wenden sich nun die "Evangelikalen" direkt gegen Kritiker in diesem Fall die Schülerzeitung Q-Rage und die Bundeszentrale für politische Bildung. Die Bundeszentrale hatte für das Projekt von über 500 Schulen "Schule ohne Rassismus" den Artikel "Die Evangelikalen Missionare" dieser Schülerzeitung über die Missionsbestrebungen der "Evangelikalen" anläßlich des Christival in Deutschland unterstützt und empfohlen.

Die Reaktion der Bundeszentrale für politische Bildung sich für diesen Artikel zu entschuldigen,, siehe die TAZ oder den Spiegel, scheint nach der Lektüre von "Die Evangelikalen Missionare" ziemlich übertrieben. Das die Bundeszentrale auf die Forderungen der Evangelikalen eingehen möchte, scheint mehr als übertrieben, siehe dazu den Kommentar in der TAZ. Denn der zentrale Vorwurf der Dachorganisation der "Evangelikalen" bezieht sich darauf, dass die Schüler behauptet haben, dass diese "Intolerant gegenüber Andersdenkenden" sind und "erzkonservative, zum Teil verfassungsfeindliche Ideologien" verfolgen.

Der Begriff "Evangelikal" bezeichnet in Deutschland eine Gruppe von Gläubigen, die sich auf die Bibel als zentrale Grundlage des christlichen Glaubens beruft. Dabei nehmen sie die Bibel wörtlich und verweigern somit die christliche Exergese, also die wissenschaftliche oder theologische Interpretation und Auslegung der Bibel. Wenn man sich die ausschlaggebende Veranstaltungen wie das Christival ansieht, unter Schirmherrschaft der Familienministerin und in Anwesenheit von Wolfgang Huber, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, wird deutlich, welche Vorstellungen dort vertreten werden. In einem Spiegelartikel Evangelikales Jugendtreffen "Christival" wird das sehr schön beschrieben: Homosexualität als Krankheit, Ablehnung der Abtreibung und Judenmisson. Die Diskussion in weiteren Medien und im Bundestag findet man übrigens auf der Wikipediaseite zum Christival.

Nun, die Bundeszentrale für politische Bildung möchte nun dem Dachverband wahrscheinlich eine eigene Publikationsmöglichkeit bieten, siehe "Die Taz". Dazu trägt der Druck der evangelikale Allianz bei, die mit ihren Vertretern (siehe Taz) Ernst-Reinhard Beck und Hartmut Steeb aus der CDU bei der Bundeszentrale aufgetreten sind.
Warum man nun aber evangelikalen Gruppen gerade dort eine Publikationsmöglichkeit bieten möchte, erschließt sich mir nicht. Denn politische Bildung bedeutet immer verschiedene Stimmen zu einer Sache zu hören, und dies aus einer kritischen Perspektive heraus zu gestalten. Das mag im Einzelfall mal weniger gelungen zu sein, aber direkt auf eine kritische Perspektive zu verzichten, ist schon etwas abenteuerlich.
Denn bisher sind weder der "Dachverband", noch andere der dort gruppierten Gruppen, durch eine kritische Sichtweise der eigenen Positionen aufgefallen- siehe die wörtliche Übernahme der Bibel und der Verzicht auf Interpretation und Exergese, sowie viele Haltungen der meisten evangelikalen Gruppen zu Homosexualität, Abtreibung, Evolutionsunterricht,...

Meinungsfreiheit, liebe Bundeszentrale für politische Bildung, würde bedeuten, dass man dem Dachverband anbietet, die eigenen Positionen darzustellen und dem Gegenmeinungen dazuzufügen. Damit sich eine eigene Meinung aufgrund fundierter Informationen aus verschiedenen Quellen bilden kann.

So ist das eine ziemlich peinliche Angelegenheit. Denn niemand möchte den Evangelikalen ihren Glauben verbieten oder das Recht verweigern ihre Meinungen zu äußern. Nur hat der Staat die Pflicht zu einem mündigen Bürger zu erziehen, wozu es die Bundeszentrale für politische Bildung gibt. Und deshalb ist dort eine solche Publikation nicht angebracht, die unkritisch darstellt.
Mehr Mut, liebe Bundeszentrale, denn die Freiheit der Berichterstattung und die Meinungsfreiheit erfordern Mut- und eine Demokratie mündige Bürger- und beides gehört eng zusammen.

Mittwoch, 24. Dezember 2008

An Tagen wie diesen...

Eine Drossel hing im Stacheldraht direkt neben meinem Fenster. In der Ferne rumpelte der alte Opel meines Bruders die Straße entlang zum Haus meiner Eltern und meine Mutter war immer noch dabei die alten Weihnachtsplatten abzuspielen, die inzwischen die besten Stellen kratzen.
Mein Vater ärgerte sich mal wieder über eine Weihnachtskarte, die er kommentierend meiner Mutter vors Gesicht hielt, bevor er an seinem Lieblingssessel eine Pause macht, um sich eine treffende Antwort zu überlegen, die er doch nicht abschicken würde. Seufzend machte ich meine Zigarette aus, als mein Bruder klingelte.

Gleich würden wir wieder den Weihnachtsbaum schmücken, während die hellen Thomanerchorstimmen scheinbar seit 1212 immer die gleichen Lieder sangen. Es war jedes Jahr das gleiche. Vor allem, weil mein Vater in seiner großherzigen Liebe zum frisch gebügelten Lametta der letzten zehn Jahre großzügig war, so großzügig, dass wir die grünen Teile des Baumes auch einfach weglassen könnten. Ich dagegen würde einige meiner Bastelarbeiten aus der Kindheit zwischen den DDR-Kugeln und Aldi-Strohsternen plazieren, die alten Osramkerzen auf dem Baum verteilen, und immer wieder meinem Vater das Lametta klauen. Irgendwann würde mein Vater klagend in die Küche verschwinden und meiner Mutter das mit dem Lametta petzen. Natürlich würde sie mir recht geben, wie ungefähr die letzten zehn Jahre, weshalb er das auch nur immer machte, weil er dabei in die Töpfe linsen konnte.

Und während der Thomanerchor dann bei der kratzigen Rapvariante von Oh Tannen- oh Tannen- oh Tannenbaum war, würde mein Bruder klingeln, sich mit einer Cola in den Sessel setzen, bevor er dann Schokokringel räuberte. Und meine Mutter würde aus dem Keller ihre Liederzettel holen, damit wir zumindest nach der Kirche (die ich nicht mehr besuche) drei Lieder singen würden, vor der Bescherung. Und die beginnt immer mit meinem Großvater, 94 Jahre alt, der sein Fleisch auskaut und saugt, spinnenartig, bevor er die Reste wieder auf den Teller fallen lässt- natürlich nicht ohne die langen Fußmärche der betreffenden Tiere aus dem Ausland zu beschreiben, ich sage nur italienische Gebirgshühner.

Mein Bruder würde schon sehnsüchtig zur Weinflasche blicken, ich ebenso, mein Vater auch, aber auf einige würde die Kirche warten. Auf mich nicht. Ich würde in der Zwischenzeit die momente genießen, mit dem Weihnachtsbaum, den Erinnerungen an Back- und Bastelorgien in meiner Kindheit, den drei, vier Momenten meines Lebens mit Schnee, Schlitten und Weihnachtsferien, und wie sehr ich eigentlich all das genieße. Diese Momente, bevor Weihnachten in die Gegenwart kommt, und die Vergangenheit sich vor den Geschenken verliert. Und bevor ich mich daran erinnere, dass Weihnachten eigentlich fast immer im Streit endet- und in einem Bier bei Freunden

Dienstag, 23. Dezember 2008

Lesen in einer Zeit der Depression/Rezession

Heute habe ich im Perlentaucher einen Verweis auf einen Artikel von Tom Engelhardt in The Nation gefunden, indem er über "Reading in an Age of Depression" schreibt. Es geht um die doch für Schriftsteller und Verleger recht entscheidende Frage, ob das Buchgeschäft so "Konjunktur sicher" ist, wie das immer wieder behauptet wird. Denn, so Tom Engelhardt, in der USA ist die Krise eben auch in den Buchläden angekommen.

Sonntag, 21. Dezember 2008

Weihnachtsmarkt und Weihnachten

Die Normierungsbestrebungen der EU haben inzwischen auch die Weihnachtsmärkte und deren städtische Planer erreicht: Während früher jeder Weihnachtsmarkt noch einige regionale Stände hatte und man auf jedem Weihnachtsmarkt noch etwas überraschendes finden konnte, kann man das heute vergessen.
Wie auf dem Buchmarkt oder bei den Filialisten aus anderen Bereichen, wurden die Weihnachtsmärkte normiert, angeglichen, so daß man gar nicht mehr weiß, wo man auf einem Weihnachtsmarkt ist- es sei denn, man findet dann einen mittelalterlichen Weihnachtsmarkt.
Denn dort sprechen die Verkäufer ein furchtbar gesteltztes Scheinmittelhochdeutsch, dass so klingt, als hätten die freundlichen Verkäufer nur lange genug an ihrem eigenen Met getrunken, um so ein Blödsinn zu reden- offensichtlich aber ein Qualitätsmerkmal mit den Silberlingen, den Schuldverschreibungen. Nun, immerhin gibt es einige mittelalterliche Handwerker und echte Handwerkskunst zu bestaunen, es gibt auch Met und meistens sogar noch ein wenig Atmosphäre und scheinmittelalterliche Gewandung. Ansonsten gibt es den üblichen Krempel im mittelalterlichen Gewand, Leder und Ledertaschen, Kräuter, Tee und Kräuterbonbons, Glas und Ton, und Schmuck natürlich- das meiste gar nicht mittelalterliche, aber ein paar symbolische Dinge gibt es dann schon. Und der Döner wird zur orientalischen Brottasche mit Schabefleisch, der Glühwein zum Würzwein, die mediterane Reispfanne wird dann in Kohl serviert, statt in Papptellern.
Auf den richtigen Weihnachtsmärkten gibt es Wurst und Brot, es gibt Holzspielzeug und Kerzenstände, es gibt Glühwein und Kaffeespezialitäten, dazu noch allerlei andere Essenssachen (Champignons in Sahnesoße, Pommes, ...), es gibt Schmuck, Seifen, Kräuterbonbons, handgemachten Senf, Leder und Handtaschen und dann je nach Weihnachtsmarkt noch drei symbolische Stände, wo es etwas Besonderes gibt, meistens aber das gleiche Besondere. Für die ausländischen Gäste gibt es Hummel (das gedrechselte Holzengelchen, handbemalt), es gibt allerlei Stollen und, große Überraschung, meistens auch noch Ansichtssachen der Region.

Insgesamt sind Weihnachtsmärke ungefähr so spannend wie ein Besuch bei H&M oder Thalia, beim ersten Mal gibt es noch etwas zu entdecken, wenn auch nichts überraschendes (es sei denn, man geht sonst nicht einkaufen). Beim zweiten Mal kann man sich noch über weihnachtliche Deko staunen, den Kerzenstand bestaunen oder ein wenig schlendern und Dinge betrachten. Am Besten aber mit ordentlich Glühwein, damit einen die vielen Menschen und die Langweile nicht so plagen, sowie die Kälte oder der Regen.
Beim dritten Mal ist es nur noch der Glühwein. Da tun mir die Menschen Leid, die abstinent leben... denn das ist Weihnachten immer besonders schwer: Weihnachtliche Stimmung auf den Märkten zu tanken, dann eine mit weihnachtlichen Gedanken übervolle Kirche (die sonst leer ist), Weihnachtslieder überall, Weihnachtsmärkte, Geschenke kaufen, die Hoffnung auf ein friedliches, besinnliches Weihnachten mit der Familie- und die zu erwartende Katastrophe, wenn das falsche Geschenk, ein falscher Satz das ganze Weihnachten so abfackelt, wie manche Kerzen auf einem Weihnachtsbaum.

Weihnachten ist toll, wenn es vorbei ist.

Freitag, 19. Dezember 2008

Lebensmittelverschwörung

"Erst kommt das Fressen, dann die Moral." (aus Berthold Brecht: Denn wovon lebt der Mensch? aus "Die Dreigroschenoper".)
Die FAZ berichtet: Eine heimliche Verschwörung von zwei Stollenfans in Frankfurt hat offensichtlich nun einen der schlimmsten Datenskandale der letzten Jahrzehnte ausgelöst. Um den Diebstahl eines Stollen zu tarnen, klebten zwei Kurierfahrer dieses Etikett auf eine Sendung, die eigentlich an die Landesbank Berlin gerichtet war. Der Chefradakteur der "Frankfurter Rundschau" entdeckte dann statt seinem Stollen die 900 Microfiches mit den Kundenkarten der Bank. Der Schaden bei 130.000 auszutauschenden Kreditkarten, der Rufschädigung für Bank und Kartenaussteller, dürfte diesen Stollen zu einem der teuersten Backwerke der deutschen Geschichte machen, ganz ohne Blattgold und Edelsteinverzierung.
Ganz offensichtlich sollte man solch teures Backwerk wirklich nicht per Kurierdienst verschicken oder draufschreiben (Kein Dresdner Christstollen!). Und auch den Chefredakteur erwarten wohl schwere Zeiten: Bei Geschenken in dieser Preislage wird sich nicht nur das Finanzamt melden und auch der Dumontkonzern wird wohl mal nachfragen, wer seinen Angestellten so teure Geschenke schickt.

In Gedanken

Meine Füße erweitern so manches Mal den Kreis meiner Gedanken, wenn ich ihnen folge und dabei eine Geschichte entlanglaufe, in den Blättern der Bäumen die Gesichter, den Gabelungen der Geschichte entlang, vorbei an den gefrorenen Seen und Tümpeln, die nur im Sommer eisfrei scheinen. Irgendwann scheinen die Bewegungen einzufrieren, der Rauch der Zigaretten wird statisch. Dann bin ich an den Orten angekommen, wo meine Geschichte lebt. Zwischenleben.
Deshalb hat mein Romanmanuskript einmal diesen Name bekommen. Dieses Gefühl zwischen den Dingen zu sein, das sowohl den Roman, als auch bei seiner Entstehung eine so wichtige Rolle spielt. Heute habe ich auch einige weitere Einsichten in den Roman erlaufen, wohin sie mich bringen werde, dass weiß ich jetzt noch nicht. Interessant ist es alle mal. Aber alles weitere werde ich herausfinden, wenn ich diese Ideen umsetze.

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Joachim Kaiser zum 80sten

Nachdem ich schon auf das wunderbare "Kaiser"-Interview im SZ-Magazin durch Diez und Wichmann und auf eine Würdigung durch Fritz J. Raddatz in meinem Blog verwiesen habe, gibt es heute den großen Feuilltonrundschlag zu dieser Kritikerpersönlichkeit, die nicht nur die Musikkritik, sondern auch viele andere Kunstbereiche wie die Literatur (u.a. über die Anwesenheit bei der Gruppe 47) bereichert hat.
Darunter gibt es auch wieder eine Perle: Martin Walser schreibt in der Süddeutschen Zeitung "Joachim Kaiser zum 80.- Oh du Fröhliche." und berichtet über seinen Freund, indem er auf Distanz geht und sich ihm dann wieder annähert, über seine Kritiken und Texte, eine Art musikalische Reise zur Kennerschaft. Übrigens ist dieser Artikel ein Grund wieder mal in einen Roman von Martin Walser reinzulesen.
Die FAZ schlägt sich auch nicht so schlecht, wenn sie in dem Artikel von Gerhard Stadelmaier "Joachim Kaiser zum achzigsten. Reichtum und Reich eines Kritikers." über Kaiser schreibt, Arno Widmann in der Frankfurter Rundschau macht es eher schlechter in "Joachim Kaiser. Das alles kann Kritik!"

Insgesamt eine wunderbare Homage an Kaiser, wobei doch auch eine ketzerische Frage erlaubt sein dürfte: Warum ist das deutsche Feuillton bei den Geburtstagen von Schriftstellern, Kritikern und berühmten Professoren so freigiebig mit Seiten, Zeit, Informationen, Interviews und Wertschätzung- und räumt all dem so viel Raum ein- und vergisst manchmal ein wenig die Kunst selber. Denn viele Kunstkritiken scheinen nicht so viel Seiten, nicht zuviel Zeit, so viele Annäherung und Distanz, Abwägung und Wertschätzung zu erfahren. Aber wieder mal nur eine subjektive Meinung.
Denn wenn es wirklich anders wäre, würde das Feuillton vielleicht wieder so oft gelesen werden, wie es das bei solchen Texten zu Kaiser in der Historie immer wieder darstellt.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Ich tue was für die Konjunktur (und nicht nur den Konjunktiv)

Heute morgen schleifte mein Reifen so komisch, rechts vorne. Und selbst als Autolaie war mir klar, dass das nicht viel Gutes bedeuten konnte. Nun, ein Reifen hat sich ausgeblasen und geschnauft, und hing nur noch schlapp herum, wie ich ungefähr in den letzten Wochen Krankheit. Also schnell das Notrad montiert (was übrigens eine bescheidene Bezeichnung für das holprige Schubkarrenrad ist) und zur Arbeit. Danach zum Reifenhändler, der mir strahlend empfahl direkt alle Reifen zu wechseln. Ein Reifen wird nun als Slick in der Formel 1 eingesetzt, ein anderer hatte seltsame Beulen, die anderen beiden noch genug Profil für die Polizei, nur nicht für den Schnee. Immerhin das habe ich mir erspart. Und einen Reifenhändler habe ich auch noch glücklich gemacht, mit meinem Konjukturpacket für die Autobranche.
Dafür hoffe ich, dass meine Bank auch morgen noch strahlend lächelt oder ein Konjunktiv ihm das Lächeln erhält: Natürlich könnte ich das Geld sofort zur Bank bringen. Denn auch wenn die meisten Menschen diese heute nicht kennen, das ist ein Irrealis, was bedeutet, dass ich diese Möglichkeit ganz ganz sicher nicht ausschöpfen werde. Nur ob der Herr von der Bank das auch weiß?? Ich hoffe nicht...

Dienstag, 16. Dezember 2008

Die Gefahr des Plakats

In meinem Romanmanuskript muss ich gerade eine wichtige Entscheidung treffen, wieder einmal. (Und genau darauf hat mich Alexina in einem Kommentar hingewiesen). Meine Geschichte hat auf den ersten fünfzig Seiten genau den Moment zwischen Humor und Tragik, der eine Geschichte stark macht.
Und dann habe ich eine unglaublich starke Sequenz, sehr bildlich und verstörend, die aber vielleicht diesen Moment kippt. Ich überlege somit seit Wochen, wie ich mit dieser Sequenz umgehe: Denn "kill your darlings" würde einerseits passen, weil diese Sequenz in ihrer Gesamtheit nicht gut für das Gleichgewicht des Romans ist- und die Gefahr besteht, dass diese Stelle letztlich den Roman kippt. Und gleichzeitig ist diese Stelle so gut, dass ich es nicht übers Herz bringe, und seit Wochen nach einer Möglichkeit suche sie zu erhalten, indem ich die Szene anpasse, etwas vor- oder nachsetze, oder andersweitig das Gleichgewicht zurückbringe. Denn diese Stelle ist mehr als nur gut, vielleicht in der Gesamtheit mit das Beste, was ich je geschrieben habe.
Oder anders gesagt: Ich bin im Moment ziemlich im A****. Denn es gibt manche Entscheidungen, die man als Autor nur ungern trifft oder treffen möchte. Denn die Sequenz schmeichelt mir ordentlich, und ich weiß gleichzeitig, dass ich hier mehr als nur eine Ecke kürzen muss. Vielleicht muss ich sogar einige Motive rausnehmen, damit es nicht zuviel wird, die Sequenz noch weiter unterteilen und über den Roman verteilen.

Achhh... An solchen Tagen überlegt man sich wirklich, warum man je mit dem Schreiben angefangen hat. Das hat man etwas so Gutes, und doch muss mal es verändern, weil es notwendig ist. Da wäre es viel leichter, wenn die Sequenz nicht gelungen wäre.

Montag, 15. Dezember 2008

Michael Ende, Jemmy Button und Charles Darwin

In einem FAZ-Artikel zum Darwin-Jahr 2009 schreibt Julia Voss einen Artikel "Jim Knopf rettet die Evolutionstheorie". Es geht um einen Feuerländer, Jemmy Button, der als kleiner Junge bei einer von Darwins Expeditionen nach England verschleppt wurde, über die rassistischen Kinderbücher des Dritten Reichs, den Qual der Schule und die recht sicher scheinende Annahmen, dass Michael Ende eben nicht nur eskapistische Literatur geschrieben hat, sondern nur über bestimmte Dinge nicht gesprochen, aber geschrieben hat.
Wobei ich eines sagen möchte: Michael Ende wird immer eines meiner Vorbilder sein, weil er geschrieben hat, was er geschrieben hat, und nicht wegen einer möglichen Deutung.

Toller Artikel übrigens...

Persönlicher Austausch

Als Schriftsteller braucht man manchmal den Austausch mit Kollegen, ohne das ein Internet zwischengeschaltet ist. Weil man manchmal viel offener reden kann, wenn niemand mitlesen kann- und weil man auch eine persönliche Basis (weit über Foren hinaus) finden kann, die eben diesen Austausch besonders macht.
Deshalb haben sich einige Kollegen am Sonntag in Köln getroffen, ordentlich gegessen, und ganz viel über das Eine oder Andere gesprochen. Über was wir genau gesprochen haben, werde ich natürlich schweigen. Aber es war wie immer die Anreise wert und viel mehr als das.
Weil solche Treffen, unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungen manchmal unglaubliche Ideen produzieren und sehr hilfreich sind, wenn man noch eine Idee braucht... oder gerade Probleme mit dem Schreiben hat. Denn gerade die Probleme mit dem Schreiben werden bei solchen Treffen ein wenig geteilt, weil die meisten Autoren damit Probleme haben. Vielleicht der Grund, warum sie Autoren geworden sind.

Samstag, 13. Dezember 2008

Die Wege, die wir gehen,...

Manchmal muss man aufräumen, um seine Gedanken frei zu bekommen. Manchmal muss man an seiner Sprache arbeiten, um besser oder anders denken zu können. Manchmal über die Vergangenheit nachdenken, um eine Antwort in der Gegenwart zu finden. Manchmal muss man auch krank werden, um wieder gesund zu sein, irgendwann.

In den letzten Wochen habe ich 13 Kilo abgenommen, war ziemlich krank, und habe die gesamte Zeit entweder an meinem Uniabschluss gearbeitet oder es gerade nicht gekonnt. In dieser Zeit hat das Schreiben geruht und auch ruhen müssen- weil ich ganz einfach keine Gedanken dafür übrig hatte. Nun, ich hatte anderes gehofft und erwartet, aber die Dinge sind manchmal, wie sie sind- zumindest wenn man die Dinge nicht ändert oder nicht ändern kann oder will. Das soll übrigens nicht bedeuten, dass ich nun weniger für die Uni lernen werde. Ich werde mir nur Zeit für mein Schreiben nehmen, indem ich meine Gedanken ein wenig mehr bewahre. Zudem stelle ich eines immer wieder fest, wenn ich für die Uni arbeite... es ist unheimlich inspirierend und bereichernd für mein Schreiben, wenn ich mich in Texte und Bereiche einlese, wenn ich dort allerlei interessantes und abseitiges finde, und dann tiefer eintauche.

Ich habe wieder ein wenig zurückgefunden zu den Gedanken über das Schreiben, und arbeite gerade intensiv an meinen beiden Manuskripten. Vielleicht habe ich deshalb den Textauszug gepostet, weil ich wie immer ein wenig über Konstruktion und Komposition nachdenke (und nicht anders kann). Weil ich immer noch ein wenig an ein paar bestimmten Dingen zweifele, weil das Teil der produktiven und aktiven Arbeit an meinen Texten ist. Gleichzeitig habe ich aber meine Zuversicht in beide Manuskripte zurückgefunden, weil ich nun erkenne, wirklich erkenne, was sie können und was nicht, wo noch nachzuarbeiten ist und wo nicht.
Nur eine Frage kriege ich nicht beantwortet, seitdem ich diesen Roman angefangen habe, mein Zwischenleben. Was für eine Geschichte ich eigentlich wirklich erzähle und ob ich diese Geschichte so erzähle, wie sie erzählt werden sollte (, wenn jemand besseres als ich sie erzählen würde). Und wie ich das nennen soll?
Aber andererseits: Was solls. Es wird nicht so wie das üblich. Es wird sehr eigen, ein wenig wie ich meine Kurzgeschichten erzähle, ein wenig anders. Es ist manchmal überraschend, humorig, seltsam, befremdlich. Und es wird schwierig zu lesen sein, für viele Leser zumindest, und sehr anders, wie gesagt. Aber ganz meins.

Freitag, 12. Dezember 2008

Wie ein Interview auch sein kann. Das SZ-Magazin und Joachim Kaiser

Heute kann man im SZ Magazin ein von Georg Diez und Dominik Wichmann mit Joachim Kaiser geführtes Interview "Ich weiß, dass ich sterben muss. Und zwar relativ bald." finden, und man sollte es finden. Denn die beiden SZ-Autoren sprechen mit einem der großen (alten) Feuilltonisten, der nicht nur über Hochkultur, die Gruppe 47, Ironie spricht, sondern auch über das Leben, das Leben als Feuilltonist und über die Bedeutung vieler Dinge.
Manchmal findet man wahre Schätze in der Zeitung, man muss halt nur suchen.


Nachreichungen:
Wenn man einen Schatz findet, dann findet man manchmal mehr als nur einen: Aus der Süddeutsche: Fritz J. Raddatz gratuliert Joachim Kaiser in dem Artikel. "Kopf schräg gelegt, das Rückgrat gerade. Zum 75. Geburtstag von Joachim Kaiser."

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Das Geld liegt in der Schule. Über die Jugendliteratur...

In der Welt hat der Journalist und frühere Schulbuchautor Alan Posener vor einigen Tagen den Artikel "Fritzi und Lexi. Anne C. Voorhoeve und das Elend der Jugendliteratur" veröffentlicht. (Posener ist übrigens auch Mitglied/ Mitstreiter im Webblog "Die Achse des Guten"). Besonders interessant an diesem Artikel ist die Argumentation Poseners über die Jugendliteratur selber. Aber von Anfang an:

Anne C. Voorhoeve hat sich in ihrem Roman "Einundzwanzigster Juli" dem Phänomen der Sippenhaft vorgenommen, die die Familien (und Kinder) des militärischen Widerstands nach dem Attentat des 20. Juli 1944 erlitten haben. Ein, wie Posener findet, wahnsinnig spannendes Thema aus der NS-Zeit, dass einen nahezu genialen Ansatz für einen Roman über den Widerstand bietet. Posener bemängelt, dass die jugendliche Hauptfigur Fritzi ziemlich blass bleibt, weil sie eben nicht wirklich am Anfang als überzeugte Nationalsozialistin dargestellt wird, wie von der Konstruktion des Romans verlangt, weil dies nicht in einen "pädagogisch wertvollen Erbauungsroman" hinein passen würde. Zudem würden die Änderungen der Namen, aus "Schenk von Stauffenberg" zu "von Laulitz" das Lesen deutlich erschweren.
(Da ich den Roman nicht gelesen habe, werde ich dazu nicht Stellung beziehen (können), weshalb meine Äußerungen zum "päd. wertvollen Erbauungsroman" auch nicht auf Voorhoeve zielen oder sie kritisieren sollen.)

In seiner Kritik verwendet Posener aber die Kritik an Voorhoeve, um den "pädagogisch wertvollen Erbauungsroman" anzugreifen. Zitat: "Die Adoleszenz ist eine ziemlich unangenehme Sache, irgendwo zwischen Kindheit und Erwachsensein. Diese Zwischenzeit hat viele Schrecken. Zu den schlimmsten gehört der Jugendroman. Der Jugendroman ist eine Erfindung, die junge Menschen davon abhält, sich Erwachsenenliteratur gerade in dem Alter zuzuführen, da man sie am nötigsten braucht, um selbst erwachsen zu werden und die Welt der Erwachsenen zu verstehen." Posener kommt auf den eigentlichen Kern seiner Ausführungen, wenn er auf die "pädagogisch wertvolle Erbauungsliteratur" verweist, die er am Beispiel des Romans "Einundzwanzigster Juli" von Anne C. Voorhoeve durchexerziert. "Pädagogisch wertvolle Erbauungsliteratur", so Posener, bietet "einen jugendgemäßen Zugang zum "Stoff". Sie g[ibt] Anlass zum fragend-entwickelnden Unterrichtsgespräch, in dem die anschaulich dargelegte Problematik vertieft werden kann. Sie ha[t] mit Literatur so viel zu tun wie Schulbuchillustrationen mit Kunst."

Im Prinzip greift Posener damit auf eine Diskussion seit den 60er Jahren zurück, wo bestimmten Autoren "Eskapismus" vorgeworfen wurde, wenn ihre Texte eben keinen moralischen Impetus enthalten haben. Dieser Literatur wurde die "pädagogisch wertvolle Erbauungsliteratur" entgegen gestellt. "Pädagogisch wertvolle Erbauungsliteratur" geht davon aus, (meiner Meinung nach) dass Jugendliche eben irgendwie verwirrte, nicht ganz zurechnungsfähige Halberwachsene/ defizitäre Erwachsene sind, die "richtige Bücher" nicht verstehen würden. Wenn man Jugendliche so sieht, dann benötigt diese klare Wert- und Lebensvorstellungen in der Erbauungsliteratur und eine klare Moral oder Deutung, damit Jugendliche den richtigen Entscheidungen folgen, statt selber welche zu treffen. Letztlich handelt es sich somit um ideologische Literatur, die den Leser bevormundet. Um dieses Ziel zu erreichen, darf man die Jugendlichen nicht mit den Texten herausfordern oder literarische oder anspruchsvolle Texte für Jugendliche schreiben: Dementsprechend werden diese Romane bis ins Kleine mit Identifikationsfiguren, entkomplizierten Strukturen und Hintergründen, mit klaren Trennungen gut-böse und mit vereinfachten Sätzen aufbereiten muss.

Wenn Posener nun die Jugendliteratur dieser Prägung angreift, dann u.a. genau deshalb, weil die Jugendlichen eben nicht selber urteilen sollen, selber Entscheidungen treffen, sich mit einem Thema beschäftigen, sondern ein Konvolut von Ergebnissen vorgehalten bekommen, zu dem sie eingeladen werden zu nicken. Im Buchhandel werden diese Jugendromane übrigens meistens an Eltern oder Verwandte, bzw. in Klassensätzen an die Schulen verkauft. Denn Jugendliche haben ein gutes Gespür für Bücher, in denen der Autor sie als Leser ernst nimmt, und im Prinzip über den Verlauf des Romans mit ihnen vielschichtig über ein Thema diskutiert, statt ihnen einen moralischen Impetus anzuhängen, der an-sich meistens ziemlich unspannend ist.
"Eskapismus" ist da viel spannender, und wenn man sich besonders gelungene Romane dieser Art ansieht, z.B. halbwegs aktuell Cornelia Funke mit "Tintenherz", "Tintenblut" und "Tintentod", dann handelt es sich um Texte, die gerade unser Leben durch eine andere Sichtweise diskutieren. Dabei wird den Lesern eine Sichtweise vorgestellt, meistens mehrere, interessante Fragen aufgeworfen, aber die Antworten müssen die Leser selber finden- was für Erwachsene übrigens bei Cornelia Funke auch ein großes Vergnügen beinhaltet.

Aber eines kann man mit Eskapismus nicht erreichen: Jedes Jahr seine Bücher in vielfachen Klassensätzen in die Schule zu bekommen, dazu passende Verfilmungen, die über vorbereitete Arbeitsmaterialien für die Lehrer (Deutung, Stundenaufbau, Fragen) und über das verwandte Themen verkauft werden und zwar an die Lehrer. Ein ziemlich gutes Geschäft für die Autoren (und die anderen Beteiligten), ein moralisch einwandfreies übrigens auch, wenn man ein etwas seltsames Bild von Jugendlichen hat.
Und das ist genau das, was mir an diesen Büchern am meisten Angst macht- dieses Bild vom verwirrten nur halbzurechnungsfähigen Jugendlichen, der unbedingt belehrt werden muss...

Dienstag, 9. Dezember 2008

Ausschnitt aus meinem Roman...

Irgendwie habe ich heute geträumt, dass ich diese Stelle posten soll. Also gut...

(Aus meinem Romanmanuskript den Anfang des 9. Kapitel... Eine literarisch verarbeitete Traumsequenz).


Wenn sie träumen, sind die meisten Menschen immer noch sie selbst. Ich nicht. Ich stehe oft vor einem Reihenendhaus, Flachdach, zweistöckig, keine Klinker, weiß getüncht und betrachtete die große Bronzetür, die nur angelehnt ist. Und stehe neben mir, und das gleich mehrfach.

„Laura, komm rein!“
Das ist die Stimme meiner Mutter, oder zumindest die Erinnerung an ihre Stimme.
Ich spüre meine Tränen, draußen im sorgsam geordneten Garten, der Buchsbaum zu einem Chupachups geschnitten, Kreise aus Gartenerde um die einzelnen Pflanzbereiche, kein Unkraut, nirgends. Weil ich wieder hier bin, bei ihr, aber auch bei ihm. Selbst in meinen Träumen bin ich zerrissen.
„Komme.“
Irgendwo von der Straße meine Stimme, irgendwie verzerrt, wie von einem Tonband. Und dann sehe ich mich auch schon, ein Sommerkleid mit Sonnenblumen, hoch gerafft, darunter Sandalen, und renne auf mich selber zu. Ich bin vielleicht fünf oder sechs, klein, und habe eine Haarspange im langen Haar.
Meine Mutter steht vor dem Fenster, und sieht zu mir, dem anderen ich, ich spüre es. Und kann sie doch nicht wirklich sehen, weil ihr Gesicht in meinen Erinnerungen irgendwie verwaschen ist.
Das kleine Selbst bleibt beim Jägerzaun stehen, und steigt darüber, dort, wo die Rosenbüsche meiner Mutter ungünstig stehen, um den Weg zum Tor abzukürzen. Ich höre ein Ratschen, als das Kleid am Holz hängen bleibt. Dann ist sie wieder verschwunden, mein kleines Selbst, mein weinendes Selbst. Und ich gehe zu der nur angelehnten Tür. Für den Riss habe ich eine mächtige Ohrfeige bekommen, damals.

Die Tür öffnet sich quietschend und ich stehe in dem kleinen Flur, indem rechts eine Treppe hinauf zu den Schlafzimmern führt. An der ganzen Wand hängen die Bilderrahmen meiner Mutter, Bilder von Judith und mir, ihr, Papa. Der Zoo Hagenbeck mit der langen Plastikrutsche auf dem Spielplatz, das Elefantenhaus. Judith steht irritiert vor dem Gorillagehege und sieht uns fragend an, weil ein Gorilla direkt vor der Scheibe steht und sie imitiert.
Ich stehe bei Tante Ruth, die ein wenig wie ich aussieht, heute, zumindest. Irgendwann ein paar Monate, bevor sie sich auf dem Dachboden erhängt hat. Tante Ruth lächelt bleich, so wie sie sie später aufgebahrt haben.
Daneben meine Mutter, beim Zelturlaub in der Bretagne, regenschweres Wetter, düsterer Himmel, und meine Mutter sitzt auf ihrem Stuhl vor dem Zelt und liest ihr Buch. Sie lächelt nicht, sie lächelt eigentlich nur in ihrer Küche, aber sie hat diesen leicht angestrengten Blick, den sie oft hat. Neben ihr steht Papas Kasten Bier. Einen Tag waren wir da, und die meisten Flaschen waren schon leer, sogar den Blutverdünnungskorn von meinem Großvater.

Auf einmal beginnen die Bilder sich aufzulösen, erst grau zu werden, dann langsam ins Nichts überzugehen, mit ihren Rahmen, bis Mama, Tante Ruth und ich ausgelöscht sind. Es riecht nach Schweiß, wie es oft bei uns gerochen hat, und nach Alkohol und Scheiße. Und überall kommen nun neue Photos aus der Wand und auf allen ist Judith zu sehen. In den seltsamen Bikiniphotos aus dem Urlaub in Italien, in Sportsachen, weil sie immer die sportliche war, mit ihren Ehrenurkunde, Bildern von Pokalgewinnen. Im Abendkleid, bei der Konfirmation und ihrem Kostüm von der Schulaufführung Shakespeare, Julia natürlich, was sonst.

„Liest du mir eine Geschichte vor?“
Judith sitzt oben an der Treppe, und sie hat diese furchtbaren rosa Prinzessinnensachen an, die Papa ihr immer gekauft hat, als sie klein war. Sie hält mir die „Wilden Kerle“ hin. Aber mich meint sie nicht, zumindest mich mich. Sondern das mich neben mir, vielleicht zehn, mit einer kleinen Narbe neben dem Auge und einem anderen Buch in der Hand.
„Kann Papa das nicht?“
Weil Papa ihr immer vorliest, eigentlich. Wie er immer nur zu Judith kam, zu mir nicht und nie. Außer um mich zu bestrafen.

Ich höre ein Stöhnen von oben, und dann ein Weinen von unten. Und Judith und Laura verschwinden, mit den vielen wilden Kerlen. Als ich die Glastür ins Wohnzimmer aufschiebe, kann ich die leeren Vodkaflaschen sehen, die aufgeschlagenen Photoalben. Also muss Mama weg sein, jetzt, in diesem Teil des Traumes, und Papa nicht mehr zurechnungsfähig, der Tisch vollgekotzt und auch der Boden. Judith hockt am Boden und weint, eine ältere Judith, ein dunkelrosa Glitter T-shirts. Neben mir komme ich durch die Tür, nur jünger.
„Er ist krank.“
Sie nennt es immer so, und weiß doch, dass es gelogen ist.
„Klar,“ sage ich. Denn Papa säuft solange weiter, bis alle erweiterten Funktionen des Körpers weg getrunken sind und nur das grundsätzliche bleibt. Das ist mit krank untrennbar verbunden, weil sein Magen und sein Darm das Trinken nicht mehr aushalten.
„Laura!“
Wenn mein Vater mich gerufen hat, klang es immer wie eine Verwünschung. Ich bin fünfzehn und kann meine dunklen Ringe unter den Augen erkennen, die zitternden Hände, und die verborgenen Tränen. Weil ich auf meine Schwester aufpassen musste, und mein Vater ein übellauniges, krankes Kleinkind war, kotzen, scheißen, krabbeln, fressen, weinen und an sich herumspielen. Nur das er zu stark für ein Kleinkind war, viel zu stark.
„Gehst du bitte!“ Sagt meine Schwester.

Montag, 8. Dezember 2008

Schattenkünstler!- Eine Polemik

Manchmal kann man als Schriftsteller in Deutschland nur polemisch werden....

Es ist das tragische Schicksal eines Schriftstellers manchmal die Werke eines Kollegen in die Hand zu nehmen, leise zu seufzen, das Buch beiseite zu legen und dann einige Stücke Küchenkristall zu zerschmeißen.
Und nein, ich meine nicht damit den wunderbaren Zauber, wenn man einen Roman entdeckt, von dem man gewünscht hätte ihn selber geschrieben zu haben und auch nicht das Entsetzen, wenn man in einem Roman einige Ideen entdeckt, an denen man selber arbeitet. Nicht einmal das unaufgeräumte Gefühl, dass man gerade seine Zeit mit einem Roman vertan hat, der einen guten Leseeindruck auf einmal unwiderbringlich zerstört hat wie bei mir Zafons "Der Schatten des Windes" nach dem wundervollen Anfang. Ich rede von der wirklichen Wut, die ich als Autor und Leser manchmal empfinde, wenn ich in einem Buch kein Buch gefunden habe, sondern zusammengepresste Sprachlosigkeit, aufgefüllt mit Versatzstücken, Redewendungen. Wenn das Buch nur der Schatten eines wirklichen Buches ist, und man mich mit dem Titel Roman belogen hat.

In den letzten Jahren gibt es bei den Autoren solche Schattenkünstler, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben einen Roman zu simulieren. Simulieren, weil ihre sprachlichen Mittel letztlich nur für die Übernahme einfacher Versatzstücke und Redewendungen ausreichen und sie nie in der Lage sind das auszudrücken, was sie eigentlich sagen wollen. Es gibt keinen Rhythmus, es gibt in diesen Texten kein Leben, alles ist zusammengegleistert aus dem üblichen. Es gibt keine Überraschungen, keine sprachlichen Glanzpunkte, alles folgt erbarmungslos dem Schattendasein, alles ist Abbild von einer Fiktion (die im schlechten selber Abbild ist, im guten aber weit mehr).
Es erscheint unsinnig solche Bücher zu veröffentlichen, denn es gibt diese anderen, richtigen, wirklichen Bücher. Aber es wird gemacht. Ich habe in den letzten Jahren immer mehr solcher Schattenbücher gefunden, bei allen möglichen Verlagen. Als hätten sich dort Programmleiter, Lektoren, Marketingmenschen mit den Schattenkünstlern verbunden, um den Buchmarkt mit ihren Machwerken zu verwirren, die Sprache zu verhüllen und zu dekonstruieren, genau wie das Schreiben.

AhhhhhhH!

Sonntag, 7. Dezember 2008

Über die Zusammenhänge

Wenn über die momentane Finanzkrise gesprochen wird, dann wird viel überlegt, wie es zu einer solchen Krise kommen konnte- die darüber hinaus auch zu einer Krise der Manager, des Kapitalismus oder zu einer Systemkrise überdreht wird.

Die Banken und Zentralbanken (und darüber der Staat) haben es anderen Banken enorm billig gemacht Geld auszuleihen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Dieses Geld musste natürlich in Geschäfte angelegt werden, damit man mehr als die extrem niedrigen Zinsen der Zentralbank einnehmen konnte. Die meisten Firmen machen jedoch nur kleine Gewinne. Deshalb wurde im großen Umfang Geld in den Spezialmärkten des Finanzwesens investiert, ob nun die Rohstoffmärkte, in die Wettgeschäfte mit Zertifikaten oder in der Bündelung von Risiken. Ganz einfach, weil dort Gewinne eingefahren werden konnten, die deutlich über den normalen Gewinnen aus anderen Bereichen lagen- und damit auch enorme Bonuszahlungen für die Investmentbanker und die Vorstände der Banken erzeugten. Eine Kontrolle der Banken bzw. eine wirkliche Risikobewertung fand jedoch nicht statt- die "Ratingagenturen" haben sich genauso verschätzt wie die meisten Bilanzprüfer, die Aufsichtsräte und mehr- es gab aber jede Menge warnende Stimmen.

Wie bei allen Krisen war es jedoch nicht die eigentliche Situation, der Wunsch nach hohen Renditen, die letztendlich den Zusammenbruch des Marktes verursacht hat. Die wichtigen Grundpfeiler dieser Krise ist die Situation der US-Wirtschaft bzw. des Staates: Das Land ist nicht nur im hohen Maß verschuldet, importiert seit Jahren wesentlich mehr Güter, als das Land exportiert (Handelsdefizit) und seine Verbraucher sind vielfach überschuldet, da viele Investitionen nur über Kredite finanziert werden.
Einige Hypothekenbanken in den USA wollten es jedem Verbraucher ermöglichen, ein eigenes Haus zu kaufen und haben Hypotheken an Menschen herausgegeben, in einer Boomphase des Häusermarktes, die diese nicht auf Dauer bedienen konnten. Nach 10 Jahren und etlichen Preissteigerungen in den USA, darunter auch die steigende Rohstoffpreise, konnten immer mehr dieser Hausbesitzer die Hypotheken nicht bezahlen und ihr Haus wurde zwangsversteigert. Deshalb fielen die Häuserpreise und inzwischen sind die Hypotheken oft höher als der aktuelle Häuserwert.
Als dieser Markt gekippt ist, waren auf einmal 500- 800 Mrd € weg, und damit begann die eigentliche Krise. Die übrigens nur Globel war, weil die Hypothekenbanken das Risiko nicht behalten haben, sondern verschiedene Kredite zu einem Paket gebündelt und weiterverkauft haben. Und diese Kredite wurden immer wieder zerschnitten und weiterverkauft, bis die gesamte internationale Finanzwelt betroffen war.
Als Folge der Krise wurden dann die Geldmittel so knapp, dass mehr Geld in den Markt gepumpt werden mussten, damit zumindest die Firmen (also die reale Wertschöpfung) davon nicht betroffen ist.

Wenn man dies alles zusammennimmt, dann ist das Versagen wunderbar zwischen Staat, Finanzwelt und Sparern verteilt, weil alle sich an diesem Spiel beteiligt haben. Der Staat hat das Geld zu billig gemacht, die Finanzwelt die Risiken (die seit Jahren bekannt sind) ignoriert, weil sie wussten, dass die Beteiligten längst weg sind, wenn die Blase platzt, und die Sparer, die immer höhere Risiken eingegangen sind (z.B. Zertifikate und Aktien) bzw. Dinge auf Pump gekauft haben, die sie nicht bezahlen konnten.

Das tragische an der Situation ist, dass nur ein kleiner Teil der Beteiligten bei Staat, Finanzwelt, Unternehmen und Sparern wirklich die Zusammenhänge kannte und wirklich verstanden hat, was er da macht. Ein Großteil der Beteiligten hat etwas gemacht, was er nicht wirklich verstanden hat, was sich aber gut anhörte. Und selbst die, die wussten was passiert, haben nicht gewarnt- wie eigentliche fast alle Warninstanzen versagt haben.
Somit ist es keine Krise des Systems, keine Krise der Manager, keine Krise der Warninstanzen.... Sondern eigentlich eine Krise des Verstehens. Denn wie kann man ein Geschäft machen, das man nicht annähernd versteht und dabei ein so hohes finanzielles Risiko eingehen??

Samstag, 6. Dezember 2008

Antwort auf Marco

Marco hat in seinem Blog einen Rettungsplan für Literatur aufgestellt, und schlägt die Gründung eines Verlages vor, bei dem mutige Bücher veröffentlich werden (die zu erwartenden Verluste werden verteilt), weil die Risikobereitschaft der meisten Verlage in den letzten Jahren daraus besteht, die Bastelanleitungen mehrerer Bestseller immer wieder als Bauform für neue Texte zu verwenden.

Ich halte diesen Weg nicht für sonderlich erfolgsversprechend, weil Literatur Vermittlung und Vermittler braucht, die das aus Überzeugung machen, nicht auf Basis gesetzlicher Grundlagen. Zudem sind die Erfolge einer vom Staat geplanten Wirtschaft eher überschaubar sind. Deshalb habe ich einige Gegenvorschläge gesammelt.

Ich bin eher dafür, dass der Verkauf von Wohnzimmerschränken gesetzlich mit dem Einkauf einer bestimmten Anzahl repräsentativer Bücher verbunden wird: Also dass neben den zwei Grass, dem Walser und Borcherts Gesamtwerk noch 15 Romane dieser Art gekauft werden müssten- vielleicht aus einer farblich geordneten Liste (Farbe der Bücher, Größe, Einband,....) Man könnte das an der Größe des Schranks und dem Preis festmachen. Dann würden mehr dieser Bücher verkauft und vielleicht auch gelesen. (Wenn ichs sonst rumstehen habe und bezahlen muss...)

Ein anderer Vorschlag wäre bei der Hausisolierung gewisse Baustoffe zu verbieten und statt dessen mit Papier (und Hochliteratur) zu dämmen- was ja schon mit Remittenden gemacht wird. Dann würden viele Menschen im Winter mit wohligen Gefühl an Hochliteratur denken und sagen: Der Grass taugt doch etwas. Und man könnte speziell für diesen Markt produzieren...

Ein anderer Vorschlag wäre in Krankenhäusern, in Gefängnissen und an anderen Orten, wo Menschen nicht einfach weglaufen können, die Lektüre bestimmter Texte verbindlich zu machen: Als Gegenleistung für Nahrungsmittel, Medikamente und andere notwendige Dinge. So würde Literatur den Menschen als Lebensnotwendigkeit auffallen und einen besonderen Wert in ihrem Leben erlangen.

Aber mal ganz ernsthaft:
Statt zu zwingen, sollte man versuchen zu überzeugen... und zwar alle Seiten. Und Überzeugungstäter gibt es genug, man sollte vielleicht sich nur gegenseitig unterstützen.

Freitag, 5. Dezember 2008

Jackson Pollock oder die "Moderne Malerei"- auf Nachfrage

Nun, die meisten Menschen sind sich heute völlig einig, dass die "Moderne Malerei" eigentlich ziemlich willkürlich, langweilig und uninteressant ist, denn schließlich fehlt ihr das Gegenständliche eines Rubens oder Rembrandts, eines Michelangelos oder Raffaels. Dabei vergessen die meisten, dass die "Moderne Malerei" bereits Mitte des 19. Jh. anfängt. Das Vincent van Gogh eben einer der Vorgänger dieser Malerei ist, weil er nicht gegenständlich oder nicht nur gegenständlich gearbeitet hat, sondern mit bestimmten Techniken wie Pinselführung/ Pinselstrichen oder der Farbwahl vom eigentlich Subjekt der Malerei damals abgewichen ist.
Ergänzt man dann die übernatürlichen Farben von Gauguin, die Entscheidung der Impressionisten den Moment als Gegenstand der Malerei zu verwenden, dann bleibt die beginnende "Moderne Malerei" jedenfalls unproblematisch. Denn die meisten Menschen kennen Monet und Manet, haben schon einmal einen Degas, einen Renoir oder ein Bild eines der Urväter der Moderne, einen Paul Cezanne, gesehen, entweder als Orginal oder als Kopie oder Druck. Und ganz intuitiv verstehen sie das Konzept hinter dieser Malerei.

Dieser Bruch zwischen den Betrachtern und den Malern fängt im eigentlichen Sinne mit den Richtungen danach an, die sich weiter von den direkten Sinneseindrücken des Betrachters entfernen und hingehen zu bestimmten Sichtweisen, Spiegelungen, Übertragungen, die eben nicht mehr Gegenständlich sind.
Dabei ist es ein Solitär, gleich in vielen Weisen, der heute ein Symbol für diesen Bruch ist: Picasso. Durch seine Bearbeitung unterschiedlicher Materialien, durch die erkennbaren Übergänge in seinen Bildern zwischen verschiedenen Richtungen und Sichtweisen, steht Picasso heute noch als eine Art Überfigur da. Was nicht die Bedeutung von Zeitgenossen von Picasso verkleinern soll, die wie z.B. Braque (einem seiner Weggefährten) oder den Expressionisten wie Kandinsky, Macke und Marc oder Paul Klee wichtige Beiträge zur "Modernen Malerei" beigetragen haben.
Dabei entstanden die Ideen für die neuen Sichtweisen der Malerei, die neuen Herangehensweisen und Betrachtungsweisen des Gegenständlichen und darüberhinaus, des Nichtgegenständlichen, aus vielen Quellen- die eben nicht nur aus der Malerei stammen. Der Kubismus enthält z.B. die Idee, dass Gegenstände eben nicht nur aus einer Sichtweise zu betrachten sind, sondern jeder Gegenstand unterschiedliche Betrachtungsweisen beinhaltet. Der Expressionismus ist einerseits der Versuch eine Betonung des Betrachteten vorzunehmen, als Dinge hervorzugehen und andere zu vereinfachen, zu reduzieren.
Die meisten Menschen finden nicht zu allen diesen Richtungen einen Zugang, bzw. verlassen sich auf die Kunstgeschichte, Wertangaben oder ähnliches, um nachzuvollziehen, warum ein Maler groß ist. Denn manche Werke sind einfacher zu erschließen, man findet einen Zugang, während bei anderen Werken eben dieser Zugang fehlt- was auch auf einzelne Künstler zutrifft. Denn diese Kunst braucht manchmal eben eine Erklärung.

Und dann kommt ein weiterer, großer Bruch in der "Modernen Malerei" und auch in diesem Fall hat er einen Namen: Jackson Pollock, hier mit einigen Bildern auf der englischen Wikipediaseite, darunter ist auch das Bild Jackson Pollock "One: Number 31, 1950". Ich habe irgendwann über den wunderbaren Film "Pollock" von Ed Harris über Jackson Pollock geschrieben, indem Ed Harris zeigt, wie Jackson Pollock sich über eine Vermischung der Stile (Expressionismus und "Ecriture automatique") irgendwann in der Abgeschiedenheit dazu kommt das Gegenständliche vollständlich aus seinem Werk zu verbannen. Jeder Künstler muss seinen Weg finden seine Gegenwart mit den Mitteln seiner Zeit zu beschreiben, so etwas ähnliches hat Pollock gesagt.
Natürlich hat man zuerst seltsame Assoziationen, wenn man sich Jackson Pollocks Bildern nähert: Es sieht manchmal willkürlich aus, dahin gekleckst. Aber wenn man näher an das Bild herangeht, und weiter entfernt, die Konsistenz der Farben auf der Leinwand, die Schichtungen ansieht, wie die Farben verlaufen, dann die Farben betrachtet, ein wenig ehrfürchtig (wie Farben es verdienen), zurücktritt, dann nähert man sich über die Bewegung und das Betrachten dem Bild an. Und dann kommt irgendwann der Moment, wo man erkennt, dass diese Bilder eine solche Kraft haben...
Das Geheimnis von Jackson Pollocks Gemälden ist, dass man den ersten Eindruck abwarten muss, sich intensiv in das Gemälde versenken, um dann in sich zu fühlen, was man bei der Betrachtung seiner Gemälde spürt und fühlt, woran man denkt, was in diesen Gemälden enthalten ist. Sozusagen ist es die Hinführung des Betrachters zu sich selbst, mittels der Komposition.

"Moderne Kunst" bedeutet, dass man sich von den Positionen der Vergangenheit trennen muss und sich für etwas Neues öffnen. Es geht darum die eigenen Sichtweisen zu hinterfragen und sich anzusehen, was zu betrachten ist: Etwas Gegenständliches oder etwas in den Menschen selber. Die Mittel sind dazu da die Positionen der Vergangenheit in Frage zu stellen und einen neuen Zugang zu der Zeit über die Kunst anzubieten. Deshalb ist es so Schade, wenn viele Menschen sich diesen neuen Zugang nicht erlauben oder es gar nicht versuchen. Ganz einfach, weil es, wie bei Pollock, eine enorme Bereicherung sein kann.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Deutsch ins Grundgesetz, sagt die CDU

Thomas Steinfeld hat in der Süddeutschen Zeitung darüber folgenden Artikel geschrieben; "Deutsch im Grundgesetz. Land der Dichter und Lenker." Dabei sind seine Argumente genau das nicht zu tun, eine Hommage über unsere Sprache, ihre Lebendigkeit und ihre Entstehung, genau wie sie in gewisser Weise auch eine witzige Belehrung an unsere Politiker.

Wer in einem Grundgesetz oder einer Verfassung hinschreibt, welche Sprache in einem Land zu verwenden ist, der macht nur eines deutlich: Das dies in diesem Moment eben nicht so ist bzw. das man eine andere Sprache unterdrücken möchte. Denn welchen Sinn sollte es sonst haben die Sprache in die Verfassung aufzunehmen, die in dieser Sprache geschrieben ist, und die Amtssprache in unserem Land ist??
Der einzige Grund daneben wäre also Patriotismus, also eine besondere Liebeserklärung an unsere Sprache- was ja an sich nicht schlecht wäre. Nur gelten Politiker mit ihrem Politikersprech nicht gerade als vorbildliche Sprecher dieser Sprache, ich verweise auf der Phrasengeschwubbel, die Eihülsenaufblaserei und die verklemmte Behördensprache. Man kann eine Sprache aber auch lieben, wenn man sie so schlecht behandelt... das bin ich mir als Schriftsteller nur zu bewusst.
Wobei ich mich eines frage: Wenn man das wirklich machen sollte, dann warte ich darauf, dass man vielleicht noch ergänzt "nach der neuen Rechtschreibung" bzw. "nach der alten Rechtschreibung", wobei dann die CSU wohl bestimmte bayrische Schreibungen herausnehmen lassen würde.

Aber ich fange an mich über den Vorschlag lustig zu machen, was ich gar nicht möchte. Ich rate den lieben Politikern mal die Süddeutsche aufzuschlagen, dort den Artikel nachzulesen und sich zu überlegen, ob andere Probleme in Deutschland nicht sinnvoller zu lösen wären, als die Zeit mit patriotisches Geschwurbel um die Sprache zu verbringen. So etwas wie Finanzkrise, überfällige Reformen wie im Steuerrecht usw.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Die Pause ist vorbei

Wer sich in den letzten Tagen mal in meinen Blog oder bei Montsegur vorbeigeschaut hat, versucht hat mich per Mail oder Telefon zu erreichen, wird bemerkt haben: Ich war abwesend, gleich auf verschiedene Wege.
Als großer Freund des Method Acting, hier ein Blogartikel zum Method Acting (im Bezug auf die Figurenentwicklung), habe ich mir vorgenommen Krankheiten intensiv zu recherchieren. Zwei (-Ich betone zwei) Erkrankung boten mir gleich doppelt die Möglichkeit dazu, doppelt, weil ja so doppelt so viel in der gleichen Zeit recherchiert werden konnte. Internetzugang war in dieser Zeit durch meinen Aufenthaltsort nicht möglich. Und um nicht weiter auszuholen... Die Recherche war echt anstrengend, und die ganzen körperlichen Erfahrungen sicherlich inspirierend, wenn ich mal wieder richtig klar sein sollte.