Dienstag, 30. September 2008

Einige Gedanken zur Frage "Was braucht ein erfolgreicher Romanautor?"

Im Autorenforum Montsegur gab es vor einigen Monaten eine längere Diskussion über messbaren Erfolg. Die meisten Autoren haben messbaren Erfolg vor allem an den Verkaufszahlen (und damit auch finanziellem Erfolg) festgemacht, da viele andere Erfolge nicht messbar sind. Wie könnte man auch einen Roman objektiv und messbar bewerten, wenn das scheinbar nicht einmal der Literaturkritik oder dem Universitätsbetrieb gelingt? Und so werden andere Erfolge ausgeblendet, die für die persönliche Arbeit genauso wichtig sind: Denn nicht alle Autoren reduzieren ihren Erfolg auf den Umfang ihrer Geldbörse, auch wenn dies sicherlich auch ein schöner Erfolg ist. Manche Autoren betrachten sich sogar als Künstler, und versuchen sich somit mit ihren Texten an eine eigene Idealvorstellung eines künstlerischen Erfolges anzunähern.
Und es gibt durchaus Maßstäbe für diesen künstlerischen Erfolg, die aber für einen Autor meist nur über die inner Stimme und Subjektivität festzustellen sind, und über die Rückmeldungen z.B. durch den Feuillton und Leser. Und auch wenn viele Autoren etwas anderes behaupten, im Feuilleton gibt es wunderbare Literaturkenner, die künstlerische Entwicklungen und Erfolge durchaus beurteilen und bewerten können. Nur sind diese Kritiken eben oft nicht in einer Liste abhakbar und somit für jeden nachvollziehbar. Denn um eine wirkliche Literaturkritik zu schreiben, ist es nötig über Geschmack zu verfügen. (Und noch ein Grund auf einen schönen Artikel aus der Welt zu verweisen: "Anmerkungen zu Haffner" von Jacques Schuster, in dem Schuster Aussagen des berühmten Historikers und Publizisten Sebastian Haffner über den Unterschied zwischen Geschmack und Weltanschauung wunderbar zusammenfasst). Für einen guten Roman ist es übrigens ähnlich: Man muss auch über Geschmack verfügen.

Nun, wenn man sich in den letzten Jahrzehnten den Literaturmarkt ansieht, vor allem den Markt für die schöne Literatur, dann gibt es Texte, zu denen man einfach einen Zugang findet, und Texte, die es dem Leser schwer machen einen Zugang zu finden. Dabei wird für die meisten dieser Texte eben Geschmack benötigt, der durch die Lektüre anderer Texte dieser Art nach und nach gebildet wird. Deshalb ist der Markt für schöne Literatur auch in den letzten Jahren kleiner geworden, als der Markt für leicht zugängliche Literatur- denn den eigenen Geschmack zu schulen, benötigt Zeit. Und in einem Zeitalter leichter Ablenkung erfordert es Willen, den eigenen Geschmack zu schulen.
Deshalb ist es auch so, dass ein Roman dieser Art sich einen Markt schafft. Denn "gute Künstler kopieren, große Künstler stehlen" wie Pablo Picasso einmal gesagt hat (Hier mein Blogartikel dazu). Das bedeutet in diesem Fall nichts anderes, als dass viele Künstler letztlich den Geschmack des Lesers benötigen, ihn aber nicht weiter strapazieren. Denn sie entwickeln sich künstlerisch nicht über ihre Vorgänger hinaus und gehen in einen bereits existierenden Markt.
Es ist nur nicht ein Markt, der auf ihren Roman gewartet hat, denn einen solchen Markt gibt es in der Literatur nicht. Es gibt nicht die Notwendigkeit jede Woche ein Buch zu lesen, damit man überleben kann (auch wenn ich das für mich fast behaupten würde... denn es gibt auch geistigen Hunger). Somit muss ein Buch sich seine Leser suchen, und dabei helfen die Verlage, das Feuillton und die Kritik, die Buchhandlungen und Buchhändler, sie sind im eigentlichen Sinne keine Verkäufer, sondern Vermittler. Nur haben das viele Verlage und Buchhandlungen in den letzten Jahren einfach vergessen.
Somit gibt es Bücher, und es gibt Menschen auf der Suche nach Büchern, aber keinen Markt. Deshalb schafft erst das Buch diesen Markt, indem es Menschen überzeugt es zu vermitteln und zu kaufen, und nun diese Leser überzeugt das Buch weiter zu vermitteln. Der Erfolg des Buches ist seine Fähigkeit andere dazu zu bringen, es zu vermitteln.

Bei künstlerisch anspruchsvollen Büchern reicht es nicht aus Geschmack zu haben- man muss versuchen seinen Geschmack konkret auf dieses Buch zu prüfen, anzuwenden, den Geschmack in Frage zu stellen und ihn weiterzuentwickeln oder eben nicht. Somit gibt es diesen Markt vorher nicht, weil es nichts gleiches gibt, was bisher so verkauft worden ist.
Deshalb werden hier die Vermittlerinstanzen noch wichtiger: Was ja auch die eigentliche Aufgabe des Feuilltons ist. Kunst braucht Vermittlung, und der Feuillton hat die selbst gesteckte Aufgabe den Geschmack der Leser zu schulen und ihn gleichzeitig zu hinterfragen. Der Feuillton soll eben auch die moderne Kunst und die Weiterentwicklung dieser vermitteln, aufzeigen, wo sie an Altem ansetzt und wo und weshalb die Weiterentwicklung entweder etwas taugen oder eben nicht. Ansonsten gilt das gleiche wie für die anderen Bücher der schönen Literatur, nur dass es weniger Menschen gibt, die sicher genug in ihrem Geschmack sind, um diesen herauszufordern.

Wenn man sich diese Situation einmal ehrlich vor Augen hält, dann ist Marktnähe nur eine freundliche Umschreibung für künstlerischen Stillstand. Nun, sicherlich erleichtert dies die Verkäufe, aber ob dies wirklich das Ziel von Kunst sein kann, wage ich zu bezweifeln. Denn dann gelangt man wirklich zu der von Ina Hartwig benannten künsterischen Ödnis. Deshalb ist es übrigens auch sinnvoll Autoren zu fördern, siehe den Blogeintrag zur Autorenförderung, besonders die Autoren, die eben künstlerische Ziele als Maßstab für ihren Erfolg setzen. Und dabei sind auch Irrwege und Irrungen zu fördern, denn künstlerische Weiterentwicklung ist eben keine gerade Linie und Misserfolg und Scheitern Teil der Arbeit, siehe hier den Blogartikel dazu. Und wie im letzten Blogeintrag aufgeführt, sollte diese Förderung eben nicht Autoren zu stark verpflichten, sondern immer Raum lassen, für die Arbeit und die Kreativität.

Natürlich kann künstlerischer Stillstand (oder Marktnähe) durchaus zu Prestige führen. Denn Prestige ist eine dieser wundervollen Umschreibungen für die Fähigkeit von Menschen etwas in einem anderen zu sehen, was nicht unbedingt wirklich vorhanden ist. Denn sonst würde man Prestige nicht an Äußerlichkeiten festmachen, ob es nun Literaturpreise, Verkaufserfolge oder regelmäßige Besprechungen sind. Prestige ist letztlich nur ein Beweis für eine der wunderbarsten Täuschung von Menschen: Fehler der anderen nicht zu sehen oder nicht sehen zu wollen und für die Fähigkeit manchmal Dinge nicht aus dem Geschmack zu bewerten, sondern nach der Ansicht von außen, nach der Sicht der anderen.
Deshalb gibt es bis heute viele Menschen, die moderne Kunst ablehnen, außer diese ist kanonisiert und kodifiziert- van Gogh und Gaugin sind in Ordnung, Impressionisten auch, Expressionisten nur bedingt, und Pollock macht immer noch überbackene Makkaroni (, bis die Menschen die Preise für diese amerikanischen Nudelgerichte erfahren).
Übrigens stagnieren die meisten Autoren im künstlerischen Bereich irgendwann... weil nur die wenigsten Autoren die Fähigkeit haben sich immer weiter zu entwickeln und die eigenen künstlerischen Erfolge mutig abzulegen, um einen neuen, anderen Weg zu wählen. Das kann je nach dem Niveau der Stagnation übrigens wirklich ehrfurchtsgebietend sein- ich verweise da nur mal auf Grass und andere Autoren.

Letztlich wurde im Lesesaal aber die weit interessante Frage nicht wirklich behandelt: Welche Eigenschaften befähigen ihn dazu (Anm. hochkomplexe Stoffe zu bändigen)? Das ist wiederrum eine Frage, mit der ich mich in den nächsten Tagen wohl beschäftigen werde.... wenn mir mein Roman und das Leben dazu Zeit lassen.

Zwei Dinge sollte man vermeiden: Marihuana und Universitäten - Ein Nachruf auf David Foster Wallace im Prospect

In einem Artikel im Prospect schreibt Julian Gough über David Foster Wallace und wie die Uni (und deren Absicherung) letztlich weitere Werke dieses Autors verhindert hat. Obwohl Wallace zwei wunderbare Bücher (und dazu Reisebeschreibungen und Kurzgeschichten) geschrieben hat, konnte er nicht "sicher" davon leben und mussten lehren- was ihm nach eigenen Aussagen die Zeit zum Schreiben geraubt hat. Gerade psychisch weniger stabile Autoren, wo ich dann wieder beim Thema "Elend und Kunst" bin, benötigen für ihre Arbeit als Schriftsteller finanzielle Sicherheit. Und somit musste er, um diese finanzielle Sicherheit zu bekommen, unterrichten. Und durch seine Depressionen musste er sehr viel Zeit für das Unterrichten aufwenden, was erstens die Depressionen verstärkt hat und gleichzeitigi auch die Zeit für andere Beschäftigungen wie das Schreiben nimmt.
Wallace schreibt in seinem Buch "Infinite Jest" immer wieder über seine Depressionen, und tut dies auf eine Weise, die deutlich macht, wie schwierig das alles für ihn gewesen sein muss.

Julian Gough verweist auf andere begabte Autoren, die ebenfalls im Universitätssystem der USA als Dozenten für kreatives Schreiben "festhängen" und deshalb nicht schreiben. Zudem, wie Petra und Marco auch oft in meinem Blog einwerfen, gerade die Beschäftigung mit dem Schreibhandwerk und der Schreibtheorie, sowie die intensive Beschäftigung mit fremden Texten eben vom eigentlichen ablenken können, dem eigenen Schreiben. Und dann wird es problematisch, wie ich mir zu recht von beiden manchmal anhören musste.
Deshalb fragt Julian Gough nach, ob es nicht eine andere Möglichkeit gibt, um solche Autoren zu unterstützen...

Und warum man als depressiver Mensch und Autor auch Marihuana vermeiden sollte, dürfte klar sein. Denn dies verstärkt einerseits psychische Erkrankungen und kann diese vorschnell auslösen, und genau wie die Uni lenkt es auch vom eigenen Schreiben ab.

Welche Eigenschaften braucht ein erfolgreicher Romanautor?? (Frage aus dem FAZ Lesesaal)

Im FAZ Lesesaal wurde folgende Frage gestellt: " Welche Eigenschaften braucht ein erfolgreicher Romanautor? Die Leistung, die ein Autor erfolgreicher Romane mit der Bändigung meist hochkomplexer Stoffe vollbringt, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Welche Eigenschaften befähigen ihn dazu? Welches Maß an Marktnähe steigert seinen Erfolg, ohne dass er dabei an Prestige verliert?" (Zit. nach der Webseite).

Bodo Kirchhoff, Uwe Ebbinghaus, und einige andere Experten versuchen aus ihrer Sicht eine Antwort auf diese Frage zu geben- vor allem auf die Frage nach dem Maß der Marktnähe und dem Prestige. Dabei gibt es viele spannende Antworten. Bodo Kirchhoff spricht von der "Verbindung aus Handwerk und eigenem Abgrund", die letztlich die Marktnähe ein wenig ausschließt, genau wie auch das Prestige. Olaf Trunschke macht es kurz "Ein Roman* hat keinen Markt. Ein Roman schafft sich seinen Markt. Das Ungewisse dieses Weges ist die Folter des Autors. Ihn dennoch zu gehen, ist Arbeit gegen die Ohnmacht.
* Oft ist das, wo Roman drauf steht, alles - bloß kein Roman." Aber auch andere Antworten sind durchaus interessant. Ina Hartwig sagt es deutlich: "Lieber Literaturgott, bewahre uns vor dem "Maß an Marktnähe, das den Erfolg steigert, ohne dass der Erfolgt dabei an Prestige verlöre". Wenn wir anfangen, darüber im Ernst nachzudenken, sind wir schon drin in der Ödnis-Falle." (Alle Zitate sind Ausschnitte der Kommentare von der FAZ Lesesaalwebseite).

Letztlich ist es spannend darüber nachzudenken, und ich werde mich heute abend mal an einer eigenen Antwort versuchen-- aber letztlich ist es wieder mal eine theoretische und abstrakte Diskussion, die letztlich an der einen Sache hängt: Das es letztlich Gemeinsamkeiten zwischen allen erfolgreichen Autoren gibt. Und das ist, wenn man Erfolgsautoren betrachtet, eine ziemlich kühne These, die leicht zu bestreiten ist.


Montag, 29. September 2008

Die Geschichten liegen auf der Straße...

In den letzten Tagen habe ich nach langen Gesprächen mit einer Freundin mal wieder eines bemerkt: Die Geschichten liegen eigentlich überall herum.
Wer z.B. in den letzten Wochen intensiv im Fernsehen aufgepasst hat, der wird z.B. die zweiteilige Geschichte der Sudentendeutschen, Kommentar im Spiegel dazu, in der ARD gefunden hat. Ein wunderbarer Bericht von zwei Seiten, Tschechen und Slowaken und den sogenannten Volksdeutschen, vom Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn bis hin in die Zeit der Benesch Dekrete. Hier steckt unglaublich viel über das Verhalten von Menschen, vom Umgang miteinander drin, von der Einzelperson zu den Gruppenbildern und vieles mehr.

Eine andere Geschichte geht gerade in Bergisch Gladbach weiter: Dort streiken gerade einige Conterganbetroffene (siehe der Conterganskandal), um die Herstellerfirma von Contergan, die Firma Grünenthal, zu höheren Zahlungen an die heute noch über 3000 Betroffenen zu zwingen. Ich erinnere da auch noch mal an den Film über den Conterganskandal und die dazu gehörigen gerichtlichen Auseinandersetzungen.
Meine Großmutter hat in ihrer Schwangerschaft damals selber Contergan als Schlafmittel genommen. Sie hatte nur etwas mehr Glück als andere, und mein Onkel hat keine Schäden durch die Einnahme erlitten-

Und auch immer wieder wunderbar: Bei Arte gibt es eine wunderbare Sendung, "Durch die Nacht mit" bei der ein Kulturschaffender einen anderen einladen kann, meist jemand, den man unbedingt mal kennenlernen möchte, um gemeinsam durch die Nacht zu ziehen, zu reden, zu diskutieren und den anderen kennenzulernen.

Und wem diese kleine Auswahl nicht reicht: Inzwischen gibt es glücklicherweise wundervolle DVD`s, auf denen bestimmte Klassiker des Films für zu Hause erhältlich sind. Dort kann man sich dann noch einmal einen Film ansehen, vielleicht in einer anderen Sprachfassung, es gibt viele wunderbare Dokumentationen und vieles mehr. Und noch besser: Viele Menschen erzählen gerne aus ihrem Leben, und wer sich die Zeit nimmt, bekommt dort ganze Ideenfelder für Geschichten.

Und noch eins: Manchmal sollte man einfach über eine Idee mal recherchieren, wie ich damals über die sogenannte "Sippenhaft" oder andere Themen, die man mal gehört hat. Und findet dann interessante Quellen, und über die Beschäftigung mit "Sippenhaft" auch andere Themen, wo es um ähnliche Themen geht. Ich habe z.B. einen Film über die Zwangsschulen für Aborigines gefunden, und die Flucht zurück zu ihren Familien. Und wer da nachliest, findet etwas über die Rassentrennung in der Schule bis in die 80er Jahre dieses Jahrhunderts (und einem Wahlrecht ab 1966. Ich habe etwas über die Kinder des militärischen Widerstands gefunden und vieles mehr.

Freitag, 26. September 2008

Leben und Schreiben...

Eine der großen Wahrheiten des Schreibens ist, dass man, wenn man sich dem Schreiben verschworen hat, letztlich das Schreiben zu einem Teil seines Lebens macht, und erst im Schreiben, in der Schwierigkeiten des Schreibens und sogar in der Blockade wirklich bei sich ist. Das bedeutet nicht, dass man ansonsten nicht lebt, denn das Schreiben ist Teil des Lebens und gedeiht bei den meisten Menschen nicht wirklich, wenn sie das Schreiben als Rückzug vom Leben betrachten, als eine Art Eremitentum. Es gedeiht in den Ideen, im Leben, im Umgang mit dem Leben. Schreiben ist Leben, bzw. der Umgang damit.

Donnerstag, 25. September 2008

Absurde Idee

Nach knapp anderthalb Wochen Arbeit habe ich heute fest gestellt, dass ich die erste Szene des 13. Kapitels komplett rauswerfen muss. Weil Petra und Marco Recht haben: Manchmal erscheint eine Stelle nicht stimmig, weil sie es nicht ist. Manchmal, weil sie es nicht sein kann.
In diesem Fall habe ich einen guten Übergang, der aber eine kurze Erklärung brauchte. Nun, irgendwie während des Schreibens habe ich dann begonnen vor den Übergang noch eine wichtige Erklärung unterbringen zu wollen, in einer bestimmten Szene. Und klar, die Idee war richtig gut.
Aber und es gibt ja immer ein Aber. Irgendwie scheinen Aufwachszenen in meinem Roman ein sehr wichtiges Element zu sein, und an dieser Stelle ist es eine interessante und gute Aufwachszene. Aber leider passt diese Szene so nicht in den Roman hinein. Sie ist zu lang, das Timing ist deshalb nicht in Ordnung, und es gibt dem restlichen Kapitel ein falsches Tempo. Und eigentlich fast alle gelungenen Stellen aus dieser Szene passen auch in anderen Zusammenhängen in den Roman hinein.

Oder anders gesagt: Löschen und weitermachen

Dienstag, 23. September 2008

Verbindungen und Verdichten

Wenn man beginnt einen Roman zu schreiben, dann gibt es viele Dinge, die man als junger Autor unterschätzt. Eines dieser besonders unterschätzten Elementen sind die Verbindungen innerhalb eines Textes oder das "Gewebe eines Textes". Also all das, was sozusagen dem Text eine Struktur gibt, die einzelnen Szenen und Kapitel miteinander verbindet und verwebt über den Zeitverlauf und den Verlauf der Haupthandlung hinaus. Wobei ich die Bezüge, die ebenfalls Verbindungen darstellen, einmal hinausnehme, da ich dazu einen eigenen Thread verfasst habe.
Ansonsten gehören die großteiligen Elemente wie der Plot, Leitmotive, die Figuren und die Entwicklung der Figuren dazu,

Bsp.: In einem Entwicklungsroman folgt der Plot einerseits der Charakterentwicklung der Hauptfigur, genau wie er gleichzeitig durch verschiedene Einflüsse von außerhalb der Figur diese Entwicklung weiter vorantreibt. Somit knüpft eine Entwicklung immer an einer anderen an, setzt diese fort und greift auf sie zurück. In einem Roman gibt es z.B. meistens ein Leitmotiv. Dieses Leitmotiv kann vielerart gestaltet sein und taucht immer wieder in verschiedenen Szenen auf, bei verschiedenen Figuren und Situationen.

mittlere Elemente wie gleiche Handlungsorte und bestimmte Nebenfiguren (gespiegelte Figuren), Rückblenden und Vorausdeutungen, Nebenhandlungen und Nebenmotive,

Bsp.: In einem Roman gibt es einen zentralen Handlungsort, an den die Figuren immer wieder zurückkehren und der durch die Dinge in ihm wichtig für die eigentliche Handlung ist. Vielleicht gibt es auch eine Nebenfigur, die immer wieder auftaucht und die Handlung vorantreibt, oder die Situation des Liebespaares wird in einem oder zwei anderen Paaren in ihrer Entwicklung oder möglichen Entwicklung gespiegelt. Oder es gibt eine Farbe, die als Motiv sich immer wieder in der Kleidung, dem Raum und eigentlich überall wiederfindet.

sowie Kleinteiliges wie einzelne Plotelemente, Details oder ähnliches.

Bsp.: Kleinteilige Elemente sind z.B. die Ausstattung der einzelnen Handlungsorte, wenn dort z.B. später eine Waffe wichtig wird, dass diese vorher erwähnt wird (Waffe an der Wand), die Spiegelung einer Persönlichkeit in seiner Wohnung oder Kleidung, der Einsatz von bestimmten Farben, Wetterlagen und ähnliches als zusätzliches Element.

Die einzelnen Elemente kann man ebenfalls noch nach linearen, parallelen und assoziativen Elementen unterteilen, je nachdem ob die einzelnen Elemente einer Grundlinie des Hauptplots folgen und somit in einer Art Reihe hintereinander logisch und struktiert folgen, ob sie verschiedene Handlungsebenen (Haupt- und Nebenhandlung) über die Handlungen oder die Figuren miteinander verbinden oder ob sie nur für eine Szene oder einen kurzfristigen Szenenverlauf vorgesehen sind.

Bsp.:
lineare Elemente: In einem Roman folgt der Detektiv einem Mörder, indem er systematisch die Indizien abarbeitet und mit Leuten spricht, bis er letztendlich den Mörder entlarvt.
parallele Elemente: In der Nebenhandlung der Detektivgeschichte werden die Eheprobleme des Detektivs erwähnt, die Schulprobleme seiner Tochter, was immer wieder Auswirkungen auf die Haupthandlung hat. Ein anderes Beispiel wäre ein früherer Mordfall, der den Detektiv nicht loslässt und der gewisse Parallelen zu dem neuen Mordfall hat, und gleichzeitig das Verhalten des Detektivs beeinflusst.
assoziatives Element: Diese Elemente sind nur lose mit der vorherigen Szene verbunden, sie folgen also nicht einer logischen Kette, sondern wirken fast zufällig, ohne das zu sein. Denn Assoziativ bedeutet, dass es einen indirekten Zusammenhang über ein Motiv gibt, etwas nichtlineares. Ein Beispiel wäre also der Fund der Leiche, worauf er über ein gemeinsames Detail die Erinnerungen hochkommen.

Viele Autoren, die wie ich von den Kurzgeschichten kommen, unterschätzen die Bedeutung der Verbindungen, denn wie wichtig solche Verbindungen sind, wird meistens erst dann klar, wenn sie fehlen.
In einer Kurzgeschichte spielt die Verbindung mehrerer Handlungsstränge und die sorgsame Verbindung einzelner Szenen über den gesamten Romanverlauf keine Rolle, genau wie generell weniger mit mehrfachen Bezügen gearbeitet wird. In einem Roman muss das Gewebe der Geschichte halt enger geknüpft werden.

Ich will das mal verdeutlichen:
Eine einfache Detektivgeschichte nach einem linearen Verbindungsmuster wird heute die wenigsten Leser noch mitreissen können. Deshalb arbeiten viele Krimiserien die Lebensgeschichte des Detektivs, sein Liebes- und Arbeitsleben mit in die Geschichte ein, teilweise sogar zu eigenen Milieustudien ausgearbeitet, die im Prinzip als eigene Geschichte über mehrere Romane verteilt abläuft und eine Art Entwicklungsgeschichte darstellt. Dazu wird seit einigen Jahren meist sehr intensiv technisch der Ablauf der Arbeit der Detektive erläutert, siehe die gesamten Geschichten von Pathologen und Gerichtsmedizinern bzw. forensische Spezialisten, oder ergänzen andere Handlungen (z.B. die Ereignisse aus Sicht des Täters, einen Spezialisten, der mit der Polizei zusammenarbeitet,...) Dadurch wird dann insgesamt die Figur des Detektivs gestärkt und dem Leser "näher gebracht" und die gesamte Geschichte ingesamt verdichtet, mit mehr Gewebe.
Auch bei historischen Romanen wird heute oft durch einen fiktionalen Charakter die Geschichte von wichtigen Personen oder einer wichtigen Person erzählt, und neben der wichtigen Person und ihrem Leben über den Erzähler noch weitere Ebenen der Betrachtung, andere Blickwinkel eingebracht. All das dient dazu die Geschichte zu verdichten.

Montag, 22. September 2008

Wiederholungen...

Gerade hatte ich endlich einen wunderbaren Anfang für das dreizehnte Kapitel, da finde ich heraus, dass ich fast wörtlich den gleichen Anfang in einem vorherigen Kapitel verwendet habe... und das liegt gerade einmal ein paar Wochen zurück. Mist. Ich habe sozusagen von mir selber abgeschrieben, weil die Variante einfach klanglich wundervoll ist.
Vielleicht liegt es daran,.... Vielleicht auch daran. Auf jeden Fall...

Im Deutschen gibt es halt bestimmte Variationen sich einen Thema über sprachliche Verbindungen anzunähern, die alle ihre besonderen Vor- und Nachteile, und auch ihren besonderen Klang haben- wie in diesem Beispiel, wo gerade in der Wahl der Satzbaus auch die unsichere Haltung der Hauptfigur zur Situation deutlich wird.
Aber das ist wieder so ein typisches Bluomothema: Welche Wirkung haben welche Satzkonstruktionen, und wie kann man dies produktiv in den Text einbringen. Wie entsteht der Klang eines Textes? und wie bekomme ich über den Klang Stimmung und Haltungen vermittelt....

Unileben...

Wer sich im Moment über die Pausen in meinem Blog wundert... ich bin gerade regelmäßig an der Uni, weil ich für meinen Uniabschluss noch einige "Laufzettel" ausfüllen muss. Was nichts anderes bedeutet, als dass ich mit den Professoren die Prüfungsthemen besprechen und ausdiskutieren muss, jede Menge Papierkram auf mich wartet und ich mich so langsam auf die kommenden Prüfungen vorbereiten muss. (O.k. Anfang nächsten Jahres).
Ehrlich gesagt habe ich dafür auch nur 9 Jahre gebraucht... Was nichts anderes bedeutet, als dass ich von diesen 9 Jahren mindestens drei Jahre mit zu viel Nachdenken und zu vielen Depressionen verbracht habe. Aber seit letztem Jahr arbeite ich mich langsam in Richtung Prüfung und so langsam wird es.
Aber ich werde es beenden. Und darauf dann mächtig stolz sein.

Samstag, 20. September 2008

Über die Schwierigkeiten einer Übersetzung (von David Foster Wallace)

In diesem Artikel der SZ geht es um "Infinite Jest" von David Foster Wallace und dessen deutscher Übersetzer Ulrich Blumenbach, der seit 31 Monaten reiner Arbeitszeit versucht die 1000 Seiten des Originals zu übersetzen- was sich nicht nur wegen des besonderen Stils von Wallace, sondern dessen Vorliebe für Wörterbücher, extrem schwierig gestaltet. Nun, das Honorar von 44.000 € scheint viel Geld zu sein, für eine Übersetzung, aber 31 Monate reine Arbeit machen aus dem vielen Geld nur ein Minigehalt. (Und das, obwohl der Verlag hier sehr gut dotiert hat.... im Verhältnis zu anderen Übersetzungen).
Nun, diese Übersetzung dürfte damit wie Übersetzung von Finnegans Wehg von Dieter Stündel eines dieser Mamutprojekte der Übersetzerkultur sein, die unendlich viel leistet, für unsere literarische Kultur...

(Und hey, nach den ersten Sätzen der Übersetzung im Text muss ich diesen Roman lesen... und hoffen, dass es bald im Internet eine eigene Wiki für die Wörter gibt.)

Donnerstag, 18. September 2008

Kleine Glücksmomente

Heute habe ich dann von meinem Autorenpartner Quidam die Rückmeldung zu meinen Testleserkapiteln bekommen... und irgendwie habe ich das meiste auch so erwartet. Gerade die letzten Kapitel sind besonders stark, der Text hat sich insgesamt vor diesen letzten Kapiteln nicht so stark verändert- und ist weiter etwas langsam und detailreich, der Anfang ist in Ordnung, aber er da ist noch ein wenig für die nächste Überarbeitung. Aber diesmal werde ich mir Zeit lassen.... und erst einmal den zweiten Teil schreiben.

Und natürlich werde ich es machen, wie schon so viele Autoren vor mir: Ich werde die zwölf Kapitel am Wochenende herausschicken, an meine beiden Testleser.... und mich in der Zwischenzeit um das nächste Kapitel kümmern.

Mittwoch, 17. September 2008

Assoziative Logik

Für meinen Roman habe ich einige "surreale Kapitel" geschrieben, die im Prinzip aus Einzelszenen, aus einer durchgehenden Szene und mehrere episodenhaften Szenen bestehen. Dabei ergibt sich neben der Einzellogik auch durch die Kombination der Szenen (alle recht kurz gehalten, zumindest für mich) eine gewisse assoziative Logik, die meist nicht ausgesprochen wird.
Ehrlich gesagt, für mich war diese Logik eine große Überraschung. Denn diese Logik war sehr vom Tempo und Timing der Einzelszenen und episodenhaften Szenen zu der durchgehenden Szene abhängig, und wiederum wann sie die durchgehende Szene unterbrochen haben. Meist werden diese Szenen verwendet, um die eigentliche Szene zu erklären und sind darauf beschränkt. Das steckt natürlich auch in meinen Szenen drin, aber das das ist es eben nicht allein, weil die Einschübe letztlich wesentlich mehr und andere Dinge erzählen, als die Hauptszene, mal erklären, mal auch ergänzen, letztlich weitere Facetten zur Charakterstudie hinzufügen.
Letztlich verbreitern diese Szenen letztlich die Situation, stellen Fragen an die Hauptszene (was passiert da und wieso), weil die Hauptszene eben eigentlich eine Überraschung ist, genau wie einige der Nebenszenen.

Ehrlich gesagt werde ich diese Erfahrung wohl nun zu immer wieder mal verwenden, vielleicht nicht in der Form "surreale Elemente" unterzubringe, aber bestimmt um bei meinem nächsten Roman oder später im Verlauf diesen Romans die Handlung deutlich zu beschleunigen und den Roman auch breiter aufzustellen.
Denn diese Szenen sind viel schneller, haben mehr Tempo, als meine langen Einzelkapitel, wo ich nicht so vorgehe. Schöne neue Welt, das....

Dienstag, 16. September 2008

David Foster Wallace

Nach fast 20 Jahren Depressionen hat am 12. September David Foster Wallace das Leben aufgegeben. Ich hatte eigentlich geplant in den nächsten Wochen sein Buch "Infinite Jest" auf englisch zu kaufen und es zu lesen, weil ich eine Vorliebe für besessene und hochbegabte Autoren habe. Und ich denke, dass D.F.Wallace als Autor in vielerlei Hinsicht besessen war, siehe dazu die Artikel in Spiegel online und der NewYorkTimes. Das er ein wichtiger Autor war, einer der wichtigsten amerikanischen Autoren seiner Zeit, ein Wegbereiter von Eugenides und Franzen, gehört auch dazu.
Kunst reflektiert immer die Sichtweise auf die Zeit, und in diesem Sinne ist der postmoderne Romane auch ein Spiegel. Somit gehört der Aufbruch linearer Erzählweisen (und die Verwendung assoziativer Ketten), der Verzicht auf eine übergestellte Ordnung der Dinge, das Gefühl einer Orientierungslosigkeit, der Verzicht auf klassische Handlungs- und Plotelemente zu diesem Spiegel. Die fanatische Liebe D.F. Wallaces zu Wörterbüchern, mehrere Wörterbüchern, die Verwendung von Fußnoten als weitere Erzähleebene (die zusammen mit dem Haupttext erst den Gesamttext ergibt), die Verwendung von Umgangssprache in Satzungetümen gehört bei ihm zu den Besonderheiten, genau wie auch ein breit aufgestellter Humor und eine gewisse Nähe seiner Texte zu seiner Autobiographie. (O,k. vielleicht warte ich auch auf die deutsche Übersetzung...)

Ich habe lange überlegt, vor einigen Jahren, ob ich mich auch den postmodernen Romanen verschreiben sollte- bzw. ob ich das überhaupt könnte. Aber ehrlich gesagt, ich kann es nicht. Denn auch wenn ich viele Einsichten teile, die hinter dem postmodernen Roman stehen, so teile ich sie nicht alle. Aber ehrlich gesagt hatte ich mich sehr gefreut D.F. Wallace kennenzulernen, zumindest so weit dies über Texte möglich ist, und ein wenig weiter seinen Weg zu begleiten. Das ist nun nicht mehr möglich, aber ich kann seinen Weg bis zu diesem Punkt noch nachfolgen.

Donnerstag, 11. September 2008

Quidam, übernehmen sie...

Vor einigen Minuten habe ich die letzte Fassung meiner ersten zwölf Kapitel an meinen Testquidam herausgeschickt. Und ehrlich gesagt, ich bin nicht nur ein klein wenig stolz, auch wenn der Text sicherlich noch die eine oder andere Anmerkung benötigt. Denn im Moment ist schon viel mehr rund, als ich das erwartet habe, trotz der einen oder andere Problemstelle. Aber für das, was man nicht weiß, dafür gibt es Testquidame, Testleser und Lektoren.
Und je nachdem was dieser Meister des Testlesens sagt, werde ich mich dann noch mal an den Text setzen und ein wenig schleifen, hauen und stechen. Denn dafür bin ich dann wieder verantworlich.

Nun werde ich ein bißchen zittern und dann in die Sauna verschwinden, damit das mit dem Zittern nicht so schlimm wird. Denn ich habe nicht nur drei neue Kapitel dabei, zwei Kapitel umgestellt und zwei umgearbietet, sondern auch ein neues, bisher nicht erscheinendes Element in den Text eingebracht, das nun kritisch beäugt und geprüft werden muss. Und ich erwarte einen mächtigen Anschiss.
Denn ich habe vor kurzem Quidam gesagt, dass man nicht so viele Szenen beim Aufwachen beginnen sollte... Und träume sind sowieso nicht ideal. Aber beides findet sich in dem Text und zwar nicht zu knapp.
Zudem kann ich in der Sauna auch noch ein wenig plotten... und das wird auch nötig sein. Denn den erste Teil des Romans ist bis zu Quidams Antwort erst einmal abgeschlossen.... und nun muss ich ja irgendwie in den zweiten Teil einsteigen.

Und das ist wieder eine nicht ganz einfache Entscheidung. Entweder schreibe ich einen Übergang... oder ich steige direkt in den zweiten Teil ein. Außerdem muss ich mir Gedanken über das neue Element machen, und wie ich das nun in den zweiten Teil einarbeite. Viel Arbeit, eigentlich. Und viel Spaß

Nachtrag zur Künstlersozialkasse

Es ist eigentlich wie immer: Wenn es zu viele Proteste gibt, will es niemand gewesen sein, siehe z.B. hier in der FAZ . Somit ist die Künstlersozialkasse erst einmal sicher, bis es beim nächsten Versuch weniger Proteste gibt. Also an Tacitus denken: Wer schweigt, stimmt zu.

Mittwoch, 10. September 2008

Abschaffung der Künstlersozialkasse

Nun haben einige Bundesländer, siehe hier in der Welt oder in Die Zeit, den Versuch gestartet die Künstlersozialkasse (KSK) abzuschaffen. Denn die Finanzierung der KSK ist etwas unübersichtlich gestaltet, so daß die Unternehmen eben nicht immer sofort erkennen, für welche Leistung neben dem Honorar an den Künstler auch eine 5,1% Zahlung an die KSK zu erfolgen hat. Sicherlich möchten viele Unternehmen sich auch generell von den Kosten freimachen, die die Abgabe ausmacht. Im Moment prüfen die Rentenkassen zudem viele Unternehmen gerade auf ausstehende Zahlungen an die KSK, z.B. für die Gestaltung von Webauftritten und ähnliches. Es drohen für viele Unternehmen hohe Nachzahlungen.
Der "Verband freier Lektoren und Lektorinnen" in Verdi hat darauf mit einer Presseerklärung reagiert und es gibt sehr interessante Beobachtungen im Blog von Petra von Cronenburg (siehe die Einträge gestern und heute), z.B. über die Situation von Künstlern in Nachbarländern.

Aber was ist eigentlich die KSK. Die Künstlersozialkasse (KSK) ist eine Sonderform der Sozialversicherung, bei der die eigentlich selbständigen Künstler die Möglichkeit erhalten in die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung einzuzahlen. Der Beitrag wird von den 160.000 Künstlern zur Hälfte aufgebracht, den Rest teilen sich die beschäftigenden Unternehmen (20%) und der Staat (30%).
Ziel des KSK ist es eine Grundabsicherung für Künstler zu ermöglich. Denn das Durchschnittseinkommen von 12.606 Euro reicht im Gegensatz zu anderen Selbstständigen, eben nicht aus, um selber für diese Fälle vorzusagen. Die Folge einer Abschaffung wäre also die Notwendigkeit für viele Künster noch stärker ihre Leben und das Alter durch einen Brotberuf zu finanzieren, den Beruf eventuell aufzugeben, oder im Alter zum Sozialfall zu werden, bzw. in der schlechten Verhandlungssituation als Selbstständiger ein höheres Honorar von den Verwertern zu verlangen.
Die Gründung der KSK erfolgte aus einem vitalen Interesse aller Beteiligter an der KSK. Denn die zahlenden Unternehmen begründen mindesten einen Teil ihrer Wertschöpfungskette in künstlerischer Arbeit, die sie wie Verlage "verlegen", "vermarkten", "verwerten" oder anders nutzen. Somit sind sie auf Künstler angewiesen, während sie oft/gelegentlich nicht über das Honorar hinaus für ihre Künstler zuständig fühlen. (Was nicht zuletzt auch an den Honoraren deutlich wird, dir nur in der Spitze in den letzten Jahren gestiegen sind, während sie an anderer Stelle seit vielen Jahren (trotz gestiegener Kosten) stagnieren).
Der Staat hat ebenfalls ein großes Interesse an den Wertschöpfungsketten von Kunst. Denn mit Kunst wird viel Geld verdient, ob nun bei der Gestaltung von Webseiten, dem Design von Gegenständen, Drehbüchern und Film, Comics und Büchern, Musik, dem Handel mit bildenden Künsten, sowie in vielen anderen Bereichen, die oft gar nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Denn wie viele Menschen wissen, dass viele Haushaltsgegenstände von Designern gestaltet werden, wissen, dass Computerspiele, Filme und Serien (sowie Comedysendungen) auf Künstler angewiesen sind und von diesen gestaltet werden, und das wir täglich von Kunst umgeben sind, überall. Und noch etwas absurder, dass auch die Arbeit Dieter Bohlens in der RTL-Jury von DSDS eine künstlerische Tätigkeit ist.
Aber Kunst ist nicht nur überall um uns herum: Denn Kunst hat auch eine enorme kulturellen Bedeutung. Denn wie schon oft in diesem Blog thematisiert: Kunst ist eine wichtige Form der Kommunikation in einer Gesellschaft, welche diese Gesellschaft auf vielfältige Weise beeinflusst, neue Wege offenbart und eine Reflektionsebene in die Gesellschaft hineinbringt. Kunst macht auf Mißstände aufmerksam, schafft Raum für Gespräche über die Probleme und Erfolge, hilft Probleme zu verarbeiten und zu thematisieren und vieles mehr. Somit kann sich ein Staat nicht leisten, Kultur nicht zu fördern.

Somit würde die Abschaffung der KSK ganz erheblich den Künstlern schaden, und damit auch allen Menschen, die davon profitieren, ob nun die Unternehmen, der Staat oder die Konsumenten von Kunst oder den Wertschöpfungsketten der Unternehmen, sowie der Gesellschaft . Denn Kunst braucht auch Absicherung, auch wenn einige Menschen das immer noch nicht verstanden haben. Denn natürlich entsteht Kunst auch aus Elend- aber dauerndes Elend ist sicherlich auch einer der Gründe, warum viele Künstler ausbrennen oder ihre Laufbahn als Künstler beenden. Und ganz ehrlich: Wenn Künstler im Alter nur Sozialhilfe erwarten können, dann werden viele Menschen aufhören andere Menschen mit ihrer Kunst erfreuen zu wollen.

Wer also die KSK wirklich abschafft, sollte damit rechnen, dass ihm da mächtig Gegenwind von der Kunst entgegenschlagen wird, auch wenn es sicherlich nicht zu einem Streik oder ähnlichem kommen wird. Aber das ist auch nicht nötig... Denn wer sich gerne wie Künstler und Kunst schmückt, wie z.B. Parteien und Länderregierungen, und wohlversorgt und gutverdienend wie einige Unternehmen mit Kunst ihr Geld verdient, wird spüren, dass Künstler sehr laut mit den Zähnen knirschen können. Und das die Kunst viel mehr Freunde hat, als dass diese Menschen glauben...

(Ergänzung nach Petras Kommentar:
Eine der ganz interessanten Dinge über Kunst ist, dass in Zeiten des Aufbruchs und des beginnenden Wohlstands die Kunst zu ihren Höhepunkten gelangt. Denn dann ist genug Geld (früher über Mäzenen) da, damit die Künstler unbeschwert von Not arbeiten können- und genug Zeit haben sich auszutauschen, sich mit anderen Künstlern (und ihren Werken) auseinanderzusetzen und eben auch zu schreiben und zu gestalten. Zudem ist dann auch Zeit das eigene Handwerk zu lernen, bei den Meistern einer Zeit.
Deshalb blüht die Kunst meistens mit einem beginnenden Wohlstand der Gesellschaft, wenn das Geld für die Kunst auch investiert wird... und darüber geht es in diesem Posting ja auch.)

Dienstag, 9. September 2008

Lückenfüller

„Also reden wir über gestern!“ Sagte ich seufzend.
Und rutschte auf der Couch nach hinten, damit mein Verstand einen Schritt Vorsprung vor meinen Beinen hatte. Denn schließlich ging es um Mathies, die Nacht zuvor, Elefanten und Gazellen.

Wie immer habe ich ewig an diesen Sätzen gearbeitet, die letztlich eine wichtige Passage für die Charakterisierung meiner Figuren einleiten. Denn wie eifrige Blogleser wissen, bin ich ein wenig auf die ersten Sätze einer Szene (eines Kapitels, eines Romans oder einer Kurzgeschichte) fixiert. Denn diese ersten Sätze geben die Stimmung vor, sind ein Versprechen und vielleicht sogar einiges mehr.
Und hey, ich habe in den letzten Tagen alle Lücken gefüllt, bis auf die letzte. Und daran werde ich mich gleich machen...

Die letzten Eichhörnchen

Deshalb beobachte ich gerade ein paar europäische Eichhörnchen (Die Roten), das seit einigen Tagen den Walnussbaum gegenüber von meiner Wohnung plündert. Das Männchen ist übrigens ein Meister im Fast-verunfallen. Denn schon zweimal hat er eine Walnuss geplündert, bei der sich der Ast, auf dem er saß, so weit nach unten gebeugt hat, dass er mit der Walnuss in einem Notsprung auf einen sicheren Ast retten musste. Seine Begleiterin hält dann immer inne, und läuft zu ihm hin, ob auch alles in Ordnung ist.
Aber die Idylle ist in Gefahr. Nur vierhundert Meter entfernt habe ich ein Harlekineichhörnchen entdeckt, also ein Nachkomme der europäischen und grauen Eichhörnchen. Was nichts anderes bedeutet, als dass die Grauhörnchen nun in meiner Heimatstadt angekommen sind. Eine Invasion wie die der grauen Ratten, die Selma Lagerlöf in Nils Holgersson beschreibt, wo diese nach und nach die Hausratten verdrängen. Nun, das Harlekineichhörnchen ist ein Versprechen, dass es auch anders ausgehen kann. Wahrscheinlich ist das aber nicht, weil die grauen Eichhörnchen überall auf dem Vormarsch sind.

Nun sollte man nicht immer das Schlimmste denken, wenn man etwas schönes sieht. Aber manchmal bedenken, dass die Schönheit sehr vergänglich ist und manchmal nur der Moment bleibt.

Montag, 8. September 2008

Präsenz

Bei der Lektüre meines Textes heute morgen ist mir aufgefallen, dass "Präsenz" anscheinend auch eine Kategorie der Literatur sein könnte. Denn Texte haben neben einem Inhalt einen Klang, und neben einem Klang auch eine Präsenz- im Sinne einer Anwesenheit des Textes im Kopf während und nach der Lektüre.
Manche Texte sind stumpf, im Sinne von dem Nachbeben der Romanfiktion (und der Figur) in einem, man ist gar nicht mehr in seinem Leben, für eine Zeit, sondern stumpf halt. Andere Texte sind überscharf in dem Sinne davon, dass man nach diesem Text neugieriger auf das Leben ist und die Welt ein bisschen anders aussieht, weil man die Welt mit anderen Augen ansieht. Manche Texte halten einen für einen Moment fest, andere Texte so sehr, dass man immer wieder und teilweise noch Jahre später an sie zurückdenkt. Manchmal nur an einen Gedanken, eine Szene, manchmal an wesentlich mehr. Und diese Präsenz ist auch besonders, bei jedem Leser, weil sie zwischen dem Text und dem Leser entsteht, und eben nicht für alle diese Verbindungen entsteht.

Die sehr interessante Frage ist, wie entsteht diese Präsenz zwischen Text und Leser.

Die erste Feststellung ist, dass der Roman eben nicht alle Lesern ansprechen kann, weil der Leser sich auf einen Text und seine Präsenz einlassen kann oder eben nicht. Und es gibt viele Faktoren, die diese Offenheit auslösen: Das beginnt mit der Neugier des Lesers, der Faszination des Lesers für die Figuren und die Romanfiktion, die Bereitschaft in Teilen zu faszinieren und symphatisieren oder faszinieren und abzulehnen (nur nicht kalt lassen, mit der Lust zu lesen und gerade diesen Roman zu lesen, mit einer entstehenden Verbindung zwischen Roman und Leser (einem Vorschuss Vertrauen auf diesen Spaß; dem Erfüllen dieses Versprechens, Überraschungen, kleine Präsente des Textes,..) und unbedingt auch das Inhalt und Figuren für den Leser in der Romanfiktion glaubwürdig und faszinierend sein müssen

Die zweite Feststellung ist, dass der Roman in sich zuerst einmal in der Lage sein muss den Leser zu faszinieren, wenn auch nicht alle Leser. Das bedeutet nicht, dass ein Roman perfekt sein muss, eher im Gegenteil. Denn gerade manches Nichtausgefülltes, nicht vollendetes, manches nicht so Perfektes gibt einem Roman erst die Möglichkeit viel für den Leser offen zu lassen. Perfektion ist kalt, hat jemand mal gesagt, und in der Perfektion steckt immer die Geschlossenheit. Und das ist schwierig.
Faszination entsteht gerade dadurch, dass ein Roman sowohl gewöhnlich ist, als auch ungewöhnlich. Denn gerade das Vertraute bietet dem Leser die Möglichkeit dem Roman auch dahin zu folgen, wo dieser den Leser führt, auch wenn es noch so ungewöhnlich ist. Faszination entsteht auch durch Qualität: Indem ein oder mehrere Teile des Romans besser sind, als das üblich ist- und das mag neben den zu erwartenden Dingen wie Handlung, Figuren, Handwerk eben auch die Musikalität, der Ton/ Rhythmus sein, die Sprache (Genauigkeit, Ton), Erzähler und vieles mehr sein.

Oder kürzer: Ein Text sollte immer eine Einladung enthalten an den Leser, ein Versprechen und unbedingt auch eine Überraschung. Präsenz entsteht, wenn der Text dies hält und für den Leser offen ist. Offen bedeutet nicht, dass der Text die gleichen Meinungen, Haltungen und Überzeugungen wie der Leser haben muss, sondern dass er offen ist für Interpretationen, indem er nicht eine feste Meinung anbietet ohne diese zu hinterfragen. Zudem braucht ein Text ganz klar Stärken und Schwächen, und muss beides zeigen, die Schwächen weniger als die Stärken, genau wie Gewöhnliches und Ungewöhnliches.
Aus all dem entsteht Präsenz.

Freitag, 5. September 2008

Die Modernität der Beichte...

Ich habe heute den Film "Red Dust" mit Hilary Swank über die Aufarbeitung der südafrikanischen Vergangenheit mit Hilfe der Wahrheits- und Versöhnungskommision gesehen. Die Idee dieses besonderen Gerichtsverfahrens orientiert sich an der Rettigkommision, die 1991 in Chile eingesetzt wurde, und war selber wieder Vorbild für die Arbeit der Dorfgerichte in Ruanda nach dem Völkermord.
Die Idee hinter dieser Kommision ist die Vorstellung, dass die schnelle Aufarbeitung der Vergangenheit und die Anerkennung des Leids letztlich wichtiger sind, als die Vergeltung oder Bestrafung der Täter. Somit folgt dem Geständnis und der Aussage der Täter die Amnesie.
Denn auf Basis der Vergebung ist es möglich sich nicht von der Vergangenheit gefangen nehmen zu lassen, sondern sie offenzulegen und gleichzeitig einen Weg in die Zukunft zu suchen. Somit ist der grundlegende Gedanke anders als z.B. bei den Nürnberger Prozessen und dementsprechend gibt es viel Kritik an der Kommission. Denn z.B. die Angehörigen von Steve Biko fühlten sich die Angehörigen um die Gerechtigkeit betrogen. Somit handelt es sich um eine öffentliche Beichte, bei der dem Bekenntnis zur Sünde auch deren Vergebung folgt.

Die Alternative zu dieser Kommission wäre der Versuch in Tausenden von Gerichtsverfahren unter juristischen Standpunkten Verbrechen zu untersuchen, und somit die bestehenden Auseinandersetzungen und Ängste der Bevölkerung über Jahre weiter zu tragen. Zudem würden auch hier viele Täter mangels Beweise mit einem Freispruch herausgehen, weil eben die Beweise fehlen- und viele Verbrechen würden nie aufgeklärt werden. Zudem würde nicht das Leid verhandelt, sondern nur die Verbrechen... und nicht die Opfer, sondern die Täter würden im Mittelpunkt stehen.
Ehrlich gesagt halte ich beide Vorgehensweise für richtig. Denn eine wirkliche Aufarbeitung benötigt eigentlich beide Vorgehensweisen, einerseits harte und klare Strafen für die Anführer, und eine öffentliche Diskussion mittels der Kommission, um möglichst breit über das Leid und die Opfer zu reden, und die Verbrechen öffentlich zu machen.

Donnerstag, 4. September 2008

Wenn der Knoten zu fest sitzt...

Seit knapp drei Wochen versuche ich einen Knoten zum platzen zu bringen. Denn ich hatte eine gute Szene, in der meine Figur letztlich zu ihrem besten Freund fährt, um diesen zu verführen und selber verführt zu werden- obwohl sie das gleichzeitig gar nicht unbedingt möchte. Also ein wirklich schöner Konflikt.
Nun geht es darum einerseits viel Rhythmik in die Szene zu bekommen, das richtige Timing, und diesen Konflikt irgendwie anzulösen und aufzulösen, gleichzeitig bestimmte Themen des Romans weiterzutragen (und die kommenden Szenen nicht unmöglich zu machen) und es muss einfach passen.
Also habe ich inzwischen acht bis fünfzehn Versuche gemacht, in denen die Figur zwischen stark offensiv und etwas zurückhaltend agiert, wo es erotisch oder leicht verklemmt wirkt, wo ich mehr oder weniger stark auf die vorherigen Romanteile eingehe, mal eines der Probleme diskutiere oder durch Handlung oder Kommentare angehe. Darunter waren sogar richtig gute Versuche, die letztlich ein Grundkorsett für die Szene übrig gelassen haben, dass extrem gelungen ist. Aber ich habe immer noch drei Kleinstellen, die letztlich die Verbindung zwischen den richtig gelungenen Stellen bilden müssten und fehlen. Und anscheinend hängt sich die gesamte Szene an diesen drei Ministellen auf.
Die Arbeit von Wochen hängt also letztlich an diesen drei Ministellen... (und hier mal eine vorläufige Stelle aus dem Text zur Verdeutlichung, danach kommt meine "Fehlstelle").

„Es tut mir Leid, Mathies.“ Ich sagte es mit so viel Zerknirschung, wie es mir möglich war. Gerade, als die Schwerkraft schwer gegen mich war und ich hastig meine Beine entwirren musste, um nicht gegen ihn zu rutschen.
„Ich weiß“, murmelte er.
Ich bremste mit meinen Socken auf seinen Turnschuhen und sah ihm in die Augen, was voll blöd war, weil er mir nicht in die Augen sah, sondern sich mit meinen Brüsten unterhielt.
„Mathies!“, sagte ich.
Er hob sein Kinn, und das war irgendwie auch nicht besser. Weil unsere Gesichter nun viel zu eng voreinander standen. Seine Augen waren irgendwie riesenhaft und hypnotisch. Weil er kleine, gelbe Punkte in der Iris hatte, die mich ganz schwummerig machten.
„Du stehst auf meinem Fuß!“, murmelte er.
Der Idiot. Und es roch nach schwarzem Tee, Walnuss, Mathies halt, und Paco Rabanne.

Das könnte nun unheimlich frustrierend sein, wenn man so lange an einer Stelle sitzt. Es ist aber eine der entscheidenden Stellen aus dem ersten Teil, der wiederrum die Grundlage für den zweiten Teil des Romans ist. Diese Stelle muss dementsprechend einfach sitzen.
Also gehe ich jeden Tag an die Stelle ran, bis ich endlich die drei Ministellen gelöst habe. Und es wird vielleicht noch ein wenig dauern... Aber dauern ist halt die Sache des Roman, irgendwie, oder??

Mittwoch, 3. September 2008

Wie finde ich meinen eigenen Stil...

In den letzten Monaten habe ich (mal wieder) recht intensiv mit dem eigenen Stil auseinander gesetzt. Dabei ist mir (mal wieder) einiges aufgefallen, über das ich noch nachdenken muss. Denn bisher bin ich davon ausgegangen, dass der eigene Stil eine Vorliebe für bestimmte Themen, bestimmte Figuren (bzw. Ähnlichkeiten dieser Figuren im weitesten Sinne), bestimmte Plotelemente und bestimmte handwerkliche Dinge ist. Das ist falsch.
Denn eigentlich zeigt sich der persönliche Stil nur in diesen Sachen, und das war für mich vielleicht nicht überraschend, aber schon irgendwie verwirrend. Der persönliche Stil ist letztlich die Art, wie jemand die Welt sieht, seine Wahrnehmung, und wie er diese Wahrnehmung der Welt in das Schreiben umsetzt. Wenn Petra in der Antwort auf den letzten Blogeintrag geschrieben hat, dass Schriftsteller vielleicht Menschen wie alle anderen sind, dann ist der persönliche Stil letztlich der Ausdruck des Menschen, und nicht des Schriftstellers- er findet sich nur in der Arbeit wieder.
Deshalb ist der Weg zum persönlichen Stil auch die Beschäftigung mit der eigenen Wahrnehmung, und darin enthalten den eigenen Interessen, Vorlieben, Themen. Und der Versuch dies alles handwerklich dann auch umzusetzen.

Montag, 1. September 2008

In der Ruhe... liegt die Selbsttäuschung

Manchmal denke ich, dass jeder Schriftsteller für sein Selbstbild als Schriftsteller mindestens eine Selbsttäuschung auswählt. Die meisten Schriftsteller wählen aus den eigenen Selbsttäuschungen, und aus denen, die jemand anderes einmal über Schriftsteller (oder Künstler/ Inspiration/...) verfasst hat.

Ich beschäftige mich z.B. seit vielen Jahren mit der Frage, wie Schriftsteller zu diesem Beruf gekommen sind. Denn es gibt viele berühmte Schriftsteller (und Künstler), die unter schweren Traumata und schweren psychischen Problemen gelitten haben- wobei ich mich einerseits damit beschäftige, welchen Einfluss das auf ihre Wahrnehmung hat oder hatte, ob es schon vor dem "Berufseinstieg" vorhanden war oder erst durch die berufliche Situation ausgelöst wurde, welchen Einfluss das auf die Berufswahl hatte und vieles mehr.
Die Ergebnisse sind sehr interessant, weil eben nur einige Schriftsteller unter Traumata oder psychischen Problemen gelitten haben- im Sinne von nachweisbaren Störungen- und die meisten anderen eben nicht gelitten haben (auch wenn möglicherweise Traumata und psychische Probleme hatten). Denn die meisten Schriftsteller, die ich kenne, sind schlechte Lügner- und vielleicht ist das mehr Erklärung als alles andere. Denn wer schlecht lügt, muss besonders gut Lügen lernen- und das indem er die Glaubwürdigkeit anders herstellt, als über den Gesichtsausdruck.
Und doch interessiert mich diese Frage um Schriftsteller, Traumata und psychische Probleme, weil ich psychische Probleme habe.

Eine meiner bevorzugten Selbsttäuschungen ist, dass ich nur Ruhe und Zeit brauche, um die richtige Inspiration zu finden und die Zeit für den Roman. (Hey, das ist eine der beliebtesten Schriststellerselbsttäuschungen). Denn wenn ich die Arbeit der letzten Monate mir ansehe, wann ich geschrieben habe und wann nicht, dann sind es nicht die Ruhephasen, die besonders produktiv waren.
Es sind die Phasen, wo ich einerseits intensiv am Leben teilgenommen habe und mir dabei einige Stunden zurückgehalten habe, in dem das Leben um mich herum weiterging. Und dann habe ich "aus dem Leben geschrieben". Wenn ich dagegen wirklich Ruhe hatte, ging nicht sehr viel.
Sehr seltam: Ich habe mir immer sehr viel Druck gemacht, habe mir Tage frei genommen, bin zu Hause geblieben usw., damit ich besonders viel schreiben kann. Und habe mir immer mehr Druck gemacht, weil es nicht geklappt hat. Heute nehme ich mir lieber etwas vor, und plane Schreibzeiten ein.... und es klappt.

Und es gibt noch eine wunderbare Selbsttäuschung als Schriftsteller, die ich eigentlich sehr bemerkenswert finde. Die meisten Autoren gehen davon aus, dass irgendjemand auf ihre Werke warten würde, dass jemand sie erwarten, benötigen oder wünschen würde. Und das sie etwas ganz Neues schaffen würde.
Letztlich, wie schon oft geschrieben zum Thema Originalität, die meisten Bücher kombinieren nur alte Elemente neu. Auch ist es ehrlich gesagt so, dass es aus vernünftigen Gründen keinen Sinn macht ein Buch zu schreiben, wenn man für 15€ ein Buch kaufen kann. Und bei ca. 80.000 veröffentlichten Büchern dürfte bis auf wenige Fälle für die meisten Menschen etwas dabei sein.
Nun- somit bleiben nur drei Gründe übrig, warum man unbedingt weiterschreiben sollte: Weil es einem Spaß macht zu schreiben, weil man eine Geschichte zu erzählen hat, oder weil man damit Geld verdienen kann. Alles andere sind nur hilfreiche Selbsttäuschungen, um sich Mut zu machen.

Oder anders gesagt: Selbsttäuschungen sind natürlich erlaubt, wenn sie helfen. Nur sollte man sie doch mal hinterfragen, denn manche Selbsttäuschungen blenden uns für Probleme, so dass wir in der Suppe schwimmen, statt über den Tellerrand hinausszusehen.