Samstag, 30. August 2008

Eis und Sonnenschein

Manchmal braucht man einen Tag, mit einem Spaziergang, mit einem Kinderwagen (samt geliehenen Kind incl. Mutter), drei Kugeln Eis, und ganz viel Wolkenlosigkeit. Da trifft man auf die Sonne, alte Freunde (die sich sehr verändert haben), Sonnenschirme gehen auf und zu, und Tennissocken in Sandalen. Ein wenig riecht es nach Hundeurin, gerade dort, wo einige schwitzende Menschen mit Dosenbier sitzen.
Die Mutter hat Milchheimer (Schwangerschaftsdemenz), zumindest ein wenig. Der Säugling rülpst und furzt schon wie ein großer (und wie sein Papa manchmal), er ist gerade zwei Monate alt, und bei 5 Kilometer denkt man schon über methanolangetriebene Kinderwagen nach. Man redet über Freunde, und offensichtlich führt Milchheimer dazu, dass man die Dinge etwas anders sieht (riecht sowieso).
Die Sonne brennt immer noch weiter, nervige Fahrradfahrer klingeln einen aus den Weg, Tretminen in Doggengröße riechen besonders stark, bei der Sonne, und Hundebabys sind süss...
Es ist halt Sommer und es ist wunderbar...

Donnerstag, 28. August 2008

Meine innere Stimme singt...

Ich habe keine Ahnung, wie andere Autoren ihre innere Stimme wahrnehmen und kann es mir nur vorstellen. Vielleicht gibt es da eine innere Stimme als weisen Schriftsteller mit Cordsacko und Pfeife, der genüsslich raucht und gelegentlich einen Kommentar einwirft. Vielleicht gibt es da auch kleine beschwörende kleine Musen, die sich an einem schönen Ort warten und gelegentlich einen Quell Inspiration und Kreativität einstreuen. Andere Schriftsteller haben vermutlich einen mächtigen inneren Schweinehund, so richtig borstig, dunkel, mit einer Steckdosenschnauze, der von der Inspiration geritten wird, einer Gestalt mit dunkler Kapuze.

Nun, die Wirklichkeit ist wahrscheinlich viel profaner: Die innere Stimme ist vermutlich nur ein Kribbeln, ein Entenhautparka, ein Nicken, ein leiser Singsang von Buchstaben im Gehörgang. Vielleicht ist es auch nur ein Gefühl, dass sich nicht verkörpert. In der inneren Ruhe ist es es Beinschlag im Schwimmbecken der Literatur, es ist ein kurzes Verharren, manchmal ein Stolpern, ein Blick der auf einen Satz fällt oder einen Buchstaben, ein flattern der Gedanken.
Bei mir ist es einerseits profan, andererseits seltsam. Denn meine innere Stimme singt. Das mag vielleicht daran liegen, dass ich schon immer stimmen- und rhythmusfixiert bin und war. Vielleicht liegt es auch daran, dass Sprache und Geschichten für mich immer ein Singsang aus Stimmen sind, die alle ihren eigenen Klang haben, ihre eigene Stimmfärbung, einen eigenen Rhythmus. Das ich in diesem Rhythmus und Klang der Sprache versinke und versinken kann.
Wenn ich heute einen Text schreibe, dann schreibe ich immer in der Sprache versunken. Wenn ich einen Text lese, dann folge ich dem Klang des Textes, und spüre dann, ob etwas sprachlich passt, und ob es auch inhaltlich, thematisch passt. Denn etwas klingt dann nicht, was bedeutet, dass eben nicht nur die Sprache, sondern auch der Inhalt singt.
Oder anders formuliert: Die Welt klingt in meinen Ohren....

Dienstag, 26. August 2008

Schwimmen kann man auch im Meer... August 2008

Vielleicht brauchen Dinge einfach eine gewisse Zeit, um zu reifen. Und klar, bei mir brauchen bestimmte Dinge sehr viel Zeit, weil ich Autodidaktik bin und ich eine lange Zeit gebraucht habe, um meiner eigenen Meinung und eigenen Stimme zu vertrauen. So langsam merke ich aber, wie viel Arbeit an der eigenen Stimme und dem dabei gewachsenen Vertrauen sich zu auszahlen beginnt.

Denn ich habe in diesem Monat über 35 Seiten geschrieben und endlich den ersten Teil meines Romans fertiggestellt, mit knapp 140 Seiten. Dabei war ich vor allem am Ende mal wieder etwas zu vorsichtig, bei einem mutigen Versuch (das gibt es wirklich), weil ich es ja nicht übertreiben wollte. Aber genau das passte an dieser Stelle nicht, denn ich habe einfach zu wenig gemacht, genau also das Gegenteil von übertreiben.
Insgesamt habe ich mich aber selber wieder überrascht, weil ich nicht gedacht hätte, dass ich so schreiben kann.
Im Anschluss habe ich dann begonnen den ersten Teil zu überarbeiten. Schließlich ist der erste Teil bei einem intuitiven Schreiber schon in gewissem Sinne die Basis für den zweiten Teil. Und ich möchte mich mit dem ersten Teil ja auch bei meinen Testlesern vorstellen, und letztendlich in den nächsten Monaten bewerben. Dazu brauche ich aber noch einen guten Einstieg in den zweiten Teil....
Und klar, beim Lesen des ersten Teils sind mir einige Kleinigkeiten aufgefallen, und ein paar Nichtkleinigkeiten. Das erste Kapitel startete viel zu langatmig, die Hauptfigur wirkte an ein paar Stellen sehr passiv und da gab es auch noch ordentlich Kürzungsbedarf in zwei Kapiteln. Nun, der Großteil der Änderungen ist bereits erledigt. Wobei mir die Pause dabei auch geholfen hat, denn gerade habe ich endlich eine wichtige Stelle gelöst, die anscheinend ein paar Tage Pause brauchte.

Oder anders formuliert: Der August war für mich ein verdammt guter Monat, weil ich sehr schnell vorangekommen bin, sowohl beim Schreiben, als auch beim Überarbeiten. Zudem ist der erste Teil inzwischen weit besser, als ich das je von einem meiner Texte erwartet habe. Ich bin zwar noch nicht ganz fertig, aber ich denke, dass ich am Ende dieses Monats meinen ersten Teil an die Testleser rausschicken kann. Und damit wäre ich in meiner Kalkulation, die vorsieht, dass ich Ende Dezember den zweiten Teil fertig bekomme. Und das wäre ein Satz.

Montag, 25. August 2008

Das Rembrandthaus und der Zugang zur Welt

Wenn man in Amsterdamm auf der Suche nach Rembrandt ist, dann kann man kaum am Rembrandthaus vorbei. Dort gibt es einen interessanten Raum, in dem heute noch nach den alten Bestandslisten (aus dem Bankrott Rembrandts) der Vorlagenraum gestaltet ist. Dort befinden sich allerlei Gipsabdrücke von römischen Kaisern, Speere und andere Waffen, Schildkrötenpanzer, Kopfschmuck aus Indonesien, allerlei ausgestopfte Tiere oder Tierhäute (Walross, Löwe, Krokodil,...), viele Korallen und einiges mehr.
Denn um die eigene Vorstellungskraft anzuregen, Dinge vorstellbar zu machen, braucht man eben manchmal ein Bild, einen Abdruck oder auch ein Stück. Und das ist nicht die Basis des Bildes, sondern die Basis der Vorstellungskraft. Genau wie im Atelier gezielt mittels Vorhängen bestimmte Lichtverhältnisse erzeugt werden konnte.
Wobei man eines gestehen muss: Rembrandt hat sich nicht so sehr um die Perspektive gekümmert, so dass bei manchen Bildern die Schatten andeuten, dass es viele Lichtquellen gab, oder vorgestellte Lichtquellen. Und wie gesagt, das Licht ist das Zentrale in Rembrandts Bildern, der Kontrast aus hell und dunkel- der unter anderem für die Dynamik der Bilder sorgt. Genau wie die Abweichung Rembrandts in das, was er gesehen und gemalt hat- statt geschönte oder stilisierte Gemälde zu malen.
Wie viele andere Künstler, hat Rembrandt sich immer wieder selber gemalt. Seine Selbstporträts sind eine Beobachtung seiner Selbst, der Anerkenntnis, dass das Leben sich in das eigene Geschichte schreibt und eine Art malerisches Tagebuch.
In dem bereits im letzten Eintrag erwähnten Film "Rembrandt" steht am Anfang, dass kein Millionär in der Lage wäre alle Gemälde Rembrandts zu kaufen, wenn diese erhältlich wären. Nun, seit 1936 hat sich die Zahl der Rembrandt zugeschriebenen Bilder, Zeichnungen und mehr deutlich reduziert. Aber um die geschätzen 300 Gemälde und über 1000 Zeichnungen wären es heute noch, um 1936 ca. 550 Gemälde und 1500 Zeichnungen. Aber selbst mit 52.000.000.000 Euro wäre es heute nicht möglich diese Gemälde und Zeichnungen zu kaufen, die Rembrandt je gemalt hat. Eine seltsame Situation.
Wobei es gibt in der Malerei viele dieser Situationen. Die meisten Menschen schätzen van Gogh sehr, und gleichzeitig mögen sie keine moderne Malerei- wobei van Gogh mit vielen Zeitgenossen die Grundlagen für eine neue Malerei gelegt hat, die moderne Malerei. Witzig, halt.

Sonntag, 24. August 2008

Amsterdamm

Da ich eigentlich noch in meiner kleiner Blogpause bin, heute nur einen kurzen Eindruck aus dem Rijksmuseum. Dieses Museum wird gerade für viel Geld umgebaut, aber immerhin kann man die Sammlung "Masterpieces" noch betrachten, die sich auf die Bilder aus der Zeit Rembrandt van Rijns konzentriert, darunter die "Nachtwache".
O.k., die erste Feststellung ist, dass die Sicherheitsbeamten recht nervös werden, wenn man den Ausstellungstücken zu nahe tritt.... wobei zu nahe gestikuliert wohl präziser in der Wortwahl ist. Vielleicht kann ich mich mit meiner Begeisterung entschuldigen, meiner Freundin nach dem Besuch im Rembrandthaus nun auch seine Gemälde einmal zu zeigen. (Natürlich mit dem Verweis auf den wieder auf DVD erhältlichen schönen Film über Rembrandt mit Charles Laughton- auch wenn dieser nicht ganz "historisch" ist.)
Auf jeden Fall kann man von Rembrandt einiges über die Kunst der Malerei lernen, wenn man nur genau seine Bilder ansieht. Denn natürlich gibt es im Rijksmuseum andere begabte holländische (und ausländische) Maler, aber wenn man sich wirklich Zeit lässt und die Bilder betrachtet, dann wird rasch klar, was von Rembrandt und seinen Schülern ist ist, und was nicht.Denn z.B. Franz Hals hat sehr präzise gemalt, was er an Portraits zu malen hatte. Aber Rembrandt hat im Gegensatz zu den meisten Malern dort eine bestimmte Dynamik, die ihn aus den anderen Malern seiner Zeit heraushebt. Denn seine Bilder wirken lebendig, durch den geschickten Fall des Lichtes, durch ihre Präzision- durch den Fall des Lichts scheinen sie aus einer gewissen Entfernung zu leuchten und heben das gewählte Element des Bildes im Raum hervor.
Dieser Lichtfall und die Bewegungen auf den Bildern, in Szene gesetzt durch das Licht, die gezielte Gestaltung von Gruppen mit eigenem Licht bei der "Nachtwache", die Verwendung von besonderen Details und Farben im Lichtfall, machen deutlich, was der Unterschied zwischen Hals und Rembrandt von Rijn ist. Der eine beherrscht sein Handwerk perfekt, das Malen von Portraits. Aber der andere fügt weitere Elemente hinzu, die er sicherlich nicht alle erfunden hat- aber durch die Kombination von altem und neuem, und der Entdeckung des Lichtfalls und der Bewegung in Kombination ist Rembrandt eben mehr als nur der perfekte Handwerker, sondern auch ein großer Künstler. Und das ist Hals eben nicht.

Donnerstag, 21. August 2008

Blogpause

Da ich mir gerade fest vorgenommen habe eine kleine Schreibpause zu machen, und etwas Urlaub, werde ich natürlich auch in meinem Blog pausieren...
In diesem Sinne, bis Montag.

In Urlaub...

Ich werde morgen für einige Tage die Tastatur aus der Hand legen, und nicht schreiben. Ganz einfach, weil ich durch die Arbeit für die Uni und die ergänzenden drei bis vier Stunden Arbeit an meinem Roman ein wenig ausgelaugt bin, in Gedanken, und müde.
Das passiert mir manchmal, gerade weil ich so viele Erwartungen in meine Arbeit am Schreiben setzte und versuche jeden Tag noch ein bißchen mehr zu schreiben, noch ein paar Zeilen. Übrigens eines meiner Probleme mit dem Schreiben: Ich nehme mir zuviel vor, und blockiere mich dann irgendwann. Weil ich mich zu sehr unter Druck setzte, statt das Schreiben zu genießen. Und irgendwie klappt das dann irgendwann nicht mehr, weil ich keine Pausen mehr machen kann, ohne ein schlechtes Gefühl zu haben.
Ich hatte das eigentlich abgestellt, dieses Gefühl mich selber ständig unter Druck zu setzen, habe aber anscheinend einen kleinen Rückfall. Was letztlich daran liegt, dass es gerade so gut läuft mit dem Schreiben und ich unbedingt gerade ein paar Dinge rasch erledigen wollte. Und deshalb setze ich mich unter Druck bestimmte Dinge zu erledigen und zu schaffen.
Also muss ich jetzt ein paar Tage damit verbringen, mich nicht unter Druck zu setzen und mich von den Erwartungen erst einmal frei zu machen. Damit ich dann wieder in Ruhe schreiben kann, ohne mich ständig selber unter Druck zu setzen. Denn der Druck von außen reicht durchaus aus....

Deshalb werde ich jetzt ein paar Tage Pause machen. Ich werde ausgehen und schlafen, mir eine wunderbare Metropole ansehen, ein paar Museen. Und Zeit mit meiner Freundin verbringen. Denn ich schöpfe mein Schreiben aus dem Leben, und es ist eine Feier des Lebens, und nicht eine eremtische Rückerinnung. Ich neige nur dazu es zu vergessen.

Dienstag, 19. August 2008

Authenzität/ Glaubwürdigkeit

Weil immer wieder die Authentizität bei Romanen ins Gespräch gebracht wird, besonders gerne bei historischen oder zeithistorischen Romanen, ein paar Gedanken dazu:

Die erste Begegnung mit dem Wort "Authenzität" war auf einem Mittelaltermarkt. Ich trug zu meinem schottischen Tartan eine Stahlaxt, die ca. 25 Kilo wog. Nur leider war die Person der Meinung, dass mein Tartan vom Muster und Stoff her nicht zum Mittelalter passte, da die Färbemethode nicht authentisch sei, und die Farbwahl auch. Und die Axt: Puh, die war ganz und gar nicht authentisch, weil sie nicht die typische Form aus einer Waffenzeitung für die Zeit hatte, und dazu noch zu schwer war. Die dezente Aufforderung zu einem Duell mit seiner orginalen Axt bin ich aber ausgewichen, weil ich doch nicht ernsthaft mit einem Mensch diskutieren wollte, mit Stahlwaffen, der mit Waffengewalt seine Meinung über das 13. Jh. durchsetzen wollte. Vor allem nicht, weil mein Tarten zu einem guten Teil aus Polyester bestand, was er gnädig übersehen hat, wie die genieteten Hemdknöpfe an seinem Hemd. Sein Tartan war blass gefärbt, aber leider genauso unecht wie meiner, da es keine Aufzeichnungen über die Färbung schottischer Tartans im 13. Jh. gibt oder gab. Aber wer will denn so kleinlich sein... o.k. ich schon, wenn man mich zu einem Duell fordert.

Als Geschichtsstudent ist eine der ersten Lektionen, dass man in der Geschichte, wenn man lange genug sucht, immer eine Bestätigung für die eigene Meinung findet. Genau wie die gefundenen Antworten mehr über die eigenen Fragestellungen und die jetzige Zeit aussagen, als über die Zeit, die man gerade befragt.
Denn anhand von schriftlichen und nicht schriftlichen Quellen kann man ein wunderbares Puzzle erschaffen, wozu aber ein Großteil der Steine fehlt- und durch Übertragungen, Vermutungen, Annahmen, Spekulationen und Ähnlichkeiten gefüllt werden muss, und durch Theorien, Hypothesen und Analysen durch eine Wahrscheinlichkeit quantifiziert. Letztlich gibt es dann aber kein einheitliches Puzzle, sondern jeder kann sich ein eigenes Puzzle zusammenbasteln, das nur in der Menge der nachvollziehbaren Puzzlesteine und der Kreativität der neuen Steine und deren Begründung unterscheidet.
Somit ist Authentizität gar nicht die historische Nachprüfbarkeit alleine, sondern wie glaubwürdig ich mein Geschichtsbild vermitteln kann, wie glaubwürdig/wahrscheinlich es ist und wie sehr andere das nachvollziehen können. Eine Duellandrohung schlägt also nicht Fakten, aber mich, vermutlich. Es wäre aber vermutlich einfach gewesen mir einfach einige Gründe für seine Annahme zu nennen und das auch zu zeigen. 25 Kilo Axt sind halt bei weitem nicht so elegant zu führen, wie die Axt meines "Gegenübers".
Dann hätte ich wohl auch über meinen Tartan zumindest nachgedacht. Wobei mein Gegenüber aber eine wichtige Sache vergessen hat. Wie Petra in einem der Antworten der letzten Wochen geschrieben hat, geht es bei einem Mittelaltermarkt um das Vergnügen am Spiel. Und da macht es keinen Unterschied, welche Farbe mein Tartan hat, und ob ein paar arme Polyester dafür sterben mussten, die putzigen Erdölmonster. Viel interessanter wäre gewesen, wie sehr ich das Gefühl von Mittelalter vermittelt hätte.

Genau wie dieser nette Duellant bei einem Mittelaltermarkt, geht es aber auch bei Romanen zu. Ich habe ja schon mal über das Problem einer weiblichen Hauptfigur und einem männlichen Autor geschrieben, wo immer wieder von einigen Lesern das Verhalten der Hauptfigur über den Begriff "Authentizität" (im Sinne des Duellanten) geprüft wird- mit dem Ergebnis, dass die Frauenfiguren unpassend ist. Die Formulierungen sind dann meist "Eine Frau würde nicht"; "Eine Frau tut nicht";... Nur leider ist das ungefähr so tragfähig wie die obigen Aussagen des Mittelalterschotten. Denn wenn ich solche Texte unter einem weiblichen Pseudonym veröffentlicht habe, wurde das nie hinterfragt. Zudem erhielt ich genau gegenteilige Mails, wo gerade diese Darstellung gelobt wurde. Und ganz ehrlich: Ich würde nie einer Autorin unterstellen, dass ich wüsste, was ein Mann tun oder nicht tun würde, weil es so unterschiedliche Männer gibt.
Aber diese "Authentizität" wird natürlich auch bei vielen anderen Dingen im Roman ins Spiel gebracht: Halte ich mich genug an Fakten über recherchierbare Dinge, stimmen die Details, ist das psychologisch nachvollziehbar, kann das wirklich sein, dass 1984 schon dieser Pulli zu kaufen war. Natürlich ist es wünschenswert, wenn diese Details stimmen- aber ehrlich gesagt stören Fehler mich nur, wenn die Geschichte nicht passt/ nicht stimmig ist. Wenn also ein wesentlicher Teil der Geschichte nicht passt- was weit über die angeführte "Authenzität" hinausgeht. Ansonsten gehe ich als Leser drüber hinweg, und beachte nur einige Patzer, die überdeutlich sind (oder mir über mein Wissen so erscheinen). Wie die legendären (hoch-)mittelalterlichen Kartoffeln oder Nudeln,
Mein Maßstab wäre also entweder die "Authentizität" aus dem Geschichtsunterricht oder eine generelle Stimmigkeit der Geschichte. Denn in einem schönen Roman erwarte ich nicht historische Stimmigkeit oder Authentizität, sondern eine stimmige, überzeugende Geschichte. Und wenn jemand phantastische oder surreale Elemente einbaut, Fabelwesen, Träume, dann ist das genauso in Ordnung, wie die absichtliche Fälschung historischer Tatsachen zum Wohle des Romans oder alles andere, was dem Roman dient.
Und das geht ein wenig unter, wenn über "Authentizität" gesprochen wird. Denn da wird ein Ausschlusskriterium konstruiert, das sich nicht nach dem Roman richtet, sondern nach abstrakten Wertigkeiten und Annahmen. Und das lenkt den Blick von etwas wichtigem auf etwas nicht so wichtiges ab. Und das ist Schade.

Sonntag, 17. August 2008

Künstlerförderung

Neulich, beim Einkaufen, habe ich einen malenden Kollegen vor einem Supermarkt entdeckt, der seine Tulpenstillleben und einige abstrakte Zeichnungen dort zum Verkauf anbot. Der Preis war moderat, für die Förderung unter Kollegen. Auch wenn er natürlich von seinen Tulpen im Stile eines Manet und anderer verschiedene Versionen mit unterschiedlicher Beleuchtung erschaffen hatte.
Nur eines hatte der Kollege vergessen: Die Unterschrift, die Signatur, der endgültige Beweis, dass dieses Werk nur von ihm stammt, aus seiner Künstlerschule, aus ihm.
Diese Nachlässigkeit sei ihm jedoch vergeben, wie auch der Preis von gerade einem Euro. Er war gerade sieben Jahre alt. Aber die Grundpraxis des Künstlerlebens hat er schon verstanden. Einen Mäzenen finden und lächelnd und selbstbewusst einen Preis für seine Kunst zu verlangen

Samstag, 16. August 2008

Passivität und Leid

Wie ich im letzten Post geschrieben habe, bin ich gerade dabei eine Szene zu ändern. Meine Hauptfigur löst selber die Szene aus, geht in die Szene hinein, und wird dann weitgehend passiv- wenn in diesem passiven auch immer ein aktives eingestehen mitenthalten ist. Die betreffende Stelle hat einige witzige Elemente, sogar ein wenig Slapstick. Es ist eine wunderbare Stelle, aus meiner Sicht, aber etwas stimmt nicht. Das ist mir bei der Drittbearbeitung dieser Szene erst aufgegangen.
In dem Film "Liebe braucht keine Ferien" erscheint Eli Wallach in der Rolle eines alten Drehbuchautoren aus Hollywoods Glanzzeiten der 30er Jahre, Arthur Abbott, der einer der beiden weiblichen Hauptfiguren (Kate Winslet alias Iris Simpkins) jede Menge Filme ansehen lässt. Denn sie verhält sich nicht wie eine Hauptfigur in ihrem Leben, sondern wie eine lustige Nebenfigur. Dies macht die Figur des Arthur Abbott gerade an der Passivität der Figur fest, an der ständigen Wiederholung ihrer Fehler und der fehlende Entscheidungsfähigkeit.
Im Prinzip trifft dies genau zu: In einem figurenbezogenen Roman verhält sich meine Hauptfigur nicht wie die Hauptfigur, sondern wie eine lustige Nebenfigur. Das ist gerade problematisch, weil in der Haupthandlung meine Figur sich entschließt ihrer eigenen (schlimmen) Vergangenheit entgegenzutreten- und ich hier allerlei Verstrickungen auflösen und behandeln muss. Dazu brauche ich eine starke Figur, die sicherlich nicht zu stark sein darf- die aber auf keinen Fall passiv sein darf.
Aber es ist nicht das erste Mal, dass ich diese Figur habe passiv werden lassen. Denn es ist verlockend einer solchen Figur nicht die Entscheidungen zu überlassen, sondern die Figur von anderen tragen zu lassen. So wirkt das Leid dieser Figur stärker, scheinbar, mit einer erkennbaren Tendenz ins Melodramatische (was ein wenig durch den Humor gekontert wird). Aber das Leid wird in der Steigerung und in der Passivität nicht stärker- denn Leid ist nicht steigerbar. Und wir fühlen besonders mit Personen mit, die durch das Leid eben nicht passiv werden, zumindest meistens, sondern versuchen damit umzugehen.
So muss ich nun der Figur wieder aktiv werden lassen. Denn genau diese Aktivität wird letztlich den Ausschlag geben, wie meine Figur und die Geschichte wahrgenommen wird, ob nun als Geschichte meiner Figur, oder als melodramatische Geschichte, die über die Figur hinausgeht bzw. in der die Figur hinter etwas zurücksteht.

Aber vielleicht habe ich auch Unrecht... Eine Sache, die mir in letzter Zeit manchmal aufgefallen ist. Denn ich neige manchmal dazu eine gute Idee zu verwenden, um dann festzustellen, dass Ideen unglaublich starke Dinge sind. Aber sie neigen dazu einen zu blenden, wenn man sie verabsolutiert.

Donnerstag, 14. August 2008

Verwirrende Arbeit...

Irgendwie lese ich meine Texte immer wieder gleich, und immer wieder anders. Ich kann nicht einmal sagen, woran es liegt, meistens zumindest ...
Seit zwei Tagen nehme ich wegen Rückenschmerzen starke Schmerzmittel, und, weil heute meine Allergie heftig zugeschlagen hat, auch diverse Antihistamine. Dazu kommen natürlich auch noch Schmerzen und dieser leichte Schatten über den Augen, der die Augenlider ein wenig herunterdrückt, sowie Allergiesymptome (im breiten Spektrum, wie die Dinge, auf die ich reagiere). Ich habe deshalb auch viel geschlafen.
Weiterhin kommt dazu, dass ich meinen Roman gerade ein wenig durcheinander gewürfelt habe- ich habe also vor den langsamen Anfang einen schnelleren Teil gestellt- und somit die Dynamik der Geschichte ein wenig verändert.
So habe ich heute unter widrigen Umständen meinen Roman neu gelesen und wieder einmal neu entdeckt. Und klar, ich konnte meine Griffel nicht von der Tastatur lassen, und habe hier und da Kürzungen gemacht, Betonungen verändert, und natürlich Sätze umformuliert.
Die erste Erkenntnis war: ich habe viele Änderungen wieder rausgenommen, die ich in den letzten Monaten reingenommen habe- da waren einige wunderbare Ideen, die damals unbedingt hineinmussten. Heute weiß ich, dass diese Ideen nun zur Hälfte wieder gehen mussten, weil sie zwar immer noch wundervoll sind, nur nicht für diese eine, besondere Geschichte.
Zweitens habe ich erkannt, dass ich an manchen Stellen ein wenig übergewichtig in den Sätzen bin, noch zuviel unwichtiges in meinem Text habe und wenig fokussiert bin. Hier mussten einige Darlings sterben, also schöne Stellen, die aber irgendwie nicht wichtig waren. Und manchmal brauche ich viel zu viele Worte, um etwas einfaches zu sagen.
Drittens habe ich an einigen Stellen noch ein paar kleine Logikfehler gefunden (zwei genau gesagt). Das passiert bei einem Roman.
Schwieriger ist viertens, dass ich immer wieder in einen bestimmten Fehler bei der Charakterzeichnung verfalle. Ich zeichne meine Figuren manchmal zu passiv, auch wenn sie das nicht immer sind, verwende viel Humor, aber hebe das passive nicht auf. Das ist halt etwas leichter, macht die Figuren in ihrer Rolle klarer im Sinne von klassischer. Aber das passt leider nicht zu meinen Geschichten.
Fünftens und auch erwähnenswert ist, dass ich eigentlich eine Trägodie schreibe, aber das der Humor in ihr einen ganz besonderen Stellenwert hat. Und das ich das manchmal vergesse- was dann den Roman manchmal auf Abwege schickt- und in eine falsche Richtung. Hier muss ich ein wenig mehr aufpassen.

Mittwoch, 13. August 2008

Wenn es kräftig scheppert

O.k., o.k., vielleicht nerve ich im Moment gerade mit meinem Roman- aber es tut sich gerade so einiges. Denn irgendwie ergeben sich nach und nach Lösungen für Probleme, die ich seit Wochen mit mir herumtrage, in meinen Gedanken.

Mein Romananfang ist etwas langsam im Spannungsaufbau oder anders formuliert: Ich lasse meiner Hauptfigur viel Raum und Zeit sich vorzustellen, ohne das wirklich eine Handlungspannung (im Sinne von Aktion) den Leser anregt weiterzulesen. Ich liebe diese Szene, und halte sie für sehr wichtig.
Gleichzeitig ist mir heute aufgefallen, dass sie vielleicht nicht der ideale Anfang ist, weil etwas Handlung vermutlich besser wäre, um die Figur einzuführen, bevor ich entfalte.
Ich habe aber noch eine andere Problemstelle: Das vierte und fünfte Kapitel, die in Köln spielen und weitgehend aus einer Unterhaltung bestehen, die nur von drei Rückblenden unterbrochen wird. Letztlich eine schöne Stelle, die aber einerseits ein wenig abgehakt wird, und andererseits nicht so ganz zu den anderen Kapiteln passt. Und Rückblenden, die so in den Text gearbeitet sind, die sind auch weniger schön.

Heute morgen ist mir eingefallen, dass ich die Rückblenden einfach als "Prolog" vorstelle, weil die ordentlich Tempo aufnehmen, und im Prinzip dem Leser im alten ersten Kapitel einen Wissensvorsprung geben. Dementsprechend habe ich dann aus den beiden Kapitel 4. und 5. ein Kapitel gemacht, und noch ein wenig ausgekürzt.
Nun, die erste Version scheint nun "flotter", ergänzt die nun noch besseren ersten drei Kapitel. Nun ist nur zu prüfen, ob ich nicht die Dialogszene noch ein wenig mehr auskürzen kann. Mal sehen. Denn hier wird zwar wichtiges diskutiert, aber noch zu lange. Dafür könnte ich vielleicht am Anfang noch ein bißchen ergänzen.
Schaun mer mal... auch ob es jetzt passt.

Dienstag, 12. August 2008

Markus Zusak: Die Bücherdiebin

Manchmal beginnt man einen Roman zu lesen, und der Anfang ist irgendwie seltsam... Der Tod erzählt eine Geschichte über ein junges Mädchen. Und der Tod, naja, wie zu erwarten, erzählt er etwas eigenwillig. Und man ist sich noch unsicher, ob man weiterlesen möchte, obwohl man längst weitergelesen hat. Und dann, man hat es kaum bemerkt, hat man sich längst festgelesen und kann kaum noch aufhören zu lesen.
Denn der Tod erzählt eine Geschichte über die Literatur, und wie sie nicht nur Teil des Lebens und des Überlebens wird, sondern über die Bedeutung der Literatur, wie sie manchmal vergessen wird. Dabei werden Bücher zu Teil der Erinnerung der jungen Liesel, sie werden zu Wendepunkten ihres Lebens, sie rettet Bücher und mit diesen Büchern rettet sie auch andere- ohne sie vor dem Erzähler des Romans bewahren zu können. Aber vielleicht war das zweite auch nicht so wichtig wie das erste.
Es geht aber auch um die Zieheltern von Liesel, um die Nazizeit, die Jugendliebe der Hauptfigur, die Menschen in der Himmelstraße, und es geht um Entscheidungen, Mut, Verlust.

Letztlich ist Markus Zusaks Roman "Die Bücherdiebin" ein großer Roman mit vielen Schwächen, die aber nur so stark auffallen, weil die Stärken so atemberaubend sind. Und man ist diesem Roman bereit seine Schwächen jederzeit zu vergeben, weil dieser Roman und vor allem seine Figuren den Leser noch viele Gedanken lang begleiten werden, und vielleicht sogar noch wesentlich länger. Ich bin nicht begeistert, aber deutlich berührt... Und das ist wesentlich mehr.

Montag, 11. August 2008

Mein Vater...

Eigentlich denkt man als Sohn ja, man wäre mit einem sechundsechzig Jahre altem Vater aus den Gröbsten raus. Aber das ist manchmal eine Täuschung...
Da sitze ich in meinem Büro im Keller meiner Eltern, als ich einen Anruf bekomme.
" Schwangerschaftsberatung der Caritas. Ich würde gerne mit Herrn.... sprechen?"
Da war ich erst baff und musste dann lachen. Schwangerschaftsberatung, da dachte ich im ersten Monat halt an Schwangerschaftsberatung und nur das. Klar, mein Vater arbeitet als Ehrenämtler für einige Organisationen. Aber das er für die Schwangerschaftsberatung arbeitet, dass wusste ich nicht. Es hätte also etwas sein können, was anderes. Er wurde dann auch ziemlich rot, als ich ihm die Nachricht überbrachte, dass ihn die Schwangerschaftsberatung sprechen wollte. Und wusste gar nicht, dass die seine Nummer hatten und worum es ging.

Nun, mein Bruder und meine Mutter haben herzlich gelacht, und inzwischen wissen wir auch, worum es wirklich ging, Aber ehrlich gesagt: So ein bißchen habe ich schon geglaubt, dass mein Vater vielleicht doch noch nicht aus dem Gröbsten raus ist.

Sonntag, 10. August 2008

Gedankenkind...

Manchmal hat man in einem Manuskript gerade ein Kapitel beendet, eine bestimmte Stelle ausgeführt, und ein wenig hat dieses Kapitel, diese Stelle die Vorstellung über den Roman verändert. Genau das ist mir gerade passiert und gleichzeitig ist die Vorstellung immer noch die selbe, nur die Ausführung und einige Details haben sich verändert.
Nun, ich hatte ja schon geschrieben, dass ich gerade an einem Übergangskapitel sitze- und dabei gerade überlege, wie ausführlich ich den Übergang gestalte, wie wichtig es ist den Übergang noch einmal zu klären und zu vermitteln, und welche Elemente ich für den Übergang noch einmal aufgreifen muss.
Viel entscheidender ist aber etwas anderes: Ich habe über das letzte Kapitel einen Hebel für den restlichen Text gefunden, der vorher nicht da war. Und nun denke ich gerade aus, wie ich diesen Hebel einsetze und wann ich ihn einsetze.
Und irgendwie habe ich das Gefühl, das das Übergangskapitel in den nächsten Tagen kommen wird. Und ich weiß, dass ich in den nächsten Tagen auch mit dem zweiten Romanteil anfangen werde, nur leicht anders, als ich das in der letzten Variante gemacht habe. Weil die Kapitel wirklich einiges geändert haben, auch wenn das grundsätzliche gleich bleibt. Die Geschichte ist dichter geworden, tiefer und klarer. Und das ist doch ein prima Ergebnis

Freitag, 8. August 2008

Warum ich irgendwann zu meiner okkulten Geschichte zurückkehren werde (nach der Fertigstellung von meinem Roman)

(Einfach nur die ersten paar Zeilen des Prologs lesen, dann wird es glaube ich klar....)

Um die Straßenlaternen kreisten einige vom Licht berauschte Blumenfeen, während ich am Parkeingang den Sitz des Mikrophons an meinen rosa Jogginganzug überprüfte. Mein Chef hatte ihn extra für diesen Einsatz gekauft, aber ausgerechnet Rosa. Freiwillig hätte ich so etwas nie angezogen. Aber wir brauchen einen Lockvogel, hatte er gesagt, und dazu passe nun einmal rosa. So ein Arschloch. Ich war ein knallbuntes Bonbon für die Bestien, das war meine Interpretation. Und genau die lauerten im Zwielicht auf mich, wenn ich einmal den Park betreten würde.

Donnerstag, 7. August 2008

Für das Schreiben braucht man Chaos...

und das Schreiben selber ist bei mir zumindest ein eher chaotischer Prozeß. Denn ich plane ja nur die nächsten Szenen aus dem vorhandenen, wobei ich mich an sehr kurzen Vorgaben für den Handlungsrahmen des Romans orientiere.
Die Folge dieses Vorgehens ist, dass ich immer wieder mit den Versuchen, den Ansätzen nicht zufrieden bin (Inhalt oder Qualität), sie nicht zu den vorherigen wirklich passen- oder ich einfach aus Gründen des Tempos, der Handlungsdichte oder anderen Dingen kürzen muss. Manchmal habe ich sogar eine Kapitel geschrieben, die nicht wirklich die richtige Lösung für mein Problem zu sein scheinen.
Die meisten dieser Szenen werden dann wieder gelöscht, andere erhalten die Chance einige Zeit als gesonderte Datei in meiner "Resterampe" als Ideenbaustelle zu verweilen, und nur ungefähr jede 20 Szenen kommt in den Ordner "Restszenen", in denen besonders gelungene Szenen verwahrt werden.
Heute habe ich mal wieder die "Resterampe" und die "Restszenen" durchgemistet: Von den 52 Dateien sind knapp die Hälfte ins Datennirvana übergegangen, was letztlich ungefähr 120 Seiten entspricht. Dazu wurden die anderen Szenen gekürzt und verschoben- denn insgesamt taugen vielleicht 8 Szenen noch für einen späteren Einsatz. Nun habe ich noch knapp 120 Seiten in der "Resterampe" und nur noch 15 Seiten bei den "Restszenen".
Endlich habe ich wieder Ordnung in den Ordnern, und die Gedanken frei für die nächsten Tage.

Mittwoch, 6. August 2008

Nur eine kurze Szene

Schreiben scheint bei mir immer aus seltsamen Erfahrungen zu bestehen. Was mich immer wieder zum Schmunzeln bringt, vor allem über mich. Denn dieses Gefühl der seltsamen Erfahrung bedeutet nur, dass ich etwas nicht erwartet habe, oder ich habe es zumindest nicht so erwartet- und genieße das Gefühl mich überraschen zu lassen, vom Schreiben. Oder anders gesagt: Manchmal bin ich vor meinem Schreiben nur das staunende Kind, mal der Literaturwissenschaftler, der Deutschlehrer, ein Lektor oder Leser bin, manchmal irgendwie alles und nichts.
Wenn man an einem Tag wie gestern ein Kapitel von knapp 20 Seiten schreibt, , zu Hälfte aus bestehenden Seiten und viel Neuem, dann ist manches schon rund, anderes ist manchmal noch etwas unrund, anderes sicher auch unfertig. Ich hatte die Planung für dieses Kapitel erst in den letzten Tagen abgeschlossen, und mir wieder mal etwas recht experimentelles überlegt. Und irgendwie erschien es mir gestern, als hätte ich eine wunderbare Idee umgesetzt, wenn auch recht kurz.
Nun, heute beim Gegenlesen habe ich festgestellt, dass ich nicht genug gewagt habe- und das ich aus der Szene bei weitem nicht das rausgeholt habe, was rauszuholen ist und was noch schlimmer ist, was in dieser Szene drinsteckt. Ich war also viel zu leise, als es wichtig war etwas lauter zu werden. Oder anders gesagt: Wer etwas experimentelles schreibt, der muss mutig genug sein, dass er das experimentelle nicht verschenkt, sondern wirklich zur Probe offenlegt.

Also habe ich wieder mal sehr über mich und meine Arbeit gelacht: Etwas zu wagen, ihm dann aber nicht zu vertrauen und es kurz zu halten, dass ich wahrlich eine seltsame Erfahrung beim Schreiben

Dienstag, 5. August 2008

Bergfest

Ich habe im April 2005 mit meinem Romanprojekt begonnen, weil einige liebe Kollegen mich nach der Lektüre einiger meiner Kurzgeschichten dazu ermutigt haben. Ich hatte große Bedenken, weil alle längeren Projekte (>50 Seiten) immer schief gelaufen sind.
Zweimal habe ich danach ganze Manuskriptblöcke mit mehr als 100 Seiten wieder verworfen, weil ich weiter geschrieben habe, bevor ich mit meiner gedanklichen Planung so weit war, weiterzuschreiben. Mehrmals habe ich schlechte Romanteile erst einmal behalten, bevor ich sie dann mit vielen Folgeseiten wieder um- und neuschreiben musste. Aber all das hat noch nicht funktioniert.
Deshalb habe ich von den fertigen 120 Seiten im letzten Jahr ca. 40 Seiten für später zurückgehalten, und die restlichen 75-80 Seiten um 1/3 gekürzt. Weitere 12 Seiten wurden dann rausgestrichen und mit diesen knapp 40 Seiten habe ich neu angefangen. In den letzten 10 Monaten habe ich Seite um Seite, Kapitel um Kapitel wieder aufgebaut, und einige Textteile aus den alten Bereichen übernommen, den Großteil aber neu geschrieben.

Heute habe ich den ersten Teil meines Romans abgeschlossen, insgesamt etwas über 160.000 Zeichen, die sich auf 140 Manuskriptseiten verteilen. Und morgen werde ich noch ein Übergangskapitel schreiben, indem ich aus dem ersten Teil in den zweiten Teil überleite. Obwohl ich heute knapp 200 Manuskriptseiten Text in Reserve habe, werde ich davon wohl nur noch einzelne Seiten verwenden, weil in den letzten Tagen klar geworden ist, wie und wohin der weitere Weg geht. Das wohin war vorher schon klar, das wie hat sich wieder mal aus dem Schreiben ergeben. Und endlich habe ich das Gefühl, dass dieser Roman in den nächsten Wochen und Monate weiter wachsen und gedeihen wird.
Es ist irgendwie ein komisches Gefühl, dass ich heute wohl die erste Hälfte des Romans beendet habe- Bergfest hat. Und es ist ein gutes Gefühl, weil ich mir zwar immer sicher war, dass ich diesen Roman irgendwann beenden werde. Nun ist aber klar, dass es nicht noch einmal so viel Zeit dauern wird- ich schätze, es werden wohl zwischen 6 und 10 Monate.
So langsam scheint sich vieles zu klären, wofür ich auch diese lange Zeit einfach gebraucht habe. Ein seltsames, großartiges Gefühl. Die Sicherheit ist da, auch wenn in der Überarbeitung des 12. Kapitels morgen wohl noch die eine oder andere Überraschung sich finden wird. Nun gibt es noch zwei, drei Seiten, die wohl in den nächsten Tagen noch in den Roman eingearbeitet werden, der Rest wird dann wieder neu sein, neu entstehen. Und auch das ist ein gutes Gefühl. Der Abstieg wird nicht einfach, aber nach diesem Ausblick freue ich mich.

Montag, 4. August 2008

Montag Morgen... (Illusionen und Bilder einer Epoche)

Eine der interessantesten Dinge für einen Historiker ist die Wahrnehmung einer Epoche, weil die Wahrnehmung viel über den modernen Standpunkt zu dieser Zeit aussagt und die Bilder, die sich viele Menschen über diese Zeit machen.
Beim Junggesellenabschied (mit wenigen Peinlichkeiten, wirklich) waren wir auf einem Mittelaltermarkt, bei dem naturgemäß das Mittelalter kaum eine Rolle spielt- schließlich sind die meisten der Stände von Händlern und deren Interesse ist der Verkauf, durchaus von Gegenständen, aber auch von Illusionen. Und die Bedeutung von Illusionen im Wirtschaftsleben kann man an der Bedeutung von Marketing erkennen, bei dem schon lange nicht mehr ein Produkt (und dessen Nützlichkeit oder Notwendigkeit) verkauft wird, sondern einen Lebensstil, bestimme Illusionen über das Produkt, soziale Verpflichtungen und vieles mehr.
Bei Mittelaltermärkten orientieren sich die Aussteller an einem bestimmten Ritterbild, das sich in Teilen auf bestimmte historische Texte (Artussagen von Chrétien de Troyes und dessen Nachfolger in Deutschland), auf bestimmte romantisierende Texte wie von Sir Walter Scott, auf einige andere Legenden und Geschichten, auf Schlösser und Burgen und einiges mehr bezieht. Somit ist es vor allem die Zeit zwischen 1050 und 1200, die als Idee der Mittelaltermärkte gelten kann.
Als Anspruch der Reenactementkünster, die dort versuchen bestimmte mittelalterliche Lebensweisen durch ihre Darstellung zugänglich zu machen, gilt Authenzität. Was nichts anderes bedeutet, als dass sie sich ein mehr oder minder fundiertes Bild dieser Zeit vermitteln. Authenzität orientiert sich dabei oft an bestimmten Arbeitsweisen, wie und was welchen Materialien etwas hergestellt wird, welche Hilfsmittel dabei zur Verfügung standen und ob das in die gewählte Zeit passt. Dabei ist aber die sogenannte Authentizität sehr unterschiedlich ausgeprägt, weil einige wenige das Wissen vertreten- mehr oder minder fundierte- und sich viele danach richten.
Die wenigsten der Händler entsprechen dem Reenactementgedanken, weil natürlich die Dinge verkaufbar sein müssen. Und ganz ehrlich: ein Hemd nach historischen Mustern, handgearbeitet in Deutschland, vorher handgewebt, kostet für die meisten Besucher zuviel: weshalb man dann etwas preiswert maschinell in China oder Indien gefertigtes verkauft. Oder einfach aus Stahl geschnittene Waffen aus Tschechien oder Polen.
Deshalb werden die Stände unterteilt in vom Veranstalter bezahlte Stände, die das Lebensgefühl vermitteln, andere, die sich an andere Mittelalterbegeisterte richten und zwischen teuer und preiswerte Artikel verkaufen, einige Schieß- und Wurfstände, allerlei Fressstände und diverse Artikel an alle verkaufen (wie Stofftiere, Holzwaffen, Holzrüstungen,...).

Somit sagen Mittelaltermärkte weit mehr über unsere Zeit aus, als über die damalige- eine gewisse Parallele zu den historischen Romanen. Denn bei beiden steht nicht das Mittelalter im Fokus, sondern das Bild das wir uns davon machen. Genau wie auf Mittelaltermärkten moderne Menschen sich Gewänder umhängen, und ihr eigenes Bild repräsentieren- wie das in den meisten mittelalterlichen Romanen heute ist.
Und sie wählen eine Zeit aus, zu der sie eine Nähe fühlen- weswegen sich die Mittelaltermärkte sehr lange auf die Zeit zwischen dem elften und dreizehnten Jahrhundert orientiert haben, und sich erst nach und nach anderen Zeiten dazu ergänzt haben, wie das Frühmittelalter, die Völkerwanderungszeit, das Spätmittelalter und die Zeit nach und vor dem Mittelalter.
Somit ist es immer noch unglaublich interessant dorthin zu gehen und sich daran zu freuen- aber Mittelalter ist es nicht. Es sind nur Bilder... und Fiktionen. Was genau wieder mein Thema ist...

Sonntag, 3. August 2008

Sonntag Morgen...

Heute ist Sonntag, und ich werde heute Heinrich VIII auf einen netten Abend ausführen. Er und ich, oder Ich und Er haben einen Termin bei einem Junggesellenabschied ohne extra Peinlichkeiten, bei dem wir ein großes Mittelalterfest besuchen werden. Deshalb war es auch in den letzten Tagen ein wenig Ruhe im Blog. Hüstl. O.K. Eigentlich habe ich gerade die Ideen für den restlichen Roman noch einmal geprüft, einige sehr verrückte neu oder weiterentwickelt,während ich ich konzentriert Film gesehen. Denn ich brauche manchmal einige Tage, um Ideen gähren zu lassen, damit sie genug "Inhalt" bekommen und der Zucker sich in etwas anderes verwandelt.
In diesem Fall habe ich meiner Freundin Tanja gestern umfassend meinen Romanplot erzählt... und habe wieder einmal gemerkt, wie viel Dramatik ich in dem Text habe- fast an der Melodramatik dran. Und wie die Fortsetzung wohl auf die Leser wirken könnte- und worauf ich besonders achten muss.
Denn ich meine, dass ich, um so viel Dramatik in einen Text hineinzunehmen, ordentlich Humor brauche, damit ich die Tragik ernst nehme und integrieren kann. Gleichzeitig brauche ich genau die richtigen Worte, die richtige Sprache und den richtigen Sprachrhythmus, damit ich die Dramatik im richtigen Tempo nicht ins Melodramatische abdriften lasse- was immer eine der Gefahren von viel Dramatik ist. Und ich brauche sehr weite Figuren, die mit vielen Dimensionen ausgestaltet sind, nicht nur einer, die breit handeln und denken, mal etwas widersprüchlich sind, aber in sich glaubwürdig.
Oder anders gesagt: Ich bin ziemlich in Schwierigkeiten. Mein Plot und meine Figuren sind relativ eng an bestimmte psychologische Grundmuster worden, und hier muss über das obige ein Funken Individualität die Geschichte entzünden, über diese Muster hinaus lebendig und glaubwürdig machen.
Deshalb lasse ich auch noch ein wenig gären, bevor ich mich an das letzte Kapitel des ersten Romanabschnitts traue. Denn am Ende werden es wohl knapp 140 Seiten sein, die insgesamt gut tragend sind- während der Rest sich in den letzten Tagen, durch die Inspiration der letzten Tage, noch ein wenig gewandelt haben. Ich habe eine wunderschöne Idee, wie ich bildlich bestimmte Veränderungen umsetzten kann, nachdem ich auf den ersten 120 Seiten inzwischen auch einige sehr schöne Ideen gesammelt habe.
Nur schreibe ich so lange an diesem Projekt, dass ich manche Ideen schon in Romane gefunden habe, die ich erst nach 2005 gelesen habe, und die nach meinem Anfang geschrieben wurden. Einiges ist wohl parallele Entwicklung, aber zwei, drei Sachen wurden sicherlich auch durch diese Romane inspiriert- oder durch pure Notwendigkeit etwas darstellbar zu machen. Mist. Aber ich mache es natürlich ordentlich anders, auch wenn es parallelen gibt. Im Zweifel immer Intertextualität.

Samstag, 2. August 2008

Salman Rushdie über die Arbeit an "Mitternachtskinder"

Heute kann man im Guardian book club einige Worte Salman Rushdies über die "Mitternachtkinder" finden, seinen großen Roman, der ihm nicht nur den Bookerpreis eingebracht hat, ihn berühmt werden lies, sondern auch zu einem der Besten Bookerpreisgewinner ausgezeichnet wurde.
Letztlich schreibt Rushdie darüber, wie gerade der Wechsel der Perspektive auf seine Hauptfigur erst den Roman "geöffnet" hat, ihm den richtigen Ton gegeben hat. Wie der Roman sich immer weiter verzögert hat, über die ersten Reaktionen.... und das in dieser Sprache... Seufz.... Inspirierend.