Mittwoch, 30. Juli 2008

Wer über die Sünden anderer spricht, spricht immer über sich...

Eine der wundervollen Erfahrungen mit den meisten Moralisten ist, dass sie eine Moral predigen, die sie nicht selber befolgen. Max Scheler soll einmal anlässlich eines Skandals über sein Privatleben gesagt haben: "Was ist das für ein Wegweiser, der den Weg weist, den er geht."
Und genauso geht es mir heute bei der Lektüre meines Romans, bei dem ich natürlich jede einzelne meiner Regeln gebrochen habe, was mich ziemlich zum Kichern bringt. Vielleicht bräuchte ich ein wenig mehr von Schelers Arroganz, die diesen Satz hervorgebracht hat (- der aber auch anderen Personen zugeschrieben wird). Vermutlich aber sollte ich, wenn Petra oder andere meinen Dogmatismus kritisieren, lachend zugebend, dass ich wirklich alle meine Regeln breche.
Natürlich behaupte ich, dass ich das nur mache, wenn es dem Roman dient. Ehrlich gesagt, kichernd gesagt, ist das so nicht richtig. Gelegentlich (und öfter) fällt es mir bei mir selber nicht auf, dass ich gegen die "Regeln" verstoße. Das hat sich dann heimlich doch ein Partizip in den Text geschlichen, eine furchterregende Passivkonstruktion, es gibt Wortwiederholungen, eingeschobene Nebensätze im Rudel, sinnlose Infopassagen, Infodropping,..
Es ist aber kein Zufall, etwas Übersehenes (auch wenn es das manchmal doch ist), warum sich dies im Text findet. Manchmal ist es pure Nachlässigkeit, manchmal Notwendigkeit, manchmal aber auch einfach die Feststellung, dass das alles doch gar nicht ganz so furchtbar ist (wie behauptet), zumindest nicht an dieser Stelle.
Und das schlimmste daran ist: Das bedrückt mich eigentlich gar nicht. Denn ich weiß, dass es einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis gibt, beim Schreibhandwerk, und das ist der Text.

Dienstag, 29. Juli 2008

Schreibblockade und Burnout

Vielleicht hat es mit dem Schreiben von Romanen zu tun, der lange Zeit, der sehr komplexen Arbeit, den vielen Aufgaben, dass viele Schriftsteller irgendwann an den Punkt erreichen, wo gar nichts mehr geht. Ich glaube aber, dass das alles noch ertragbar wäre. Schließlich haben Schriftsteller sich mehr oder weniger ihren Beruf ausgesucht. (Wobei ich auch zugebe, dass viele Schriftsteller schreiben, weil sie etwas sagen müssen und oft auch etwas zu sagen haben).
Aber eigentlich ist es etwas anderes, was das Schreiben schwierig macht. Es ist das Ungewisse. Die meisten Menschen haben klare Vorgaben, was sie erreichen müssen, damit sie ihre Aufgabe erfolgreich bewältigt haben- sie können diese Aufgabe dann abhaken und mit der nächsten Aufgabe beginnen.
Beim Schreiben ist es so, dass man monatelang ohne Sicherheiten schreibt, überarbeitet, mit wenigen Rückmeldungen und letztlich nicht weiß, ob es funktioniert.
Denn auch wenn man es als Schriftsteller ungern zugibt: Es geht auch ums Geld. Denn schließlich leben die wenigsten Schriftsteller von Luft und Liebe, sondern müssen ebenfalls essen und trinken, müssen die Heizung bezahlen, Briefe schicken und gelegentlich sogar noch andere Dinge machen, die normale Menschen auch machen. Nun hat man einen Roman geschrieben, und man bekommt kein Fixum mit Bonuszahlen für die abgeschlossene Arbeit. Sondern man bekommt einen Vorschuss, der bei den meisten Autoren nur die angelaufenen Kosten deckt oder die Kosten der nächsten Wochen. Und was mit dem Roman wird.... es ist unberechenbar, zumindest für die meisten Autoren. Und wenn ein Projekt nicht funktioniert, bekommt man dann einen weiteren Buchvertrag oder nicht...
Aber es geht nicht nur um das Geld: Jeder Autor verbindet einen Anspruch an seinen Text und versucht etwas zu erreichen. Aber es gibt keine Möglichkeit den Erfolg zu messen, zumindest keinen objektiven Maßstab. Also überarbeiten einige Autoren immer wieder und versuchen den Text immer besser zu machen. Weil sie Angst davor haben, dass etwas nicht funktioniert. Andere Autoren beschäftigen sich sehr intensiv mit dem Handwerk, wie ich Angsthase z.B., und versuchen möglichst eigene Maßstäbe für gute Texte, funktionierendes zu finden. Wie andere Autoren hören ihrer inneren Stimme zu und vertrauen ihr, also dem eigenen Stilgefühl, dem Gefühl für Dramatik und mehr. Das versuche ich gerade, aber nicht ohne das Handwerk loszulassen.
Weil ich es gebraucht habe, um genug Vertrauen in meine innere Stimme zu gewinnen.

Wenn aber etwas passiert, eine schlechte Rückmeldung, schlechter Verkauf, oder ein anderer gefühlter Misserfolg, dann gibt es nur einen Verantwortlichen für das eigene Scheitern: einen selber. Das glaubt man zumindest.
Das Ungewisse wird so überdeutlich, dass man manchmal in eine Blockade und in Selbstzweifel rutscht: Denn es gibt nicht eine Sache, oder zwei, die man ändern kann, damit es wieder besser läuft. Dazu ist das Schreiben zu komplex, und auf den Verkauf hat man sowieso als Autor nur wenig Einfluss.
Genau dieses Gefühl von Hilflosigkeit wird gekontert durch mehr Mühe, mehr Bestreben, mehr Willen. Und bei weiteren gefühlten Niederlagen, gefühltem Scheitern, geht ein wenig verloren, von einem Selbst. Dann hat man nicht mehr genug Willen, zumindest viele Autoren, um ihn dem Scheitern entgegenzusetzen. Nicht genug Kraft um unbeeindruckt weiterzumachen. Dann kommen die schweren Blockaden, die schweren Depressionen und irgendwann das Gefühl der völligen Kraftlosigkeit.

Ich kann sicherlich nur für mich sprechen: Aber mir hilft es, dass ich mit dem Scheitern anders umgehe, siehe den Blogartikel dazu, begreife, dass das Scheitern Teil des Schreibens ist, sowohl des erfolgreichen, als des nicht erfolgreichen Schreibens. Und das ist nicht mein Scheitern in Dingen sehe, die ich nicht oder nicht richtig beeinflussen kann. Außerdem habe ich die Ängste aufgegeben, den ständigen Einsatz von Kraft gegen das Ungewisse, und lasse das Ungewisse zu und vertraue auch mich und meine innere Stimme.

Letztlich hilft es nicht gegen kurze Schreibblockaden und das Burn-out, weil es eben neben dem Schreiben noch ein anderes Leben gibt, dass ins Schreiben reinwirkt. Aber es schafft die Ruhe und die Kraft die Blockaden und Burnouts rasch zu überwinden. Dabei hilft aber vor allem auch die Dinge zu tun, die man mag, und vom Schreiben wegzugehen: Ich lese Bücher, gehe in die Sauna, unternehme etwas mit Freunden und mache vieles mehr. Bis das Schreiben wieder da ist- wie es das eigentlich immer war

Montag, 28. Juli 2008

Wettbewerbe...

Ich habe ja schon mal über Autorenförderung geschrieben, siehe hier. O.k. ich habe wohl schon über einige Themen geschrieben, in diesem Blog, und beim Schreiben gibt es immer Wiederholungen- ganz einfach weil vieles miteinander verbunden ist.

Es gibt verschiedene Webseiten, bei denen man umfangreich über aktuelle Wettbewerbe informiert wird, siehe z.B. die Seite vom Uschtrinverlag und deren Newsletter, und natürlich interessante Newsletter wie den Tempest vom Autorenforum, der auch über Wettbewerbe informiert.
Prinzipiell gilt es bei Wettbewerben. Wenn eine Gebühr für einen Wettbewerb verlangt wird, dann verdient meistens nur einer etwas daran: Der Veranstalter. Das gilt auch, wenn bei einem Wettbewerb eine bezahlte Abnahme von einem oder mehreren Bänden des Magazins, der Anthologie oder ähnliches verlangt wird.
Recht üblich ist, dass der Autor kein Honorar für eine Veröffentlichung erhält. Die meisten Literaturzeitschriften sind ein Minusgeschäft, und auch bei den Anthologien lohnt sich oft eine Ausschüttung der geringen Gewinne nicht immer. Generell sollte mindestens aber ein Belegexemplar drin sein und unbedingt nur das Recht für einen nicht exklusiven Abdruck vergeben werden, wobei alle Rechte auch für erneute Veröffentlichung beim Autor bleiben.

Die meisten Veranstalter schreiben auf der Wettbewerbsseite ganz klar, was sie an Texten wollen, welchen Umfang die Texte haben sollen (siehe die Norm- oder Standartseite als üblicher Maßstab), und welche Richtlinien bei einer Teilnahme zu befolgen sind. Ähnlich wichtig ist es aber auch, dass man sich genau überlegt woran man teilnehmen möchte.
Denn wie schon oben klar ist: Nicht alle Wettbewerbe wollen junge Autoren fördern und nicht alle Veröffentlichungen sind wirklich Schmuck für die eigene Veröffentlichungsliste.

Was noch zu beachten ist:
Texte unbedingt noch einmal auf Rechtschreibung lesen. Auch sollten die Texte schlicht gesetzt sein, also nicht zu viele Spielereien mit Dickschrift, kursiv, besonderen Absätzen, Initalen und ähnlichem.

Sonntag, 27. Juli 2008

Unarten des Schreibens... der eingeschobene Nebensatz mit Erklärungen

Stil besteht immer daraus bestimmte Dinge zu tun und andere zu unterlassen- besonders einige besonders ärgerliche Eigenheiten. Eine fast epidemisch auftretende Eigenheit vieler Autor ist der eingeschobene Relativsatz (entweder als Halbsatz oder als Relativsatz), der oft über wissenschaftliche Arbeiten oder schlechte Planung in einen Text einwandert.

Ricarda, die gerade noch ihren Tee austrank, stand vor dem Ford, den sie gerade erst gemeinsam neu gekauft hatten, und hielt ihm die Schlüssel entgegen.

Oft werden diese Einschübe oder Nebensätze eingefügt, um bestimmte Zusammenhänge zu erklären oder näher zu erklären und auch Informationen schnell einzufügen. Das ist an manchen Stellen im Roman nicht zu umgehen, ohne recht umständlich die Dinge zu erklären. Aber viele Autoren nutzten diese Sätze ausgiebig, um völlig irrelevante Informationen in den Text einzubauen, weil sie meinen, dass diese wichtig wären.
Bedauerlicherweise liest sich das nicht nur furchtbar, viele dieser Relativsätze oder Einschübe wirken sehr unprofessionell, weil sie mit ein wenig Gefühl und Planung zu vermeiden wären.

Ricarda trank noch schnell ihren Tee aus. Dann ging sie zu ihrem gemeinsamen, neuen Ford und hielt ihm den Schlüssel entgegen.

Klar unterscheiden sich die Aussagen der beiden Texte, aber eine der Nachteile dieser Sätze wird schon recht deutlich. Die Einschübe und Nebensätze unterbrechen das Tempo der Geschichte. Das wird besonders deutlich, wenn man einen Absatz mit mehreren Relativsätzen oder Einschüben einmal laut vorliest. (O.K., das mit dem zwei Adjektiven ist auch nicht so günstig). Gerade an spannenden Stellen bremst man die Spannung sehr effektiv aus. Und wenn man mir jetzt nicht glaubt... unterhaltet euch mal mit jemanden, der bei jeder Geschichte erst erklärt, woher er jemanden kennt.

"Peter ist der Freund eines Freundes, den ich in Frankfurt kennengelernt habe, als er Geschichte studiert hat mit seiner Freundin Susanne, die ich ja schon vorher kannte, habe ich dir mal erzählt, oder. Die kommt ja von hier und war mit mir in der Grundschule."

Zudem ist bei den Relativsätzen meist nach dem zweiten Lesen recht klar, was man wirklich an Informationen braucht und was nicht. Denn viele Autoren versuchen möglichst viele Informationen in ihrem Text unterzubringen und langen kräftig bei solchen Sätzen zu, und schwemmen den Leser mit unnötigen Informationen zu. Das ist wie bei den Leuten, die eine Geschichte erzählen wollen, und ständig abschweifen, siehe das obige Beispiel mit dem "Ich kenne Peter von..."

Um Informationen unterzubringen, reicht es oft aus Sätze umzustellen und bestimmte Informationen vorzuziehen oder an anderen Stellen in den Text einzubringen, bzw. auch zu streichen.

Das Auto, das er fuhr, hatte er gelb gestrichen.
Er nahm die Taschenlampe, die er im Laden gekauft hatte, und füllte die Batterien in den Schacht, der sich am Ende der Taschenlampe befand.
Er schlug den Lokalteil auf, den er immer als erstes las, und suchte nach der Werbeanzeige, die er für die PR Firma entworfen hatte.

Deshalb sollte man unbedingt überprüfen, ob man die notwendigen Informationen anders in den Texte einbringen könnte.

Unarten des Schreibens... die Figurenerklärung

Eine weitere Unart des Schreibens ist es bei der Figureneinführung kurz die Lebensgeschichte der Figur direkt herunterzuleihern und dabei noch die grundlegenden Charaktereigenschaften zu ergänzen.

Peter hatte tiefschwarze Haare und sehr dunkle Augen, die einen anzusehen schienen, dann aber unruhig durch den Raum wanderten, um wieder zurückzukehren. Er war auf eine klassische Art gutaussehend, mit seinem kantigen Kinn un den klar konturierten Wangen und der geraden Nase. Nur konnte er nicht still sitzen, nicht sitzen blieben und strahlte eine stete Unruhe aus. Aber schon als Kind unruhig und unaufmerksam gewesen. Und seit seiner Schulzeit hatte sich dieses Phänomen verschlimmert. Immer wieder musste er einfach aufstehen und durch den Raum gehen, auch wenn Frau Meier ihn schon damals immer wieder an seinen Platz zurück gezwungen hatte. Vielleicht war es auch genau deshalb so gewesen, dass er auch danach immer wieder aufstehen musste, um sich dann doch noch zu setzen.
Früher hatte das die Menschen um ihn herum gestört. Aber heute arbeitete er in der Werbung, und hatte es seinen Mitarbeitern erklärt: Im Sitzen kann man nicht denken. Und wenn seine Mitarbeiter ihn nun durch sein Büro gehen sahen, oder mitten in einer Konferenz aufstehen, dann lächelten sie und sagten sie "Der Chef denkt".

Nun habe ich also Peter umfassend mit Hintergrundinformationen eingeführt. Nur leider habe ich das nur erzählt, und nicht gezeigt, und es ist viel zu lang. Denn der Leser bleibt an dieser Passage hängen, während die Geschichte in dieser Zeit einfach stillzustehen scheint. Somit führe ich mit solchen Passagen aus der Geschichte und so Passagen haben meist ein anderes Tempo als den Rest.

Besser ist es die Information im eigentlichen Text zu verteilen, Teile zeigend darzustellen, andere einfach zu streichen und nur im Notfall Charaktereigenschaften so einzuführen.

Es war eine wichtige Konferenz, klar. Aber Peter konnte einfach nicht mehr stillsitzen. Ihm war heiß und kalt an den Wangen und beide Knie zitterten, die Füße klapperten auf dem Boden. Und da konnte seine Partnerin Katherine ihre Hand so viel sie wollte ihre Hand auf sein Bein legen. Es half nichts.
"Tschuldung."
Peter stand und seufzte. Er ging in Richtung der Kaffeemaschine, während seine Mitarbeiter hinter der Glasscheibe schon lachend das Schild "Der Chef denkt" hochhielten. Das taten sie immer, seit er ihnen erklärt hatte, dass er im Sitzen nicht denken kann. Rasselbande, dachte er, diese Werbeleute. Aber er hatte noch nie lange sitzenbleiben können.
"Was wäre mit einer Kampanie....

Nun habe ich hier die äußere Beschreibung nicht drin, und es fehlen auch bestimmte Hintergründe aus der obigen Stelle. Aber so führe ich szenisch die Informationen ein, verteile sie, zeige sie statt sie nur zu nennen und ich unterbreche den Text nicht so. Ich würde die äußeren Beschreibungen an einer anderen Stelle einbringen, vielleicht mal in einem Dialog das mit der Lehrerin....
Ich habe ja schon mehrfach ausführlich über Beschreibungen (und Möglichkeiten dabei) geschrieben, und werde das hier nicht noch einmal tun. Aber hier noch mal die Links: Beschreibung und Bewegung, Adjektive und Beschreibungen,Infodumping, und Timing.
Für alle die sich mit den verschiedenen Faktoren beim Beschreiben und den Beschreibungen noch einmal beschäftigen wollen

Samstag, 26. Juli 2008

Revision meines Romans... Juli 2008

Der Juli war ehrlich gesagt kein guter Monat und ein besonders guter Monat für meinen Roman. Denn die Arbeit der letzten Monate und Jahre beginnt langsam meinen Roman schweben zu lassen.
Endlich habe ich es geschafft meinen Weg in die autistische Stille des Schreibens zu führen, und diese Stille auszuhalten. Meine Zweifel habe ich dorthin nicht mitgenommen, und das ist ein entscheidender Unterschied zu frührer. Und in dieser Stille ist langsam meine eigene Stimme gewachsen und groß geworden.
Das brachte einige sehr interessante Erfahrungen mit sich: Im Prinzip habe ich inzwischen ein wirklich sehr gutes Gespür für eigene und fremde Texte- das neben meinen Kenntnissen (oder nicht Kenntnissen) aus dem Studium dazukommt.
Nun kann ich das auch auf meinen Roman anwenden, ich habe ja ausführlich über die beiden surrealen Kapitel geschrieben. Und die Erfahrungen sind ziemlich seltsam:
Wie früher schreibe ich einige Szenen mehr, als ich wirklich verwenden werde, weil viele Szenen letztlich nicht zum Tempo oder thematisch/stilistisch nicht passen. Aber es sind kaum noch wirklich schlechte Szenen dabei.
Und es gibt noch eine interessante Erfahrung: Mein Roman wird wirklich so, wie ich mir das immer vorgestellt habe. Genauso. Es gibt ein paar Szenen, die noch abfallen. Aber nicht mehr so stark wie früher, und ich kann inzwischen damit leben. (Bzw. dies ändern, wenn es akut für eine Veröffentlichung wird). Denn wirklich schlecht sind diese Szenen nun nicht.

Donnerstag, 24. Juli 2008

Sommer in Köln


Irgendwie geht es mir ein wenig wie dem Hund....

Die letzten Tagen waren sehr anstrengend, weil ich einerseits ein wenig eine Küche renoviert habe, und andererseits noch das übliche mache neben der Arbeit an meinen Unisachen, meinen Roman, ein wenig Testlesen und mehr). Da wünscht man sich einen ruhigen Tag im Schatten und viel Interessantes um einen herum, das man nur beobachtet. Während man einen Schirmchendrink zu sich nimmt und lacht. Also werde ich gleich zumindest ein wenig spazieren gehen.

Schönen Sommer, euch auch.

Mittwoch, 23. Juli 2008

Ein Gespräch zum modernen Roman (Ingo Schulz und Norbert Niemann)

Heute erscheint in der Frankfurter Rundschau mit ""Kehren wir zur Wirklichkeit zurück" Ingo Schulze und Norbert Niemann im Gespräch über das Romaneschreiben" ein gekürzter Artikel aus der Literaturzeitung Akzente, der dort am 15. August in Heft 4 erscheint.
Die beiden Autoren sprechen über den Wandel, der unsere Gesellschaft mit der Wende 89/90 erreicht hat und deren Auswirkung: Das erst der Zusammenbruch der kommunistischen/ sozialistischen Gesellschaft eigentlich der Raum der Politik geendet hat und das Zeitalter der Konzerne begann. Denn die Gestaltung der Welt ist nicht mehr in den Händen der Politik- weil die Politik immer noch ein regionales Phänomen ist, während die Globalisierung der Konzerne deshalb für die Politik fast unerreichbar ist.
Wenn die Erfahrung des modernen Romans nun die Zersplitterung der Welt in getrennte Lebensbereiche war und die Reduktion der alten Erzähltradition, dann stellt sich nun die Frage, ob nun ebenfalls ein ästhetischer Wandel kommt und was mit der zersplitterten Welt geschieht.
Wie auch immer, reinlesen lohnt sich....

Dienstag, 22. Juli 2008

Sprechstunden und Professoren

Die meisten Professoren an der Uni Bonn haben einmal die Woche eine Stunde Sprechstunde. Das bedeutet natürlich nicht, dass sie nicht auch an anderen Tagen für Fragen, Gespräche und mehr zur Verfügung stehen, auch wenn es das natürlich auch gibt, besonders bei etwas schwierigeren Fragen. Aber in den Semesterferien wird es echt schwierig, da kann man nicht mal eben nach einem Seminar oder einer Vorlesung einen Professor ansprechen und es gibt nur wenige Termine.
Deshalb war ich besonders froh, als ein Professor heute für mich eine Ausnahme gemacht hat. Ich sollte vorbeikommen, während er ein Blockseminar abhielt und er würde mir helfen, ohne genauere Zeitangabe.
Nun, ganz spekulativ habe ich bei einem Blockseminar auf eine Mittagspause um 11.30 Uhr- bis 12.00 Uhr spekuliert. Und habe den Professor in der Mittagspause um 11.30 Uhr gefunden und er war gerne bereit mir zu helfen, auch wenn er es möglichst schnell erledigen wollte. Ich auch, übrigens.
Was wieder beweist: Wenn man nur zur richtigen Zeit stört, dann wird es entweder nie was, oder ganz schnell

Montag, 21. Juli 2008

Arbeitsziel Erholung

Ich habe in den letzten Tagen ein wunderbares Wochenende mit meiner Freundin genossen und konnte immer nur mal sehr kurz ins Internet, weil der freundlicher Telefonanbieter ein paar Probleme mit den Internetleitungen hatte. Also nicht wundern, dass ich in den letzten Tagen nicht zu neuen Blogeinträgen gekommen bin. Ich bin nicht Schuld. Der böse Erholung hat mich stundenlang mit meinem Willen festgehalten und einfach nicht losgelassen. Und dann noch der Telefonanbieter. (Und das obwohl ich letzte Woche schon die Internettechnik getauscht habe). Ich kann eigentlich also nichts dafür...

Dafür war ich heute sehr fleissig, wahrscheinlich, und werde zumindest versuchen ein paar Dinge nachzuholen. Auch wenn das sicher nur begrenzt klappen wird. Denn ich habe viel zu tun, wenig Zeit.... und einen Roman vor mir.

Freitag, 18. Juli 2008

Wahrnehmung- eine Antwort an Marco

Wie sicherlich schon an den Posting von mir, siehe hier, bei den Kommentaren dazu, und an Marcos Posting hier ersichtlich, ist das Thema "Wahrnehmung" ziemlich schwierig und ich will versuchen auf Marcos Beitrag zu antworten.

Was Marco als Wahrnehmungsanleitung bezeichnet, in seinem Posting, entspricht meiner Wortwahl Metabeschreibungen: Das bedeutet, dass der Autor das, was der Leser sehen soll, festlegt bzw. dafür eine Anleitung gibt. Es sagt dann z.B. "Sie sah ihn traurig an" oder um Marcos Beispiel zu zitieren "Y. betrat in weiß, der traditionellen Farbe auf Beerdigungen den Raum." Somit wird die Wahrnehmung durch den Autor eingeordnet, und damit festgelegt, was er denken soll.
Von diesen Wahrnehmungsanleitungen/ Metabeschreibungen abgesehen, geht es bei Marco sehr stark um die Frage, ob ein Autor dem Leser Bilder vorgeben kann. Marco begründet interessant, dass wir unsere Texte nur auf eine bestimmte Zielgruppe hin schreiben können, die eine ähnliche Wahrnehmung hat wie wir, eine ähnliche kulturelle Prägung und eine ähnliche Identität.
Dazu gehören nach ihm die drei Arten, wie unsere kollektive Identität entsteht und unsere soziale Zugehörigkeit. Ein Teil davon sind die Elemente unsere Identität, die wir frei wählen. Wir entscheiden uns frei (sicherlich nicht gänzlich frei, sondern auch durch die anderen Elemente) für bestimmte soziale Gruppen. In andere Gruppen werden wir hineingeboren, sind dort Mitglied oder Teil, weil unsere Eltern es schon waren, weil alle unsere Bezugspersonen es sind- weil wir diese Zuordnung übernommen haben. Und dann gibt es soziale Gruppen, in die andere Menschen uns einordnen, auch wenn wir das so nicht sehen. Vielleicht ist es unsere Herkunft, die wir nicht mehr als Teil unsere Identität sehen, nach denen wir aber eingeordnet werden.

Unser kulturelles Gedächtnis (ich nenne es mal so)und unsere Identität ist unheimlich stark. Heinrich Heine hat einmal in unseren Märchen einen Teil dieser Identität gesehen und zwar einen düsteren Teil. Und er hat damit Recht. Denn so sehr wir einen Teil dieser Identität uns verändern können, eigenen Wege gehen können, so bindet dieser dritte Teil unserer Identität uns, weil wir nicht verändert können, wie andere Menschen uns sehen. Marco hat einige Beispiele dafür gebracht, und es gibt noch unheimlich viele. Manche Menschen werden in anderen nur ihre Religion sehen, ihre Hautfarbe, ihre soziale Herkunft, ihren Beruf, ihr Geld, oder was auch immer.

Um nun den Rundweg zurück zu unserer Wahrnehmung zu schlagen: unser kulturelles Gedächtnis und unsere Identität haben natürlich Einfluss auf unsere Wahrnehmung. Aber es ist nicht der einzige Einfluss- wir sind in einer Welt aufgewachsen, die inzwischen aus unendlich vielen Bildern besteht, aus Medien und deren Inhalten, aus Büchern und Romanen, aus Wissenschaft und Technik und vieles mehr.
Aber es geht viel weiter. Es gibt Bilder, die wir alle kennen: Das etwas wilde Portrait von Albert Einstein, ein Bild von Andy Warhol,... Es gibt auch viele Dinge, die in großen Kulturkreisen, oder vielleicht in kleineren bekannt sind: Man muss nicht Starwars gesehen haben, um die ungefähre Handlung zu kennen und einige Figuren und Szenen. Man muss bestimmte Bücher auch nicht gelesen haben, um etwas darüber zu wissen. Weil man etwas davon gehört hat, ein Freund es erzählt hat, was auch immer. Jeder kann sich einen Fiatkleinwagen vorstellen, auch wenn er nie einen besessen hat, oder in einem mitgefahren ist. Und wie es ist, darin zu fahren oder einen zu besitzen, können sich die meisten Menschen auch vorstellen.
Somit gibt es einen Pool an Bildern und Erfahrungen, die wir miteinander teilen, und auf die ich zurückgreifen kann, ohne das ich dies für die meisten Leser erklären muss. Somit brauche ich dafür keine Wahrnehmungsanleitung. Denn es macht keinen Unterschied, ob der Leser das gleiche Bild vor Augen hat, wie der Autor. Es geht darum, dass die Ähnlichkeiten (über die Abstraktion der Sprache) für eine ähnliche Bildlichkeit ausreichen.
Diese Ähnlichkeit kann ich erhöhen, indem ich die Bilder konkreter mache: also wenn ich statt ein modern eingerichtetes Wohnzimmer an einem Beispiel die Vorstellung meines Lesers wecke: Verwende ich schwarze Möbel mit viel Chrom, mit Ikeamöbeln im Kieferfurnier, dann können sich das die meisten Leser gut vorstellen, einige haben so eine ungefähre Vorstellung, manche machen sich andere Vorstellungen.
Aber nur wenig Leser haben keinen Bezug zu solchen Beschreibungen- und dass ich als Autor überlegen, ob die in meiner Zielgruppe sind. In meinem Fall: Nein. Weil meine gesamten Geschichten in allen Bereichen eine breite Bildlichkeit voraussetzen und diese für das Verständnis meines Textes notwendig ist.

Dann gibt es einen breiten Pool an Bildern und Erfahrungen, die die meisten Menschen kennen:
a.) die aber je nach Identität eine andere Bedeutung haben. Ein Kopftuch, um bei Marcos Beispiel zu bleiben, kann je nach Zusammenhang im Text und bei der Beurteilung von bestimmten Personen recht unterschiedliche Dinge auslösen- somit kann ich entweder, wie beim obigen Beispiel mit weiß als japanische Trauerfarbe, eine kurze Wahrnehmungsanleitung geben oder das Kopftuch thematisieren. Das hängt davon ab, wie wichtig das für den Roman ist und wie viel Raum ich dem einräumen möchte.
b.) die eine andere Bedeutung haben, bei unterschiedlichen Personengruppen. Wenn man z.B. bestimmte Statussymbole bei Ober- und Unterschicht, bestimmte Wohnrauminhalte, und vieles mehr. Hier muss das Umfeld und die diesem Gegenstand zugeordneten Dinge die Bedeutung klären. Ein armer Rentner mit einem Mercedes, denn er jeden Samstag putzt und der lieber Politur als Essen kauft.
c.) die eigentlich bekannt sind, aber in der Form nicht. Wenn man z.B. ein sehr spezielles Auto verwendet, einen bestimmten Roman, eine bestimmte Wohngegend oder etwas ähnliches, dann muss man einen Bezug herstellen- über die Ähnlichkeit, über Bekanntes, über die Bildlichkeit und Beschreibungen. Dann wird der Sportwagen als englischer Sportwagen verbildlicht, oder die Wohnhäuser der Umgegend beschrieben.

In allen drei Fällen wird nie das beschriebene Bild mit dem Bild des Lesers nicht übereinstimmen. Aber so wie Sprache im Prinzip auf Abstraktion beruht, so trifft das hier auch zu. Der Autor hat ein konkretes Bild und wählt zuerst das aus, was er über die Abstraktion klar übertragen kann und stattet dies mit weiteren Details aus- genau wie er die Wahrnehmung klärt.Somit entsteht nicht das selbe Bild beim Leser, aber je weiter er aus der Abstraktion hinausgeht, werden seine Bilder konkreter, weil sie sich an mehr Dingen orientieren können. Mal als Beispiel:
Wenn ich "Strandhaus auf Sylt" beschreibe, dann ist es eben nur ein Abstrakta und bildlich wenig gefüllt. Wenn ich diese Abstrakta mit weiteren Bildern ausstatte, einer Bruchsteinmauer mit Garten, einem Carport mit Muscheln verziert- dann wird das Bild des Hauses konkreter beim Leser, weil ich ihm einen Hinweis gebe, wie er in seiner Vorstellungskraft das "Strandhaus" ausfüllen kann.
Das klappt sicher nicht bei allen Lesern. Muss es aber auch nicht.

Donnerstag, 17. Juli 2008

Überraschung, Überraschung

Ich habe schon ein paar Mal darüber geschrieben, dass man als Bauchschreiber immer wieder von seiner eigenen Geschichte überrascht wird.
In den letzten Wochen habe ich zwei wundervolle surreale (oder zumindest surreal) angehauchte Kapitel vollendet, die beide einer gemeinsamen Konzeption folgen und doch jeweils starke Eigenheiten haben. Nun sollte ich eigentlich längst das dritte Kapitel geschrieben haben, dass sie konzeptionell einerseits an die beiden vorherigen anlehnt, diese erweitert und seine eigenen Besonderheiten hat. Zudem ist es wahrscheinlich der Höhepunkt des ersten Abschnitts meines Romans.

Und es ging erst einmal gar nichts. Denn jedes Kapitel benötigt einen Einstieg, der einerseits zu den vorherigen Kapiteln passt, und die Besonderheit des neuen Kapitels ankündigt. Meist gibt es aber nicht so viele Besonderheiten und der Einstieg ergibt sich. Nur bei sich steigernden, sich verknüpfenden surrealen Kapiteln wird es halt schwierig.
Deshalb habe ich nun seit knapp zwei Wochen überlegt und ganz viele unterschiedliche Einstiege in dieses Kapitel gesucht. Darunter sogar einige sehr gelungene- nur nicht für dieses Kapitel, wenn auch für mögliche andere, die ich hätte schreiben können, wenn ich eine andere (schlechtere m.Meinung n.) Idee gehabt hätte.

Heute habe ich wieder mal eine neue Idee gehabt, und es scheint die richtige Idee zu sein. Es wird also weitergehen. Der erste Abschnitt dieses Buches wird in diesem Monat fertig- und ich muss mir nur noch überlegen, wie viel Text jetzt noch kommen wird. Ich denke, dieses Kapitel wird mein Bergfest. Aber so genau weiß man das ja nie.

Mittwoch, 16. Juli 2008

Vorbildfunktion??

Eine der schlimmsten und gleichzeitig wundervollsten Erfahrungen als Mensch ist, wenn man die Widersprüche in seinen eigenen Meinungen aufgedeckt bekommt. Heute ist mir das mal wieder passiert und ich muss immer noch über mich weinen und lachen, und das gleichzeitig. Anlass war eine Autorenkollegin, die in einem Internetforum sich selber mittels zwei Nicks eine Rezension geschrieben hat, und dann mit sich selber disktuiert hat. Ich würde das nie machen, und fand es fragwürdig. Gleichzeitig habe ich mich wahnsinnig geärgert, weil sie, nachdem es herausgekommen ist, behauptet hat, dass würden alle Autoren so machen. Aus dieser Diskussion hat sich dann eine weitere entwickelt, über die Vorbildfunktion des Autors.

Kunst entsteht, wenn ein Künstler eine Sache aus einer anderen Richtung darstellt und sich dadurch die Wahrnehmung des Zuschauers/ Lesers/... verändert, so dass er an einer bekannten Sache neue Aspekte wahrnimmt oder an einer neuen Sache altes entdeckt. Deshalb hat Kunst einen Wert an sich.

Wenn man eine Vorbildfunktion der Kunst oder des Künstlers annimmt, dann basiert dieser immer auf bestimmten Werten, denen man selber folgt und die man für universal gültig hält. Bedauerlicherweise bedeutet dies auch immer, dass man Kunst und Künstler sich nicht an ihrer Fähigkeit messen müssen, Kunst zu schaffen, sondern zu erst einmal bestimmten Regeln zu folgen und dann an ihrer Kunst. Somit ist die Vorbildfunktion immer Weltanschauung, wie Haffner es nennt, und nicht Geschmack, und stellt einen Anspruch an den Künstler und die Kunst, die dieser einlösen soll. Er soll nicht zuerst Künstler sein, sondern erst Vorbild.
Zudem haben viele Künstler ihren Weg zur Kunst über persönliche Krisen gefunden, über Ereignisse und Schicksale, und haben daraus eine künstlerische Vorstellung und einen neugierigen Blick (andere Wahrnehmung) auf die Welt entwickelt. Diese ist ihre subjektive Wahrnehmung und sie macht einen wesentlichen Teil des persönlichen Stils aus- der dann nur durch das Handwerk ausgeformt wird.
Wenn ein Autor nun die Weltanschauung anderer als Vorbildfunktion übernimmt, dann besteht das Risiko, dass er seinen Blick durch die Weltanschauung trüben lässt, weil er nicht mehr direkt hinsieht, sondern durch die Weltanschauung. Wer sie nur akzeptiert, der wird bestimmte Dinge nicht aufschreiben, die er sieht, weil das gegen die Weltanschauung verstößt. Zudem erfasst die Weltanschauung Autor und Werk, und verbindet sie.
Deshalb sollte man sich an Sebastian Haffner erinnern, der erklärt hat, dass Geschmack vielleicht ein besserer Maßstab ist als Weltanschauung. Denn dann kann man seinen Blick folgen und gleichzeitig auf Dinge verzichten, wenn man gute Gründe dafür findet. In einer Weltanschauung gibt es Theorien und Meinung, und keine Gründe. Zudem macht Geschmack klar, dass Autor und Werk nicht dasselbe ist, und man den Autor nicht an seinem Werk moralisch werten, und Werk nicht am Autor moralisch werten sollte. Denn hier wird der Unterschied zwischen Geschmack und Weltanschauung deutlich: Denn Geschmack bedeutet, dass man als Mensch und als Autor unterschiedliche Entscheidungen treffen kann.
In der Folge halte ich für Geschmack für den wichtigeren Maßstab für die Wahl was und worüber ich schreibe.

Das bedeutet logischerweise, dass ich versuche meine persönlichen und schriftstellerischen Entscheidungen durch Geschmack zu entscheiden, und das ich als Autor manchmal andere Meinungen habe, als als Mensch. Und das ich als Autor Dinge zeige, wenn ich es für nötig halte, die ich als Mensch ungern zeige. Somit werde ich meinen Texten nie ein Vorbild sein können- weil mich das als Autor behindern würde.
Deshalb erwarte ich auch nicht, dass andere Autoren Vorbilder sind, oder besonders moralisch. Ich trenne auch sorgfältig Werk und Mensch. Das bedeutet nicht, dass ich mich nicht über einen Autor ärgern kann, oder seine Meinungen, Haltungen, Lebensweisen und mehr ablehnen kann. Aber das hat keine Auswirkung auf sein Werk, weil das für sich selber spricht.

Ich habe mich sehr über diese Autorin geärgert, weil sie behauptet hat, ihr Verhalten wäre Usus unter Autoren und viele würden sich so verhalten. Und vielleicht habe ich doch ein wenig eine Vorbildfunktion oder einen Autorencodex als Maßstab verwendet. Aber so ist das...
Wir Menschen sind Wesen aus Halbkugeln, in deren Mitte Widersprüche viel Raum haben.

Dienstag, 15. Juli 2008

Schriftstellerei, Sprache und Autorsein (mal wieder)

Seit ich mich mit dem Schreiben beschäftige, beschäftige ich mich auch mit der Sprache. Denn es ist ein Irrtum, wenn man denkt, dass Sprache nur das Medium einer Erzählung ist, oder die Form, wie eine Erzählung kommuniziert wird. Denn unsere Sprache ist mehr als nur ein Kommunikationsmittel. Aber dazu muss ich erst einmal etwas ausholen:

Ich habe in dem Artikel "Folgen veränderter Wahrnehmung" darüber geschrieben, wie wichtig es ist als Schriftsteller unsere Wahrnehmungsfilter zu beeinflussen. Denn obwohl wir mit unseren Augen Dinge sehen, nehmen wir sie nicht mehr wirklich wahr. Das Gesehene wird sofort durch die Wahrnehmungsfolter sortiert, in Kategorien eingeordnet und mit bestimmten Attributen und Systemen ausgestattet und damit einsortiert. Somit können viele Leute gar nicht beschreiben, was für einen Tisch sie gesehen haben, sondern nur, dass ein Tisch da war. Es ist sogar so, dass wir unsere Wahrnehmung auffüllen: Wenn wir etwas sehen, was im ersten Augenblick wie ein Tisch aussieht, dann überprüfen wir selten diese Wahrnehmung, sondern denken uns unsere Wahrnehmung als Tisch. Jeder, der einmal im Dunkel unterwegs war, wird sofort verstehen, wie es ist, wenn wir unsere Wahrnehmung ergänzen können und wie man etwas hören kann, was gar nicht da ist.

Wenn man sich das Grundkonstruktion unserer Sprache ansieht, dann ist sie der Versuch eine Ebene zu finden, um miteinander über unterschiedliche Wahrnehmungen zu kommunizieren. Wenn die Wahrnehmungen aber so unterschiedlich sind, dann müssen wir auf eine abstrahierende Ebene zurückgreifen, indem die Gemeinsamkeiten unserer Wahrnehmung die Unterschiede überwiegen.
Um so zu kommunizieren, muss Sprache eindeutig sein, und somit am Anfang vermutlich weit stärker nonverbal oder körpersprachlich als heute. Zudem ist es anzunehmen (eine kleine Theorie von mir), auch wenn die Sprachwissenschaft zuerst eine Existenz von Verben annimmt, dass die ersten Sprachen aus einfachen Worten bestanden, die eben die heutige Funktion von Verben und Subjektiven übernahmen, also z.B. ein Wort für jagen gehen und die Tierart. Erst die zunehmende Komplexität von Sprache führt dazu, dass hier diese Grundform getrennt werden muss, um eine größere Vielfalt darstellbar zu machen. Je komplexer die Wirklichkeit geworden ist, desto komplexer musste auch die Sprache werden, um unsere Wahrnehmung zu kommunizieren. Das wird besonders deutlich, wenn man mit Menschen kommuniziert, die entweder eine sinnliche Wahrnehmungsebene nicht haben, also Taub, Blind oder andersweise betroffen sind, oder z.B. Sinnästhesie, in der Sinneswahrnehmungen miteinander verschwimmen, also optische Wahrnehmung mit Gefühlen oder Farben verbunden werden. Hier wird die Abstraktionsleistung der Sprache besonders deutlich.

Im Bezug auf das Schreiben bedeutet das, dass wir als Schriftsteller eine Geschichte entwerfen, die auf unserer Wahrnehmung der Welt beruht. Unsere Wahrnehmung bildet den Hintergrund für die "bewegten Bilder unserer Phantasien" und somit ist Autorschaft das Phänomen, dass wir mit unserer Wahrnehmung eine Geschichte gestalten. Die Wörter sind dann die Abstraktionsebene unserer Geschichte, mit der wir versuchen unsere Vorstellung zu transferieren, und auf die Wahrnehmungen des Lesers über die Abstraktion zurückzugreifen. Der Kirschbaum unserer Kindheit verwandelt sich in einen mehr oder minder genau beschriebenen Kirschbaum, der dann beim Leser durch einen Kirschbaum ersetzt wird, den er in seiner Erinnerung vermerkt hat.
Somit sind also die Bilder von Leser und Autor unterschiedlich, und nur die Abstraktion der Sprache gestaltet eine Welt, die auf Ähnlichkeit, und nicht auf Gleichheit beruht. Somit ist die Geschichte einerseits unterschiedlich, bei Autor und Leser, und gleichzeitig, um Umberto Eco zu zitieren: Madame Bovary stirbt trotzdem. (Was letztlich übrigens gegen den Tod des Autors spricht, wie sie hier und hier mal wieder in meinem Blog thematisiert wurde).
Gleichzeitig habe ich als Autor die Möglichkeit mittels verschiedener sprachlicher Elemente die Ähnlichkeiten zu erhöhen. Indem ich nicht Auto schreibe, sondern rotes Auto, erhöhe ich die Zahl der Übereinstimmungen, genau wie mit einem roten Kleinwagen, einem dunkelroten Kleinwagen, einem bordeauxroten Kleinwagen, oder einem bordeauxroten Fiat Cinquecento mit verbeulter Stoßstange. Dabei ist diese Genauigkeit insgesamt schwierig. Denn je genauer ich die Vorstellung vorgebe, desto deutlicher wird die Wahrnehmung des Lesers angesprochen und geführt- und somit gleichzeitig eingeschränkt.

Nun stellt sich die Frage, wie die menschliche Wahrnehmung wirklich funktioniert, und wie ich das manchmal mit Marco (siehe den Link zu seinem Schreibweltblog) diskutiert habe. Ist ein Roman stärker, indem ich die Wahrnehmung des Lesers führe und einschränke, oder indem ich der Wahrnehmung des Lesers viel Freiraum gewähre und ihm die Ausgestaltung der Bilder überlasse.
Wenn man heute z.B. Adalbert Stifter liest, dann sind die langen, genauen Beschreibungen von z.B. Wäldern einfach kaum lesbar, weil sie uns furchtbar langweilen. Die meisten Leser wissen heute, wie unterschiedliche Wälder aussehen, und wie das Gefühl ist dort zu sein. Denn über die Bilderflut des Fernsehens, über unsere Reisen und die Photos unserer Freunde haben wir bildlich die Welt entschlossen.
1. Somit könnte man daraus folgern, dass es heutzutage nicht mehr wichtig ist, alles zu beschreiben, sondern bei den Beschreibungen zuerst auf das Bekannte zu verweisen: Es war einer der düsteren Kiefern- und Tannenwäldern, wo das Tageslicht kaum den Boden erreichte. Weil der Leser den Rest aus seiner Erfahrung und seinen Bildern davon ausgestaltet.
2. Wenn das allgemeine bekannt ist, dann ist zu überprüfen, ob nicht gerade das spezielle dazu dient, die Bildlichkeit zu verstärken. Vielleicht gibt es in einem solchen Wald Dinge, die man nicht auf den Bildern sehen kann oder die man erst entdeckt, wenn man seine Wahrnehmung öffnet. Und dies verstärkt die Bildlichkeit.
Wenn ich also den Wald beschreibe, dann beschreibe ich was ihn von anderen üblichen Wäldern dieser Art unterscheidet: Aber in diesem Wald hatten die Köhler.....
Die Idee dahinter ist, dass das Bild des Lesers durch die spezielle Bildlichkeit präzisiert wird, weil er sich nun genau vorstellt, wie sein Wald aussieht, und dann überlegt, wie dieses spezielle Information diesen Wald beeinflusst. Somit wird seine Vorstellungskraft angeregt, und aus der einen speziellen Information entwickelt der Leser eine sehr präzise Idee, wie es sein könnte, durch seine eigene, angeregte Vorstellungskraft.
Für diese Theorie spricht übrigens eine ganz interessante Sache: Werbung funktioniert häufig damit, dass über konkrete Dinge unsere Vorstellungskraft angeregt wird- indem z.B. bestimmte sexuelle Reize angesprochen werden, die automatisch eine Vorstellung anreizen. Oder zu einem Film werden drei, vier Szenen gezeigt, die uns eine Vorstellung von einem Film geben sollen- und klar sind es meist die Besten. Und so gehen wir in den Film, weil unser Vorstellung die Leerstellen zwischen den einzelnen Szenen ausfüllt, und wir die gelungenen Szenen als Basis der Vorstellung wählen.
3. Wenn ich weitgehend auf Präzision in der Sinneswahrnehmung verzichte, und immer das allgemeine wähle und dem Leser viel Freiraum gebe, dann lasse ich dem Leser viel Raum für seine Vorstellungskraft:"Vor dem Hochhaus stand der rote Kleinwagen und wartete auf Peter."
Letztlich bleibt die Vorstellung des Lesers aber sehr ungenau, sondern der Leser wird nur das nötige ausfüllen uns sich weitgehend auf andere Textelemtente konzentrieren. Das ist z.B. sehr gut geeignet, um schnell zwischen zwei wichtigen Szenen zu wechseln, und zu den wesentlichen Dingen zu kommen.
In wichtigen Szenen führt das dazu, dass der Leser durch die eigene Vorstellung nicht von der Spannung und der Aktion abgelenkt wird, weil seine Vorstellung ohne nachzudenken die Bilder ausfüllt, auch wenn die Bilder schwach sind. Somit stehen andere Dinge vor der Vorstellung- in diesem Fall das Gefühl "gleich passiert was".
Das bedeutet, dass ich Handlung vor Hintergrund setze, Spannung vor Bildlichkeit, kurzfristige Gefühle vor wirkliche Anregung mit Miterleben.
Denn ich werde die Spannung aushalten und weiterlesen, und dann wird irgendwann die Spannung nachlassen und sich lösen- und das ist sicherlich ein guter Grund weiterzulesen. Aber letztlich werde ich nicht viele starke Bilder zurückhalten, es ist letztlich nur der Nachhauch der Spannung, der übrig bleibt.

Somit stellt sich also die Frage, was man für eine Wahrnehmung braucht und was ich damit beabsichtige. Wenn es nur um Spannung geht, dann muss ich den Leser in seiner Bildlichkeit weniger führen. Wenn ich aber einen Eindruck über Bilder beim Leser hinterlassen möchte, dann benötige ich diese Bildlichkeit.
Wenn das aber so ist, dann muss ich mit dieser Bildlichkeit sehr arbeiten, wenn ich die Spannung nicht zerstören möchte. Ich verweise hier mal auf den Blogartikel zum Bezug, der deutlich macht, wann Bildlichkeit gut für eine Geschichte ist, und wann nicht. Denn je wichtiger eine Szene ist, also je mehr Bezug sie zur Geschichte, zu den Figuren und ihrer -entwicklung, zu anderen Szenen, zu Handlungssträngen,... hat, desto mehr Zeit wird mir der Leser für Bildlichkeit einräumen. Weil diese Bildlichkeit die Wirkung der Szene erhöht. Gleichzeitig brauche ich eben bei unwichtigen Szenen nur die kürzeste Form der Bildlichkeit, wenn z.B. eine Figur nur von einem Ort zum anderen fährt.
Mit dem Einbau von Bezug als Maßstab für die Länge einer Szene, oder die mögliche Länge einer Szene und ihre Bildlichkeit, folge ich auch der Wahrnehmung von Menschen. Denn gerade bei besonderen Situationen kann man sich nach Jahren noch an unwichtige Details erinnern, weil die starken Gefühle unser Erinnerungen festgebrannt haben. Aber wir können uns nur an wichtige Dinge erinnern, wenn wir an ein Gespräch vor ein paar Tagen denken- die meisten von uns zumindest.

Die nächste Folge der Beschäftigung mit der Wahrnehmung ist, dass man in Frage stellen muss, wie man Menschen ansieht. Klassisch werden Menschen meist von oben nach unten beschrieben, weil das seit dem Mittelalter so gehandhabt wird. Ehrlich gesagt sehen wir uns Menschen aber nicht so an: Wie sehen dem anderen meist ins Gesicht, dann auf die Figur, .... Die Folge einer solchen Form der Beschreibung aus der Ich-Perspektive wäre eine stärkere Nähe zum Perspektivträger.
Man muss auch nachfragen, wie weit man Dinge nicht mehr abstrakt beschreibt: Sie sah ihn ängstlich an... sondern auf die Körpersprache zurückgreift, die individueller ist- und trotzdem für die meisten Menschen sofort erkennbar. Denn dann macht der Leser in seiner Vorstellung eine sinnliche Erfahrung, weil er zu dem Schluß kommt, und der ihm nicht vorgegeben wird. Und somit kann er stärker nachvollziehen, dass die Figur Angst hat, was wieder bildlicher und gefühlsmäßig stärker ist.

Man kann sogar noch viel weiter gehen: Letztlich gibt die Wahrnehmungsforschung dem Autor die Möglichkeit besser zu verstehen, wie er selber Dinge wahrnimmt. Und es gibt ihm die Möglichkeit darüber zu verstehen, was der Leser aus dem Kommunikationsmittel macht, und wie er das wieder in Vorstellung auf Basis der eigenen Wahrnehmung umwandelt. Letztlich, ich hatte auf die Blogartikel zur Autorschaft verwiesen, entsteht somit auch ein neues Autorbild. Denn wenn ich als Autor verstehe, wie der Leser meine Geschichte wahrnimmt und sich vorstellt, dann kann ich dies verwenden um meine Geschichte zu erzählen. Somit ist der Tod des Autors letztlich in dieser Hinsicht ein Mißverständnis. Denn Umberto Eco hat Recht, man kann immer über Gemeinsamkeiten in einer Geschichte diskutieren, weil viele Dinge wegen der Abstraktion der Sprache eben gleich bei allen Lesern sind (oder zumindest fast allen) und vieles unterschiedlich- und das kann ich noch als Autor beeinflussen.
Letztlich ist es aber so, wenn ich die Geschichte aus der Hand gebe, bin ich als Autor nicht mehr vorhanden, und der Text entsteht beim Leser neu. Aber wie er entsteht, das kann ich als Autor über das Verständnis von Wahrnehmung stark beeinflussen. Somit macht es auch wenig Sinn, sich als Autor blosszustellen, siehe die Artikel. Vielleicht ist es besser, sich zu überlegen, wie Sprache unsere Wahrnehmung gestaltet und das zu verwenden, um bessere Geschichten zu erzählen.

Ein lieber Autorenkollege, Peter D., hat einmal gesagt: Wir müssen unser Denken verbessern, um unser Schreiben zu verbessern. In diesem Fall hat er Recht, meine ich zumindest.
Wobei ich mich darauf berufe, dass Sebastian Haffner auch recht hat. In Jacques Schusters Artikel
: "Anmerkungen zu Haffner" fasst der Schuster Aussagen des berühmten Historikers und Publizisten Sebastian Haffner über den Unterschied zwischen Geschmack und Weltanschauung wunderbar zusammen. Denn eine Weltanschauung ist etwas absolutes, eine scheinbar absolute Wahrheit, die verhindert, dass man sich eine eigene Meinung bilden muss. Statt dessen gibt sie selber die Meinungen vor, und weil sie absolut ist, ergibt sich ein Vorrecht der Weltanschauung für dessen Jünger, so dass hierdurch Schlechtes auf Grund der Weltanschauung als dessen Preis akzeptiert werden muss- und wird. Geschmack ist eine relative Wahrheit, und dadurch erstens angreifbar, aber gleichzeitig veränderbar, und zweitens ist Geschmack immer etwas zu rechtfertigendes, demokratisches.
Und ich habe nur Geschmack, nie eine Weltanschauung. (Und einen guten Grund, diesen wunderbaren Artikel noch einmal zu erwähnen, den ich in dem Blogartikel: Fragmentarisches Leben- der postmoderne Roman schon einmal erwähnt habe, wo es genau darum geht, Geschmack als Kennzeichen des modernen Romans.

So, nun aber genug theoretisiert.

Montag, 14. Juli 2008

Warum Schreiben eben auch ein Beruf ist, und nicht nur eine Berufung

Es hat inzwischen fünfzehn Jahre gedauert, um den Menschen um mich herum (dem engen Kreis) zu erklären, dass ich Schreibe und was das für mein Leben bedeutet:
Es bedeutet manchmal einen Samstag, statt Freunde zu besuchen, lieber stundenlang an diesem Blog zu arbeiten. Es bedeutet auch, dass man sich jeden Tag ein paar Stunden freistellt, in denen man sich mit dem Schreiben beschäftigt- und das ist ein ziemlich weiter Bereich. Denn dazu gehört eben nicht nur das Schreiben, sondern auch das Handwerk, die Suche nach Inspiration, das Warten auf das vorübergehen der Schreibblockade, die Tagträume und natürlich, ebenfalls sehr wichtig, das Lesen. Denn ein Autor, der nicht liest, ist wie ein Fisch im Aquarium. Man hat seinen Raum, aber überall sind Glasscheiben in die Inspiration eingezogen und so kann man nur das Schöpfen, Begreifen, Fressen, was um einen herum ist.
Manchmal ist es sehr schwierig zu erklären, dass man gerade keine Zeit hat: Weil vielleicht gerade eine Idee geboren wurde, die man ungern einige Stunden ohne Nahrung herumliegen lassen möchte. Oder vielleicht hat man in den letzten Tagen schon zu oft etwas gemacht, statt zu schreiben, und sich die Zeit hat stehlen lassen. Es gibt auch so viele wichtige Dinge- und die meisten Menschen glauben, dass Schriftstellerei eben nicht dazugehört.

Schreiben ist für viele Menschen als künstlerischer Beruf äußerst zweifelhaft. Es ist unklar, wie viel Arbeit in einem Buch steckt, und man kann doch eine solche Arbeit sehr frei über den Tag verteilen. Zudem ist sie halt irgendwie nicht so eingeordnet... und hat keine feste Zeit, keinen Chef, keine Verpflichtungen. Das glauben viele Menschen zumindest. Aber die meisten Schriftsteller arbeiten wie Buchhalter, wie ich kürzlich geschrieben habe, weil sie diesem Problem oder diesen Problemen ausweichen wollen. Und weil erst die Selbstbehauptung: "Ich habe keine Zeit, weil ich gerade schreibe" und deren Behauptung gegen alle Zumutungen letztlich klar macht. Auch Schriftsteller arbeiten, und sie arbeiten hart und brauchen ihre Zeit.

Inzwischen glauben mir die meisten Menschen um mich herum, dass ich hart arbeite. Es hat nur sehr viele Jahre gedauert. Ich werde sogar unterstützt, manchmal, und es wird zugehört, akzeptiert, wenn ich von meinen Problemen als Schriftsteller berichte. Nur wirklich verstanden, das passiert selten. Weil die Schriftstellerei eben wie viele andere Berufe ihre Besonderheiten hat, berufsspezifische Probleme und vieles mehr. Da ist der Austausch mit Kollegen besonders wichtig. Denn sonst ist man als Schriftsteller manchmal allein mit all dem. Und das ist oft weniger schön

Sonntag, 13. Juli 2008

Eine Geschichte aufgeben...

Ich habe ja schon ein paar Mal davon geschrieben, dass jede Geschichte ihre Zeit braucht. Nur leider weiß man das als Autor manchmal nicht. Die Idee ist da, und aus der Idee entsteht eine Vorstellung, ein Plan, Figuren werden zusammengerufen und die Geschichte beginnt sich zu schreiben. Und am Anfang scheint es so, als würde diese Geschichte sich selber schreiben, als wäre sie bereit in schwarze Buchstaben auf ein Papier gefasst zu werden. Doch dann irgendwann ist es vorbei: die Vorstellung fasst sie nicht, die Figuren sind nicht ausgereift oder es sind die falschen Figuren, und der Autor hat eine ziemlich unfertige Geschichte, und er hat keine Vorstellung mehr, wie sie funktionieren könnte.
Das hat unterschiedliche Gründe, und wenn ich bei mir die aufgegebenen Geschichten ansehe, dann sind es bei mir immer bestimmte Dinge:
Manchmal habe ich eine wunderbare Idee, die aber nicht in der Lage ist, die Geschichte wirklich zu tragen. Es fehlt noch eine weitere Idee, vielleicht wie die Geschichte umzusetzen ist, welche Figuren diese Geschichte tragen (oder verkörpern) können, einen ersten Satz (der die Geschichte für das Schreiben vorbereitet), eine Idee, die notwendig ist um die Geschichte erst wirklich breit zu machen, so dass sie sich richtig anfühlt. Manchmal fehlen auch noch die handwerklichen Mittel, um der Geschichte ihre Sprache, ihre Gefühle, Personen und Orte zu geben. Und auch ganz wichtig: Manchmal taugt die Idee einfach nicht, oder der Autor hat eine alberne, nicht tragende Vorstellung gewählt, oder die falschen Figuren zu sich eingeladen. Und manchmal hat der Autor auch ein Thema aufgegriffen, dass er nicht schreiben kann, weil er selber keinen Zugang dazu findet.

Deshalb lasse ich die Geschichten dann erst einmal ruhen und geben ihnen Zeit, in mir weiterzureifen, vielleicht Ideen für die Umsetzung zu sammeln, mich inspirieren zu lassen. Bei der Hälfte der Geschichten kommt dann irgendwann der richtige Moment, wo sich dann alles richtig anfühlt, und wo ich dann einen zweiten Versuch unternehme. Und dann funktioniert es auch meistens recht schnell, weil ich viel Vorarbeit in die erste Fassung gesteckt habe und viele Wege schon bereitet sind. Nur die Wartezeit ist lange, manchmal mehrere Jahre.
Manche Geschichten verschwinden dann auch im Müll. Denn mir wird mit der Zeit klar, dass ich z.B. das Problem war und mir eine Geschichte ausgesucht habe, für die ich mich nicht genug interessiere, zu der ich keinen Zugang habe, die mich nur ungefähr eine halbe Stunde interessiert habe. Das tarnt sich nur oft als unzureichende handwerkliche Mittel, als Figurenproblem oder sonst ein anderes Problem.

Scheitern gehört zum Schreiben, wie ich hier schon mal recht ausführlich erläutert habe. Und an einer Geschichte trotz allen Versuchen zu scheitern, ist unheimlich lehrreich. Weil jedes Scheitern, anders als jeder Erfolg, immer eigene Gründen hatte und eine eigene Geschichte von Fehlern.
Aus diesen Fehlern kann man unheimlich viel lernen, denn mit jedem erkannten Fehler hat man einen Fehler mehr, den man nicht mehr machen muss. (Auch wenn man selbstverständlich, wie ich aus leidiger Erfahrung weiß, einen Fehler durchaus mehrmals machen kann. Nur dann erkennt man ihn wenigstens schneller.)
Nur über das Scheitern erkennt man wirklich, im Vergleich mit gelungenen Geschichten, was man als Autor kann und nicht kann, was einen als Autor interessiert und was nicht, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen.
Es ist nur ein verdammt mieses Gefühl, wenn man sich an einen Text setzt, und diesen sehr heftig in den Sand setzt, und der einen die Augen verklebt. Zumindest bis man sich die Augen wieder frei gestreichelt hat.
Solche Geschichten sind aber kein Ort, wo man dann mit geschlossenen Augen erst einmal weiterträumen sollte- und die Augen zulassen vor der Vorstellung des eigenen Scheiterns. Solche Geschichten taugen auch nicht, um sich das endgültige Scheitern vor dem Schreiben einzugestehen. Weil beides letztlich am wirklichen Scheitern und seinen Gründen vorbeigeht.
Es ist aber ein guter Grund seine innere Stimme zu schulen, die ein großartiger Lehrmeister dafür ist, was man kann. Und dies auch mal mit einer experimentellen Geschichten zu überprüfen, und dabei bewusst und willentlich das Scheitern zu wagen. Denn hier kann man sogar noch mehr lernen, wenn man das Scheitern bewusst riskiert (Siehe dazu den Blogeintrag "Das Experiment als Königsweg des Schreibens").
Denn die innere Stimme muss trainiert werden, denn sie ist oft nicht sehr wagemutig und vor allem am Anfang nicht erfahren genug, um wirklich zu wissen, was wir können und nicht können.

Somit sollte man auch mal Geschichten aufgeben, statt stur auf der eigenen Möglichkeit, alles zu schreiben zu können, zu beharren. Aber nie zu schnell aufgeben, und nie eine Niederlage als Fanal für die eigene Schriftstellerkarriere betrachten. Schließlich, das hat Mark Twain mal gesagt, sollten wir nur die Lehren aus einer Sache ziehen, die wirklich drin steckt. Denn sonst ginge es uns wie einer Katze, die sich einmal auf eine heiße Herdplatte gesetzt hat und sich dann nie wieder auf eine heiße Herdplatte setzt, aber auch nicht auf eine kalte. .

Samstag, 12. Juli 2008

Mein Blog ist endlich umgezogen (ungezogen, aber auch)!

Knapp zweieinhalb Wochen hat es gedauert. Über 330 Blogartikel mussten übertragen werden (inkl. Schreibdatum), die internen Links umgearbeitet und alles neu formatiert werden. Und dann auch die über 150 Kommentare, die irgendwie sonst alle geschwunden wären, und das wäre unheimlich Schade gewesen. Nicht wundern, da konnte man leider das Orginaldatum nicht mit übernehmen.
Und klar, ein neuer Bloganbieter funktioniert anders als der alte: von den vielen Problemen beim posten und bei den Kommentaren bei myblog mal abgesehen. Also musste ich viel versuchen, viel experimentieren.

Und deshalb lade ich Euch Ein, Euch einen Eindruck von meinem neuen Tagebuch zu machen, ein wenig zu schnuppern und zu stöbern. Ich bin ein wenig stolz und ziemlich fertig.

Lieben Gruss und herzlich Willkommen

Thomas "Bluomo" Roeder

Dünkirchen- Was wäre gewesen, wenn?? (Wie der zweite Weltkrieg ganz anders verlaufen wäre)

Heute ist in der NZZ.Online mit "Dünkirchen- was wäre gewesen wenn"; ein langer Artikel des britischen Historikers und Hitler-Biographs Ian Kershaw. In diesem Artikel untersucht Kershaw im Stile einer alternativen Weltgeschichte, was geschehen wäre, wenn die Deutsche Armee unter General von Rundstedt die englischen, französischen und belgischen Truppen in Dünkirchen nicht nur eingekesselt hätten, siehe hier- woraus sie von allerlei Schiffen gerettet wurden, sondern den Kessel zerschlagen und die Soldaten angegriffen hätten, nachdem diese bei der raschen Flucht die meisten ihre schweren Waffen zurückgelassen hatten.

Natürlich handelt es sich bei dem Szenario von Kershaw um eine Fiktion, was eine alternative Weltgeschichte, siehe den Link oben, immer ist. Denn natürlich wägt man in einem solchen Szenario bestimmte Entwicklungen miteinander ab, versucht bestimmte Entscheidungen aus ihrer komplexen Wirklichkeit zu reduzieren, damit sie sich in das Szenario fügen- und kommt letztendlich zu einem von mehreren möglichen Schlüssen.

Gleichzeitig ist das Szenario ein wunderschönes Beispiel für einen Romanplot. Denn aus einer wirklichen Situation wird hier durch mininmale Änderungen abgeleitet, wie es hätte werden können. Es wird klar, wie wichtig einzelne Handlungspunkte und Szenen für eine Geschichte sind, und wie sehr diese den weiteren Verlauf einer Geschichte beeinflussen können. Letztlich kann man so bei einem Plot auch austesten, welche Möglichkeiten der Plot insgesamt bietet, wenn man mit einzelnen Schlüsselstellen und scheinbar unwichtigen Stellen einmal frei assoziert.

Oder anders gesagt: Das ist alles wahnsinnig spannend und beunruhigend. Denn alle Romanplanung ist solange unsicher, wie sie noch im schweben ist, und letztlich sind es manchmal die scheinbar unwichtigen Entscheidungen, die letztlich alles weitere bedingen.

Freitag, 11. Juli 2008

Der Fall Esra, mal wieder

Nachdem der Roman "Esra" von Maxim Biller durch ein Urteil des Bundesverfassungsgericht verboten wurde, siehe das Label "Der Fall Esra" mit mehreren Artikel und Links zu den entsprechenden Zeitungartikeln und Urteilen, ging es Zivilrechtlich in die nächste Runde.
Nachdem der Hauptklägerin im ersten Zivilprozess ein Schadensersatz für die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte in Höhe von 50.000€ zugestanden wurde, während die Mutter der Klägerin, deren Persönlichkeitsrechte ebenfalls verletzt wurden, kein Geld bekommen sollte, ging der Verlag Kiepenheuer&Witsch und Maxim Biller in Revision.
Nach dem Urteil vom 10. Juli 2008 hat das OLG München in der Revision entschieden, dass auch der Hauptklägerin kein Schadensersatz in finanzieller Form zusteht, obwohl ihre Persönlichkeitsrecht schwer verletzt worden sind, siehe ein Artikel aus dem Spiegel.online dazu: ]"Maxim Biller muss doch kein Schmerzensgeld zahlen";Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

Donnerstag, 10. Juli 2008

Sich selber zuhören (oder die Entwicklung der inneren Stimme)

Ich habe heute nachmittag an meinem Roman gearbeitet und mich mit dem dritten Kapitel beschäftigt, das sich mit einem surrealen Traumelement beschäftigt. Das erste der drei Kapitel leitet in die Situation ein, und bringt mehrere Handlungsstränge auf, die engmaschig miteinander verwogen sind. Im zweiten Kapitel gibt es eine auf ein Ereignis zulaufende Handlung, während sich gleichzeitig die Handlungsstränge weiterentwickeln.
Nun wollte ich im dritten Kapitel das fortsetzen, und noch etwas surrealen werden. Die ersten Probeseiten und Ideen waren nur nicht wirklich surreal, und zu eng an den ersten beiden Kapiteln. Und diese nur zu Wiederholen reicht einfach nicht, um das Kapitel zu seinem Ziel zu führen: letztlich einen Abschluß des ersten Buches in meinem Roman zu bilden.
Und dann hatte ich es: Als wäre es mir wie eine Kastanie auf den Kopf gefallen und dann einmal hochgesprungen, wieder draufgefallen. Und ich habe genau verstanden, was und warum das so angedacht war, was an meinen Versuchen fehlte, und was daran nicht gelungen war. Einfach so.
O.k., früher habe ich auch manchmal das Gefühl gehabt, etwas stimmt nicht. Ich habe meistens diesem Gefühl nur nicht zugehört und es verdrängt. Heute höre ich zu.

Heute kann ich Texte lesen, und habe ein bestimmtes Gefühl dazu, was ich in wenigen Momenten dann auch in Begriffe, Handwerk und Konzepte fassen kann. Ich habe meine innere Stimme ausentwickelt und ihr wirklich zugehört. Das ist manchmal beängstigend, weil ich nun bei manchen alten Texten von mir weiß, was schief gegangen ist. Und ich bekomme immer mehr eine Ahnung, was ich da für einen Roman wirklich schreibe. Seltsam. Dazu habe ich nur drei Jahre gebraucht.

Mittwoch, 9. Juli 2008

Autorschaft, ein Essay zum gestrigen Blogartikel

Wenn man sich die verschiedenen Literaturtheorien des 20. Jh. ansieht, die sich mit dem "Tod des Autors", der Diskurstheorie oder mit der Dekonstruktion von Texten beschäftigen, dann gibt es drei große Veränderungen in der Denkweise, die diese Vorstellungen auslösen, wie ich bei Roland Barthes einmal kurz anreiße.

Roland Barthes hat die Vorstellung begraben, dass ein Autor letztlich den Text alleine und intentional erschafft, und dass ein Text jemals fertig werden kann, weil der Autor den Text letztlich nicht alleine erschafft. Die Idee des Tod des Autors ist dementsprechend die Aufgabe der Vorstellung, dass der Schreibprozess letztlich den Text erschafft.
Denn ein Text entsteht bei jedem Leser wieder neu, und wird mit Hilfe von dessen Wissen, Verstehen, Vorstellen, seiner Kreativität, seinen Gefühlen und vielem mehr neu geschaffen. Gleichzeitig bedient sich der Autor und der Leser des Diskurses, also der gesamtsprachlichen Diskussion über bestimmte Themen, wie z.B. Liebe, in die alle Texte, alle Mythen, Ideen, Konzepte, Theorie, Bilder, usw. einfliessen. Genau wie über das Sprach- und Zeichensystem der gemeinsamen Sprache, greifen Leser und Autor auf diesen Diskurs (und viele weitere) für einen Text zurück- als eine Form der kollektiven Erinnerung. Somit wird vieles nicht neu geschaffen, im Sinne einer Originalität, sondern aus dem vorhandenen neu komponiert, sowohl beim Autor, als auch beim Leser.
Somit ist der Autor letztlich die Person, die diesen Prozess des Neuschreibens eines Textes auslöst und nur der erste ist, der durch diesen Prozess geht. Der prozessuelle Charakter entsteht, weil der Autor eben nicht aus sich schöpft, sondern aus dem Diskurs (den Diskursen), aus dem Sprach- und Zeichensystem, und letztlich nur einen kleinen persönlichen Teil dazu gibt. Daher spricht Roland Barthes davon, dass durch die vielen gemeinsamen Elemente des Diskurses oder der Gesamtheit der Diskurse, keine Intention des Autors zu erkennen ist, weil der Text eben auch beim Leser neu erschaffen wird. Und dort ebenfalls durch den gleichen Prozess geht.

Wenn man diesen Theorieblock auf die Texterstellung überträgt, dann muss man zuerst die Vorstellung aufgeben, dass man als Autor mit genialistischer Schöpfungskraft nur aus sich etwas Neues, Einzigartiges schafft und das der Leser nur Konsument dieses Schöpfungsaktes ist.

Die Übertragung, die von vielen Autoren in der 60er bis 80er Jahren des letzten Jahrhunderts vorgenommen wurde, folgte dieser Vorstellung. Sie wurde aber auf den Text übertragen, indem der Diskurs kenntlich gemacht wurde, und der Erzähler und die Intention des Autors in Teilen aufgegeben oder zumindest kenntlich gemacht wurde. Die Einheit des Textes, ob nun in der Folge, in der Zeit und in anderern Bereichen wurde aufgegeben, um diese Erkenntnis wiederzuspiegeln. Auch Perspektiven und viele handwerkliche Dinge wurden verändert, nicht mehr verwendet, um genau dies zu machen.

Ist das aber richtig oder die richtige Erkenntnis??

Hier aber nur eine vorläufige Antwort, weil ich sicherlich noch länger darüber nachdenken muss, und richtig gibt es sowieso nicht, sondern es gibt viele, unterschiedliche Wahrheiten.

Eine andere Erkenntnis aus dem Studium von Roland Barthes ist, dass viel intensiver am Handwerk gearbeitet werden muss, dass eben auch Teil des Diskurses ist. Denn hier entsteht über die im Text verwendeten Handwerkselemente für Autor und Leser wichtige Elemente des Textes. Somit ist es vielleicht wichtiger, sich über die Wirkungsweise von Literatur klar zu werden, sie zu nutzen, um die Nutzung auch dem Leser anzubieten. Zudem macht gerade das Handwerk einen Beitrag zum Diskurs einzigartig, weil ich die Themen vielleicht nicht neu erfinden kann, oder nur in Teilen, aber ich kann die Kompilation und die Zusammenstellung durch meine eigene Ausformung des Handwerks, meinen Stil, einzigartig machen.

So gilt es natürlich auch, die Handwerksregeln im Diskurs zu prüfen und zu überschauen, was wirklich taugt, und wo, und wie man vielleicht mit anderen Techniken, Variationen, und mehr andere, neue, interessante Möglichkeiten findet.

Die Veröffentlichung des Handwerks im Sinne des Auflösung des Zaubers ist für den Zauber schädlich- weil der Leser genau diese Enttäuschung empfindet, wenn er versteht, wie und was der Autor da macht, und es über das Lesen nachvollzieht. Der Zauber des Schreibens, der geheime Diskurs der Schreibzauberer wird offengelegt. Das ist wie wenn man herausfindet, dass Liebe wirklich nur Hormone, Gerüche, passende Immunsysteme, Fortpflanzungstechniken und dazu nützliche Verhaltensweisen enthält- ohne den Zauber ist Liebe nicht mehr Liebe. Der Mensch gibt den Zauber auf, und fühlt sich entzaubert.

Eine weitere wichtige Entscheidung ist den Leser im eigenen Erschaffungsprozess mit einzubeziehen und das weit stärker als zuvor. Wenn der Leser jeden Text durch den prozessuellen Vorgang des Lesens neu schafft, dann muss ich ihm als Autor auch die Möglichkeit bieten verschiedene Lösungen zu finden, verschiedene Vorstellungen zu einer Sache, statt als Autor eine Entscheidung zu treffen oder scheinbar vorzuschreiben. Ich beschreibe also nicht mehr die Gründe als absolut, enthalte mich direkter Wertungen, und lege die Figuren mit ihren Widersprüchen offen und lasse den Leser seine eigene Entscheidung auf Basis verschiedener Richtungen wählen.
So folge ich auch Haffners Unterscheidung zwischen Geschmack und Ideologie, und biete dem Leser an, ein demokratisches Geschmacksurteil zu treffen, statt mir nur zu folgen und meinen Meinungen.

Zudem gibt mir der Diskurs die Möglichkeit ganz gezielt auf Vorbilder zu verweisen, sie durch den seit der Erschaffung dieses Diskurselement entstandenen Diskussion zu erweitern und sie auf andere Bereiche zu übertragen. Denn wenn der Diskurs so weitreichend ist, wie es aussieht, dann kann ich über Bekanntes schnell auf Unbekanntes schließen, und kann bestimmte Diskurse von anderen, wie z.B. Kafkas Schloss auch in einen neuen Roman neu diskutieren wie z.B. bei Orhan Pamuks "Schnee". Somit erweitern sich die Möglichkeiten, indem ich sie mir klar mache, und innerhalb des Diskurses entsteht etwas Neues auf Basis des Alten, weitere Bezüge, und diese stärken sich gegenseitig.

Und noch eins: Vielleicht hilfen diese Ideen auch zu erkennen, dass man als Autor nur ein Teil eines Leseprozesses ist, und gar nicht so wichtig, wie man nach dem Geniediskurs (von Goethe und anderen) im Sturm und Drang ist. Sich selber zurückzunehmen, als Autor, und sich nur als Teil des Schreibprozesses wahrzunehmen, ist enorm befreiend und hilft über manches wunderbar zu lachen.

Somit ist die Erkenntnis der anderen sicherlich nicht falsch, sondern genauso subjektiv wie meine. Aber diese Entschlüsse richtig zu erklären, meine, oder die anderen, ist falsch. Denn dann würde man Roland Barthes so verstehen, als hätte er eine Lösung, und nicht nur einen neuen Diskurs gestartet- und das geht manchmal doch, weil dieser Diskurs wieder angeregt wurde, der aber zuvor schon da war.

Aber sicherlich habe ich vieles vergessen, was man noch aus dieser Idee ziehen könnte- ich habe nur das aufgeschrieben, was mir gerade aufgefallen ist. Über Vorschläge freue ich mich.

Dienstag, 8. Juli 2008

"Ego_Firmen im Alltagsdiskurs" oder Diskussion über Autorschaft

Heute ist im Perlentaucher ein Artikel von dem Schweizer Autor Felix Philipp Ingold über "Ego_Firmen im Alltagsdiskurs", was im Untertitel weiter erklärt wird. "Vor nicht allzu langer Zeit wurde der Autor für tot erklärt. Nun ist er zurück. Lebt er schon?" Im Zentrum dieser Diskussion, wie schon im Untertitel deutlich wird, steht die u.a. von Roland Barthes aufgestellte Behauptung der Autor sei Tod und die Selbstpositionierung moderner Autoren dazu.
Ideengeschichtlich sortiert Ingold diese Vorstellung in die Entwicklungsgeschichte der Literaturwissenschaft ein, in der über die Strukturalisten und deren Nachfolger (Dekonstruktion, Konstruktivismus, Poststrukturalisten, Systemtheoretische Literaturwissenschaft, sowie diverse weitere Literaturtheorien wie die Erzähltheorien, die Rezeptionsästhetik und der New Historicism) sich nach und nach Intertextualität, Diskurstheorie und andere Vorstellungen durchsetzen, die die Verantwortung des Autors als Urheber seines Textes in Frage stellen. Denn wie kann jemand, der aus dem breiten kulturellen Reservoir von Ideen einige auswählt und nur neu oder anders zusammenstellt, als Texterschaffer gelten. Er ist nur Kompilator und Zusammensteller.
Viele Autoren haben diese Theorien in ihre Arbeit aufgenommen und sich somit als Autor im gewissen Sinne aufgegeben: Das beginnt mit der Aufgabe des auktorialen Erzählers, der kommentiert die Geschichte begleitet, mit der Aufgabe des Ich-Erzählers, weil dies in einem Roman ohne Autor nicht vorhanden sein kann, mit der Entscheidung die Autorschaft (und deren ordnende Eingriffe) zu hinterfragen- indem man die Einheit der Zeit aufgibt und damit eine chronologische Geschichte, indem man auktoriale Eingriffe kennzeichnet, indem man das Handwerk hinterfragt und unzuverlässige Erzähler verwendet, und vieles mehr.

Die Rückkehr des Erzählers, wie oft z.B. bei Daniel Kehlmann angeführt wird, die Rückkehr des Familienromans, wie z.B. bei Franzen oder Eugenides, auch bei Julia Franck und anderen, all das ist ein Kennzeichen, dass die Autoren sich von diesem Weg abgewendet haben.
Ingold findet verschiedene Begründungen für diese Entwicklung, bleibt letztlich aber von einer konservativen Rückgewinnung durch die Leser überzeugt, die diesen Fortschritt, den Tod des Autors, wieder aufgeben.

Ganz interessant, wenn auch schwer theorielastig.

Montag, 7. Juli 2008

Testleser

Wenn man als Autor davon lebt, dass man über sehr lange Zeit alleine an einem Roman schreibt und irgendwann erst das fertige Resultat bekommt, dann ist es verführerisch den eigenen Text immer wieder möglichst vielen Menschen zu zeigen. Denn dann hat man das Gefühl, dass der gesamte Roman gar nicht so schlecht werden kann, wenn man ständig nachfragt. Und das ist wunderbar.
Nur leider gibt es einige schwerwiegende Nachteile: Denn mit jeder negativen Rückmeldung wird man unsicherer und fragt immer mehr nach, bis man letztlich seine ganze schriftstellerische Existenz von diesen Testlesern abhängig macht. Und das ist furchtbar, wenn auch menschlich sehr verständlich.
Zudem muss man sich als Autor sehr sorgsam aussuchen, wenn man seine Texte lesen lässt. Jeder Testleser hat seine Qualitäten und Schwächen und die muss man kennen, um seine Bewertung einschätzen zu können. Denn sonst gibt man als Autor seine Sicherheit und sein Vertrauen in die eigenen Stärken auf, und vertraut fremden Schwächen dafür.

1. Testleser, die nicht selber schreiben, können oft die Schwächen eines Textes nur sehr ungefähr benennen und neigen dazu, alles wunderbar zu finden. Sie können aber auf gezielte Nachfrage ganz deutlich vermitteln, was ihnen gefallen hat und warum. Und wo es harkt und wie die Figuren wirken. Deshalb muss man hier am besten mit konkreten Fragen arbeiten, konkreten Nachfragen und um klare und ehrliche Aussagen bitten.
Solche Testleser sind einerseits sehr wichtig, um sich positive Bestärkung zu holen.... also den Kick, um weiter zu schreiben. Und andererseits, um mal Leser direkt zu hören und deren wichtige Eindrücke, sie können aber nur begrenzt Tipps geben, wie es besser werden könnte. Aber, wenn man fünf Testleser aus dieser Gruppe hat, dann gibt es fünf Meinungen, wenn man Glück hat. Und eine, alles wunderbar, wenn man Pech hat. Dem sollte man aber nicht glauben.

2. Testleser, die schreiben (wissenschaftlich oder als Schriftstleller), können je nachdem wie gut sie als Kritiker sind (wofür ihre schriftstellerischen Qualitäten eher unwichtig sind), sehr klar vermitteln, was am bestehenden Text funktioniert, besonders gut funktioniert, nicht funktioniert, sich noch nicht richtig anfühlt.
Solche Testleser können manchmal sehr genau benennen, wo es hakt und woran, und sie können konkrete Vorschläge machen, um den Text zu verbessern. Ein Lob an dieser Stelle ist besonders wertvoll, und eine harte Kritik ebenso, weil man aus beidem viel lernen kann. Nur gilt hier auch der Rat, immer kritisch die Meinung zu prüfen und die Kritik erst nachzuvollziehen, bevor man sie übernimmt. Und immer wieder zu überprüfen, ob es wirklich eine hilfreiche Kritik ist.

3. Unter den Testlesern gibt es auch besondere Schriftsteller oder Lektoren, die einen nicht nur ihre Kritik schenken, sondern einen Roman auch über eine Zeit begleiten (wie mein Autorenpartner Stefan Fischer und zwei andere, liebe Kollegen). Hier kann man nicht nur all das besprechen, was auch die schreibenden Testleser erkennen, sondern auch gemeinsam mehr erarbeiten: also Pläne für den Roman, neue Ideen, alternative Vorstellungen. Hier bekommt man nach kürzester Zeit direkte Rückmeldungen, die man durch die lange Zusammenarbeit genau einordnen kann- und die wirklich unbezahlbar ist. Eigentlich alles kann hier besprochen, kritisiert und geklärt werden.
Gleichzeitig muss man immer prüfen, ob der Testleser erstens recht hat, ob das zum eigenen Text passt und ob man das wirklich möchte.

Bei der Auswahl von Testlesern sollte man immer überlegen, wann man Testleser an seine Texte heranlässt- gerade bei unsicheren Autoren sollte man teilweise einfach auf alle Testleser verzichten, bis man einen ganzen Teilabschnitt fertig hat. Weil man dann auf seine eigenen Meinungen und Einstellungen erst einmal vertrauen muss und diese auch in Ruhe entwickeln kann. Je sicherer man als Autor ist, desto später lässt man Testleser an seine Texte, weil man diese dann eigentlich erst recht spät braucht- von experimentellen Sachen einmal abgesehen. Und ganz wichtig: Nie die Gruppen von Testlesern vermischen!! Denn der fundierte Rat eines Kollegen kann durch einen normalen Leser nicht ersetzt werden- aber unglaublich gut ergänzt.
Die erste Gruppe Testleser kann einen guten Eindruck vermitteln, ob etwas funktioniert. Aber nie klären, ob nicht etwas anderes besser funktioniert. Zudem wird meist viel zu viel gelobt.
Die zweite Gruppe kann bestehende Teil deutlich verbessern und konkrete Ratschläge geben. Ganz wichtig, wenn ein Teil nicht funktioniert und man sich nicht sicher ist, warum das so ist. Oder wenn man sich nicht sicher ist, ob der Teil wirklich funktioniert.
Die dritte Gruppe kann Ratschläge bei all dem geben und ganz konkret die Grundideen und -konzepte hinterfragen helfen. Hier ist das wichtigste die Vorschläge anzuhören, nachzuprüfen und dann anzunehmen oder auch abzulehnen.

Fazit:
Testleser sind für einen Roman enorm wichtig, und auch für die persönliche Autorenentwicklung. Dabei ist es aber wichtig immer genau abzuschätzen, wobei die Testleser helfen können und wo nicht. Und immer eine eigene Position zu behalten ohne von den Meinungen anderer beim Schreiben abhängig zu werden.Und eine goldene Regel gilt immer: Deine Testleser sollen mit dir wachsen. Auf gute Testleser aller Gruppen kann man nicht verzichten- und sollte sie sich warm halten. Schlechte Testleser muss man aber loswerden, bevor man sich durch sie unnötig verunsichern lässt. Und lieber wenige Testleser, als zu viele, lieber später Testlesen lassen oder zu spät, als zu früh.

Sonntag, 6. Juli 2008

Szenisches und Erzählendes Schreiben

Wenn man diese beiden Schreibweisen in ihrer Reinform betrachtet, dann besteht das szenische Schreiben daraus, dass man die Konflikte eines Romans in Szenen aufschlüsselt und somit in die Konflikte hineingeht, während das erzählende Schreiben eben formlos die Konflikte beschreibt und nur kurz anreisst.In fast allen Romanen werden diese beiden Schreibweisen gemeinsam verwendet, weil eben nicht alle Szenen interessant genug sind, um sie szenisch aufzulösen.

Eine starke Szene besteht aus einem Hauptkonflikt, inneren Konflikten der Personen und Nebenkonflikten, hat einen Bezug auf die Charakterisierung einer Figur oder mehrerer Figuren, hat einen Bezug zu einer oder mehr Nebenhandlungen. Dabei gibt die Stärke der Szene weitgehend vor, wann man in die Szene geht und wann man rausgeht- und wieviel Test dazwischen gehört. Aber nicht nur die Stärke der Szene, auch ihre in der Romanhandlung gibt vor, wie ausführlich gearbeitet wird. Dabei sind der Bezug zur umliegenden Handlung, zur Gesamthandlung, eine zentrale Stellung der Szene und ihre Position im Text ebenso wichtig, wie das gewählte Tempo der Szene. Denn eine Geschichte lebt von der Variation unterschiedlicher Tempis.
Manche Szenen brauchen die Langsamkeit, um wirken zu können, andere Szenen Schnelligkeit, sowohl innerhalb der Szene, als auch in der Kürze der Szene. Zudem ist es wichtig um langsamere Szenen auch schnellere zu positionieren, weil dadurch eine Dynamik entsteht, gerade wenn das immer wieder passiert- und das macht den Roman besser.

Auch bei rein erzählenden Texten gibt es starke Passagen, die sich letztlich durch die gleichen Dinge auszeichnen, wie szenische Passagen: Bezug zum Hauptkonflikt, inneren Konflikten der Personen und Nebenkonflikten, hat einen Bezug auf die Charakterisierung einer Figur oder mehrerer Figuren, hat einen Bezug zu einer oder mehr Nebenhandlungen.
Die erzählenden Passagen verwenden nur diese Dinge anders: Die Geschichte wird erzählt, der eigentliche Konflikt normalerweise nur thematisiert und ausgelöst, statt in seiner Wirkung ausgefaltet. Auch hier muss sorgsam abgewogen werden, was stark ist (und somit viele Zeilen haben darf) und was schwach ist und extrem kurz oder gestrichen werden muss.
Eine richtige Dynamik entsteht bei langen erzählerischen Passagen nicht, denn es fehlen die wirklichen Höhepunkte und die starke Variation des Tempos.

Wenn man einen Roman plant, dann sollte man beide Erzählarten an diesen Überlegungen anlehnen. Denn je mehr Handlung, Konflikte, Plots und mehr ein Roman hat, desto mehr erzählerische Passagen braucht man und desto weniger kann man szenisch arbeiten. Denn das szenische braucht viel mehr Seiten als das erzählerische.
Zudem wirkt das szenisch unmittelbarer, während das erzählerische eine Art Distanz aufbaut, weil man nicht so in die Szene hineingeht.
Auch das spielt eine Rolle bei der Entscheidung, wie dicht man an seine Handlung und die Figuren heran möchte.
Und man sollte auch schauen, ob einem das szenische oder eher das erzählerische liegt.

Samstag, 5. Juli 2008

Ein seltsames Gefühl von Zufriedenheit

Wer sich aufmerksam meinen Blog durchliest, der wird festgestellt haben, dass das Hadern weit eher meinem Naturell entspricht, als die Zufriedenheit. Doch heute ist so ein Tag, wo ich auf die Arbeit der letzten Wochen zurückblicke und mich in dem gefühlten Schreiberfolg sonne. Denn ich habe wieder einmal ein Problem meines Romans gelöst, und ich habe das Gefühl, ich habe das besonders elegant gemacht. Zudem entwickelt sich so langsam wieder das ganz besondere Gefühl, dass man manchmal beim Schreiben hat. Alles entwickelt sich nach der eigenen Vorstellung und man beginnt aus der geklärten Situation heraus zufrieden dahin zu sehen, wo es weitergeht.
Und ganz ehrlich: Ein wenig hat meine Lösung etwas von den kommenden Seiten vorweggenommen. Aber im Moment empfinde ich das als Bereicherung, weil nun viele Dinge geklärt sind und ich mich auf das Eigentliche konzentrieren kann. Denn ich habe vieles über die Situation meiner Hauptfigur Laura und ihrer Familie so vorgezogen- was eventuell in Blenden, in Andeutungen oder mehr später gekommen wäre.

Natürlich ergeben sich aus jeder Lösung neue Probleme: Denn nun, nach diesem Teil, werde ich im zweiten Buch nicht mehr mit einer einzigen Haupthandlung (und reduzierten Nebenhandlungen) arbeiten können. Denn dann würde ich das Auffächern der Gedanken in den letzten Teilen wieder aufgeben- und dabei scheint das eine besondere Stärke zu sein. Ich werde mit mit mehreren Nebenhandlungen arbeiten müssen, von denen einige so "stark" sind, dass sie für eine Zeit Haupthandlung sind und auch in die anderen Handlungen hineinwirken. Und ich muss überdenken, ob ich das aus einer Ich-Perspektive kann. Sicherlich ist es in einer Erzählung in der Vergangenheit möglich, bedeutet aber viel Umständlichkeit. Vielleicht wäre es möglich eine Erzählfigur aus dem neuen Element so zu übernehmen, also Laura ihre Geschichte aus der Er/Sie Perspektive erzählen zu lassen, wenn sie bei ihren Eltern ist.

Schreiben ist spannend und ich werde wohl nie alle Kniffe, alle Geheimnisse des Schreibens lüften. Ich kann es aber versuchen...

Freitag, 4. Juli 2008

Seitenvorgabe

Ich hatte mir ja selber eine strenge Seitenvorgabe gesetzt: Bescheidene 150 Manuskriptseiten bis Ende Mai. Denn schließlich wollte ich mit meinem Roman mal endlich vorankommen, und so ein Roman braucht ja auch ca. 300- 350 Seiten mindestens. Nun, Ende Mai hatte ich leider nur ca. 110 Seiten, und habe das im letzten Monat noch einmal um 30 Seiten ausgebaut, die nun fertig sind. Zusammen mit späteren Teilen komme ich sogar auf knapp 180 Seiten, die weitgehend stehen. Es fehlt halt nur noch ein kleiner Zwischenteil mit 4-5 Seiten, bevor ich dann noch einmal 10 Seiten neu schreiben muss. Und dann werde ich Ende des Monats auf jeden Fall das erste Buch/den ersten Teil meines Romans fertig haben, mit knapp 160 Seiten, und einen Einstieg in den zweiten Teil des Romans.
Das ist noch nicht wirklich das, was ich schaffen möchte. Es ist aber inzwischen mehr als ein Anfang. Und bei knapp 200 Manuskriptseiten habe ich dann auch Bergfest, die Hälfte wäre geschafft.

Donnerstag, 3. Juli 2008

Ein Blog zieht um....

Lieber Leser,
dieser Blog wird gerade von einem anderen Bloganbieter übertragen, was durch die Zahl von über 300 Beiträgen etwas Zeit dauert. Deshalb werde ich auch die aktuellen Einträge erst recht spät übernehmen und erst nach und nach die Beiträge hierhin schaffen.
Deshalb bitte ich noch um etwas Geduld.

Mittwoch, 2. Juli 2008

Quidam spricht..

Als ich vor ein paar Tagen hier in meinem Blog gepostet habe, dass ich im nächsten Kapitel in einer Traumsequenz ins surreale gehende Erinnerungen, mehrfach miteinander verbunden und überzeitlich, hineinbringen werde, war mein Autorenparter Stefan Fischer sehr skeptisch. (Ich war es schon nicht mehr, weil ich die ersten Seiten schon geschrieben habe.) Der große Vorteil dieser Idee war es auf Rückblendungen zu verzichten und meine Stärke, knackige Szenen, miteinander mehrfach zu verbinden und über Assoziationen, Gleiches und Unterschiedliches ein breites Bild zu zeichnen.

Stefan hat also das komplette Kapitel gelesen und war positiv überrascht, weil es funktioniert. Natürlich gibt es da noch ein paar Ecken und Kanten auszuschleifen. Ich musste beim ersten Durchgang der Überarbeitung aber doch einige der Szenen wieder rausnehmen, weil sie zu direkt waren, zu hart, und die Phantasie dicht gemacht haben. Und das ist das Schlimmste, was passieren kann. Denn ich kann gar nicht so schlimm beschreiben, wie sich das ein Leser mit seiner eigenen Vorstellungskraft die Andeutungen und Leerstellen ausfüllen kann. Besser ist es anzudeuten, hinzuweisen, indirekt zu arbeiten- und nur manchmal gezielt über die Erwartung des Lesers hinauszugehen, und dann kann es manchmal genauso schlimm sein, wie die Vorstellung des Lesers- wenn ich über dessen Grenzen gehe. Das nutzt sich nur in einem Roman stark ab.

Letztlich wieder eine richtig gute Rückmeldung, was mir seit drei Tagen ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Dienstag, 1. Juli 2008

Gibt es da draußen auch mal Service im Baumarkt

Ich hatte zwei Freunden heute zugesagt bei einem Umzug zu helfen und für sie einen Miet-LKW zu fahren. O.k., ich war ein wenig verwundert, dass man bei einem Baumarkt einen solchen LKW mieten kann. Ein Baumarkt als Autoverleiher?? Der Preis war aber wirklich niedrig.

Wir sind zum vereinbarten Termin dort hingefahren, in brütender Hitze, und standen vor dem Tresen, als man uns mitteilte: Neh, der LKW ist noch nicht da. Übrigens im breiten Sächsisch und mit der Natürlichkeit, als wäre das so üblich. Irgendjemand hätte während des Ausladens mitgeholfen, nur nicht in den LKW geladen, sondern auf den eigenen. Die gleiche Antwort kam nach einer Viertelstunde und auf unser Drängen hin wurde der Nutzer (ein Baumarktmitarbeiter für geschäftliche Zwecke) angerufen und es sollte noch eine Dreiviertelstunde dauern. Von Düsseldorf nach Köln, bei 30 Grad, und beginnendem Berufsverkehr. Wir waren skeptisch, die Damen vom Baumarkt bestanden aber auf die Zeit.
Also sind wir dann kurz in die Innenstadt gelaufen und haben Eis gegessen. Sehr lecker übrigens, nur mir wurde eine Rumkugel geklaut- und das bei dem Wetter. Naja. Wer hat da schon Lust auf rum kugeln.
Nach der genannten Dreiviertelstunde war der LKW, Überraschung, Überraschung, immer noch nicht da... Er stand im .... Stau?? und wir schwitzten und schwitzen. Wieder eine telefonische Nachfrage, nur noch eine Viertelstunde.

Eine halbe Stunde später habe ich dann mal dezent bei der Verkäuferin angefragt, ob man uns nun nach 90 Minuten warten entgegenkommen könnte. O.k. dezent ist nicht meine Stärke, hüstl. Die arme Frau war schockiert und beleidigt, immerhin hatte sie das "Es tut mir Leid" aus der Servicebroschüre fast fehlerfrei aufgesagt. Zehn Minuten später kam die Chefin und der LKW war immer noch nicht da. Eine kurze Besprechung, wir wurden mit einer Runde Eis erst mal runtergekühlt, dann bekamen wir ein Angebot.

Und nachdem nach weiteren zehn Minuten der LKW endlich kam, und der Fahrer uns lächelnd den Schlüssel überreichte (kurze Mordgedanken in meinem Kopf), haben wir dann den Umzug gemacht, volle Anderthalbstunden.

Kosten: 3.01 für Diesel // Der Rest ging auf Kulanz des Baumarkts.

Oder anders gesagt: Unvorstellbar günstig, aber uns war der Magen von den zwei Runden Eis etwas schwer, und bis wir im LKW waren, ein fast neuer VW, war das Eis schon wieder rausgeschwitzt. Trotzdem war das wirklich fair.... Ich bin fast schockiert. Service gibt es in Deutschland, man muss nur lautstark darauf bestehen.