Samstag, 31. Mai 2008

Kreativität ist ein Brunnen (wenn sie keine Wüste ist)

Ob ein Autor nur über die Themen aus seiner Altersklasse schreiben kann, im Sinne, dass ein junger Autor nicht über Themen des Alters schreiben kann, bzw. seinen Geschichten die "Erfahrung" fehlt, hat, so meine ich zumindest, vor allem mit dem Autor selber zu tun. Denn Alter hat mit Weisheit nicht viel zu tun- denn das entscheidende ist es aus den eigenen Erfahrungen zu lernen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Weisheit entsteht, wenn man aus den Einzelfällen des eigenen und fremden Lebens versteht, wie normalerweise Dinge geschehen- und was sie gemeinsam haben und was sie trennt.

Wer nur aus dem Brunnen seines eigenen Unterbewusstseins schöpft, der wird seine eigene Themen immer mit dem Eimer hochholen und wiederholen und seine Grenzen am Rande dieses Brunnens festmachen müssen.
Wer den Brunnen des Unterbewusstseins um Empathie bereichert, also die Fähigkeit sich in den anderen hineinzuversetzen, der öffnet die engen Mauern um seinen Brunnen. Das eigene Unterbewusstsein verwendet dann die eigenen Gefühle, Erfahrungen und Erlebnisse, um das gleiche bei einem anderen zu verstehen- und macht aus einem engen Brunnen eine kleine, offene Quelle, der eben nicht nur vom Grundwasser gespeist wird.
Wer da hinzu noch genau beobachtet, mit anderen Menschen spricht und recherchiert, der bereichert nicht nur das Grundwasser, sondern beginnt bestimmte Dinge zu begreifen, zu verstehen und über das Hineinversetzen auch wirkliches Verständnis zu erlangen, indem er die Gründe und Hintergründe anderer Menschen versteht- und aus dem kleinen Quelle wird ein See mit mehreren Zuflüssen. Wer dies noch damit erweitert, indem er durch Method Acting ein wenig weiter geht, erweitert sogar noch diesen See.
Und die letzte Steigerung, die sicherlich auf den anderen aufbaut, ist die Abstraktion. Wer versteht, was an einer Situation Allgemeingültig ist, was besonders, und was das Besondere ausmacht- und dieses wieder in Beziehung setzt, der öffnet seinen See zu einem Meer. Wer über die Abstraktion immer mehr Zusammenhänge versteht, in seinem Verständnis über das Bekannte auch das Unbekannte entdecken kann, weil er versteht, wie Dinge zusammenhängen, der kann eigentlich über alles schreiben. Dann gibt es nur zwei Grenzen: Die Zeit zum Schreiben und das eigene Interesse. (Aber hier gibt es zwei Gefahren, nämliche Ideologie über Geschmack zu setzen (bzw. nur noch das Allgemeine durch die halbblinden Augen der Ideologie zu sehen und das Individuelle zu vergessen)) und die eigenen Fähigkeiten deutlich zu überschätzen und sich selber groß schreiben zu wollen.

Donnerstag, 29. Mai 2008

Halbmittelinksunten (Erzählung)

Halbmittelinksunten

Das Haldol lässt nach. Eine Systemumstellung auf neue Medikamente. Solian, kein Zittern mehr, keine unkontrollierten Bewegungen oder Tremor mehr. Alles wird besser, immer, angeblich. Eventuell ein leichtes Zittern, Regelschmerzen.
Ich möchte alleine sein, bin es aber nicht. Eine alte Dame mit lavendelfarbenen Haar hat sich in ihrem Krankenhaushemd neben mich gesetzt. Sie zuppelt an ihrem Zentralkatheter, während sie mit der Hand das Krankenhaushemdchen zurechtzieht. Weil man ihre schlauchartigen Brüste sehen kann.
„Junge Dame, sie müssen das meiner Enkelin sagen, ja!“
Sie spricht schon eine ganze Zeit mit mir. Aber ich nicke nicht, sondern spiele mit dem weißen Kopfhörerkabel in meinem Ohr, und sehe uninteressiert aus der Fenster. Dorthin, wo ich ihr Spiegelbild sehen kann und die Pollen, die auf dem unebenen Asphalt des Parkplatzes gelbbraune Inseln gebildet haben.
„Sie müssen einfach.“
Ihr Gebiss hat sie nicht dabei, das Gesicht wirkt deshalb eingefallen.
„Nein.“
Ich sage es leise und habe zugleich verloren, denn ich habe aufgehört sie zu ignorieren. Das blöde Solian.
Die alte Dame sieht mich an, das Blau ihrer Augen ist grau verwaschen, ihre Pupillen suchen nach mir, bewegen sich durch den Raum. Mit überknappen Fingernägeln greift sie nach meiner Hand, um meine Aufmerksamkeit festzuhalten. Die Haare auf meiner Hand stellen sich auf, als sie meine Hand fast berührt, dann hindurchgreift.
„Sie müssen!“
Bruststimme, sie wird zornig, und ich mache mich möglichst klein auf meinem Stuhl und spiele mit dem Zentralkatheter
„Gehen sie!“
Ich sage es laut, und sehe zu den Mülleimern am Parkplatz. Die ersten Raucher stehen dort, einer im Rollstuhl mit Wolldecke, ein anderer fährt seine Infusion am Ständer mit sich herum, Bademantel, bordeauxrot. Ich darf nicht raus, obwohl ich auch eine Zigarette will. Medikamentenumstellung und Selbstmordgefahr.
Die trüben Augen der alten Damen fangen an auszutränen, ganz normal, eigentlich.
„Sie finden doch den Schmuck nicht. Niemals finden sie ihn. Und dann ist er weg, wo doch meine Enkelin ihn haben soll. Das müssen sie ihr doch sagen.“
Das muss sie sehr beschäftigen, sonst wäre sie nicht mehr hier. Mit diesem Hemdchen, den unklaren Augen, so alt und krank. Dann gehen sie meistens ganz.

Das erste Mal sehe ich wirklich auf, sehe sie an. Sie hat schöne Falten in ihrem Gesicht, neben den Mundwinkeln, auch wenn ein Mundwinkel runterhängt. Überall hat sie blaue Flecke, marineblau, hellblau, beigebraun, violett, die meisten klein, aber nicht alle.
„Ist es so wichtig?“
Das Haldol lässt halt nach, spürbar, das Solian wirkt noch nicht. Und ich bin ihr ausgeliefert, ihr und diesen Vorstellungen.
Sie drückt ihr Krankenhaushemd vor ihrer Brust zusammen, sieht sich um, lange, ihre Augen unstet.
„Ich habe es wegen der Russen versteckt. Wo die sonst alles finden. Sie haben meiner Mama das Schwein gestohlen, einfach gestohlen. So was macht man doch nicht.“
Ich merke, dass sie noch verwirrt ist. Meist ist es die Zeit vor dem Tod, die sie noch nicht los läßt, die sich nicht loslassen können. Und wenn sie alt sind, kommen die schlimmen Zeiten zurück.
„Wo ist denn ihre Enkelin?“
Denn ich kann es jetzt sowieso nicht mehr ändern. Die Toten finden mich, egal wo ich bin. Egal, ob ich es möchte. Nur das Haldol macht sie für mich unsichtbar, sie verschwinden. Und das Solian hoffentlich auch.
„Sie ist unten!“
Die alte Dame war sicher mal besonders schön. Denn sie wirkt so, mit der schützenden Hand vor ihrer Brust, schamhaft, mädchenhaft.
Rasch sehe ich mich um, ob noch andere da sind, von ihnen. Aber ich sehe keine. Ich sehe nur die Impressionisten an den Wänden. Dumme Idee übrigens, für eine geschlossene Psychiatrie. Aber immerhin weniger weiß und steril, auch durch die sonnengelben Wände. Meine Blicke bleiben bei einem van Gogh hängen, und ich fange an in diesem Bild zu versinken, tief gemalte Verzweiflung, der man mit konischen Kreisbewegungen des Kopfes folgen kann.
„Kommen sie?“
Meine Beine sind genauso müde wie ich, ich kann kaum das Zittern meiner Knie aushalten. Die alte Dame ist viel flinker als ich, sie huscht durch die Gänge, krumm vom Alter, summt dabei das Pommernlied. Aber sie ist auch schon tot, ich kriege es einfach nicht hin.

*

Als wir vor der Pforte ankommen, sehe ich die Wache. Ein kräftiger Krankenpfleger sitzt in der Zentrale, unter dem Hemd irgend ein Heavymetal T-Shirt, irgendein Massaker darauf. Eigentlich ganz nett, der Pfleger. Vielleicht nett genug mich rauszulassen, obwohl ich nicht darf. Ich öffne den obersten Knopf meines Pyjamas.
„Hallo?“
Sage ich, und klopfe gegen die dicke Scheibe. Immerhin bin ich freiwillig hier und theoretisch darf ich das Gebäude verlassen. Wenn auch nicht um diese Uhrzeit, Abends, alleine, und in meinem Zustand. Oder überhaupt.
„Ja?“
Er drückt auf den kleinen Sprechknopf. Er hat gelesen, bestimmt.
“Ich müsste mal runter zum Cola-Automaten.“
Er sieht mich über die Lesebrille an, als wäre ich bescheuert. Ich stehe in meinem gestreiften Pyjama vor ihm, kein Bademantel, keine Badelatschen, kein Geld. Und die Pyjamabluse halboffen, ein MP3 Player. Und will nach unten zum Automaten. Scheiß Medikamente. Und ja, ich bin bescheuert.
„Ziehen sie sich erst einmal was an, ja?“

*

Also drehe ich um, wortlos, und gehe in mein Zimmer. Mein Vater hat mir extra ein Einzelzimmer besorgt. Gute Kontakte sind immer wichtig, meine sind nur alle Tot.
Es gibt sogar eine verdammte Zimmerpflanze, die ich selber gießen muss, nichts giftiges, nur giftig grün. Soziale Kontakte pflegen, heißt Pflanzen pflegen. So ein paar Vollpfosten.
„Sie erkälten sich ja auch sonst.“
Sagt die alte Dame und sieht sich neugierig in meinen Sachen um. Weil die Toten keinen Respekt vor den Lebenden haben.
„So wie sie angezogen sind.“
Sie stöbert mit ihren Händen durch meine Unterwäsche, fast alles weiß, einmal rot, einmal grün. Tangas. Fast anständig. Und obwohl sie nichts anfassen kann, ist alles danach schmutzig, irgendwie.
„Klar. Eine Erkältung ist mein größtes Problem.“
Die Toten sind mindestens so Sarkasmusresistenz wie mein Vater und die Ärzte. Denn die alte Dame lächelt nur freundlich.
Und dann sehe ich eine kleine Hand, eine ganz kleine Hand. Ich mache sofort einen Schritt zurück, bis ich ihn erkenne. Ich habe ihn Micha getauft, weil er mich an meinen Bruder erinnert. Der hat sich auch immer hinter meinen Bademänteln versteckt. Ein Pulli mit Bob dem Baumeister, ein praktischer Haarschnitt, Schorf an der Stirn, angeschmutzte Haut. Er lächelt, als er mich sieht, Milchzähne. Ein süßes Kind, vielleicht vier. Ich streiche ihm dafür durch die Haare, während ich mir Sachen rauslege. Er weint so oft, dass ich nicht schlafen kann, ohne Haldol. Und sie haben mich umgestellt auf das neue Medikament, aber irgendwie nicht richtig. Ich kann ihn immer noch hören.
„Sie sind verrückt, oder?“
Die alte Dame sieht den Jungen nicht, weil sie sich nicht gegenseitig sehen können. Glücklicherweise.
„Ja.“
Mehr sage ich nicht, während ich auf die Verbände an meinen Unterarmen schaue. Cutten ist eine üble Sache, klar. Aber wer von den Toten umgeben ist, muss sich manchmal versichern, dass er selber noch lebt. Finde ich zumindest. Mein Vater ist da anderer Meinung.
„Deshalb können sie mich sehen, ja?“
Und gleich wird es losgehen, wie es immer losgeht. Die alte Dame wird mich fragen, was danach kommt. Als wüsste ich das. Als wüsste irgendjemand das.
„Ja.“
Und während ich mich anziehe, sieht sie mich genauer an. Mit dem Blick, mit denen mich auch die Ärzte hier ansehen.
„Sie sind so hübsch, sie finden bestimmt trotzdem einen Mann.“

Ich sage nichts, weil es nichts bringt Tote zu beleidigen. Außer Haldol. Ziehe mich an: Jeans, T-Shirt, Pulli, MP3 Player. Damit ich mich sicher fühle. Die Jeansknöpfe dauern lange, wegen dem Tremor.
„Gehen wir?“
Ich frage sie das, und die alte Dame lächelt.
„Sie sind aber ein wenig langsam, oder?“
Wie gesagt, die Toten. Die Haarstoppeln kratzen in der Jeans, aber niemand gibt mir mehr einen Rasierer. Würde ich auch nicht. Ich bin zu tiefgründig, nicht nur beim rasieren.
„Ja.“
Langsam gehe ich über den Flur wieder zurück zur Pforte, während sie vorhuscht. Mein Haar sieht bestimmt schrecklich aus. Weil ich nur einen Kamm haben darf, keine Pflegemittel. Und nicht mal ein Haargummi, warum auch immer. Vorschriften halt. An einem Haargummi kann man weder ersticken, noch sich aufhängen.

Diesmal gibt es keine lange Diskussion an der Pforte, der nette Onkel mit den Metallapplikationen im Gesicht winkt mich durch, während ich freundlich lächele. Hinter ihm hängt eine blaue Periode, die so aussieht, wie ich mich auch bei meiner fühle.
Die alte Dame stellt sich vor den Aufzug, alte Gewohnheit, auch wenn sie ihn nicht mehr braucht.
„Welcher Stock?“
Frage ich, während wir auf den Aufzug warten. Und ahne, dass das nicht sonderlich clever war, denn die Pforte ist nicht sonderlich weit entfernt. Also blicke ich mich um, und sehe den Pfleger, der gerade aufgestanden ist.
„Juli! Tolle Band.“
Ich zeige auf den MP3-Player. Deshalb trage ich ihn, weil es mich weniger verrückt aussehen lässt. Das ich keine Batterien haben darf, dass vergessen sie alle, auch er und blättert lieber weiter in der Zeitschrift. Ich mag eine gute Arbeitsmoral, wenn sie mir hilft.
„Station 3 A, Zimmer 347.“

*

Als wir mit dem Aufzug in den dritten Stock kommen, sehe ich es schon. Gerade rangieren zwei Pflegerinnen die alte Dame ins Sterbezimmer. Das wird oft so gemacht, weil das die anderen furchtbar bei ihrer Nachtruhe stört, und das Sterben auch nicht so öffentlich sein soll.
„Da drüben!“
Die alte Dame nickt ganz häufig und bleibt neben mir. Ich habe keine Socken an, keine Schuhe, fällt mir auf.
In einem der Gänge sehe ich einen großen Fuß durch eine Tür kommen, dann, während wir auf das Bett zugehen, ein beharrtes Bein. Jemand, der gerade raus ist, aus seinem Körper und unerfahren und noch nicht wirklich tot. Sonst ginge das schneller.
Ich versuche mich zu beeilen, bin aber einfach zu müde, der Tremor nervt. Und bewege mich auf das Bett zu.
„Die Frau Senner-Mohrbach stirbt doch aber nicht.“
Das höre ich aus dem offenen Zimmer, eine Frau die schlecht Luft bekommt.
„Wir bringen sie erst mal ins Nebenzimmer, ja.“
Natürlich sagt er ihr nicht, dass Frau Senner-Mohrbach längst tot ist. Ich zwinge mich weiterzugehen, und mich nicht umzusehen, ob der Mann inzwischen auch das Knie, den Oberschenkel, den Rest seines Körpers durch die Tür bekommen hat. Keine gute Nacht auf dieser Station, wenn zwei hintereinander gehen. Und keine gute Nacht für mich, kein Haldol und das Solian wirkt noch nicht.

*

Als ich zum Sterbezimmer komme, ist die Tür noch offen. Auf dem Laminat steht nur ein Bett.
Zwei Frauen sitzen neben dem Bett auf braunen Plastikstühlen mit Alufüßen, ein Arzt steht etwas hilflos hinter dem Bett und zieht die Schläuche, Kabel und Katheter heraus. Und dann liegt Frau Senner-Mohrbach sehr friedlich in ihrem Seniorenbett, die Decke hoch geschlossen und hat die Augen zugeklappt. Und sie steht neben mir, mit den Flecken, weniger friedlich. Und zeigt auf ihre Tochter.
„Entschuldigen sie bitte!“
Der Arzt hat mich entdeckt, und kommt auf mich zu. Die beiden Frauen drehen sich um, die eine ist vielleicht fünfzig, oder auch älter, zwei künstliche Wimpern liegen auf der ausgerougten Wange. Die andere ist jünger, in meinem Alter, blonde Haare, ein Modekataloggesicht, keine besonderen Kennzeichen.
„Warten sie.“
Sage ich, und schiebe mich in den Raum, zum Schrank, dem Waschbecken, bevor er die Tür zumachen kann. Der Arzt legt mir schon eine Hand auf die Hüfte und will mich aus dem Raum zu schieben. Er ist vielleicht dreißig Jahre alt, sportlich, eine teure Uhr an seinem Handgelenk, Breitling. Mit dem hatte ich schon mal war zu tun, Dr. Stein, stimmt, steht auch auf seinem Namensschild.
„Ja?“
Er ist wütend, und er paralysiert mich, mit seiner Berührung, seiner Wut.
Der kleine Stein spielt am Wasser, wirft Gegenstände ins Wasser. Und dann wird er gestoßen und fällt ins Wasser. Überall Wasser, dunkelblau, hellblau, eine impressionistische Sonne unter Wasser, Algen.
Ich muss ihn loswerden.

Auf dem Gang steht nun der Andere, er hat es geschafft. Ein Jugendlicher, schlacksig, bestimmt keine zwanzig, und die Adern in seinem Augapfel sind geplatzt, die Lippen bläulich verfärbt. Ein Fixateur links am Unterschenkel, einer am Knie darüber. Und ein T-Shirt, irgendwas mit Phatfarm.
„Da drüben, da bekommt jemand keine Luft mehr.“
Ich zeige in Richtung des Zimmers. Der kleine Stein in der Grundschule, immer der Erste, diesmal nicht. Er hat sich in die Hose gepischert und traut sich nicht mehr raus.
„Zimmer 317,“ sagt der Jugendliche.
„Zimmer 317,“ wiederhole ich.

Dr. Stein lässt meine Hüfte los und läuft lost. Ein Glück, dass die Ärzte im Krankenhaus sich nie die Gesichter merken können. Der hat mich schon bestimmt dreimal genäht, getackert oder geklebt. Er müsste wissen, was ich bin, wer ich bin. Aber er hat es vergessen.
Frau Senner-Mohrbach betrachtet sich selber auf dem Bett, und zuppelt an ihrem Hemd. Ihr Rücken ist so durchgelegen, wie es alte Rücken manchmal sind, aus schlechten Pflegeheimen.
„Du musst nicht weinen, Marianne. Wirklich nicht. So ist das das Beste. Es ging schon viel zu lange, das wo mit dem Sterben.“
Ich gebe der alten Frau eine Minute, auch wenn ihre Tochter sie nicht hören kann. Warte einfach ab, und versuche das Zittern einzustellen, motorische Disfunktionen sind ziemlich unpraktisch, wie auch die Schlafstörungen, das Erbrechen. Draußen gibt es Reanimationsalarm. Der Arzt hat das Zimmer gefunden, tata. Eine weitere Heldentat von mir, hurra.
„Und Kathi. Ich will das du meinen Schmuck bekommst. Das goldene Armband, dass dein Großvater mir auf Kreta gekauft hat. Die goldene Taschenuhr von deinem Urgroßvater und die Bernsteinkette.“

„Wer sind sie?“, fragt mich Kathi, zu viel pfauenblauer Augenschatten aufgeschminkt. Ich lächele etwas gequält. Knibbele an meinem Zentralkatheter, unter dem Pulli, und merke, wie dringend ich eine Zigarette gebrauchen könnte, gegen den Tremor. Wie weich mein Körper ist, weil er müde ist, kaum trägt er mich noch.
„Das ist nicht so wichtig. Sie sind Kathi und Marianne?“
Die beiden sehen mich an, und sich dann auch. Marianne kramt in ihrer Handtasche nach einem Tempo. Die beiden Wimpern auf ihre Wange machen mich verrückt, naja, noch verrückter. Kathi stützt sich mit beiden Händen auf dem Plastikstuhl auf.
„Ja,“ sagt sie dann, während sie mich so ansieht, wie mich alle ansehen. Langer Augenkontakt, dann sinkt der Blick tiefer, bleibt einfach nicht mehr hängen, nur beim Tremor. Als wäre ich verrückt.
„Sie sollen das goldene Armband aus Kreta bekommen, die goldene Taschenuhr und die Bernsteinkette der Urgroßmutter. Ihre Oma hat die versteckt.“
Frau Senner-Mohrbach nickt, und baumelt mit den Beinen, fast ein wenig kindlich. Vor allem für eine Tote. Sie hat Operationsnarben am Knie. Und sie sieht jünger aus. Das passiert manchmal, wenn man macht, was sie wollen.
„Marianne und Kathi sollen in den Zahnputzgläsern im Badezimmer gucken, und bei den Konserven. Und da wo die Einweckgläser sind, und auch drinnen, bei den Kirschen.“
„Bei den Konserven hat sie Sachen versteckt, und bei den Einmachgläsern und bei den Kirschen. Und die Zahnputzgläser sollten sie sich auch ansehen.“
Wiederhole ich. Und auf einmal beginnt Frau Senner-Mohrbach blasser zu werden, die Farben lösen sich auf, die Falten auch, sie scheint jünger zu werden, immer jünger. Das machen sie oft, bevor sie verschwinden. Vielleicht ist das gut, vielleicht auch schlecht. Aber irgendwie seltsam. Manche werden schwarzweiß, so wie das Träume früher waren.
Ich platsche mit meinem Fuß immer wieder auf den Boden, weil ich es nicht mehr kontrollieren kann. Und bewege unkontrolliert den Arm. Also drücke ich mich mit der Schulter vom Schrank ab, watschele wie eine einbeinige Ente zur Tür, gehe raus, langsam.
Draußen läuft ein älterer Arzt zu dem Zimmer von dem Jugendlichen, er riecht nach Kotze, die Haare sind wirr, bestimmt Ambulanz. Er läuft durch den Jugendlichen durch, kurz verschwindet der, taucht dann an der gleichen Stelle wieder auf. Anfänger. Und die Pflegerinnen lagern wieder um, auch das Polstermöbelchen. Und dann verschwindet der Jugendliche wieder, taucht nicht mehr auf. Gute Tat zwei.

*

Ich bin noch nicht weit gestolpert, an einer Wand mit Impressionisten entlang, dicht an der Wand, als ich hinter mir Schritte auf dem Linoleum höre. Kathi. Sie hat ihre beigebraune Handtasche dabei, hat sie nicht vergessen, und hält sie mir entgegen, atmet dabei heftig.
„Wer sind sie?“
„Eine Bekannte ihrer Oma,“ sage ich, und hoffe, dass sie es dabei bewenden lassen wird. Aber sie kommt näher, ich kann ein Parfüm riechen, penetrant stark, weil ich es nicht mehr gewohnt bin. Parfüm ist auch verboten.
„Das sind sie nicht! Das würde ich wissen.“
Sagt sie, viel zu laut. Ich kriege Kopfschmerzen.
„Haben sie eine Zigarette?“
Frage ich sie. Sie nickt, also fahren wir mit dem Aufzug nach unten, gehen dann durch das Foyer nach draußen. Niemand hält mich auf, im Moment ist Chaos, hektisch wird telefoniert, Notdienst, Notops. Wir stellen uns auf die Blütenpollen, in den Regen, neben den Parkplatz. Sie sieht mich komisch an, ich zucke etwas im Diskotakt.

*
“Woher kennen sie meine Oma.“
Ich ziehe an den Ärmel meines Pullis, Cashmere, und rauche. Fast so gut wie Haldol, die Zigaretten, das draußen sein.
„Ich bin verrückt.“
Sage ich, warte ab, wie sie reagiert. Und spiele dann mit dem Zentralkatheter.
„Wie meinen sie das?“
Kathi würde gerne irgendetwas tun, damit ich ihre Frage beantworte, alles dafür tun, für eine Antwort. Ich habe nur keine. Zumindest keine, die das alles erklären würde. Und das macht sie fertig, sie alle, und sie dann mich.
„Ich kriege im Moment kein Haldol oder nicht genug. Medikamentenumstellung.“
Sage ich, mache eine Pause. Vielleicht ist noch eine zweite Zigarette drin.
„Woher kenne sie meine Oma?“
Laut, dringlich. Der Rollifahrer fährt hastig weg, Richtung Eingang, es riecht nach Ärger. Vor einem Krankenhaus gibt sehr oft Ärger, öfter als man meint. Das passiert mir ständig.
„Ich habe mit ihrer Oma gesprochen.“
Ich sehe sie nicht mehr an. Und spüre wie der Wunsch nach Haldol mir körperlich Schmerzen macht, genau wie in den Minuten, nachdem ich es bekommen habe. Wie mein Kopf ganz eckig wird, von Schmerzen, und meine Knie weich und ich mit meinen nackten Füssen auf die Pollen trampele.
„Wann?“
Weitere Fragen. Immer weitere Fragen. Nie Antworten. Mir wird ganz schwindelig.
„Gehen sie weg, bitte.“
Sage ich, und erst als Kathi innehält, dann vorsichtig zurückgeht, da geht es mir besser. Körperliche Nähe ist Scheiße, vor allen bei Lebenden. Zuviel Gefühle, viele Bilder.

*

Doch diesmal sieht sie mich anders an, als vorher. Nicht als wäre ich verrückt, sondern anders.
„Sie sind ein Medium, oder?“
FasteEhrfurchtsvoll. Sie neigt sogar unsicher den Kopf.
„So etwas ähnliches.“
Ein Medium, ein netter Begriff. Medium bedeutet, dass man in der Mitte steht, vermittelt. Ich stehe aber daneben und gehöre zu keiner Seite. Außer die Verrückten haben eine dritte Seite erfunden, halbmittelinksunten.
„Sie haben sie gesehen?“
„Ja.“
„Also sind sie doch ein Medium.“
Das schlimmste ist, dass mir niemand zuhört, aber alle wollen, dass ich ihnen zuhöre. Vor allen die Toten, und die Armgreifer. Der Kopfschmerz lässt mir noch mehr zittern, mir wird langsam schlecht.
„Was passiert mit ihr?“
„Ich weiß es nicht.“
„Aber sie müssen das doch wissen.“
Kathi ist wieder laut geworden, und kommt einen Schritt näher. Und ihre Trauer ist unglaublich betäubend, einschnürend. Bilder von Frau Senner-Mohrbach, ein Spielplatz, ein Reihenhaus mit Gartenbank. Ein netter älterer Herr, ein getöpfertes Klingelschild. Und Windowcolors, überall Windowcolors. Und die kleine Kathi, wie im Tschibokatalog. Hübsch wie im Tschibokatalog. Die mit ihrer Oma spielt, Menschärgeredichnicht.
„Gehen sie weg!“
Sage ich, und versuche zurückzuweichen, ihr auszuweichen, vor ihren Gefühlen. Weshalb ich übrigens hier bin. Weil ich am liebsten zu den Toten ausweiche.
„Bitte.“
Sie fleht mit ihrer Stimme, mit der nach vorne gestreckten Hand. Und ich bin nicht schnell genug, um ihr auszuweichen. Nackte Haut auf meiner nackten Haut. Sie durchdringt meine Haut nicht. Aber ich kann etwas sehen, von ihr, von früher. Bilder.

Ein rotes Fahrrad mit einer gelben Fahne hinten, Stützräder, eine Spielstrasse. Frau Senner-Mohrbach läuft hinter dem Fahrrad her und lacht. Sie trägt einen dunkelblauen Rock, eine weiße Bluse. Kathi hat eine Hosen an, und etwas von Janosch. Ihre Haare fliegen wie die Fahne, und beide lachen. Eine Schmalfilmkamera läuft mit. Jemand raucht. Kathi fällt trotz Stützräder. Die Kamera wird weggelegt, aber erst nach einem Augenblick.

Ich reiße mich los, schüttele ihre Hand ab, während die Welt um mich herum grau geworden ist, farblos, sogar die Pollen, das Krankenhaus und die Wiese drum herum. Sogar die Autos sind grau schattiert, sogar die teuren, mit den Metallicfarben.
„Gehen sie.“
Sage ich noch einmal, und weine wütend. Und beginne mich zu wiegen, der Tremor. Und stampfe mit dem Fuß auf. Die Zigarette hilft mir nicht.
„Sie dürfen mich nicht anfassen.“
Diesmal scheint sie es zu verstehen. Ich stolpere, humpele, ente zu einer der Bänke, und setze mich. Und bleibe sitzen, zittere, mein Körper bewegt sich in verschiedene Richtungen, als würde er zerfliessen, er ist aber fest, Tremor. Bis die Farben wieder langsam zurückkommen, wie die Sonne. Das Grau vertreiben, nach und nach die Welt zurückerobern, während mein Kopfschmerz mit jedem Herzschlag meine Gedanken aushämmert.

Dein Verstand ist dein Problem, das sagt mein Vater immer. Aber den kann man in den Griff bekommen. Sie sagen, das wäre alles nicht echt, nicht real. Keine Frau Senner-Mohrbach, keine Kathi, kein Micha, keine Marianne. Aber ich habe sie doch gesehen, oder? Irgendwie bin ich halbmittelinksunten. Nur wovon, das weiß ich nicht.

-Fin-

(c) Thomas Roeder

Mittwoch, 28. Mai 2008

Manchmal braucht man eine neue Welt??

Immer wieder, wenn man das Gefühl hat, dass gerade die eigene Welt eine Stabilität und eine Sicherheit bekommen hat, passieren Dinge. Auf einmal werden stabile Gebilde zerbrochen, Sicherheiten verschwinden und werden abgelöst. Dabei sind viele der Veränderungen eigentlich sehr positiv, andere eine logische Konsequenz aus anderen erwarteten oder überraschend eingetretenen Ereignissen, dabei mal positiv, mal neutral, mal negativ. Und manchmal, gerade als einiges wunderbares passiert ist, passiert etwas und die ganze Welt um einen herum scheint kurz erschüttert.
So geht es gerade der Hauptfigur in meinem Roman, und mir in gewisser Weise auch. Ich bin heute ein wenig erschüttert.... (Und hiermit sind wir auch wieder bei der Grundsituation des postmodernen Romans.)

Dienstag, 27. Mai 2008

Warum man Aristophanes kennen sollte!

Wenn man über die antike Literatur Athens spricht, dann werden üblicherweise die drei großen Tragödiendichter Aischylos, Sophokles und Euripides genannt. Etwas verschämt wird dabei dann Aristophanes unterschlagen, einer der Großmeister der antiken Komödie.
Die große Leistung der Tragödiendichter ist es zuerst die Grundlage für das moderne Theater geschaffen zu haben, indem an den Feiertagen des Wein- und später Theatergottes Dionysos Bocksgesänge (=griech Tragödie) zu Ehren des Gottes abgehalten wurden. Das Schicksal oder die Götter bringen den Helden immer in einen Konflikt, in dem dieser schuldig wird: Und erst die Götter können diesen Konflikt letztendlich auflösen.
Dabei ist es die besondere Leistung des Euripides die Helden der Tragödie zu vermenschlichen und sie den Menschen anzunähern. Gerade die besondere Situation des Theaters, seine Daseinsform und die Schauspieler (alles Männer) bedingten, dass C.G. Jung in ihnen die Archetypen entdecken konnte.
Wenn man sich heute jedoch diese Aufführungen ansieht, dann ist es eben das entmenschlichte, was eine moderne Aufführung ausgleichen muss, die Götter werden von anderen Dingen abgelöst- und somit handelt es sich um Neuinterpretationen, die sich stark von den ursprünglichen Tragödien abgelöst haben.

Aristophanes war einer der großen Komodiendichter, Goethe bezeichnete ihn als "ungezogene Liebling der Grazien". Weil er in seiner Komödie einerseits die Stilmittel der Tragödiendichter offenlegte und damit persiflierte, und andererseits neben der politischen Karikatur auch die Weltanschauung, die Sophisten und andere hinterfragte. Das besondere an Aristophanes ist nicht nur die Größe seines Werkes, die heute durch die fehlenden Möglichkeiten viele Witze und Scherze schwerer nachvollzogen werden kann. Die besondere Größe ist gerade mit den Mittel der Komödie die Tragödie, die Politik und bis hin zu den Göttern vieles zu hinterfragen. Aristophanes ist dadurch ein wichtiger Zeitzeuge, und spiegelt viel besser als die an den Göttern und Halbgöttern orientierten Tragödie die Zeit, den Alltag und die Zeitlichkeit des alten Athens wieder.

Noch heute kann man viel von ihm lernen: Von den Vögeln etwas über die Betrachtung der Götter und der Welt, bei den Wolken etwas über Götter und Philosophie, bei den Weibervolksversammlung durchaus auch etwas über Geschlecht und Zeit und etwas über die Bedeutung der Familie. Man kann aber auch lernen, wie Witze und Timing, wie Überzeichnung, Karikatur und Ironie funktionieren.

Und wenn man genau hinsieht, dann ist den heutigen Autoren von Gegenwartsliteratur Aristophanes viel näher als die Tragödiendichter, die ein wenig an die Unterhaltungsliteratur abgegeben wurden. Denn gerade die von Aristophanes gespiegelte Wirklichkeit, die ist heute Thema der Literatur- Schicksal, Leid, Archetypen sind es nicht mehr so.

Deshalb sollte man sich einmal hinsetzen, und Aristophanes nachlesen. Und zwar im Projekt Gutenberg.

Das Prosanova-Festival in Hildesheim

Leider nur als verspätete Meldung zum mal nachträglich anschauen:

Heute ist das Prosanova-Festival in Hildesheim zu Ende gegangen, wo unter dem Stichwort "Poesie und Position" die deutschsprachige Gegenwartsliteratur unter 35 besprochen, bearbeitet und diskutiert wurde.
Die Taz hat dazu einen kleinen Artikel gebracht: "Von wegen Genie. Dichter arbeiten", und auf der Homepage des Festivals kann man ein kleines Magazin über die Ereignisse des Festivals als PDF downloaden.
Veranstalter war Bella Triste, die von den Studenten des Studiengangs "Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus" der Uni Hildesheim herausgegeben wird.
(Siehe auch das Label Autorenförderung zu diesem Studiengang und dem Studiengang am Deutschen Literaturinstitut Leipzig).
Was man so in dem Magazin hat lesen können... Mist, dass ich da wieder nicht rechtzeitig eine Nachricht bekommen habe. Genommen hätte man mich wohl nicht, hüstl, weil meine Texte sehr speziell sind (und ich auch so langsam an der Altersgrenze kratze) und ich etwas eigenwillig bin. Aber Schade.

Sonntag, 25. Mai 2008

Warum Kitsch nicht echt ist!

Echte Gefühle sind widersprüchlich, manchmal unklar und sie zeigen sich bei jedem Mensch unterschiedlich. Sie sind auch in Menschen unterschiedlich stark in der Empfindung und im Ausdruck, und sie entblössen den Menschen bis tief in sein Inneres, wenn man diese Gefühle offenbart. Oder um es anders zu sagen: echte Gefühle sind schwierig. Um diese Gefühle darzustellen, muss man sich tief und echt auf seine Figuren einlassen- und den Leser dazu bringen dies ebenfalls zu tun. Denn erst wenn man sich auf die Figur einlässt, kann man deren Gefühle wirklich nachvollziehen- was eine enorme Anziehungskraft für einen Leser bietet

Die Alternative ist der Kitsch. Kitsch ist die entpersonalisierten Gefühlsdarstellung- und es ist wirklich nur eine Darstellung, und kein Gefühl an sich. Denn Kitsch arbeitet erstens mit bestimmten Symbolen für die Liebe, bestimmten Bildern dafür, bestimmten Redewendungen und bestimmten Motiven und Topois.
Statt die Liebe zwischen zwei Individuen wirklich zu zeigen, nachzusehen, was die beiden an sich lieben, wird gezeigt wie jemand sich hinkniet, eine Rose hinhält und sagt: "Ich liebe dich!" Statt die widersprüchlichen Gefühle anzudeuten, ist eine Person erst unsicher und merkt kurz vor Ende, dass sie ja den einen wirklich liebt. Kitsch ist auch, wenn man gemeinsam den Sonnenuntergang ansieht oder wenn man sich sofort unsterblich verliebt.
Oder anders formuliert: Kitsch ist nicht echt. Es ist nur eine überzeichnete, entpersonalisierte Darstellung, wie Liebe theoretische sein könnte... Mit wirklichen Gefühlen hat das aber nicht viel zu tun, oder mit wirklichen Menschen oder Figuren, oder auch der Wirklichkeit.
Das Kitsch nicht echt ist, sondern übertrieben, beschränkt sein Einsatzfeld: Echte Figuren werden etwas kitschiges nicht erleben oder nur in absoluten Ausnahmefällen.
Aber Kitsch ist überaus geeignet, um eine eskapadistische Geschichte gerade diesen besonderen eskapadistischen Reiz zu geben, weil eine Geschichte damit besser als die Wirklichkeit wird, klarer und erkennbarer. Kitsch erlaubt uns die Illusion, dass ein Mensch und seine Entscheidungen die gesamte Welt verändern können und ist somit konservativ im Weltbild, bis hin zum rückwärtsgewandten. Kitsch gibt uns die Vorstellung, es gäbe eine klare Weltordnung, es gäbe für alles eine logische Erklärung und für jeden einen Plan, eine/n perfekte/n Geliebte/n.
Oder anders formuliert: Kitsch gehört zu den Lügen der Literatur, und hat damit seinen Wert. Als Übersteigerung, als Trash, als gebündelten Kitsch, ist es sogar eine Kunstform

Aber wer Wahrhaftiges verfassen möchte, der sollte sich von Kitsch fernhalten.... Denn Kitsch ist der Nebel, der die wirklichen Inhalte überdeckt und einen Roman in einen Traum verwandelt. Und viele Romane können einen solchen Traum nicht aushalten, vor allem wenn er konservativ oder rückwärtsgewandt ist.
Gleichzeitig gibt es eine besondere Ausnahme: Kitsch kann ein Stilmittel sein. Im Rahmen eines Romans kann der Kitsch in der Vorstellung einer Figur, in der selektiven Wahrnehmung einer Figur auftauchen und diese Figur dadurch charakterisieren und ein Gegenbild zur Wirklichkeit bilden.
Der Kitsch kann eine Gegenwirklichkeit zur Romanhandlung bilden, in Träumen erscheinen oder auch die Wirklichkeit aus dem Erzähler heraus verklären. Kitsch kann Grundbasis des Humors sein, eine Art Ironisierung oder Entlarvung. Und sicherlich gibt es noch viele andere Anwendungsmöglichkeiten.

Deshalb sollte man den Kitsch nicht verdammen, sondern sich ansehen, wie er funktioniert und wo er einer Geschichte hilft. Und bei manchen Geschichten ist Kitsch sogar eine Voraussetzung. Und ja, das gilt genauso für Pathos, für Redewendungen (und darin enthalten abgelaufene Metaphern) und alles andere, was irgendwann einmal echt war, es aber nicht mehr ist.

Samstag, 24. Mai 2008

Das Experiment als Königsweg des Schreibens

In dem Film "Forrester gefunden" geht es um die Beziehung zwischen William Forrester, der mit seinem Roman "Avalon Landing" den "großen amerikanischen Roman" geschrieben hat, und dem jungen, schwarzen Jugendlichen Jamal, der über das Verlassenwerden die Literatur entdeckt und das Schreiben.
Aus einer Mutprobe entsteht nach und nach eine besondere Situation, die in der Kunstgeschichte und Literaturgeschichte nahezu klassisch ist. William Forrester wird der Mentor Jamals und leiht diesem den Anfang einer seiner Geschichten, damit Jamal darüber seine eigenen Worte finden kann.
Bedauerlicherweise haben die meisten Jungschriftsteller keinen erfolgreichen Schriftsteller in der Nähe, der bereit ist ihr Mentor zu werden, von öffentlichen Schreibkursen oder Schreibbüchern einmal abgesehen. Also muss man als Jungschriftsteller sich andere Wege suchen, um seinen eigenen Worte zu finden.

Gefährlich in dieser Hinsicht sind die sogenannten Schreibratgeber/ Creative Writing Bücher. Denn natürlich kann man in diesen Büchern sehr viel über das Schreiben und über die Grundzüge des Handwerks lernen. Aber diese Bücher verleiten dazu die von ihnen proklamierten Schreibthesen wie "Verwende möglichst wenig Adjektive" so absolut zu setzen, dass man nicht aus eigener Erfahrung, sondern aus übernommenen Ideen bestimmte Schreibentscheidungen trifft. Und das ist nicht gerade hilfreich dabei seine eigene Worte zu finden.

Andere Jungschriftsteller tauschen sich z.B. in Schriftstellerforen aus, und diskutieren dort über das Schreibhandwerk- und treffen auf viele Autoren, die aus guten und berechtigten Gründen bestimmte Schreibentscheidungen für sich getroffen haben- und manchmal auch aus weniger guten und wenig berechtigten Gründen.
Aber viele Schriftsteller setzen ihre Entscheidungen absolut: Sie sind der Meinung, dass Adjektive gespart werden müssten. Und sie begründen das nicht aus den Texten heraus, aus ihren eigenen Vorstellungen, sondern häufig durch eine "Regel"- die eine verkürzte Begründung darstellt.
Nur leider ist es oft nicht hilfreich, wenn man erfährt wie jemand mit z.B. Adjektiven umgeht, wenn man die dahinterstehenden Gründen nicht erklärt bekommt und so um die Möglichkeit gebracht wird einen eigenen Weg zu finden.

Petra van Cronenburg greift in ihrem Blog auf die Idee zurück, über die Worte eines großen Schriftstellers, wie auch im Film "Forrester gefunden", die eigenen Worte zu entdecken.
Sie schreibt, dass einer ihrer Lehrer sie systematisch den Stil bekannter Autoren hat kopieren lassen- wobei theoretische Beobachtungen über den Stil dieser Autoren systematisch in eine praktische Ausübung übertragen wurden. Natürlich sind gerade die ersten solchen Versuche oft eher eine schlechte Kopie, aber durch die Kopie verschiedener Stile bekommt man eine Vorstellung, was im Schreibhandwerk möglich ist. Und kann nach und nach sich weiter den Mitteln und Wegen der Autoren annähern, indem man sie sich erschreibt.
Diese Vorgehensweise ist z.B. in der Malerei über Jahrhunderte bis heute ein gängiger und üblicher Weg, um sich im Handwerk zu schulen und die verschiedenen Möglichkeiten kennenzulernen. Denn gerade die Umsetzung theoretischer Vorstellungen in die Praxis birgt ein enormes Lernpotential.

Aber wie schon bei dem Picassozitat anklingt, das ich in den letzten Tagen hinreichend vorgestellt habe: Der Weg zum eigenen Stil ist nicht die Kopie, sondern Fremdes aufzunehmen und zu etwas eigenem zu machen.
Einen Meister zu kopieren und dadurch "schreibend zu erfassen" ist aber ein guter Anfang auf dem Weg zum eigenen Stil.

Die logische Fortsetzung dieses Weges ist das Experiment: Das man einen Text im eigenen Stil schreibt, gleichzeitig aber ein oder mehr Details ändert.
Ich habe z.B. einen Text geschrieben, der vor Adjektiven nur so gewimmelt hat, über 15 pro Seite. Und habe danach überprüft, was Adjektive stark oder schwach macht, wie sie wirken und wie sie den Textfluss verändern. Ein anderes Experiment war es Sequenzen in Geschichten durch den Text zu verschieben und zu sehen, was an welcher Stelle welche Wirkung hatte. Ich habe auch mit Humor experimentiert, absichtlich Trash geschrieben und vieles weitere einfach ausprobiert. Wie entsteht Spannung, wie variiert man die Geschwindigkeit in einem Text, wie entsteht Timing...

Diese Texte habe ich dann ausführlich durchgesehen und laut gelesen, sie meinem Autorenpartner und anderen vorgelegt und besprochen.Ich habe mir auch einige alte Texte noch einmal vorgenommen und überarbeite sie- und sehe mir an, wie sie sich dadurch verändern. Und experimentiere immer wieder an meinem Roman herum.
Das Ergebnis ist, dass ich meine richtigen (und auch falschen) Entscheidungen gerade aus den Experimenten und den dementsprechenden Erfahrungen herleite- und meine, darüber meinen eigenen Stil gefunden zu haben. Wer Lust hat, kann mal in meine Geschichten hineinsehen.... siehe ->
und sich einen eigenen Eindruck machen.

Und ich kann nur raten: Experimentiert herum. Es lohnt sich.

Freitag, 23. Mai 2008

Warum sechs Monate einen Roman schreiben, wenn man für 10€ einen kaufen kann...

Mark Twain hat das einmal gesagt, o.k., vielleicht nicht genau so. Die meisten Autoren sind oder waren begeisterte Leser und haben sich in die Bücher vernarrt- und weil es viele gute Bücher und noch viel mehr schlechte gibt, haben sie beschlossen die Welt mit ihren Büchern zu bereichern, naja, vielleicht auch nur ein paar weitere gefällte Baumstämme mit ihren Buchstaben zu beschriften, um dem abgetrennten Baumleben mit etwas Sinn zu füllen- auch wenn meiste nur Druckerschwärze übrigbleibt.
Früher waren es erst Federn, dann Schreibmaschinen, die mit dem schwarzen Tintenblut der Schriftsteller gefüllt, ihre Worte heruntergeschrieben haben. Heute sind es Computer und eigentlich ist es nur leichter geworden die Texte umzuarbeiten- man denkt vorher weniger nach und überarbeitet später deshalb mehr.
Und jedes Jahr werden Tausende Bücher geschrieben, bei denen der Autor das Gefühl hatte, diese würden den Lesern fehlen, wenn sie sie nur kennen würden. Und die meisten dieser Bücher haben gar keine Chance den Lesern zu fehlen.

Und ganz ehrlich: Es gehört eine ziemlich ordentliche Portion Arroganz dazu zu glauben, man könnte eine wirkliche Sehnsucht einer Gruppe von Lesern zu erfüllen. Wenn man das nicht glaubt, dann sollte man sich defintiv einen anderen Beruf aussuchen. Denn ohne Berufung ist die Schriftstellerei unheimlich frustrierend- denn ein Schriftsteller verdient wesentlich weniger, als die meisten Menschen glauben und nur die wenigsten können wirklich davon leben (zumindest ohne Nebenjob, ohne einen gutverdienenden Partner, eine Erbschaft, einen Lottogewinn oder Ansprüchen über Harz4).
Aber es gibt auch ein Geheimnis, warum man schlecht vom Schreiben lassen kann:
Ich habe heute morgen beim Schreiben an einer Stelle meines Romans etwas über das Schreiben herausgefunden: Das manchmal ein Wort ein Blitz ist, und manchmal eine Passage wundervoll, wenn auch an der falschen Stelle (O.k. das mit dem Blitz ist von Mark Twain geklaut). Und ich habe gelernt, dass ich das Schreiben nie sein lassen kann, weil es das ist, was meine Berufung ist. Ich glaube zwar nicht, dass die Menschen sich nach meinem Manuskript sehnen, weil ich ja als Bauchschreiber auch noch nicht weiß, wie es ausgeht. Ich glaube auch nicht, dass dieses Buch fehlen würde, wenn ich es nicht schreiben würde. Aber mir würde es fehlen. Definitiv.

Und deshalb schreibe ich schon seit Jahren an meinem kleinen Buch und komme nur sehr langsam voran. Und vergnüge mich mit den wunderbaren Zitaten erfahrener Kollegen, die ebenfalls sehr lange für einen Roman gebraucht haben... und schreibe so vor mich hin.

Thema: Wolf im Schafspelz

Diesen kleinen Schatz habe ich als Fan von Schafen und Wölfen heute gefunden.... diesen Wolf im Schafspelz.

Und natürlich gibt es zu diesem Stofftier die Geschichte, dass der arme Wolf mit den netten, lustigen Schafen spielen wollte, wirklich spielen. (Nicht Gebrüder Grimm, sondern netter). Und die wollten ihn nicht mitspielen lassen. Also hat er sich einen Schafspelz genäht und dann mit den Schafen gespielt.
Da ich heute in der Nähe vom Märchenwald in Altenberg war, wo in großer Verehrung für die klassischen Märchen allerlei Attraktionen zu den Volksmärchen errichten wurden, muss ich sagen: Die Tafeln zum Wolf im Schafspelz lügen.


Eigentlich handelt es sich um einen Autoren auf Recherche, der mit den Schafen lacht und spielt, und doch weiß, ich werde das alles vielleicht mal brauchen können. Vor allem, weil er über Schafe schreiben wird, schwarze und weiße, und vielleicht über ein Rotkäppchen. Böser Wolf. Tolles Kostüm.

Donnerstag, 22. Mai 2008

Sich klein machen vor amerikanischen Autoren

Eines der interessanten Phänomene bei deutschen Autoren ist ihre Fähigkeit sich klein zu machen und an sich das Defizitäre zu erkennen- indem man sich selber mit den bekannten (und übersetzten) anglo-amerikanischen Autoren vergleicht. Dabei gibt es eine Reihe Schritte, die immer wieder gegangen werden: Das beginnt bei der besseren Ausbildung amerikanischer Autoren durch die Creative Writing Kurse, die an den Universitäten oft von bekannten Autoren gehalten werden. Dann wird meistens angeführt, dass die in Deutschland vorgenommene Trennung zwischen Unterhaltungsliteratur und Hochliteratur in Amerika nicht in dieser Weise existiert, sondern der Maßstab dort nur die Qualität eines Romans sei, nicht die als Denkschubladen bezeichnete Trennung in Deutschland. In der Folge kommen dann meist die Erzähltraditionen, die Ausbildung in Dramaturgie (Dreiaktmodell und Heldenreise; die Archetypen), der Anspruch amerikanischer Autoren mit einfacher Sprache gut zu unterhalten, es kommen dann die großen anglo-amerikanischen Erzähler und vieles mehr.

Meist wird in dieser Diskussion dann eingeworfen, dass deutsche Autoren ja meist zuviele Probleme einbauen und die Figuren dadurch oft zu gebrochen erscheinen/ bzw. keine wirklichen Helden mehr sind, es folgt das Grüblerische deutscher Autoren, die fehlenden Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die Schwierigkeit deutsche Leser von deutschen Thriller- und Krimiautoren zu überzeugen, die schwierige Situation neue Themen und neue Vorgehensweise an den Verlag zu bringen, die Schubladen in Deutschland (Genrewechsel ist schwierig, die Trennung der Romane in Unterhaltung und Hochliteratur), die Probleme mit dem Erzählen bzw. mit dem Spannungsaufbau, das Fehlen mystischer Schauplätze /bzw. der Verlust deutscher Erzähltradition durch die Nazizeit (siehe die großen Verluste an deutschen Autoren und jüdischen deutschen Autoren durch Exil oder Emigration), sowie die starke Selbstreflektion deutscher Autoren.

Und wenn man all das mal gelesen hat, dann ist man als deutscher Autor schon ziemlich geschrumpft- und beklagt sich insgeheim über die Ungerechtigkeit nicht in Amerika geboren zu sein. Denn eigentlich kann doch unter diesen Bedingungen in Deutschland nur ein krummes Literaturpflänzchen wachsen- und wirklich erfolgreich kann man ja auch nicht werden. Oder anders gesagt: Da man schon scheitern muss, weil die anderen Autoren besser sind, und man krumm und klein, ist das Scheitern irgendwie viel erklärbarer... und man kann immer wieder seufzen und das harte Schicksal beklagen.

Die scheinbare Alternative ist also alles Deutsche aus sich heraus zu verbannen und sich selber zu einem anglo-amerikanischen Autoren deutscher Sprache zu machen: weil man durch die möglichst starke Ablehnung der deutschen Schreibherkunft und die Übernahme amerikanischer Dinge viel besser wird.
Leider gibt es dann noch das Picasso-Zitat:"Gute Autoren kopieren, große Autoren stehlen". Und hier entsteht das Problem: Im besten Fall ist Literatur immer ein wenig ein Spiegel des Autoren und seiner Erfahrungen, Erlebnisse. Und die meisten anglo-amerikanischen Autoren deutscher Herkunft können nicht stehlen, weil sie andere Erfahrungen gemacht haben: Ihr New York ist eben nicht das New York, sondern nur eine Projektion. Man kann zwar bestimmte Handwerksmittel kopieren- aber dabei muss man, z.B. bei der einfachen Sprache bestimmte Dinge wie die Genauigkeit der deutschen Sprache aufgeben. Somit wird man eine Kopie eines anglo-amerikanischen Autors... und eine Kopie ist immer etwas schlechter als das Orginal. Wirklich gut kann man so nicht werden. Das funktioniert nur, wenn man darauf verzichtet sich klein zu fühlen, sich ansieht, welche Vorteile man als deutscher Autor hat- und sich bestimmte Dinge amerikanischer Autoren stiehlt und zu eigen macht.

Oder anders gesagt: Vielleicht sollte man sich lieber ansehen, ob die oben genannten Thesen wirklich richtig sind- und so generalisierende Thesen sind es eigentlich nie. Es gibt viel zu entdecken, als deutscher Autor, viel zu lernen- z.B. über deutsche Erzähltraditionen und in wunderbaren Schulungen überall.
Und man kann wunderbar bei einigen Autoren klauen, ob nun deutschen, englischen, französischen, polnischen,.... und dabei ist es die Sprache, die letztlich das wichtigste Handwerksmittel ist- und wer seine eigene Sprache wirklich kennt und liebt, der kann so viel mehr aus einer Sprache herausholen, als die besten Übersetzungen. Und diesen Vorteil nennt natürlich niemand. Diese wunderbare Sprache....

Dienstag, 20. Mai 2008

"Gute Künstler kopieren, große Künstler stehlen" Pablo Picasso

In diesem wunderschönen Zitat von Pablo Picasso stellt dieser eine seiner Lebensmaximen im Bereich der Kunst vor, zumindest habe ich dieses Zitat immer so gedeutet. Denn die Kunst der Gegenwart ist immer eine Reaktion auf die Kunst der Gegenwart und die der Vergangenheit. Ich will das einmal mit der bereits öfters erwähnten "Diskurstheorie" von Michel Foucault verdeutlichen, auch wenn dieser seine Theorie als "Archäologie des Wissens" bezeichnet hat.
*Exkurs*
In dieser Theorie gibt es den Diskurs, als eine Sammlung aller Aussagen, die sich mit einem bestimmten Thema beschäftigen. Im Bereich Literatur gibt es z.B. den Diskurs über die unmögliche Liebe zwischen den Kindern verfeindeter Familien- die immer wieder (auch lange vor Romeo und Julia) Thema der Literatur war. Dieser Diskurs enthält theoretisch alle Aussagen dazu, auch wenn diese teilweise wieder vergessen worden sind- weil jemand diese meist wieder aufgegriffen hat.
Dieser Diskurs, oder die "Archäologie des Wissens" beinhaltet, ist von den Menschen, den Werken, von Einflusslinien und Tradition ein wenig abgelöst- denn auch wenn jemand ein Werk nicht kennt, so kann doch etwas aus diesem Werk im Diskurs enthalten sein. Denn der Diskurs ist eine Ideengeschichte und keine Personengeschichte.
Dabei sind die Diskurse immer wieder eng miteinander über die Ideen verknüpft, genau wie über literarische Werke, besondere Kritiken, Meinungen und Sekundärliteratur.

Wenn man eine Geschichte ein wenig abstrahiert und in eine Idee zurückverwandelt, dann sind die meisten Geschichten schon erzählt worden. Es gibt z.B. das Motiv des Teufelspakt schon bei den mittelalterlichen Faustbüchern, dann bei Ph.Marlowe, Goethe, Thomas Mann- und verschiedene Abwandlungen davon führen dann zu Klaus Manns Mephisto, zu Kipphardts "In der Sache J. Robert Oppenheimer". Gleichzeitig gibt es jedoch eine Ideengeschichte, die sich auf bestimmte Vorwürfe des Teufelspaktes (bzw. der sexuellen Beziehung zum Teufel) bezieht, die erst den Christen, dann den Juden, den Ketzern und den Hexen gemacht wurden.
Somit umfasst der Ideendiskurs zum Teufelspakt eine ganze Reihe von Motiven, bezieht sich auf Ideen, die lange vor einer literarischen Umsetzungen vorhanden waren.

*Exkurs*

Somit begibt man sich als Autor mit jeder Geschichte in einen Ideendiskurs, indem alte Ideen und deren Ideengeschichte eine Rolle spielen, die verschiedenen Umsetzungen und Wirkungskreise einer Idee.
Dabei entsteht die Orginalität einer Geschichte durch deren Umsetzung, deren Ausgestaltung, und den Umgang mit dieser Ideengeschichte- und eben nicht in der Vorstellung, man könnte heute noch eine Liebesgeschichte komplett neu erzählen.
Und hier komme ich wieder zu Picasso. Wenn dieser sagt "Gute Künstler kopieren, große Künstler stehlen", so bezieht er sich im Prinzip auf ein altes Prinzip der Kunst, dass schon da war, bevor Foucault über die "Archäologie des Wissens" bzw. die "Diskurstheorie" schrieb.
Kunst ist selber immer eine künstlerische Aufnahme einer Ideengeschichte, die sich sowohl auf die allgemeine Ideengeschichte eines Werkes bezieht, als auch auf die Ideengeschichte des Schreibhandwerks. Dabei entsteht aber nur neue Kunst, wenn diese künstlerische Aufnahme eben keine Kopie des vorherigen ist- sondern eine kreative Bearbeitung.
Somit wird sozusagen eine alte Idee gestohlen, im Sinne von zu Eigen gemacht und diese Idee wird durch den Diebstahl verwandelt und in das restliche Eigen eingebaut- und somit entsteht wieder etwas Neues, was zum Diskurs hinzugefügt wird. Somit kann jemand, der etwas Fremdes kopiert nicht über dieses hinauswachsen- und kann nur ein guter Künstler bleiben. Nur wer sich Fremdes zu Eigen machen kann, der kann ein großer Künstler werden.

Oder anders gesagt: Wenn das Rad schon erfunden wurde, kann man es nicht neu erfinden. Aber jede Zeit hat besondere Themen, die sie zu einem Diskurs hinzubringen können, hat ihre Meinungen und Haltungen, die diesen Diskurs bereichern können und hat die Künstler, die in der Bearbeitung und Ausgestaltung neue Wege gehen können. Gerade die Suche danach macht einen Künstler aus- und auch das Hineingehen in den Diskurs, die verschiedenen Ideen dort zu betrachten, das Gute zu stehlen, das Schlechte zu ignorieren.
Denn eine der besonderen Erfahrungen als Künstler ist es, dass man eben in einem Dialog über Jahrhunderte mit anderen Künstlern, Philosophen, Wissenschaftlern, Gelehrten und vielen anderen steht- und das dies die eigenen Geschichten enorm bereichern kann, wenn man das erkennt und den Diskurs kennengelernt hat- um aus dem Reichen zu stehlen.

Wochenende und Wald


Ich habe am Sonntag eine ganz besondere Stelle in einem nicht gerade nahen Waldstück entdeckt, und einige besondere Stunden dort verbracht.

Wer durch so einen Wald gehen kann, ohne dass er danach den Stoff für Hundert von Geschichten hat, der macht etwas falsch. Allein dieses Licht, diese angedeuteten Schatten, das Flirren der warmen Luft.

Einfach wunderbar.

Samstag, 17. Mai 2008

Timing

Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie ich das wieder erklären soll- und vielleicht kann man das auch gar nicht wirklich erklären.

Die meisten Szenen kann man mit verschiedenen Tempi erzählen, man kann sie beschleunigen oder verlangsamen, wobei jeder Tempoaufbau ein anderes Element der Szene betont und ihr eine andere Dynamik gibt. Ein klassisches Timing für Aktion wäre bei einer Langszene in der Einführung recht lange Sätze und sich dann zum Höhepunkt immer weiter verkürzende Sätze. was eine starke Dynamik in die Szene bringt. Dabei müsste man natürlich immer wieder dieses Grundtiming aufbrechen, indem man längere Sätze einschiebt oder mal mit einem retardierenden Element (einem verzögernden Element) Pausen setzt und so die erkennbare und nachvollziehbare Spannung an den anderen Stellen betont.
(Als Beispiel kann man sich ---> mal bei der Geschichte "Festhalten " den Anfang ansehen, wo ich langsam anfange, und dann immer schneller werde.)
Ein klassisches Timing für Humor orientiert sich auch am Tempo. Dort werden die ersten "Gags" zuerst langsam aufgebaut, die Pointe gesetzt, der nächsten Gag folgt, und die nächste Pointe, es wird schneller bis dann eine Pointe den Absatz/Teil/Szene zusammenfasst.

(Hier ein Beispiel aus meinem Manuskript "Zwischenleben")
Obwohl ich schon zweimal geklingelt hatte, lies der blöde Trottel mich immer noch unten warten. Entweder hörte er das Klingeln wegen des „goodbye my lover, goodbye my friend“-Gequäke nicht, oder er wollte es nicht hören. Ich wollte eigentlich ja gar nicht hier sein. Aber weglaufen wollte ich diesmal auch nicht.
Das Forellenwasser sickerte gerade durch meinen Stiefel und die Luft wurde schwer, wie es oft ist, wenn es richtig warm ist und sich ein Gewitter ankündigt. Ich blieb also noch einen Moment stehen, roch aus dem Garten einige Frühlingsblüher, wie das Duftveilchen und das gelbsternige Scharbockskraut. Und schrieb dem blöden Kerl einen SMS, weil er immer noch den Quäkeonkel hörte, statt mir aufzumachen.

mach auf, du idiot. stehe vor deiner tür. laura.

Ich wusste, dass er die SMS bekommen und gelesen hatte, als die Musik ausging. Da es gleich anfangen würde zu regnen, drückte ich schon einmal gegen die Tür, aber die Tür ging einfach nicht auf, Mathies war noch nicht am Summer.
Also trat ich noch einmal zurück und sah zu einem seiner Zimmerfenster. Da konnte ich das flackernde Licht einer Kerze erkennen, bevor eine zweite anging. Mathies machte gerade Kerzen an. Gleich fing es an zu regnen und Mathies machte Kerzen an. Ich war ernsthaft in Schwierigkeiten. Und klar, es fing dann auch noch an zu regnen.

Bei diesem Ausschnitt aus meinem Roman wird klar, wie ich allerlei Gags vorbereite (wenn man so etwas witzig findet) und gleich mehrere ernste und weniger Ernste Grundthemen für die Situation meiner Hauptfigur Laura mit Mathies setze.
Schon bei diesen beiden "Timings" wird klar, dass ein gutes Timing ein gewisses Sprachgefühl benötigt und viel Erfahrung: Denn in einem Roman gibt es immer viel zu erzählen- und Timing bedeutet eine ganz genaue Auswahl zu treffen.

Ganz deutlich wird das z.B. auch bei erzählten Witzen: Manche Menschen erzählen sie so, dass man schon vor der Pointe lachen muss, weil das Timing stimmt. Aber die meisten Menschen können eben nicht so gut oder nur sehr schlecht Witze erzählen: Bestimmte Elemente des Witzes werden vergessen und nachgeschoben (Habe ich erwähnt, dass sie in der Wüste sind), es wird keine Spannung aufgebaut oder die Pointe wird nicht betont oder sie wird "versaut".

Kann man Timing üben oder erlernen:Es gibt einige Menschen, die ein sehr gutes Gespür für Timing haben- und somit bewusst oder unbewusst ihre Texte daran ausrichten. Die Folge ist ein aus dem Rhythmus und der Sprache, dem Aufbau kommende Grundspannung, die zusätzlich zur Spannung und dem Humor dazukommt. Zudem entsteht eine Dynamik am Text, die den Leser fast dazu zwingt weiterzulesen.

Wer kein so gutes Gespür hat, wie ich z.B., der muss ziemlich daran arbeiten: Die Tempovariation ist recht einfach zu lernen, die gezielte Betonung durch sprachliche Elemente auch. Das erfordert Texte zu schreiben, und dann auszuprobieren, wie man diese Texte umarbeiten muss, damit sie besser werden.
Es gibt aber auch sehr viele Timinggeschichten, die wie Humor sehr komplex und schwierig sind. Wie man das lernt, kann ich auch nicht genau sagen: Vielleicht braucht man einen erfahrenen Lehrmeister, viel Übung und Zeit, bei der man versucht die Texte auszuryhthmisieren und Dynamik hineinzubringen. Letztlich benötigt es sehr viel Arbeit am Rhythmus, an der Wirkung von Sprache und Sätzen und vieles mehr. So weit bin ich aber, glaube ich, noch nicht.

Freitag, 16. Mai 2008

Die Lücke im Manuskript ist geschlossen und eine Prognose

Manchmal ergeben sich in einem Manuskript Lücken: Vielleicht war die gewählte Lösung für eine Stelle "suboptimal", vielleicht war die Ausfertigung nicht überzeugend, vielleicht hat man auch etwas geschrieben, was durch eine spätere Manuskriptentwicklung irgendwie nicht mehr passt. Die meisten Kollegen können dann einfach weiterschreiben: ich kann es nicht. Denn der gesamte Roman ist bei mir so eng aufeinander bezogen, bezieht sich wechselseitig, bedingt weitere und vorherige Entwicklungen und Entscheidungen, dass diese Lücke einfach Folgefehler und Folgeentwicklungen bedingt, die so nicht funktionabel sind.

Seit dem 17.12 habe ich nun versucht die Lücke zwischen den ersten fünf fertigen Kapiteln und dem weiteren Anschluß zu füllen. Und es ist über Monate nicht sonderlich gut gelaufen... immer wieder musste ich neu ansetzten, mir neue Gedanken machen. Um dann doch letztlich bei einigen Ideen zu landen, mit denen ich mich 2006 schon beschäftigt habe, wenn auch in einer anderen Zusammenstellung, anderem Ablauf und anderer Darstellungsweise. Irgendwie war es einerseits wundervoll mit dem Manuskript auf eine alte Ideenbahn zurückzugehen, auch wenn die Ausgestaltung nur sehr wenige mit dem ersten Konzept zu tun hatte. Es war aber gleichzeitig auch verstörend, weil man nur ungern einen Weg zurückgeht, eine andere Abzweigung nimmt, um dann festzustellen, dass der erste Weg doch richtig war.
Nun habe ich statt der ca. 10 Seiten, die ursprünglich die Lücke ausgemacht haben, 22 Seiten. Und diese Seiten passen genau zu den überarbeiteten Seiten- weil sie wesentlich humorvoller als alle vorherigen Varianten sind. Sie sind gleichzeitig auch viel düsterer- wie das manchmal ist, wenn der Humor eigentlich auch die Anwesenheit von Traurigkeit ausmacht.

Nun sitze ich wieder vor meinem Manuskript und muss nun die restlichen Seiten anschließen, einige davon in schlüssiger Folge (25 S eiten), andere als lose Szenen, die geschrieben sind, wo aber durch einige Überarbeitungen nun der Anschluss fehlt (ca. 35-55 Seiten)- s.o. Ich habe dann auch noch knapp 80 Seiten in Text, der aber wohl nur noch für den Papierkorb taugt (und habe ja schon knapp 100 Seiten Text gelöscht).
Leider kann ich die knapp 60 bis 80 Seiten nicht einfach aufaddieren, weil ja noch die Überarbeitung und Einbindung, Verbindung, Ergänzung und Kürzung ansteht. Vor allem weil eine Szene in schlüssiger Folge noch eine Fehlbetonung hat, nicht in die richtige Ecke geht und eine Szene ersetzt werden muss- zumindest in Teilen.
Oder anders gesagt: Viel Arbeit liegt vor mir.
Wobei ich glaube ein solches Fundament gelegt zu haben, dass ich die ersten 80 Seiten nur noch einmal vor Abgabe korrigieren und vielleicht noch etwas auskürzen muss. Aber es sind nur noch Detailarbeiten- und hey, das ist das erste Mal, dass ich so etwas sage.

Oder um eine gewagte Prognose bei meiner Arbeitsgeschwindigkeit abzugeben: Ich schätze, dass ich Ende Juni mein Bergfest (50% fertig) mit ca. 130-160 Seiten feiern werde.

Donnerstag, 15. Mai 2008

Ich und Heinrich der VIII.

Wie schön länger versprochen, nun endlich das Bild von meinem "Kostüm".... einmal mit Gesicht,


einmal nur das Kostüm...

Und eine gewisse Ähnlichkeit zu Heinrich dem VIII. ist doch kaum zu verkennen, oder???
Den Bauch habe ich dazu, was bei diesem wunderbaren Kostüm auch wichtig ist. Ohne geht Heinrich VIII. halt nicht.

Das ist schon eine Sache, oder??

Mittwoch, 14. Mai 2008

Positive Identifikationsfigur

Wenn über die großen Erfolge der amerikanischen Autoren gesprochen wird, dann wird sehr häufig über eine scheinbare Besonderheit gesprochen: die positive Identifikationsfigur.

Eine Identifikationsfigur bedeutet, dass der Leser sich in die meist Hauptfigur eines Romans einfühlte und dadurch mit der Figur mitgeht und sie auch gefühlsmäßig durch die Romanhandlung begleitet. Dabei können die meisten Figuren als Identifikationsfigur taugen, sofern sie für die Projektion des Lesers offen sind und ihre Handlungen und Gefühle nachvollziehbar sind.
Es gibt aber auch bestimmte Figuren, die speziell als Identifikationsfiguren geschaffen werden. Diese werden dann besonders ausgestattet, um eine Identifikation zu erleichtern. Ein Beispiel ist die positive Identifikationsfigur: Diese ist immer ein bisschen besser als eine wirkliche Person. Sie ist ein wenig entschlossener, ein wenig zielgerichteter, ein wenig entschlossener , ein wenig erfolgreicher und dadurch sehr deutlich eine fiktive Figur. Das bedeutet z.B. auch, dass ihre negativen Eigenschaften ein wenig kleiner sind und diese Figuren weniger Schattenseiten haben, weniger zwiespältig sind.

Klassische Beispiele einer solchen Figur sind die sogenannten Archetypen, die aus der Tiefenpsychologie stammen und sich wunderbar auf die Literatur (reduziert) übertragen lassen.
Es gibt da z.B. den klassischen Helden, der in seinem Heldentum überragend und gut ist und im Prinzip im Antagonisten (dem Schurken) auf seine negative Spiegelungen, den Archetyp des Schattens trifft. Ob nun die meisten antiken Helden, die alten Comicsuperhelden, und auch Personen wie James Bond, Indiana Jones und andere erfüllen diesen Archetyp.
Es gibt aber auch den jungen Helfer, der in vielen Filmen und Romanen auftaucht, und den Helden unterstützt- und sich somit an eine jugendliche Zielgruppe als Identifikationsfigur richtet. Klassisches Beispiel sind die Helfer der Comicsuperhelden, der "Wesley Crusher" bei Star Trek und viele andere.

Letztlich funktionieren positive Identifikationsfiguren heute noch, wenn man seinen Roman an eine bestimmte Zielgruppe ausrichtet. Sobald eine Geschichte mit mehr Charakterisierung und sich dichter an Figuren (nicht an Handlung) orientiert, funktioniert es nicht mehr. Denn diese Figuren haben nicht genug Tiefe und Dichte, weil sie anders aufgebaut sind.
Deshalb wird heute oft mit anderen Archetypen gearbeitet: z.B. dem gebrochenen Held. Dieser hat meistens ein dunkles Geheimnis, und ist immer noch ein Held, aber er ist weit weniger strahlend, sondern eher düster, enttäuscht, etwas von der Welt abgekehrt oder angewidert. Klassische Beispiele dieses Helden findet man inzwischen überall in Krimis, ob nun die Wallanderkrimis oder viele andere Krimis. Dabei werden diese Figuren gerade durch ihre Schwächen und ihr Probleme besonders menschlich, was sie vom klassischen Held unterscheidet- und sind für viele Menschen so eher mitfühlbar.
Gleichzeitig zeichnet sich dieser Held aber auch in seinem Tätigkeitsfeld durch seine Stärke und seine Talente aus.
Ein anderer Version ist auf mythische Helden zu verzichten, und seine Figuren an Menschen auszurichten- und sie dadurch möglichst breit und vielfältig zu gestalten. Das bedeutet nicht, dass die Figuren dann nicht in ihrem Tätigkeitsbereich schlechter sind als die Archetypen- aber sie sind viel breiter in ihrem Charakter aufgestellt: Weil sie eben nicht mythisch angelegt sind, sondern ihre Entscheidungen aus ihren Haltungen, ihrer Vergangenheit und Gegenwart, aus ihren Erfahrungen begründen müssen.
Dadurch taugen diese Figuren ebenso als Identifikationsfiguren, aber sie sind nicht positiv, weil sie nicht so übertrieben und mythisch sind.

Wenn man das zusammennimmt, dann ist eine positive Identifikationsfigur heute immer weniger wichtiger, weil sich das Erzählen geändert hat. In den meisten modernen Romanen tauchen solche Figuren nur noch als Nebenfiguren auf, weil die meisten Menschen von Menschen lesen wollen- und strahlende Helden als Personen ziemlich uninteressant sind.
Somit sind positive Identifikationsfiguren gar nicht das Besondere an amerikanischen Romanen, sondern an bestimmten Romanen und am Popcornkino. Und dort sind sie eigentlich nur noch Platzhalter für bestimmte Übertreibungen- was manchmal gut funktioniert und manchmal gar nicht funktioniert.

Dienstag, 13. Mai 2008

Herkunft von Sprichwörtern

Die meisten Menschen verwenden zwar das Sprichwort "der ist vom echten Schrot und Korn", aber die wenigsten wissen, was dieser Satz eigentlich meint. Oft wird sogar behauptet, dieses Sprichwort würde sich auf die Jägerei beziehen, wo es ja mit Kimme und Korn auch etwas ähnliches gibt.
Dieses Sprichwort kommt aus dem Münzwesen des Mittelalters. Dort wurden Münzen mit zwei Maßen "vermessen": Der Schrot war das gesamte Gewicht einer Münze und das Korn war der Gehalt an Edelmetall, also meistens silber oder bei den Gulden das Gold.
Die Idee hinter diesem Sprichwort bezieht sich auf das mittelalterliche Phänomen der Münzverschlechterung. Die Herausgeber der Münzen, am Anfang nur der König, später auch die Kurfürsten und viele andere Adlige, sowie Städte, verriefen die alten Münzen und gaben neue Münzen heraus.
Die neu geschlagenen Münzen (geschlagen weil wirklich gehämmert) enthielten meist weniger Korn und oft auch weniger Schrot, teilweise wurden teure Edelmetalle durch preiswertere ersetzt. Der Gewinn an Edelmetall war dieser Schlagschatz, der eine Art indirekte Fiskalsteuer darstellte und durchaus bei vielen Münzen sehr viel Geld einbringen konnte.
Somit ist eine Person, die noch vom alten Schrot und Korn ist, eine Person, die sich aus den anderen heraushebt, indem sie "besser" ist. Meist wird damit auch eine ältere Person bezeichnet- weil das auch in diesem Sprichwort drinsteckt.

Das Münzwesen des Mittelalters hat uns aber noch viele weitere Sprichwörter hinterlassen:

"Der ist doch keinen roten Heller wert". Dieser Satz bezieht sich auf eine Münze aus Hall (heute Schwäbisch Hall/ und deshalb Heller), die im Gegensatz zum Silberpfennig zum Großteil aus Kupfer bestand (deshalb rot) und besonders wenig wert war. In vielen Verrechnungswerten, die sich durch die Münzverschlechterung nur ungefähr für bestimmte Zeiten berechnen lassen, ergeben vier rote Heller einen Silberpfennig. Somit war diese Münze "berüchtigt", weil sie der schlechteste Pfennig war. Deshalb ist jemand, der keinen roten Heller mehr wert ist, eigentlich gar kein Geld wert.

"blechen"- auch dieses Wort, das heute umgangssprachlich wirkt, stammt aus dem Mittelalter, weil Münzen aus Silberblechen geschlagen wurden. Und wer blechte, bezahlte mit diesen Münzen.

"das kostet bestimmt einen Batzen Geld" Der Batzen ist eine Silbermünze aus Bern, auf der ein Bär abgebildet war- daher Batzen. Er war 4 Kreuzer wert, und somit Dickpfennig, eine Münze im Wert von mehreren Silberpfennigen. Somit war etwas teuer, was einen Batzen gekostet hat.

"Dukaten scheißen"- Der Dukat ist eine Goldmünze aus Venedig, der die beständigste Währung des späten Mittelalters war und aus 983 Gold bestand. Diese Münze war dementsprechend sehr beliebt und wurde in vielen Orten genommen. Und ein Dukat war damals ziemlich viel Geld.

"Geld abknöpfen"- das stammt davon, dass Kleidung im Mittelalter ein Statussymbol war, weswegen in vielen Städten und Ländern genau festgelegt war, was man tragen und was man nicht tragen durfte. (Sogar ein Kölner Erzbischof protestierte einmal dagegen, dass er keine Pelze mehr tragen durfte). Was aber nicht festgelegt war, was ob man Münzen oder Silberknöpfe an seiner Kleidung befestigten durfte. Somit trugen vor allem wohlhabende Menschen immer wieder genau das an ihrer Kleidung. Wenn sie beraubt wurden, hat man ihnen dann sprichwörtlich das Geld abgeknöpft.

"Der weiß, wo Barthel den Most abholt": Most bezieht sich auf maioth= hebräisch für Pfennige und Kleingeld und barsel aus der Gaunersprache für Brecheisen/ Brechstange. Somit ist klar, dass da jemand mit dem Brecheisen in ein Haus einsteigt und sich die Pfennige holt- und wer so etwas weiß,... naja. Der weiß es halt irgendwo her.

"das war gang und gäbe"- bezieht sich ebenfalls auf Münzen. Eine Münze, die gang und gäbe war, war so üblich, dass sie fast überall genommen wurde und das rechte Gewicht besaß. Dies wurde sprichwörtlich auf weitere Dinge wie Bräuche übertragen.

"Geld auf den Kopf hauen"- die meisten Münzen besaßen eine Kopf- und eine Zahlseite. Und wenn man im Mittelalter ausging, musste man die Münzen mit der Zahl nach oben legen, damit man sofort sehen konnte, wie viel sie wert war. Deshalb haute man die Münze auf den Kopf.

"Pfennigfuchser"- fuchsen bedeutete im Mittelalter jemanden zu plagen, ihm nachzustellen. Somit ist ein Pfennigfuchser jemand, der einem wegen einer kleine Summe ständig plagte und nachstellte.

10.000 Besucher

Nachdem ich dann heute ziemlich müde (und mit zerlaufenen Füssen) aus meinem Hollandurlaub zurückgekommen bin, habe ich festgestellt, dass inzwischen 10.000 Besucher meine kleine Blogseiten besucht haben- auch wenn sicherlich der eine oder der andere (also die meisten) immer mal wieder reinkommen. (Darunter auch die freundlichen Roboter von Google).
Apropo Holland:
Ich habe einen Kardinalfehler als Schriftsteller begangen: Ich habe in diesem Jahr mit James Joyce jemanden mitgenommen, der sich auf jeden Fall am Strand nicht richtig lesen lässt. Und die anderen Romane haben mich leider nicht so überzeugt wie sonst, wenn ich morgens vor dem Frühstück noch schnell einen Roman gelesen habe.
Also habe ich mir die Füsse wund gelaufen, und bin von einer Seite des Strandes zur nächsten gezogen, habe versucht mir möglichst viele Dinge angesehen und alle möglichen Dinge gemacht. (Schließlich wollte ich auch die paar Tage nicht schreiben).

Und nun bin ich ausgehungert nach dem Schreiben, und Spaziergehen brauche ich nach 7 Stunden gestern in nächster Zeit auch nicht.

Freitag, 9. Mai 2008

Wenn man einen Weg geht, muss man auf die Schilder achten... April 2008

Nach den vielen Schwierigkeiten im letzten Monat habe ich nur noch ein wichtiges Problem übrig:
Es dauert. Ich schaffe es einfach nicht jeden Tag an meinem Roman zu arbeiten, und kriege es auch nicht hin so regelmäßig zu arbeiten, wie ich das eigentlich müsste. Sicherlich tut das sehr anstrengenden Schulpraktikum etwas dabei, dass ich gerade absolviere.
Aber es ist auch mehr: Denn mit jeder Seite, die übrigens viel länger dauern als in früheren Erstfassungen, komme ich weiter voran, weil ich nun viel klarer einschätzen kann, was taugt und was nicht. Und die ersten Fassungen immer besser werden. Ich bin dabei auch manchmal etwas vorsichtiger geworden zu löschen und überlege inzwischen eine ganze Zeit, ob ich lösche oder nicht. Dann werde ich aber enorm konsequent, keine Halbherzigkeiten mehr, wenn die Stelle offensichtlich nicht richtig ist.
Dabei ist meine Intuition, zumindest hoffe ich das, inzwischen ein verlässlicher Partner geworden, seit ich die zweifelnden Stimmen beim Schreiben erst einmal ruhig gestellt habe und sie erst beim Gegenlesen wieder zulasse- aber nicht mehr mit generellen Zweifeln, sondern konkreten Punkten.
Gleichzeitig ist das aber noch etwas, was sich nun langsam klärt: Ich arbeite nun seit über drei Jahren an diesem Roman, ich bin aber noch nie so klar gewesen, wie dieser Roman einmal sein wird- was ihn ausmacht und warum er das ist, was er ist. Vielleicht habe ich jetzt erst die Klarheit bekommen, warum ich gerade diesen Roman schreiben will und muss, und habe ja auch in den letzten Monaten erst wirklich den Humor an meinem Text und in meiner Hauptfigur gefunden, genau wie noch einiges mehr. Ich war sogar manchmal wirklich überrascht.
Dazu mache ich die Erfahrung, dass ich mich einer Romanplanung aus dem Jahr 2006 wieder annähere, und bestimmte Linien aus dieser Planung wieder sehr wichtig werden- weil sie dramatisch besser passen und eine innere Logik haben, die ich in der Zwischenzeit verloren gegeben habe. Was natürlich wieder beweist, dass ich ein ausgemachter Idiot sein kann. Ansonsten habe ich natürlich mal wieder mit meinem Autorenpartner viele der neuen Stellen abgearbeitet, und seine Zweifel an manchen Dingen sich kleiner geworden, weil der Roman insgesamt runder ist.
Und rund, damit kenne ich mich als Bauchträger aus.

Eine Pause und wenig Gedanken... März 2008

Der Abgabetermin für meine Abschlussarbeit für die Uni rückte unaufhaltsam näher, und da ich ein wenig Stress für eine rechtzeitige Abgabe brauchte, hatte ich natürlich jetzt jede Menge davon.
Also musste ich die Arbeit an meinem Roman für zwei Wochen einstellen, weil die Zeit einfach nicht mehr reichte- nicht einmal für richtige Gedanken über das Schreiben. O.k. das ist ein bisschen gelogen, es hat halt nicht mehr fürs Schreiben gereicht, nicht mehr fürs Tagebuch, nur noch für Gedanken über das Schreiben- und selbst das unregelmäßig.
Die restlichen zwei Wochen des Monats habe ich dann gebraucht, um mich wieder an meinen Text zu trauen- denn ein wenig Angst hat man ja nach jeder Pause. Und natürlich musste ich dann wieder einiges finden und ändern. Also habe ich langsam damit weitergemacht, erst Minutenweise, dann auch mal stundenweise. Ich habe noch einmal einige Stellen rausgeworfen und beschlossen diese Stellen neu zu machen, besser zu machen... und hoffe. Und habe inzwischen auch ordentlich Selbstvertrauen in den Text gefunden, nachdem ich darin gearbeitet habe.

Die Bücherverbrennungen am 10.05.1933

Hier ein Clip mit einem Brechttext zur Bücherverbrennung...

Als das Regime befahl, Bücher mit schädlichem Wissen
Öffentlich zu verbrennen, und allenthalben
Ochsen gezwungen wurden, Karren mit Büchern
Zu den Scheiterhaufen zu ziehen, entdeckte
Ein verjagter Dichter, einer der besten, die Liste der
Verbrannten studierend, entsetzt, daß seine
Bücher vergessen waren. Er eilte zum Schreibtisch
Zornbeflügelt, und schrieb einen Brief an die Machthaber.
Verbrennt mich! schrieb er mit fliegender Feder, verbrennt mich!
Tut mir das nicht an! Laßt mich nicht übrig! Habe ich nicht
Immer die Wahrheit berichtet in meinen Büchern? Und jetzt
Werd ich von euch wie ein Lügner behandelt! Ich befehle euch, Verbrennt mich!
(Bertolt Brecht: Die Bücherverbrennung) (zit. nach Wikipedia)

Die "Feuersprüche, die man auch in den obigen Clip kurz hört, hier einmal etwas ausführlicher:
"1. Rufer: Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung!
Ich übergebe der Flamme die Schriften von Marx und Kautsky.
2. Rufer: Gegen Dekadenz und moralischen Zerfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat!
Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner.
3. Rufer: Gegen Gesinnungslumperei und politischen Verrat, für Hingabe an Volk und Staat!
Ich übergebe der Flamme die Schriften von Friedrich Wilhelm Förster.
4. Rufer: Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens, für den Adel der menschlichen Seele!
Ich übergebe der Flamme die Schriften von Sigmund Freud.
5. Rufer: Gegen Verfälschung unserer Geschichte und Herabwürdigung ihrer großen Gestalten, für Ehrfurcht vor unserer Vergangenheit!
Ich übergebe der Flamme die Schriften von Emil Ludwig und Werner Hegemann.
6. Rufer: Gegen volksfremden Journalismus demokratisch-jüdischer Prägung, für verantwortungsbewusste Mitarbeit am Werk des nationalen Aufbaus!
Ich übergebe der Flamme die Schriften von Theodor Wolff und Georg Bernhard.
7. Rufer: Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkriegs, für Erziehung des Volkes im Geist der Wehrhaftigkeit!
Ich übergebe der Flamme die Schriften von Erich Maria Remarque.
8. Rufer: Gegen dünkelhafte Verhunzung der deutschen Sprache, für Pflege des kostbarsten Gutes unseres Volkes!
Ich übergebe der Flamme die Schriften von Alfred Kerr.
9. Rufer: Gegen Frechheit und Anmaßung, für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist!
Verschlinge, Flamme, auch die Schriften von Tucholsky und Ossietzky!"
Quelle: „Neuköllner Tageblatt“, Freitag, den 12. Mai 1933, Nr. 111 (zit. nach Wikipedia)

Von Erich Kästner, der in Berlin bei der Verbrennung seiner Bücher dabei war:
„Und im Jahre 1933 wurden meine Bücher in Berlin, auf dem großen Platz neben der Staatsoper, von einem gewissen Herrn Goebbels mit düster feierlichem Pomp verbrannt. Vierundzwanzig deutsche Schriftsteller, die symbolisch für immer ausgetilgt werden sollten, rief er triumphierend bei Namen. Ich war der einzige der Vierundzwanzig, der persönlich erschienen war, um dieser theatralischen Frechheit beizuwohnen. Ich stand vor der Universität, eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform, den Blüten der Nation, sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen und hörte die schmalzigen Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners. Begräbniswetter hing über der Stadt. Der Kopf einer zerschlagenen Büste Magnus Hirschfelds stak auf einer langen Stange, die, hoch über der stummen Menschenmenge, hin und her schwankte. Es war widerlich. Plötzlich rief eine schrille Frauenstimme: „Dort steht ja Kästner!“ Eine junge Kabarettistin, die sich mit einem Kollegen durch die Menge zwängte hatte mich stehen sehen und ihrer Verblüffung übertrieben laut Ausdruck verliehen. Mir wurde unbehaglich zumute. Doch es geschah nichts. (Obwohl in diesen Tagen gerade sehr viel zu geschehen pflegte.) Die Bücher flogen weiter ins Feuer. Die Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners ertönten weiterhin. Und die Gesichter der braunen Studentengarde blickten, die Sturmriemen unterm Kinn, unverändert geradeaus, hinüber zu dem Flammenstoß und zu dem psalmodierenden, gestikulierenden Teufelchen. In dem folgenden Jahrdutzend sah ich Bücher von mir nur die wenigen Male, die ich im Ausland war. In Kopenhagen, in Zürich, in London. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, ein verbotener Schriftsteller zu sein und seine Bücher nie mehr in den Regalen und Schaufenstern der Buchläden zu sehen. In keiner Stadt des Vaterlands. Nicht einmal in der Heimatstadt. Nicht einmal zu Weihnachten, wenn die Deutschen durch die verschneiten Straßen eilen, um Geschenke zu besorgen.“

(Aus Erich Kästner: „Kennst du das Land, in dem die Kanonen blühen?“ – Auszug aus dem Vorwort „Bei Durchsicht meiner Bücher“ (zit. nach Wikipedia)).

Hier noch ein Verweis auf einen Blogeintrag dazu: hier, weil der auf der zweiten Seite verschwunden ist.

Pfingstferien

Genau wie die meisten anderen Menschen Ferien haben, werde ich auch bis Dienstag ein wenig Ferien machen....
Ich war also extra bei meiner Buchhandlung und habe überraschenderweise doch noch ein Guthaben auf einer Geschenkkarte gehabt. Und weil ich es seit einigen Jahren so mache, habe ich natürlich drei Kinderbücher gekauft, um mich damit im Urlaub noch einmal zu erinnern- ein wenig warum ich schreibe, ein wenig weil ich eigentlich immer für Kinder schreiben wollte (was ich im Moment noch nicht kann), ein wenig weil es wunderbar ist Kinderbücher zu lesen.
Ich habe zweimal Mirjam Preßler mitgenommen, weil ich schon bei "Milka Mar" und bei "Wenn der Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen" schwer beeindruckt war. Dann noch eines der vielen Hexen-gibts-doch Romane, um einfach mal reinzulesen, wie sich das so entwickelt hat. Und weil ich es seit Jahren lesen wollte, und es versprochen habe, ist diesmal James Joyce mit von der Partie- und ich hoffe, dass Ulysses in Deutsch etwas leichter lesbar als die englische Fassung ist.
Die Gesichter waren aber grandios im Bücherladen: Diese Mischung hat zwei Verkäuferinnen geschockt, und wir haben uns dann lange unterhalten- einerseits über Bücher wie Joyce, die man haben muss, und die einmal im Jahr verlangt werden. Und über bekloppte Menschen, die Kinderbücher lesen- wie mich.

Ich habe dann natürlich noch überlegt, was ich so von meinen Büchern mitnehmen, weil ich ja doch ein Buch pro Urlaubstag brauche... und ehrlich gesagt auch mal ein Buch anlese und bei Nichtgefallen flüchte.
Deshalb bin ich also ein paar Tage in Urlaub, und lese, und grille mit ganz vielen anderen Freunden, und freue mich. Ihr hoffentlich auch.

Donnerstag, 8. Mai 2008

Fundament der Literatur, Bücherverbrennung und die Krise der deutschen Literatur nach 1945

Wenn man sich die Literatur der Gegenwart ansieht, dann bestehen die modernen Texte immer aus Neuem (neue Ideen oder neuartige Formen der Umsetzung) und Altem. Diese Alte sind die Traditions- und Erzähllinien, die Foucault als Diskurs bezeichnet hat- also die Diskussion über Handwerks- und Erzähltechniken, die Erfahrungen mit handwerklichen Mitteln und Motive und Stoffe, die schon behandelt worden sind.
Berlin war in der Weimarer Zeit die Metropole, die am meisten Ausstrahlungs- und Anziehungskraft für Künstler hatte- und u.a. dies und die vorhergegangenen Generationen von Künstlern brachte mit den gegenwärtigen "Leuchttürmen" der Literatur vielleicht den Höhepunkt der deutschen Literatur nach der Klassik hervor. Das beginnt mit Brecht (u.a. in Zusammenarbeit mit Kurt Weil), geht weiter mit Tucholsky, Thomas und Heinrich Mann, Alfred Döblin, Robert Musil, Hermann Hesse, Ödon von Horváth, Stefan Zweig, Erich Kästner, Gottfried Benn und endet nicht mit Joachim Ringelnatz. Sondern geht einfach immer weiter, etwas ungewöhnlich mit den erst posthum veröffentlichten Werken von Franz Kafka, sowie mit vielen Wieder- und Neuentdeckungen, sowie dem Dichter- und Personenkreis um Stefan George.
Dabei war es gerade diese recht bunte Mischung, die diese Zeit ausgemacht hat, einerseits in den Themen und Texten, in der unterschiedlichen Altersstruktur, aber auch z.B. die sich um Brecht und Stefan George sammelnden Künstler und nicht Künstlerkreisen.
Aber auch im Bereich Wissenschaft, im Bereich atonale Musik, im Bereich Theater und Film, Philosophie, Geisteswissenschaft, im Bereich Malerei gibt es in dieser Zeit nicht nur eine Blüte, sondern eine Hochblüte. Das rigide (auch im Bereich Zensur) Kaiserreich war zu Ende gegangen, und die neue, Weimarer Demokratie bot viel Raum für Neuentwicklungen, für Weiterentwicklung und für die Künste.

Auch die oft etwas ungeordneten Verhältnisse der Zeit, dieses Bangen zwischen den rechten (nationalen, restaurativen, nationalsozialistischen) und den linken (sozialistischen, kommunistischen) Demokratiegegnern, die wirtschaftlichen Krisen und Entwicklungen, waren einerseits fruchtbarer Boden für die Literatur- weil in dieser Zeit viele Grundlagen der späteren Bonner Republik entstanden- und gleichzeitig auch die Drohung des kommenden Endes. Gerade die späte Weimarer Zeit, die wirtschaftlichen Not und die Krise der Demokratie und der Demokraten, war Hemmschuh der weiteren Entwicklung, ohne sie jedoch anhalten zu können.
In Deutschland gab es in der Nazizeit zwischen 1933 und 1945 einen eigentlich kaum vorstellbaren Bruch mit diesen Erzähl- und Traditionlinien in der Literatur.

Das beginnt mit einer Trennscheide 1933-1935. Bei den vielen Menschen in Deutschland, die die Machtergreifung der Nazis wenig kritisch sahen, waren eben auch viele Künstler. Denn die Weimarer Demokratie war nicht gerade beliebt- und nicht nur Sprengler in seiner Nietzschelektüre hatte diesen kräftig missverstanden. Auch Gottfried Benn und unzählige andere begrüßten erst einmal die Nazis, oder erkannten gar nicht wirklich das Regime, welches sich da ankündigte, und was dieses Regim vorhatte und plante.
Viele andere Künstler emigrierten aber bereits kurz vor der Machtergreifung oder direkt danach, weil ihnen klar war, was die Nazis mit ihren Gegnern zu tun pflegten. Wenn man sich alleine die von Wikipedia gepflegte Liste ansieht, wird klar, wie bedeutend die Emigration oder Flucht war, und das sie politisch, künstlerisch, ideel und oft aus der Herkunft oder Religion begründet war. Thomas Mann hatte nicht ganz Unrecht, wenn er gesagt hat, dass Deutschland immer auch bei ihm war."Es ist schwer zu ertragen. Aber was es leichter macht, ist die Vergegenwärtigung der vergifteten Atmosphäre, die in Deutschland herrscht. Das macht es leichter, weil man in Wirklichkeit nichts verliert. Wo ich bin, ist Deutschland. Ich trage meine deutsche Kultur in mir. Ich lebe im Kontakt mit der Welt und ich betrachte mich selbst nicht als gefallenen Menschen." Thomas Mann, zitiert nach Wikipedia
Weil er ein Deutschland mitgenommen hat, dass anders als Nazideutschland war: Breiter, weiter, freier, freundlicher und Tausend anderer guter Sachen mehr.
Daneben gibt es aber auch die innere Emigration, also der Rückzug von Künstler aus dem öffentlichen Leben, unter dem Druck des Regims und teilweise aus Resignation. Andere Künstler dienten sich dem Regim an, und wurden von diesem geehrt, erhielten für ihre Unterstützung Posten oder Pöstchen. Andere starben in den Lagern, durch Kriegshandlungen an der Front oder durch den Bombenkrieg.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges fand der Neubeginn der Literatur ohne viele ihrer wichtigsten Protagonisten statt: Einige Exilanten beginnen Selbstmord, andere verstarben, wieder andere kehrten nicht mehr nach Deutschland zurück. Es gab auch diese unsagbare Diskussion z.B. zwischen Thomas Mann und den inneren Emigranten, bei der die eine Seite sich das Recht zusprach die bessere, richtigere Entscheidung getroffen zu haben und Thomas Mann vorwarfen auch jetzt nicht nach Deutschland zurückzukehren. Andere kehrten aus dem Exil zurück, hatten aber wie Alfred Döblin im Anschluß keinen großen Erfolg mehr- denn wer 12 Jahre nicht sein Publikum erreichen konnte, und diese Zeit auch aus der Entwicklung, der Sprache, den Erfahrungen- der hat es schwer wieder zurückzufinden.
Wer sich die Gruppe 47 als eine prägende Gruppe der Nachkriegsautoren ansieht, wird feststellen, dass die meisten dieser Autoren erst nach 1933 mit dem Schreiben begonnen haben. Auch diese 12 Jahre Vermittlungspause zwischen den wichtigen Autoren des Exils und den jungen Autoren in Deutschland, auch die Selbstmorde und Tode, die nicht geschriebene Literatur aus Not und Flucht und Elend, haben eine deutlich wahrnehmbare Lücke hinterlassen- um nicht zu sagen, sie haben wichtige Traditionslinien zerbrochen.

Es sind aber nicht nur die Traditions- und Erzähllinien, nicht nur die enorme Barbarei der Nazis, die beschmutzte Sprache, sondern auch die Menschen, die sich den Nazis angedient haben, die diesen Bruch überall spürbar machen. Es ist vor allem eine Phase der Verarbeitung, die sich bin 1955 in der intensiven Beschäftigung mit dieser Zeit findet- und die letztlich ein wenig verdeutlicht, wie groß der Bruch war. Es ist die Art der Verarbeitung, die Art damit umzugehen.
Und es ist in gewisser Weise auch der Moment, in dem das jüdische Leben in Deutschland, im Sinne von jüdischen Deutschen, nahezu zum erliegen gekommen ist- und gerade dieses jüdische Leben in Deutschland war eng mit dem künstlerischen und kulturelle Leben in Deutschland verbunden. Deutlich wird das am Jiddisch, dass als Zeichen eines jüdischen Lebens nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa geschwunden ist. Von diesem Verlust konnte Deutschland sich nicht erholen, die Kultur nicht erholen- weil es eine klaffende Wunde hinterlassen hat, die wohl nie ausheilen kann. Diese Vielfalt ist verloren- und die Vielfalt des Einflusses auf die Kultur, die Literatur, die Musik, auf die Wissenschaften, die Wechselwirkung. Ein unvorstellbarer Verlust, ehrlich gesagt, den man kaum in Worte fassen kann- und der auch kaum mit Worten zu beschreiben ist.
Deshalb sind die Bücherverbrennungen am 10. Mai eine kulturelle Bankrotterklärung, die Ankündigung des Exodus, ein Ende einer kulturellen Blüte- und somit ein Zeichen der enormen Vernichtungsleistung der Nationalsozialisten, die eben diese Vernichtung in alle Bereiche des deutschen Lebens geschafft haben. Deshalb sollte man mahnend immer daran erinnern.
Wenn man sich die deutsche Literatur direkt nach 1945 ansieht, dann gibt es dort auch viele Leuchttürme- wie Heinrich Böll, Günter Grass, Gottfried Benn, Martin Walser, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, Alfred Andersch, Ingeborg Bachmann- und natürlich viele der inneren und äußeren Emigranten.
Aber der Bruch ist einfach spürbar- auch bei diesen Texten. Oft durch die Thematik oder die Darstellungen. Und nur wenige der Autoren konnten wirklich an die Linien vor 1933 anschließen und das fehlende jüdische Leben in Deutschland, das auch ein deutsches Phänomen in einem gewissen Rahmen war, fehlte einfach weit mehr als Worte sagen können.

Daran hat die deutsche Literatur sehr lange nicht anschließen können, und sie kann es im Prinzip auch heute noch nicht: Eine solch kulturelle Blüte wie in der Weimarer Zeit wurden nicht mehr erreicht, konnte nicht mehr erreicht werden weil etwas fehlte- was aber nicht ausschließt, dass eine solche Blüte wiederkommen könnte. Auch wenn es eine andere Blüte werden würde.
Vielleicht ist es auch gut so, denn niemand, kein Land sollte einen solchen Verlust so leicht überwinden können oder könnte das auch.

Dienstag, 6. Mai 2008

Der gemeine Matt Ruff

Ich habe sicherlich schon über meine magische Anziehungskraft bei meinen Saunagängen erzählt: Ich werde regelmäßig von einem Buch so angezogen, dass ich vergesse, dass ich gerade ein kleines Vermögen für den Saunagang gezahlt habe und lese, lese, lese. Das ich dabei nicht einmal mitbekomme, wenn man mich ansprechen möchte, naja. Das ich aber nicht einmal mitbekomme, wenn jemand mich berührt- das ist irgendwie seltsam. Und, was sehr interessant ist, ich neige dazu beim saunieren wunderbare Ideen zu haben. Ich finde immer wieder Szenen, Augenblicke meines Romans, Konzepte.
Diesmal habe ich einen schweren Fehler gemacht: ich habe Matt Ruff "Ich und die anderen" aus meinem Stapel ungelesener Bücher rausgesucht und begonnen nach der zweite Saunarunde zu lesen. Ich habe dann in den zwei Stunden mit zwei weiteren Saunagängen (immer wenn ich beim Lesen effektiv gestört wurde) immer weitergelesen und habe es immerhin auf 285 Seiten gebracht.
Ich habe dabei immer wieder, neben den Saunagängen, kleine Pausen gemacht. Weil ich so vermessen war meinen Roman mit Matt Ruff zuvergleichen- was sich dann aber als schwerer Fehler herausstellte.

Denn ich bin nicht Matt Ruff, da bin ich mir sicher, kann und will auch gar nicht so schreiben, da bin ich mir auch sicher. Bewundern kann ich ihn aber schon, obwohl ich das noch mit weiteren Büchern von ihm prüfen muss, und ich bin verwirrt.
Denn ganz sicher ist mein Buch seinem Buch nicht sonderlich ähnlich- und das war auch nicht intendiert. Aber es gibt bestimmte Analogien und Gleichheiten in bestimmten Ideen- und es gibt Tausende Unterschiede. Ich bin eine verzweifelte Leseratte.... und ich bin ein Autor, der sich manchmal kritisch an solchen Büchern messen muss, und dabei führt sich lernen muss- man kann es nicht vergleichen und sollte es auch nicht.

Die Angst vor dem Schreiben

Vielleicht hänge ich auch manchmal in einer Zeitschleife fest. Denn manchmal muss ich hier einfach Dinge das x-te Mal aufschreiben, weil ich immer wieder vor den gleichen Problemen stehe.
Ich bin gerade eilig dabei die durch eine Streichung entstandene Lücke in meinem Roman zu schließen- und entdecke dabei, dass ich inzwischen sehr viel mutiger und schneller geworden bin. Und das ich unglaublich schmerzvoll durch mein Manuskript schneiden kann. Das dauert nicht mehr Wochen, sondern nur noch eine Woche- und schon fliegen wunderbare Szenen, schöne Wortspielereien raus, weil sie einfach in den Text so nicht hineingehören.Ich habe aber immer noch einen riesen Respekt davor- und das ist auch wichtig. Weil man sonst zu frei mit der Schere dem eigenen Text wichtige Organe herausschneidet.

Samstag, 3. Mai 2008

Internationaler Tag der Pressefreiheit am 03.05

Der Internationale Tag der Pressefreiheit dient dazu, noch einmal daran zu erinnern, was Pressefreiheit bedeutet- u.a. auch indem darauf verwiesen wird, wie in manchen Ländern mit Journalisten umgegangen wird, die sich auf diese Freiheit berufen.
Pressefreiheit bedeutet, dass die demokratischen Institutionen und alle anderen Institutionen und Unternehmen von einer unabhängigen Presse kritisch beobachtet werden, Fehlentwicklungen gemeldet und in den Zeitungen die Bürger über die Hintergründe für Entscheidungen informiert werden. Dabei dienen die Zeitungen dazu den Menschen eine freie Meinungsbildung zu ermöglichen- was letztlich die Menschen befähigt als Volk wiederrum auf die Institutionen einwirkt. wenn er die Entscheidungen für falsch hält oder selber bestimmte Notwendigkeiten erkennt.
Wie wichtig eine freie Presse ist, kann man heute noch an der Spiegelaffäre erkennen- als der Spiegel einen Artikel über die bedingte Abwehrbereitschaft der Bundeswehr gebracht hat und deshalb wegen Landesverrat angeklagt wurde. Die Redaktionsräume wurden durchsucht und überwacht und einige Spiegelverantwortliche verhaftet. Erst nach einiger Zeit wurde festgestellt, dass kein Landesverrat vorlag und die Spiegelverantwortlichen entlassen. Der Spiegel hatte hier wichtige Dokumente eingesehen und mit Quellen gesprochen- nicht mit dem Ziel militärische Geheimnisse zu verraten, sondern eine Fehlentwicklung bei der Bundeswehr zu melden. Dementsprechend musste die Regierung im Nachhinein erst einmal der Presse mehr Raum gewähren. Der Spiegel hat vor allem bis 1980 sehr intensiv die Arbeit der Regierungen kommentiert, immer wieder Fehlentwicklungen vermeldet und aufgezeigt und somit die Demokratie gestärkt- weil Information ein Bürgerrecht ist und sich eine Regierung immer auch vor informierten Bürgern rechtfertigen muss.

Die Pressefreiheit in Deutschland ist nicht mehr in Gefahr, aber sie wird dennoch immer wieder in Teilen in Frage gestellt. Immer wieder werden um bestimmte Quellen zu enttarnen Redaktionen durchsucht oder überwacht, Journalistinnen, die mit afghanischen Politikern sprechen werden vom BND abgehört.
In anderen Ländern ist die Situation weit schwieriger: Dort werden Reporter ermordet, Zeitungen verboten (wenn sie z.B. melden, wenn der Herr Putin dated) oder von regierungsnahen Stellen übernommen, der Herr Berlusconi hat ein Fernsehmonopol (mit der Raikontrolle als Ministerpräsident Italiens), es gibt Erpressungen von Journalisten, andere werden verschleppt und gefoltert.
Deshalb soll dieser Tag daran erinnern, wie wichtig die Pressefreiheit für die Meinungsfreiheit und die Bürger ist und in welche Gefahr sich Journalisten begeben, wenn sie kritisch berichten.

Und- für die Autoren:Auch die Autoren haben das Recht und die Pflicht kritisch ihr eigenes Land, die Regierung, die Insitutionen und Firmen zu kommentieren. Und auch dort gibt es Autoren, die dafür ins Gefängnis gehen, getötet oder verfolgt werden- siehe den "Writers-in-Prison-Day", bzw. manchmal muss man nur ein wenig Zeitung lesen.

Verband deutscher Schriftsteller (in verdi)

Der Verband deutscher Schriftsteller ist die Interessenvertretung professioneller Autoren im Rahmen der Gewerkschaft verdi und wurde 1969 als Vereinigung mehrerer Verbände gegründet. Der Verband deutscher Schriftsteller verhandelt als Interessenvertreter mit Politik und beteiligten Organisationen wie der VG Wort, ist in deren Entscheidungsprozesse eingebunden und verhandelt auch mit den Verlagen den Normvertrag und informiert über das Urheberrecht Dazu bietet der VS seinen Mitgliedern auch eine kostenlose Rechtsberatung und einen Rechtschutz im Bereich Schreiben.
Nebenbei ist der VS in Regionen untergliedert, bei der es regelmäßige Treffen, Lesungen und Austausch gibt, der VS schreibt Preise aus und hilft bei allerlei Problemen.

Bedingung für die Mitgliedschaft und Kosten:
Die Mitgliedschaft beim VS kostet 1% der monatlichen Einnahmen (Brutto), es gibt jedoch bestimmte Ausnahmen, bei denen weniger gezahlt werden muss. Da es sich um den Interessenverband der professionellen Autoren handelt, ist eine Buchveröffentlichung (nicht selbstfinanziert), ein Theaterstück, ein Hörspiel, eines Fernsehspiels oder eines Films, Veröffentlichung in Anthologien oder Literaturzeitungen (nicht selbstfinanziert), in elektronischen Medien, Feuilltons oder die Arbeit als Übersetzer.

Warum sollte man Mitglied sein oder werden?
Eine Rechtsberatung und der Rechtsschutz (im Berufsbereich Schreiben) im Rahmen des VS ist mit Geld kaum zu bezahlen: Denn hier sitzen erfahrene Profis im Verlags- und Urheberrecht, die einerseits umfangreich Fragen beantworten können und darüber hinaus, im Fall des Falles auch spezialisierte Anwälte im Rahmen des Rechtschutzes als Autoren kostenlos zur Verfügung stellen.
Dazu kommen neben der Lobbyarbeit (Künstlersozialkasse, VG Wort, Urheberrecht, Öffentlichkeitsarbeit,...) auch die Arbeit des VS am Normvertrag und die dazugehörigen Verhandlungen.
Hier hat der VS große Verdienste um seine Mitglieder erworben, weil nun Verträge vergleichbar sind und klar geregelt- und jeder Autor beim VS nachsehen kann, ob sein Vertrag abweicht und dann nachfragen, warum. Zudem bietet der Vertrag auch das Gefühl fair behandelt zu werden.
Zudem bietet der VS eine Plattform, um sich als Autor zu engagieren, einerseits für andere Autoren, für Lesungen, für kreative Angebote und vieles mehr. Nur die Altersstruktur ist beim ersten Mal gewöhnungsbedürftig. Und, nicht zu vergessen: Der VS beteiligt sich wie der P.E.N. an vielen Hilfen für Autoren im Inland und Ausland, ob nun "Writers in Prison", oder anderen Dingen.

Oder anders gesagt: Wer professionell als Autor arbeitet, der tut gut daran Mitglied zu sein, damit der VS effektiv für die Autoren (mit genug Druck) verhandeln kann- und profitiert dadurch davon, genau wie von den Angeboten des VS.