Montag, 31. März 2008

Mein erster Schultag (Mal wieder)

Ich hatte zwar nicht wirklich eine Schultüte, als ich heute meinen ersten Schultag als Praktikant hatte, aber das hätte in meinem Alter auch ganz schön komisch ausgesehen. Besonders hinreißend fand ich, dass sich die Schule einerseits völlig geändert hat, und andererseits gar nicht. Schüler versuchen immer noch sich das Leben möglichst wenig durch Bildung versauen zu lassen, und Lehrer versuchen zu erreichen, dass die Schüler verstehen, dass Bildung genau das nicht tut. Zudem bin ich "upgedated" im Bezug auf Hip-Hop Mode, also Jogginganzug, möglichst achtziger Jahre, dicke Knietennissocken, Stahl oder Edelstahlketten mit Anhänger und Badelatschen. Witzig. Oder auch die neue Kombination bei Damen: Edeltop und Jogginghose, wahrscheinlich Frottee, kombiniert mit Birkenstock.Das man immer noch seinem Banknachbarn Rucksäcke und Mäppchen klaut, Locherkonfetti zur Frisurkorrektur verwendet, und heimlich Zigaretten raucht... war auch irgendwie witzig. Aber einiges hat sich schon geändert: Überall PC`s inkl. Internetzugang und das Durchschnittalter der Lehrer hat sich auch deutlich geändert.

Grandios war aber etwas anderes: Nach einem kurzen Moment der Panik heute morgen, lief es eigentlich ganz gut.

**** Nachtrag****

Meine Eltern waren so lieb und haben mir gerade eine Schultüte vorbei gebracht... Beweisfotos gibt es, sobald ich den Abzug einscannen kann. (Da ich den Blog gerade übertrage, hier das Bild:

Sonntag, 30. März 2008

Ein Buch nur aus Hochspannung?

Ich habe mich gestern mit einem jungen österreichischen Autor unterhalten, der gerne ein Buch schreiben würde (bzw. gerade dabei ist), dass den Leser permanent unter Spannung setzt. Und zwar nicht irgendeine Spannung, sondern Höchstspannung, Höhepunkt hinter Höhepunkt. Und ehrlich gesagt, bei einer meiner frühen Geschichte habe ich das auch versucht und es ist gescheitert. Warum?
Spannung setzt in uns Adrenalin frei, und jeder der einmal über Wochen unter heftigem Stress stand, der versteht, dass man sich nicht freiwillig einem gleich hohen Stresspegel über die Länge eines Buches aussetzen möchte oder kann. Deshalb gibt es in spannenden Romanen immer auch leichte Spannung, steigende Spannung, Höhepunkte, nachlassende Spannung und Spannungspausen.

Gerade die Hinführung zu einem Höhepunkt betont, was in einem Roman wichtig ist und was nicht. Wenn zu viele Höhepunkte da sind, geht das verloren. Und erst der Tempowechsel verschafft dem Leser die Zeit sich zu verdeutlichen, was wichtig ist und wie das auf ihn wirkt. Das Aufatmen ist ein starker Moment, und kein Zeichen von einem schlechten Autorenkönnen.
Wer ständig den Spannungspegel auf Maximum setzt, muss Kleinigkeiten unverhältnismäßig aufblasen und künstlich Spannung erzeugen. Und künstlich wirkt eben häufig genauso, künstlich.

Und einen besonders wichtigen Grund habe ich noch vergessen: Dieses Maximum an Spannung ist nach kurzer Zeit enorm ermüdend, gleich im vielfachen Sinne. Denn irgendwann schlägt zuviel Gewalt, zuviel Spannung einfach nur in Gelächter um, weil wir uns von dieser Spannung erleichtern müssen.
Und dann lacht man eine solche Geschichte, einen solchen Roman einfach weg.
Wenn das nicht passiert, passiert etwas anderes: Spannung ist nicht beliebig aufrecht haltbar, weil es irgendwann nur noch "wehtut". Man ist nur noch erschöpft und fertig. Und ehrlich gesagt,
ist das nicht unbedingt ein Gefühl, bei dem ich ein Buch zu Ende lesen würde.

Samstag, 29. März 2008

Ergänzung zur Geschichte Uckermark

Manche Dinge brauchen eine Weile: Die Geschichte Uckermark habe ich bereits 2006 geschrieben und noch halb unfertig zum Open Mike eingeschickt.
Das konnte nichts werden, weil noch vieles ungeordnet war, Bezüge fehlten und irgendwie die Geschichte noch unfertig war, wichtige Dinge fehlten.

Seitdem habe ich sie noch zweimal in die Hand genommen, und nach und nach ihre Schwächen herausgefunden.
Aber erst heute habe ich sie noch einmal durchgesehen, überarbeitet und verändert und kann ehrlich sagen, dass die Geschichte endlich fertig ist. (Sicherlich finden sich noch einige Rechtschreibfehler und mehr in der Geschichte: Das liegt aber an mir, und alles was an der Recherche falsch ist, liegt auch an mir, nicht an meinen Quellen).

Zu den Quellen:

1. Schäfer, Silke: Zum Selbstverständnis von Frauen im Konzentrationslager. Das Lager Ravensbrück, Dissertation TU Berlin 2002. Die Dissertation Silke Schäfers im Netz
2. Das Das Mädchen KZ Uckermark bei Wikipedia
3. Die Homepage des über das Mädchen-KZ Uckermark


Vielleicht gibt es doch eine Rückmeldung zu dieser Geschichte, die mich über eine lange Zeit beschäftigt hat, heute u.a. wieder. Weil ich diese Geschichte zu schreiben hatte.

Denn diese Lager sind leider fast vergessen und die wenigen Menschen versterben, die sich noch daran (und die Sippenhaft) erinnern.

Einer lieben Person gewidmet, die mich immer ermutigt hat, daran weiter zu arbeiten.....

Danke.

Uckermark (Erzählung)

Uckermark

Nur aus Respekt für seine Frau duldete mein Ziehvater Jesus Christus zwei Handbreit unter dem Bild des Führers. Eines der wenigen Eingeständnisse an seine katholische Frau, die er jemals gemacht hat. Er selber hatte das Holzstück für den Jesus in das Fachwerk eingelassen und ihn daran festgenagelt.

Wenn ich von ihm träume, heute noch, dann sehe ich ihn noch neben der Tür, in seiner schwarzen Uniform mit dem Totenkopf und den Runen. An dem Tag, an dem sie uns aus dem Kinderheim Bad Sachsa zu ihm brachte, mich und meinen kleinen Bruder. Seine Frau hielt mit verkrampften Händen ein Geschirrtuch in der Hand. Eine hübsche Frau, ein blaues Kleid, schwerer Stoff. Und ein silbernes Kruzifix, nur fingernagelgroß.
„Willkommen in einer guten, deutschen Familie.“
Das hat er als erstes gesagt. Er kam auf meinen Bruder zu, drei Jahre war der damals. Und hat dann besitzergreifend die Hand auf meinen Bruder gelegt. Die Hand mit dem Totenkopfring. Er hat es genauso gemeint, wie er das gesagt hat. Seine Frau schien freundlich, er war es nicht.
Mich hat er nicht so begrüßt, ich war zu alt, dreizehn, und ein Mädchen. Und nicht einmal ein hübsches, blondes.
Sie hat meinem Bruder den Koffer abgenommen, und hat ihn dann an seiner Hand zum Haus gezogen. Erst gab sie uns etwas zu essen, rheinischen Sauerbraten, dann hat sie unsere Namen aus den Kleider herausgetrennt, neben dem Bild von Heinrich Himmler. Stich für Stich.
Ich stand neben dem Küchentisch, und habe ihr dabei zugesehen, wie Buchstabe nach Buchstabe verschwand.
„Ihr heißt ab jetzt Müller, so wie wir.“
Das hat er dann gesagt. Und mit seinem Ring über den Handschuhen auf den Tisch geklopft. Das Holz war ganz rau dort, Abdrücke des Rings überall.
„Ihr habt keine Vergangenheit mehr, verstanden.“
Er hat mit der anderen Hand meine ganz fest gedrückt, was weh tat, richtig weh. Weil er wusste, dass ich zu alt war, alles zu vergessen. Weil man auch bestimmte Dinge einfach nicht vergessen kann.

Ich habe später am Abend meinem Bruder von unserem Vater erzählt, als die Müllers schliefen, sorgsam in die dicken Federkissen gebettet, er in den warmen, weichen Faschismus, sie in den harten Fatalismus der katholischen Kirche.
Ich habe von der Bibel unseres Vaters erzählt, die aus dem sechzehnten Jahrhundert war, in Leder gebunden, Adam, Eva und ein Skelett auf dem Einband, den Tugenden aufgedruckt in Latein, alles in Latein. Und wie er, wie seine Väter, unsere Namen dort eingetragen hat, hinten, auf den letzten Seiten. Oder wie Mama immer die Marmelade einweckte, und auf einige Gläser mit Erdbeermarmelade meinen Namen drauf schrieb, weil ich so gerne Erdbeeren aß. Namen, überall waren unsere Namen. Unsere eigene Namen.

Mein Bruder lag in einem fremden Bett, mit einem fremden Namen, und hat mich gefragt, wie unser Vater ausgesehen hat. Und ob er ihn auch lieb gehabt hat. Die einzige Frage, die ich nicht beantworten konnte. Nicht mehr.
Mein Vater hat es mir erklärt, ich habe es nicht verstanden. Nachdem die Gestapo gekommen war, die Polizei, sie meinen Vater gewarnt haben, die Möbel zerschlagen haben. Bevor sie ihn das erste Mal weggebracht haben, ins Straflager Esterwegen, drei Monate, roter Winkel, politisch, das Moor trocken legen. Danach heizten wir nicht mehr mit Torf, weil er es nicht mehr riechen konnte. Weil er immer vom Torf geträumt hat, jede Nacht. Und von Franz, der sich in den Stacheldraht geworfen hat, bis er Tot war.

Er hat es mir erklärt. bevor sie ihn wieder abholten, weil er etwas gesagt haben sollte. Er wurde befördert, wiederholter Insasse, bekam einen Querbalken über dem roten Winkel, unter der Häftlingsnummer, musste nach Welzheim ins KZ, mitten in der Stadt, eine Schreinerei, fünf Meter hohe Mauern. Zwei Jahre. Wo er Möbel für die SS gebaut hat.
Immer wieder kam der Dorfpfarrer in dieser Zeit, evangelisch mit Parteiabzeichen an der Soutane, setzte sich an den Abendtisch, trank etwas Muckefuck und riet meiner Mutter zur Scheidung. Weil mein Vater nicht recht bei Verstand sei, und asozial, undeutsch.
Aber meine Mutter konnte nicht, wollte nicht. Fuhr mit mir auf die Bauernhöfe, und half bei der Ernte, gegen Rüben, gegen Kartoffeln. Nähte Hemden um, putzte in einer Gastwirtschaft. Oder klaute Rüben und Kartoffeln, weil unsere Freunde solange von der Gestapo besucht wurden, verhaftet wurden, bis wir keine mehr hatten.

Als er wiederkam, arbeitsunfähig, krank, da wurde sie schwanger. Aber mein Vater hörte nicht auf. Er konnte es einfach nicht. Die falschen Reden in seiner Fabrik, die falschen Leute. Er versuchte Handschuhe für die Zwangsarbeiter zu organisieren, steckte ihnen Butterbrote zu, die wir nicht mehr zu Essen hatten. Die Denunzianten waren immer dabei, sie waren überall.
Diesmal reichte es für ein braunes Band unter dem Winkel, gefährlich, und Dachau. Und meine Mutter brachten sie als Asoziale nach Ravensburg, weil sie ihn nicht verlassen hat. Uns nach Bad Sachsa, dann zur Sippenhaft zu den Müllers, zur Umerziehung zu guten Mitgliedern der Volksgemeinschaft.

In dieser Volksgemeinschaft lief mein Bruder am nächsten Tag neben Frau Müller her, fein angezogen mit seinem neuen Sonntagsanzug, eine Holzeisenbahn in der Hand. Sie gingen zur Kirche und ich begann das Haus zu schrubben. Weil das in ihrer Welt so verteilt war. Scharführer Müller stand in seiner Uniform neben mir, die Schirmmütze auf dem Esstisch, die Handschuhe auch. Mit einer Reitgerte zeigte er mir an, was ich zu machen habe. Wie ich es zu machen habe. Keine Gewalt. Nur eine Geste mit der Reitgerte. Während er mir erzählte, wie sehr seine Frau und er sich Kinder gewünscht hatten. Und wie sie immer wieder zu einer Marienstatue gepilgert war, weil eine alte Frau aus dem Nachbardorf erzählt hatte, dass dort die unfruchtbaren Frauen von Maria, voll der Gnade, mit einem Kind beschenkt wurden. Er bat mich dann, nie wieder über die Vergangenheit zu reden. Nie wieder. Er zog sich die Handschuhe wieder an, und deutet mir an weiterzuputzen. Er lächelte sogar freundlich, oder versuchte es. Aber sein Gesicht sah genauso aus wie der Totenkopf an seinem Kragen.

Als mein Bruder mit der Holzeisenbahn im Bett lag, in unserem Zimmer, und die Eisenbahn über die Bettdecke fahren lies, da hat er mich gefragt, wo Papa ist. Denn in seinem Alter kann man bestimmte Dinge einfach nicht verstehen: Was Worte bedeuten können. Und warum Papa weg ist, deshalb.
Ich war nicht zu jung dafür, weil ich sie erlebt habe. Ich hatte verstanden, was da aus dem Volksempfänger gekommen ist. Hatte gesehen, wie vorher die anderen durch unsere Straße marschiert sind, hatte die Stimmen gehört, leise, heimlich, im Wohnzimmer, die von ihnen erzählten, von den Morden, den Verhaftungen, den Judenverfolgungen.
Deshalb habe ich es verstanden: Nur die Gedanken sind frei. Wer sie ausspricht, kann diese Freiheit verlieren, kann alles verlieren. Dann werden Gedanken zu Ideen und gefährlich, für die die sie aussprechen, sie hören. Das hat mein Vater einmal gesagt.
Also habe ich nichts gesagt, sondern meinen Bruder über seinen Tag ausgefragt. Was Frau Müller gesagt hat, wie die Kirche aussieht und wie ihm seine Holzeisenbahn gefällt. Und wir haben Kartoffelreise gespielt.

Drei Tage hat mein Bruder mich angefleht, drei Tage habe ich geschwiegen, auch wenn er geweint hat. Und dann habe ich Papa verstanden. Auf den Knien, auf einem gebohnerten Holzboden, wurden die Gedanken immer lauter, in meinem Kopf. Habe seine Stimme gehört, die anderen Stimmen, den Volksempfänger. Und wollte es aussprechen, es heraus weinen und schreien.

Wir waren weit weg von Buchheim, weit weg von unserem alten Leben, auch wenn mein Bruder sich kaum noch daran erinnern konnte. Wo wir immer mit Vater Eisenbahnen schauen waren. Oder in seiner Schreinerei auf den Holzbrettern saßen, während er das Holz bearbeitete. Aber das konnte ich nicht erzählen, durfte es nicht. Nicht von der Eisenbahn, die Vater für meinen Bruder gemacht hat, ich und Mama Abends angemalt haben.
Also habe ich ihm wenigstens davon erzählt, von Buchheim, nicht von Vater oder Mama. Von der Bäckerei Prinz mit den Brezeln, dem kleinen Kolonialwarenladen mit den Bonbongläsern und der Schule aus Backstein, mit den sieben Buchen auf dem Hof. Bis er eingeschlafen war. Weil ich nicht mehr schweigen konnte, weil schweigen vergessen ist. Und in der Fremde darf man nie vergessen, weil man sonst selber Fremd wird, in sich.

Am Abend, als mein Ziehvater nach Hause kam, wartete sie in der Stube schon auf ihn. Während ich draußen die Wäsche wuchs, auf dem Waschbrett, mit Persil. Und sie durch ein Fenster beobachte. Sie zeigte immer nach draußen, das Kruzifix in der Hand, sie rieb es, während sie ihm etwas zu flüsterte.
Und dann kam er, und zog mich in die Stube, setzte mich auf den Stuhl. Meine Hände waren noch ganz weich von der Lauge, und rot. Diesmal hat er die Handschuhe angelassen, und ist durch den Raum gegangen. Sie sah mich nicht an, spielte mit dem Kruzifix.
„Wir haben dich nur um eine Sache gebeten. Dein Schweigen.“
Er sagte es laut, drehte sich auf den Absätzen des Stiefels um, mit meiner Spucke saubergemacht.
„Du solltest nur schweigen.“
Er stellte sich vor mich, wie die Gestapomänner vor meinen Vater. Wie die SS-Männer vor meinen Vater. Wie ein SS-Mann vor mich. Und er schüttelte den Kopf über dieses unartige Mädchen. Wie mein Vater es manchmal gemacht hat, mit mir, als seiner Tochter. Wenn ich etwas zerbrochen hatte, oder mir in der Schreiner der Leim umgekippt war.
„Das werde ich nicht. Ich werde nicht schweigen, nie schweigen. Er gehört euch nicht und ich werde ihn euch nicht lassen.“
Ich musste das sagen, was auf dem gebohnerten Boden laut geworden war. Er schlug mich nicht, wie die anderen es mit meinem Vater getan haben. Wegen einigen Worten, Ideen. Er drohte mir auch nicht, sondern sah mich nur an.
„Dann kommst du weg.“
Das hat er gesagt. Und seine Frau hat genickt, mich dabei nicht angesehen, sondern das Kruzifix und hat um Vergebung für mich gebeten. Er hat dann meinen Koffer gepackt, während ich seine Frau angesehen habe, nur angesehen habe. Und sie hat nichts mehr gesagt, nichts mehr getan. Bis ich ihr leise zugeraunt habe, dass mein Bruder es irgendwann erfahren würde.
Dann kam er mit meinem Koffer wieder runter. Sie hat mich gesegnet und mir eine gute Reise gewünscht. Nur eine gute Reise, mehr nicht. Denn sie wusste, wo ich hinkam.

Er hat mich nach Fürstenberg gefahren, eine Übernachtung zwischendurch, dann weiter ins Konzentrationslager Ravensbrück zur kriminaltechnischen Erfassung, Einkleidung, Kopfschur, Untersuchung durch SS-Ärzte. Dann ins Jugendschutzhaftlager Uckermark, anderthalb Kilometer entfernt, sechs einfache Holzbaracken, Stacheldraht drum herum, keine dichten Wände. Und die Baracken riesig, alles voller Betten.
„Hier wirst du lernen zu schweigen. Weil Schweigen unser Gesetz ist.“
Das hat er gesagt, als er mich mit einem Laufzettel den Aufsehern übergeben hat, die gleichen Uniformen wie er, nur kein Totenkopf. In diesem Lager gab es nur wenige Namen, Frau Kriminalrätin, Frau Erzieherin und die Namen der Ärzte. Wir waren nur Nummern, achtzehn pro Baracke. Wir durften nicht sprechen, den ganzen Tag nicht. Ständig war jemand in der Nähe, fast alles Frauen, nur einige Ärzte, aber jeder von ihnen war SS, war schon lange dabei, war so überzeugt, wie er sein wollte. Und man musste sehr überzeugt sein, wenn man hier war.
Wenn wir in Marschreihen zu Siemens marschierten, zu den Gutshöfen, konnte ich den Sumpf riechen, und musste an meinen Vater denken. Nie wieder Torf, nie wieder Gedanken, die zu Ideen werden, hatte er gedacht, irgendwann. Wenn auch nur kurz. Ich würde nie wieder einen Sumpf betreten können, die Sumpfblumen ansehen können, ohne an Uckermark zu denken.
Ich hatte geglaubt, ich würde das Reden vermissen, meinen Bruder. Aber das war nur am Anfang so. Später habe ich nichts mehr vermisst, gar nichts. Der Hunger hat die Gedanken aufgefressen und die Worte auch.

Die Ärzte in Ravensbrück haben versucht herauszubekommen, was uns so gemacht hat, wie man uns erkennen, aussieben und ausmerzen kann. Ich war asozial, wie mein Vater, wie meine Mutter, meine Onkel Werner.
Also hat die Ärztin mit den blonden Haaren mich vermessen, eine junge Ärztin, sicher kein hypokratischer Eid. Sie haben mir Fragen gestellt, weil sie wussten, dass wir reden wollten, nach all dem Schweigen. Und wenn wir nicht wollten, haben sie uns reden gemacht. Sie haben uns nicht geschlagen, oder so. Sondern nur erzählt, das Uneinsichtige nach Ravensbrück kommen.
Immer wieder haben sie uns ausgefragt, uns untersucht, immer wieder untersucht, meinen Kopf vermessen, mich vermessen, haben mich ausgefragt, mich meinen Stammbaum aufschreiben lassen. Ein weißes Hemd mit hohem Kragen, weiße Spitze, ein dunkler Rock. Sie schien so falsch hier, einen Moment, bis sie über uns sprach, als wären wir nicht da.
Sie sprach zu einem anderen, einem Arzt, dessen Name Dr. Ritter war. Er war immer in der Nähe, im Anzug, immer im Anzug, Halbglatze, groß und stämmig, immer mit seiner Aktentasche, braun, goldene Beschläge.
Sie schrieb über mich ein Gutachten, wie über einen Betrieb, ein Kunstwerk oder ein anderes Ding. Ich war asozial, aber nicht arbeitsscheu und stammte aus keiner erblich minderwertigen Familie. Weil das erblich minderwertig bei Scharführer Müller und Frau nicht gut angekommen wäre, nehme ich an.
Also keine Überweisung ins KZ Ravensbrück, keine Sterilisation, keine Infektion mit Syphilis oder andere Experimente. Deshalb bekam ich nur den Hunger, Hunger nach Worten, rohe Kartoffeln, geklaut, angefaulte Kartoffeln, Suppe ohne Fettaugen. Und Schläge und Arbeit, bis man einfach liegen blieb auf dem Weg. Es roch nach Sumpf, brackig, dunkel, blumig, und jedes Fall hat man überlegt, ob man sich nun totschlagen lässt.

Ich kann die Mädchen nicht vergessen, die heimlich geflüsterten Namen, damit man nicht nur eine Nummer war. Irgendeine Nummer. Die Mädchen verschwanden, aus der Baracke, Ursula, Maria, Anna, die zweite Maria, Heide wurden ins KZ überstellt, andere gingen als Arbeitskräfte irgendwohin, oder blieben liegen, Sophie, Heidemarie, wurden kalt. Erkältung war eine Lungenentzündung, Hilde, Bea, das Zahnfleisch blutete die Zähne heraus, drei Zähne bei mir, Lene warf sich in den Stacheldraht, bis sie ausgeblutet war.
In jeder Baracke eine von uns, Hilfskraft, Ortrun, später Irene, die eine von ihnen wurde, dabei war, Teil von ihnen, damit sie es durchstanden. Was ich verstehen konnte, später, damals nicht.
Für uns Schläge, hauswirtschaftliche Ausbildung, Schnitte in den Händen, wenn man es falsch machte, dann Wäsche waschen, es brannte an den Händen so furchtbar. Oder Siemens, wo wir keine Handschuhe bekamen, alle hatten Handschuhe, außer die Schutzhäftler, die KZ-häftler, manchmal ein zugestecktes Butterbrot, abgetrennte Finger an den Pressen, wenn man müde war, hungrig, nicht aufpasste.

Nach sechs Monaten die Heimreise, wie sie es bezeichnet haben. Der Herr Scharführer hatte Probleme mit meinem Bruder, und seine Frau ihn darum gebeten, wegen der Liebe Gottes. Die mich nach Uckermark brachte und wieder zurück.
Es waren nicht seine Schläge. Aber ich habe kein Wort mehr bei den Müllers gesprochen, kein Wort. Nicht ein kleines Wort. Weil Schweigen viel gewalttätiger ist, als Reden. Und habe gewartet, während ich den Boden bohnerte, die Wäsche wusch und die anderen Hausarbeiten erledigte. Ich habe bei der Feldarbeit geholfen und Kartoffeln nachgeerntet. Und habe mich von einem Ukrainer küssen lassen, weil er mindestens so einsam und gefangen war, wie ich. Aber nur küssen. Weil es Uckermark noch gab, und ich da wieder hingekommen wäre, deshalb, vielleicht, wahrscheinlich.
Ich habe gewartet, während die amerikanischen Flieger über das Haus flogen, um die Straße zu bombardieren. Gewartet, als die ersten Flugblätter fielen. Als Scharführer Müller seine Uniform verbrannte, das Bild von Himmler und die anderen Sachen. Ich habe geschwiegen, als seine Frau mich und meinen Bruder in die Kirche schleppte, um zu beten. Wobei ihr kalter katholischer Fatalismus nur an sich dachte, an ihren Mann, an meinen Bruder.

Ich habe sogar noch geschwiegen, als die Amerikaner auf ihren Kübelwagen kamen, die ersten Panzer. Weil das Schweigen so sehr Teil von mir geworden ist, dass ich einfach nicht mehr sprechen konnte. Als hätte ich es verlernt. Ich habe sie nur angestammelt, auf alles mögliche gezeigt, und geweint.
Erst als sie mich fragten, ob mein Vater in der Partei war, habe ich dann gesprochen.
„Das ist nicht mein Vater. Das ist Scharführer Müller.“
Und dann kamen die Worte wieder, die Worte vom Holzboden, die ungesagten Worte aus den Sümpfen, die Flüche, und der Schmerz. Die Uckermark, und die Namen, Sophie, Irene, Maria, die zweite Maria. Und die anderen. Und da habe ich meinen Vater endlich verstanden, wirklich verstanden. Ich habe zwei Stunden gesprochen, nur gesprochen, Wort für Wort. Und ich hätte es fast vergessen, das Reden, die Erinnerungen.
Ich habe ihnen alles erzählt, von Uckermark, von Ravensbrück, über die Sippenhaft, meinen Vater. Und sie haben mir geduldig zugehört, dort. Und haben mich mit einem Butterbrot und einer Tasse Kakao fast getötet. Weil ich so etwas nicht mehr gewohnt war.

Es ist viel Zeit vergangen, seitdem. Ich bin mir sicher, Frau Müller betet immer noch darum, mir vergeben zu können, wegen meiner Undankbarkeit. Fatalistischer Katholizismus hat halt auch seine Grenzen. Obwohl ihr Mann aus dem warmen, weichen Faschismus sicher in der Bundesrepublik gelandet war, nachdem die Amerikaner ihn entnazifiziert hatten, weil er ein so wunderbarer Bürokrat war. Wer den Terror verwaltet, kann wohl alles verwalten.


Von meinem Vater sind nur seine Worte geblieben, seine Bibel bei Freunden, unsere Erinnerungen und ich. Seinen Sohn haben sie ihm genommen, im Krieg vorläufig, nach dem Krieg endgültig.
Asozialen Nazigegnern lässt man keine Kinder, nicht mal in der Bundesrepublik. Dazu gibt es Bürokraten. Dazu gibt es Verbindungen. Dazu gibt es den Paragraphen 131, wo seine ganzen alten Freunde in ihre Ämter zurückkehren. Das Urteil blieb bestehen.
Zweimal haben sie meinen Bruder nach einem Urteil zurückgeschickt, zu den Müllers. Die Richter wollten ihn nicht aus seinem familiären Umfeld reißen. Meine Tante hatten ihren Mann an die Nazis verloren, sie war auch im Lager gewesen und krank. Zu krank für eine Familie. Mich haben deshalb in ein Heim abgeschoben, weil da gerade so viel Platz war, nach Euthanasie und den Jugendlagern. Die Wärter waren noch gut trainiert und haben mir die Worte wieder abgenommen, herausgeprügelt.

Deshalb habe ich aufgehört zu sprechen, weil eine Stimme immer jemanden braucht, der zuhört. Aber sie haben mir nicht zugehört, damals, danach, heute nicht. Nur ein Ukrainer hat das getan, ein junger Amerikaner. Alle anderen wollten nur, dass ich schweige.
Deshalb hat mein Bruder keinen Namen mehr, in meiner Erinnerung. Weil sie mir alles genommen haben, außer diesem Namen. Dieser Name hat mich durch die Jahre gebracht, und ich habe immer wieder versucht zu ihm Kontakt aufzunehmen. Er wollte es aber nicht hören, nicht wissen. Weil sein Name Müller ist.
Bis ich aufgegeben habe, irgendwann.
Heute flüstere ich seinen Namen, wenn ich träume und zurückgehe nach Uckermark, jede Nacht. Wenn ich wieder dort bin, und schweigen muss und nicht mehr schweige. Wenn ich aufschreie, dort und endlich sprechen kann, wie mein Vater.
Aber im Altenheim sprechen ich ihn nicht mehr aus, weil sein Name für mich gefährlich war, ist, in Uckermark, hier, heute noch.

Nur heute spreche ich ihn aus, erzähle noch einmal alles, mit einer Stimme, die des Sprechens müde ist und es fast verlernt hat. Die Worte haspelt und hinterhaischt, verliert und wieder zusammensetzen muss.
Weil jemand da ist, der zuhört, endlich zuhört. So jung ist er, und er ist der Sohn des Sohnes meines Bruders, und der gibt den Dingen ihre Namen zurück. Sogar in der Familienbibel.

-Fin-

(c) Thomas Roeder

(Siehe auch einige Hinweise zu den Quellen unter dem Label "Ergänzungen zu Kurzgeschichten2.)

Freitag, 28. März 2008

Das Deutsche Literaturinstitut Leipzig und Kreatives Schreiben in Hildesheim

Wer in Deutschland literarisch Schreiben wird, der kann das u.a. an zwei deutschen Universitäten lernen.

Das Deutsche Literaturinstitut Leipzig
In Leipzig gibt es das Deutsche Literaturinstitut Leipzig (siehe auch Wikipedia dazu), das DLL, an dem man (auch ohne Hochschulreife) nach dem früheren Diplom inzwischen den Bachelor of Arts und bald auch den Master of Arts im Bereich Schreiben machen kann. Bedingung ist neben allerlei Formularkram "aussagekräftige " Arbeitsproben.
Das DLL setzt seit 1995 die Tradition des 1955 gegründeten Instituts fort (hierzu die Zeit vom 18.11.2004), dass seit 1958 zur Hochschule Leipzig gehörte und ab 1959 als Johannes-R.-Becher Institut formierte. In den Bereichen Prosa, Lyrik und Dramatik wurden dort Autoren der DDR weitergebildet und konnten über das Institut viele Kontakte in die Literaturwelt schaffen.
Seit der Neugründung 1995 hat das DLL sein Zentrum auf die Ausbildung junger Schriftsteller gelegt. In einem Diplomstudiengang wurden die jungen Autoren systematisch in Prosa, Lyrik und Dramatik geschult und über literaturwissenschaftliche Seminare, sowie "Arbeitsgruppen" sowohl theoretisch und praktisch ausgebildet.
Dabei gibt es am DLL sowohl Literaturwissenschaftle und auch Schriftsteller als Professoren und Lehrkräfte, so dass die Ausbildung möglichst breit gestaffelt ist und einen Einblick von zwei Seiten in den Literaturbetrieb anbietet. Die Aufnahme ist jedoch nicht gerade einfach, weil sich auf die wenigen Studienplätze über 600 Personen jedes Jahr bewerben.

Die Leipziger "Diplomschriftsteller" haben in den letzten Jahren besonders beim Open Mike und anderen Literaturwettbewerben viele Preise gewonnen. Zudem kann man über das DLL und die eipziger Buchmesse gute Kontakte in die Literaturszene schaffen. Und nicht zu vergessen: Juli Zeh und Clemens Meyer sind beide sehr erfolgreiche Absolventen des DLL, es gibt jedoch auch viele weitere Veröffentlichungen.

Die Kritik am DLL richtet sich meist an zwei Punkten aus:
Es wird dem DLL oft vorgeworfen, dass seine Absolventen einen stark an Carver ausgerichteten Stil pflegen, der sie oft austauschbar erscheinen lässt. Ein weiterer zentraler Vorwurf ist, dass man zwar am DLL erlernen kann, wie man erzählt, leider, so der Vorwurf, haben die meisten Absolventen des DLL nichts, was sie erzählen könnten, weil ihnen die Erfahrungen fehlen,

Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Uni Hildesheim:
Der Schriftsteller Hans-Josef Ortheil hat vor einigen Jahren an der Uni Hildesheim einen Studiengang für kreatives Schreiben eingerichtet, wo er immer noch als Professor arbeitet.
Wie auch am DLL muss hier eine künstlerische Zulassung erreicht werden, indem dementsprechende Arbeitsproben eingereicht werden muss, wobei ein Abitur oder ein vergleichbarer Abschluss Pflicht ist.
Im Zentrum dieses Studiengangs steht neben dem literarischen Schreiben lernen auch Kulturjournalismus und die Vermittlung von Kultur, siehe z.B. den aktuellen Lehrplan .

Auch hier gibt es eine enge Zulassungsbeschränkung, so dass auch hier weit mehr Personen sich bewerben, als zugelassen werden können.

Donnerstag, 27. März 2008

Motivierung als Teil der Charakterisierung

Wenn man Menschen es eine Zeit beobachtet, gibt es einen Augenblick, indem deren Sehnsüchte und Wünsche deutlich werden. Das sind oft genug sich widersprechende Wünsche und Gefühle, weil wir als Menschen uns oft nicht über sie klar sind. Oft genug scheitern wir an ihnen, was aber nicht bedeutet, dass sie verschwinden.
Es ist nicht einfach zu erkennen, was andere Menschen vorantreibt. Bei den meisten Menschen braucht man eine gewisse Nähe, um diese Dinge zu erkennen, und einen bestimmten Abstand, weil Nähe blind macht. Weshalb es besonders schwierig ist zu erkennen, was einen selbst vorantreibt.

Wenn man eine Figur für einen Roman schafft, dann braucht man einen Grund, warum eine Figur handelt, wie sie handelt. Dies bezeichnet man als Motivation, man könnte das auch als Sehnsüchte und Wünsche der Figur bezeichnen. Diese Motivation muss nicht in jeder Szene spürbar sein, aber sie gibt der Figur eine besondere Dynamik, einen Grund, eine Absicht und ein Ziel. Es macht die Figur stark in dem Sinne, dass die Leser die Gründe dieser Figur nachvollziehen kann. Und das macht eine Figur besser, weil der Roman dadurch einen nachvollziehbaren Ablauf bekommt.

Arten von Motivation:
Es gibt zwei unterschiedliche Arten mit Motivation umzugehen: offen und nicht offen.
Offen bedeutet, dass ich die Motivation schnell einführe, und sie relativ klar zu erkennen ist- indem ich sie z.B. in Worte fasse oder direkt thematisiere. Dabei zeige ich aber nur begrenzt, wie es dazu gekommen ist.
Nicht offen bedeutet, dass ich die Motivation nur andeute, indem ich sie zeige, und die Handlungsweisen der Figur erst nach und nach klarer in eine Motivation einzuordnen sind- wobei oft der Hintergrund der Motivation gezeigt wird und somit die Motivation geklärt.

Variante 1 (eine offene Motivation)
Der einfachste Weg ist eine Motivations als Logikkette und mit einer Motivation, die sich der Handlung unterordnet. Eine Figur gerät durch einen Zufall in eine Verschwörung und versucht sie aufzuklären, um danach sein altes Leben weiterleben zu können (handlungsbezogene Geschichte). Dieser Wunsch wird immer wieder geäußert und treibt die Handlung voran.
Das einzige Problem ist, dass eine solche Figur nicht wirklich glaubwürdig ist: Denn die meisten Menschen haben unterschiedliche, teilweise sich widersprechende Gefühle und Motivationen.

Ein anderes Beispiel (figurenbezogene Geschichte) wäre: Das Kind/ der/die Jugendlich(e) A will ein normales Leben, ist aber Sohn/ Tochter einer alleinerziehenden Hippiemutter- also versucht sie die Mutter umzukrempeln. Dazu mischen wir noch etwas Nachbarn und Freunde der Tochter/ des Sohnes bei, einen interessanten konventionellen Mann, und wir haben eine Grundmotivation für einen Roman.
Vermutlich würde man dies relativ schnell einführen, vielleicht am Anfang des Romans, nachdem man die Hippiemutter und die Tochter/ der Sohn kurz vorgeführt hat, und dann die Figur A sagt: Ich will doch nur ein normales Leben.
Die schnelle Einführung der Grundmotivation der Figur- Sehnsucht nach konventionellem Leben- den gesamten Roman dominieren. Das ist etwas eindimensional aber eine sehr deutliche Motivation.

Diese Variante unterscheidet sich von zwei darin, dass die Figur auf eine Motivation beschränkt bleibt.

Variante 2 (zwei sich widersprechende offene Motivationen)
Die zweite Variante wäre während des Verlaufs eine widersprechende Motivation einzuführen:
Die von der Handlung getriebene Figur, die nur versucht in ihr altes Leben zurückzukommen, entdeckt im Verlauf, dass das alte Leben nicht toll war und möglicherweise die Handlung ihn und seine Motivation verändert.
So könnte dann die Figur beginnen die Handlung zu übernehmen, und sich nicht nur von ihr vorantreiben zu lassen. Immer wieder könnten die beiden unterschiedlichen Motivationen aufeinander treffen und zu Problemen führen.
Beim zweiten Beispiel wäre es so, dass die Hippietochter oder der Hippiesohn während der Handlung entdeckt, welche Vorteile sein Leben hat, und das gar nicht alles schlecht ist. Vielleicht merkt er dann, dass sein Leben durch die Mutter schwierig ist, aber frei. Und das andere ein leichteres Leben haben, aber nicht frei sind.
Auch dieser Widerspruch könnte nach und nach aufgelöst werden, und somit die Handlung bereichern.

Variante 3 (offene und nicht offene mehrfache Motivation)
In diesem Fall gibt es mehrere sich ergänzende und widersprechende Motivationen, die teilweise offen (Hauptmotivationen) und teilweise nicht offen auftauchen.

Im handlungsgetriebenen Plot könnte die Figur neben der Hauptmotivation (Altes Leben zurück; das war aber nicht so toll) noch weitere Motivationen erscheinen: z.B. ein wirkliches Interesse an der Lösung der Situation, vielleicht ein Engagement im Umweltbereich (begründet in eigenen Erfahrungen), die die Figur in die Handlung bringen.Somit wird eine von der Handlung getriebene Geschichte persönlicher und damit, meiner Meinung nach stärker.
Die Gefahr ist, dass den einzelnen Motivationen nicht genug Raum gegeben wird, damit sie wirken- so dass sie sich sogar aufheben und den Leser verwirren. Deshalb ist es besonders wichtig die einzelnen Motivationen ihren Raum zu geben, damit sie deutlich werden und wirken, und nach und nach die Motivationen einzuführen und dabei "klar" zu bleiben.

Variante 4 (nicht offene Motivation)
Diese Variante ist etwas spielerischer als die offene Motivation: Es gibt keine Szenen, in denen die Motivation gezielt offen gelegt wird. Statt dessen wird immer wieder die Handlung durch die Motivation bestimmt, und nach und nach erfährt der Leser wie es zu dieser Motivation gekommen ist.
Das bedeutet eben auch, dass eine Figur eine ganze Zeit ohne erkennbare Motivation vor sich handelt- und nur kleine Andeutungen vorkommen.
Auf die Beispiele übertragen, bedeutet das beim handlungsgetriebenen Plot, dass die Figur nie thematisiert, dass sie ihr altes Leben zurück haben möchte, sondern es zeigt- indem sie mal seufzend in die Brieftasche sieht oder ähnliches. Beim figurengetriebenen Plot wird an der Handlungweise des Sohnes / der Tochter deutlich, was er eigentlich möchte.

Dies ist weniger deutlich, als bei der offenen Motivation, weil nicht die Motivation thematisiert wird. Deshalb muss recht klar gearbeitet und die Motivation eng zerzahn werden.

Variante 5 (nicht offene zwei- oder mehrfache Motivation)
Im Prinzip wird hier die grundlegende Motivation mit weiteren Motivationen ergänzt, so dass gerade durch die nicht offene Thematisierung zuerst nicht klar ist, was die Figur will. Das macht es einerseits schwierig, weil man viel genauer arbeiten muss, damit der Leser nach und nach entdeckt, warum eine Figur handelt, wie sie handelt. Zudem kann es passieren, dass zu viele Motivationen den Leser verwirren oder die unterschiedlichen Motivationen sich gegenseitig aufheben, weil zu schnell gewechselt wird. Es ist also wichtig klar zu machen, was ist die wichtige Motivation und den einzelnen Motivationen genug zusammenhängenden Raum zu geben, dass sie wirken können.

Gleichzeitig kann man so wesentlich breiter die Motivation einbringen, ergänzend und widersprechend, so dass der Leser wirklich das Gefühl hat, die erfundene Figur handelt so vielfältig wie die meisten Menschen.

Fazit:

Letztlich hängt die Wahl von offener und nicht offener Motivation, sowie die Wahl der Motivationszahl, einerseits vom Ziel des Romans ab, und andererseits wie gut man mit Motivationen als Autor umgehen kann.
Der komplexe Umgang mit Motivationen macht die Figuren lebendiger und echter und ist dementsprechend besonders wichtig. Gleichzeitig muss jede Motivation genug Raum bekommen, klar genug sein und verständlich, weil sonst der Leser völlig verwirrt wird.
Offene Motivationen sind leichter einzubauen, kürzer darzustellen und leicht verständlich. Geschlossene oder nicht offene Motivationen sind schwieriger, wirken aber stärker.

"Es macht ding und dann dong"- Zum Perlentaucherartikel

Durch ein Essay im Perlentaucher ist im Autorenforum Montsegur eine Diskussion über Clemens Meyer entstanden, worüber ich zufällig schon in einem anderen Blogeintrag geredet habe: "Gibt es Leben an der Oberfläche". Deshalb hier auch noch mal den Verweis auf das Label Clemens Meyer und einen weiteren Beitrag dazu:

Ich finde die Diskussion über Clemens Meyer und seine Texte insgesamt ziemlich Deutsch. Denn der Perlentaucher und andere spekulieren gerade, was passiert, wenn Clemens Meyer nun seine Themen wechseln würde und welche Auswirkungen das auf seinen Stil hätte.
Offensichtlich haben sie aber nicht gelesen, was Clemens Meyer immer wieder als seine Vorbilder bezeichnet hat: Denn es gibt in der USA eine literarische Tradition für diese Literatur, und in dieser Tradition wird die Stilistik anders gehandhabt als in Deutschland. Dort geht es darum mit einer einfachen Sprache zu schildern, weil es eine ehrliche Sprache ist, die zu den Figuren passt.

In Deutschland gibt es zwar einige Autoren, die ähnliche Themen bearbeitet haben, aber in der Stilistik einem deutschen Nebenweg gefolgt sind: Abgrenzung von den Themen und den Figuren. Weil in Deutschland die sogenannte H-Lit. eben eine Mittelschichtliteratur ist, und darin u.a. auch ihr Verbreitungsproblem bedingt ist. Und, wie viele Berichte zeigen, wird in Deutschland H-Lit. eben über gewisse stilistische Merkmale definiert- was mit schwierigen Perspektiven beginnt, daraus und dazu Distanz, einerseits einem Carverstil, andererseits über die reichliche Auflockerung des Carverstils durch Metaphern weitergeht, bis hin zum komplexen Satzbau und in Teilen dem Verzicht auf Spannung (s. Handke) und dem Credo: Spät in die Szene und möglichst schnell wieder raus.
Wer barock schreibt, wie es Grass immer wieder vorgeworfen wird, also reich in Sätzen, breit in den rhetorischen Figuren, mit langen Szenen, der wird deshalb schon angefeindet.

Wer aber mit Carver bricht, (der übrigens von seinem Lektor auf diesen Stil runtergekürzt wurde), der hat definitiv in Deutschland ein Problem. Per Definition kann er halt nicht den Carver markieren, sondern wird auf seine Abweichung von diesem Stil festgetackert- ohne je zu hinterfragen, ob es nun richtig ist, wenn man Sätze des Carverstils absolut auswechselbar zwischen unterschiedlichen Büchern herschieben könnte.
Es wird behauptet, seine Entscheidung für einen Stil wäre nur darin begründet, dass er nicht anders könnte. Da wird dann die unterschiedliche Gestaltungshöhe einzelner Passagen als Angriffsfläche genommen, einzelne Sätze aus dem Zusammenhang gerissen, oder auch bestimmte Verbverwendungen. Das dies nicht sonderlich aussagekräftig ist, wird unterschlagen, genau wie, dass man jeden Text durch Zerlegung banalisieren kann.

Letztlich ist das eine Blase, der Versuch zu erklären, warum Clemens Meyer sich im Gegensatz zu so vielen anderen deutschen Autoren "frisch" anhört und dementsprechend interessant ist.
Daraus wird eine vorübergehende Mode konstruiert, der Abgesang auf seine Texte vorbereitet und Clemens Meyer als Proll bezeichnet. Nichts davon lässt sich sachlich wirklich begründen.
Mein Ratschlag: Mal den alten Mann und das Meer lesen. Vielleicht wird dann klar, dass Stilistik nur ein Medium ist, und kein Selbstzweck. Und das nicht der Stil einen Text zu dem macht, was er ist, sondern auch die Tiefe und der Inhalt. Aber vielleicht habe ich Unrecht.

Mittwoch, 26. März 2008

Rückkehr zum Schreiben

Es gibt nichts schlimmeres als einen Schriftsteller, der nicht schreibt. Weil er in dieser Zeit von einem Teil seines Lebens abgetrennt ist, wenn man das Schreiben als Leben bezeichnen möchte.
Genau das ist mir passiert, nachdem ich die Hausarbeit am 12. abgegeben habe. Ich habe einfach nicht die Kraft gefunden zum Schreiben zurückzukehren, nachdem ich am Anfang des Monats damit aufhören musste, um die Arbeit fertig zu bekommen.
Seit zwei Tagen versuche ich den Schweinehund ohne mich Gassi zu schicken und um jeden Preis zu schreiben, von der kleinen Prosaarbeit vor ein paar Tagen einmal abgesehen.

Heute habe ich es geschafft. Ich schreibe wieder und bin vollständig. Wundervoll.

Dienstag, 25. März 2008

Warum es kaum noch Happy-Ends gibt?

Eine der Erfahrungen des Postmodernen Romans ist: Eine einzelne Person ist nicht Herr seines Schicksals und somit folgt sein Schicksal einer Welt, für die es ihn als Handelnden gar nicht gibt, die wahllos, freundlich wie grausam ihn umhertreibt, bis er zuletzt an das Gestate des Ende geworfen wird: Und somit ist das geworfen werden Teil eines modernen Endes. Wie könnte es da zu einem Happy End kommen, wenn die Hauptfigur nur ein Geworfener ist und nicht Herr seines Schicksales, und das, was er tut, keinen oder kaum einen Einfluss auf sein Schicksal hat.

Deshalb empfinde ich z.B. ein Happy End meist als aufgesetzt, weil es im Leben meistens keine Happy Ends gibt: Denn auch wenn der postmoderne Roman übertreibt, ist es doch die Erfahrung, dass ein Ende, in dem sich alles in zuckerweichem Schaum auflöst, gelogen ist und reiner Eskapadismus. (Dementsprechend ist es bei Eskapadismus sogar in Ordnung).
Und die Spannbreite zwischen einem Happy End und einem bösen Ende, neigt sich, wenn man nicht an die Folgen der Handlungsmacht der Hauptfiguren glaubt, auch in eine bestimmte Richtung.
Denn es gibt ja auch keine klassischen Liebesromane in der Literatur mehr, weil die Liebe, wie man in französischen Filmen sehr schön sehen kann, immer nur noch als Handlungspunkt zwischen den Extremen, zwischen den innerlich unglücklichen stattfindet, und ohne ein Glauben an eine ewige Zukunft. Und spätestens am Ende wird das kommende Scheitern ankündigt.

Montag, 24. März 2008

Dreizehn!

Schreiben ist immer auch erinnern, auch wenn es nicht immer die eigene Erinnerung ist. Das Fiktive kann nur glaubwürdig werden, wenn es glaubwürdig ist. Und das kann es nur, wenn das Erfundene tief mit dem Erinnern verbunden ist und selber in Teilen über die Übertragung Erinnern ist. Deshalb sollte man sich bestimmte Erlebnisse immer wieder vergegenwärtigen, weil sie so sehr Teil des Selbstbildes, wie auch des Zentrum der Kreativität sind.
Mit dreizehn war ich gerade in Niedersachsen von der Sekundarschule (5. und 6. Klasse in einer Zwischenschule) ins Gymnasium gewechselt und die Schulklassen bildete sich neu. Ich war sofort draußen, bevor es das drinnen überhaupt gab. Denn ich hatte wegen massiven Kortisonbehandlungen in den letzten drei Jahren mein Gewicht fast verdoppelt und hatte auch das Kortisongesicht. Somit war ich die Definition von Außenseiter, den Gleichaltrige nicht wirklich bemerkt haben- und der dann die Aufmerksamkeit von Erwachsenen gesucht hat, und andere Außenseiter.
Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass die schwere Pubertät die Dinge nicht gerade leichter gemacht hat. Sich selber zu suchen ist schwerer, wenn alle anderen sich darüber definieren, dass man nicht zu ihnen gehört.
Wenn man Situationen aus dieser Zeit zurück ins Gedächtnis ruft, dann habe ich ein reiches Reservoir an erlittenen und selbstverschuldeten Demütigungen und Niederlagen, ein wenig unglückliche Liebe und viel Verzweiflung.

Eine unglückliche Kindheit bietet viel Stoff für alle möglichen Geschichten...

Samstag, 22. März 2008

Autorenforum Montsegur: Die Unterabteilung Köln trifft sich wieder)

Heute treffen sich einige Montsegurautoren in Köln, und ich bin wie immer total gespannt über die vielen Branchenneuigkeiten, und was einige liebe Kollegen seit dem letzten Mal erlebt haben. Denn wenn es eine Sache gibt, die Autoren brauchen, sind es andere Autoren (o.k. ich unterschlage gerade Inspiration, Selbstvertrauen, Ideen und Tausend andere Sachen).

Ich freue mich.

Freitag, 21. März 2008

Gibt es Leben an der Oberfläche... Der Boulevard

Wenn man sich den Boulevard einmal ansieht, dann schwimmt er an der Oberfläche. Es geht um die Vereinfachung komplizierter Themen und die Darstellungen von bestimmten Menschenbildern, immer auf das ungewöhnliche und spektakuläre beschränkt- und oft genug wird die Wirklichkeit an die Darstellung angepasst.
Die Promitratsch und -klatsch einmal angesehen, der sich heute Peoplejournalismus nennt, gibt es aber auch wirkliche Menschen, deren Leben im Boulevard landet- auch wenn es dann meist das extreme Leben ist.Aber auch wenn das oft behauptet das Gegenteil behauptet wird, dieses Thema gehört auch in die Literatur.

Der wunderbare Clemens Meyer schreibt nicht über die üblichen Figuren der Literatur und seine Themen sind auch oft unüblich, wenn auch meist nur in der Ausgestaltung, nicht in ihrem Grundtenor.
Iris Radisch hat seine Texte beim Ingeborg-Bachmann-Preis als Unterschicht-Kasperletheater bezeichnet. Clemens Meyer beschreibt ein bestimmtes Milieu, was eben nicht die üblichen Mittelschichtgeschichte der meisten Texte entspricht oder entsprochen hat. Aber vielleicht ist das nicht sein Fehler, sondern eine Fehlschärfe unserer Literatur. Denn wo steht geschrieben, dass nur Personen aus der Mittelschicht als Figuren für die Literatur taugen, und nur ihre Probleme die Handlung bestimmen dürfen. ( Mal ganz davon abgesehen, dass viele wunderbare amerikanische Autoren wie Heimingway oder Steinbeck gerade über die gleichen Menschen geschrieben haben, wie Clemens Meyer.) Literatur ist ein Zugang zur Wirklichkeit über die Fiktion- und die Wirklichkeit besteht, entgegen der Behauptung einiger, eben aus einem breiten Feld.

Wenn nun bei der Dokumentation über die Buchmesse ein Journalist Clemens Meyer gefragt hat, ob er ein Proll sei- weil er in einer Champusgesellschaft eine Flasche Bier getrunken hat, tatöwiert ist und schreibt, was er schreibt- dann hat er etwas nicht verstanden. Wie viele Autoren schreibt Clemens Meyer nicht über sich und sein Umfeld. Sondern nimmt Geschichten auf, die er erlebt oder gehört hat, und verwandelt sie in Literatur. Wenn ihn das zum Proll macht, dann fehlt der Literatur so etwas, und ich kann nur hoffen, dass es bei mir noch mit den Tatöwierungen klappt (Ich sage nur Allergien)- ein bißchen Prollsein muss ich dann auch üben.
Gehört also der Boulevard in die Literatur: Nein. Denn sein Umgang mit Menschen hat nicht mit diesen zu tun. Aber die Literatur sollten sich nicht den Themen verweigern, die im Boulevard aufgenommen worden sind, sondern so breit wie möglich arbeiten. Und dazu gehört Mut.

Vielen Dank, Clemens Meyer.

Donnerstag, 20. März 2008

Sprache und Melodie

Sprachmelodie ist ein Gefühl und nur schwierig zu erklären, und meine Meinungen dazu sind sachlich schwer zu begründen und sicherlich nur begrenzt tauglich zum Verständnis. Trotzdem ein paar Worte dazu, nachdem eine Kollegin dazu bei Montsegur eine Frage gestellt hat.

Ein Baby beginnt unsere Sprache zu lernen, indem es beginnt den Zusammenhang von Tönen und der Grammatik intuitiv zu begreifen und nach und nach die Begriffe beginnt einzuordnen. Die Musikalität unserer Sprache wird durch viele Dinge bestimmt: Das beginnt beim Satzbau, der Wahl der Worte für einen Satz, den Auswahl der Worte durch den Klang der Konsonanten und Vokale, durch die kleinen Worteinsprengsel, der Verwendung der Adjektive und Adverben, dem Wahl von rhetorischen Figuren und wie man mit Worten aus dem Satz hinausführt und hinein, wie die Sätze miteinander verbunden sind.
Deshalb komponiere ich Sätze. Deshalb versuche ich zuerst einen Grundton für den Roman festzulegen, der sich überall findet, indem ich eine ähnliche Struktur dafür festlege- wobei diese Struktur sich weitgehend intuitiv letztlich in den Roman überträgt. Dabei bedingt natürlich die Szene oder der Augenblick eine Variation, wie ich also das Tempo des Romans in die Geschichte bringe.

Oder mal konkreter:
Viele Wortarten sind sehr bildlich, wie z.B. Adjektive oder Adverben. Dabei unterscheidet sich ihre Bildlichkeit danach, wie oft sie mit dem Hauptwort oder dem Verb verbunden werden, wie präzise sie sind (weiß ist ungenauer als elfenbeinfarben), und wie stark sie sind (bzw. wie weit sie aus der Geschichte ins Bild führen).
Aber auch Substantive können bildreich sein: Ein Ford Ka ist bildreicher als Kleinwagen, der wieder bildreicher als Auto ist.
Dementsprechend verwende ich fast immer bildreiche Varianten, wobei ich aber nur in Einleitungen oder Ausleitungen, sowie in der Mitte der Szene, im retardierenden Moment viele bildreiche Varianten verwende, während ich sonst nur Höhepunkte setze.
Zu viele Adjektive geben aber z.B. einen Kaugummiton. Der Satz wird unpräzise und ausgedehnt, durch die Verweise aus dem Text zerfasert. Deshalb verwende ich nur noch sehr wenig Adjektive. Ich verwende z.B. auch gerne Einsprengsel, wie so, vielleicht, irgendwie und ähnliches, um meine Aussagen zu relativieren- besonders weil die Sätze dann weiterführen, statt abgeschlossene Statements zu bilden. Substantive sind in der Häufung der Tod eines Erzähltons, weil ein Text durch die Betonungsgewöhnung von Substantiven dann in der Sprache hüpft oder auf einer Höhe stagniert. Deshalb ist das eigentlich nur in Erklärungen verwendbar. Verben geben einem Text eine Dynamik, (oder in Klemmsätzen sperren sie die Dynamik), weil sie die Sätze ordnen, strukturieren und gliedern. Somit sind sie ein Spielfeld, um einen Text enorm schnell zu machen- wer also die Sätze auskürzt, beschleunigt das Tempo. Gleichzeitig entsteht das höchste Tempo dann, wenn man aus den Grundsätzen noch das Verb kürzt.

Letztlich entsteht aus all dem mein Schreib- oder Erzählton, die besondere Sprache der Figuren und letztlich ein musisches Erlebnis (wie ich zum mindest hoffe), wenn jemand den Text liest.

Mittwoch, 19. März 2008

Geschlecht der Hauptfigur

Wenn man eine Untersuchung über die Lesegewohnheiten von Männern und Frauen macht, dann wird man eine Sache feststellen, die ich ein wenig bezeichnend finde: Die meisten Frauen (und Mädchen) haben kein Problem damit, sich in eine männliche Hauptfigur zu versetzen. Das bedeutet, dass das bei vielen Richtungen und Genres keine Rolle spielt. Es gibt jedoch bestimmte Richtungen wie z.B. beim historischen Roman, wo es einen eigenen Bereich mit weiblichen Hauptfiguren gibt- die sich gerade über die weibliche Hauptrolle und dementsprechende Titelwahl verkaufen. Dazu gibt es bestimmte Richtungen, die sich fast nur an eine weibliche Zielgruppe orientiert: z.B. Pferderomane, Liebesromane,...

Die meisten Männer (und Jungen) haben ein Problem sich in eine weibliche Hauptrolle einzufühlen und ziehen deutlich Romane vor, bei dem ein Mann/ Junge in der Hauptrolle zu lesen ist.
Das bedeutet, dass diese Männer gerade oft besonders deutlich bestimmte Männerbilder vertreten und dies und die Wahl der Hauptfigur recht wichtig für die Entscheidung ist.
Und klar, es gibt bestimmte Bereiche oder Genres, die sich weitgehend an eine männliche Zielgruppe richten, von Western bis hin zu Scifi.

Dementsprechend ist es einfach festzuhalten, dass die Wahl einer bestimmten Schreibrichtung oft genug auch schon die Wahl des Geschlechts beinhaltet. So traurig das auch ist.

Dienstag, 18. März 2008

Distanz

Wenn man sich den postmodernen Roman ansieht, dann ist eine der Grundfesten der letzten Jahre die Distanz. Eine empathische Annäherung des Lesers wurde vermieden, um einen weiteren Blick auf die Handlung und die Figuren zu erlauben- sozusagen den Blick aus der Nähe in das Weite zu führen, aus der Emotion in den Verstand. In gewisser Weise folgt der postmoderne Roman damit dem modernen Roman wie z.B. bei Thomas Mann oder dem realistischen Roman wie z.B. bei Theodor Fontane, wo ein allwissender Erzähler praktisch über der Handlung schwebte- und somit schon eine Distanz an sich durch diesen Erzähler entstand.

Im postmodernen Roman wurde aber oft die Erzählung an sich hinterfragt, indem die Perspektive in der Geschichte aufgedeckt wurde, in Frage gestellt wurde wer diese Geschichte erzählt oder die Fiktion eines Erzählers aufgehoben wurde.
Wenn man sich aktuelle Romane ansieht, dann gibt es kaum noch allwissende Erzähler. Dies wird inzwischen oft durch die Art der Erzählung übernommen: Die gesamte Handlung wird enorm gerafft, konzentriert mit langen Passagen reinen Erzählens und Auswertens, und kurzen Szenen, wo spät hinein- und früh hinaus gegangen wurde. Einen klassischen Erzähler, also eine erkennbare Person, die die Geschichte erzählt, gibt es inzwischen wieder öfter, sie ist auch Hauptperson, aber deutlich distanziert zur erzählten Handlung- indem sie rückschauend und erklärend berichtet. Aber ist Distanz immer die Wahlmöglichkeit, um einen besonderen Blick auf eine Figur zu werfen????

Gerade diese Frage wurde immer wieder auch in modernen, postmordernen und aktuellen Romanen hinterfragt:
Denn Distanz führt eben dazu einen Menschen in kleine Sichtstücke zu zerschneiden und eines unser grundlegenden Wertungsmechanismen aufzugeben: Unsere Gefühle. Denn vielleicht verzerren unsere Gefühle den Blick, aber machen sie nicht auch unseren Blick aus. Darf man die Figuren nicht mögen, hassen, ablehnen? Wohin würde eine Geschichte führen, die sich ihren Figuren auf eine solche Weise nähern?
Truman Capote hat in "Kaltblütig" gewagt sich seinen Figuren (und den realen Personen dahinter) so sehr anzunähern, dass er danach kaum mehr geschrieben hat. Andere Autoren bemerken, dass diese Distanz auch immer ein Schutz des Autoren ist. Sich selber von etwas zu distanzieren, erlaubt oft die Geschichte besser zu erzählen, vielleicht auch objektiver.
Aber die Figuren werden glaubwürdiger und realer, wenn man die Einfühlung selber vornimmt und erlaubt. Auch wenn man dann ihnen vielleicht auf den Leim geht, ihnen nachgeht, sie oder ihre Geschichte aufhübscht oder aufschönt, ihre Qualen vermeidet. Weil Distanz es leichter macht grausam zu sein, und ich werte grausam nicht als negativ, weil es oft notwendig für die Geschichte ist.
Letztlich ist Distanz also eine Entscheidung, bei der man auf sich Rücksicht nehmen muss (Kann ich das?), das WOZU der Geschichte (Was will ich eigentlich mit dieser Geschichte?) bedenken muss und vieles mehr.
Letztlich sollte man Distanz nicht so wichtig nehmen, wie sie genommen wurde. Denn sie ist eine Wahl, und ein Mittel. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn auch ein wichtiges Mittel.

Montag, 17. März 2008

Die Gefahr des Vorbilds!

Viele Autoren starten ihr Schreiben, indem sie ihre Geschichten mehr oder minder sanft an einem Vorbild anlehnen. Das hat sicherlich ihre Berechtigung, weil es wesentlich leichter ist sich an jemanden anzulehnen, als von Anfang an einen eigenen Stand zu suchen. Gleichzeitig führt dies aber dazu, dass Autoren sich zu sehr an einen fremden Autor anlehnen und sich kaum davon befreien können. Ganz einfach weil einem Vorbild zu folgen, wesentlich leichter ist. Denn dieser Weg zum Leser ist schon gegangen- von einem anderen.
Viel schwieriger als das ist jedoch, dass jeder Autor seine persönlichen Stärken und Schwächen hat und die Autoren, an die man sich anlehnt, oft andere Stärken und Schwächen haben.
Das führt oft dazu, dass die eigenen Stärken nicht zum gewählten Autor passen und so die Highlights, das Besondere an den Texten fehlt. Manchmal werden auch die eigenen Schwächen überdeutlich: Wer bei der Verwendung von Metaphern öfter mal danebengreift, und sich einen Autor aussucht, der dies als besondere Stärke hat, schwächt seine Texte ungemein.
Zudem ist ein weiteres Problem, dass es schwierig ist als Autor zu wachsen, wenn man sich neben einen Riesen stellt, und versucht so groß wie der Riese zu sein. Das führt oft zu Scheinriesen, also Autoren, die sich wahnsinnig freuen, wenn ihre Texte mit dem berühmten xy verglichen werden, aber enorm frustriert sind, wenn dann da steht: liest sich wie ein mittelmäßiger xy Text oder noch schlimmeres.
Daraus entsteht aber noch eine weitere Gefahr: Ein eigener Stil entwickelt sich daraus, indem man unterschiedliche Sachen ausprobiert und herausfindet, was einem liegt und was nicht. Die konzentrierte Arbeit an bestimmten Dingen prägt dann, wie man mit einem bestimmten Handwerkspunkt umgeht- und daraus entwickelt sich auch der eigene Stil. Und auch die Themenwahl spielt eine wichtige Rolle- wie man sich Themen nähert.

Wer aber als Autor keinen eigenen Stil entwickelt, egal wie stark dieser ist, bleibt nur Nachfolger oder Nachgänger, Schatten eines Autoren- und wird darüber hinaus nicht gelangen. Dabei muss der eigene Stil nicht mal unbedingt überdeutlich zu erkennen sein, es reicht schon, wenn der immer wieder spürbar ist. (Übrigens auch ein guter Kaufanreiz, weil die Bücher erkennbar und dem Autor zugeordnet werden).
Deshalb sollte man mit seinen Vorbildern gnädig sein, und sich anlehnen und distanzieren, an ihnen wachsen und neben ihnen frei zu wachsen. Und auf die eigenen Stärken vertrauen und die eigenen Schwächen zu entdecken. Denn viel zu viele Autoren können sich von ihren Vorbildern nicht frei machen und schaffen es nie zur eigener Stärke zu finden.

Gleichzeitig ist es natürlich leichter, sich an einen Autor anzulehnen, wenn man verkaufen will. Aber das erfordert gründlich Auswahl an den eigenen Stärken und Schwächen, und nicht an den eigenen Vorbildern. Weil sich so etwas besser verkauft, als ein eigener Stil- der zuerst seine Leser finden muss.
Aber irgendwie ist das unbefriedigend, für mich zumindest.

Sonntag, 16. März 2008

Wie schreibt man einen Roman fertig?

Für die meisten Autoren ist es eine enorme Herausforderung einen Roman zu schreiben: Über eine Frist von drei Monaten bis mehreren Jahren konsequent an einem Text zu arbeiten, erfordert einiges von einem Autor und vom Text. Denn ein Text besteht aus allerlei Zutaten, die zusammen ein schmackhaftes Zusammen ergeben müssen, bei dem die Zutaten sich ergänzen und bereichen müssen. Das alleine reicht jedoch nicht aus: Es ist auch erforderlich die richtigen Zutaten zum richtigen Zeitpunkt hinzuzufügen, nachdem man sie bearbeitet hat, und das Gemenge zusammen weiter zu bearbeiten.
Letztlich reicht das aber auch nicht aus: Schreiben ist ein Prozess, der sehr viel mit einem langen Spaziergang zu tun hat, aus meiner Sicht. (John von Düffel vergleicht es mit Bahnenschwimmen in seinem Essay: Eine leichte Verschiebung des Blickes auf die Welt aus Kritische Ausgabe: Werkstatt Sommer 2007. (Leider ist der Text nicht vollständig im Netz zu lesen)).

Der Unterschied mag darin begründet sein, dass ich lieber einen langen Spaziergang mache, als Bahnen durch ein Schwimmbad zu ziehen. Letztlich ist das Bild aber ähnlich: Man muss ein wenig autistisch den Blick vom außen lösen, und sich ganz den eigenen Kräften überlassen, während man langsam durch den Roman hindurch schwimmt. Dabei ist die Strecke für sich unbedeutend, zumindest im Sinne der Umgebung, weil es die eigentliche Strecke sich innerhalb einem selbst befindet. Aber die Strecke ist bedeutend, weil es wichtig ist langsam weiterzukommen. (Und ich wähle das Bild eines Spaziergangs, weil ich im Gegensatz zu John von Düffel immer wieder vom Weg abkomme).
Dabei ist die Strecke letztlich immer eine Frage, (das auch noch), weil der Weg letztlich immer wieder die Selbstbeschäftigung des Autors mit seinem Text ist: Habe ich die richtigen Zutaten, zur richtigen Zeit, auf die richtige Weise zubereitet, mit den anderen Verarbeitet und ist das Ergebnis das richtige?
Den gerade auf diesem Weg wird diese Frage immer wieder gestellt, genau wie immer wieder geprüft wird, ob man die autistische Reise des Schreibens durchhält.

Aber eines sei angemerkt: Die Reise wird nicht besser oder erfolgversprechender, wenn man sie rasch hintereinander durchkrault. Denn es ist nicht die Geschwindigkeit, die wichtig ist, sondern die Auseinandersetzung mit sich und der Geschichte. Diese Selbstbeschäftigung mit sich und der Geschichte besteht daraus, sich selber zu prüfen und die Geschichte zu prüfen. Dabei sind Zweifel wichtig, weil gerade die Überprüfung dabei helfen kann die Schwächen der Geschichte herauszufinden und besser zu werden.
Das Selbstvertrauen macht aber den Weg, das Vertrauen in die eigene Geschichte, das Wissen, dass Menschen dies lesen möchten, und dieses Gefühl, dass der Weg letztlich zum Ziel führt.

Freitag, 14. März 2008

Befremdliche Erfahrungen

Vielleicht gibt es manchmal im Leben solche Augenblicke... und vielleicht muss man ein wenig seltsam sein, um sie mit einer solchen Klarheit zu erkennen. Als ich gestern wirklich registriert und verstanden habe, dass ich die schriftliche Hausarbeit für meinen Uniabschluss wirklich fertig bekommen habe, habe ich etwas verstanden, über mich. Aber das ist vielleicht zu privat für ein öffentliches Tagebuch.
Ich werde meinen Roman schreiben, und es wird genauso lange dauern, wie es dauert, und bei weitem nicht so lange, wie ich im Moment denke. Und es ist auch klar, dass dieser Roman fertig wird. Denn da ist etwas in mir, dass diesen Roman auf eine Weise schreiben will, für die ich als Schriftsteller kaum einen Ausdruck finde: vielleicht wir als Menschen manchmal etwas in uns haben, was kaum einen Ausdruck in der Sprache finden kann, wenn man über sich selber spricht.
Und deshalb werde ich mich auch gar nicht mehr lange aufhalten, sondern gleich mit ein wenig des üblichen beginnen, damit ich nachher schreiben kann.

Donnerstag, 13. März 2008

Wovon lebt ein Autor?

Die Leipziger Buchmesse wirft wieder einmal ihren (Druck-)schatten auf die Presselandschaft, was ja auch zu begrüßen ist. Denn auf einmal erinnern sich wieder viele Zeitungen daran, dass Literatur nun einmal zur Berichterstattung über Kultur dazugehört, und es gibt sogar Diskussionen, und nicht nur Buchbesprechungen.
Heute ist in der Frankfurter Rundschau ein Artikel über die finanzielle Situation von Autoren erschienen: Wovon lebst du eigentlich?
Dabei geht es darum, dass die meisten literarischen Autoren Verkaufszahlen zwischen 5000- 15.000 Exemplaren im Hardcover haben, was bei 10% vom Nettoverkaufspreis (Verkaufspreis minus 7 Mehrwertsteuer) und einem VK von 22€ ca. 2 € macht. Wenn man dies mal durchkalkuliert wird klar, dass nach Krankenkasse und Steuern nicht so wahnsinnig viel Geld übrigbleibt. Dazu kommen dann Preise (bei den wenigsten), Lesungen, eventuelle Lizenzen (bei wenigen) für Taschenbücher und das Ausland, Stipendien (meist Altersgrenze 40) und verschiedenes mehr. (Vor allem, da nur wenige Autoren jedes Jahr ein Buch herausbringen).
Letztlich können, so ca. 1% der Schriftsteller vom Schreiben leben, weil die Einnahmen einfach nicht ausreichen. Zudem beginnt bei vielen zwischen 30 und 40 mit der Gründung einer Familie die Situation, dass sie entscheiden müssen, wie es weitergeht. Und oft genug bleibt das Schreiben nur ein Nebenjob.
Gerade weil es für Autoren schwieriger wird vom Schreiben zu leben, wenn die Vorauszahlungen nach den ersten Veröffentlichungen kleiner werden und es noch schwieriger zu kalkulieren, ob man genug Geld für die veröffentlichungslosen Monate übrig bleibt.

Mittwoch, 12. März 2008

Es ist vollbracht... 130.000 Zeichen, 68 Seiten und unendlich viel Arbeit

Vor knapp einer Viertelstunde bin ich endlich fertig geworden: die vielen Wochen der Arbeit (und bei mir auch Krankheit) sind endlich vorbei, und vor mir liegt ... meine schriftliche Hausarbeit (als Teil meines Uniabschlusses).
Wie immer habe ich in den letzten zwei Wochen dann die Kohlen aufgeheizt, noch ein paar Schaufeln draufgeworden, und endlich richtig angefangen zu arbeiten. Seit dem habe ich dann mehr als meine vier Stunden gearbeitet: Ich habe im Schnitt 12 Stunden geschuftet, teilweise in den letzten Tagen auch mak 14 oder 16 Stunden. Aber irgendwie brauche ich Abgabetermine.

Und nun schicke ich morgen früh (genau am Termin) meine Arbeit in die böse (naja) und feindliche (eigentlich nicht) Welt und hoffe auf das Beste. Und werde gar nicht lange mehr darüber nachdenken und nun ein paar Tage frei machen.
Wobei frei machen bedeutet: Ich werde morgen ein wenig ausruhen, dann etwas arbeiten. Und dann werde ich Donnerstag meinen müden Körper in der Sauna noch mal durcherhitzen und auskühlen lassen, ein gutes Buch in den Pausen lesen.

Freitag geht es dann an den Roman... ich sehne mich danach. Und ich habe nun etwas Zeit, auch wenn da noch einiges an organisatorischem für die Uni zu machen ist.

Donnerstag, 6. März 2008

Den Gedanken eine Brücke... Februar 2008

Manchmal entsteht aus der Arbeit eine Euphorie, die einen Autor bei der Arbeit an seinem Roman immer weiter vorantreibt. Der Anfang des Februars war eine solche Zeit:
Ich habe viele Lösungen für meinen Roman gefunden und habe meinen Roman in vielen Stellen überarbeitet und entdeckt, dass ich manches in meinem Roman drin habe, an das ich mich gar nicht erinnern kann es hineingeschrieben zu haben.Und auch viel über die ersten 100 Seiten hinaus haben sich geklärt, bestimmte Dinge sich aus diesen Dingen entwickelt.
Ich habe leider nicht alles davon schon in den Roman umsetzen können, aber da war ja noch viel Zeit im Februar.
Nur schreibe ich gerade an meiner Abschlussarbeit, und diese Arbeit ist unheimlich anstrengend, geistig und körperlich. Also habe ich mir eine Kieferentzündung eingehandelt und war dazu ständig müde. Und gerade als diese ausgeklungen ist, wurde es immer enger mit dem Abgabetermin und der Roman musste warten.... wo mich der Erfolg hier doch auch so für den Roman inspiriert hat.
So verharre ich bis zum Ende des Monats, sehe sehnsüchtig zu meinem Roman, der dazu verdammt ist zu warten. Und hoffe auf den 12.3. meinen Abgabetermin und danach etwas mehr Zeit und Gedanken.

Laura spricht über die Pause

Laura spricht:


Vielleicht kann man als Romanfiguren gar keine Ansprüche an den Autor stellen, bei dem man sich heimlich in die Wohnung geschlichen hat, um seine Geschichte zu erzählen. Aber eine Tasse Tee und ein Brötchen mit einem Fitzel fettarmer Marmelade dürfte man doch eigentlich erwarten, oder?
Vor allem weil man sich ja praktisch entblößt, was auch bei einer Romanfigur eine Form der Nacktheit bedeutet, auch wenn man nicht wirklich körperlich ist, sondern eher... Mist. Man kann sich nicht entblößen, wenn man nicht körperlich ist. Also vielleicht wird man als Romanfigur eher durchsichtig, im Sinne, dass der Autor wirklich in einen hineinsehen kann. Nur leider kann er dann auch durch einen durchsehen, wenn es ihm gerade passt. Was mir gerade nicht passt.
Denn gerade stehe ich vor dem Bücherschrank vor den Kollegen, die andere Autoren schon zum Leben geschrieben haben und mit einer eigenen Welt versehen. Und ich habe nur ein bisschen Welt und ein bisschen Leben, und mein Autor tändelt mit seiner Abschlussarbeit für die Uni herum. Abschlussarbeit und Uni. Als würde mich das interessieren. Obwohl es interessiert mich, weil ich dafür vernachlässigt werde. Und dabei kann ich nicht einmal etwas dafür. Wie gesagt, einen Tee kriege ich immer noch nicht, und das Brötchen, das dort liegt, das ist sicher nicht für mich. Die viele Nutella bekäme meine Essstörung nie verarbeitet.

Es ist schon ein Ding mit den Autoren: Man sucht sich als Figur nie den richtigen aus. Das ist ja auch schwierig: Woher soll man denn als Figur wissen, was für eine Welt einem der Autor schreibt und wie einen der Autor schreibt. Nachher bekommt man noch riesige Brüste und blonde Haare angedichtet, die man gar nicht hat und wohnt irgendwie in Amerika. Und blonde Haare hätte ich mir nicht einmal gefärbt, von den Brüsten rede ich erst gar nicht. Wobei: Amerika wäre wohl gar nicht so schlecht. Aber mein Autor ist so ein Verweigerer und schwierig sowieso. Da kam Malibu gar nicht in Frage, oder New York.

Ich habe gerade schon vornehm gehüstelt, aber immer noch kein Tee. Und er schreibt nicht weiter an meinem Roman. Und der dauert ja sowieso ewig. Weil er halt jedes Detail bearbeitet- als würde es außer mir jemanden interessieren, welche Farbe die Couch hat, und wo mein Van Gogh hängt. Aber irgendwie ist es schön alles so ausgemalt zu bekommen.Ich werde also mal wieder in den Roman gehen, und noch einmal den Anfang erleben, wo ich neben meinem besten Freund aufgewacht bin. Denn das ist besser, als hier ignoriert zu werden. Aber ich komme bald wieder. Und immerhin habe ich nun meinen Tee. Es ist doch wunderbar eine Figur zu sein. Ein Wort, und man hat seinen Tee.

Sonntag, 2. März 2008

Wann ist eine Geschichte fertig?

Ehrlich gesagt gibt es keinen Augenblick, wo eine Geschichte wirklich fertig ist. Denn Geschichten sind immer Momentaufnahmen und wie bei einem wirklichen Ereignis, gibt es verschiedene Phasen, in der man eine solche Geschichte betrachten kann. Wahrscheinlich würde man mit sechzig nicht mehr die gleichen Liebesgeschichten schreiben wie mit zwanzig. Weil die Liebe mit zwanzig einfach anders ist als mit sechzig, und innerhalb dieser 40 Jahre die unterschiedlichsten Arten von Liebe und Liebesbeziehungen erfahren hat, und auch der Rest sich verändert hat: Wie man die Welt sieht, was man als wirkliche Krisen sieht und vieles mehr.
Dementsprechend kann eine Geschichte gar nicht auserzählt sein.

Aber wenn man weiß, dass man nur eine Momentaufnahme leisten kann, dann muss eine Geschichte in sich gewachsen und verdichtet sein, und sollte, gerade bei guten Geschichten, mehrere Ansatzpunkte haben, mehrere Farben, mehrere Betrachtungsweisen.
Und wann etwas fertig ist, das ist vor allem das Gefühl, wenn man beim Lesen die unterschiedlichen Spuren von all dem entdeckt, und das Gefühl hat, dass man das unmöglich hätte schreiben können- weil es so reich ist- dann könnte die Geschichte fertig sein.

Samstag, 1. März 2008

Mein Bild Ozean

Bevor irgendjemand meckert... ich bin kein Maler... und werde das auch nie sein. Aber ich male aus purem Vergnügen und gerne, und wollte mal (neben dem neuen Headerbild- dem Ausschnitt eines Gemäldes) auch noch ein richtiges hochladen.

Viel Spaß!!