Freitag, 29. Februar 2008

Warum man einen Roman immer wieder schreiben muss...

Während viele Autoren immer den gleichen Roman versuchen immer wieder neu zu schreiben, mit jedem neuen Buch, schreibe ich meinen Roman immer wieder in meinem Manuskript neu.Es ist als wäre ich ein Maler, und würde ein Skizze entwerfen, dann mit einer ersten Schicht Öl den Hintergrund für den Roman festlegen, bevor ich einen ersten Versuch für den Vordergrund mache. Und dann wird der Hintergrund übermalt, Licht und Farbe verbessert, dann der Vordergrund ergänzt, gefüllt und angepasst.
Bevor ich dann mit einer weiteren, dünnen Schicht Ölfarbe aus dem bisherigen Entwurf nach und nach den Roman gestaltet- und durch die dünne Schicht auch einen Teil des ursprünglichen mitnehme.
Und dann brauche ich noch eine noch dünnere Schicht Ölfarbe, fast nur noch Öl, wenig Pigment, bei der ich dann aus dem vorhandenen Material versuche alles herauszuholen, was in ihm steckt, vielleicht mit anderen Akzentuierungen, vielleicht mit etwas anderem Farbverlauf.
Im Prinzip schreibe ich meinen Roman also immer wieder neu, aber es ist der gleiche Roman, den ich immer wieder neu auflade, neu beleuchte, neu ausgestalte, mit anderen Ideen und Sichtweisen ausstatte und alte verwerfe, manchmal ergänze. Oder anders gesagt: Manche Autoren schreiben immer andere Romane... die glücklichen. Andere Autoren versuchen immer den einen Roman über ihr Thema zu schreiben.
Bei mir ist noch nicht klar, was die nächsten Romane bringen werde- im Moment schreibe ich meinen Roman zum fünften Mal wieder neu, und bin glücklich damit.

Ich schreibe seit April 2005 und vermutlich wird es noch Monate, eventuell sogar ein Jahr dauern, bis dieser Roman fertig wird- und im Moment ist mein Roman fragmentiert.Der erste Teil befindet sich in der sechsten Fassung ist inzwischen nahezu perfekt- also genau an dem, was ich schreiben kann. Andere Teile befinden sich zwischen der ersten und fünften Fassung, und werden noch viel Arbeit benötigen, um sich mit meinem Anfang zu messen. Aber so muss es für mich sein. So schreibe ich.

Entwicklung als Schriftsteller

Ich habe schon so einiges über das Verdichten eines Romans geschrieben, aber alles aufgeschrieben habe ich nicht und werde ich auch nicht.Weil das Romanschreiben immer auch ein wenig zu sich und zu sich als Künstler ist. Und so wie man manche Hinweise geben, manche Steine aus dem Weg schaffen kann, so muss jeder doch selber den Weg gehen- und oft auch einen Weg abseits der Wege anderer.
Regeln sind halt immer nur Annahmen oder Feststellungen, im gewissen Sinne auch Spekulationen, Halbwahrheiten, Unvollständiges und Mode. Sie sind auch Beobachtes, Erlebtes, sind Erfahrungen, bestätigte Annahmen und vieles mehr. Und so bedeutet die Entwicklung als Künstler vor allem Entscheidungen selber zu treffen, selber nach seinen Fähig- und Fertigkeiten seinen Weg zu suchen und zu finden, und das Besondere an sich zu entdecken... und das herauszustellen, sowie an den Schwächen zu arbeiten.
Das hört sich sehr schwierig an: Und genau das ist es auch. Denn seinen eigenen Weg zu suchen, ist weit schwerer als anderen auf ihrem Weg zu folgen.Aber irgendwann hat man sich von den Wegen frei gemacht, von den Hinweisen und viele mehr. Und man muss nur noch gehen... und ist mal richtig und mal falsch. Aber das gehört auch zum richtigen Weg.

Donnerstag, 28. Februar 2008

Wer ist dieser Autor?

Heute habe ich das getan, was ich eigentlich immer wieder tue: Ich habe meinen eigenen Roman gelesen. Und da ich einige Tage nicht an meinem Roman gearbeitet habe- Stress wegen der Abschlussarbeit- war es wieder ein besonderes Lesen, das Lesen wie ein Leser. Als wäre mir mein Roman ein wenig fremd geworden in der Zeit und genau das ist er. Und ich habe wieder die gleiche Erfahrung gemacht, wie das letzte Mal. Mein Roman hat mich auf vielerlei Weise berührt, bewegt, zum schmunzeln gebracht und ich habe gelacht, viel gelacht...
Und nun weiß ich auch wieder, warum ich schreibe und wie es weitergeht....

Danke.

Dienstag, 26. Februar 2008

Beobachtung Dualsimkartenhandy

Ich habe vor einigen Tagen bei einem interessanten Gespräch gehört, dass es neuerdings Handys mit zwei Simkarten gibt, bzw. die mit zwei Simkarten betrieben werden kann, wobei die einzelnen Simkarten an- und abgestellt werden können. Ich habe sofort nachgefragt, weil ich das interessant fand. Klar, viele Geschäftsleute können so mit einem Gerät Geschäfts- und Privathandy kombinieren. Für die meisten anderen User ist dieses Gerät aber eigentlich nicht interessant, oder doch??
Wir haben über jemanden gesprochen, der eine feste Karte in dem Handy hat und regelmäßig gebrauchte Simkarten von Ebay darüber verwendet.... Und das Handy extra aus dem Ausland importiert hat, weil es das in Deutschland noch nicht gibt (was nichts anderes bedeutet, als das jemand nicht wissen sollte, das das mit dem Handy geht).
Und schwupps, eine wunderbare Idee für einen Roman.... oder eine tolle Szene...

Montag, 25. Februar 2008

Kreativität ist eine Wüste, manchmal!

Kreativität der Wüste:
Die meisten Menschen stellen sich Inspiration als eine Quelle vor, aus der beständig Inspiration rinnsalt und fliesst, um dann anzuschwellen und beständig anzuwachsen. Das trifft jedoch nur auf die wenigsten Autoren zu.
Kreativität hat etwas eruptives, etwas sprudelnd-überquellendes und dann etwas versiegendes. Bei den meisten Autoren ist die Kreativität deshalb wie ein trockenes Flussbett in der Wüste.
In der Regenzeit kann man ein leichtes Klopfen hören, bevor sich dann Unmengen an Wasser durch den Wadi ergießen und eigentlich alles hinweg reißen. Das Wasser sammelt sich in den Flußdeltas, und innerhalb von wenigen Tagen entsteht um den Fluß und im Flußdelta die Wüstenblüte, ein Meer von grün und wachsende, blühenden Pflanzen und unendlich viele Tiere kommen dorthin. In dieser Phase sind unendlich viele Ideen da, mit denen probiert und getestet wird, bis sich daraus dann eine Geschichte und die Figuren zu dieser Geschichte finden.
Nach und nach versiegen dann die Regenfälle, aber das Flußdelta bleibt noch eine ganze Zeit grün. In dieser Phase werden die Ideen ausgebaut, entwickelt, ausgestaltet und mit der Arbeit an dem Roman begonnen.
Danach beginnt das Wasser zu versiegen und das grün weicht jeden Tag schneller zurück, die Pflanzen beginnen zu verdorren und die Tiere ziehen weiter- In dieser Phase wird niedergeschrieben und noch kleine Ideen und Konzepte zu dem Roman ergänzt.
Und dann ist das Wasser fort, und man kann kaum noch am Wadi oder Flußdelta erkennen, dass je Wasser geflossen ist. Der Boden scheint aufzubrechen, wird krustig, und ein wenig der Muttererde beginnt wieder die Luft schwer und erdig zu machen. In dieser Phase wird üblicherweise der Roman überarbeitet, es werden allerlei Dinge geprüft, beginnend beim Handlungsgerüst, Dramaturgie, Figuren, Szenen, Adjektive, Wortwahl und unendlich viel mehr.
Und dann ist das Wasser so lange fort, dass der Wind den Boden durch die Luft verteilt, bis man kaum noch etwas sehen kann. Es ist fast, als hätte es das Wasser und die Blüte nie gegeben, als wäre das alles nur ein Traum, eine Halluzination gewesen. Der Wind schleift das Gesicht trocken, und die eigenen Lippen platzen auf, so wie der Boden erst krustig, dann zu Sand geworden ist.
Wenn der Roman nicht beendet wurde, und das ist er bei den wenigsten Autoren zu diesem Zeitpunkt, kommen nun die Zweifel an der Geschichte, am Konzept, bei einigen sogar die Zweifel an der Entscheidung Geschichten zu schreiben, an der eigenen Kreativität, die Zweifel an allem. Wenn der Roman beendet wurde, beginnt das Warten auf die Reaktion des Lektorats oder des Agenten (wenn der Roman nicht begleitet wurde)- und die gleichen Ängste. Oft kommt dazu, dass einige wenige Autoren kaum noch glauben kann, dass man diesen Roman geschrieben hat, weil er entweder zu schlecht erscheint (aus den Zweifeln) oder weil man glaubt nie wieder einen Roman zu schreiben- weil man sich kaum noch an das Wasser und die Blüte erinnern kann. Viele Autoren haben auch das Gefühl, dass nun ihre Zeit als Autor hinter ihnen liegt, die beste Zeit als Autor und das alles nun nur noch schlechter wird.

Die meisten Autoren haben diese Phasen, wobei sich die Stärke dieser Phasen bei den unterschiedlichen Autoren deutlich unterscheidet: Manche Autoren erleben diese Phasen nicht negativ, oder fühlen sich kaum beeinträchtigt, andere empfinden diese Phasen in einem Maße, dass sie darüber äußerst schlechte Entscheidungen treffen.

Schwankendes Selbstvertrauen II.
Zu dieser schwankenden Kreativität der Wüste kommen noch viele andere Dinge hinzu, die am Selbstbewusstsein des Autoren zerren. Als Autor wird man entweder an seinem besten Buch gemessen (was extrem frustrierend ist), oder an einem anderen Autor- bis man selber einen Roman geschrieben hat, an dem man dann immer wieder gemessen wird. Dazu kommt, dass man als Autor seinen Roman schreibt, aber kaum Einfluss auf den weiteren Verlauf hat: Klappentext und Cover werden von anderen gestaltet, Verkaufserfolge beruhen oft auf Faktoren, die man nicht beeinflussen kann, schlechte Rezensionen und Verrisse deprimieren, weil man monatelang gearbeitet hat und nun solche Rückmeldungen bekommt...
Und nur die wenigsten Autoren in Deutschland können wirklich vom Schreiben leben, wenn sie nicht nur sich ernähren müssen und der Partner nicht die Hauptlast des Familieneinkommens trägt.
Dann ist es so, dass Kreativität häufig aus Mangel entsteht, aus Krisen, Zweifeln. psychischen Erkrankungen und Unangepasstheit- ich habe dazu schon etwas geschrieben- und das das noch einmal die Probleme mit dem Selbstbewussten verstärkt.

Warum Alkohol oder Drogen nicht helfen!
Wenn man sich die sechs männlichen, amerikanischen Nobelpreisträger für Literatur des letzten Jahrhundert ansieht, dann waren alle diese Autoren Alkoholiker: Weil jeder von ihnen, neben ihren Problemen als Mensch, auch mit der Wüste der Kreativität nicht zurecht gekommen ist. Hemingway hat den family exit, den Selbstmord gewählt, weil er in einer Phase seines Lebens nicht glauben konnte, dass er je wieder einen so guten Roman schreiben könnte. Und sicher auch, weil trinken zu seinem selbstgewählten Lebenstil gehörte und noch viele andere Probleme dazukamen.
Viele Künstler fangen an zu trinken, nehmen Drogen, oder haben Depressionen, weil sie mit diesen Phasen nicht zurecht kommen- und sie das Gefühl habe nur noch Wüste zu sein.
Alkohol ist nie fruchtbar, im kreativen Sinne, sondern kann nur vorübergehend die Ängste beseitigen. Es verleiht auch manchmal den Mut etwas zu versuchen, was man vielleicht ohne den Alkohol / Drogennicht geschrieben hätte. Er kann auch manchmal eigenwillige Erfahrungen mit sich bringen, die durchaus für das Schreiben interessant sind, existenzielle Erfahrungen- aber dazu muss man auch nicht trinken oder Drogen nehmen.
Aber gerade wenn regelmäßig getrunken wird und/oder Suchtverhalten dazukommt, sind die meisten Autoren nicht mehr in der Lage regelmäßig zu arbeiten und ihre Produktivität lässt wird nach und nach kleiner. Zudem werden die Einfälle und Ideen unter Alkohol- und Drogeneinfluss manchmal besser, meist aber wesentlich schlechter, so dass oft das Wüstengefühl verstärkt wird. Somit verstärkt der Alkohol nach und nach die Stärke der Phasen, wodurch wieder mehr getrunken wird, und die Phasen dadurch noch einmal stärker werden.

Viele Autoren scheitern dann und hören auf zu schreiben, oder schreiben immer ihrem besten Buch hinterher und vieles mehr. Manche werden krank, andere scheitern als Mensch und Autor, manche sterben.

Die Wüste...

Ich habe gerade mal wieder einen wunderbaren Blogeintrag geschrieben, aber die lieben Veranstalter von "Myblog" (dem vorherigen Bloganbieter) loggen leider die User nach einer Zeit automatisch aus... und man muss sich neu anmelden. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn die geschriebenen Texte erhalten blieben. Aber diese verschwinden ins Datennirvana und sind nicht wiederherstellbar.
Das hatte ich ja inzwischen raus, und hatte den Text über den Browser kopiert... nur leider hat der Browser das auch gefressen.

Wundervoll. Zwei Stunden Arbeit für die Katz.

Freitag, 22. Februar 2008

Eine gefährliche Generation die 68er?

Götz Aly hat in seinem Buch "Unser Kampf" über die 68er sehr intensiv auf den Wahn einer bestimmten Menschengruppe hingewiesen. Diese Menschengruppe findet sich sowohl bei der Generation 1933, also auch bei der Generation 1968 und zeichnet sich durch eine Offenheit gegenüber undemokratischem Gedankengut aus. Sie besteht aus jungen Männern zwischen 15 und fünfunddreißig Jahren.
Was er dabei vergisst, ist, dass es schon immer bei diesen jungen Männern Gewalt und die Sehnsucht nach einfachen Lösungen gab- und undemokratisches Gedankengut ist eine einfache Lösung, wenn auch nicht die einzige. Weltanschauungen geben Antworten, während man sich als Demokrat nur auf die eigene Meinung und den Geschmack berufen kann- was eigenes Denken und viel Mitgefühl und Reflektion voraussetzt.

Schon bei den Kreuzzügen waren es oft die jungen Männer, die im eigenen Land nur wenig Perspektive hatten, die sich den Anführern angeschlossen haben. Warum ?? Ablass von Sünden war es bei nur wenigen- die meisten kamen auf der Suche nach Perspektiven, nach Geld und Land und nach großen religiösen Versprechungen und abstrusen Drohungen.
Deshalb sind auch Soldaten immer gefährlich für eine Demokratie- wenn sie sich nicht jederzeit zu ihr bekennen und diese Bekenntnis Grundlage ihrer Ausbildung ist.
Denn Soldaten genau aus dieser Altersgruppe werden darauf gedrillt nicht nachzudenken, sondern auf Befehle zu reagieren, die sie befolgen müssen. Sie folgen einem eigenen Wertekanon, indem soldatische Prinzipien vor demokratischen Prinzipien stehen, indem ein Menschenleben, Freiheit und vieles anderes nicht zählt.
Letztlich kämpfen Soldaten für ihre Mitsoldaten, und gegen alles, was eine Gefahr oder vermeintliche Gefahr darstellt- und nur eine vorsichtige Anleitung verhindert, dass dies eskaliert. Aber ganz verhindert kann eine solche Eskalation nicht.
Und es gibt noch eine Erfahrung bei dieser Gruppe: Sie ist nicht gefestigt in ihren Vorstellungen, sie ist beeinflussbar und es ist leicht möglich sie zu "eskalieren". Und das ist bei Menschen in diesem Alter überall möglich:

Das US-Militär hat genau dies bei den Verhören in Abu Ghuraib und vorher in Afghanistan verwendet, in dem steter Erfolgsdruck auf die Soldaten ausgeübt wurde, und gleichzeitig nie genaue Vorschriften was erlaubt und was nicht erlaubt ist erlassen wurden-- die Soldaten hörten nur von der Gefahr und Drohung durch die Gefangenen, das die "Samthandschuhe" ausgezogen werden sollten. Nach und nach haben sie sich gegenseitig unter Druck gesetzt, sich gegenseitig hochgeputscht... ein wenig wie in dem Buch "Die Welle" oder im Standfort-Prison-Experiment.

Gerade in Ländern, in denen diese Bevölkerungsgruppe sehr groß ist, gibt es besonders häufig Kriege, Bürgerkriege, Genozide und ähnliches, wenn jemand diese jungen Männer dazu anleitet.
Die radikalen und undemokratischen Kräfte suchen sich nämlich die jungen, die perspektivlosen und die auf der Suche nach ihrer eigenen Identität, ob es nun die Taliban sind, die Terrororganisationen, die Anführer von Kindersoldaten. Weil sie sich leicht aufhetzten lassen, über vermeintliche oder wirkliche Demütigung und Unterdrückung, über Ungerechtigkeit und mehr.
Aber das ist nicht unbedingt immer eine Gefahr: Denn man einiges von diesen Gefühlen aufnimmt, diese Menschen ernstnimmt, dann entsteht aus der gleichen Wurzel politisches und soziales (und ökologisches) Engagement. Denn auch das ist eine Möglichkeit in dieser Gruppe- sie und ihre Meinungen aufzunehmen und ihnen Mittel zu geben zu gestalten- und zwar in einem demokratischen Rahmen.
Ihnen zu zeigen, dass sie etwas schaffen können, und was Demokratie wirklich bedeutet: Den Menschen vor die Weltanschauung zu setzen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und jedem Menschen Rechte zuzugestehen. Und auf dieser Basis heraus zu versuchen nicht alles auf einmal zu verbessern, sondern sich Schritt für Schritt für Einzelne einzusetzen, und darauf aufbauend noch mehr Menschen zu helfen.

Wenn man all das in betracht zieht, folgt Götz Aly einer falschen Spur.
Denn in einer Diskussion über die Vorstellung zu sprechen, was passieren würde, wenn man ein Land übernimmt, und einen Staatstreich auszuführen, ist ein deutlicher Unterschied. Und Aly vergisst auch, dass die Gedanken frei sind... entscheidend ist das, was man tut.Die 33er haben in großen Teilen die Demokratie abgelehnt und sich nach einer Diktatur gesehnt- rechts wie links. Sie konnten aber nur gewinnen, weil es bei den älteren nicht genügend Bürger und Demokraten gab, und es viele gab, die ihnen die Wege geöffnet haben und ihre Staatsstreich unterstützt. Bei den 68er gab es auch Gruppen, die diesen Staatsstreich ersehnt haben- aber es waren nur wenige. Die meisten wollten aber nur das Schweigen aufbrechen und viele andere Ziele erreichen. Und sie standen vielen Bürgern gegenüber- vielen, die früher geschwiegen hatten und einigen die auch aktiv beteiligt waren.

Letztlich ist es Aly, der sich die Ziele von damals so lange angesehen hat, mit einem bestimmten Blick, dass er so fixiert von dieser Zeit und seinen Erlebnissen ist, dass ihm der Abstand fehlt. Schade.

Drei Jahre Autorenforum Montsegur

Eine meine ersten Erfahrungen mit anderen Schriftstellern war mein Besuch einer Autorengruppe in der örtlichen Bibliothek. Ich hatte mir unheimlich viel davon versprochen und hatte jede Menge Texte vorbereitet, sie kopiert und mir Fragen zu meinen Texten überlegt. Die erste Verwunderung entstand, als ich die engagierten Bibliotheksmitarbieter traf, die mit viel Mühe ein Runde eingerichtet hatten- und die lieben Kollegen (bis auf eine Ausnahme) mindestens 30 Jahre älter waren.Nun gut, Erfahrung ist ja nun nicht unbedingt ein Nachteil, also habe ich geschluckt, weil meine Texte schon sehr speziell waren und ich Verständnisprobleme vorausahnte. Der Veranstalter begrüßte mich freundlich, ein regional sehr bekannter Lyriker, und die Runde startete- und das Niveau der Texte und der Besprechungen waren für mich schwierig einzuschätzen. Denn viele Texte waren für mich ganz befremdlich, und die Qualität schwankte enorm. Und irgendwie habe ich zu kaum einem Text einen Zugang gefunden.

Feministische Lyrik über die Verwendung von Er- und Sie- als "Suffix", also Sie-folg und Sie-greich und ähnliches. Danach jambische Naturlyrik über Teneriffa, ein vermenschlichter SF-Roman über einen Vogel in der Midlifecrisis und allerlei Lebensaufzeichnungen für Enkel.
Seltsamerweise habe ich Jahre später beim Verband deutscher Schriftsteller (im Rahmen von verdi) bei einer Lesung eine ähnliche Erfahrung gemacht. Es gab neben mir nur zwei andere Schriftsteller unter 65, ich habe keinen Zugang zu den meisten Texten gefunden, einmal weil die Lyrik zu schnell vorgelesen wurde, und andere Texte zwar besser als beim örtlichen Verein waren, aber irgendwie mit meinem Leben, Lesen und Erleben nicht viel zu tun hatten.
Also war es ein logischer Schritt im Internet nach Autoren zu suchen, die mehr mit meinem Leben, Erleben und Lesen zu tun haben- wobei allein der Weg am Anfang schon für viele junge Kollegen gesorgt hat. Nur leider gab es bei verschiedenen Foren immer wieder ähnliche Phänomene: Irgendwie ergibt sich aus einer Gruppe von Menschen sofort ein bestimmtes Gruppenverhalten, das einige Menschen ein- und andere Menschen ausschließt. Es gab Menschen, die sich zu wichtig nahmen, Streithansel und Trolle, es gab Schleimer und Kriecher... also das übliche.
Also habe ich immer wieder aus den unterschiedlichsten Gründen die Foren gewechselt, mal um diesen Streitigkeiten auszuweichen, mal um bessere oder mehr Kritiken zu bekommen- bzw. in größeren Foren weniger von den Streitigkeiten mitzubekommen und einiges mehr.
Und ich habe einige sehr liebe Kollegen in einigen der Foren getroffen, darunter meinen Autorenpartner Stefan Fischer (Quidam), und einige andere, zu denen oft der Kontakt wieder verloren wurde.

Seit Anfang April 2005 bin ich Mitglied im Autorenforum Montsegur, von einer schöpferischen Pause zwischen dem Juni und Dezember 2007. Und heute feiert dieses Autorenforum seinen dritten Geburtstag.
Wie in den anderen Forum gab es auch hier persönliche Streits und Auseinandersetzungen und einige liebe Kollegen sind abgewandert- darunter einige, mit denen ich besonders gerne diskutiert habe.
Gleichzeitig hat dieses Forum mir und meinem Autorenpartner enorm geholfen unseren Weg als Autoren weiterzugehen (im Handwerk, im Bereich Kenntnis über Verlage, Agenten, Verträge...)- und wir haben viele Freunde und lieben Kollegen gewonnen, mit denen wir oft heute noch diskutieren.
Für mich und Stefan war das Autorenforum Montsegur ein Gewächshaus, in denen aus kleinen Bäumen nun wirkliche Bäume geworden sind, und bei Stefan gibt es sogar einige Früchte, während ich immer noch ein wenig ein sorgsam selbstgestutzter Bonsai bin (zumindest manchmal) und manchmal ein Mammutbaum... der lange braucht, dann aber nachzieht (hoffe ich zumindest). Vielleicht ist deshalb das Autorenforum so wichtig für mich, über den Austausch, über das Gefühl dort so gewachsen zu sein, über die lieben Kollegen....

Und weil wir natürlich dort immer noch geschützt ein wenig weiterwachsen.... und manchmal ausbrechen müssten, weil das Gewächshaus uns manchmal auch ein wenig zu klein vorkommt oder wir gegen die Wände gewachsen sind und uns darunter gekrümmt haben.

Vielen Dank, Montsegur, meine Kathererburg....

Donnerstag, 21. Februar 2008

Der Zauber im technischen Zeitalter

Manchmal gibt es seltsame Wege zur Erkenntnis: Beim Zappen durch Youtube habe ich jede Menge Videos gefunden, in denen die Tricks Uri Gellers "Nachfolger" aufgezeigt werden. Und irgendwie war es einerseits eine interessante Erfahrung die Wege zu erkennen, wie so ein Trick funktioniert, und dabei oft genug die eigene Wahrnehmung bestätigt zu finden. (Übrigens eine ähnliche Erfahrung wie bei den Shows des maskierten Magiers, der ja in seinen Shows jede Menge Tricks und Geheimnisse seiner Zunft gelüftet hat).
Und nach dem ersten Augenblick, der vielleicht ein Nicken der Anerkenntnis ist, kommt der Moment der Enttäuschung. Denn ein gelüftetes Geheimnis verliert alles...

Aus einem Zaubertrick wird nur noch eine Abfolge unterschiedlicher Handlungen:
Die Show, um den eigentlichen Trick zu verdecken.
Das Handwerk, um den Trick auszuführen.
Die Hilfsmittel, um den Trick zu ermöglichen.
Der Trick, der meistens auf eine Täuschung basiert und meistens banal ist.
Und dazu noch jede Menge Gesten und Rituale, jede Menge Bezüge auf Geheimnisse und Okkultes.

Im Prinzip ist das wie Schreiberei... nur etwas anders. Auch dort gibt es Uri Gellers, und es gibt deren Nachfolger. (Und es gibt Klocks, Houdinis, Copperfields, Siegfried und Roys und viele mehr). Es gibt Show, es gibt Handwerk, es gibt allerlei Hilfsmittel, es gibt Tricks und jede Menge drumherum. Aber genau wie die Zauberei gibt es manchmal auch echte Magie. Manchmal entsteht aus all diesen Zutaten etwas, was uns berührt, was uns bewegt, uns zum Lachen oder Weinen bringt. Und es entsteht nicht beim Ausführenden, sondern dem Zuschauer/ Leser.... vielleicht kann jeder sich einmal daran erinnern, wie man als Kind den eigenen Augen nicht getraut hat und an Magie geglaubt hat, als man so etwas mal gesehen oder gelesen hat.
Und zwanzig Jahre später würde man in gleichen Augenblick die Magie nicht sehen, nur den schlechten Anzug, auf den Trick achten, statt sich bezaubern lassen und nur auf die Desillusion warten.
Vielleicht ist es tragisch, dass wir uns so ungern auf Zauber einlassen. Vielleicht ist es tragisch, dass wir das Geheimnis verraten und uns so um den Zauber selbst berauben. Und doch gibt es manchmal den Zauber immer noch, und es gibt Dinge, die wir uns nicht entzaubern lassen und die vielleicht auch nicht entzauberbar sind.

Und natürlich bin ich auch ein wenig ein Verräter des Zaubers, weil ich mich hier auch über Tricks und Handwerk äußere, und ein wenig Magie verrate. Vielleicht sollte ich das nicht. Aber wie kann man Magie schaffen, wenn man sie nicht versteht... und dann lernt wieder daran zu glauben. Ich bin also im Zwiespalt.... und werde darüber nachdenken...

Montag, 18. Februar 2008

Pause.... wegen Krankheit und Abschlussarbeit

Der Abgabetermin für meine schriftliche Hausarbeit als Teil meines Abschlusses rückt immer näher... und ich fange mir eine ordentliche Krankheit ein und bin richtig krank. Deshalb bitte ich um Verständnis, dass bis Mitte März die Blogeinträge ein wenig seltener kommen werden, bzw. ich ein paar Tage aussetzen werde.

Freitag, 15. Februar 2008

Die symbolische Ebene

Eine der Besonderheit vieler Romane ist die symbolische Ebene- die Situation der Figuren, die Handlung oder etwas anderes wird neben der direkten Ebene noch auf einer (oder mehreren) weiteren Ebenen behandelt. Somit werden die Möglichkeiten der Geschichte eine zusätzliche Tiefe zu geben erweitert und es gibt einfach sehr stimmungsvolle Bilder und mehr Möglichkeiten.

Bsp.: In der Szene
In vielen Romanen werden die Gefühle der Figuren in schwierigen Situationen nicht direkt dargestellt, sondern ein Bild dafür gefunden, was die aufgewühlte Situation darstellt. Die meisten Leser kennen die Wettervergleiche, wenn das Wetter immer der Gefühlslage entspricht, es dann stürmt oder schneit- o.k. das ist nicht sehr kreativ. Bestimmte Charaktermerkmale werden der Augenfarbe zugeordnet, "braune Augen sind gefährlich, aber in der Liebe...", das sogenannte Augenklischee oder das Haarfarbenklischee: naive Figuren sind fast immer blond, rothaarige Frauen erotisch und gefährlich...
Manche Autoren benutzen z.B. Gegenstände, um die Gefühlslage der Figuren auszudrücken, indem Wasser kocht, Autoreifen quietschen oder ähnliches. Das sind wieder recht allgemeine Symbole, weil sie auf alle Figuren passen. Es gibt auch viele Autoren, die versuchen individuelle Symbole für ihre Figuren zu finden. Da mag man einer Figur z.B. Zwangshandlungen zuordnen, die durch Gefühlslagen ausgelöst werden- z.B. bei drohendem Kontrollverlust Putzwahn, Magersucht, Kontroll- oder Waschzwang.
Vielleicht gibt es eine Figur die dann in die Nacht auszieht, um Sex zu haben, vielleicht betrinkt sie sich, oder sie fängt an sich die Haare neu zu stylen oder etwas ähnliches.

Bsp.: Szenenübergreifend
In vielen Romanen gibt es eine Folge von Symbolen, die dem Roman eine weitere Ebene geben, die nicht immer mit der Hauptebene übereinstimmt. Vielleicht kündigt sich auf der symbolischen Ebene der Neuanfang einer Person schon an, bevor sie das weiß. Oder während die Figur immer größere Erfolge hat, deutet sich schon sein Scheitern an. Vielleicht gibt es auch eine symbolische Ebene wie den weißen Wal bei Kapitän Ahab, also die Obsession einer Figur, die dazu dient andere Figuren zu beeinflussen und unter Druck zu setzen.
Vielleicht wird in einen Roman eine Symbolik eingebaut, die sich z:b. auf christliche Symbole beruft, also vielleicht die Rückkehr des verlorenen Sohnes oder die Lazarussybmbolik, vielleicht auch den Teufelspakt des Faust oder die schlafenden Könige des Mittelalters, die in Bergen und Hügeln auf ihre Wiedererweckung warten.
Der Vorteil dieser Geschichte ist, dass der Roman mehrere Handlungsphasen bekommt, sich abwechselnde, ergänzende und sich wiedersprechende Ebenen. Dadurch ist der Roman abwechselungsreicher und breiter.

Bsp.: Der symbolische Roman
Es gibt Romane, die neben einer einfachen normalen Ebene über eine symbolische Ebene verfügen, die der normalen Ebene eine ganz andere Bedeutung verleihen. "Der alte Mann und das Meer" ist zwar offensichtlich die Geschichte eines alten Fischers, der noch einmal versucht zu beweisen, dass er noch fischen kann. Und der letztlich genau das beweist, und dennoch scheitert. Aber es ist auch eine symbolische Geschichte über das Altern und was da mit vielen Menschen passiert.
"Don Quichote" ist ein Ritterroman, zumindest aus der Sicht der Figur des Don Quixchote, der in allem den Ritterroman sucht- während alle anderen eine andere Wirklichkeit wahrnehmen. Trotzdem behält Don Quichote seine Würde, obwohl er Windmühlen für Drachen hält. Somit ist "Don Quichote" ein Roman über unsere Sicht auf die Wirklichkeit, über das großzherzige Scheitern und die Erkenntnis, dass, wenn jemand etwas in uns sieht, was scheinbar nicht da ist, er vielleicht etwas findet, was da ist, ohne das wird das wussten.
Andere Romane greifen auf das Mittel der Fabel zurück, oder verwandeln Tiere, indem sie ihnen menschliche Charakterzüge geben. "Farm der Tiere" ist die Geschichte einer Befreiung von Tyrannei und seiner Folgen, die letztlich über die Korrumption der Macht wieder in Tyrannei und Aufstand enden.
Es ist aber auch eine Geschichte über Kommunismus und Stalinismus, mit einer Figur, die recht offensichtlich an Stalin angelehnt ist.

Aber:
Das Problem symbolischer Romane ist die Offensichtlichkeit. Es gibt recht offensichtliche Symbole, die sofort erkennbar sind, und es gibt verschiedene Abstufungen in der Erkennbarkeit.
Das Wetter aus Bsp. 1 ist offensichtlich, weil jeder es kennt, die Zwangshandlungen sind weit weniger offensichtlich. Das "Farm der Tiere" ein symbolischer Roman ist, wird auf der ersten Seite klar, während man bei Hemingway darüber nachdenken muss, genau wie bei Melville.
Offensichtliche Symbole wirken immer etwas bevormundend und sind deshalb vorsichtig zu verwenden, damit man dem Leser keine Lesart aufzwingt. Denn Leser schätzen das nicht sonderlich.
Wenn jemand einmal vorher erwähnt hat, dass jemand ein Lieblingskleid hat, und das 150 Seiten später auftaucht, als eine Frau zu ihrem ersten Date geht, ohne zu erwähnen, dass es das Lieblingskleid ist, wird das den meisten Lesern nicht auffallen. Und es gibt noch viel weniger sichtbare Symbole...
Zudem sind viele Symbole einfach plattgeschrieben, weil jeder sie kennt, und somit die symbolische Ebene kaum noch wahrgenommen wird, weil wir Symbol und Bedeutung fast gleichsetzen.

Gleichzeitig sind Symbole und der symbolische Roman wunderbare Werkzeuge um seinen Symbol anzureichern und zu erweitern, Gedankengänge durchzuspielen und seine Möglichkeiten zu erweitern, und auch Tiefe zu bekommen.

Mittwoch, 13. Februar 2008

Wie ein Zitat einen Gedanken zum reifen bringt1

Ich habe ja schon gestern ein wenig über den Film "Feld der Träume" geschrieben, und habe mir heute das Scrapbook, eine Sammlung von allerlei Bildern, Produktionsnotizen, Interviews, Kommentaren und Hintergründen zu der Verfilmung.
Der Regisseur und Drehbuchautor des Filme, Phil Alden Robinson, wurde während des Drehs sehr nervös, erzählte er in dem Scrapbook. Denn irgendwie hat er die einzelnen Szenen gedreht, natürlich wie oft im Film nicht in der Reihenfolge, und irgendwie hatte er das Gefühl, irgendetwas würde fehlen. (Ein Gefühl, das mich immer wieder bei meinem Roman begleitet, wenn ich meine Szenen "drehe"/schreibe). Er sprach mit einem wichtigen Offiziellen des Studios, der ihm einen wunderbaren Rat gegeben hat:
Du drehst keinen Aktionfilm oder eine Komödie, wo du an einer Szene erkennen kannst, ob das funktioniert. Wo dann die Explosionen besonders toll sind, du vieler Lacher hast oder so. Du drehst einen andere Art Film: Und wie der wirkt, wirklich wirkt, wirst du erst wissen, wenn du den fertigen Film vor dir hast.

Und ganz klar: Ein figurenbezogener Film besteht aus unendlich vielen Szenen, die aufeinander aufbauen, die sich ergänzen, und deren Wirkung sich Szene für Szene aufbaut. Da ist es manchmal schwierig eine Szenen für sich zu bewerten, ohne sie im Kontext zu lesen oder zu sehen. Und hier sucht man bei der Einzelszenenbetrachtung etwas, was im gesamten da ist.
Oder anders: Wer mit der Lupe auf dem Boden sucht, wird den Elefanten neben sich übersehen. Also Panik um nichts.

Nachtrag: Der Fall Esra vor dem Zivilgericht

Wie schon nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts (siehe das Label Der Fall Esra) zu erwarten, gibt es heute auch noch das zivilrechtliche Urteil dazu, siehe Spiegel online.

Die relevante Feststellung des BVG (aus meiner Sicht) im Esra-Urteil ist, dass es einen zu schützenden Intimbereich gibt, dessen Darstellung eine besonders zu schützende Position darstellt- bei Esra z.B.die Schilderung der Sexszenen. Bei Esra werden nach Ansicht des BVG reale Menschen hinter den Figuren erkennbar gemacht. Aus dem Urteil: "Da der Leser nicht zwischen Wahrheit und Erdichtetem unterscheiden könne, setze er dies mit realen Einzelheiten des Sexuallebens der Klägerin zu 1) gleich."
Deshalb werden auch fiktive Schilderung aus dem besonderen Intimbereich der Person zugeordnet mit der Folge: Verbot.
Maxim Biller und sein Verlag Kiepenheuer & Witsch müssen an die Klägerin 50.000€ zahlen, weil sie das Persönlichkeitsrecht der Klägerin verletzt haben und dieser Schutz auch durch zivilrechtliche Sanktionen durchgesetzt werden soll, so das Gericht.

Der Brockhaus kapituliert vor dem Web 2.0

Der Brockhaus war vor dem Internetzeitalter nicht nur eines der beliebtesten Büchermöbel gewisser Gesellschaftsschichten (neben Günter Grass), es war auch mehr als nur eine Marke:
Es war die verlässliche Enzyklopedie Deutschland, von Experten überprüft und für jeden zitierbar. Eine wohl einzigartige Marke, die einen enormen Wert hatte. Aber dann entstand Wikipedia, zuerst nur als eine Idee, dann ein Konzept eines gesammelten, konzentrierten Wissens, bei dem jeder Fisch aus dem Schwarm etwas beitragen konnte. Gegen die Schwarmintelligenz, aber noch mehr gegen die Fleissigkeit des Schwarms konnte der Brockhaus nicht mithalten. Und auch nicht gegen die Möglichkeiten der stetigen Aktualisierung, der Erneuerung von Artikeln, der Ergänzungen und auch den Verweisen durch das Web.

Nun wird der Brockhaus als werbefinanzierte Internetenzyklopedie geben, aber das wird vermutlich nicht lange halten, was immerhin als Angriff verkauft wird, siehe Die Welt. Denn die Verwandlung kommt zu spät:
Wikipedia ist inzwischen die Standartenzyklopedie des Netz und im gewissen Sinne der Anfangsort und Endort für alle Fragen und Recherchen. Und diesen Vorsprung wird der Brockhaus nur schwer einholen können.
Vielleicht wird der Brockhaus nun als Überprüfmedium für die vorherigen Recherchen für einige überleben, vielleicht wird auch der neue Brockhaus seine Leser einbinden oder selber auf Wikipedia verlinken.
Aber es sieht düster aus, nicht nur für Menschen, die sich mit Büchern von Grass, Walser, dem Brockhaus als Bildungsbürger darstellen wollen. Auch für den Brockhaus an sich:
Der Brockhaus hat die Zeit verpasst aus dem Buch in das neue Medium zu wachsen und die User einzubinden, ohne seine Identität aufzugeben. (Aber wie Wikipedia meldet: Es gibt noch Hoffnung. Der Brockhaus wird weiterhin in Buchform erscheinen.)

Die Frage ist, wer ist der nächste??? Werden wirklich die gedruckten Zeitungen noch lange mit kostenpflichtigen Archiven und ausgewählten Artikeln ihre alte Relevanz behalten??
Der Spiegel, der mit Spiegel-Online sowieso rechtzeitig und meinungs- und artikelstark ins Internet gegangen ist, öffnet nun sein Archiv gegen ein wenig Werbung. (Und folgt damit anderen Zeitungen aus den USA, siehe das Wallstreetjournal, das sogar den kostenpflichtigen Zugang abschafft).
Wahrscheinlich wird Spiegel-Online demnächst noch mehr Artikel der Printausgabe bringen und nach einer Woche wird alles ins Archiv wandern. Und sich über Internetwerbung finanzieren und seine Marke und die Zeitung erhalten. Aber was machen die anderen? Abwarten, immer weiter abwarten, ein wenig wie der Brockhaus, auf Blogger fluchen, und die eigene Wichtigkeit betonen, wie der Brockhaus.

Dienstag, 12. Februar 2008

Feld der Träume

Vielleicht kann sich jemand noch an diesen Film "Feld der Träume" mit Kevin Costner erinnern, das auf dem Buch "Shoeless Joe" von W.P.Kinsella beruht. (Achtung, ich spoilere... bzw. erkläre die Handlung bis zum überraschenden Ende (incl. diesem Ende))- wer sich den Film ansehen will, sollte die kursiven Passagen auslassen:
In dem Film hört Ray Kinsella eine Stimme, die ihm aufträgt, so wie er glaubt, ein Baseballplatz auf seiner Farm in Iowa zu errichten, damit "er" zurückkommt. Das macht er, und der Held seines verstorbenen Vaters, Shoeless Joe Jackson, kommt um auf diesem Feld zu spielen.
(Shoeless Joe Jackson wurde 1919 in einen Bestechungsskandal verwickelt und wurde deshalb wie sieben andere Spieler lebenslang gesperrt.) Diese Spieler beginnen, nur sichtbar für ihn, seine Frau und ihr Kind auf diesem Feld zu spielen.
Durch das Baseballfeld, das viel Geld gekostet hat, kommt Ray in finanzielle Bedrängnisse. Aber irgendwann hört er die Stimme wieder, die ihm gebietet Terrence Mann (im Buch J.D.Salinger) zu dem Feld zu bringen, einer Ikone der Friedensbewegung zu einem Spiel zu bringen. Gemeinsam hören sie von Moonlight Graham, einem Spieler, der nur ein Spiel gemacht hat und dabei weder einen Ball gefangen, noch einen geschlagen hat.
Moonlight Graham ist aber schon vor Jahren verstorben, und so können sie ihn nicht finden, den Mann, der nach seiner "Karriere" als Baseballspieler Doktor geworden ist- und den Menschen in seinem Umfeld immer geholfen hat. Ray trifft aber den alten Graham, als er nach draußen geht, in einer Art "Traumreise" oder ähnliches. Auf dem Rückweg nach Iowa, der Farm droht die Zwangsversteigerung, nehmen Ray und Terrence einen Tramper mit, bei dem es sich um einen jungen Graham handelt.
Inzwischen sind weitere Spieler dazugekommen, die nun auf dem Feld spielen, zusammen mit Moonlight Graham. Der Schwager von Ray hat Rays Hypothek gekauft und will die Farm kaufen, bzw. im Notfall zwangsversteigern. Ray weigert sich, aber ist sich nicht sicher, während seine Frau und Tochter davon ausgehen, dass das Feld auch andere anziehen wird, die vom alten Baseball als Konstante ihres Lebens träumen, im schwierigen Amerika mit seinem Farmsterben, den raschen Veränderungen usw..
Bei dem Streit fällt Rays Tochter von der kleinen Tribüne und droht zu ersticken. Moonlight Graham verlässt das Feld, und rettet als alter Mann und Doktor das Kind und kann nicht mehr auf das Feld zurück.
Nun versteht der Schwager Ray, und Shoeless Joe zeigt Ray, dass "er" der Vater von Ray ist, von dem Ray sich im Streit getrennt hat- indem er Shoeless Joe als Verbrecher bezeichnet hat (und Joe im Roman als gescheiterten Träumer bezeichnet hat, weil der Vater den Baseballtraum für eine Farm aufgeben musste)

Ich habe heute ja viel Zeit gehabt, über diesen Film nachzudenken... In diesem Film geht es um unsere Träume und die Träume der anderen, und was geschieht, wenn man sich dabei verirrt- und Baseball ist dafür nur eine Metapher. Aber eine interessante, s.o.- für all das, was in unserer Welt gleich bleibt oder gleich zu bleiben scheint, während sich alles verändert. Vielleicht ist es seltsam sich für seine Träume in ein Risiko zu stürzen, dass diesem Baseballfeld entspricht. Aber ist es nicht ein größeres Risiko aufzugeben... und darauf zu hoffen, dass man neue Träume findet? Denn irgendwie sind unsere Träume das, was uns vorantreibt. Und dabei ist es egal, ob man es letztlich erreicht.
Denn der Traum ist meist viel wunderbar als dessen Erfüllung, und sich alle Träume zu erfüllen lässt einen Menschen oft so zurück, als habe er die Träume aufgegeben- zumindest so lange bis er einen neuen findet.

Aber bevor ich weiter erzähle... arbeite ich noch ein wenig an meinem (wichtigsten) Traum....

Künstler-Künstler

Vielleicht ist es eines der großen Komplimente, wenn man einen Künstler als Künstler-Künstler bezeichnet: Denn ein solcher Künstler ist für andere Künstler ein Wegbereiter und ein Vorbild. Nur leider haben die meisten Künstler-Künstler nur wenig Erfolg in ihrer Lebenszeit und werden erst wesentlich später entdeckt. Was das mit dem Kompliment doch ordentlich relativiert. Denn was nützt es, wenn man nach seinem Tod gelesen und wiederentdeckt wird und dann Erfolg hat- und während des Lebens so vor sich hindarbt.

Bekannte deutsche Künstler-Künstler sind z.B. Theodor Fontane, der in seiner Lebenszeit nur recht wenig verkauft hat und deswegen immer wieder Geldnöte hatte. Die bekannten Zeitgenossen wie Paul Heyse (Literaturnobelpreisträger 1910), Friedrich Spielhagen, Gustav Freytag. Karl Gutzkow (der gerade auch wiederentdeckt wird) waren viel erfolgreicher- und heute werden sie kaum noch gelesen. Theodor Fontane wurde immer wieder neu entdeckt, darunter von Thomas Mann und von vielen anderen Autoren.

Ein anderes Beispiel ist Robert Walser, der inzwischen berühmteste Schweizer Autor, der mit seinen Romanen große Mißerfolge hatte und sich danach auf kurze Prosa verlegt hat, die er auch nur sehr schlecht verkauft hat. Er lebte in den zwanziger Jahren in sehr preiswerten Absteigen, mit kaum eigenem Besitz in großer Armut und wechselte häufig die Wohnungen.
Bei Robert Walser führten die Misserfolge und eine wohl vererbliche Schizophrenie zur Schreibaufgabe und einem mehr oder minder freiwilligen Rückzug in Heilanstalten, wo er weiterhin Texte schrieb, auch wenn diese teilweise erst nach Jahren "entschlüsselt" werden konnten, da die Buchstaben milimetergroß waren und in einem eigenwilligen Stenosystem verfasst.Robert Walser wurde, obwohl einige prominente Zeitgenossen wie Christian Morgenstern, Robert Musil, Kurt Tucholsky, Franz Kafka und Hermann Hesse ihn sehr geschätzt haben, erst in den 70er Jahren wiederentdeckt.

Ein weiteres Beispiel ist Franz Kafka, der bei seinem Tod die meisten seiner längeren Werke noch nicht veröffentlicht hatte und seinen Freund Max Brod bat seine unveröffentlichten Werke zu vernichten- was dieser nicht tat. Nach dem 2. WK wurde Kafka im amerikanischen Sprachraum "wiederentdeckt" und bald darauf in den Fünzigern folgten auch deutsche und andere Autoren und Rezenseten und entdeckten ihn wieder. Heute sind es viele Autoren, die sich auf Kafka berufen, ob nun Marquez, ob Orhan Pamuk (z.B. in Schnee), Kundera, Canetti und viele anderen.

Schon bei diesen drei Autoren wird an der Biographie deutlich, wie schwer sie das Schreiben und die Probleme des Scheitern genommen haben. Alle drei gelten heute als wichtige Vertreter ihrer Epoche, und alle drei haben viele Autoren erst für ihre Werke inspiriert und wurden erst nach ihrem Tod wirklich entdeckt. Die Literaturgeschichte wäre ohne sie deutlich ärmer, wie jeder überprüfen kann, der einmal in die Werke dieser Autoren hineinliest (wobei ich Fontane gar nicht so gerne lese).
Vielleicht war es immer so, vielleicht ist es auch nur heute so: Die meisten Autoren versuchen es zu vermeiden Künstler-Künstler zu werden und sehr experimentell zu arbeiten. Denn Armut und künstlerischer Mißerfolg, von Kollegen einmal abgesehe, ist nicht gerade eine wundervolle Perspektive.

Und doch gibt es immer wieder Autoren, denen genau das passiert: (Und da ich gerade über einen dieser Autoren eine Abschlussarbeit verfasse: Ein bisschen Werbung)
Gert Hofmann hat erst relativ spät (1979) begonnen Romane zu schreiben, nachdem er sehr erfolgreich viele Jahre Hörspiele verfasst hat. Obwohl "Der Kinoerzähler" verfilmt wurde, er 1979 den Ingeborg-Bachmann Preis und 1982 den Döblinpreis gewonnen hat, hat Hofmann nie wirklich viele Romane verkauft.
Obwohl zu allen seinen Romanen viele Rezensionen aus den Feuilletons bekannter überregionaler Zeitungen vorliegen, gibt es nur sehr wenige Texte aus der Literaturwissenschaft über ihn und auch die Neuauflagen seiner Texte sind nur wenig erfolgreich. Und ja, ich mag nicht alle seine Texte, aber die Novellensammlung "Gespräch über Balzacs Pferd" mit Texten über Autorenkollegen von Lenz, Balzac, Casanova und Robert Walser sind wundervoll.

Vielleicht ist es die Entscheidungen, die ein Autor trifft, die ihn zu einem Künstler-Künstler machen, das Neue, Unversuchte, die letztlich dazu führen, dass der Autor sein Publikum zuerst nicht findet und erst die Vermittlung durch spätere Kollegen braucht. Es gehört Mut dazu, genau das Künstler-Künstler sein zu riskieren und auch den Durchbruch zur Lebenszeit zu hoffen. Weil diese Autoren immer Wegbereiter sind, die aber den Weg geschaffen haben, den sie gegangen sind, und spätere Wegweiser erst anderen diesen Weg offenbart haben.
Nur ganz ehrlich: ich will lieber Erfolg haben... und hoffe, dass jemand meine Wege auch so findet... ohne das ich so lange warten muss.

Unerwartete Auszeit

Einen Eindruck, wie sehr man sich an Telefon und Internet gewöhnt hat, hat mir gestern der Hausverteiler beschert. Denn dieser hat beschlossen alle Mitbewohner incl. mir eine Auszeit zu bescheren und in den vorzeitigen Ruhestand zu wechseln.
Zuerst war ich etwas konsterniert, weil ich ja keine Möglichkeit mehr hatte jemanden anzurufen, bzw. angerufen zu werden. Aber ich hatte (wohl in weiser Voraussicht) am Vorabend schon zwei Blogs geschrieben und war nicht so ganz textlos.... aber es war schon ungewohnt, weil ich ja eigentlich jeden Tag bloggen wollte- und noch gerne Abends etwas geschrieben hätte.

Heute morgen habe ich dann etwas in einem Buch gelesen, eine DVD gesehen und einen sehr langen Spaziergang gemacht... und es war toll. Irgendwie entspannend, so ein Tag ohne Netz. Aber gerade, als ich nach Hause kam, blinkte mein Anrufbeantworter und auch das Netz ging wieder. Gleich ging es mir besser.
Natürlich nur, weil ich zum Schreiben immer mal wieder einen Begriff oder ein Ereignis, einen Hintergrund recherchieren muss.
Und ja, ich bin schwer Internetsüchtig. Ich brauche nicht viel Zeit hintereinander im Netz, aber ich schaue schon alle paar Stunden auf meinen Standartseiten nach, in die Tageszeitungen und schaue mal in Wikipedia rein.

Mist.

Montag, 11. Februar 2008

Scheitern

Für mich ist Schreiben eine stete Auseinandersetzung mit meinen eigenen Schwächen und Fehlern. Ich suche meine Themen, und irgendwann finden sie mich, die Themen und die Figuren. Und ich werde zu ihrem Vermittler, leider zu einem sehr unvollkommenen Vermittler.
- Ich kämpfe mit der Sprache, versuche sie von ihrem Ballast zu befreien, sie klarer zu machen, weiter, klingend, gleichzeitig zu untersuchen, was Sprache in der Umwandlung macht, wie sie wirkt.
- Ich kämpfe mit meiner Rechtschreibschwäche.
- Ich kämpfe mit dem Handwerk. Ich möchte etwas darstellen, und es gibt die üblichen Wege dies zu tun. Aber diese Wege erscheinen mir manchmal so unbefriedigend. Also suche ich nach einem anderen Weg. Und versuche dies und das, und scheitere, und scheitere erneut. Verzweifele fast, bis ich dann manchmal doch einen Weg finde. Und wenn es nur ein interessanter Irrweg ist.
- Und dann gibt es das Gefühl, wie etwas zu sein hat. Wie etwas wirken müsste, wie es wirken könnte. Wie es einfach richtig wäre. Und es gibt das Gefühl, wenn ich meine Texte lese, wie es wirkt. Und das ist manchmal sehr frustrierend.

Fast die Hälfte meiner Szenen und Kurzgeschichten scheitern an diesen Kämpfen, diesem Perfektionsstreben:
- Sie scheitern, weil es mir nicht gelingt die Geschichten aus dem bröseligen Stein meiner Sprache heraus zu schaffen, weil ich nicht die richtigen Worte, die richtige Form oder Aufbau finde.
- Sie scheitern, weil ich manchmal noch keine Lösung für eine Geschichte habe, weil mir der erste Satz fehlt.
- Manche Geschichten sind nur die Abbildung einer Abbildung, sie sind zu blass und schwach, weil ich es nicht geschafft habe die Geschichte in mir wachsen zu lassen, bis sie selbständig wird.
- sie scheitern, weil manchmal meine Lösung nicht die richtige ist und ich deshalb abwarten muss, bis die richtige kommt.
Somit ist Schreiben immer ein Kampf mit der eigenen Unvollkommenheit.

Und dann gleichzeitig, gibt es manchmal einen Augenblick, wo alles richtig scheint. Wo ein kleiner Textteil, ein Satz gelungen ist. So gelungen, wie dieser Textteil oder dieser Satz es sein kann. Das gibt mir den Mut weiterzumachen, und manchmal gibt es auch Abschnitte, Szenen und Kapitel die so gelungen sind.
Natürlich könnte ich aufhören mich an diesen Augenblicken zu messen. Aber was würde ich aufgeben. Die Möglichkeit solche Dinge zu schreiben, wie so einen besonderen Satz. Und wenn es nur ein Satz ist.
Ich würde aufhören alles an einem Maßstab zu messen, der mich jeden Tag zwingt alles zu versuchen, neues zu versuchen- um das Beste aus mir herauszuholen, auch wenn ich letztlich scheitere.
Aber irgendwie gehört das zu mir: Der Versuch einen perfekten Roman zu schreiben, wobei Perfektion sich darauf bezieht, was meine Leistungsmöglichkeiten sind- und nicht eine allgemeine Perfektion.
Deshalb gehört das Scheitern zu meinem Schreiben dazu. Aber es gibt auch Hoffnung: Ich bin immer öfter mit Szenen zufrieden und finde sie gelungen.

Oder anders gesagt: Manchmal muss man sehr häufig scheitern, um daraus zu lernen, was wirklich wichtig ist, und wie man besser wird. Auch wenn es ziemlich bescheuert ist, so vorzugehen, wie ich vorgehe. Die eigene Perfektion zu suchen, ist unvorstellbar anstrengend und entmutigend. Und man muss schwer einen an der Waffel haben, im Bergischen Land Schattenmorellen und Sahne, um es zu versuchen.

Erinnerung an Sylvia Plath

Wieder einmal jährt sich der Tag, an dem sich Sylvia Plath entschlossen hat, diese Welt zu verlassen. Ihre Kinder schliefen im Nebenzimmer, sie hatte ihnen Milch und Brot hingestellt, und sie durch einige nasse Kleider und Handtücher beschützt. Und dann ist sie gegangen.

Wer etwas über Sylvia erfahren möchte, so kann er/ sie einen ordentlichen Film Sylvia sehen, er/ sie kann die Tagebücher lesen, die der Ehemann Ted Hughes vor einigen Jahren veröffentlicht hat. Er/ Sie kann aber vor allem "Die Glasglocke" lesen, einen wundervollen Roman über Esther Greenwood, die bei einem gewonnenen Aufenthalt bei einem Magazin in Manhatten langsam in eine psyische Erkrankung abgleitet- ein oft unterschätzter Roman. Oder er/sie kann auch die Gedichtbände von ihr in die Hand nehmen, die auch in ordentlichen Übersetzungen vorliegen, glücklicherweise mit den Orginalen, die die Übersetzungen nicht erreichen (können).
Ob nun Ariel, ob "The Colossus and Other Poems" , oder posthume Veröffentlichungen wie die "Collected Poems", wo zum ersten Mal der Pulitzerpreis 1982 postum vergeben wurde.

Aber ich könnte es auch anders sagen: Ich habe irgendwann ein Gedicht von Sylvia Plath entdeckt, das mir immer wieder in den Sinn kommt. Und es ist eines dieser Gedichte, die mich dazu bewegen bei allen Zweifeln weiterzumachen... weil ich mir vorher nicht hatte vorstellen können, dass Sprache so etwas kann.

Samstag, 9. Februar 2008

Pausen sind Teil der Arbeit...

Eigentlich hatte ich geplant heute sehr lange an meinem Roman zu schreiben...

Und dann kam eine liebe Freundin auf einen Waldspaziergang vorbei, und wir haben geredet und sind durch den sonnengefluteten Wald gegangen. Irgendwie war es fast sommerlich, zwischen den Buchen und Eichen, neben den Fichten und Erlen. Und den alten Munitionsbunkern. Wir haben eine Pause am Kettner Weiher gemacht, wo im zweiten Weltkrieg ein deutsches Flugzeug "notgelandet" ist, und ich schon einmal den Kampfmittelräumdienst gerufen habe: Damit sie dem Hund und dem Kind die 20mm Leuchtspurmunition wegnehmen. Danach noch ein Trödelmarkt, wo gerade anscheinend Pelze absolut in sind, ich habe selten so viele Pelzmäntel gesehen... und Bücher gab es auch. Aber da mein Stapel ungelesener Bücher noch ungefähr 25 cm hoch, und 7 Bücher breit ist, habe ich nicht nachgesehen.
Noch eine Currywurst, und dann sind wir mit ein paar Freunden, die wir zufällig auf dem Weg getroffen haben, Eis essen gegangen, und zwar draußen in der Sonne. Eis essen im Februar, draußen. Und ich habe heute Theresa beim ersten Eisbecher erlebt, ein Jahr und ein Eisbecher.... da kam der Teddy trotz extra großem Etikett nicht mit.

Klimawandel ist doch super. Bald können wir im März in Aachen in die Nordsee steigen und dort Kokosnüsse von den Palmen pflücken... Das das auch Nachtteile hat... o.k..
Neben der Sturmsaison von März bis Oktober, der Ausdehnung der Sahara bis nach Norditalien, dem Regenmangel und der Flucht aus dem Süden.... Und eigentlich mag ich keinen Sommer, das ist mir zu warm. Also besser doch keinen Klimawandel.

Freitag, 8. Februar 2008

Cliffhanger- warum man nicht zu oft Feuer rufen sollte!

Ein Cliffhanger (dt. Klippenhängern) ist eine Situation im Text, bei dem der Autor eine Figur in einem übertragenen Sinne mit beiden Händen an einer Klippe hängen lässt, dann aber ausblendet ohne die Szene aufzulösen. Es geht darum viel Spannung aufzubauen. Die Idee ist die Spannung der Szene nicht sofort aufzulösen, sondern die Spannung mitzunehmen, um über eine weniger interessante Szene sie zu halten, bevor man zurück zu der eigentliche Szene kommt. Die meisten Cliffhanger werden durch eine Szene aufgelöst, weswegen sie halbwegs stark sind- auch wenn die Szene oft Deus-Ex-Machina ist, also eine zufällige Rettung.
Einige Cliffhanger werden inzwischen nebensätzlich aufgelöst, es kommt also nur eine kurze Information, wie die Szene ausgegangen ist- was natürlich einen leicht schalen Nachgeschmack hinterlässt, weil einige Leser das als "Betrug" sehen, weil die Szene entweder nicht wirklich gefährlich war oder die Auflösung enttäuschend ist- weil sie eben nicht noch einmal die Gefahr aufgegriffen hat. Und wenige Cliffhanger werden aufgelöst, indem das gefürchtete passiert, aber die Folgen praktisch Null sind- z.B. fällt die Figur nur einige Zentimeter oder ähnliches. Da sind die meisten Leser verärgert, weil es eine Scheinspannung war.

Eine Abweichung vom Cliffhanger, und viel älter ist aber ein anderes Motiv:
Die eigentliche Szene wird aufgelöst. aber in der Auflösung wird eine Vorausschau eingesetzt: Eine Andeutung, dass letztendlich diese Lösung eine neue Perspektive auf die Geschichte öffnet. Sehr spannend... und vor allem auch eine Spannungsübertragung. Neben diesen Klippenhängern gibt es auch noch solche Motive, die ähnlich konstruiert sind:
- Es gibt das legendäre Gewehr an der Wand, dass seinen Einsatz ankündigt, und als wichtig gekennzeichnet wird
- Es gibt das "Idiot auf dem Dachboden"-Motiv- eine Figur weiß, dass ein entlaufener Psychopath wahrscheinlich dort lauert, aber die Figur sucht den Psychopathen dort.
- Der Traum: etwas ganz schlimmes passiert, was letztlich als Traum aufgelöst wird... - Der angedeutete Tod: Eine Figur scheint zu sterben, aber es gibt etwas, was ihm das Leben rettet. Z.B. Fantasy: vorbeilaufende Heilerin, magische Blume...
- Der Deus-Ex-Machina: Bei Fantasy der magische Artefakt, der dann immer zum Einsatz kommt, wenn der Held sich nicht mehr auf normalen Weg helfen kann.
Der Cliffhanger stammt angeblich aus einer Stelle in einem Sherlock Holmes Roman und begann seinen Aufstieg in den Seifenopern der 30er und 40er Jahre, bevor er danach im Bereich der Serien (besonders der mehrteiligen) und der Soaps seine größten Erfolge hatte.

Der größte Vorteil eines Cliffhangers ist schon genannt:
Eine wirklich spannende Szene wird in die nächste herübergerettet!

Der Nachtteil:
Cliffhanger sind wie Feuerrufe, vor allem, wenn sie eben nicht szenisch, sondern nebensätzlich aufgelöst werden. Es wird Feuer gerufen, und das schafft Adrenalin... Aber wenn dann kein Feuer da ist, oder zu oft Feuer gerufen wird... dann wirkt das nicht mehr, im Gegenteil, der Leser wird verärgert. Zudem sind Cliffhanger nicht gerade elegant...

Donnerstag, 7. Februar 2008

Originalität.... bedeutet das etwas Neues zu erzählen?

Wenn über große Künstler gesprochen wird, kommt eigentlich immer der Verweis auf die Neuartigkeít und Neuschöpfung ihrer Kunst, auf die Originalität oder Ursprünglichkeit. Zu unserem Künstlerbild gehört einfach die Vorstellung, dass ihre Werke immer etwas Neues darstellen. In Wahrheit war das aber schon gelogen, als dieses Künstlerbild im 19. Jh. entstanden ist. Denn Kunst entsteht immer aus dem Kontext und oft genug gibt es nicht die Möglichkeit etwas Neues zu erfinden, weil schon so viel erfunden worden ist.
Wie könnte man heutzutage z.B. einen Roman über eine Liebesbeziehung schreiben, ohne irgendeinen anderen Autoren zu zitieren??? Und es muss ja nicht jedes Mal Shakespeare sein mit Romeo und Julia sein, es gibt auch Tristan und Isolde, es gibt Artur / Lanzelot und Gwynnifer, Helena und Paris/ Menelaos, Don Quichote und Dulcinea. Vielleicht nimmt man auch modernere Geschichten als Vorlage, die Konstellation der Wahlverwandten von Goethe, vielleicht auch die Konstellation von "Vom Winde verweht" oder eine andere...
Letztlich kann man aber heutzutage kaum eine Liebesgeschichte gänzlich neu erfinden, weil die meisten Konstellationen in der Liebe zwischen zwei oder mehreren Personen ausgeschöpft sind, auch die meisten Figurentypen schon einmal gekommen sind. Was muss man also tun, damit es noch originell ist?

Der Begriff der Originalität verweist neben der Ursprünglichkeit noch auf etwas anderes: Besonderheit, Eigentümlichkeit, Eigenart und Echtheit. Und das ist eben nicht die Grundkonstellation der Handlung, auch nicht die Handlungsorte, auch nicht vieles andere. Es geht also nicht darum die Liebe neu zu erfinden, sondern diese Geschichte so zu erzählen, wie sie noch nie erzählt wurde- indem man die Figuren einzigartig (im Sinne von individuell) macht, sie auf eine Weise erzählt, durch persönlichen Stil und Eigenheiten, wie sie noch nicht erzählt wurde und versucht das besondere herauszustellen, was im eigenen Text das Einzigartige ist.

Das ist Originalität.....

Mittwoch, 6. Februar 2008

Der Tod Falcos (alias Johann Hölzel) vor 10 Jahren

Schon seit einigen Tagen erscheinen in Zeitungen und Zeitschriften Berichte über Falco (alias Johann Hölzel), anläßlich Falcos Tod vor 10. Jahren bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik . Das bei diesem Unfall sowohl die Trauer über die Trennung von seiner Freundin, als auch Alkohol und Drogen eine wichtige Rolle gespielt haben, haben wohl die meisten gehört.
Ich habe Falco persönlich nicht gekannt, deshalb möchte ich nichts über die Personn Johann Hölzel sagen- weil ich nichts zu sagen habe. Aber in letzter Zeit höre ich immer wieder seine Musik im Radio- denn sowohl Fler "NDW2005", Fettes Brot "An Tagen wie diesen" und andere haben sich an Falcos Melodien bedient und ihm damit ein großes Kompliment gemacht- denn genau das ist es, wenn man jemanden zitiert.

Das erste Mal wirklich bewusst habe ich begonnen Falco zu hören, nachdem ich seine wunderbare Videoversion von Jeannie gesehen habe, die sich auf "M- Eine Stadt sucht einen Mörder" bezieht.
Das hat mich dazu gebracht diesen Film noch einmal zu sehen, was damals recht schwierig war. Und es hat mich dazu gebracht ein wenig mehr über diesen Falco herausfinden zu wollen und seine Musik.
Und über "Rock me Amadeus" brauche ich nicht viel zu sagen, das Lied war für mich im Prinzip die Erweiterung des Milos Forman Films "Amadeus", der die Situation zwischen Salieri und Mozart auf so brillante Weise aufgegriffen hat.
Ich habe danach manchmal den Anschluss verloren, weil irgendwann meine Zeit mit dem Heavy Metal begann, und ich Falco nicht mehr so bewusst gehört habe. Aber Jeannie hat mich immer wieder begleitet, und gehört in meine ewige Top 100 der Besten Songs bis heute. Weil ich Falcos Stimme eigentlich nie vergessen habe, und es bis heute liebe sie manchmal zu hören.
Als "Out of the Dark" und "Egoist" kamen, kurz nach seinem Tod, habe ich es ein wenig bereut nicht weiter zugehört zu haben. Aber vielleicht verstehe ich inzwischen Falco ein wenig besser, auch wenn ich nichts über Johann Holzel weiß, weil ich selber in den Bereich Künstler gegangen bin.
Seitdem höre ich immer wieder gelegentlich in "Out of the Dark" rein, was aber nichts mit der Idee vom Sterben zu hat. Sondern auch damit, dass es manchmal wie Sterben ist, wenn man schreibt oder künstlerisch arbeitet und man seine Zuhörer/ Leser nicht erreicht.

Ich denke an dich.

James N. Frey "Wie man einen verdammt guten Roman schreibt"

James N. Frey ist ein amerikanischer Autor und Verfasser von mehreren Schreibbüchern, die im Gegensatz zu seinen fiktionalen Büchern in Deutschland erhältlich sind.

Veröffentlichungen in Deutschland:
"Wie man einen verdammt guten Roman schreibt."
"Wie man einen verdammt guten Roman schreibt II. Anleitung zum Erzählen für Fortgeschrittene."
"The Key: Die Kraft des Mythos"
"Wie man einen verdammt guten Kriminalroman schreibt"

Zielgruppe:

Der erste Band richtet sich vor allem an Anfänger, die sich bisher noch nicht so intensiv mit dem Schreibhandwerk beschäftigt haben. Dabei konzentriert sich Frey auf die wichtigsten handwerklichen Bereiche, die er manchmal etwas vereinfacht, aber immer sehr anschaulich darstellt und mit zahlreichen Zitaten aufführt. Sein Roman richtet sich eindeutig an Schriftsteller, die einen handwerklichen und keinen künstlerischen Roman schreiben wollen.

Inhalt:
1. Worauf alles ankommt ist >>Wer<<
Hier stellt Frey die wichtigsten Schritte zusammen, um eine glaubwürdige Figur zu schaffen und was eine solche Figur ausmacht.

2. Die drei wichtigsten Regeln für eine spannende Geschichte: Konflikt! Konflikt! Konflikt!
In diesem Abschnitt wird behandelt, was eine Figur und eine Handlung ausmacht- der innere und dramatische Konflikt.

3. Die Tyrannei der Prämisse
Hier stellt Frey eine Theorie vor, die er leider so nicht als Theorie aufstellt: Die Prämisse. Die Idee, dass jeder Geschichte eine kurze Idee zugrunde liegt, die letztlich über den Erfolg einer Geschichte entscheidet.

4. Das ABC des Erzählens
Hier wird kurz vorgestellt, was eine Geschichte ausmacht und an welcher Stelle man mit einer Geschichte beginnen sollte, sowie ein Stufendiagramm zum Aufbau eines Romans- siehe auch das Dreiaktmodell und ähnliches.

5. Die Steigerung zum Höhepunkt oder: Die Prämisse wird einer Bewährungsprobe ausgesetzt.
Was macht einen Höhepunkt aus und wie ist dieser Höhepunkt mit der Geschichte verbunden.

6. Erzählperspektive, Rückblende und andere Raffinessen (...)
Neben den üblichen Perspektiven wird hier auch neben der Rückblende, der Erzählersprache, die Identifikation und die Vorausdeutung, sowie die Symbole behandelt

7. Die hohe Kunst, gute Dialoge und sinnliche, dramatische Prosa zu schreiben
Neben der Vorstellung der dynamischen Prosa geht es hier um die Kunst Dialoge und Szenen besser zu machen.

8. Überarbeitung und Umschreiben: Die letzten Qualen
Etwas über Überarbeitung und Zusammenarbeit mit anderen Autoren.

9. Zen und die Kunst des Romanschreibens
Wir wird man Schriftsteller? Und die zweifelsfrei richtige Aussage, dass das Durchhaltevermögen wichtiger ist als Talent.

Fazit:
Sowohl Sol Stein als auch Lajos Egri haben beide Schreibbücher geschrieben, die das Thema Romanschreiben umfassender behandeln. Sol Steins Buch ist nicht so für Einsteiger geeignet, weil Stein wesentlich mehr Kenntnisse voraussetzt und viele Schlüsse erst nach einiger Erfahrung wirklich hilfreich sind.
Lajos Egri hat "Dramatisches Schreiben" geschrieben, das das wegweisende Schreibbuch überhaupt ist, und das sicherlich für die meisten Schreibbücher heute eine wichtige Vorlage ist.
James N. Freys Buch war für mich der Einstieg in die handwerklichen Bereiche des Schreibens. Es hat mich mit vielen Grundlagen versorgt, auf die ich nach und nach aufgebaut habe- und hat das auf gut geschriebene und unterhaltsame Art gemacht. Deshalb habe ich am Anfang immer wieder intensiv mit diesem Buch gearbeitet, bevor ich dann mit Sol Stein und anderen Büchern darauf aufgebaut habe.
Gleichzeitig hat mich Frey an zwei Stellen auf eine falsche Fährte geführt, wobei das sicherlich etwas persönliches ist: Ich konnte mit seiner Konzeption einer Prämisse nicht viel anfangen und seine Aussagen zur Überarbeitungen waren viel zu kurz, als dass ich damit arbeiten konnte.

Aber wie immer: Schreibbücher dieser Art richten sich an Autoren, die sich theoretisch mit dem Schreiben beschäftigen, um daraus zu lernen. Viele Autoren lernen aus Romanen oder Aussagen von Schriftstellern über ihr Schreiben- für die wäre dieses Buch Geldverschwendung.Deshalb halte ich "Wie man einen verdammt guten Roman schreibt" für ein gelungenes Buch für Autoren, die sich bisher noch nicht so intensiv mit dem Handwerk Schreiben beschäftigt haben und die sich dafür eine theoretische Grundlage schaffen wollen. Denn dafür ist Freys Buch besonders gut geeignet.

Sonntag, 3. Februar 2008

Müdigkeit und Fortschritt... Januar 2008

Ich habe den Schlaf vermisst. Vielleicht ist es das, was für mich diesen Monat ausgemacht hat. Denn irgendwie kann ich mich an unendlich viele Tage erinnern, wo ich mich einfach nur nach Schlaf gesehnt habe- bei meiner Geburtstagsfeier z.B., als ich am liebsten um 20.00 Uhr nach Hause gefahren wäre. (O.k. ich war später unheimlich froh geblieben zu sein).
Das liegt daran, dass ich gerade an der Abschlussarbeit für meine Uni arbeitet, und es als ziemlich schwer empfinde, das Abstrakte und die Zusammenhänge in meinen Gedanken zu ordnen und zu fassen.
Das war früher einmal einfacher... aber ich arbeite inzwischen mit einem ordentlichen Tempo, viel schneller als im Sommer. Ich komme aber nicht mehr auf das Tempo von früher. Vielleicht weil ich viel sorgfältiger arbeite und mehr entdecke, was ich begründen kann. Vielleicht aber auch, weil ich durch meine Depressionen einfach meine Grenzen kennengelernt habe und etwas mehr Rücksicht auf mich nehme- um es über die Länge einer Abschlussarbeit zu schaffen.
Nebenbei schreibe ich auch noch an meinem Roman, aber ich fahre im Moment mit 70%, weil ich manchmal nach meinen 4 Stunden Schlaf einfach keine Wahl habe, als nicht daran zu schreiben, weil der Abgabetermin meiner Abschlussarbeit immer näher rückt. Das langsamere Tempo ist manchmal frustrierend, aber gleichzeitig wächst der Roman sehr viel harmonischer als zuvor- nur könnte er vielleicht noch schneller harmonisch wachsen. Gleichzeitig ist es aber wahnsinnig interessant zu beobachten, dass die meisten Probleme des Romans immer dann entstanden sind, wenn ich mich mit Bedenken für eine halbherzige Lösung entschieden habe.
Und das das Gefühl fehlender Tiefe oft genug nichts mit dem Fehlen der Tiefe zu tun hatte. Ich habe nur zuviel in die Gedanken gelegt, und zu wenig in die Darstellung- und somit meinen Figuren nicht genug zugetraut.
Ansonsten habe ich noch jemanden meine Hilfe angeboten, und mich und meine Müdigkeit bis an den Rand des Zusammenbruchs gebracht.... alles in bester Absicht- bis ich dann kaum noch an meinem Roman und nur wenig an meiner Arbeit schreiben konnte.
Aber es war trotz allem ein richtiger guter Monat, weil ich mit meinem Roman weitergekommen bin, mit meiner Abschlussarbeit, und wieder gespürt habe, dass ich weit mehr gleichzeitig kann, als ich mir je zugetraut habe. Und ich habe endlich meinen Apple abgezahlt, einen richtig freien Schreibtisch (wegen des neuen Monitors), habe meine Wohnung umgeräumt und wieder mal eine schwarze Null auf dem Konto.
Und noch eins: Ich habe immer wieder von meinem Roman geträumt... immer wieder.... wundervoll

Samstag, 2. Februar 2008

Wird man Schriftsteller, oder wird man dazu gemacht?

Dies ist eine der Fragen, die ich mir schon seit einigen Jahren beschäftigt, und auf die ich bei anderen Schriftstellern unheimlich viele und unterschiedliche Antworten bekommen habe. Die meisten Schriftsteller sprechen davon, dass sie sich irgendwann in den Büchern (oder anderen Formen von Geschichten) verloren haben und sich dann dort in Hundertfacher Gestalt wiedergefunden haben- und aus dieser wunderbaren Selbstaufgabe und Selbstfindung ist der Wunsch entstanden zu schreiben. Der Wunsch selber diese Gestalten und Personen und ihre Geschichten zu erschaffen. Und, auch wenn das immer behauptet wird, das hat nicht unbedingt etwas mit Eskapismus, also der Flucht aus der realen Welt zu tun. Denn lesen und schreiben ist häufig der Versuch über einen Umweg diese Welt zu verstehen- und diese Welt kann man auf die vielfältigsten Arten lernen zu verstehen.
Sicherlich ist es auch eine der einfacheren Antworten, weil sie so unschuldig klingt- und sie passt auch gut ergänzend zu anderen Antworten. Denn eine andere Antwort ist, dass viele spätere Schriftsteller beginnen sich mit Büchern zu beschäftigen, oder mit Geschichten, weil sie ein Erlebnis, ein Ereignis, einen Konflikt nicht "begreifen" können und einen Weg suchen damit umzugehen.
In fremden und den eigenen Geschichten versuchen dies Schriftsteller auf vielfache Weise das erlebte sich zu erschreiben, es umzuschreiben, es zu übertragen, zu verändern, um sich die Frage zu erarbeiten: Wie konnte das Geschehen, wem geschieht das, warum geschieht überhaupt so etwas.
Bei vielen dieser Autoren kann man in fast allen Büchern immer wieder die gleichen Fragen finden, die aber nicht unbedingt immer das Hauptthema der Geschichte sind, aber immer wieder vorkommen.

Wieder andere Autoren empfinden sich selber als defizitärer Mensch, als Unvollkommen und an dieser Unvollkommenheit leidend- als aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Das mag an ihrer Erscheinung liegen, ihrer Herkunft, dem Bild der anderen auf den Autoren und viele mehr. Gerade dieses Gefühl der Fremdheit, nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch mit sich, und mit allem, führt dazu, dass die Gesellschaft hinterfragt wird, und man sich selber.
Manche Autoren haben das Gefühl ungehört zu sein, niemand scheint sie wahrzunehmen, ihre Wort sind ungefähr so wichtig wie die laute Lesung der Richtlinien der Deutschen Bahn beim Transport von Fruchtcontainern- das Gefühl irgendwie unsichtbar und unwichtig zu sein. Das macht Menschen zu Klassenclowns und auch zu Schriftstellern, indem man sich selber ins Zentrum setzt, und da macht es wenig Unterschied, ob es nun eine Schulklasse oder ein Roman ist.

Wieder andere Autoren kommen als Hobbyisten zum Schreiben, sie haben etwas zu ihrem Hobby oder ihrem Interessengebiet erklärt, und darin eine Art Berufung gefunden. Und dann gibt es einen Kick, einen Tritt, einen Anreiz, so dass sie ihr Thema, ihr Hobby zu einer Geschichte ausgestalten- zuerst häufig als Spaß, um die Zeiten ohne ihr Hobby irgendwie zu überstehen oder auch die Ideen einmal aufzuschreiben.
Und dann gibt es die Welterklärer: Die eine Sicht von der Welt haben, und versuchen anderen eine Möglichkeit zu schenken diese Welt auf die gleiche Weise zu sehen, häufig mit viel Humor für die Tragik dieser Welt, und mit großer Hoffnung auf etwas Besseres. Manchmal aber auch ohne Humor und Hoffnung.
Als letztes, gibt es noch die Eskapadisten, die Weltflüchter, die Eremiten, die diese Welt und ihre Menschen nicht ertragen können. Sie schaffen sich einfach eine andere Welt, die häufig einfacher strukturiert ist, und wo es Menschen gibt, die als Helden geboren sind und deshalb einen wirklichen Einfluss auf diese Welt haben- während die Weltflüchter genau diesen Einfluss auf die Welt in der realen Welt nicht sehen.

Und ja, die meisten Autoren haben eine ganze Reihe dieser Gründe in ihrer Autorenbiographie, wobei die unterschiedlichen Dinge unterschiedlich gewichtet sind. Es ist übrigens ziemlich hilfreich zu erkennen, was einen antreibt, weil man dann viel besser weiß, was man eigentlich mit seinen Geschichten erreichen möchte- und was die eigenen Themen und Vorstellungen des Schreibens sind.

Freitag, 1. Februar 2008

Der Verriss des Gedankenkindes

Die meisten Autoren machen irgendwann die Erfahrung, wie es ist, wenn das eigene Gedankenkind von jemand anders verrissen wird.
Ein Verriss ist eine Besprechung des eigenen Werkes in der Öffentlichkeit (Zeitung, Medien, Internet), wo oft auf polemische Weise die Schwächen eines Textes herausgestellt werden und ein vernichtendes Urteil über den Text ausgesprochen wird und im Extremfall auch über die Person oder die Persönlichkeit des Autoren und seine Haltungen und Vorstellungen. Als Beispiel ein Verriss aus der Titanic (Mai 2006) über Juli Zeh: "Die Allerunausstehlichste. Ein unerledigter Fall in gebotener Kürze." ; von Stefan Gärtner.
Zitat aus diesem Text: "daß also so eine unablässig mitquakende und sich einmischende und querdenkende Dauerpowerfrau und Quatschnuß als Schriftstellerin nicht nur problemlos durchgeht, sondern auch noch ästimiert wird, Preise abgreift und das alles, ich wette, für vollkommen in der Ordnung und einwandfrei berechtigt hält und einer derart blöden Gans und Trine aber auch nie mal jemand sagt, wie für ihr Alter bereits berückend widerlich sie sei:das ist fatal. Dies dazu."

Als Autor, der durch seine Bücher selber öffentlich geworden ist, muss man also mancherlei ertragen. In diesem Fall sogar einiges, was weit über die Texte und die Person der Schriftstellerin hinausgeht und bis in die Sphäre des Kritikers geht, der seine Ideen auf die Person der Autorin überträgt, seine Neigung oder Abneigung gegen die fiktive Autorin..
Und ganz ehrlich, es ist manchmal der Augenblick da, wo man als Autor einen langen Spaziergang machen muss, weil man deutlich persönlich getroffen ist- manchmal, weil man eine sachliche Kritik, manchmal eine Polemik oder einen Verriss und manchmal einen Verriss als Autor eines Textes und als Person ertragen muss.
Denn so ein Verriss schmerzt eigentlich immer. Und am Anfang ist man manchmal geneigt, über die Schreibaufgabe nachzudenken, wenn jemand den eigenen Text oder die Person dahinter als Punchingball benutzt.
Letztlich gehört es aber zur Professionalität eines Autoren solche Verrisse einfach zu ignorieren, wenn man sich sonst darüber ärgern würde- weil dieser Ärger nur verschwendete Zeit und Kraft bedeutet, weil man sowieso nichts dagegen machen kann. Und wenn man einen solchen Verriss nicht ignorieren kann oder will, ihn so hinzunehmen, wie er ist. Und ihn als kleinen Anstoß zu nehmen sich und das eigene Schreiben nicht ganz so wichtig zu nehmen.
Denn die Erfahrung zeigt, dass viele besonders gute Autoren polarisieren, und entweder große Zustimmung oder große Ablehnung auslösen. Denn je individueller ein Autor ist, je klarer ein eigener Stil oder eine eigene Stilistik, eine eigene Themenwahl, die Fragen des Autoren in den Geschichten zu erkennen sind, desto klarer positioniert sich ein Autor. Gerade diese Autoren ziehen Verrisse an. Mittelmäßigkeit löst weder große Zustimmung, noch große Ablehnung aus.
Schlechte Texte führen zwar auch zu Verrissen, da geht es aber meist um Handwerksgründe, die aufgezählt werden und es wird meist nicht der gesamte Text verrissen, sondern der Roman wird schlecht bewertet und dies wird mehr oder minder belegt. (Wobei die minderbelegten Verrisse nur ärgerlich sind und sonst wenig berühren).
Dementsprechend sind Verrisse ein wenig die "Kakerlaken im Salat des Schreibens", denen man als Autor leider nicht immer ausweichen kann. Wichtig ist es die eigene Art zu finden damit umzugehen und es nicht persönlich zu nehmen (oder zumindest nicht länger als ein paar Stunden) und danach zu seufzen und es für sich abzuhaken.
Denn wer Verrisse zu dicht an sich heran lässt, wird es als Autor sich selber schwer machen, weil er sich immer wieder deren Aussagen als kleine, innere Schweinehunde neben die Schreibarbeit setzt, die in die Schreibblockade, in die Schreibaufgabe, in die Verzweiflung oder die Selbstzweifel führen. Und das ist nicht nur schrecklich unproduktiv und unprofessionell, sondern pure Selbstquälerei.

Texte sollen eben nicht jedem gefallen, sondern nur einer Zielgruppe. Und Texte gefallen auch nie allen, sondern immer nur einem Teil der Leser. Wer das beherzigt, lebt leichter.

Post Scriptum: Ach ja, ein paar Zitate aus Verrissen meiner Texte
"Niveau einer RTL II-Dokumentation"
"Ekelerregend wie du absichtlich auf Mitleid spielst"
"Das würde eine Frau nie so sagen"
"Offensichtlich bist du selber ein selbstmitleidiges Arschloch"
"Findest du dich nicht selber peinlich bei so einem Text."
"Du kannst nicht für einen Pfennig schreiben."
"So eine Sammlung von gefühlsbeladenem Dreck habe ich selten gelesen."
"Kann das sein, dass du schwere Komplexe hast? Solltest du zumindest!" "Beschissener Ökogutmensch."

In diesem Sinne... Gute Nacht...

Erneut zum FAZ-Artikel

Ich hatte ja schon am 30.01 kurz etwas gebloggt zu dem Artikel aus der FAZ, weil der Artikel aus meiner Sicht nicht so gelungen war. Und nun habe ich noch einmal ergänzend über die Gedanken noch einmal nachgedacht, nicht weil ich die Gedanken als grundsätzlich richtig betrachtet habe, sondern weil es in der Anwendung auf meinen Text schon interessant war. Denn mein Künstlerroman handelt weitgehend im Privaten, das öffentliche Leben bleibt ausgeblendet, es gibt keine Arbeitsszenen außerhalb des Schreibens, Medien kommen natürlich schon in einem Künstlerroman vor, und irgendwie könnte der Roman natürlich auch in einer anderen Zeit spielen, wenn ich nur wenig ändere- zumindest weil Politik und anderes keine Rolle spielt.
O.k. der Roman könnte doch nicht zu einer anderen Zeit spielen, weil sich im Bezug aufs Private doch einiges geändert hat. Weil die Figuren eben in ihre Zeit und ihr Umfeld angebunden sind.
Aber vielleicht brauche ich auch das andere, das öffentliche als Kontrast und ich werde daran arbeiten.
Somit war der Artikel doch interessant, wenn ich aber immer noch quietschen könnte, wenn hier die Journalisten an die literarische Feder gerufen werden....
Immerhin einen Vorteil hätte das: Die Angst vor dem Internet würde abnehmen, weil die Journalisten endlich ein weiteres Standbein im Urheberrecht hätten (und dann weniger auf die Zeitungsverlage und deren Urheberrechtspolitik "Eine Bezahlung für alle Rechte" angewiesen wären).

Nur ist die Frage, ob Journalisten wirklich die besseren Autoren wären??
Es gibt wunderbare Journalisten und Autoren, aber die Gruppe der Journalisten ist insgesamt nicht besonders bei den Autoren aufgefallen- während viele Autoren immer wieder als Journalisten gearbeitet haben. Und Recherche... gegen alle Behauptungen gibt es viele Autoren, die vielleicht nicht über die Instrumente eines Journalisten verfügen, aber das durchaus beherrschen.

Aber das ist wie immer: Letztlich ist die Grundidee des Artikels, dass Journalisten über eine erlernte Fähigkeit verfügen, die es ihnen erlaubt die Zusammenhänge der Dinge zu erkennen und daraus etwas besonderes abzuleiten. Nur leider haben die wenigsten Journalisten diese Fähigkeit. Denn Journalisten haben genau wie alle anderen ihre Fehleinschätzungen, ihre Selbsttäuschungen und vorgefassten Meinungen. Ich sage nur FAZ-Schirrmacher, Tom Cruise und ein Bambi. Und auch andere Menschen können Zusammenhänge erkennen, und auch der Prozentsatz entspricht wohl dem der Journalisten- sogar bei den bösen Bloggern.
Die Selbstüberschätzung des eigenen Berufstandes des Verfassers ist jedoch sicherlich einen Text wert- auch wenn das nicht nur Journalistentypisch ist. Aber interessant wäre das schon als Thema eines Textes. Danke, Herr Kämmerlings.

Ich... bei der Arbeit in meinem Büro

Das achte Kapitel ist fertig!

In den letzten Jahren habe ich immer sehr viel Zeit gebraucht, um Probleme an meinem Text zu beheben- die Überarbeitung wurde da manchmal zu einer eigenen Zeitschleife, einem aus dem Roman seiend und dabei mittendrin.
Dieses Mal ist es etwas anders. Ich brauche zwar immer noch viel mehr Zeit, als wohl die meisten anderen, was diesmal u.a. daran liegt, dass ich nebenbei eine Abschlußarbeit schreibe.
Aber ich komme mit jedem Versuch an meinem Text weiter, und auch in meinem Schreiben. Der Roman gewinnt im Moment unheimlich Stärke und Weite, die immer spürbar war, die sich an einigen Stellen aber etwas verloren hat. Und ich habe nun eine Ahnung, was im zweiten Teil noch gefehlt hat, auch wenn der Teil sehr gelungen war. (Und nur die Fortsetzung an einigen eklatanten Mängeln gelitten hat). Und da sich dort auch ein Problem verflüchtigt hat, entwickelt sich gerade in Gedanken der Roman mal wieder ein wenig aus.
Und gerade schreibe ich ein unerwartet zu mir gekommenes Kapitel acht... und entwickele gerade anhand einer Idee zum Dreiaktmodell eine weitere Idee, einen weiteren Dreh- der für den Roman wichtig wäre.

Oder anders gesagt: Es geht voran.