Freitag, 30. November 2007

Gestaltung einer Welt

Wenn man sich z.B. historische und phantastische Romane ansieht, dann unterscheiden sich beide gewaltig. Denn während Fantasyromane in einer erfundenen Welt Geschichten erzählen, geht es in historischen Romanen um historische Welten, mit historischen Personen, die in eine Geschichte (oft mit einigen ergänzenden, fiktiven Gestalten) aufeinandertreffen. Und klar, historische Romane benötigen umfangreiche Recherche, während Fantasyroman scheinbar keine Recherche benötigen.

Letztlich sind historische Romane genauso fiktiv wie Fantasyromane, weil unser Bild von der Vergangenheit durch unsere Betrachtung verfälscht ist und wir aus einigen historischen Fakten, einigen Ideen und Theorien über die Vergangenheit letztlich eine fiktive Vergangenheit neuschaffen.
Fantasyromane beruhen auf einer ähnlichen Konstruktion. Eine Geschichte benötigt eine fiktive Welt, die in vielen Bereichen ähnlich oder analog zu unserer Welt geschaffen werden muss und in anderen, abweichenden Bereichen logisch konstruiert werden muss. Eine Welt mit Magie benötigt ihre eigenen Gesetze für die Magie und die magischen Wesen, und hat dennoch große Ähnlichkeit mit unserer Welt.
Eine phantastische genau wie eine historische Romanwelt benötigt Glaubwürdigkeit, indem der Leser nachvollziehen kann, wie diese Welt gestaltet ist und wie diese Welt funktioniert. (Übrigens nicht anders als eine andere Romanwelt).
Deshalb recherchieren die Autoren von historischen Romanen (mehr oder minder gut) über die Zeit, über ihre Sitten, über Kleidung, Gesellschaft und vieles mehr. Wer sich eine phantastische Welt ausdenkt, der kann natürlich ohne eine Recherche diese Welt gestalten- aber wie sich immer wieder zeigt, bleiben solche Welten oft recht "blutleer". Denn um eine Welt zu gestalten, muss man sich Gedanken machen, wie eine bestehende Welt funktioniert- und was diese Welt ausmacht. Denn erst dann wird eine Welt glaubwürdig.

Ein klassisches Beispiel im SF wäre "Bladerunner", indem sich sowohl der Autor Philip K. Dick, auch als Ridley Scott viele Gedanken um die Ausgestaltung der Welt gemacht haben. Das beginnt mit den Lebensumständen der Figuren- der Gestaltung einer alternativen Zukunft (mit einer Arbeits- und Lebenswelt)- und einer gesellschaftlichen Ordnung.
Die Geschichte von "Bladerunner" benötigt diesen Hintergrund, damit die eigentliche Geschichte funktionieren kann, weil Geschichte und Figuren eng miteinander verwoben sind. (Was übrigens u.a. eine gute Geschichte ausmacht). Deshalb muss eine Welt sorgsam errichtet und gebaut werden.

Übrigens ist es bei allen anderen Romane genauso: Jeder Roman benötigt seine fiktive Welt, auch wenn z.B. die meisten Romane sich mit ihrer fiktiven Welt auf eine reale Welt beziehen.
Es ist nicht möglich eine reale Welt in einem Roman zu zeigen, weil es die reale Welt gar nicht gibt-- denn wir können nur unsere subjektive Vorstellung der Welt verwenden und diese Vorstellung ist eben nicht mehr die reale Welt, oder nur unsere Vorstellung davon.
Also gestalten wir als Autoren eine Welt. Sie muss glaubwürdig sein, es müssen Bezüge zwischen der Welt und unserer Geschichte vorhanden sein, und diese Welt muss für die Leser nachvollziehbar und interessant sein- und das kann sie nur, wenn wir uns Mühe geben diese Welt den Leser vorzustellen, nahezubringen und den Leser immer wieder überraschen, verblüffen und überzeugen.
Die Wahl der Schreibrichtung, ob nun phantastischer Roman, historischer Roman, SF, sozialkritischer Roman usw. hängt übrigens davon ab, was für eine Welt die erdachte Geschichte braucht. Was deutlich macht, wie wichtig die Welt für die Geschichte ist.

Donnerstag, 29. November 2007

Verkaufsmechanismen in der Branche

Wenn man sich den Buchmarkt mal genauer ansieht, dann gibt es unendlich viele Phänomene, die eigentlich niemand wirklich versteht, auch wenn viele Menschen immer das Gegenteil behaupten. Unendlich viele Bücher werden jedes Jahr veröffentlicht, über 90.000 und nur ein Teil dieser Bücher gelingt es zu einem Bestseller zu werden, also eine Auflage von über 50.000 zu erreichen. Die meisten Bücher aus Publikumsverlagen bleiben zwischen 2.000 und 10.000 verkauften Exemplaren, einige Bücher verkaufen sich deutlich schlechter.
Und auch bei kleineren Verlagen sieht es ähnlich aus, die wenigsten Bücher erleben eine zweite Auflage, viele Bücher verkaufen nicht einmal annährend die erste Auflage (die bei Klein- und Kleinstverlagen zwischen 500 und 3000 Büchern liegt).
Die meisten bezahlten Werbemaßnahmen haben zwar einen Effekt auf den Verkauf, letztlich ist es aber häufig so, dass der Aufwand nur begrenzt zum Erfolg steht: Rezensionen in großen Zeitungen haben meist kaum einen spürbaren Effekt auf die Verkäufe, einige Literaturmagazine im Fernsehen funktionieren teilweise sehr gut (Elke Heidenreich hatte am Anfang einen nachweislich extrem hohen Nachverkauf der besprochenen Bücher; bei anderen Sendungen waren die Nachverkäufe wesentlich geringer), Werbung in Zeitungen und Zeitschriften sind oft sehr hübsch, aber es werden nur selten genug Bücher zusätzlich verkauft, um die Kosten für die Anzeige wieder einzuspielen.
Mundpropaganda kann sehr effektiv sein, aber niemand kann bisher beurteilen, wie man sie effektiv startet, Autorenblogs, Rezensionen bei Amazon haben ein wenig Nachverkäufe, Flyer so gut wie keine.
Noch ganz gut funktionieren Bücherstapel, wenn ein Buch neben ein ähnliches Buch plaziert wird, dass sich gut verkauft. Aber das hängt auch wieder vom Cover und vielem weiteren ab. Einige Buchpreise helfen enorm bei den Verkäufen, andere werden weitgehend ignoriert und Lesungen helfen selten den Verkauf zu steigern.

Wirklich effektiv ist Werbung dann, wenn ein Buch schon begonnen hat sich zu verkaufen und über die ersten zwei, drei Auflagen hinaus ist. Dann führen die Verkäufe anscheinend zu einer Unterstützung der Mundpropaganda, oder zur Erinnerung an die Buchempfehlung, und der Verkauf nimmt manchmal stark zu, gerade wenn überall Werbung gemacht wird (Rezensionen in Zeitungen, Erwähnung in Nachrichten, klassische Werbung. Bücherstapel in den Buchhandlungen, Buchpreise....)
Aus diesem Wust von üblichen Phänomenen wird klar, wie schwer es ist ein Buch zu vermarkten.
Deshalb ziehen viele Verlage es vor Reihen zu vermarkten, die vom Umfang, Inhalt, Wahl der Hauptfigur, Thema, Gestaltung des Cover und Einordnung in eine Reihe klar zu erkennen sind. Somit hilft jedes gutes Buch und jeder Verkauf/ bzw. jede Werbung für die Reihe allen Büchern, und eine gut laufende Reihe verkauft relativ hohe Auflagenzahlen ohne teure Extrawerbung. Ein Beispiel wären z.B. die Fantasyreihen mit "Die Zwerge"; "Die Elfen"; "Die Orks"....
Hier wird oft mit Aufklebern gearbeitet: für die Leser von....; genauso brilliant wie das Buch xy; der Autor könnte an der Seite von xy sitzen...

Eine andere Variante ist um einen Bestseller herum das Thema inhaltlich abzugrasen und möglichst mit Titel, Cover und Klappentext auf diesen Bestseller zu verweisen. Das funktioniert, weil z.B. Dan Brown nur eine bestimmte Zahl Bücher pro Jahr schreiben kann, und die meisten Leser mehr Bücher lesen wollen. So wird ein Dan Brown Leser direkt angesprochen, und angeregt das Buch zu verkaufen.
Das funktioniert aber nur eine bestimmte Zeit, und funktioniert auch nur, so lange der Leser mit den ähnlichen Varianten zu Dan Brown zufrieden ist. Meist nehmen die Auflagen aber mit dem Zeitverlauf stark ab.
Hier wird oft die Covergestaltung imitiert. gleichartige Buchstaben, meist ähnliche Titel, oft mit einem Aufkleber: ein nervenzerreißender Bestseller im Stile von...
Weiterhin gibt es noch Bestseller, deren Strickmuster immer wieder als Vorlage verwendet wird. Das funktioniert fast wie die vorherige Variante, aber die Abweichung vom "Orginalbestseller" ist größer, es wird einiges übernommen (siehe die historischen Romane mit weiblichen Hauptfiguren, meist im Mittelalter, meist mit dem -in Namen (Die Pilgerin;....)) und es entstehen weitere Bestseller (teilweise mit ähnlich guten Verkaufszahlen), die wieder rum weitere Bücher um diese herum nachziehen. Daraus entsteht ein eigenes Kleingenre in einem Großbereich, z.B. die historischen Romane mit weiblicher Hauptfigur, die historischen Frauenromane mit Hosenrollen, ....
Dabei werden diese Kleingenre immer mehr ausdifferenziert und es gibt immer mehr Vorgaben von den Verlagen, so dass immer weniger Freiheiten für den Autoren vorhanden sind.

Es gibt dann auch bestimmte Themen, die gerade in "Mode" sind. Das sind z.B. die Geschichten über die Nazizeit, seit J. Franzen wieder Familienromane (meist tragisch oder mit ungewöhnlicher Perspektive), bestimmte Zeitalter bei historischen Romanen, Vampirromane sind groß im Kommen, Horrorromane laufen recht gut.... Dabei gibt es eine große Freiheit das Thema zu bearbeiten, weil entweder die großen Bestseller noch fehlen, gleich recht unterschiedliche Bestseller gelaufen sind oder gerade die unterschiedliche Bearbeitung des Themas Nazizeit (mal autobiographisch aus der Familie; Geschichte über bestimmte Themen;...) so interessant ist.
Und es gibt bestimmte Stile, die sehr in Mode sind: Immer mal wieder gibt es parodistische Romane, die sehr gut laufen, es gibt eine Mode wie Raymond Carver, John Irving, S. King zu schreiben,... Hier wird oft auf den Stil verwiesen, bzw. bekannte Vorläufer im Stil: Schreibt wie John Irving....

Und neben dieser Orientierung an bestehenden Reihen, Bestsellern, Romanen, Themen, Stile gibt es auch noch die Möglichkeit etwas Neues zu machen, sozusagen der Versuch selber einen Bestseller zu setzen, der selber dann wieder über die oben genannten Varianten variiert, kopiert oder verkürzt wird.
Während bei den anderen Varianten immer die Vermarktung schon bei den Vorläufern gelaufen ist, und an diese Vermarktung angeschlossen werden kann, muss hier ein Autor erst aufgebaut werden. Oft müssen Autoren über drei, vier Bücher begleitet werden, bevor sich nach und nach die Verkäufe verbessern... und oft klappt das nicht.
Deshalb versuchen viele Verlage bereits funktionierende Bestseller aus dem Ausland anzukaufen, und den Verkauf im Ausland als Werbung zu verwenden: Platz xy auf der New-York-Times Bestsellerliste...
Diese Variante kostet viel Geld, kostet Zeit, und birgt ein hohes Risiko. Deshalb versuchen viele Verlage erst einmal über die anderen Varianten die notwendigen Verkäufe hinzubekommen, und starten immer mal wieder einen Testballon in diesem Bereich, wenn sie von der Möglichkeit eines Erfolgs überzeugt sind. Und die meisten dieser Testballons scheitern, weil es nicht gelingt genug Aufmerksamkeit für diesen Roman zu schaffen- siehe das Problem Werbung. Und wenn es nach dem zweiten oder dritten Mal nicht klappt, dann wird der Autor abgeschossen.
Anders formuliert: Das Verlagsgeschäft ist verdammt schwierig, und es hat so seltsame Gesetzmäßigkeiten, dass ein Zufall nötig ist (richtiger Zeitpunkt für den Roman; richtige Leser, die viel Mundpropaganda machen; richtiges Thema für den Moment,...), damit ein Buch ein Bestseller wird.
Die Hoffnung, gute Bücher würden sich durchsetzen, ist auch nicht so ganz richtig. Denn gute Bücher fallen genauso durch und manchmal werden schlechte Bücher zu Bestsellern, weil sie zur richtigen Zeit das richtige Thema hatten. (Wobei gut und schlecht verdammt schwammige Begriffe sind).

Letztlich ist es so, dass man als Autor immer nur sein Bestes versuchen kann, und man das Ergebnis der Verkäufe kaum beeinflussen kann (und die Verlage können es oft auch nicht).
Aber Qualität setzt sich auf Dauer häufig durch und Schreiben macht glücklich (zumindest wenn es nicht gerade unglücklich macht). Zumindest will ich das glauben.

Mittwoch, 28. November 2007

Angst, Freude und nochmals Angst??

Vielleicht bin ich einfach nur ein seltsamer Pilger, aber seit ich meinen Roman noch einmal in die Hand genommen habe, habe ich Angst, Freude und nochmals Angst? O.k.. Das hört sich jetzt genauso bescheuert an, wie ich mich fühlte.
Ich habe meinen Roman begonnen neu zu entdecken und dabei neu zu bearbeiten. Ich muss noch ein paar unwichtige Sachen für die Handlung und Atmosphäre ("geblümte Sofakissen" auskürzen, die Handlung aus der Gegenwart in die Vergangenheit setzen (um noch ein wenig mehr Möglichkeiten zu gewinnen), vermutlich einige Szenen ersetzten.... und noch unendlich viel mehr machen.
Und ich liebe es, weil ich vor meinen eigenen Worten sitze und so unendlich stolz auf diesen Text bin. Weil er genauso geworden ist, wie ich es mir immer erhofft habe. Und genau das macht mir einerseits Freunde, aber auch Angst! Denn ich weiß genau, dass der Anfang genauso geworden ist, wie ich mir das erhofft habe. Und ich weiß, dass Teile des Textes nicht so gelungen sind....

Und so wäre es schön nicht zu wissen, dass weitere Teile des Textes nicht so gelungen sind, bzw. das zu verdrängen. Das bringt zwar nichts, ist aber eine tolle Vorstellung. Und so schleiche ich ein wenig um den Romananfang herum, und plane ein bisschen die Umarbeitung.
Und genieße und leide. Ich bin halt wirklich ein seltsamer Pilger.

Dienstag, 27. November 2007

Eine seltsame Pilgerreise... November 2007

Als ich mich im Juli von meiner Kathererburg aufgemacht habe, hatte ich einen wundervollen Romananfang im Gepäck, einen kräftigen Gehstock, neue Schuhe und einen guten Mantel.
Es war ein leichter Aufbruch, wenn auch voller Wehmut, und die Euphorie hat mich die erste Zeit über die Berge getragen. Die Aussicht(en) war(en) übrigens atemberaubend, wenn nicht die meiste Zeit um mich herum Nebel und Regen gewesen wären, und Schafe. Seitdem weiß ich übrigens, warum die Menschen aus den Pyrenäen nie aus einem Fluss trinken, wenn über ihnen Schafe weiden. Ich sage nur Pfui.
In einer Herberge, in einem der Täler, habe ich übrigens allerlei seltsame Symbole entdeckt, und wenn ich auch nicht gerade ein Spezialist bin.... mit Ritterorden und einige Steinarbeiten kenne ich mich schon ein wenig aus.
Ich habe einen Augenblick inne gehalten, wie ich das immer wieder während der Reise getan habe, und habe mein Bild des Mittelalters überdacht: Die Zwerge, die sich auf dem Rücken der Riesen (der Antike) niedergelassen haben. Sehr sittsame Zwerge übrigens, zumindest vordergründig, recht gottesfürchtig in einer Welt, die sie kaum verstehen, einer mythischen Welt.
Und da habe ich verstanden, dass ich vielleicht manchmal zu sehr glaube ein Riese zu sein, und eigentlich ein Zwerg bin, und manchmal mich als Zwerg fühle, obwohl ich da mindestens zwei Handbreit zu groß für bin.
Auf dem nächsten Berg war natürlich alles viel mythischer, weil das immer so ist, wenn man gezielt danach sucht. Also habe ich an den Pfaffen Konrad gedacht, der seinen Roland im "Rolandslied" hier gegen eine Unendlichkeit an Feinden hat versterben lassen, gefolgt von seinem Karl dem Großen. Ich habe an die Züge der Westgoten über diese Berge gedacht, an das westgotische Königtum, die Reconquista und vieles mehr. Und habe praktisch in jedem Stein etwas besonderes gesehen- zumindest für einen Stein.
An einem der Gebirgsbäche, ich hatte mich vorher extra nach Schafen umgesehen, habe ich mich dann ausgeruht und etwas getrunken. Und war mal wieder eher ein Zwerg, und habe nicht mehr weiter gewusst. Der Weg hatte erst meine Schuhe gefressen, mein Stock war irgendwo in einer der Herbergen verschwunden, übrigens mit meiner Unterwäsche (was auch immer jemand mit Pilgerunterwäsche möchte), und ich war müde.
Es war nicht so, dass ich umdrehen wollte, es war eher die Müdigkeit, die man manchmal auf einer solchen Reise braucht. Und nach und nach haben sich meine Gedanken geklärt und ich habe nicht überall nach mythischen Hinweisen gesucht.
Ich war gerade kurz vor einem der wichtigen Pässe, einem elend langen, steinigen Aufstieg, wo mich ständig entfleischte, dürre Pilger überholt hatten, als ich direkt vor dem letzten Grat stehen blieb.
Ich war schon so weit gekommen, mit meiner Pilgerreise, als ich merkte, dass ich vielleicht mit dem falschen Roman auf die Reise gegangen bin. Nicht, dass dieser Roman nicht wundervoll ist, dass ist er, aber ich fühlte mich nicht länger bereit mich so schwer und unbeweglich zu fühlen, weil ich so schwer an ihm trug.
Und gerade bei einer Pilgerreise ist es wichtig an den richtigen Stellen Gepäck zurückzulassen, auch wenn ich niemanden empfehlen würde sich die Unterwäsche klauen zu lassen.
Also habe ich den Roman tief in meinen Rucksack begraben, wo er nicht so schwer war, denn zurücklassen konnte ich ihn nicht. Denn es war der richtige Roman, vielleicht nicht zur richtigen Zeit, aber auf jeden Fall der richtige Roman. Und einen solchen Roman kann man nicht zurücklassen.
Zwei Wochen bin ich durch die nun kleiner werdenden Berge gewandert, mit vielen Gedanken, unausgesprochen, auf spröden Lippen lauernd, bis ich dann endlich aus einer alten Idee einen neuen Anfang gemacht habe... indem ich einen neuen Romananfang gefunden habe. Und auf einmal wurde die Reise leicht, und die Gedanken auch.
Vielleicht war es der Abstieg, der dann begann, immer wieder von kleinen Hügelkuppen, Nebel und Schafen unterbrochen, von kleinen Entdeckungen am Wegesrand, und neuen Erfahrungen: Das es nichts bringt Brotkrumen möglichst weit vom Bett entfernt an die Wand zu legen, weil Kakerlaken offensichtlich lieber Sportschuhe essen. Oder das englische Pilger sogar verschimmelte Feldbetten mit Badetücher reservieren, obwohl sie dann doch nicht darauf schlafen... ich sage nur meine Turnschuhe unter dem Bett des englischen Pilgers. Schließlich wollte ich nicht mein klammes Handtuch auf irgendeines der angeschimmelten Betten legen.
Ich bin dann eine ganze Zeit einfach weitergegangen, bin keine langen Entfernungen pro Tag gegangen, und dann haben die Berge einfach aufgehört. Für einen kurzen, naiven Augenblick dachte ich, dass das schlimmste schon überstanden wäre. Vielleicht hätte ich merken müssen, dass die Berge irgendwie immer auch ein Ansporn waren. Oder das es nicht so monoton ist Berge hinaufzusteigen und wieder hinab, wie durch wunderbare Felder zu gehen, und noch mehr Felder, und noch mehr Felder, während einem die Sonne die Haare ausbleicht und die Gedanken auffrisst. Und die Sicht ist auf Bergen trotz Nebel und Regen auch besser.
Vielleicht hört es sich seltsam an, aber ich habe etwas abseits des Weges ein kleines Lokal gefunden, in dem es vorzüglichen Wein gibt, und vor Ewigkeiten eines meiner großen Vorbilder eingekehrt ist: Don Quijote- ein Bruder im Geiste. Zumindest hat der Wirt das behauptet, und ich würde ihm nicht widersprechen wollen. Denn wer das Essen in diesem Lokal gegessen hat, der muss Don Quichote sein, um das zu genießen- oder unendlich viel Wein trinken.
Und ich war so betrunken, an diesem Abend, und so Don Quijote, dass ich mit einem Mann gesprochen habe, der mich fest davon überzeugte, dass er Miguel de Cervantes sei, und ich vielleicht eher der Esel von Sancho Panza sei oder vielleicht der Bauch von Sancho Panza und nicht der berühmte Hidalgo Don Quijote. Denn weder hatte ich eine Dulcinea, noch hatte ich eine Lanza (schließlich hatten sie mir meinen Stock geklaut), und ein Hidalgo ohne Unterwäsche.... keine Chance.
Und wenn ich gerade darüber nachdenke, dann hatte der Einhändige Mann von Lepanto Cervantes noch beide Hände, oder er war gar nicht Cervantes.
Der mächtige Kater am nächsten Morgen, nicht der schwarze, der vollgefressen unter einer Leiter lag und dem es als einzigem gut ging, sondern der andere, überzeugte mich, dass der Wein bei weitem nicht so gut war, wie er nach einer stundenlangen Pilgerreise durch die heiße Sonne geschmeckt hatte. Ich hätte es ahnen können, wenn ich es gewollt hätte.
Und hinten, im Gastraum, hing auch ein Gemälde mit Miguel de Cervantes. Und ich wusste eines: Wenn man so betrunken ist, dass man mit einem Gemälde spricht, dann ist das schon ziemlich übel. Wenn es antwortet, dann hat man wirklich ein Problem.
Ich habe dann mit einer Frau gesprochen, der es fast so schlimm wie mir ergangen war. Und sie erzählte mir von dem wunderbaren Stanley Kubrick... der sich immer gewünscht hat, mehr Filme zu machen. Und gleichzeitig wie ein Besessener jede Szenen so oft wiederholte, bis sie seiner Meinung nach fast perfekt war- weswegen Kubrick nur alle paar Jahre einen Film fertigstellte.
Und vielleicht war es noch der restliche Alkohol, oder die durchgescheuerte Stelle an meinen Oberschenkeln, aber ich bin mir fast sicher, dass sie meine Dulcinea sein könnte, wenn ich dort noch auf den einen oder anderen Schoppen Wein bleiben würde... Oder besser gesagt, ihre Hand auf meinen Oberschenkeln war sehr eindeutig.
Und dann habe ich verstanden, dass ich meinen Windmühlen längst habe.... meinen alten Roman. Und dass ich als ehrlicher Hidalgo nur diese Windmühlen bekämpfen kann, und nie einen Schoppen Wein mit einer Frau trinken kann, die ihre Hand auf mein Bein legt.... zumindest nicht, wenn der Wein so schlecht ist.
Und habe mein altes Manuskript wieder hervorgekramt, und war bezaubert. Was für wundervolle Windmühlen! Auch wenn die Flügel neu mit Leinentuch bespannt werden müssen, der Bach längst einen Umweg geht, und ich nicht wirklich genug Korn für den Mahlzahn meines Drachenmühlstein habe.
Gut, in der Nacht habe ich von Korn geträumt, und als echter Don Quijote kann ich mit ein bisschen Arbeit aus diesen Windmühlen richtige Windmühlen und dann Drachen machen.
Ich habe danach ein kurz mit mir gerungen und dann angefangen zu arbeiten, mit meinen Windmühlen, und dann zu kämpfen, mit meinen Drachen- und habe den leichtgängigeren Romananfang schlafen gelegt.
Ich bin Don Quijote, auch wenn das Bild etwas anderes behauptet und mich einen Esel nennt. Und selbst wenn ich es nicht bin, so habe ich dennoch Drachen und Windmühlen zu bekämpfen, weil die Windmühlen und ich es so wollen. Und dann werde ich vielleicht noch ein echter Hidalgo Don Quijote.

Montag, 26. November 2007

Sauna

Es hat mich wieder mal erwischt. Gabi (Teamor) hat es in ihrem Blog die "Novembernebelsonnenlichtmangeldepression" genannt und irgendwie beschreibt dieses Wort ein wenig das Gefühl.
Denn auch wenn ich den Sommer eigentlich nicht so mag, macht mich das Fehlen der Sonne müde und auch depressiv. Und so bin ich ein wenig durch mein eigenes Leben gegeistert, ohne wirklich da zu sein. Und habe nicht geschrieben, weil ich dazu da sein muss, mehr als nur da. Auch wenn das Schreiben und das Leben, wie Herbert Marcuse das bei den Künstlerromanen festgestellt hat, sich bei Künstlern ein wenig ausschließt, muss man doch noch lebendig genug sein, um zu schreiben.
Also heute mit einem Kinderbuch von Christine Nöstlinger in die Sauna und klar, ich bin dort eingepennt. Mist. Ich habe mir aber auch ein paar Runden Wärme auf den Pelz brennen lassen, bis ich das Gefühl vom Sommer hatte. Und das hilft normalerweise zwei Wochen: Das Gefühl von Wärme und Sonne.

Sonntag, 25. November 2007

Sylvia Beach und die Dichterkreise

Ich habe heute morgen nach dem Aufstehen ein kleines Buch gelesen, dass ich kürzlich in Bonn Poppelsdorf im Bücherschrank gefunden habe: Sylvia Beach "Shakespeare and Company" ;. Darin beschreibt Sylvia Beach ihre Zeit mit dem gleichnamigen Buchladen in Paris. Dieser Buchladen wurde zu einem der literarischen Zentren in Paris, ungewöhnlicherweise der englischen Literatur genauso wie der französischen Literatur.
Nicht nur war Andrè Gide das erste Mitglied dieses Buchladens/ dieser Bibliothek englischer Bücher, sondern dieser Buchladen veröffentlicht einige Manuskripte von James Joyce (darunter Ulysses), Ernest Hemingway befreit seinen Buchladen 1944- auch wenn dieser danach nicht wieder eröffnet wird. Der Kundenstamm von "Shakespeare and Company" umfasst die wichtigsten englischen Dichter und Romanciers dieser Zeit, von Ezra Pound, T.S.Eliot bis Henry Miller. Und das gleiche bei den französischen Dichtern und Romanciers.
Ein gleichnamiger Nachfolger unter George Whitman wird zu einem weiteren Zentrum der Literatur, dann der Beatgeneration mit Ginsburg und Burroughs.

Scheinbar gibt es immer wieder Zentren der Literatur, an denen sich Autoren und Dichter treffen, weil diese Zentren diese Menschen anziehen. Mal handelt es sich um eine Buchhandlung wie hier, mal um bestimmte Cafés in Österreich, mal um die Salons wichtiger Kunstförderer siehe u.a. in Berlin einige Salons, zur frühen Goethezeit Straßburg als Zentrum deutscher Autoren (Goethe, Lenz,...), später die Herzogin-Anna-Amalia -Bibliothek in Weimar, die Gruppe 47 in Deutschland, der Bloomsburg Group um Virginia Woolf, dazu dann noch Dichter oder Romanciers, die von ihren Kollegen bereist werden- siehe z.B. die verschiedenen Personen wie Goethe, Stefan George, ....
Manche Autoren verdienen sich große Verdienste um ihre Kollegen, indem sie diese fördern, sie unterstützen und ihnen bei den finanziellen und persönlichen Problemen zur Seite stehen, andere tun nichts vergleichbares.
Insgesamt gibt es heute vielleicht zu wenige Orte, an denen Dichter und Autoren auf diese Weise zusammenkommen. Denn natürlich ist es enorm bereichernd, wenn große Autoren zusammenkommen, weil dieses Klima erst den Raum schafft, wirklich große Werke zu schaffen (was natürlich nicht für alle großen Werke gilt). Aber viele Autoren brauchen solche Unterstützung und solchen Austausch, andere hätten sicherlich noch mehr geschaffen, wenn sie eine solche Gruppe gehabt hätten, andere haben so etwas nie benötigt.

Irgendwie sehne ich mich nach so einem Ort.... Seufz.

Freitag, 23. November 2007

Die Angst der Journalisten vor dem Netz

Letztlich sieht Frank Schirrmacher in der Tageszeitung ein Leitmedium, weil dort Fachleute aus dem enormen Umfang von Wissen das relevante aussortieren und vorstellen. Also die Fähigkeit der Auswahl, der Selektion und der Vermittlung. Dazu kommt die Fähigkeit der Recherche und Gegenprüfung. Wissen gewinnt Bedeutung, wenn es überprüft wird, analysiert wird, wenn Meinungen und Gegenmeinungen in Auseinandersetzung treten, um daraus zu erkennen, was trägt davon und was nicht. Eine weitere Fähigkeit der Tageszeitungen ist es Themen zu besetzten. Tageszeitungen gestalten Themen, finden Themen, suchen Themen. Ich habe schon vor einigen Blogeinträgen auf die Diskussion über die ästhetische Moderne verwiesen, die vor allem durch die FAZ gestartet wurde.
Diese Grundfähigkeiten haben seit 1650 dafür gesorgt, dass sich die Zeitung als Leitmedium nach und nach durchgesetzt haben, und mit ihnen weitere Elemente der Presse wie Nachrichtenagenturen und die Telegraphie. Während die tägliche Ausgabe ursprünglich gerade die Stärke einer Zeitung war, und die Zeitung (neben anderen Medien wie dem Buch, den Zeitschriften und weiterem) sozusagen das Auge der Welt darstellte, und die Dinge außerhalb des Auges kaum wahrgenommen wurden, hat sich dies heute geändert.

Heute gibt es zu der eigentlichen Spezialität der Zeitung, der Berichterstattung über Ereignisse, längst Alternativen. Meist gibt es im Internet schon die Kurzfassung der Agenturnachricht auf der einen Seite, Photos auf einer weiteren, vielleicht sogar Videoaufnahmen, dazu gibt es die Blogger, die viele Nachrichten sehr schnell aufgreifen und die Möglichkeit das Wissen ohne eine Zeitungsdatenbank durchzusehen und zu überprüfen. Viele Diskussionen über Meinungen finden nicht mehr in den Zeitungen statt, sondern längst auf Internetforen und in Diskussionsrunden im Netz. Auch hier können die Zeitungen oft nur der Diskussion folgen, statt sie wie früher selber zu bestimmen. Und das Wissen der Fachleute ist auch längst frei zugänglich, es gibt unendliche viele Fachleute im Netz, die sich an Internetenzeklopedien und mit Fachblogs in die Diskussionen einmischen und ihre Erkenntnisse zur Verfügung stellen. Und diese Erkenntnisse werden immer breiter und tiefer, so dass es auch für Journalisten immer schwieriger wird nachzuvollziehen, was wichtig ist und was nicht.

Und wenn die Zeitungen heute noch mit ihren Kommentaren, den Glossen und den Karikaturen Meinungen setzen, dann passiert etwas im Netz. Es wird darüber diskutiert, und es gibt Seiten wie den Perlentaucher, die die Internetpräsenz und die gedruckte Ausgabe der großen Feuilltons durchsehen und sie zusammenfassen. Gerade der Perlentaucher zeigt sehr deutlich, wie hier Wissen über die Verlinkung und Kommentierung miteinander verbunden wird, und damit nutzbar für das Internet.
Somit stehen die Zeitungen vor der gleichen Situation wie die Musikindustrie: Das bisherige Geschäftsmodell (die gedruckte Tageszeitung) wird auf Dauer so nicht mehr funktionieren, weil es nicht für das digitale Zeitalter gebaut war. Das bedeutet nicht, dass sich mit Tageszeitungen kein Geld mehr verdienen lässt. Aber es bedeutet, dass nur der Wandel des ursprünglichen Geschäftsmodell auf die neuartigen Bedürfnisse der Leser eine dauerhafte Zukunftsfähigkeit als Leitmedium garantiert. Und vielleicht könnte eine Anpassung dieses Geschäftsmodells auch ein neues Betätigungsfeld schaffen und somit die Grundlage für neue Profite.

Aber das alles mal konkreter:
Im Moment gibt es neben der eigentlichen Zeitung wie z.B. der FAZ nur eine Auswahl an Texten im Internet. Im Internet funktioniert aber Bedeutung u.a. über die Zahl der Klicks und Links, und eine gekürzte Internetpräsenz schafft nicht diese Art von Bedeutung. Das bedeutet dann auch gleichzeitig, dass die von den Klicks abhängige Werbung schlechter bezahlt wird. Dem entgegen stehen die Abonnenten und die Finanzierung der Internetpräsenz über verkaufte Einzelartikel.
Die meisten amerikanischen Zeitungen steigen gerade aus dem Abonnenmentenmodell aus, weil die steigenden Preise für Internetwerbung in der Finanzierung auf Dauer eine Besserstellung gegenüber dem alten Modell sein werden, und über die Klicks auch der Bedeutungsverlust im Netz aufgehalten wird.
Im Gegensatz zur FAZ versuchen verschiedene Regionalzeitungen einerseits eigene Seiten für Anzeigen (Autoverkäufe usw.) zu erstellen und diese mit anderen Zeitungen zu bündeln, über spezifische Regionalseiten mit dementsprechenden Informationen mehr Klicks und Interesse zu generieren und durch Blogs, Leserkommentare und Video- und Audiodateien einen Mehrwert des Internetangebots zu schaffen. Ich halte dies für ein sehr interessantes Geschäftsmodell, bei dem die Vorteile einer Regionalzeitung ausgespielt werden.

Das würde in einem bestimmten Rahmen auch für überregionale Zeitungen funktionieren. Wenn die FAZ z.B. ihren Internetauftritt im Bereich Feuillton mit verschiedenen Drittanbietern absprechen würde, dann könnte über eine Rezension zum Arpmuseum, verbunden mit einem Reiseangebot gekoppelt werden und mit einer gelungenen Führung, genau wie auch eine Besprechung einer Inszenierung mit dem Verweis auf weiteren Daten, wann man sich diese Inszenierung ansehen könnte, das Angebot für eine Reise dorthin mit Karten und Übernachtung.
Nach und nach könnte so auch eine Datenbank über kulturelle Ereignisse entstehen, mit Rezensionen der Zeitung, der Leser und einer Sammlung vielfältiger Informationen.
Die Kommentare und Glossen in einer Zeitung könnten ergänzt werden, indem auf ähnliche Artikel anderer Zeitungen verlinkt wird und über die Verlinkung hinaus eine Kommentierung stattfindet, vielleicht sogar über die Enge der Zeitungen hinaus auf interessante Blogs und anderen Meinungszentren im Netz. Somit würde die Zeitung nun stärker mit anderen Zeitungen kommunizieren und breiter ihrer Meinung gegen andere positionieren- und auch deren Aussagen auswählen, prüfen und bewerten. Somit könnten die Zeitungen nun die Breite verwenden, mit ihr arbeiten und weiterhin Leitmedium sein.

Deutlich wird dies am Perlentaucher: Das dieser die Rezensionen großer Zeitungen zusammenfasst und diese verkauft, ist nur ein Problem, wenn der Leser eben nicht die Möglichkeit hat die Originalrezensionen im Netz nachzulesen. Wenn die FAZ z.B. diese Rezensionen frei und kostenlos anbieten würde, verbunden mit einem Amazonlink (bzw. Links auf andere Anbieter), Hinweise auf andere Besprechungen in anderen Zeitungen, auf Hintergründe zum Autor und zu dessen weiteren Werk, dann würde der Perlentaucher nur den Index zu den Inhalten anbieten.
Denn die Kundschaft des Perlentauchers ist gerade eine interessante Leserschaft, der vielleicht über gezielte Werbung (über eigene Links) angesprochen werden könnte- und somit dauerhaft als Quer- oder Hauptleser gewonnen werden könnte. Vielleicht wäre es sogar spannend eine eigene Kulturzeitung der vier großen Tageszeitungen zu schaffen, und diese gezielt den "Perlentauchern" und anderen anzubieten, kostenlos per Netz oder gegen eine geringe Abogebühr.

Oder anders gesagt:
Letztlich brauchen die Tageszeitungen nur Angst vor dem Netz zu haben, wenn sie so bleiben wie sie sind. Denn sie verpassen gerade den Anschluss an der digitale Zeitalter und es gelingt ihnen nicht ihr Geschäftsmodell hinreichend an die neuen Möglichkeiten anzupassen.
Wenn sie aber endlich über das bisher hinausgingen, könnten sie neben der Printausgabe mit einer erweiterten Internetausgabe einen Mehrwert für sich und ihre Leser schaffen. Sie könnten durch das Internet weiterhin Leitmedium sein, und gleichzeitig in den Printausgaben verlässlich eine Erstinformation schaffen.

Die Zeitungen werden im Netz gebraucht. Nur müssen sie endlich dort richtig ankommen.

Donnerstag, 22. November 2007

Der "schlafende" Romananfang

Ich habe gestern Abend, nach einem wunderbaren Gespräch mit einem befreundeten Photographen, noch einen Moment auf meinem Bett gelegen, und nachgedacht. Und dann habe ich gemerkt, dass ich bei weitem nicht so mit diesem Romananfang am Ende bin, wie ich vielleicht gedacht habe. (Oder vielleicht ist dieser Roman auch noch bei weitem noch nicht mit mir fertig). Ich konnte nicht schlafen, weil ich immer wieder daran denken musste, an bestimmte Details, an Szenen, an bestimmte Probleme.
Und flusch. Auf einmal hatte ich eine wichtige Lösung für eine Szene, die ich vorher einfach so nicht hinbekommen habe. Verdammter Mist. Da kann man wochenlang vor einem Problem stehen, um dann, nachdem man zurückgewichen ist zu sehen: Ganz einfach... du hattest eigentlich die Lösung schon, hast dich aber nicht getraut.

Nun. Ich weiß noch nicht, was ich daraus mache. Und ich habe keine Ahnung, wie es mit dem nicht mehr schlafenden Romananfang und meinem okkulten Romankrimi weitergeht. Erst einmal werde ich gleich spazieren gehen, weil ich in der Nacht danach von meinem Roman geträumt habe... stundenlang. Vielleicht muss ich mich gar nicht entscheiden. Aber vielleicht muss ich das auch nicht jetzt sofort. Auf jeden Fall ist "Zwischenleben" wieder da.
(Und ja, ich habe den wunderbaren Bericht über Stanley Kubrick und seine Filme auf Arte gesehen, und will gar nicht bestreiten, dass das ebenfalls einen Einfluss darauf hatte..... So ein kluger Mann, so ein kluger Bericht. Wundervoll.)

Mittwoch, 21. November 2007

Eskalation und Konflikt (Figurenhöhepunkt)

In den meisten Romanszenen gibt es den berühmten Konflikt zwischen zwei Figuren. Die beiden Figuren treffen aufeinander, zuerst körperlich, dann mit ihren Meinungen und Haltungen zu einer besonderen Situation. Immer wieder wird behauptet, dass der Konflikt an einer Stelle zu einem Höhepunkt kommen muss. Das ist auch richtig. Viel spannender als das ist jedoch, dass ein Konflikt eben vor dem eigentlichen Höhepunkt mehrere Zwischenhöhepunkte hat oder Figurenhöhepunkte.
Denn der grundlegende Konflikt kommt vorher zu seinen Höhepunkt, und das ist bei unterschiedlichen Figuren oft eine unterschiedliche Stelle. Vielleicht ist es kurz vor dem eigentlichen Höhepunkt der Szene, vielleicht aber auch an einer ganz anderen Stelle, wo der grundlegende Konflikt einer Figur sein maximales Potential für die Szene gewinnt, bevor er im Höhepunkt mit dem Konflikt der anderen Figuren zusammentrifft und dann gelöst oder eben nicht gelöst wird.Diese unterschiedlichen Höhe macht solche Konflikte erst wirklich glaubwürdig. Denn auch wenn immer wieder behauptet wird, dass der eigentliche Höhepunkt besonders wichtig ist, so ist es die Figurenzeichnung, die den Figurenhöhepunkt glaubwürdig macht- und die Grundlage für die Glaubwürdigkeit des Konflikts schafft.

Montag, 19. November 2007

Eine Idee und ein Anfang

Gestern Abend hat eine Kurzgeschichte an mich angeschlichen, ganz leise und heimlich, und hat dann ihre Klauen von hinten in meinen Schädel geschoben und dann war sie da.
Und das gemeine: Ich konnte sie gestern noch nicht schreiben, so sehr ich mir das auch gewünscht habe. Weil mir noch der Einstieg fehlte, auch wenn die Geschichte schon einmal grob umrissen da war. Ich habe also über eine Stunde an drei Sätzen gesessen. Aber so ist das bei mir nun einmal. Die Geschichte ist da, braucht aber noch einen Moment um konkreter zu werden.
Ich weiß noch nicht genau, worauf diese Geschichte hinausläuft, aber ich habe vorhin den ersten Satz geschrieben- so ganz im unklaren. Aber das ist gerade das Schöne an der Geschichte. Es ist noch alles offen, bis ich anfange. Wie könnte das Schreiben schöner sein, als in diesem Augenblick, wenn noch alles unklar ist.... Das ist sogar fast noch besser, als wenn die Geschichte geschrieben ist.

Sonntag, 18. November 2007

Grosse Verschwörungen

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass seit Dan Brown in immer mehr Büchern große Verschwörungen auftauchen- die dann durch einen Zufall erst von der Hauptfigur entdeckt werden. Vielleicht fällt es mir erst durch Dan Brown auf, oder vielleicht achte ich inzwischen auf andere Sachen, keine Ahnung.
Aber immer mehr Bücher basieren auf dieser Grundkonstellation. Und bedauerlicherweise werden auf den Zufall: "Entdeckung der Verschwörung" dann weitere Zufälle draufgesetzt. Zuerst gibt es dann einen leicht minderbemittelten Unterbösen, der immer wieder auftaucht und recht erbärmlich die Protagonisten aufhalten möchte- wobei es ihm einmal gelingt und es dann einen Zufall gibt, der die Helden rettet.
Und der Oberschurke wird auch durch einen Zufall enttarnt und durch einen Zufall besiegt. Am Ende Happy End.
Und es gibt noch zehn Maschen, die immer wieder gemacht werden.

Wundervoll. Einfache Strickmuster. Nur leider wird immer das gleiche Gehäkelt: Langeweile.

Mal wieder krank!

Ich bin mal wieder richtig krank, schon seit einigen Tagen und kann nicht schreiben.... was mich dann wieder kränker macht. Und da ich noch nicht mal sprechen kann, ohne zu Husten, bin ich ein wenig verloren.
Ich habe also meine Videosammlung durchgesehen und habe gerade ein kleines Buch durchgelesen, knapp 650 Seiten in 5 Stunden. Wobei ich zugeben muss, ich habe zwei kleine Pausen gemacht. Das Buch war leider nicht so gut wie erwartet, und ich nicht so schnell wie sonst. Ich bin halt im Moment nicht so aufnahmefähig.

O.k.. Aufnahmefähig schon, ich kann nur nicht drüber reden oder drüber schreiben

Freitag, 16. November 2007

Anfang und Startpunkt eines Romans

Auch wenn es oft anders behauptet wird, die meisten Romane fangen zwar auf der ersten Seite an, der eigentliche "Startpunkt" des Romans ist aber eine Szene, die manchmal über 100 Seiten hinter dem Beginn liegt. (Weswegen viele Autoren heimlich mit einem Prolog eine Vorschau auf den eigentlichen Roman hinter dem Startpunkt voranstellen).
An dieser Stelle beginnt die eigentliche Handlung, indem sich etwas verändert: Vielleicht verliert der Protagonist seinen Job, er entdeckt eine geheime Verschwörung, jemand stirbt oder wird krank, seine Frau wird ermordet... irgendein Ereignis leitet den eigentlichen Plot erst ein, der auf das Romanende mit dem Höhepunkt zu läuft. Ich will das mal verdeutlichen: Die meisten Romane S. King beginnen mit der Darstellung einer Grundsituation, die an sich harmonisch wirkt. Eine kleine Stadt, meist in einem bestimmten Bundesstaat, in der normale Menschen ein recht normales Leben führen.
Irgendwann beginnt die eigentliche Handlung, indem etwas passiert. Vielleicht verschwindet ein kleines Kind (Es), vielleicht erleidet ein Schriftsteller einen Unfall (Misery), vielleicht reist eine Familie zu einem seltsamen Hotel, um dort aufzupassen (Shining). Dies ist der eigentliche Startpunkt der Handlung.
(Übrigens, eine der bemerkenswerten Fähigkeiten von S.King ist zu zeigen, dass die ursprüngliche Harmonie nur eine scheinbare Harmonie war, eine Illusion. Denn es gibt in fast allen Romanen S.Kings immer etwas unter der Oberfläche der scheinbaren Harmonie, es gibt Geheimnisse, es wird über bestimmte Dinge geschwiegen, letztlich eine breite Tiefe unter der Oberfläche).

Diesen Anfang halten die meisten Autoren recht kurz, weil die Schilderung von Harmonie oder eine eher langweiligen Situation (so lebte der Held vor dem Ereignis X) nicht sonderlich spannend ist. Oft werden diese Schilderungen erst als Rückblenden, als Gedanken oder Vergleiche in die Handlung gebracht, oder es wird mit Cliffhangern gearbeitet.
"X wusste nicht, dass er zwei Tage später sterben würde."
Eine andere Möglichkeit wäre am Anfang schon die Spannungen, Konflikte und Fähigkeiten anzukündigen, die letztlich später den eigentlichen Plot einleiten. Vielleicht indem man einen Archäologen zeigt, der nicht zum unterrichten geeignet ist, den die Studentinnen verehren und der (u.a. deshalb) am liebsten auf Entdeckungsreisen geht (Indianer Jones- ohne den Prolog).
Wieder anders wäre das schwierige Leben einer Person zu zeigen, die scheinbar stecken geblieben ist und nicht mehr weiterkommt. Oder die verschiedene Konflikte einer Figur zu konketisieren, die letztlich auch im weiteren Verlauf vorkommen.
Letztlich ist das entscheidende jedoch genau zu wissen, wo der Startpunkt ist, weil man dann den Anfang darauf ausrichten kann (sowohl inhaltlich, als auch in Länge, Struktur und Aufbau), und welche Dinge der Startpunkt einleitet um sich besser vorstellen zu können, wie man den Roman auf diesen Punkt zu führt.

Donnerstag, 15. November 2007

Samisdat (zum Writers in Prison Tag des P.E.N)

Die Samisdat ist eine besondere Form der Verbreitung von Literatur, die erstmals wohl 1790 im zaristischen Russland auftauchte und seit den 50er Jahren in der Sowjetunion diesen Namen Samisdat ( verkürzt von Samsebjaisdat (Erfinder Nikolai Glaskow (Самсебяиздат, "Sichselbstverlag") bekam.
Unter Stalin wurde die Aufbewahrung und Verbreitung verbotener Texte mit 25 Jahren Lagerhaft bestraft. Leitbild der offiziellen Literatur des sowjetischen Russland war der Sozialistische Realismus . Die Kunst diente aber nur, um die gesellschaftspolitischen und ästhetischen Ideen des Sozialismus oder Kommunimus zu illustrieren und darszustellen.
Jede Literatur, die die Formensprache des Sozialistischen Realismus verließ, die gesellschaftspolitischen und ästhetischen Ideen des Kommunismus oder der Partei in Frage stellte, Kritik am System oder der Partei äußerte, sich zu bestimmten Person, bestimmten Ereignissen oder bestimmten Einrichtungen äußerte, wurde verboten.
Mit den Samisdat entstand ein eigener Vertriebsweg für verbotene Literatur. Texte wurden Texte hand- oder maschinenschriftlich mit wenigen Kopien selber hergestellt und weitergegeben. Somit entstand eine Untergrundbewegung, die selber für die Ausbreitung von Texten sorgte, diese verteilte und somit eine Möglichkeit schaffte auch solche Texte zu lesen. Der wohl bekannteste Samisdat Text ist wohl Alexander Solschenizyns 1974 veröffentlichte "Der Archipel Gulag" .

Die Untergrundautoren (siehe Wikipedia zu Sozialistischem Realismus) wurden als "Schädling" oder "Volksfeind" verfolgt, über 2000 Schriftsteller wurden zur Lagerhaft verurteilt, 1500 von ihnen wurden hingerichtet oder sie haben die Lagerhaft nicht überlebt.

Zensur

Wer sich einen Eindruck von Zensur machen möchte, kann sich heute im Autorenforum Montsegur das Projekt Autorenforum hinter Gittern ansehen. Dort werden anlässlich des "Writers in Prison" Tag des P.E.N. alle Texte nach bestimmten Worten durchsucht und vorher festgelegte Worte mit einem schwarzen Balken zensiert.
Eine ziemlich eindrucksvolle Demonstration, was Zensur bedeutet oder bedeuten kann, auch wenn sie natürlich nur den Hauch einer Ahnung vermittelt, was Zensur wirklich bedeutet.

Writers in Prison

Gleich beginnt wieder einer der vielen Gedenktage: In diesem Fall ruft der P.E.N. auf an die Schriftsteller und Journalisten zu denken, der gerade für ihre Arbeit im Gefängnis sitzen, von Zensur bedroht sind oder für ihre Arbeit in Gefahr geraten sind und/ oder ermordet wurden.
Auf Salman Rushdie wurde 1989 wegen seines Romans "Die satanischen Verse" von iranischen Revolutionsführer Chomeinie eine Fatwa ausgesprochen und ein Kopfgeld wegen Blasphemie von 3.000.000 Dollar ausgesetzt. Ich möchte anlässlich diesen Tages auch an Hrant Dink erinnern, ein Armenier mit türkischer Staatsbürgerschaft, der nicht nur nach "Beleidigung des Türkentums"; verurteilt wurde, sondern den rechtsnationale Kräfte in der Türkei ermordet haben. Auch Orhan Pamuk , Literaturnobelpreisträger und Freund Hrant Dinks, wurde in der Türkei wegen "Beleidigung des Türkentums" angeklagt. Nach dem Mord an Hrant Dink hat er die Türkei eine Zeit verlassen, wenn nicht sogar verlassen müssen.

Es geschieht überall auf der Welt: Denn Literatur und Reportagen haben die Fähigkeit die Menschen auf Situationen und Ungerechtigkeiten hinzuweisen, die viele Menschen vorher nicht bemerkt haben. Sie können Zusammenhänge offenbaren und Geheimnisse aufdecken. Deshalb gibt es Zensur, und gab es sie immer, vor allem in Ländern, die keine demokratischen Regierungssysteme haben.
Die Türkei hat ein demokratisches Rechtssystem, aber die Grundlagen der kemalistischen Republik Türkei stehen auf einigen Grundfesten, die Orhan Pamuk in "Schnee" beschrieben hat und die zu Zensur und einem Gummiparagraphen wie "Beleidigung des Türkentums" führen.
Wer denkt, dass sei besonders weit von Europa entfernt: Bayern versucht gerade eine Verschärfung eines solchen Gummiparagraphen "Blasphemie-Verletzung religiöser Gefühle" in den Bundestag zu bringen, siehe z.B. hier im Sonntagsblatt Bayern, mit dem dann wieder zensiert werden kann und möglicherweise wieder Menschen wegen Blasphemie verurteilt werden können. Ein anderes Beispiel wäre, dass die Telefondaten von Journalisten in Deutschland gespeichert werden, siehe z.B. hier in der Welt, so dass die Polizei und andere im Bedarfsfall darauf zurückgreifen können. Somit wird der Quellenschutz, der Teil der Freiheit der Presse ist, konterkariert.

Ist Politische Korrektheit Zensur?

In den letzten Jahren habe ich im Kreis von Schriftstellern immer wieder über P.C. oder Political Correctness diskutiert.Die Idee hinter der P.C. ist es das die Sprache unsere Sichtweise von Dingen beeinflusst: Ein Wort ist eben nicht nur ein Wort, sondern jedes Wort transportiert einen reichen Bandwurm an Nebenbedeutungen. Deshalb müsste es, nach der Idee der P.C. möglich sein, dass man durch ein neues Wort diese Nebenbedeutung abschneidet und diese damit verschwinden.

Die P.C. wurde immer wieder von der Bürgerrechts- und der Emanzipationsbewegung verwendet, um gewisse Sprachkomplexe aufzubrechen, die sehr vorbelastet sind. In der deutschen Sprache war es üblich, dass man eine unverheiratete Frau als Fräulein ansprach, und die Verniedlichungsform zeigte doch recht deutlich eine Abwertung an. Aber auch in vielen anderen Bereichen war es üblich nur bestimmte Formen zu verwenden, die ganz deutlich Frauen ausschlossen, siehe die Feministische Linguistik . Denn wenn man Studenten anspricht, spricht man auch die Studentinnen an? Wenn jemand ein Doktor ist, warum setzt man Herr Doktor und Frau Doktor davor?Und warum spricht man nicht aus, was "Frauenleiden" sind? In der Übertragung wurde dann diskutiert, ob es eine Salzstreuerin geben muss und eine Pfeffermühlerin.
Ein anderes Beispiel im Deutschen war (analog zu den USA) die Diskussion, wie man Menschen nennen sollte, die früher als Neger oder Mohr bezeichnet wurden. Mit der Blackpower-Bewegung wurde es Schwarze, seit einigen Jahren sind es Afro-Amerikaner oder Afro-Deutsche. Und auch die Übertragung: Darf man einen Schaumkuss mit Schokoladenüberzug noch Negerkuss nennen, und darf es noch den Sarottimohr geben?

Solche Wortgestaltungen werden bis heute gemacht und diskutiert. In Deutschland durfte man jahrelang nicht von einer Unterschicht reden- man verwendete dann lieber Prekariat für eine schwierige oder prekäre Lebenssituation. Weil man mit dem Begriff Unterschicht einräumen würde, dass es so etwas wie eine soziale Schichtung in Deutschland gibt. (Und ja, es hat sie immer gegeben, die Folgen konnte man u.a. in der Pisastudie sehen.)
Wenn Johannes B. Kerner sagt "Autobahnen gehen gar nicht", dann bezieht er sich auch auf ein Sprech- oder Sprachverbot. Es geht darum, dass jahrelang nach dem 2. WK. immer wieder gesagt wurde: "Aber Hitler hat doch die Autobahnen gebaut"- eine Aussage, die belegen sollte, dass es doch Gutes am Naziregime gab. Nun, die erste Autobahn in Deutschland war die A555, die Konrad-Adenauer 1932 eingeweiht hat, die weitgehend den heutigen Kriterien einer Autobahn entsprach. Hitlers Autobahnbau fußte auf Planung, die lange vor Beginn des Naziregims begonnen wurden und hatte zwei Zwecke: 1. die Arbeitslosen von der "Straße" zu holen und zu beschäftigen (übrigens durch die Spargroschen der Menschen, die das Naziregime sich von den Sparern holte) und 2. um einen schnellen Nachschub für den geplanten Krieg zu schaffen.
Das Sprach- oder Sprechverbot verhindert nicht, dass die Menschen immer noch über Hitlers Autobahnen in dieser Weise sprechen. Es verhindert nur, dass dieser Mythos entlarvt wird.

Dies ist die eine Seite der P.C.. Ein offensichtliches Problem wird versucht durch eine Veränderung der Sprache (durch eine Wortneuschöpfung) zu beseitigen. Leider bleibt das Problem an sich bestehen, wenn nicht die Situation in der Gesellschaft beseitigt wird. Die Wortneuschöpfung kann hier helfen das Problem zu verdeutlichen. Letztlich hängt es aber von den Sprechern ab, die dieses Wort verwenden oder eben nicht verwenden- ob etwas geschieht und ob sie die alte Bedeutung auf das neue Wort übertragen.
In den USA gab es schon mit Thomas Browdler (1754-1825) einen Mann, der die Werke W. Shakespeares "familienfreundlich" gestaltete, indem er die Texte nach rigiden moralischen Kriterien bereinigte.
Diese Idee auf Autoren und Texte einwirken zu wollen gibt es bis heute. In den USA gibt es die "Parental Advisory Lyrics" Aufkleber auf CD`s, wenn auf dem Tonträger bestimmte Begriffe verwendet werden. Es gibt die Übereinkunft der großen Hollywoodstudios keine Helden mehr rauchen zu lassen, da sonst die Filme nicht mehr für Minderjährige zugelassen werden, Darüber hinaus hat die US Regierung in den letzten Jahren unendlich viele Euphemismen erfunden, um etwas anders zu nennen: Wie z.B. friendly fire (von den eigenen oder verbündeten Soldaten ausversehen erschossen) oder unlawful fighter (um jemanden den Kombattantenstatur der Haager Landkriegsordnung vorzuenthalten).

Es geht aber noch weiter: In den USA gibt es Versuche (und auch Umsetzungen) bestimmte klassische Texte von berühmten Autoren durch P.C. zu bearbeiten. Es werden Hinweise auf Ethnie, gesellschaftliche Stellung, rassistische Begrifflichkeiten, und vieles mehr entfernt. Eines der Bücher, die so bearbeitet wurden, war neben M. Twains "Die Abenteuer des Tom Sawyer" und H. Beecher-Stowes "Onkel Toms Hütte". Diese Bücher somit aus ihrem zeitgeschichtlichen Kontext gerissen werden und diese Werke verlieren ihre Grundlage.
Die Idee ist, dass, wer nie von solchen Dinge gehört hat, diese nicht begreifen wird und keine Vorurteile entwickelt. Diese Vorstellung, Kinder würden in ihrem Umfeld vorurteilsfrei aufwachsen, erscheint unvorstellbar naiv. Zudem wäre es klüger gegen die Probleme an sich anzugehen, bzw. die Sensiblität der Kinder gegen Vorurteile zu wecken und die Hintergründe zu erklären.

Es gibt auch in Deutschland dementsprechende Versuche. Aus der Veränderung weniger Worte wird ein Konstrukt, dass tiefgreifend die Gesellschaft verändern soll. Das führt u.a. dazu, dass die Veränderungen im gesamten abgelehnt werden, weil die Menschen spüren, dass sie ideologisch beeinflusst werden sollen: siehe die Sprachregelungen in der DDR wie Jahresendzeitfigur (statt Engel), oder die Versuche der NPD das Internet durch das Weltnetz zu ersetzen, sowie auch aus vielen anderen Bereichen, wo P.C. immer weiter ausgedehnt wird. (siehe hierzu als Bsp. für die USA: Diane Ravitch: The Language Police. How Pressure Groups Restrict What Students Learn, 2003)

Im Bereich der Schriftstellerei gibt es auch solche Phänomene. Eigentlich ist es so, dass die meisten Dinge einen Namen haben, und wenn eine Sache mehrere Namen hat, gibt es meistens einen Namen, den man an dieser Stelle gebrauchen sollte.
Martin Walsers Werk wurde von einem Germanisten, Matthias N. Lorenz, danach untersucht, ob, wo und wie jüdische Personen dort dargestellt werden, siehe hier die Zusammenstellung von Kritiken dazu im Perlentaucher.
Dabei kam es zu dem schwierigem Phänomen, dass hier Autor und die Aussagen der Figuren miteinander verbunden wurden. Denn wenn eine Figur etwas sagt, meint der Autor das auch so?? (Und um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen- Figuren vertreten eben nicht immer die Meinung ihrer Schöpfer und können rassistisch, frauenfeindlich, bösartig und vieles mehr sein- ohne das ihr Schöpfer so ist.) Aber was passiert, wenn immer wieder Figuren ähnliche Aussagen treffen?

Es ist so, dass viele Autoren solche Konflikte am liebsten vermeiden. Bloß nichts in einem Text unterbringen, was mißverständlich ist. Das beginnt bei bestimmten Begrifflichkeiten, die pejorativ abwertend sind (pejorativ abwertend ist übriges eine wundervolle rh. Figur wie der weiße Schimmel), es beginnt bei schwierigen Figuren, bei der Darstellung von Sex, bei der Darstellung von Lebensumständen und vieles mehr.
Die Literatur hat aber nicht die Aufgabe besser zu sein als die Welt. Sie soll die Welt abbilden, auf sehr unterschiedliche Weise, mal auch besser als die Welt, mal auch schlechter und sie soll auch auf Missstände hinweisen und die Gegenwart kommentieren. Dazu braucht man alle Worte, und P.C. verdeckt oft genug die Wahrheit- vor allem aber die starken Übertragungen und Ausweitungen. Deshalb sollte man sich von seinem inneren Zensor befreien und schreiben. Das bedeutet nicht, dass man rücksichtlos schreiben soll- sondern, dass man sich überlegen sollte, was man schreibt und was nicht. Nur keine falsche Rücksicht, keine Vermeidung von Unangenehmen. Das ist wichtig. Denn P.C. ist eine heimliche Zensur, die man hinterfragen muss.

Montag, 12. November 2007

Die innere Verwandlung

Es gibt viele Geheimnisse, die gar keine Geheimnisse sind und trotzdem unbekannt sind. Viele Leser glauben, dass Autoren den Inhalt ihrer Bücher durchlebt haben müssen, um die Gefühle in diesen Büchern darstellen zu können. Es handelt sich aber um die Fähigkeit sich in Menschen hineinversetzen zu können, und deren Schmerz wirklich anhand der eigenen Erfahrungen nachvollziehen zu können. Manchmal wird dies auch als die innere Verwandlung bezeichnet. oder wie Georges Simenon es gesagt hat: "Schreiben ist kein Beruf, es ist so etwas wie eine Berufung zum Unglücklichsein."
Der Ausgangspunkt für die innere Verwandlung ist die eigene Erfahrung. Es ist die Fähigkeit, der Verdopplung, die Gert Hofmann in seiner Künstlernovelle "Die Rückkehr des verlorenen Jakob Michael Reinhold Lenz nach Riga" beschreibt: "Daß er sich immer sich so verdoppeln, immer so außer sich sein muss! Und als der Vater (...)auf einen Sessel zugeht, (...), läßt er einen Lenz in der Ecke doppelt zurück, einmal als den, der betroffen und ungehört dasteht, und zum anderen als den, der zuschaut, wie er dasteht und wie er unerhört ist."

In der inneren Verwandlung lernt man sich selber in der Situation und/ oder danach zu beobachten, seine Gefühle wahrzunehmen und anzuerkennen, zu untersuchen, was er wirklich fühlt. Ist die Trauer über den Verlust eines Freundes nicht auch ein wenig ein Schmerz über den eigenen Verlust, ein wenig auch Narzißmus, weil jemand uns diesen Freund weggenommen hat, ein wenig auch Wut auf den Freund, der nicht mehr da ist, das Gefühl unserer Freundschaft, dass nun ein wenig abgeschnitten ist und uns hilflos macht, und nicht zu vergessen: Hilflosigkeit, ein Gefühl von Schuld, weil wir nicht helfen konnten, weil wir in den letzten Tagen oder Wochen vielleicht nicht da waren, keine Zeit hatten. Das alles ergibt zusammen das Gefühl von Trauer in diesem Fall.
Wenn man sich selber und andere beobachtet, dann entdeckt man bestimmte Verhaltensweisen, mit denen Schmerz ausgedrückt wird. Man entdeckt bei anderen ihre spezifische Art Schmerz zu empfinden und wie sie damit körperlich und seelisch umgehen. Und nach und nach entdeckt man, dass der Schmerz recht unterschiedlich je nach Person ist, nach Situation, aber das es bestimmte Gemeinsamkeiten gibt. Und so ist es auch bei den meisten Gefühlsregungen. Ob nun Glück, Neid, Eifersucht, Hass, alles ist sich ähnlich und alles ist unterschiedlich.
Die innere Verwandlung beruht auf die Verdopplung, die Erfahrung sich selber und andere in ihren Gefühlen wahrzunehmen und einer weiteren Sache: Die Übertragung. Die Übertragung beruht darauf, dass man in seinen Texten die eigenen Gefühle verwendet, um die Gefühle anderer darzustellen. Und das meine ich wörtlich. Ich erinnere mich an meine Gefühle, um die Gefühle anderer darzustellen- wobei ich nie abbilde, als die Situationen meines Lebens verwende, sondern übertrage, also meine Gefühle in die erdachten Situation einbringe.
Denn autobiographisches Schreiben ist oft belastend, weil man seine eigenen Erfahrungen niederschreibt, und sehr schwierig, weil man zu empfindlich auf Kritik reagiert- weil die Kritik sich ja auf das eigene Erleben richtet. Es ist ein Einstieg in die Schreiberei- aber erst durch das fiktionale Schreiben und die innere Verwandlung wird man zum Autor. Denn vorher ist man nicht reflektiert genug, weil man zu dicht am eigenen Erleben ist- weswegen vielen Texten etwas fehlt, eine nachdenkliche, sich selbst beobachtende Ebene, wie das an der Trauer deutlich wird. In autobiographischen Texten wird die Trauer meist nicht hinterfragt, sondern darin "gebadet", die Trauer metaphiert, aber die Einsicht fehlt.

Sonntag, 11. November 2007

Kurzgeschichten

Irgendwie gibt es bei den Autoren sehr unterschiedliche Vorlieben. Die meisten Autoren haben einen Bereich wie Lyrik, Kurzgeschichten, Erzählungen/ Novellen oder Romane, in denen sie ihre Stärken sehen und den sie mit Vorliebe bearbeiten. Ich habe mir (zu Recht) oft anhören müssen, ich sollte mich auf Romane konzentrieren, weil meine Chancen auf Veröffentlichung mit Kurzgeschichten eher gering wären. Denn die meisten Verlage veröffentlichen Kurzgeschichten nur als Kontaktpflege in Anthologien und verlieren dabei meistens Geld. Oder sie veröffentlichen Kurzgeschichten in Sammelbänden der betreffenden Autoren, wenn diese berühmt oder bereits viele Romane bei ihnen veröffentlicht haben. Und ja, es gibt natürlich Ausnahmen.
Ich schreibe unheimlich (im wahrsten Sinne) gerne Kurzgeschichten/ Erzählungen, weil sie wundervoll sind. Im Gegensatz zu einem Roman schreibe ich eine Kurzgeschichte innerhalb eines Tages- und zwar unabhängig, ob die Kurzgeschichte 3 oder 15 Seiten hat. Und bei Erzählungen brauche ich meistens zwei Tage, die aber oft einige Tage auseinanderliegen.
Im Unterschied zum Roman ist bei den Kurzgeschichten am nächsten Tag klar, ob sie gut sind oder nicht. Wenn man sie noch einmal liest, korrigiert, überarbeitet, schält sich heraus, ob diese Geschichte etwas taugt.
Dann liegen diese Geschichten über Monate herum, bis ich sie erneut lese, und meistens noch einmal durchgehe. Weil sie erst dann fertig sind, wenn ich mich vom Schreiben der Geschichten erst einmal gelöst habe.

Im Gegensatz zu einem Roman kommt es bei Kurzgeschichten nicht darauf an eine Geschichte auszuerzählen. Es geht bei einer Kurzgeschichten um einen "unerhöhrten" Moment, wie Goethe es einmal über die Novelle formuliert hat. Es geht um die Reaktion einer Person auf ein Ereignis, eine kurze Handlung, eine Erfahrung- und alles ist nur darauf ausgerichtet. Eine Kurzgeschichte ist also weniger breit und fokussiert. Was nicht bedeuten soll, dass sie weniger episch ist, denn das ist eine der Stärken der Kurzgeschichte. Sie kann aus einer Situation ins epische wachsen.
Eine Kurzgeschichte ist durch die schnelle Erarbeitung ein wunderbares Medium um das Schreiben zu üben- wobei sich das Schreiben einer Kurzgeschichte deutlich von einem Roman unterscheidet.
Denn in einem Roman steht die Handlung meist im Mittelpunkt, oder die Reaktion der Figuren auf etwas, was in eine Handlung geht. Dies ist aber so viel komplexer, als in einer Kurzgeschichte, dass dies eine der großen Herausforderungen ist, wenn man als Kurzgeschichtenautor einen Roman schreibt. (Neben der breiteren Charakterisierung, der breiteren Anlage der Handlung mit Nebenhandlungen, der Raum komplizierte Konstruktionen zu schaffen, die Möglichkeit das Wachstum von Figuren zu zeigen, ...) Und es ist eine Möglichkeit schnelle Erfolge zu haben, viel auszuprobieren und Selbstvertrauen aufzubauen.

Und deshalb werde ich weiterhin heimlich Kurzgeschichten schreiben. Weil ich es liebe. Auch wenn ich mich weitgehend auf den Roman konzentriere.

Samstag, 10. November 2007

Zum Tod Norman Mailers

Norman Mailer hatte in den letzten Jahren oft das Gefühl, dass seine Generation die letzten Generationen Autoren wäre, die die US Öffentlichkeit noch erreichen könnte. Und genau das hat Norman Mailer immer wieder in seiner langen literarischen Karriere getan.

Sein erster Roman "Die Nackten und die Toten" von 1948 beschäftigte sich mit dem Kriegseinsatz einer Aufklärungseinheit auf einer fiktiven Pazifikinsel. Neben dem Alltagsleben der Soldaten wird der sinnlose Tod einiger Soldaten nach dem eigentlichen Abschluss der Kampfhandlungen gezeigt, die Langeweile der Offiziere und der Schweinehund. Dieser Schweinehund steht immer wieder im Mittelpunkt der Szenen, ob nun bei dem die Humanität vertretenen (und sich der Macht verweigernden) Leutnant Hearns, oder dem sadistischen Sergeant Croft. Mailer wirft immer wieder die Frage auf, wie weit Menschen getrieben werden können, durch die Macht der Offiziere, durch den Hass, den Schweinehund und vieles mehr. Und er wirft die Frage auf, inwieweit die soziale Realität und der Anspruch auf die demokratischen Grundlagen wie Freiheit Selbstverwirklichung kollidieren- ein Thema, auf das Mailer immer wieder in seinen Texten zurückkam.

In anderen Romanen beschäftigte Mailer sich mit der Protestbewegung gegen den Vietnamkrieg (Heere aus der Nacht), schrieb einen teils biographischen, teils fiktionalen Roman über einen Mordfall (Gnadenlos), dazu kommen viele weitere biographischen Fiktionen über Marilyn Monroe, Picasso, Lee Harvey Oswald und den berühmten Essay "Der weiße Neger" über Weltsicht, Kulturkritik über die Themen Sexualität und Gewalt- die immer wieder auftauchen- und das Auseinanderdriften von Ansprüchen einer Demokratie und der sozialen Realität. So bleibt nun "Das Schloss im Wald", seine umstrittene Romanfiktion über Adolf Hitler, in dem der Teufel selber auftritt, ohne seine geplante Fortsetzung.

Norman Mailer war sechsmal verheiratet. Ein besonderer Skandal bildete sich darum, dass er seine zweite Frau mit einem Messer verletzt hat und deswegen zu einer Bewährungsstrafe (seine Frau wollte nicht gegen ihn aussagen) verurteilt wurde. Auch seine Alkohol- und Drogenexzesse waren legendär.
Er war einer der herausragenden Kritiker des amerikanischen Gesellschaftssystem, der sich immer wieder zu Wort meldete, und mit was für Worten. Denn das großartige an Norman Mailer bliebt immer das Wort, die Art wie er als Schriftsteller seine Gesellschaft aufnahm, untersuchte und seine Kritik daran in literarischen Texten formulierte. Im Gegensatz zu seinem großen Vorbild Ernest Hemingway blieb ihm der Nobelpreis verwehrt. So bleibt Mailer einer der Autoren, die nie den Nobelpreis bekommen haben, obwohl sie ihn längst erhalten haben müssten. Das er damit nicht alleine steht, sondern in guter Gesellschaft, tröstet wenig.

Zu Astrid Lindgens 100. Geburtstag (am 14.11)

Wenn ich an Astrid Lindgren denke, habe ich immer ein Zitat aus dem Interview zu ihrem 80. Geburtstag in den Ohren (mit Elsa Olenius): "Es gibt kein Verbot für alte Weiber, in die Bäume zu klettern."

Das hat Astrid Lindgren damals gesagt und hat mir dabei so viel über die Romanschriftstellerin gesagt. Ich habe später "Das entschwundene Land" gelesen, wo Astrid Lindgren etwas über ihre Kindheit erzählt hat, über ihre Eltern und wie man ein Kinderbuchautor wird. Dieses Buch ist übrigens genauso geschrieben, wie ihre Kinderbücher, immer dicht an der Sprache und Vorstellung von Kindern angelegt, keine Spielereien mit der Sprache, sondern die Dinge werden so benannt, wie diese Dinge halt heißen. Aber was mir immer das Gefühl gegeben hat Astrid Lindgren zu kennen, war ein Satz von ihrem Sohn Lasse- sie hat immer mitgespielt, wenn ich spielen wollte. Oder das sie alle Briefe beantwortet hat, die Kinder ihr geschrieben haben- weit über 10.000 Briefe.
Aber natürlich kenne ich Astrid Lindgren nicht. Astrid Lindgren hat nie über ihr Leben als Erwachsene geschrieben, wie sie ihre Heimat verlassen musste, weil sie unehelich schwanger war, nie wie sie ihren Sohn für drei Jahre weggeben musste, deswegen, und nie über ihre Ehe mit ihrem Mann. Sie hat erzählt, in "Das entschwundene Land", wie ihre Tochter Pippi Langstrumpf erfunden hat, und wie sie ihr die Geschichten dazuerfunden hat. Sie hat viel über das Land ihrer Kindheit gesprochen, und die Geschichten, die sie dort angesiedelt hat- auch wenn das Land ihrer Kindheit "Das entschwundene Land" ist.
Aber letztlich sind es Astrid Lindgrens Bücher, Klassiker der Kinderbuchliteratur, an die ich immer noch oft denken muss- und ich habe mir drei davon in den letzten Jahren gekauft, weil ich ohne sie nicht leben möchte.
Natürlich kann man ohne "Wir Kinder aus Bullerbü" leben, aber warum sollte man? Dieses Buch ist so sehr mit meinen Erinnerungen an die Zeit verbunden, als ich es gelesen habe, dass ich manchmal noch daran denken muss, wenn ich an meine Kindheit denke.
Oder, ein besonderer Schatz: "Die Brüder Löwenherz". Ich hatte damals, als ich es gelesen habe, keine Ahnung vom Tod. Er war mir noch unheimlich fern, und wirkte auch gar nicht so bedrohlich. Bis dann ein Freund gestorben ist, und ich die Brüder Löwenherz noch einmal gelesen habe. Vielleicht haben Kritiker recht, und Gut und Böse sind zu sehr geteilt, in diesem Buch. Aber für mich ging "Die Brüder Löwenherz" nie um Gut und Böse. Für mich ging es um zwei Brüder und den Tod. Vom Michel aus Lönneberga ganz zu schweigen, der sich auch vor einigen Jahren in meine Bibliothek zurück geschlichen hat. Er steht da mit anderen Kinderbüchern, und wartet wie früher in seinem Schuppen, dass ich ihn wieder herauslasse.

Ich habe mich immer gefragt, damals, wie irgendjemand etwas anderes als Kinderbuchautor werden wollte. Was könnte es schöneres geben, als Bücher für Kinder zu schreiben... und ihnen damit die Geschichten zu schenken, wundervolle Gedanken und ein wenig die eigene Sprache. Ich frage mich das heute noch. Aber ich weiß heute auch, dass ich leider kein Kinderbuchautor geworden bin, was nicht heißt, dass ich nicht noch einer werde. Meine Kindheit war wundervoll und schrecklich, auf viele unterschiedliche Weisen, und endete viel zu früh- auch wenn ich heute noch von dem Schatz einer besonderen Bücherei in meinem Heimatort zehre.
Astrid Lindgren steht für den wundervollen Teil davon, und auch für den schrecklichen- wo sie mich begleitet hat und mir Mut geschenkt hat.

Vielen Dank, Astrid Lindgren. Dafür dass ich dich lesen durfte, glauben durfte dich zu kennen- ohne dich gekannt zu haben.

Freitag, 9. November 2007

Selbstinszenierung von Hass

Eigentlich gehört dieses Thema nicht in einen Blog über das Schreiben. Aber ich muss immer wieder an den Amoklauf in Finnland denken... und wollte einige Gedanken dazu niederschreiben.

Seit einigen Jahren wiederholt sich hier ein besonderes Phänomen. Eine bestimmte Gruppe junger Männer beginnt sich mit dem Thema Amoklauf zu beschäftigen. Es sind junge Männer, die sich nicht in dieser Gesellschaft wiederfinden können, Außenseiter, meist aus dem sogenannten Mittelstand. Sie beginnen nach und nach ihren Amoklauf zu ritualisieren, damit sie den Mut dazu aufbringen können und stellen ihn sich vor- oft genug mit den sogenannten Egoshootern. Der eigentliche Amoklauf beginnt mit einem Video, indem der Täter versucht sein Bild für die Nachwelt vorzuschreiben, sich selber zu einer Ikone des Hasses zu stilisieren und sich gleichzeitig zu rechtfertigen- meist mit einer kruden Mischung aus angelesenen Wissen anderer Amokläufer, von Rechts- oder Linksradikalen. In gewisser Weise entsprechen diese amoklaufenden Schüler in unserer Gesellschaft den Selbstmordattentätern in anderen Gesellschaften. Nur das der religiöse Motiv säkularisiert wurde, diese Amokläufer versuchen sich nur pseudoreligiös zu legitimieren, indem sie sich auf Ideologien oder auf die Rechtfertigung aus alten Tagen wie Rache oder Vergeltung berufen.In einer säkulisierten Gesellschaft ist es ein Tabu, den eigenen Tod in Kauf zu nehmen, um seine Ziele zu erreichen, bzw. diese Ziele im Tod erst zu erreichen.
Durch eine durch und durch von Medien durchdrungenen Gesellschaft, werden die Amokläufer zu einer Art medialer Ikone, und zwar egal wie sie in den Medien behandelt werden. Sie sind die Vorzeigefiguren für immer neue Diskussionen, die letztlich ihre Taten nicht erklären, siehe die Egoshooter-Diskussion.
Es gibt auch keinen gangbaren Weg diese Art des selbstinszenierten Selbstmordes zu verhindern. Denn alle Versuche diese Situation zu ändern, führen zu einer zentralen Frage: Welche Bedeutung hat Gewalt in unserer Gesellschaft? Und warum wird Gewalt von vielen als legitimes Mittel angesehen seine Ziele durchzusetzen?

Und es ist nicht nur in Hollywoodfilmen so, oder in Egoshootern. diese Vorstellung über Gewalt ist schon seit Jahrhunderten Teil der Gesellschaft. Die Ellbogengesellschaft funktioniert über verschiedene Formen der Gewalt, die abgestuft und ,unterschiedliche gesellschaftlich angesehen, verboten, toleriert oder gefördert werden.
Letztlich sind sie ein Symptom für eine Gesellschaft, die weit mehr Gewalt toleriert und erlaubt, als sie eigentlich behauptet. Diese Zwiespältigkeit lässt sich nicht am Rande wie bei Egoshootern korrigieren, sondern nur in der Mitte- bei der Vorstellung über das einzigartige Ich und seiner dem innewohnenden Bedeutung.
Aber hier sind wir in einer Demokratie an einem Grundpfeiler dieser Gesellschaft, die so einfach nicht geändert werden kann, ohne die Gesellschaft an sich in Frage zu stellen.
Oder anders gesagt: Die Häufigkeit solcher Vorfälle kann reduziert werden. Systematisch können Lehrer mit Sozialarbeitern und Psychologen daran gehen Schüler aus dem Abseits führen, Waffen können schwerer zugänglich gemacht werden, Egoshooter verboten, eine Selbstzensur der Medien beginnen.

Aber das alles wird die Grundlagen nicht verändern. So etwas wird immer wieder passieren.
Weil unsere Gesellschaft nicht zulassen kann, dass jeder von uns einschränkt wird, ständig, stark und jeden Tag, um den Einzelnden daran zu hindern etwas zu tun.
Es zeigt aber auch, dass unsere Gesellschaft stark genug ist, solche Menschen und ihre Taten auszuhalten, auch wenn es sehr bitter und traurig ist. Aber Freiheit ist eben nicht die Freiheit von Leid...

Donnerstag, 8. November 2007

Empathie und Schauspielerei

Wie ein Schauspieler muss ein Schriftsteller sich die Haut fremder Menschen über den Körper streifen. Er muss ihre Haltung und Gestik erkennen, ihre Stimme in seinen Ohren hören und die Art wie sie sprechen und wie sie ihre Gefühle zeigen. Aber im Gegensatz zu einem Schauspieler muss ein Schriftsteller nicht nur in die Figuren schlüpfen, in ihren Schuhen gehen, er muss das direkt bei mehreren Figuren machen und ihnen ihre Worte geben und ihre Gedanken und Gefühle.
Die Fähigkeit sich in andere Menschen hineinzuversetzen, nennt sich Empathie. Die meisten Menschen behaupten, dass Empathie eine Gabe ist, oder das es einen kurzen Zeitraum im Leben gibt, wo man Empathie lernen kann. Ich glaube, dass Empathie auf der Fähigkeit beruht das eigene Leiden zu ergründen und in anderen Menschen das Leiden zu erkennen, und es durch die Erfahrung erlebten Leides dem Grunde nach zu verstehen. Dies kann jeder Mensch lernen, zu jeder Zeit.

Die Empathie eines Schriftstellers beruht auf einer ausgeprägten Beobachtungsgabe und Einfühlung in die Figur. Über die Beobachtungsgabe müssen die Gedanken und Gefühle einer Figur mit einer Gestalt, mit Mimik und Ausdruck verbunden werden.
Aber Beobachtungsgabe und Empathie brauchen Schulung, da die wenigsten Menschen von Anfang an beide Fähig- und Fertigkeiten für die Arbeit als Schriftsteller mitbringen. Und ja, die meisten Schriftsteller, mich eingeschlossen, kämpfen ständig damit besser zu werden, um irgendwann tiefe, glaubhafte Figuren gestalten zu können. Denn das ist eine Leistung, die nur wenige Schriftsteller vollbringen.

Wie kann man beides schulen?
Die Beobachtungsgabe kann man wunderbar schulen, indem man Menschen beobachten, darauf achtet, wie sie sich bewegen und ausdrücken. Indem man versucht nachzuvollziehen, um was für eine Person es sich handelt könnte, hinter der äußeren "Haut". (Klappt übrigens besonders gut bei Freunden, vor allem am Anfang).
Empathie, indem man versucht die Handlungen von Menschen, so weit dies möglich ist, nachzuvollziehen, ihre Gefühle und Denkweisen. Indem man Tagebücher liest, Selbstdarstellungen und kritische Darstellungen über die gleiche Person, Briefe und auch Lebens- und Leidensberichte. Indem man die eigene Vorstellungsgabe verwendet, um sich in andere Menschen hineinzufühlen- am Anfang vor allem bei Dingen, die man selber erlebt hat, später auch bei anderen Themen.
Beides ist sehr hilfreich, es gibt aber auch andere Möglichkeiten, die ich als noch hilfreicher empfinde.

Schauspielerei und auch die Beobachtung von Schauspielern, wie sie sich eine Rolle erarbeiten. Denn wenn man z.B. Russel Crowe als Person ansieht, und wie in die Rolle Nash in "A beautiful mind" einsteigt, seine Körpersprache verändert, seinen Sprechgestus, dann wird einem recht schnell klar, wie geeignet das für das Vorhaben ist. Ein anderes Beispiel ist es eine historische Figur in Aufnahmen zu sehen, und wie diese Gestalt fiktionalisiert wird. Oder auch die verschiedenen Bücher für die Erarbeitung der Rollen, siehe den Blogeintrag zum Actor Studio und der Lee Strasberg Methode.
Und letztlich hilft es sehr, sich vor den Spiegel zu stellen, oder auch den Spiegel des Publikums, und eine Rolle zu erproben, sie zu spielen und zu sehen, wie sie wirkt. Ich teste z.B. oft am Spiegel Gestik und Mimik, wenn ich in meinem Roman etwas brauche. Oder ich erprobe laut Dialoge, so weit ich kann auch mit unterschiedlicher Stimme und Sprechrhythmus. Und ja, ich hatte auch ein paar Auftritte als Schauspieler, aber eher kleine, und nie im Theater. Und habe getestet, erprobt.
Bei vielen dieser Dinge fühlte ich mich zuerst unangenehm berührt, war mir selber peinlich, habe Angst gehabt und mich gefürchtet. Es hat aber m.M. n. geholfen und hilft mir immer noch.

Ein anderer Weg ist das Rollenspiel, sowohl in der Schule, wie auch verschiedene Rollenspielvarianten im privaten. Wenn man seine Rollen ernst nimmt, verschiedenste Rollen ausprobiert, und versucht damit wirklich zu arbeiten, kann man hier sehr unterschiedliche Dinge erproben. Da war auch einiges mal peinlich... aber es war auch spannend zu sehen, wie bestimmte Dinge dort wirken, wie eine Figur sich fühlen könnte, wenn dies oder das passiert. Was man aus dem Rollenspiel lernen kann, hängt aber immer davon ab, wie man das Rollenspiel ausfüllt- ein schauspielerischer Ansatz wäre nötig, um etwas fürs Schreiben zu lernen.

Letztlich gilt aber eins: Ausprobieren, versuchen, experimentieren, sich blamieren, scheitern, daran arbeiten, üben, verwirrt sein, scherzen, dass alles gehört dazu. Und auch das ist sehr hilfreich.

Mittwoch, 7. November 2007

Die Suche nach dem Romanton... Oktober 2007

Ich habe immer von anderen Schriftstellern gelesen, dass jeder Roman seinen eigenen Ton hat und auch benötigt. Dieser "Romanton" entsteht aus verschiedensten handwerklichen Mitteln. Das beginnt mit einer Entscheidung für das Erzähltempo, siehe den Blogeintrag dazu, der Verteilung narrativer und erzählerischer Passagen, der Entscheidung für die grundlegende Struktur der Sätze durch die verschiedenen Passagen und durch die Art des Erzählens, vom Erzähler (oder der Erzählfigur) bis hin zu den Dialogen.
Der eigene Erzählton jedes einzelnen Romans bedeutet übrigens nicht, dass der mehr oder minder unverwechselbare Erzählton des Autoren nicht hörbar ist. Denn dieser äußert sich vor allem in der Verwendung und Vorliebe für bestimmte rhetorische Mittel, im Sprachrhythmus, Wortwahl und Umgang mit der Perspektive, sowie in bestimmten handwerklichen Vorlieben.
Wie ich zu diesem Thema komme?
Ich habe inzwischen einen ordentlichen Satz in meinen Roman gemacht und habe die ersten 45 Seiten Manuskript geschrieben. Wobei die Seitenzahl noch nicht so fest ist, wie ich das ursprünglich geplant habe. Denn ich habe erst auf den letzten Seiten den endgültigen Ton getroffen, den ich für diesen Roman brauche- und muss nun einige Romanstellen noch nacharbeiten. Aber das ist oft so: Ich muss erst den Ton für eine Geschichte finden, die Erzählart und das Erzähltempo, muss mich in die Figuren hineinfinden. Nun, das ist für mich ehrlich gesagt ein großer Schritt, weil ich diesmal mit einem stark wechselnden Tempo arbeite, zwischen erzählerisch sehr reduzierten narrativen Passagen und breiten Spannungsmomenten, verbunden und kombiniert mit Passagen, die nur ein Hineinblinzeln oder Hineinsehen in einzelne Szenen sind.
Oder anders gesagt: Es ist alles ein wenig anders, als in den meisten meiner Geschichten und Romananfänge.
Gleichzeitig ist das Schreiben seit Wochen viel einfacher, als es je in den letzten Jahren war. Es kommt vieles zusammen, was anscheinend schon lange da war, und entwickelt sich mit allerlei Einflüssen, die gerade zusammenfliessen. Aber es verwirrt mich schon sehr. Denn dieses unbeschwerte Schreiben zu mir zurückkehrt, das hätte ich nicht gedacht.
Zudem bin ich immer noch überrascht, dass mir das grundlegende Konzept Krimihandlung als Grundschema so gut tut. Ich hatte eigentlich eher erwartet, dass mir diese Einschränkung schwer fällt- und es nicht viel leichter macht. Das Schreiben ist voller Überraschungen. Selbst wenn man schon seit 15 Jahren sehr intensiv schreibt. Und das ist auch das Schöne am Schreiben.

Dienstag, 6. November 2007

Open Mike

Heute gibt es auf der Hompage der Offenen Literaturwerkstatt Berlin wieder einmal die Ergebnisse des open-mike ; zu lesen, inkl. PDF der drei Siegertexte.
Ich habe mir inzwischen noch einmal die Gedichte von Judith Zander gelesen, und ich bin ehrlich gesagt fast begeistert. Die Gedichte klingen, was für die letzten Jahre schon ein kleines Wunder ist. sind kleine wundervolle Gedankenwelten. Den Namen merke ich mir.

Johann Trupps Prosatext hat mich am Anfang eher verwirrt. Inhaltlich kam ich noch mit, aber die surrealen Textelementen am Anfang waren so mit Adjektiven überladen, mit so vielen Wiederholungen, dass ich nur stockend lesen konnte (und wollte). Später wechselt der Text auf eine realistische Ebene, weniger Adjektive, aber der gesamte Text war danach nicht stärker, sondern schwächer, weil die starke (vielleicht überzogene) Bildlichkeit abnimmt und es sehr üblich wird. Schade.

Tina Ilse Gintrowskis Text ist im Prinzip ein Bewusstseinsstrom, der oft recht elegant, manchmal auch weniger elegant durch das Leben einer Figur führt, wobei die Themen heftig durcheinanderwirbeln. Nach der Textprobe ist mir aber nicht klar, ob es der Autorin gelingt diesen Text wieder zusammenzuführen, bzw. daraus eine Geschichte zu schaffen. Insgesamt hat der Text sicherlich seine Qualitäten, den ein so geführter Bewusstseinsstrom ist schon eine Leistung. Aber wohin der Text führt, kann ich nicht beurteilen.

Täterprofile

Da ich ja gerade einen Krimi schreibe, wenn auch einen okkulten seltsamen Krimi, lese ich natürlich meine Lektüren nach solchen Themen durch- lieben Gruss an den Perlentaucher.
Im "The New Yorker", Dept. of criminology war heute Malcolm Gladwells Artikel: Dangerous Minds. Criminal profiling made easy" ; ; über die Erstellung von Täterprofilen bei Serientätern gefunden. Dabei stellt Gladwell erst einmal zwei klassische Täterprofile vor, bevor er verschiedene Untersuchungen über das Profiling selber betrachtet, und ziemlich interessante Schlüsse zieht.
Wer es nicht so spannend mag:
Die einzelnen Begebenheiten einer Tat sagen nicht sehr viel über den Täter aus. Denn leider lassen sich bei Überprüfungen an einem breiten Fallcorpus die Schlüsse im Einzelfall nie auf andere Fälle übertragen, denn es gibt zu viele Gründe für eine Einzelheit.
In der Gesamtheit bestehen Täterprofile aus einem Wust von Aussagen, von denen immer einige treffen, da sie nach den wunderbaren Regeln der Wahrscheinlichkeit und dem Einbau von nachträglichen Bestätigungen errichtet werden. Was nicht trifft wird dann oft vergessen- und ja, so ähnlich arbeiten auch Hellseher und Wahrsager. Es gibt jedoch immer wieder Fälle, wo die weiteren Aussagen über die Täter doch treffen, gegen die statistische Wahrscheinlichkeit und die die Polizei zu den Tätern führen. Oder anders gesagt: Profiling ist keine überprüfbare Wissenschaft, und viele Aussagen bestehen eher aus Erfahrungen, als auf allgemeingültiges Wissen. Und vieles besteht auch aus so wunderbaren Konstruktionen:

"Sie haben keine Kinder, oder?"

Und als Antwort sind Ja oder Nein unproblematisch, weil man jedes Mal sagen kann.

"Ich habe es gewusst."

Montag, 5. November 2007

Zusammenarbeit mit anderen Künstlern

Vielleicht ist das eines der kleinen Geheimnisse, die nicht wirklich von großer Bedeutung sind, aber manche Menschen glücklich machen. Ich unterhalte mich unheimlich gerne mit anderen Künstlern, lese Biographien und arbeite gerne mit Künstlern zusammen, weil es mich inspiriert. Um mal konkreter zu werden: Ich male seit einigen Jahren Öl- und Acrylgemälde. Ich bin nicht sonderlich begabt, was nichts anderes bedeutet, als das meine Gemälde oft eher zufällig entstehen- wie auch meine Romanszenen- nachdem ich mir ein Konzept überlegt habe. Leider fehlen mir beim Malen die Grundlagen des Handwerks, wie z.B. die Technik gerade Linien zu ziehen und im Feinen sorgfältig mit Öl- und Acryl zu arbeiten. Und ich habe Jahre gebraucht, bis ich so langsam ein wenig in die Belichtungseffekte bei Gemälden eingestiegen bin. (Von der Perspektive ganz zu schweigen, da bin ich bis heute ein Versager).Zu meinem besonderen Genuss habe ich jedoch schon einige Male mit Künstlern zusammengearbeitet, und sie bei der Vorgehensweise beobachtet. Habe mir angeschaut, wie sie ein Thema angehen, wie sie dieses Thema bearbeitet und habe in der Uni auch mal zu Gemälden Texte entworfen.

In einer Galerie in England habe ich von einer Malerin (und Verkäuferin ungewöhnlicher Drucke) gelernt, dass eines der Geheimnisse auf den Gemälden der Präraffaeliten (einer englischen Malergruppe) ist, dass jedes ihrer Gemälde in Bewegung zu sein scheint- also nicht eine stille Momentaufnahme ist, sondern die Ankündigung einer Bewegung, vielleicht gerade ein Innehalten, aber die Bewegung ist zu erkennen.
In einer zur Galerie umgestalteten Kirche habe ich mich mit einem Malerehepaar unterhalten. Sie malte viele düstere, dunkele Waldwelten, in denen immer ein latentes Gefühl der Angst und der Furcht zu spüren war, eine angedeutete Gewalt. Und genau das war das spannende an ihren Gemälden- nicht das was zu sehen war, sondern das, was man dort glaubte spüren zu können, fühlen zu können.
Ihr Mann malte Bilder, die in ihrer Bildsprache an naive Malerei angelehnt waren. Wobei der Begriff naive Malerei sehr über den Bildinhalt täuschen kann, denn nur die Technik vereinfacht, während der Inhalt nicht unbedingt naiv war. Auch hier eine interessante Lektion: was naiv erscheint, muss es gar nicht sein.

In einer Schieferbaron"burg" habe ich gelernt, dass teurer Geschmack nicht unbedingt ein guter Geschmack ist. In einem der völlig überladenen Zimmer hingen die echten Ölgemälde übereinander: Darunter ein Rubens, auf den ein Papagei gemalt wurde, weil der Rubens an sich langweilig war. Aber der Papagei ist nun verblasse. Der Rubens hat den Schieferbaron überlebt.
Von einem professionellen Geschichtenerzähler habe ich so einiges über das Geschichtenerzählen vor Publikum gelernt, und wie sehr manche Kleinigkeit wirken kann. Zudem hat er mir ein uraltes Geheimnis verraten: Das Geheimnis einer guten Geschichten. Ich habe es nur nicht richtig verstanden, weil er so geflüstert hat.
Und natürlich bin ich mit einigen Schriftstellern und Künstlern befreundet. D (Unter den Links wird man einige sehr liebe Kollegen und Kolleginnen finden, von meinem Autorenpartner einmal abgesehen.) Da werde ich aber nicht verraten, was ich von ihnen alles gelernt habe.Nur einige haben leider noch keine Homepage, auf die ich verweisen könnte. Noch nicht. Aber das kommt bestimmt.

Kriminalroman als Rahmenhandlung

Eine der ersten Kriminalerzählungen in der deutschen Literaturgeschichte war Friedrich Schillers "Der Verbrecher aus verlorener Ehre". Fast berichthaft fasst Friedrich Schiller seine fiktionalisierte Schilderungen über den Sonnenwirt und seine kriminelle Karriere. Für viele Literaturwissenschaftler gilt diese Geschichte mit den vorgestellten Reden über die Begierden und die menschlichen Verirrungen. Diese Tradition wurde immer wieder aufgegriffen, ob nun Clemens Brentano ("Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl" 1817), E.T.A Hoffmann ("Das Fräulein von Scuderi" 1819/21) und Annette von Droste-Hülshoff ("Die Judenbuche" 1842), und hat sich dann weit ausgebreitet. Als ersten Kriminalroman wird üblicherweise E.A.Poes "Der Doppelmord in der Rue Morgue" 1841 bezeichnet, der stilbildende für die weitere Entwicklung des Genres ist.

Als Kriminalroman bezeichnet man heute allgemein eine Geschichte, bei der üblicherweise eine Tat am Anfang der Handlung steht, die durch einen Ermittler (ob nun Polizist, Detektiv oder eine Privatperson) im weiteren Verlauf aufgeklärt wird. Der Thriller ist eine Unterform des Kriminalromans, bei der der Ermittler meist im Mittelpunkt der Täter steht, oder mehreren Tätern, während er einen Vorfall (nicht zwingend eine Tat, oft auch eine Verschwörung) aufklärt.Neben den klassischen Kriminalgeschichten und ihren Variationen gibt es aber eine recht neue Form des Kriminalromans. (Wobei neu in der Literatur übrigens nicht neu bedeutet, die ersten dieser Kriminalgeschichten erschienen schon vor vielen Jahren, siehe z.B. Dürrenmatt "Der Richter und sein Henker 1950).

Ich habe gestern bei "Druckfrisch" in der ARD ein Interview von Denis Scheck mit und Heinrich Steinfest gesehen. Der erzählte. dass er den Krimiaufbau als "Rahmenhandlung" verwendet, um seinen Geschichten ene klare Struktur zu geben und die Leerstellen der Krimihandlungen mit allerlei weiteren Dingen auszufüllen.
Umberto Eco hat z.B.mit "Der Name der Rose" einen historischen Kriminalroman geschrieben, bei dem die Kriminalhandlung letztlich die Geschichte führt, während gleichzeitig unendlich viel über das Mittelalter erzählt wird, über mittelalterliche Literatur, über Zeit- und Sittengeschichte, über das Leben im Kloster, die Bedeutung der Klosterbibliotheken, den Schatz antiker Texte usw..
Somit bietet also die Einschränkung "Kriminalroman" mit der vorgegebenen Struktur auch ein Grundschema, das genug Raum lässt alle möglichen Dinge in dem vorgegebenen Rahmen abzuhandeln. Ein ganz klassischer Vorgang in der Literatur: Sich freiwillig Beschränkungen aufzulegen, wie z.B. bei den verschiedenen Lyrikformen, um dann aus der Beschränkung ein Grundschema aufzunehmen, dass frei genug ist um mit vielem aufgefüllt zu werden.

Oder anders gesagt: Gute Idee. (Funktioniert übrigens auch mit vielen weiteren Genres, und interessanterweise kann man die grundlegende Krimihandlung auch in viele Bereiche übertragen).

Sonntag, 4. November 2007

Sei glücklich!

Sei glücklich!

Vielleicht ist es ein wenig schreibesotherisch, aber eine der goldenen (Schein-)Regeln des Schreibens ist "Sei glücklich!". Ein künstlerischer Prozess beginnt mit einer Idee, und der Bearbeitung dieser Idee durch das Handwerk. Wenn man als Vorlage die Bildhauerei an einem Marmorblock vergleicht, so ist die Idee zuerst da, und das Handwerk dient dazu langsam die Idee aus dem groben Marmorklotz herauszuarbeiten.
Jeder Marmorblock hat seine Besonderheiten und Eigenarten, die sich erst während der Bearbeitung offenbaren. Manchmal ist es nicht möglich die ursprüngliche Idee so umzusetzen, weil der Stein an dieser Stelle einen kleinen Fehler hat- vielleicht sogar einen großen, der die gesamte Konstruktion in Frage stellt.
Also ist es der Prozess, der wiederum Einfluss auf die Idee gewinnt, und diese verändert. Nach und nach entsteht dann die grobe Vorstellung, die nach und nach verfeinert wird.
Die eigentliche Kunst ist die Idee, die letztlich alle künstlerische Bearbeitung tragen muss, und die Feinarbeit, wenn der grobe Entwurf entsteht, und nun das Besondere, die Feinheiten aus dem Marmor geholt werden muss. In der Feinheit entsteht erst der Eindruck, dass alles zusammenpaßt. Bei einer figürlichen oder abstrakten Darstellung entsteht das Gefühl erst durch die Nachbildung der Idee im feinen.
Wenn man sich z.B. die Statuen des Michelangelo Buonarroti ansieht, entsteht erst in der letzten Bearbeitung das, was diese Statuen für ihre Zeit so Einzigartig macht.

In einem solch langen Prozess, die Arbeit an einem Roman dauert zwischen drei Monaten (bei den Schnellschreibern (einige Schreibextremisten sind sogar noch schneller)) und mehreren Jahren. Und es gibt neben dem Schreiben so unendlich viele Dinge, die man beachten soll: Was interessiert die Leser? Was verkauft sich gerade? Was ist ein kommender Trend? Wie sehen vergleichbare Werke aus dem Bereich aus? Wie setzt man einen Trend? Was ist im Handwerk richtig? Darf man so etwas darstellen? Wie geht man mit Pathos um?...

All diese Fragen können sehr hilfreich sein, wenn man im Ideenprozess ist, in der Überarbeitungsphase oder bei der Erarbeitung einer Szene. Und sie können an einem anderen Punkt der Arbeit sehr problematisch sein- wenn man einfach nur schreiben möchte oder gerade Probleme mit fertigen Texten hat- die man nicht veröffentlicht bekommt. Denn dann stellt man alles in Frage- und wer kann dann noch schreiben???
"Sei glücklich!" ist eine der goldenen (Schein-)Regeln, die man anwenden kann. Wer schreibt, der muss an sich und seinen Text glauben. Wer schreibt, der muss seine Ideen immer wohlwollend prüfen, aus sich heraus. Denn Kritik an einer Idee mit der Begründung: Verkauft sich nicht- kann in diesem Stadium den Autor blockieren. (Was nicht bedeutet, dass man nicht die Ideen abwägen sollte- aber nie nur nach fremden Einwürfen.) Wer schreibt, der muss auf sein Handwerk erst einmal in der Schreibphase vertrauen, weil er sich sonst blockiert. Und vor allem muss er es genießen den Text zu schreiben, alle seine Gefühle wie Freude, Leid, Qual, Melancholie und Glück mit hineinnehmen- und dann den eigenen Text zufrieden lesen können, ohne alles sofort zu hinterfragen.
Das meine ich mit "Sei glücklich". Das Schreiben, so anstrengend, schwierig und Scheiße es manchmal ist, doch zu genießen- weil es letztlich um das Schreiben geht- und das veröffentlichen letztlich nur das Extra ist, die Kirsche auf der Sahne.

Samstag, 3. November 2007

Revision, Martin Mosebach und die Moderne

In der heutigen Welt gibt es einen Artikel "Die "Modernen" gehen uns auf die Nerven" von Tilman Krause, der sich auf die Debatte über die Verleihung des Büchnerpreises an Martin Mosebach bezieht und auf Martin Mosebachs Rede anlässlich der Preisverleihung. (Zu Martin Mosebach u.a. die FAZ ).
Immer wieder wurde in dieser Debatte der Begriff "Revisionismus" in Bezug auf Martin Mosebach verwendet. Die Erklärungen über diesen Begriff blieben jedoch recht kurz, wenn der Begriff überhaupt erklärt wurde.

Revisionismus ist ein aus dem Lateinischen entlehntes Wort, das sich in der reinen Wortbedeutung (re videre) darauf bezieht etwas wieder oder erneut anzusehen und durch den -ismus als Wortbildung auf eine Lehre, eine Ideologie oder geistige Strömung bezieht. Dementsprechend bedeutet Revisionismus sich der Gegenwart zu entziehen, diese in Teilen abzulehnen, und sich programmatisch zur Vergangenheit zu bekennen.

Tilman Krause exerziert dies nahezu beispielhaft an der "modernen Kunst" durch. In Anlehnung an die großen Redner beginnt er diesen ästhetisch-revisionistischen Rundumschlag mit der kräftigen, jedoch unbelegten Aussage "Jedoch, die Leute sind`s jetzt leid", die ein generelles Problem mit dieser "modernen Kunst" signalisiert.
Sein Startpunkt sind die "autistischen Architekten", dann folgen die beschränkten "handwerklichen Stümper" in den darstellenden Künsten, die von "Privatobsessionen" geplagten "Proleten und Illiterate" des Regietheaters und als letztes kommen die "Autoren, die nichts erlebt, durchdacht und folglich nichts zu sagen haben". Traditionell für einen -ismus wird also mit Hilfe der Polemik die Situation überspitzt und gleichzeitig Karikaturenhaft überzeichnet, bevor dann die revisionistische Kur mit Gegenvorschlägen kommt: "Bauen wir halt wieber auf, was seine Probe überstanden hat". Das "Bauen erprobter Dinge" bezieht sich zwar direkt auf die "autistischen Architekten", ist aber auch die programmatische Dimension des Revisionismus: ästhetischer Stillstand.
Denn die Vorschläge zu den oben genannten "Modernen Verfehlungen" sind: Wiedererrichtung historischer Gebäude, figürliche Malerei, Hörspiele oder das Texttheater und werthaltige Erzählwerke, wobei werthaltig das ist, was revisionistisch die Werte einer Vergangenheit übernimmt.
"Die ästhetische Moderne war die Krankheit [...]" ist die Schlußfolgerung Tilman Krauses.
Die Moderne beginnt in der Literatur irgendwann mit Charles Baudelaires "Die Blumen des Bösen" 1857 und Rainer MariaRilke: "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" 1910. Sie hat sich nie vollständig gegen die "werthaltige Literatur" durchgesetzt, und es gab immer wieder Richtungen der "Moderne", die sich an "werthaltiger Literatur" orientiert haben.
Der leitende Literatur-Redakteur Tilman Krause revisionisiert somit die gesamten Entwicklungen der "Moderne", wobei er sich ausdrücklich auf die Zeit der 68er und die Dekonstruktion bezieht und es ist unklar ist, wie weit er die "Moderne" in ihrer Entwicklung ablehnt.
Unter der hitzigen Diskussion mit vielen kräftigen -ismen wird sehr viel weggeweht, was nicht hätte weggeweht werden sollen. Wer über Revisionismus Preiswürdigkeit oder Preisunwürdigkeit konstruiert, der reduziert das erzählerische Werk Martin Mosebachs auf eine Kategorie, die für einen Büchnerpreis nicht trägt. Ästhetischer und -ismischer Stillstand ist nicht auszeichnungswürdig, auch wenn es Literaturkritiker und ein Publikum gibt, dass dies anders sieht.
Was preiswürdig ist, ist möglicherweise die Literatur Martin Mosebachs, die eben weitaus breiter ist als seine ästhetischen und persönlichen Haltungen. Denn das ist das großartige an Literatur: es ist weit mehr, als nur der Autor und seine Haltungen. Ich verweise gerne noch mal auf die von mir gesammelten "Essays über das Schreiben" unter Zusatzseiten, darunter der wunderbare Essay "The democracy of Don Quichote", wo genau dies festgestellt wird.

Vielleicht sollte Tilman Krause einmal die "ästhetische Moderne" revisionieren und überlegen, was davon trägt und was nicht. Denn neue Richtungen können gedankliche und geistige Mütter und Väter aus unterschiedlichen Zeiten haben, wie die Renaissence eindrucksvoll bewiesen hat und wie es die literarische Diskursdiskussion immer wieder erneut bewiesen hat. Genau diese ist es auch, die belegt: Es gibt keinen Weg zurück, weil ein Diskurs sie nie zurückentwickelt, sondern immer weiterentwickelt. Es gibt nur den Weg Dinge für sich zurückzuweisen und das bestehende mit dem eigenen weiterzuentwickeln zu einer neuen Richtung.

Freitag, 2. November 2007

Maddie in der Titanic- oder darf Satire das??

Die Satirezeitschrift "Titanic" hat in der letzten Ausgabe das nahezu allgegenwärtige Bild von "Maddie", die entführte Tochter der Familie McCann, in einen Zusammenhang mit Produktwerbung gestellt- hier z.B der Ausschnitt der Titanic in der Taz. Statt Maggie Maddie, das Photo von Maddie bei Markenzwieback und bei Kinderschokolade und bei einem Bodenreiniger, ergänzt durch den Spruch "beseitigt auch DNA Spuren".
Ist das Geschmacklos?? Zweifellos.
Andererseits ist es auch so, dass die Familie McCann mit eigenem Pressesprecher (und ehemaligen Spindoctor der Blairregierung) eine Medienkampagne organisiert haben, die umfassend und täglich versucht alle Menschen immer wieder neu zu erreichen. Allein durch die ständige Verwendung des Photos ist das Bild selber zu einer Ikone oder vielleicht zu einem "Markenartikel" der Betroffenheit geworden.

Die Kampagne der Titanic macht sich also zuerst über diese Medienkampagne lustig. Nur bei dem Bodenreiniger geht die Satire noch einen Schritt weiter: Im medialen Hype fehlten oft die wirklichen Nachrichten, und so wurden von verschiedenen Zeitungen ständig neue Verdächtigungen, neue Untersuchungen und neue Geschichten mit Bezug auf alle möglichen (und unmöglichen) Quellen in Druck gebracht.
Deshalb ist die Bodenreinigergeschichte letztlich auch ein direkter Bezug auf die immer wieder auftauchenden Verdächtigungen der portugiesischen Polizei gegen die Familie McCann, die ebenfalls immer wieder neu und mit Ergänzungen, neuen Informationen in der Presse auftauchte.
Oder anders formuliert: Die ständige Medienpräsenz des Bildes und der Familie hat letztlich dazu geführt, dass die McCanns mal als "Heilige", mal als "Verbrecher" auftauchen, teilweise wechselnd an unterschiedlichen Tagen in den gleichen Presseorganen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Titanickampanie genau dies aufs Korn nimmt: die McCannsche Medienkampagne und der daraus entstehende Medienhype mit immer neuen Fehl- und Falschmeldungen, neuen Hinweisen und seltsamen Informationen über den Fall.
Geschmacklos bleibt die Satire trotzdem, gerade weil die Geschichte mit dem Bodenreiniger letztlich die Eltern sicherlich verletzten wird. Aber man sollte auch nicht vergessen, dass es sich um ein deutsches Satiremagazin handelt- so dass diese Verletzung wieder nur über den Medienhype nach England dringen konnte. Das ist auch das irritierende an der Titanickampagne: Sie wird selber Teil des Medienhypes, über die sich diese Kampagne lustig macht. Denn die Reaktionen in Deutschland sind oft nur eine Folge der englischen Reaktionen auf die Satire.
Seltsame Welt: Die Satire wird zur Nachricht, die sich wieder auf andere Nachrichten bezieht, die sie satirisch überspitzt hat. (Und ja, sicherlich hat die Titanic beim Bodenreiniger grob und geschmacklos agiert).
Aber der Pressehype war schon viel geschmackloser als alles, was die Titanic veröffentlicht hat.