Samstag, 29. September 2007

Glück und Melancholie

Heute gibt es in der NZZ den Artikel ""Glück und Melancholie oder Lob ihrer Unzeitgemässheit. Über die Karrier zweier Begriffe>;" von László F. Földényi, indem Földènyi etwas über die Bedeutung dieser Begriffe in unserer Gesellschaft in den letzten Jahren aussagt.

Freitag, 28. September 2007

Mitternachtskrankheit

In der Sonderausgabe des Spiegels "Spiegel Spezial: Neue Bücher 2007. Biographien & Co." steht ein Artikel über die bipolare Störung (früher ungenau und verfälschend als manische Depression bezeichnet), die sich überdurchschnittlich häufig bei Schriftstellern und in anderen kreativen Berufen finden lassen soll.
Alice W. Flaherty kommt in ihrem Buch "Die Mitternachtskrankheit - Warum Schriftsteller schreiben müssen. Schreibzwang - Schreibrausch - Schreibblockade und das kreative Hirn", erschienen im Autorenhaus Verlag, zu ähnlichen Ergebnissen. Anscheinend finden sich bei kreativen Menschen gehäuft bestimmte genetische oder psychische Veranlagungen. Flaherty untersucht jedoch nicht nur die bipolare Störung, sondern darüber hinaus weitere Phänomene wie Hypographie, Epilepsie. Wobei bei ihr immer wieder Ergebnisse durch die Rückschau auf die Zeugnisse von Schriftstellern eingeordnet werden, indem das Verhalten nachträglich mit Veranlagungen oder Krankheitsbildern erklärt wird.
Letztlich scheint es so zu sein, dass kreative Menschen sehr häufig mit Depressionen, der bipolaren Störung und anderen Veranlagungen oder Psychosen zu kämpfen haben. Vielleicht ist es aber auch umgekehrt. Vielleicht haben Menschen gerade wegen dieser Veranlagungen und Psychosen das Bedürfnis schreibend damit umzugehen, damit zu kämpfen und über das übliche hinaus kreativ tätig zu werden. Denn natürlich muss ein Schriftsteller nicht diese Probleme haben, und natürlich ist nicht jeder Mensch mit diesen Veranlagungen und Krankheiten kreativ.
Warum ich mir das gerade überlege??
Meine Tastatur hat sein einigen Tagen nicht mehr geklackert für mein Schreiben, es ist still geworden zwischen meinen Ohren. So viele Gedanken, die ich noch nicht einordnen kann, so viel Trauer. Fast bin ich wütend über das Schweigen, weil ich es kaum aushalten kann. Und wenn ich dann ein paar Sätze schreibe, darüber nachdenke, frage ich mich, wie ich das kann, wo gerade ein wirklich guter Freund gestorben ist. Und mir fällt keine andere, keine bessere Antwort ein, als zu sagen: Ich lebe, wenn ich schreibe. Ich schreibe, um zu leben. Und ohne das Schreiben bin ich nicht vollständig.

Dieter hätte es verstanden, und so muss ich es auch akzeptieren. Ich bin ein Schriftsteller, und das ist mehr als nur ein Beruf. Es ist mein Leben.

Donnerstag, 27. September 2007

Abschied von Dieter

Seit über zehn Jahren hat mich ein lieber Freund auf meinem Weg als Schriftsteller begleitet. Er hat meine Texte nur selten gelesen. Aber er hat meine Texte mit vielen Erzählungen, Kommentaren und seiner besonderen Art bereichert. Er hat manchmal den Humor in meine Texte gebracht, und, wenn ich wieder einmal nervös durch meine Wohnung geeilt bin, dann hat er meine Unruhe geteilt und oft gelindert.
Am Sonntag Abend hat sich bei ihm eine Tür geöffnet, und, wie sein Idol Jimi Hendrix, ist er neugierig hindurch gegangen, um zu sehen, was sich dort befindet. Meine Texte und ich werden ihn mehr als nur vermissen. Die leisen Klänge von Deep Purple im Hintergrund, die kurzen Anrufe und die vielen Gespräche.

Auf ein Wiedersehen, irgendwo.

Donnerstag, 20. September 2007

Schreibrausch

Manchmal kann man an einem bestimmten Tag etwas fest machen. Heute kann ich zum Beispiel feststellen, dass ich zu 100% im neuen Roman drin bin. Die vielen Ideen und Vorstellungen über die Geschichte, den Hintergrund des Romans, die handwerkliche Umsetzung beginnen sich langsam zu einem harmonischen Ganzen zu vereinen. Und ich gerate in einen kleinen Schreibrausch.
Da ich meistens nicht rauschhaft schreibe, sondern eher blockiert bin, bin ich besonders glücklich. Auch wenn ich nur wenig Möglichkeit sehe diesen Roman zu verkaufen. Aber das war auch nie Ziel dieses Romans. Denn ich will schreiben, der Rest kommt oder kommt nicht. Ein erleichterndes Gefühl -Danke an Christa, die sich gerade in ihrem Blog mit ähnlichen Gedanken rumgeplagt hat und mich damit überzeugt hat-. Das Verkaufen darf bei mir zumindest erst nach dem Schaffen kommen. Sonst überlege ich zuviel über Dinge, die beim Schreiben unwichtig sind und mich blockieren.

Vielleicht habe ich genau diesen Roman gebraucht, um mich von den Schreibängsten zu befreien, denn ich schreibe anders. Im Prinzip schreibe ich sogar eher wie vor Jahren. Vieles, was ich eigentlich für sicher genommen habe, was mir handwerklich besonders wichtig war, lasse ich beiseite und reduziere. Im Mittelpunkt steht nur recht klar die Geschichte, und alles wird ihr untergeordnet. Und die Geschichte funktioniert. Und ich weiß es. Im Gegensatz zu "Zwischenleben", dem vorherigen Roman, weiß ich nun genau, wie es funktionieren wird.

Warum? Ich habe in den letzten Jahren unendlich am Handwerk gearbeitet, und vieles verinnerlicht, anderes ausprobiert. Und nun muss ich für diesen Roman bestimmte Dinge reduzieren.
Letztlich ist die Erfahrung dieses Romans, dass Sicherheit beim Schreiben viel wichtiger ist als Handwerksdiskussion im Vorlauf und Verlauf. Handwerkskunst ist eben nicht ständig weiterzudiskutieren, sondern das Handwerk zu lernen, dann zu experimentieren, bevor man das Handwerk so verinnerlicht, dass es hinter die Idee des Schaffungsprozesses zurücktritt. Denn Kunst entsteht nicht aus dem Handwerk, indem aus den Möglichkeiten des Handwerks etwas erschaffen wird. Kunst entsteht, wenn eine Idee entsteht, und das Handwerk so verinnerlicht diese Idee mit Leben ausfüllt.

Sonntag, 16. September 2007

Wege zum Schreiben

Ich bin ein umgestellter Linkshänder. Eigentlich müsste ich viele Dinge mit Links erledigen, z.B. das Schreiben. Aber ich habe gelernt viele Dinge mit Rechts zu machen. Und ehrlich, als eigentlicher Linkshänder, muss ich feststellen, dass es mit Links einfacher ist. Denn bei mir ergibt sich aus der umgestellten Rechtshändigkeit einiges an Problemen. Wer regelmäßig meinen Blog liest, der wird sicher schon festgestellt haben, dass ich eine Rechtschreibschwäche habe. Ich habe auch Probleme mit der rechten Hand systematisch meine Gedanken zu ordnen. (O.k., gemeine Menschen behaupten, ich würde das auch mit beiden Händen nicht hinbekommen). Und ich habe einen unheimlichen Drang meine Texte zur Musik zu rhythmisieren. Dazu kommen noch Ängste, Kopfschmerzen und einige andere Dinge.
Früher habe ich immer angenommen, dass die Umstellung für mich nur Nachteile hat. Nun habe ich gelesen, dass diese Umstellung auch einen Vorteil hat. Eigentlich ist es nicht wirklich ein Vorteil. Durch die Umstellung schreibt man wesentlich stärker in Verbindung mit den Gefühlszentren. Aber für die Schriftstellerei nicht unbedingt ein Nachteil.

Oder anders formuliert; Viele Erfahrungen helfen im Leben zum Schreiben zu finden. Es sind nur oft nicht die besten Erfahrungen, die dazu geeignet sind.

Donnerstag, 13. September 2007

Die Gedanken sind frei...

Ich wollte heute mal ein altes Volkslied posten, das mich immer wieder daran erinnert, dass unsere Gedanken frei sind, gegen alle Gewalt und Willkür, und auch manchmal gegen unsere eigenen Vorstellungen.

Die Gedanken sind frei

1. Die Gedanken sind frei
wer kann sie erraten?
Sie fliegen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen
mit Pulver und Blei:
Die Gedanken sind frei!

2. Ich denke, was ich will
und was mich beglücket,
doch alles in der Still’
und wie es sich schicket.
Mein Wunsch, mein Begehren
kann niemand verwehren,
es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei!

3. Und sperrt man mich ein
im finsteren Kerker,
das alles sind rein
vergebliche Werke.
Denn meine Gedanken
zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei:
Die Gedanken sind frei!

4. Drum will ich auf immer
den Sorgen entsagen
und will mich auch nimmer
mit Grillen mehr plagen.
Man kann ja im Herzen
stets lachen und scherzen
und denken dabei:
Die Gedanken sind frei!

Ein deutsches Volkslied. Text nach Wikipedia. Dort gibt es auch kurz einige Informationen über die ersten Niederschriften dieses Liedes um 1780 und in den Liedsammlungen der Romantik.

Mittwoch, 12. September 2007

Neue Wege in der Lyrik

In der Süddeutschen Zeitung gibt es heute den Artikel "Drehbücher der Zukunft. An eine Userin. Verfilmte Gedichte im Internet- das nächste große Ding. Wohl kaum. Aber sie könnten die Lyrik-Welt revolutionieren." von Christian Kortmann.
Bei den verfilmten Gedichten steht das Wort immer noch im Mittelpunkt, aber, analog zu der Entwicklung der Musikvideos in den 80er Jahren, kommt eine weitere Ebene für die Rezeption von Lyrik hinzu. Der Einsatz von Animation und bewegten Bildern dient dazu, die Aussagen des Autors zu erweitern, zu ergänzen oder zu verbildlichen, über diese Bilder auf andere Texte und Bilder zu verweisen, oder um eine Interpretation zu dem betreffenden Gedicht zu ergänzen.

Der Artikel verweise auf einige Videos bei Youtube:

"Annabel Lee,gelesen von einem animierten Edgar Allen Poe"

"William S. Burroughs: Thanksgiving Prayer dir. Gus Van Sant"

Billy Collins

1. "The Country"
2. "Forgetfulness"
3. "The Best Cigarette"
4. "Budapest"

Ich muss sagen, ich bin ein bißchen geplättet, von der Idee und der Umsetzung, und stellt fest: Die Idee hat unendlich viel Potential, um Lyrik auf eine neue Art für viele Menschen zugänglich zu machen, auch wenn es sicherlich eine Nischensache bleiben wird.
Aber alleine die Möglichkeiten. Also weiter Lyrik schreiben... und hoffen.

Dienstag, 11. September 2007

Arthur Millers vergessener Sohn

In der heutigen Vanityfair ist ein Artikel: "Arthur Miller`s Missing Act". Es geht um den am Down-Syndrom leidenden Sohn Arthur Millers, Daniel. Arthur Miller gab seinen Sohn kurz nach der Geburt in ein Heim und während seine Frau den Sohn regelmäßig besuchte, kam es erst nach dem Auszug Daniels aus dem Heim in eine Wohngruppe zu gelegentlichen Besuchen. Trotzdem verschwieg Arthur Miller sogar in seiner Autobiographie seinen Sohn, und erst in seinem Testament machte er ihn zu einem zu seinen anderen Kindern gleichberechtigten Erben.
Sicherlich liegt der Grund für diese Handlungen Arthur Millers sowohl im gesellschaftlichen Umgang der Zeit mit Kindern mit Down-Syndrom, in den Erfahrungen innerhalb seiner Familie mit dieser Behinderungen, aber auch in Arthur Miller selber. Aber der gleiche Mann war eine moralische Instanz in seinem Land, in seiner Weigerung während der Mc-Carthy-Arä ihm bekannte Kommunisten zu verraten (er erhielt dafür eine Haftstrafe), in seinem Einsatz gegen den Vietnamkrieg oder in seinem Kampf für verfolgter Schriftsteller alleine oder mit Hilfe der PEN.
Ich sehe hier eine Parallele zu anderen Schriftstellern, wie Günter Grass, Sartre und anderer, die ebenfalls durch ihre Handlungen zu einer moralischen Instanz wurden, mit allen Folgen. Also auch der Folge, dass auf Grund einiger ihrer Taten ihr Wirken als moralische Instanz in Frage gestellt wird.

Sind die anderen Taten Arthur Millers weniger wert, wenn er seine Sohn abschob?? Oder ist die Arbeit und das Wirken von Günter Grass weniger wert, weil er selber verführt wurde?? Darf man wie Sartre für die Schrecken der stalinistischen Herrschaft blind sein?
Manche Fragen sind nicht zu beantworten. Und es ist sehr einfach einem Mann wie Arthur Miller seine viele Verdienste abzusprechen, weil er sich in einem Fall nicht richtig verhalten hat. Denn es macht Arthur Miller etwas menschlicher... und Menschlichkeit, mit all ihrer Widersprüchlichkeit, macht uns alle schwächer, in den Augen einiger Betrachter. Arthur Miller wird dadurch scheinbar Menschen ähnlicher, die nie den Mut hatten Position zu beziehen, weil er einmal eine falsche Position bezogen hat. Arthur Miller hatte die Größe, wenn auch spät, in seinem Testament den Sohn anzuerkennen, den er zu lange geleugnet hat.
Ich glaube nicht, dass Menschlichkeit und das ihr innewohnende Irren einen Menschen wie Arthur Miller kleiner machen können. Denn kein Mensch ist ohne Fehler, kein Mensch ohne Widersprüche. Und es ist gut zu wissen, dass wir alle als Mensch irren können... und das Irren vielleicht auch zur Entwicklung beiträgt, und niemals aufhört. Und das manchmal nicht das Irren der Fehler ist, sondern seine Fehler nicht einzugestehen. Und Größe darin liegt seine eigene Meinung zu vertreten und zu hinterfragen, immer wieder zu hinterfragen.

Deshalb, schlafe wohl, Arthur Miller. Ich werde dich nicht vergessen...

Sonntag, 9. September 2007

Die Ideen kommen...

Ich stecke schon viel tiefer in den neuen Roman, als ich mir das eigentlich vorgestellt hatte. Ich fange an überall Ideen für meinen Roman zu sammeln, entdecke Kleinigkeiten, die ich unterbringen könnte und in einigen Fällen werde. Und der Plot wird immer konkreter... genauer, und ich entwickele Ideen für die Figurenausgestaltung.

Oder anders gesagt: Ich arbeite wieder. Wenn auch wie immer langsam.

Montag, 3. September 2007

Abschied vom Autorenforum Montsegur und mehr... August 2007

Ich habe mich in diesem Monat von Montsegur verabschiedet, weil ich zuviel meiner weniger Zeit für Montsegur aufgewendet habe, statt zu schreiben. Und ich mich wieder einmal selber frustriert habe. Als wäre mein restliches Leben nicht frustrierend genug... .
Ich war in den ersten Tagen wie befreit, obwohl mir der Abschied unglaublich schwer gefallen ist. Weil ich mich dort so wohl gefühlt habe. Und dann saß ich vor meinem Roman.... und es geschah nicht viel.
Warum??
Weil ich das Gefühl habe, dass dieser Roman irgendwie schräg ist, aber nicht im Sinne Humor, sondern im Aufbau, in der Satzführung. Irgendetwas stimmt nicht. Und als wäre das nicht genug, ich habe den Roman an eine Stelle geführt, wo ich nach 15 Versuchen weiterzukommen gemerkt habe, dass ich im Moment nicht weiterkomme. Also habe ich den Roman beiseite gelegt, und weiterhin nichts geschrieben. Bis ich mich dann vorläufig von meinem Roman und einigen meiner Vorstellungen verabschiedet habe.
Ich werde vorerst wieder nur für mich und aus Spaß schreiben. Weil ich doch noch mehr zu lernen habe, als ich zwischenzeitlich gedacht habe. (Aber immerhin weniger, als ich befürchtet habe). Und ich werde das literarische Schreiben erst einmal ausbremsen... weil ich im Moment noch mehr an den Stoff ran muss. Hier hinkt der Roman Zwischenleben seit dem Anfang. Und hier muss ich Erfahrungen sammeln.
Deshalb werde ich jetzt erst einmal eine Zeit an einem neuen Roman arbeiten. Und es bringt einen riesen Spaß eine Geschichte mit viel Humor runterzuschreiben. Thema: Übersinnlicher Krimi