Sonntag, 1. Mai 2005

Einen Roman zu schreiben.... April 2005

Einen Roman zu schreiben beginnt immer mit einer gehörigen Portion Selbstüberschätzung und Naivität. Als ich im April 2005 mit meinem Romanprojekt "Märchenstunde" angefangen habe, hatte ich eine kurze Idee und zwei Figuren. Laura und Benedikt. Und jede Menge Hoffnung, Idealismus und Selbstüberschätzung.
Ich wollte einfach mal eben einen Roman schreiben, nachdem ich mich einige Jahre im Schreiben von Kurzgeschichten geübt habe.
Schuld waren unvorstellbar nette Menschen aus dem "Autorenforum.Montsegur", die mich kurz vorher mit meinen Kurzgeschichten fast überschwenglich gelobt hatten. Und natürlich mein Autorenpartner Stefan Fischer, mit dem ich damals schon einige Monate zusammen an seinen und meinen Geschichten gefeilt habe, mich über Handwerkszeug ausgetauscht, heimlich beklagt und immer wieder geredet habe, eigentlich über alles.
Natürlich habe ich den Roman wegen Geldmangel direkt in meiner Umgebung angesiedelt, in Köln. Und habe mir erst einmal Mühe gegeben genau in diesem Umfeld ein wenig zu recherchieren.
Und es lief ungefähr 30 Seiten eigentlich wunderbar. Natürlich habe ich mit einer schönen Szene angefangen:

Die meisten Menschen auf dem Eigelstein waren mit der Sonne verschwunden, nur wenige schlenderten noch an den Imbissen und Läden vorbei. Laura betrachtete sie von ihrer Seite der Glasscheibe, wartete auf Benedikt, bis das Geräusch von plätscherndem Wasser sie aus ihren Beobachtung riß. Mehmet schenkte ihr noch etwas Tee nach. Laura nickte, genoß versunken den nahezu magischen Geruch in dem türkischen Café: Ein Hauch von in Honig eingelegten Blätterteigteilchen, etwas wie Pistazien und Mohn, der Geruch nach schwarzem Tee. Ein wenig wie Wien, dachte sie, Weihnachten oder ein Urlaub in der Türkei. Laura drehte sich von der Glasscheibe weg, aus ihren Gedanken, seufzte.

Die Hauptfigur begleitet mein Romanprojekt übrigens bis heute, wenn auch nicht viel aus dem April 2005 übrig geblieben ist. Aber der Eigelstein ist genau wie Mehmet einige Monate später geschwunden. Als ich das erste große Problem bemerkt habe.

Ich bin ein intuitiver Schreiber, der mit einer Idee und zwei Figuren anfängt, und bei dem sich daraus der erste Satz ergibt, daraus der zweite usw.. Nur leider passiert es mir immer wieder, dass sich ein gemeiner und hinterlistiger Satz einschleicht, der dann das gesamte Romanprojekt hintertreibt. Der listig den Roman in eine falsche Richtung führt, die sicherlich in dem Moment des Schreibens wahnsinnig spannend ist. Aber mit jedem Augenblick ein wenig mehr von seiner Faszination verliert. Und klar, dass war das erste Problem.
So habe ich erst einmal lange Listen über die Figuren angefangen, habe begonnen die Handlung der nächsten Seiten zu entwickeln, und irgendwann hatte ich 70 Seiten Manuskript. Und dann habe ich festgestellt, dass ich so ebenfalls nicht weiterkomme, weil alles sich irgendwie nicht richtig angefühlt hat. Alles wirkte nur wie ein dünner Schatten eines Abbildes.

Ich habe einige Wochen gebraucht um zu bemerken, das ich den Roman an der falschen Stelle angefangen habe. Ich habe mit der Liebesgeschichte meiner Hauptfigur mit ihrem Exfreund angefangen. Aber wichtig für den Roman war nicht die Liebesbeziehung, sondern das Scheitern der Liebesbeziehung. Somit ging es im August 2005 an den Neustart, diesmal an einer anderen Stelle.